Ausgabe 
20.10.1902 Erstes Blatt
 
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Burena euer ale, die sich cm dtL vereitelte Audienz beim Kaiser schloß, beim deutschen Bolte vermehrt wor­den ist. Der Empfang, den die Bewohner der Rercyshaupt- stadt Telarey, Botha und Dewet bereitet haben, steht bei- spiellos da. Unter Hochrufen einer dichtgedrängten Stenge, die die Helden mit Blumen überschüttete, hielten bie Ge­nerale ihren Einzug in Berlin. Alles aber übertr.sft die Begeisterung, die vor dem HotelPrinz Albrecht", dem Absteigequartier der Generale, jum Ausdruck kam. Aus vielen tausend Kehlen erscholl in spontaner Eingebung tote aus einem Munde das Lied:Deutschland, Deutsch- land über alleS", nachdem die Generale chre Sympcttyie- ansprachen für Teutschland vom Balkon des Hotels an die unten Harrenden gehalten hatten. Will jemand an der Echtheit der Empfindungen noch zweifeln angesichts dieser ganz unerwarteten Kundgebung? Die Worte und das Hurrahrufen genügten nicht mehr, im Gelange fand Aus­druck, was alle beseelte. Und damit auch der Humor nicht fehlt, antwortete man der Berliner Polizei, die in be- Imrnter Fürsorge die Wogen der Begeisterung nicht zu hoch gehen lassen wollte, mit dem drolligen Verse:Nach Hause gehen wir nicht!" Lange noch blieben die Menschen vor dem Hotel beisammen und sangen Lieder durch die Nacht, und man kann es den Berichten über alle die fest­lichen Ereignisse der nun beendeten Berliner Burentage glauben, wenn sie vonunvergeßlichem Eindruck'", voner­greifenden AugenbUcken" zu erzählen wissen.

Es wird bestätigt, daß der Kaiser den Wunsch aus­gesprochen hat, Offiziere und Soldaten sollten sich an den Ovationen und Versammlungen für die Burenführer nicht beteiligen. Dadurch mag sich erklären, daß zu der am Freitag veranstalteten großen Versammlung, zu der sonst aus allen Klassen der Bevöl­kerung riesiger Andrang herrschte, nur wenige Offiziere erschienen waren, denen der kaiserliche Wunsch nicht recht­zeitig zur Kenntnis gekommen sein wird. Man wird es allgemein bedauern, daß, nachdem ursprünglich der Kaiser selbst geneigt war, die Burenführer zu empfangen, nun eine so weit gehende offizielle Boykottierung der tapferen und unglücklichen Männer für nötig gehalten wurde. Tie neue st en Kaiserworte von Fehrbel­lin. daß der Offizier in unmittelbarer Abhängig­keit von seinem Landesherrn stehen soll, scheinen sicht­liche Beziehung hiermit zu haben, und ganz besonders auf­fällig wirken die Schlußworte vomunbedingten Ge­hör s a m" des Märkers. Ter Kaiser wünscht, unsere Söhne mögen chrevornehmste und höchste Pflicht in der Ver­teidigung des Vaterlandes, die höchste Arbeit im Waffen­wert sehen." Nun, man hat soeben in der Reichshauptstadt dem deutschen Kaiser bewiesen, daß rückhaltlose Anerkenn­ung persönlicher Tapferkeit und Vaterlandsliebe, wie sie das kleine Burenvolk in schwerem, langdauernden Kriege gegen die Weltmacht England gezeigt haben, in deutschen Herzen keineswegs erloschen ist. Wer auch der Sinn für Gerechtigkeit ist dem deutschen Volke nicht abhanden ge- tommen, und auch der abseits Stehende hat bemerken können, daß derartige Empfindungen stärker sind als das Verständnis für unklare diplomatische Rücksichten. Wer da glaubte, daß der Empfang der Burengenerale in Berlin infolge irgend welcher nebelhafter Vörgänge hinter den Kulissen der Oesfentlichkeit beeinträchtigt werden würde, muß enttäuscht worden sein und hätte zu der Einsicht kommen können, daß dadurch eher das Gegenteil der be­absichtigte Wirkung hervorgebracht werden würde. Tas Poll läßt sich nicht emsach kommandieren wie eine gedrillte Armee!

