Ausgabe 
20.8.1902 Erstes Blatt
 
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Nr. 194

drfectnt täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Lmvers.-Buch-u.Stein- druckerer (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schulstraße 7, Adresse für Depeschenr Anzeiger Gießen.

Hcrnsprechanschluß Nr. bl.

Erstes Blatt.

152. Jahrgang Mittwoch 20. August 1902

Gietzener Anzeiger

** General-Anzeiger ® **

Amts- md Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Beznaspret», monatlich7bPs.,oierteli jährlich Mk. 2L0; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2. viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für tue Tagesnummer bis vormütagS 10 Uhr. Zeilenpreis: lokall2Ps^ auswärts 20 Psg.

Verantwortlich: für den polst. u. allgem. teil: P. Wittko: sür ,Stadt und fianb* und .Gerichtssaal^: Gurt Plato; für den An­zeigenteil: Hans Deck.

Gießen, 20. August 1902. Betreffend: Maul- und Klauenseuche.

Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen

<m die Ortspolizeibehörden und Gendarmerien des

Kreises.

Die in unserer Bekanntmachung vom 14. l. Mts. be­zeichneten tierärztlichen Zeugnisse, sowie die Benachrichtigungen von dem Eintreffen wandernder Schafherden sind, insoweit es sich um die zum Großh. Kreisveterinäramt Gießen ge­hörenden Orte handelt, an den Großh. Kreisveterinärarzt Schmidt in Gießen und insoweit es sich um die zum Großh. Kreisveterinäramt Grünberg gehörenden Orte unseres Kreises handelt, an den Großh. Kreisveterinärarzt Neunhöffer in Arünberg einzusenden.

______________I. V.r Dr. Heinrichs.

Bekanntmachung.

Der Großherzogliche Kreisveterinärarzt Schmidt ist vom 21. August bi§ 11. September L Js. beurlaubt. Während dieser Zeit wird derselbe durch den Großh. Kreisveterinär­arzt i. P. Professor Dr. Winckler dahier (Alicestraße 11/1) vertreten.

Gießen, den 20. Aug. 1902.

Großherzogliches Kreis amt Gießen.

I. V.: Dr. Heinrichs.

Bekanntmachung.

Betr.: Rauschbrand bei einem Schafe des Konrad Schmidt IV. zu Großen-Buseck.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß dem Konrad Schmidt IV. zu Großen - Buseck am 15. l. Mts. ein Schaf an Rauschbrand gefallen ist.

Gießen, den 18. August 1902.

Großherzogliches Kreisamt Gießen- I. V.: Dr. Heinrichs.

Gießen, 19. August 1902. Betr.: Dey Ruud gang der Feldg^chwo^enen

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

a« die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Wir empfehlen Ihnen, die Feldgeschworenen zu ver- cmlassen, nach §20 der Instruktion vom 23. Februar 1833 (Regierungsblatt S. 105) im Lause des nächsten oder über­nächsten Monats die Gemarkungen zu begehen, um sich von dem Zustande der Grenzen (Gemarkungs-, Flur- und Gewanngrenzen) sowie der Aussteinung zu unterrichten und über den Befund in chr Tagebuch ein Protokoll aufzu­nehmen. Wir machen dabei darauf aufmerksam, daß zwar zu einem Steinfatz wenigstens drei Feldgefchwvrene bei­sammen sein müssen, daß aber an den Rundgängen, wenn dabei nichjt zugleich Steine gesetzt werden sollen, nur zwei Feldgeschworene tellzunehmen haben. Wegen Be­seitigung der Vorgefundenen Mängel wollen Sie das ge­eignete veranlassen, wobei namentlich die Aufräumung, Geraderichtung und Erneuerung der Grenzsteine ins Auge zu fassen ist. An den Dreiecks-, Gemarkungs-, Flur- und Gewann-Grenzsteinen darf jedoch keine Veränderung ohne Mitwirkung des zuständigen Kreisjgeometers vorgenommen werden. Für die Erhaltung der Parzellengrenzsteine des Gemeindeeigcntums ist aus Gemeindekosten von Ihnen Sorge zu tragen. Wo noch keine Aussteinung des Gemeinde­eigentums stattgefunden hat.beauftragen wir Sie, den Ge­meind erat deshalb zu vernehmen und dessen Beschluß zu vollziehen. Die an den Parzellengrenzsteinen der Pri­vaten Vorgefundenen Mängel sind den Beteiligten zur Be- feitigung zu eröffnen.

Wo die Gemarkungsgrenze mit der Landesgrenze zu­sammenfällt, darf eine Beseitigung etlvaiger dNängel nur mit unserer ausdrücklichen Zustimmung erfolgen.

