Dori den Mitgliedern des geschQftspDrendeN Ausschusses des Kaiser Friedrich'-Denkmals wurden dekoriert: Bürgermeister Jarnin und Karl von Grunelius erhielten den Loten Adlerorden vierter Masse, Hauptlehrer Fehler den Adler zum Ho henzo Herrischen Hausorden und der Dirigent beä Mcttn-Taunns-Sängermrndes, Wilhelm Geis-Wiesbaden, den Kronenorden vierter Klasse. Der Kaiser Hat dem Cron- Verger Krankenhaus, das den Namen der Kaiserin Friedrich trägt, aus dem Stiftungsfonds eine jährliche Unterstützung von 10000 Mark zugewendet._________'
Komische Tagesschau.
Weiteres zum Fall Lohuiug.
Wir hatten gestern eine Posener Zuschrift des Reichsboten wird er gegeben, die sich mit dem persönlichen Auftreten des früheren Provinzial-Steuerdirektors Löhning beschäftigte. Jetzt ergreift Geheimrat L. selber das Wort. Er scAeibt u. a.:
Die Schlittschuh bahn habe ich nicht nur nach dem Tode meiner zweitep Frau, sondern auch bei ihren Lebzeiten und zwar jcfcin Winter regelmäßig besucht. Jungen, wohlgebil.«eten Mädchen habe ich aus dem Eise in Posen niemals den Hof gemacht. Den Eissport treibe ich für mich allein. Ebensowenig habe ich in Gesellschaften in Posen jemals jungen Mädchen den Hof gemacht. Den kath otischen d eut- schen Verein habe ich im ganzen dreimal besucht und zwar allein auf Bitten und Wunsch meiner erwachsenen, noch lange nicht 30jährügen Tochter. Ich bin kein Mitglied des Vereins gewesen und bin auf wiederholte Einladung als Gast daselbst erschienen. Bei dem ersten Besuche im September vorigen Jahres schloß eine bei mir zum Besuch weilende Nichte Bekanntschaft mit einem jungen Arzte in Posen; einige Tage darauf sand die Verlobung statt. Getanzt habe ich nicht. Das zweite Mat besuchte ich den Verein und zwar wiederum nur auf Bitten meiner Tochter im November vorigen Jahres — — getanzt habe ich nicht —, das dritte Mal im Januar dieses Jahres und zwar wiederum meiner Tochter wegen. Dieses Mal habe ich eine einmalige Runde mit den Töchtern des mit mir an einem Tische sitzenden Steuerrates Umbach und Gymnasialdirektors Schroer getankt und einmal mit meiner jetzigen Frau.
Diese Ausführungen des Angegriffenen widerlegen vollkommen den Klatsch daß Löhning „jungen, wohlgÄildeten Mädchen den Hof zu machen pflegte". Insbesondere aber wird cs einen guten Eindruck machen, daß in der Zuschrift mit keinem Worte auf die bekannte offiziöse Note Bezug genommen ist. Für manchen hätte die Versuchung nahegelegen, der Berichtigung die Abwehr hinzuzufügen. In diesem Falle hatte freilich die Presse das so gründlich besorgt, daß kaum noch etwas zu thuu übrig blieb.
Ferner erklärt der Vorsitzende des katholischen deutschen Vereins in Posep, Schulrat Brandenburger, folgendes:
Dem Verein gehören die böheren Beamten, Geistliche und Lehrer mindestens in demselben Verhältnis zu ihrer Gesamtzahl an, wie die Subalternbeamten, Pfarr- gListliche und Volksschullehrer. Unsere Kaufleute und Meister haben alle den Vorzug, wohlachtbare Leute zu sein. Der Verein ist zwar ein geselliger, aber weder ein Spiel-, noch Trink-, noch Tanzverein. Er pflegt nur edle Geselligkeit und ist sich stets der hohen ethischen und sozialen Aufgabe unserer Gesellschaft bewußt. Aus zwölf . Herrenabende kommt ein Festabend, und von 15 F-anulien- abenden gelten nur 3 den Vergnügungen. Allein selbst bei diesen Festen wurde ein großer Teil der Zeit den höheren Zielen (durch Ansprache, Gesang, Musik, Haus- theater) und nur der Rest dem Tanz gewidmet. So ost sich aber Tanzgelegenheit bot, vollzog sie sich in den Formen einer vornehmen Gesellschaft. Geheimrat Löhning folgte dreimal meinen Einladungen zu den Vereinsfesten und soll bei dem drittenFeste auch getanzt haben.
