Ausgabe 
20.10.1902 Zweites Blatt
 
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verbinden möge. Minister Witte erwiderte, der Aar sei van der Friedensliebe erfüllt. Die Aufrechterhaltung der freundschaftlichen Beziehungen hänge von den Chinesen selber ab. Ter Aufenthalt des Ministers in Mukden war nur von kurzer Dauer.

Pretoria, 18. Oft Eine Abordnung einflußreicher Harrn er hat sich an den Vizegouverneur von Trans­vaal, Lawley, gewandt, um chn um Geldunterstütz­ung für die erforderlichen Neubefchaffungen zu bitten. Lawley erwiderte, die Regierung sei gewillt, hierfür Geld auszusetzen. Die Summe, jedoch nicht über eine halbe Million Pfund, solle gegen erste Hypothek auf den Land­besitz zu 4y8 Prozent geliehen werden. Tas Geld solle jedoch ausschließlich zu dem genannten Zweck verwendet werden dürfen.

Aus Stadt und Kaud.

Gießen, 20. Oktober 1902.

- Hofnachrichten. Aus Darmstadt wird uns telegraphisch gemeldet: Der Großherzog fuhr heute Morgen 9,45 Uhr mit seinen hohen Gästen, dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich und der Prinzessin Ludwig von Battenberg über Mainz und Bingen nach Schloß Rhein st ein, um dieses zu besichtigen. Heute abend 5,10 Uhr werden die Herrschaften wieder zurückkehren.

* * Hofnachrichten. Aus Darmstadt wird uns geschrieben: Am Samstag vormittag machten Prinz Heinrich nebst Gemahlin und Prinz Georg von Battenoerg einen Automobil-Ausflug durch das Mühl- thal und kehrten über Roßdorf zurück Nachmittags fuhren Prinz Heinrich, der Großherzog und Prinz Sigismund per Automobil nach dem Kranichsteiner Park. Heute Sonntag nachmittag fuhren Prinz Hein­rich und der Großherzog mit dem Automobil nach dem Kranichsteiner Schloß, woselbst sich die Prinzlichen Familien zu Wagen eingefunden hatten. Am Samstag abend beehrten der Großherzog und Prinz Hein­rich das Offizierkorps des Art.-Regts. Nr. 61 in dessen Kasino mit einem Besuch. Am Tienstag vormittag wird der Großherzog mit seinem hohen Gast voraussichtlich mit dem Automobil die Jagd besuchen.

* * Audienzen. Ter Großherzog empfing am 18. Oktober u. a. den General der Infanterie v. Linde- quist, kommandierenden General des 18. Armeekorps, den Oberlehrer Bölzing, Rektor der höheren Bürgerschule in Hungen, den Oberlehrer Dr. Kraus von Mainz, den Oberlehrer Dr. Nehb von Worms, den Lehrer Geißler von Altheim, den Güterexpedienten F r i e d s a m von Mainz, den Vorarbeiter Müller, den Polizeiamtmann Geb­hard, den Glasmaler Müller, den Professor D. Krü­ge r, Rektor der Universität Gießen, den Oberbürger­meister Dr. Gähner von Mainz, den Buchhändler Stern von Worms.

* * Personalien. Der Oberregierungsrat Wilhelm Best, sowie der Oberregierungsrat Dr. Karl Usinger ind von den ihnen seither übertragenen Stellen eines tündigen und eines stellvertretenden ständigen Mitglieds >es Landesversicherungsamts entbunden; der Oberregie- rungsrat Franz Hölzinger ist zum ständigen Mitglied des Landesversicherungsamts und der Regierungsrat Dr. Eugen Wagner zum stellvertretenden ständigen Mitglied bei der genannten Behörde, beide im Nebenamte ernannt worden.