In denjenigen Gemarkungen, in welchen int laufen­den Jahre eine Revision der Grenzpunkte durch einen von dem Großherzoglichen Katasteramt beauftragten Geometer stattgefunden hat oder in welchem eine solche angekündigt ist, sowie in denjenigen, in welchen eine allgemeine Wieder­herstellung der fehlerhaften Punkte durch einen Geometer im Gange ist, hat der Grenägang für dieses Fahr zu unterbleiben. Wir erwarten jedoch in solchem Fall Ihren Bericht, daß und warum dies geschehen ist.

Im übrigen verweisen wir Sie auf das Gesetz vom 23. Oktober 1830 (Regierungsblatt S. 463) und die vor­genannte Jnstruktivn vom 23. Februar 1833 (Regierungs­blatt S. 105).

Bis spätestes 1. November d.Ls. sind uns Abschriften der in bte Tagebücher der Feldgefchworenen aufgenomme­nen Protokolle mit Bericht über Ihre getroffenen Anord­nungen von Ihnen vorzulegen. Die Gebühren der Feld g e schw o renen bedürfen keiner kreis­amtlichen Genehmigung und sind deshalb die Ver­zeichnisse nicht vorzulegen.

I. V.: Dr. Heinrichs.

Die AenKmalsfeicrUchketten im Taunus.

H o m b u r g, 19. Aug.

Die Stadt Homburg prangt im Feftfchmuck. Um zehn Uhv ist die große Tribüne mit chren 900 Sitz- pwtzen besetzt. Auf der einen Seite vor dem Denkmal ist das Kaiserzelt ausgeschtagen, aus der anderen Sette stehen die Herren vom Denkmaltontitee. Pünktlich um 11 Uhr erscheinen der Kaiser und die Kaiser in mit Gefolge, Prinzen und Mnzessinnen. Der Kaiser trägt dre Uniform

der Leibgardehusaren und den Marschallstäb. Die Kaiserin erscheint in einer helllila Robe mit dem Band vom Schwarzen Adler. Das Kaiserpaar trat, nachdem der Kaiser unter den Klängen des Präsentiermarsches die Ehrenkom­pagnie abgeschritten, ins Kaiserzelt. In Begleitung des Kaiserpaares befanden sich na-: der Kronprinz, Prinz Christian von Schleswig-Holstein, Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, das Erbprinzenvaar von Mei­ningen und das Prinzenpaar von Schaumburg. Neben dem Kaiserzelt saßen die Ehrengäste, darunter Prof. v. Esmarch mit Gemahlin, geborene Prinzessin von Schleswig-Holstein, der österreichisch-ungarische Botschafter L. v- Szögyeny- Marich, der englische Botschafter Sir F. C. Lascelles, der amerikanische Botschafter White, der Herzog von Cam­bridge, eine Deputation der schwarzen Husaren, der Ober­präsident v. Zedlitz-Trützschler, Regierungspräsident Dr. Wentzel.

Stadtverordnetenvorsteher Dr. Rüdiger hielt die Begrüßungsansprache. Kaiserin Friedrich war, so sprach der Redner, eine zärtliche Tochter, Schwester, Gattin, Mutter und Großmutter, ein poetisches Gemüt, die Beschützerin von Kunst und Wissenschaft, und in beiden selbst Hervorragendes leistend. Menschenglück und Menschenwohl waren die Ziele ihres Strebens, und unvergleichlich groß sind im Besonderen die Verdienste, die sie sich um die Hebung ihres eigenen Geschlechts, um die Förderung des deutschen Frauenlebens erworben hat. Wir Homburger denken besonders lebhaft an die aufopfernde Thätigkeit der Kaiserin zurück, die sie in den Homburger Lazaretten während des großen Krieges entfaltete. Die von ihr geschaffene und nod) chr benannte Kronprinzessinnen-Baracte" ist wiederholt zu Weltausstel­lungen gesandt und preisgekrönt worden. Ein äußeres Zeichen unserer Liebe zur teuren Entschlafenen ist dieses Denkmal, das wir ihr errichtet haben. Wir sind stolz darauf, daß wir als die Ersten dieses öffentliche Denkmal der Fichstin in Deutschland errichten durften, undbesonders dankbar sind wir, daß Eure Majestäten durch die allerhöchste Gegenwart der Enthüllungsfeier die wahre Weihe' ver­leihen".

"Nach dieser Rede fiel die Hülle vom Denkmal. Das Kaiserpaar trat hieraus an das Denkmal heran. Der Kaiser legte einen Kranz nieder u^d der Kronprinz geleitete seine Mutter in das Kaiserzelt zurück. Sodann hielt der Kaiser vom Denkmal aus eine Ansprache. Die einleitenden Worte sprach er ftei, bann verlas er seine Rede mit klarer, weithin vernehmbarer Stimme. Der Kaiser sprach mit sichtlicher Bewegung, die weite Versammlung lauschte lautlos und gespannt seinen mit öfteren Pausen gesprochenen Worten.