Aus und Land.
Gießen, 20. August 1002.
• Jubiläum. Heute vor 25 Jahren wurde die Wirtschaft „Zum Schipka-Paß" von dem damaligen Besitzer Theodor Lony gegründet. (19. August 1877 Gefecht bei Plewna und Schipka-Paß.)
-1- Heuchelheim, 19. Aug. Gestern abend fand sich im „Treppchen" eine nicht geringe Anzahl von Bürgern ein, um den Tag von Gravelotte, an welcher Schlacht auch hiesige Krieger teilgenommen hatten, wie alljährlich durch eine kleine Feier zu begehen. Dieselbe verlief in äußerst würdiger Weise.
)( Londorf, 19. August. Heute morgen ist der erste Unglücks fall auf der seil fünf Jahren in Betrieb gewesenen Bahnstrecke Londorf—Grünberg vorgckommen. Als der erste von Grünberg kommende Zug die Straße zwischen Kessclbach und Londorf kreuzte, passierte ein Gefährt der Firma Stern u. Lion zu Nordeck die Stelle. Die Maschine faßte das Pferd und schleifte cs eine Strecke weit fort, wobei es so schwer verletzt wurde, daß es bald darauf verendete. Der noch jugendliche Fuhrmann wurde von dem Wagen geschleudert, kam aber wmiderbarerweise mit dem Schrecken davon. An der Lokomotive wurde bei dem Zusammenstoß eine Laterne zertrümmert. — Schon viele Fuhrleute haben an der Unfallstelle die Erfahrung gemacht, daß hier die größte Vorsicht nötig ist.
Nidda, 17. Aug. Heute tagte hier im „Gambrinus" ocr Veteranenverband Nidda und Umgegend. Die Rechnungsablage ergab einen Kassenvorrat von 244.56 Mk.; das Baroermögcn beträgt 921 Mk., die verzinslich angelegt sind. Die Sparkasie Nidda hatte auch in diesem Jahre wieder einen namhaften Beitrag zur Verbandskasse gestiftet. Durch Akklamatton wurde der seitherige Vorstand wieder- gewählt, 2 neue akttve Mitglieder ausgenommen und sodann em Huldigungstelegramm an den Großherzog gesandt, auf das abends folgende Antwort einlief: „Tanke herzlich für freundliche Grüße. Ernst Ludwig." Nach Schluß der Ver- sammlung schlossen sich die Veteranen dem mittlerweile aufgestellten Festzug zur Einweihung des Kriegerdenkmals in corpore an. — Gestern morgen fand man in der Nidda an einer Schneidemühle bei Unterfchmitten eine Menge toter Fische, darunter Forellen von über 2 Pfd. Gewicht. Man muß annehmen, daß dieses Massenabsterben der Fische auch diests Mal wieder auf Giftstoffe und andere schädliche Substanzen zurückzuführen ist, die das Abwasser des bei Unterschmitten gelegenen Sägewerks enthält. Es wäre erwünscht, daß hier endlich emmal Abhilfe geschahen würde, da sonst der Fluß bald sischleer fern dürfte. Auf den Aus
gang des gegen das Sägewerk in der Berufungsinstanz schwebenden Strafverfahrens — es war Anzeige erhoben gegen den Leiter des Werkes wegen Ablaffens giftiger Stoffe m die Nidda und des dadurch bewirkten Fischabsterbens — darf man gespannt fein, umsomehr, als in der ersten Instanz Freisprechung erfolgte.