)( Die Arbeiten an dem Provinzialfiechen- h a u s gehen allmählich ihrer Vollendung entgegen. Gegen­wärtig werden die letzten Anstreicher-, Schreiner- und Jn- stallateurarbeiten ausgeführt. Tie Pflasterung des Hofes und der Rinnen, die Chaussierung der Fahrwege, sowie die Einfriedigungen des Geländes und der einzelnen Abtei­lungen des geräumigen Hofes sind ebenfalls begonnen. Tie Kanalisierung, die Anlagen der Dampfheizung und der Wasserleitung sind ziemlich vollendet, an den elektrisch>en Leitungen wird noch gearbeitet. Am Freitag sprang ein Rohr der Wasserleitung wahrscheinlich hatte es hohl gelegen im Nu wühlte das Wasser den Boden auf, überschwemmte den südlichen Teil des Hofes und setzte die Kellerrüume des südlichen Gebäudes teilweise unter Wasser. Die Anstalt umfaßt das Verwaltungsgebäude an der Licherstraße, dahinter nach Westen in der Mitte des Ganzen die Speiseküche, in der vier große Kessel stehen, daran anschließend die Waschküche, in deren Kellergeschoß die Zentralheizung mit drei großen Tampfkesseln unter­gebracht ist. Seitwärts von diesem Gebäude befinden sich die Kohlenräume, aus denen die Kohlen mittels Roll­wagen in die Feuerungsschächte gebracht werden. Noch weiter westlich steht ein kleines Oekonomiegebäude, um den Kranken einige Beschäftigung zu bieten. Neben diesem Ge­bäude befindet sich ein Thor, von dem aus ein frisch chauffierter Weg nach dem oberen Friedhvssweg führt. Südlich und nördlich, etwa 30 Meter von der Speiseküche entfernt, stehen die beiden eigentlichen Krankenhäuser; das nördliche ist für die männlichen, das südliche für die weib­lichen Kranken bestimmt. Jedes der beiden Gebäude ist einschließlich des Mansardenstocks dreistöckig und hat nach Westen hin noch einen einstöckigen Anbau, in denen die mit besonderen Leiden behafteten Kranken untergebracht werden. Tie innere Einrichtung und Ausstattung der An­stalt mit Möbeln, Betten rc. wird in aller Kürze in An­griff genommen, sodaß man voraussichtlich anfangs Januar das Gebäude seiner Bestimmung übergeben kann.

** Bücher- und Lesehallen. Die Stiftungen und Stifter für die Grittidung von Bücher- und Lesehallen mehren sich nun auch in Teutschland, nachdem in England und Amerika darin längst vorangegangen, in erfreulicher Weise. In Görlitz hat der Kommerzienrat Otw Müller der Stadl eine Schenkung von 100000 Mk. zum Zweck der Gründung einer solchen Anstalt gemacht; in Dortmund hat der Oberbergrat Dr. Weidemann der Stadt die Summe von 100 0 0 M k. zu gleichem Zwecke überwiesen. Bei den sich täglich steigernden Allsprüchen, welche an die Gießener Lesehalle erhoben werden, wären solche größeren Zuwendungen freudig zu begrüßen.

* * Fernsprechverkehr. Boni 1. Mwember ad ist Gießen zum Sprechverkehr nut Barmen, Benrath, Bochum, Borbeck, Tüsscldors, Elberfeld, Essen (Ruhr), Gerresheim, Langenberg ^Rheinlmrd), Neuß, Neviges, Ratingen, Steele und mit den in der "Nähe dieser Orte gelegenen öffentlichen Sprechstelleli zu gelassen.

* Zu den Landtagswahlen. Aus Grünberg wird uns geschrieben: Einen reichlichen Unterhaltungsstoff bietet soeben für Grünberg und Umgegend tue Landtags- wahl. Ter aufgestellte Kandidat Moll oon Grünberg lehnte ab, und als Der inzwischen in Apotheker Welker- Allendorf gefundene Er,u - lelegraphisch ebenfalls eine Kandidatur ablehnte, nahm '.'.'toll in einer Samstagabend in Grüirberg avgehallenen, aber schwach besuchten Xkiiamm-

hmg toieber tzie Kanadarur an. Als der Tritte im Bunde erscheint jetzt aber der Kaufmann Ranft von Grünberg, der sich ebenfalls um das Mandat bewerben will. Ranßt hat sich als langjähriger Vorsitzender des Kriegervereins­bezirk Grünberg die Gunst seiner Kameraden in hohem Grade erworben. So dürfte der Ausgang des Wahlkampfes nicht uninteressant roerben.