Im Aus lande sind zwei der großen Ausstände vor­über. Ter Genfer, der bedenklichen Umfang anzuneh­men drohte, hat plötzlich mit einer vollständigen Nieder­lage der Gewerkschaften geendet. Tie Beilegung des ame­rikanischen Kohlenbergarbeiterstreiks ist offiziell erklärt worden, nachdem er an 22 Wochen gewährt hatte. Ter Einsetzung einer Kommission, der sich anfangs Schwierigkeiten entgegenstellten, haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer schließlich doch zugestimmt, und es muß als ein Erfolg Rovsevelt's angesehen werden, daß die Zu­sammensetzung der Kommission völlig in seine Hände ge­legt worden ist. Ter Führer der Arbeiter, Mitchell, hat bis jetzt die Anerkennung des Arbeiter-Gewerkverems seitens der Grubenbesitzer noch nicht durchsetzen können, aber es ist zweifellos, daß sonst die Arbeiter einen mora­lischen Sieg errungen haben, denn die Trustleute haben sich dem schiedsgerichtlichen Austrage, den sie zuerst radikal ablehnten, nunmehr doch gefügt, und sich in ihrer Stellung der öffentlichen Meinung unterordnen müssen. Es ist kaum zu erwarten, daß die Frage der Anerkennung des Gewerk­vereins ein Hinderniß für die ent)gütige Ausnahme der Arbeit bilden wird.

In Frankreich und Belgien dauert der Kohlen- arbeiterausstand unverändert 'an und sein Ende ist vor­läufig nicht abzusehen. Born nationalen Bergarbeiterver- bande Frankreichs streiken gegenwärtig 160000 Bergleute und nur 14000 arbeiten. Auch der deutsche Berg­arbeiterve r band stimmt diesen Ausständen zu und hat sich verpflichtet, keinerlei Ueberstunden zur Vermehr­ung der Kohlenförderung zu gestatten.

Auch in Spanien ist z. Z. die Arbeiterfrage bedenk­licher als im Sommer, und das Ministerium beschloß energische Maßregeln zur Unterdrückung des Konfliktes. In Jerez wurden aus La Linea eintrefsende Anarchisten verhaftet und alle nichtansäfsigen oder dokumentelosen Ar­beiter des Nachts aus den Logierhäusern geholt und zum Verlassen der Stadt gezwungen. Es herrscht große Er­regung, die Ruhe wurde jedoch bisher nicht gestört. Ter Ausstand crßrift die Bezirke Arcos und Medina Sidonia. In Eadiz wird ein allgemeiner Ausstand befürchtet.

Im verbündeten ^lachbarlande Oesterreich ist der Kampf um den Sprachenausgleich zwischen Deutschen und Tschechen von neuem entbrannt Der von der Regierung vorgelegte Gesetzentwurf sand bei beiden .Vvlksslämmen leinen Anklang. Wann wird das schwergeprüfte Land im Innern zur Ruhe kommen l Auch die Ausgleicbsverhand- lungen mit Ungarn kommen nicht von der Stelle. Neuer­dings heißt es, daß der ungarische Ministerpräsident v. Szell in absehbarer Heil überhaupt nicht nach Wien reisen wird. An eine Erledigung ist also vorerst nicht zu denken.

Auch auf dem Balkon läßt die Ruhe wieder zu wünschen übrig. Es kamen Hiobsposten, daß Macedonier, Sulgamt und Türken auf einander schlagen und es wird von argen Metzeleien und Bränden berichtet, welche Mel- düngen aber offiziös widerrufen werden. Die Zustände sind namentlich in den verschiedenen Grenzbezirken so verworren, daß man dort unten augenscheinlich selber nicht recht weiß, wie der Hase läuft Es scheint drcngend geboten, daß bei Status quo" butt

tvLüberhei gestellt wird, für eine .lüang wenigstens, ^n Serbien ist die Minilterlombü^.wn Zinzar

witsch gescheitert. DaS Kabinett Wuitsch verbleibt vorläufig im Amte.