(:) Z ei Ibach, 18. August. Dem gestrigen Fest der Fahnenweihe unseres Kriegervereins ging ein Vorspiel des Wetters voraus, welches em Gelingen des Festes in Frage zu stellen schien. Noch während der Aufftellung des Festzuges goffen wie in den Vormittagsstunden des gestrigen Sonntags starke Regenschauer vom Himmel herab. Deffenungeachtet schritten elf Vereine im Festzuge, und eine über Erwarten große Zahl von Festgästen hatte sich em» gefunden. Aus dem Festplatz begrüßte Lehrer Kummer Kriegerkameraden und Festgäste in herzlichen Worten. Nach Ueberreichung der neuen, sehr schönen Fahne durch eine Festjungfrau ergriff Pfarrer Georgi von Ermenrod das Wort zur Weih- und Festrede. Daß man auch bei allen Festvor- bereitungen der Kleinen nicht vergeßen, offenbarte em extra für sie angelegtes Tanzpodium. Zeilbach, das wohl noch nie ein derartig größeres Fest gefeiert, darf auf diese Festfeier beinahe stolz fein.
br. Büdingen, 19. Aug. Der hiesige Wachtmeister L., etwa 50 Jahre alt, beging heute morgen seinen Bezirk. Als er den Ort Wolf, eine halbe Stunde von hier, erreicht hatte, stürzte er plötzlich tot zur Erde — em Schlaganfall hatte ihn getroffen. Der Verstorbene erfreute sich in feinem Dienst großer Beliebtheit.
Vermischtes.
* Magdeburg, 19. Aug. Einen Doppel-Selbstmordversuch unternahmen in einem Gasthause der Sergeant Röder vom 27. Infanterieregiment und ein junges Mädchen, das er für feine Schwester ausgegeben hatte. Ihre Persön- lichkett ist noch nicht festgestellt. Beide wurden mit geöffneten Pulsadern auf ihrem Zimmer gefunden, doch hofft man, sie am Leben zu erhallen. Es handelt sich anscheinend um ein Liebesdrama.
• Stralsund, 19. Aug. Heute vormittag verun- glückten bei Abnahme eines an dem Dache einer Kaserne angebrachten Baugerüstes zwei Zimmerleute dadurch, daß sie mit einem Teile des Bretterbelages auf die Straße stürzten. Beide waren sofort tot.
* Breslau, 19. Aug. Der BrandaufderHeinitz- grübe ist erloschen. — Am Montag ging über Sprottau und Umgebung ein schweres Gewitter nieder. Ein Blitzstrahl traf das städtische Oberforsthaus und richtete große Verwüstungen an. Die Frau des Försters wurde zu Boden geworfen und blieb mit Lähmungsersch-einungen liegen.
* Paris, 19. Aug. Der Privatsekretär des Abg. Rouannet hat sich gestern erschossen.
* Belgrad, 19. Aug. Die nach Paracin führende große Brücke ist ein gestürzt. Ein Zollwächter wurde getötet.
• Alexandrien, 19. Aug. Seit dem 15. Juli sind im Ganzen 40 Ortschaften von der Cholera betroffen, roo 2238 Fälle vorkamen, von denen 1&96 tätlich verliefen. Nur wenige Europäer wurden von der Krankheit betroffen. Die Zahl der Cholera-Erkrankungen in Alexandrien beträgt 10. Eine Verheimlichung der Erkrankungen wird durch die Maßregeln der Behörden unmöglich gemacht.
* Aus den Alpen. Der im vorigen Jahre am Karwendelgebirge an der Praxmarkar-Spitze mit Spötl ab» gestürzte Otto Melzer ist gefunden, aber die Leiche noch nicht geborgen worden. — Der 26jährige Ingenieur Eugen Ramuz aus dem Kanton Waadt unternahm eine Tour auf den Glacier da grand trient (Wallis). Am Fuß des Gletschers erlitt er einen Herzschlag und st arb. — Dr. Largin, Gerichtspräsident des Amtsbezirks Bern, beftieg Samstags ohne Führer das Nadelhom (Wallis, 4334 Mir.), laut einer Aufzeichnung in seinem Taschenbuch erreichte er den Gipfel. Beim Abstieg stürzte er ab. Da er nicht nach Randa zurückkehrte, brach eine Führerkarawane auf. Largin wurde tot am Fuß der Couloirs vom Nadelhorn ganz zerschlagen aufgefunden. Er war 30 Jahre alt. — Aus Zurich wird gemeldet, daß auf einem Gletscher ein Offizier verunglückt ist. — Der Wiener Geschäftsdiener Fritsche ist vom Ostgrat der Pöllerscharte beiSchladming abgestürzt und wurde tot aufgefunden. — Von der Ruine Grasttng stürzte der Tourist Dschechlager ab und wurde schwer verletzt, außerdem hat er die Sprache verloren.