* * Stadttheater. Blumenthals neues Lustspiel Die Fee Capriee", welches am 7. d. M. hier erst­malig mit größtem Erfolge zur Aufführung gelangte, wird auf vielfachen Wunsch am Dienstag, den 21. d- Mts., noch einmal gegeben werden. Es wird dies voraus- ^016 letzte Aufführung des beliebten Lusffpiels

er Saison sein. Die Direktton ist im Begriffe, mit dem Heldendarsteller des Frankfurter Schau­spielhauses, Herrn Richard Kirch, ein Gastspiel abzuschließen. Dasselbe findet wahrscheinlich am kommen­den Sonntag, den 26. d- M., statt. Herr Kirch spielt hier denOthello", eine seiner hervorragendsten Rollen.

- Der Sängerchor des Turnvereins feierte am Sonntag in der Turnhalle sein erstes Stiftungsfest. War s. 3. bei Erörterung der Frage über die Erweiterung der Turnhalle mit der Umstand maßgebend, daß den an Zahl zunehmenden Mitgliedern beS Turnvereins mehr Unterhal­tung wie bisher geboten werden müsse, so kam nach Fertig­stellung deS Umbaues die Erkenntnis, daß der Verein im eigenen Heim auch in der Lage fein müsse, aus sich heraus für Unterhaltung und zwar nicht nur turnerisch zu sorgen. Nach dem Vorgänge vieler deutscher Turnvereine trat bald ein Sängerchor zusammen, der bei der Weihnachtsfeier deS IahreS 1901 debütierte, vor die weitere Oeffentlichkeit aber beim Sommerfest deS IahreS 1902 trat. Einen genußreichen Abend wußte gestern derSängerchor deS Turnvereins" seinen Besuchern zu bieten. Besonders sei die Mitwirkung deS Fräul. Daubert aus Frankfurt a. M., einer Schülerin deS Hochschen KonseroatottumS, erwähnt, die in ernsten und heiteren Liedern zu fesseln wußte. Ihre Glanzleistung war jedoch ohne Zweifel die Atte ausSamson", da in derselben die schöne, volle Stimme der Sängerin recht zur Geltung kam. Ferner imponierte der Dirigent des SängerchorS, Herr Kasten, durch seine in zwei Klaoierpiöcen dargethane technische Sicherheit und künstlerisches Spiel, sowie durch sein decenteS, sich anpassendes Begleiten der Lieder. Was die Gesangsleistungen des SängerchorS anbetrifft, so war man wirklich überrascht über die außerordentlich gut gelungenen Gesänge. Man merkte, daß die Sänger unter energischer, umsichtiger Leitung stehen, sonst wäre in der kurzen Zeit deS Bestehens deS Vereins eine so schöne Gesangsleistung un­möglich. Nach einem weiteren Arbeitsjahr wird gewiß das, was noch mangelt, erreicht fein. Darin waren jedenfalls alle Hörer eines Sinnes, es ging ein frischer Zug durch die ganzen Darbietungen und dieser Zug möge die junge Ver­einigung immer weiter tragen. Gut Heil in Sang und Klang! Erwähnt mag noch werden, daß das Konzert sehr gut besucht war, die Turnhalle war bis auf den letzten Platz gefüllt.

** Ter GesangvereinCäeili a" aus Lich stattete am Sonntag den hiesigen Gesangvereinen Heiterkeit, Har­monie und Bauer'schen Gesangverein einen Besuch ab. Tie Vereine kommen alljährlich einmal zusammen, um einige vergnügte Stunden zu verleben. ®S ist Regel, baß bei diesen Zusammenkünften die Vereine auch Proben ihres Könnens ablegen. TerSängerkrieg" im Kleinen fand auf der Liebigshöhe statt. Die Liedervorträge der Gäste wurden von den Gießener Sangesbrüdern beifällig aus­genommen und mit Chor- und Quartettgesängen der Heiter­keit und des Bauer'schen Gesangvereins belohnt. Tie nächste Zusammenkunft findet wahrscheinlich in Lich statt. TieBürgergesellschaft" unternahm einen Aus­flug nach dem Windhof. Der Sängerchor brachte mehrere Lieder zu Gehör, die übrige Zeit füllten Klavier- und Violin-Vorträge aus.