Vom süd amerikanisch en Revolutionsschauplatze lauten die letzten Meldungen günstig. Es hat in Vene­zuela bei La Viktoria eine Schlacht stattgefunden, in der etwa 14000 Mann kämpften. Nach den letzten 'Nachrichten hat sie mit dem vollständiaen Siege des Präsidenten Castro geendet, nach sieben blutigen Tagen, in denen die Aufständischen 3000 Mann verloren. Auch auf Haiti ist die Revolution unterdrückt, die deputiertentammer wird nunmehr die Wahl der Senatoren vornehmen können und die Wahl des Präsidenten der Republik Haitt wird dann wohl auch demnächft stattfinden. Kandidaten für die Prä­sidentschaft sind Fouchard und Seneque Pierre. Die Kandi- datur Firmin zählt nicht mehr.

Heer und Flotte.

General v. Deines. Wie das Wölfische Bureau meldet, ist der Kommandeur der 21. Infanterie-Division v. Deines zum kommandierenden General des 8. Armeekorps ernannt worden. Ter neue komman­dierende General des 8. Armeekorps, General-'Adjutant des Kaisers und Königs Wolf v. Teines, ist 1845 in Hanau geboren. 1878 Hauptmann im Generalstabe, stand er längere Zeit beim Slvbe des 8. Armeekorps in Koblenz, 1885 zum Major im Generalstabe befördert, wurde er als Militär-Attache zur deutschen Botschaft nach Madrid ver­setzt. Hier trat er u. a. in persönliche Beziehungen zu dem nach Madrid entflohenen Marschall Bazaine, von dem er für die Kriegsgeschichte wertvolle Aufschlüsse über die Ope­rationen der französischen Nheinarmee am 14., 16. und 18. August 1870 sowie über den Gang der Ereignisse in Metz während der Belagerung erhalten hat. 1887 kam er als Militär-Attachs zur Botschaft nach Wien. Als die kaiserliche Familie ihren Aufenthalt in Wbazia nahm, wurde er von Wien aus dorthin berufen. Hier erwarb er sich das Vertrauen des Kaiserpaares in dem Maße, daß er 1894 zum Obergouverneur der kaiserlichen Prinzen ernannt und nach Plön versetzt wurde, wo ihm insbesondere auch die Ueberwachnng der militärischen und wissenschaftlichen Vor­bildung des Kronprinzen und des Prinzen Eitel Fritz ob­lag. Am 16. Juni 1900 wurde er als Generaladjutant zum Kommandeur der 21. Division in Frankfurt a. M. er­nannt.

Stuttgart, 18. Okt. Generalleutnant v. Hugo, beauftragt mit der Führung des Württembergischen Armee­korps, in vom König zum kommandierenden Ge- neral desselben ernannt worden.

Aus AlM und Land.

Gießen, den 20. Oktober 1902.

Gedenktage. Am 21. Oktober 1870 wurde ein Ausfall der Franzosen aus Paris von den Werken des Mont Valerien mit 12 Bataillonen und 40 Geschützen unter den Augen des Königs nach dreistündigem Gefecht bei Mal- maifon zurückgeschlagen. Die Vortruppen der 9. und 10. Division und des 1. Garde-Landwehr-Regiments machten mehr als 100 Gefangene und nahmen drei Geschütze des Generals Ducrot. Wenige Stunden später fiel die Pariser Garnison mit drei Bataillonen, Artillerie, Mitrailleusen gegen Champigny aus, wurden aber von den württembergischen Vor­truppen tapfer abgewiesen.