• Eine Schwimmparade vor dem Kaiser. Bei dem jüngsten Kaiserbesuch in Düsseldorf wollte unter den Huldigenden auch der Düffeldorfer Allgemeine Schwimmverein nicht fehlen. Auf eine Anfrage des Vorsitzenden beim Ober- Hofmarschallamt, ob der Verein dem Kaiser nicht in Form eines Schwimm-Parademarsches eine Ovation bereiten dürfe, lief bald darauf die Antwort ein, „daß der beabsichtigten Huldigung Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Majestäten am 15. August ds. Js. durch einen Schwimm-Parademarsch im Rheinstrom Bedenken nicht entgegenstehen. — lieber den Verlauf der sonderbaren Sympathie-Kundgebung berichtet die „Köln. Ztg." rote folgt: „Dann betrat der Kaiser mit feinem Gefolge, in Begleitung des Oberpräsidenten Nasse, des Regierungspräsidenten v. Holleuffer und des Oberbürgermeisters Marx das Feslschiff „Sieg", auf dem die Kaiserstandarte aufgezogen rourde. Umer stürmischen Hochrufen der Menge fuhr der Kaiser, nach allen Seiten fteundlich grüßend, vom Ausstellungsgelände ab und nahm die Flottenparade ab. Bei der Abfahrt unterhielt sich der Kaiser lebhaft nut dem Oberpräsidenten Raffe. Als das Kaiserschiff unter dröhnenden Böllerschüssen in die Höhe der Ambach'schen Badeanstalten kam, setzten sich an hundert Schwimmer in Beglettung von Nachen m Bewegung und boten im Vorbeischroimmen dem Kaiser aus dem Wasser auf Kommando ein kräftiges „Gut Naß, Hurra!" Der Kaiser schien über diesen, auch ihm wohl selten begegnenden Schwrmm-Parademarsch sehr erfreut und winkte den wackeren Schwimmern fteundlich zu, die, die „Wacht am Rhein" singend, bald entschwanden."
* War der Kaiser als Prinz in Paris? Der Kaiser soll französischen Blättern zufolge gelegentlich seiner Begegnung mit Waldeck-Rousseau auch eines Aufenthaltes in Paris gedacht ljaben. Ob ein solcher Besuch der französischen Hauptstadt wirüick» stattgefunden hat, ist oiel- jachem Zwerftr degegM.. .DernLkLenuber wvD fLtzgestellt,
daß Kaiser Wilhelm H in Paris gewesen ist. Der nachmalig. Kaiser-Friedrich hat diese Th at fache selbst bekannt gegeben, und sie ist in einem an den König von Rumänien gerichteten Brief verzeichnet. Das betreffende Schreiben des Kronprinzen, der damals an Stelle seines durch Nobiling verwundeten Vaters die Regentschaft führte, findet sich in dem Werke: „Aus dem Leben König Karls von Rumänien, Auszeichnungen eines Augenzeugen". In dem vom 19. Oktober 1878 datierten Brief, der die Weltlage und u. a, auch den durch Afghanistan drohenden Konflikt berührt, gedenkt der Kronprinz seiner häuslichen Verhältnisse. Nach^ dem er erzählt, daß Prinz Heinrich nun seine große Seereise antrete, fährt er wörtlich fort: „Wilhelm kehrt eben aus England und Schottland heim; er hat Charlotte und Bernhard in Paris getroffen, wo alle im strengsten Inkognito sich herrlich amüsierten.