** Der Marine - Verein Gießen beging am SamStag den 18. und Sonntag den 19. Oktober sein zehn­jähriges Stiftungsfest. Die Feier wurde durch einen Herrenkommers im Lenz'schen Felsenkeller eingeleitet, wozu die eingeladenen Gaste zahlreich erschienen waren. Nach einer Begrüßungsansprache deS 1. Vorsitzenden und Ab­sendung von Huldigungstelegrammen an den Kaiser, den Großherzog von Hessen und den Prinzen Heinrich begann die allgemeine FidelitaS. Für gute Unterhaltung durch Musik­vorträge und KoupletS war reichlich gesorgt. Letztere wurden zum größten Teil von alten Veteranen in sehr witziger Weise vorgetragen. Gegen Morgen wurde erst an den Aufbruch gedacht. Die Hauptfeier fand Sonntag Abend in Steins Gatten mit Theater, lebenden Bildern und Ball statt, wozu die eingeladenen Damen und Herren so zahlreich erschienen waren, daß der Saal sie kaum zu fasien vermochte. Die Festrede deS 1. Vorsitzenden, in welcher derselbe die Ent­wickelung deS Vereins schildette, sowie einen Ueberblick über unsere jetzigen Marineverhältnisse gab, endigte mit einem Hipp Hipp, Hurra! auf den Kaiser und den Großherzog von Hesien. Hierauf erhob sich der Vorhang und zeigte ein höchst sinniges lebendes Bild:Huldigung deS Kaisers und deS GroßherzogS von Hesien." Nunmehr gelangten zwei Ein­akter:Die Musterung auf dem Meeresgrund" undDie Seemannsbraut* zur Aufführung. Ersterer machte auf die Zuhörer tiefen Eindruck, letzterer brachte dagegen den Humor in bester Weise zur Geltung. Besonders exakt wurden die Rollen des Obermaaten vomTranSoaal", des Schiffsjungen derGneisenau" und deS Rentiers Kiebitz gespielt. Tie Damen fanden sich ebenfalls sehr gut mit ihren Rollen ab. Die Pausen wurden durch Musikpiöcen und KoupletS auS- gefüllt. Gegen 1 Uhr wurde mit dem von den Damen lang ersehnten Tanz begonnen, der bis tief in die Nacht dauerte. So kann der Mattne-Verein mit Genuglhmmg auf dieses Fest zurückblicken. Sonntag den 26. Oktober findet ein Ausflug und eine Nachfeier auf TextorS Terrasse statt. Erwähnt sei noch, daß Prinz Heinrich auf das an ihn gesandte Telegramm folgendes antwortete:

Darmstadt. 20. Oktober.

Für die mir vom Mattne-Derem Gießen üoerfanbte Depesche anläßlich des lOjädrigen Stniungssesies des Vereins sage ich meinen aufrichtigsten Dank, mit welchem ich die besten Wünsche für weiteres Gedeihen des Marine-Vereins verbinde.

Heinrich, Pttnz von Preußen.

♦♦ Der Landesausschuß hessischer Feuer­wehren, wählte in seiner letzten Sitzung einstimmig den Feuerwehrinspeltor und feiiljerigen zweiten Vorsitzen­den Keller- Mamz zum Vorsitzenden des Lan. oerban­