** Provinzialausschuß. Am Mittwoch dem 22. d. Mts., vormittags y,9 Uhr, findet im Sttzungssaale des RegierungSgebüudes eine öffentliche Provinzialausschuß­sitzung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Festsetzung des Gehalts des Forstwatts Bergt zu Lang-Göns. 2. Herstellung deS Fußsteigs an der Romröderstraße zu Alsfeld. 3. Das Verhalten des Bürgermeisters Falck in Udenhausen. 4. Rekla­mation gegen den Voranschlag von Vilbel. 5. Die Bürger­meisterwahl in Vockenrod. 6. Die Faselhaltung in Breunges­hain. 7. Die Hebamme Jssley in Udenhausen.

** Dienstjubiläum. Wie uns mitgeteilt wird, werden am nächsten Mittwoch dem 22. Oktober fünf­undzwanzig Jahre dahingegangen sein, seit Schwester Lenchen Welsch ihren Dienst in unserer Klein- kinder-Bewahranstalt angetreten und ununterbrochen mit Treue und Tüchtigkeit gefühtt hat. Der Anstalts- Vorstand wird in Vereinigung aller seiner Mitglieder der Jubilarin an ihrem Ehrentage, vormittags 11 Uhr, im großen Saale der Kleinkinderschule seine Glückwünsche entgegen« bringen. Wer sonst aus der Stadt der Schwester Lenchen auch einen Glückwunsch aussprechen und dies im Anschluß an den Vorstand thun will, wird gebeten, um 11 Uhr vor­mittags am nächsten Mittwoch in der Kleinkinderschule sich einzufinden.

♦♦ Zur Außerkurssetzung der Zwanzig- Pfennig-Stücke aus Nickel ist jetzt der letzte Schritt gethan. Während von den silbernen Zwanzig-Pfennig- Stücken für nahezu 36 Millionen Mark ausgeprägt worden waren, sind Nickel Zwanzig-Pfennig-Stücke nur für fünf Millionen herbestellt worden. Von diesen ist übrigens schon der größte Teil eingezogen.

** Auf dem Frankfurter Kongreß zur interna­tionalen Bekämpfung des Mädchenhandels fühtte der Pariser Polizeipräfekt Lepine Folgendes aus:Ein Hauptaugenmerk ist auf die Presse zu richten. Die Preffe hat eine ungeheuere Macht, denn sie wacht wie kein anderes Organ über die Erfüllung der Pflichten und sorgt durch ihre fortgesetzte Kontrolle dafür, daß die Behörden in allen In­stanzen stets ihre Pflicht thun. Ich empfehle Ihnen als ein Mann der Praxis, sich die Zuneigung der Presse dadurch zu erwerben, daß Sie sie fortwährend mitAktuali­täten^ versehen. Stellen Sie ruhig einen Mann, der für die Rubrik der Tagesneuigkeiten sorgt und sich stets Deffen bewußt ist, daß kleine Geschenke die Freundschaft erhalten."

**EinesehrhübscheSerievonFrankfurter Ansichtspostkarten ist unlängst im Verlage von Heinrich Stoltze in Franfiurt, dem Enkel des berühmten Friedrich Stoltze, erschienen. Alle sind mit anmutigen, köst­lichen Versen versehen entweder von dem großen Frank­furter Tialektdichtcr selber, den man mit Recht zu den besten Humoristen Deutschlands zählt, oder von dessen eben­falls als Lokalpoeten wohl bekannten und beliebten Sohne Wolf. Und alle tragen irgend ein neckisches Bildchen oder eine wohlgelungene Frankfurter Stadtansicht. Kein Zweifel, sie werden auch bei und in Gießen und in ganz Oberhessen viele Freunde finden.

§ Butzbach, 19. CEt Anläßlich der 50jährigen Wieder­kehr des Todestags Jahns veranstallete der hiesige Turn­

verein heute nachmittag im ? Hessischen Hof" eine würdige Jahngedächtnisfeier. Dieselbe wurde mit dem all­gemeinen Liede ,Dcm Andenken JahnS" eingeleitet, worauf Pfarrer Loos die "Festrede hielt. Letztere hatte das Witten und die Verdienste Jahns um die deutsche Turnsache zum Mittelpunkt und schloß mit einer zeitgemäßen Mahnung an die Turner. Alsdann wurden lebende Bilder und turnerische Leistungen bargeboten, wonach das Festlied ,Meister Jahn" zum Vortrag gelangte. Eine gemütliche Familienunterhaltung bildete den Schluß der Feier.