* In der Unter suchungüber die Ermordung des Dr. Orden stein in Paris, der bekanntlich feine Studienzeit in Gießen zugebracht hat, ist eine neue Wendung eingetreten. Gleich bei den ersten Feststellungen hatte ein Schalterbeamter der französ. Weftbahn behauptet, der deutsche Arzt habe für sich und für Chabaneix, den Mörder, zwei Fahrkarten erster Klasse gelöst. Dieser Erklärung wurde aber anfangs keine besondere Bedeutung beigemessen, da man einen Irrtum des Beamten annahm uni) besonders, weil Chabaneix hartnäckig bei seiner Behauptung blieb, den Dr. Ordenstein nie gekannt zu haben Bei dem Verhör am Samstag änderte der Angeklagte plötzlich sein System, wahrscheinlich weil er sich Rechenschaft darüber ablegte, daß er, soweit die Dinge bis jetzt übersehbar sind, wegen vorbedachten Raubmordes belangt werden würde. In größter Aufregung erklärte er, bisher nicht die Wahrheit gesagt zu haben. Er gestehe jetzt ein, den Dr. Ordenstein feit langer Zeit gekannt zu haben. Dieser habe ihn dazu veranlaßt, seine Stellung bei der Post auftugeben. Er habe ihn beschäftigt und feine Dienste als Sekretär bei der Abfassung wissenschaftlicher Bücher in Anspruch genommen. Wenn man in der Wohnung Ordensteins eine Haussuchung vorgenommen hätte, würde man die Beweise für diese Behauptung gefunden haben. Chabaneix fügte diesen seltsamen und verwirrten Auslassungen hinzu, der Arzt sei ein Bösewicht gewesen. Er habe im Waggon gewisse Aeußerungen gethan, die ihn — Chäbaneix — aufs äußerste gereizt hätten. Zu weiteren Erllärungen ließ sich Chabaneix nicht herbei. Es liegt auf der Hand, daß der Mörder auf diese Weise sein Opfer zu verdächtigen und sich a£ä Rächer irgend welcher Unbill aufzuspielen sucht.
UniverMs-Uachrichten.
— Aus Berlin wird gemeldet: Dem etatsmäßigen Professor an der hiesigen Technischen Hochschule, zugleich Professor an der Berliner Universität, Geh. Regierungsrat Dr. S l a d y , wurde vom Kuratorium der Jubiläumsstiftung der deutschen Industrie der Betrag von 20 000 Mark überwiesen. — Aus Freiberg i. S. wird berichtet: An Stelle des im Juli in den Ruhestand getretenen Geheimrats Professors Dr. Winkler an der hiestgen Bergakademie wurde die erledigte Prosessur der Chemie, sowie die Leitung des Chemischen Instituts dem cu-o. Professor, ersten Assistenten an diesem Institut, Dr. pbil. O. Brunck übertragen. — Aus Jena schreibt man uns: Geh. Hofrat Professor Dr. H. Geizer hat eine Studienreise nach der Türkei und Italien an getreten; er ift deshalb für das kommende Wintersemester beurlaubt. — Aus Göttingen wird geschrieben: Der Rechtspflegeausschuß der hiesigen Universität veröffentlicht folgende Bekanntmachung: ist wiederholt zu unserer Kenntnis gekommen, daß die grobe Unsitte der Säbelmeäsuren auch an unserer Universität bedauerlich im Schwange ist. Wir sind entschlossen dem Leichtsinn energisch zu wehren, der geringfügige studentische Ehrenhändel der Entscheidung durch schwere Waffen unterroirft, und nur warnen die Studierenden dringend vor den Folgen einer Handlungsweise, die sich mit der gesunden Ordnung akademischen Lebens nicht vereinigen läßt.* — Wie die Physikalische Zeitschrift mitteitt, wurde Dr. C. H. Wind, Lektor der physikalischen Chemie und mathematischen Physik an der Universität Groningen, zum Hauptdirektor des Königl. Niederländ. Meteorologischen Instituts zu De Bilt, der frühere a.-o. Professor an der Universität Berlin Dr. H. E. I. G. du B o i s zum o. Professor der mathematischen Physik an der Universität Utrecht ernannt.