des, und zum Stellvertreter Kreisfeuerwehrinspektor Mül­ler-Offenbach. Es folgte eine Besprechung über die Aus­führung der in Bad-Nauheim gefaßten Beschlüfse. In erster Linie einigt man sich nach längeren Auseinander­setzungen dahin, daß für die Folge bei Hessischen Feuerwehr­tagen, wie dies ja auch schon früher bei Hessischen und Provinzialfeuerwehrtagen eingeführt war,von dem Lan­des-Ausschuß die Art und Weise der vorzuführenden Hebungen bestimmt und von demselben eine Kommission aus den vertretenen Wehren zur Kritik dieser Uebunaen eingesetzt werden soll." Ferner soll für eine Neubearbei­tung des Uebungsbuches für Feuerwehren im Großher^og- tum Hessen eine öffentliche Aufforderung erlassen werden, wonach Anträge auf Aenderung der bestehenden Bestim­mungen sachgemäße Anwendung finden sollen. Ter Abdruck der Sanitätsvorschriften wird nach Erledigung des in der letzten Tezemberversammlung hierüber gefaßten Beschlusses ebenso erfolgen. Bezüglich Einführung der einheitlichen Gradeabzeichen soll um gesetzliche Regelung bei der Re­gierung nachgesucht, die früheren Beschlüsse aber dabei zu Grunde gelegt werden. Ter Landesausschuß soll beim Großh. Ministerium sämtliche Verordnungen und Verein­barungen einholen, welche Bezug haben auf Befreiung vom Feuerlöschdienst nach Artikel 11, Absatz 2 und 3 der Landesfeuerlöschordnung, um solche in der Feuerwehr-Zei­tung zu veröffentlichen.

** Frischgepflückte Walderdbeeren wurden uns heute von mehreren Seiten übersandt. Ein Sttäußchen solcher Erdbeeren kann auch bei dem Gastwirt Schadeck in Salzböden bewundert werden. Von Gießener Ausflüglern sind kurz vor dem Schiffenberg ebenfalls frische Erdbeeren gefunden worden.

):( Stockhausen (Kreis Gießen), 19. Cf:. Gestern gegen abend ereignete sich zwischen hier und Flensungen auf der Staatsstraße Mücken-Freienseen ein Unfall, der jedoch noch verhältnismäßig glücklich ablief. Ter hiesige Landwirt B. schickte feinen 13jährigen Sohn mit einem Pferde zur Schmiede nach Flensungen, um es beschlagen zu lassen. Nachdem dies geschahen war, ritt der Knabe gegen abend, als es schon stark dämmerte, noch Hause. Unmittelbar hinter Flensungen warf nun das Pferd dnr kleinen Reiter ab, phne daß dieser Sck)aden nahm, und lief dann in rasendem Galopp die Straße entlang nach Stockhausen zu. Hier kam ihm der Brotwagen des Bäckers Kraft aus Freienseen entgegen, in welches es, durch die Laterne am Wagen geblendet, hineinrannte. Infolgedessen siel der Wagen um und die Laterne wurde zertrümmert. Brot und Brötchen sielen aus dem Wagen, der ebenfalls starke Beschädigungen aufwies. Ter Bäcker selbst fiel unter das Fuhrwerk, ohne größeren Schaden zu nehmen. Tas durchgegangene Pferd rannte, wie es schien, unverletzt seinem Stalle zu. Als sich der Bäcker un;ter dem umgestürzten Wagen hervorgearbeitet hatte, kam der abgeworfene kleine Retter des Weges und erklärte dem brot- und brötchen­sammelnden Bäckermeister, wie alles gekommen wäre. Kraft schätzt den verursachten Schaden auf 5060 Mark.

)( Aus dem Lumdathale, 19. Okt Im Auftrage des Vorstandes der Kriegerkameradschaft Hassia hiett Lehrer Volk aus Schadenbach in Treis und Allendorf patriotische Vorträge, welche von den zahlreich erschienenen Kameraden und anderen Zuhörern mit Beifall ausgenommen wurden. In Treis sprach der gewandte Redner gestern abend über: Tas politische Treigesttrn der Freiheitskriege", in Alien­dorf heute mittag über:Königin Luise und chre Zeit" und in einem zweiten Bortrage über:Bismarck". Tie Zu­hörer hegen den Wunsch, daß ihnen auch in Zukunft folcfye stimmungsvoll vorgetragenen Lebensbilder geboten werden.