? Lauterbach, 18. Oktober. Die am 13. Oktober vollzogene Einweihung des prachtvollen Neubaues unserer höheren Bürgerschule, hatte ein überaus zahlreiche- Publikum aus Stadt und Land angelockt. Nachdem am neuen Schulgebäude der Weiheakt vollzogen war, fand im Saalbau zum Johannisberg die Feslfeier statt. Tie Tann- Häuser-Ouverture (Klavier vierhändig und Stteichorchesler) eröffnete den Akt. Hierauf hielt Rektor FörmeS die Fest­rede über die Aufgaben der Schule und schloß mit einem Hoch auf den Großherzog. Dann setzte wiederum das Schülerorchester mit der^tiuS-Ouvertüre' ein, um das von Assessor F. Fr. Werner verfaßte Festspiel stimmungsvoll einzuleiten. Das flott gespielte Stück machte auf die den Saal in dichten Reihen füllenden Zuschauer einen über­wältigenden Eindruck. Lebhafter Beifall begrüßte die Dar- steller, teils frühere, teils jetzige Schüler und Schülettnnen der Anstalt. Der Verfaffer wurde unter lautem Jubel herausgerufen.

Darmstadt, 16. Okt. Die diesjährige Jahres­versammlung des Hessischen Zweiges der Südwestdeutschen Konferenz für Innere Mission soll, wie dieTarmst. Ztg." schreibt, am 28. und 29. Oktober in Darmstadt abgehalten werden. Am Dienstag, 28. Oktober, wird ein Festgottesdienst in der Stadtkapelle die Tagung einleiten, worauf am Vormittag des 29. um 9 Uhr eine Versammlung der Ausschußmitglieder, Agenten und Synodalvertreter der Konferenz folgt. Um 1/211 Uhr wird dann im Feierabend" unter dem Vorsitz des Professors Weimar von hier die Hauptversamm­lung stattfinden, für welche folgende Tagesordnung auf- gestellt worden ist: Eröffnung mit Gesang und Gebet, Er­stattung des Jahresbettchts, Vorttag der Rechnung und des Voranschlages. Als Verhandlungsgegenstand ist das Thema:Verträge in Stadt und Land Über religiöS-sttt- liche Gegenstände von Geistlichen und Laien der Landes­kreise" in Aussicht genommen, worüber Pfarrer Korell von Königstädten referieren wird. Ein gemeinsames Mittag­essen soll sich an die Hauptversammlung anschließen.

--- 1 11 5B Vermischtes.

* Paris, 19. Okt. Ein großarligesSchwindel- ge schäft liefert der Pariser Presse reichlichen Unter­haltungsstoff. Eine Frau Civet, welche sehr reich und seit mehreren Jahren getrennt, aber nicht geschieden war, hätte sich gern wieder verheiratet. Ta sie eine gläubige Katholikin ist, so wollte sie der Scheidung aus dem Wege gehen und nahm die Vermittelung eines Salongecken an, der sich für den Großkanzler des Erzbischofs von Smyrna ausgab und behauptete, er fei im Vatikan gut angesehen und werde mit Leichtigkeit die Ehe der Frau Civet durch den Papst für null und nichtig erklären lassen. Nur gab er zu verstehen, daß die Dame gut thun werde, wenn fit die Formalitäten durch Spenden für den PeterSpfennig und die Propaganda beschleunigte. Frau Civet ließ über 70000 Franken durch die Hände des Vermittlers gehen, und vielleicht hätte sie noch mehr gethan, wenn sie nicht plöd- lich entdeckt hätte, daß sie sich in den Händen einer Schwind­ler-Bande befand. Ein Abbs Guillaumin, Lehrer am Priesterseminar in Nogent le Rotrou, hatte ihr geraten, einen stattlichen Teil ihres Vermögens einem seiner Freunde, einem Bankier Malleval, anzuvertrauen, der es durch ge­schickte Börsenspekulationen vermehren würde. Sie gab Malleval 500000 Franken, umd als sie einen kleinen Teil davon zurückverlangte, wg er sie bin und floh endlicb ins Ausland. Der Abbö Guillaumin ist jetzt verhallet und der Großkanzler des Erzbischofs von Smyrna ebenfalls.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Wir ersuchen die Herren Einsender, ihre Manuskripte nur auf einer Seite beschreiben zu wollen.