— Dem ordentlichen Professor der Theologie an der Universität in Basel, Dr. cheol. Wilhelm B o r n e m a n n, der zum Pfarrer in Frankfurt a. M. berufen wurde, wurde auf sein Ansuchen unter Anerkennung der geleisteten Dienste für den 1. Oktober 1902 die Entlassutwbewilli^^^
Gerichtssaal.
Leipzig, 18. Aug. Wegen Herausforderung zum Z w c i k a m p f und Bedrohung fst am 18. März von der Strafkammer in Krotoschin der Bürgermeister Josef Plaza l s k i zu einem Tage Festung und 20 Mk. Geldstrafe verurteilt worden. Der Kaufmann Z. hatte ihm einen Schlag ins Gesicht gegeben. Nachdem er einige Bekannte vergebens ersucht hatte, Z. seine Forderung zu überbringen, rief er dem Z. bei einer Begegnung zu: .Obwohl Sie nicht satts- faktionssähig sind, fordere ich Sie auf, sich Montag zum Duell zu stellen." Der Angeklagte behauptete indessen in der Hauptverhand- lung, die Herausforderung sei nicht ernstlich gemeint gewesen, er habe vielmehr dem Z. nur einen gewaltigen Schrecken einjagen und sich für den Schlag ins Gesicht rächen wollen. Das Gericht hat trotzdem eine Herausforderderung als vorliegend erachtet. Unerheblich fei, daß Ort, Waffe und Zeitpunkt bei der Herausforderung nicht angegeben seien, es müsse angenommen werden, daß tödt- liche Waffen gewählt rnerden sollten, alles Nähere habe noch später festgesetzt werden können. Die Bedrohung hat die Strafkammer dann gefunden, daß der Angeklagte einem Drillen gegenüber geäußert hat, ich werde ihn, wenn er ablehnt, niederschießen wo ich ihn treffe. — Auf die Revision des Angeklagten hob das Reichsgericht das Urteil auf, soweit es wegen Bedrohung ergangen ist und verwies die Sache msoiveit an die Strafkammer Aurüd. Vermißt wurde die Feststellung, daß es dem Willen des Angeklagten entsprochen hah daß die Aeußerung zur Kenntnis des I. gelangen solle und daß sie wirklich zu dessen Kenntnis gekommen ist. Verworfen wurde dagegen die Revision des Angeklagten gegen ferne Verurteilung wegen Üerausforderung.
Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Frankfurt a. M., 19. Aug. Die hiesige Bankfirma Ullman n u. Una tritt in Liquid ation.
Hanau, 18. August, lieber das Vermögen des Kaufmanns Heinrich Nohl, alleinigen Inhabers der Firma Heinrich 9lohl ft., Baumaterialienhandlung, wurde das ftonhir so erfahren eröffnet
KSlu, 19. Aug. Wie die .Köln. Ztg." erfahrt, wurde dieser Tage die Lieferung von 160 Eisenbahnwagen für U-Züge an die beteiligten Fabriken vergeben.
Köln, 19. August. Die Wisener Bergwerks- unb Hüttengesellscha't erzielte im letzteii Geschäftsjahr einen Rohgewinn von 1 518 453.00 Mark, wovon 520 126.50 Mark zu Abschreibungen verwendet wurden. Dem Hochofen-Erneuerungsfonds sollen 75 000 Marl zugewiesen, dem Reservefonds 92 333Mk. überwiesen werden. Von öem nach Hinzufügung eines Gewinnvortrages von 176 583 Mark verbleibenden Restbeträge von 889 382 Mark soll der am 30. Oktober stattsindenden Generalversammlung vorgeschlagen werden, 27, Prozent Dividende zu verteilen, sodaß em Saldo von 414 382 Mark als Gewmnvortrag verbleibt.
Hamburg, 18. Aug. Das Konsortium, welches im Februar des laufenden Jahres die neue 3proi. Bremer Staats,