Frie dberg, 20. Okt. In der 28. Sitzung der Großh. Handelskammer wurde u. a. vom Donners­tag, den 9. Oktober, bettchtet, wie sich die Verhättnisse des Arbeitsmarktes z. Z. gestaltet haben, ob und in welcher Industrie Arbeitsentlasiungen etngetreten, oder Feiertage ober Kürzungen der täglichen Arbeitszeit ein- geführt sind, und ob eine Zunahme ober Abnahme der Arbeitslosigkeit für den kommenden Winter im Vergleiche zum Vorjahre zu gewärtigen ist usw. Die Kammer hat sich das erforderliche Material für ihr gesamtes Gebiet durch Rundfrage bei ihren Mitgliedern, den größeren Firmen, dem Gewerkschaftskartell Vilbel, und der OrtS- trankenkasse Friedberg verschafft. Wir stellen aus diesen Einzelberichten fest, daß eine eigentliche ArbeitS- n 01 im Kreise Friedberg nicht existiert, wohl aber ein größeres Angebot von Arbeitskräften. Aus dem Bezirk Vilbel wird insbesondere über Arbeitsmangel ui dem Baugewerbe, der Metallbranche und in den Schuh fahri- len geklagt. Die in der Umgegend von Friedberg be­schäftigten Bauhondiverker sind meist von der Zuckersabttk Wetterau ausgenommen worden, doch wird befurchtet, daß sich im Dezember größerer Arbeitsmangel fühlbar machen wird in Bad-Naubeim ruht das Baugewerbe vollständig. Aus dem greife Bübingen wird berichtet, daß Tank der Glas- und Steinindustrie die Lage des Arbeitsmarktes günftig ist und auch die Landwirtschaft noch Arbeiter be­nötigt. Im Bezirk Nidda herrschte im großen und ganzen lein Arbeitsmangel, jedoch fehlt es noch an landwirt­schaftlichen Arbeitern. Im Kreise Schotten sind die Ar- beitsverhältnisse dieselben wie im Vorjahr, es ist genügend Besck-ästigung vorhaiiden, Zigarrenfabriken klagen über Arbeitermangel, auch fehlt es an landwirtschaftlichen Ar­beitern.

)( Schotten, 19. Okt- Unter dem Vorsitze des Kreis- schulinspeltors Backes wurde gestern im LehrerheimVo­gelsberg" die amtliche HerbsttonferenzdesBeKirks Schotten abgehalten. 4üich Mitteilungen, die Schulen und Fortbildungsjchulen betreffend, referierte der Vor­sitzende selbst über die modernen Bestrebungen, das Ziel und die Methode .deS Zeichenunterrichts in der Volksschule. Lehrer Gr e m m-Eichelsdorf zeigte dann in seinem Referat, wie einfache Buchführung auch in unseren ländlichen Fortbildungsschulen getoinnbrnigenb für die Beteiligten zu betreiben sei.

)( 'Benin gS, 18. Cft In dem Wald bei Merkensritz wurde dieser Tage eine, noch geladene Granate von der Beschießuiig des Galgenberges herrührend, von einem Bauersmann gesunden. Ebenso wurde ein Blindgänger von einem Weningser Burger nach Hause georaau. inn früherer Artillerist besichtigte das Geschoß und bemerke, daß es noch geladen sei. Auf Anzeige bei der Ortspolizei wurde von Tarmstadt ein Cberfeuenoerter nach Wenings beordert. Tie Geschosse wurden aufs Feld getragen unb mittels langer Zunoschnur gesprengt. Im Galgenberg liegen wohl noch manche Gescholse, die nicht krepiert sind.

(-) Darmstadt, 19. Olt. Im Saal zurStadt Pfungstadt" hierselbsl war heute vormtttag der Lanbes­au s s ch u ß der nationalliberalen Partei in Hessen zu einer Längeren Besprechung zusammengetreten, die sich fast aus­schließlich mit der in aller nu^e stattfindenden Land­tag s w a h l beschäftigte. Tie Verhandlungen waren 1trenf