Die Red. d. Gieß. Anz.

Grünberg, 18. Okt.

Bezugnehmend auf die Berichterstattung über die 8. Provin* zial-Geflügct-Ausslellung zu Büdingen imGieß. Aw>." glaubt Einsender dieses einiges zur Richtigstellung sagen zu müssen. Bor alten Dingen begrüßt es der Referent großer Freude, daß die Hamburger Rassen in Büdingen nicht so zahlreich vertreten gewesen seien, wie aus den gleichen Ausstellungen in Friedberg und Nau­heim und zieht daraus den Schluß, daß diese Rassen immer mehr in der Abnahme begriffen seien. Doch dann irrt er sich gewaltig. Gerade im Vogelsberg werden gegenwärtig die Hamburger Rassen m noch viel größerer Zahl uud in weit besserer Dualität ge­züchtet als vor zwei ober drei Jahren. Dort finden sich Züchter, die mit großer Sachkenntnis und Energie schon seit Jahren an der immer größeren Vervollkommnung dieser schönen Hühnerrasse ar­beiten und auch schon recht bedeutende Erfolge erzielt haben. Wenn dieselben nicht in Büdingen, ober boch nur teilweise, nickt ausgestellt hatten, so ist bas wohl nicht in dem Rückgänge ber Zucht begründet, sondern es mögen andere Ursachen maßgebend gewesen fein, die wir jedoch nicht, weiter erörtern wollen. Auch ist der Be­richterstatter ganz irriger Meinung, wenn er glaubt, die Hamburger seien für das stäche Land nicht geeignet Es giebt fein Huhn, baß mehr die Freiheit liebt und das eitriger im Scharren und -Luchen ist, als gerade das Hamburger und bei freiem Aus laus entfaltet sich auch erst die Pracht feines Gefieders und wird dann tatsächlich auch zu einer Augenweide, die dem Züchter in der <ctabt, ber ge­wöhnlich auf enge Räume angewiesen ist, in nur ganz ausnahms- weisen Fällen zutell wirb. Ferner glaubt der Berichterstatter kon­statieren zu können, baß bie Zucht der Minorkas ebenfalls im Rück­gang begriffen fet Doch auch dann irrt er sich gewaltig. £te Zucht dieser Rasse hat gerade im Vogelsberg sehr an Ausdehnung gewonnen, wenn auch, und dann geben wir dem Referenten gerne Recht, das rcb. Jtalienerhuhn an ber Spitze marsch tert, X. 1 Z.

Soweit ber Herr Einsender. Wir haben unseren Herrn Be- richterstatter für bie in Rebe stehende Ausstellung ersucht, sich zu vorstehenden Zeilen zu äußern und erhalten von ihm folgende E r - " ^Tie ^Behauptung des Herni Einsenders, daß das Hamburger Huhn ui unserer Provinz in Qualität bester gezüchtet werde, als früher, ist in meinem Referate über bie Verbanbs-Ausstellung ui Büdingen nicht bestritten worben. Wir haben ja in unserer Pro- vinz einen Hamburger Spezialzüchter, ber auf bem Gebiet der ^portgestügetzucht hervorragendes leistet. Tie Thatsache aber,, une ia die Büdinger Ausstellung beweist, baß das Hamburger Huhn an .iabl auch im Voaelsderg abnimmt und durch die jtaltentt