Die Rede des Kaifers.

,^Zum ersten Male fällt heute die Hülle von einem Denllnale, welches die Züge der teuren verblichenen Mutter und Kaiserin der Nachwelt, besonders dieser ihrer lieben Stadt und Bürgerschaft erhallen soll. Da ziemt es sich zugleich, ein in wenigen Strichen gezeichnetes Charakter- blld der hohen Fürstin zu entwerfen, welches in den Herzen des deutschen Volkes die Erinnerung an seine Kaiserin wachhalten soll.

Alsdann verlas der Kaiser folgendes: Am 5. August 1901 verschied zu Schloß Friedrrchshof bei Cronberg die Kaiserin und Königin Viktoria, Witwe des hochseligen Kaisers Friedrich, Prinzeß Royal von Großbritannien und Irland, meine erlauchte Mutter, nach langem, mit Lebensmut und standhafter Ausdauer getragenem Leiden. Hochbegabt, von starker geistiger Willenskraft, erfüllt von hohem kulturellen Stteben, dem ein seltenes Wissen zu Gebote stand, stolz auf ihre königliche und nationale Abstammung, stets be­müht, ihre tiefen Jugend eindrücke und Erfahrungen auch in ihrer zweiten deutschen Heimat zur Geltung zu bringen, eine ziellewußte Förderin der Entwicklungswege des Schönen in der Kunst und im Kunstgewerbe, die wissen­schaftliche Forschung und deren Ergebnisse mit Wärme er­greifend, für die Ausdehnung der weiblichen Bildung und Erwerbsfähig kett, für die Ausgestaltung weiblicher Kranken­pflege erfolgreich wirkend, endliche die liebende Gattin und stete Gefährtin des Kronprinzen, an der Spitze eines glück­lichen Familienhauses, an allen großen Ereignissen wie an allen Begebenhellen feines reichgestalteten Lebensganges beteiligt, die sorgende Gemahlin des Kaisers und Königs in bangen, trüben Tagen, die würdevoll trauernde Witwe am frühen Schluß chrer eigenen, über lichte Höhen und durch dunlle Todessch>atten führenden Laufbahn, so hat diese Fürsttn unter uns geweilt, und so fugt sich ihr Bild ein in die Annalen des hohenzollernschen Hauses in Preußen und Deutschland. Die Kaiserin war geboren am LI. No­vember 1840 als das älteste Kind der Königin Viktoria und des Prinzgemahls Albert von Sachsen-Coburg und genoß inmitten der vielfachen Anregungen, welche das Leben am englischen Hofe dem früh entwickelten Geist der Prinzessin gewährte, eine sorgfällige Erziehung. Erst siebenzehnjährig folgte sie dem chr am 25. Januar 1858 angetranten Gatten, dem sich ihre ganze Neigung erschlossen hatte, nach Preußen, und verließ einen zahlreichen Ge­schwister kreis, eine Vaterhaus unb eine Heimat, denen ihre innigste Zuneigung bis zu ihrem Lebensende erhalten blieb. Während der 30 Jahre, welche die große geschichtliche Ent­wickelungsepoche unseres Vaterlandes umfassen, hat jte als Kronprinzessin von Preußen und seit 1871 auch des deut­schen Reiches an der Seite des Kronprinzen in zunehmen­dem Maße in Haus und Famllie, in gesellschaftlicher Be­teiligung und durch, öffentliche Besttebungen, sei es in der Ausübung fürstlicher Repräsentation, sie es durch die Ver­dienste um die Begründung des Kunstgewerbemuseums und der Lunstgewerbeschjule, ober durch die Anregungen zur Gründung des Lettevereins, des Heimathauses für Tochter höherer Stände, des Viktoria-Lyceums und der Fortbil- dungsWule für Krankeupflegermn en, des Vereins für

V

häusliche Gesundheitspflege, Jörnie des Pestalozzi-Fröbel- hauses in hohem Maße bildern) gewirkt und den Äempel ihrer ausgeprägten Persönlichkeit im Rahmen eines be­stimmten Zeitabschnittes einem ihrem Wesen und Sein, ihrem Denken und Fühlen entsprechenden Wirkungskreise aufgetragen. Aber inmitten dieses emporstrebenden Schaffens traf das Schicksal sie schwer, zuerst durch den Tod zweier Kinder, dem der frühe Verlust des ihr be­sonders nahestehenden Vaters borangegangen war. Nieder- gebeugt richtete sie sich wieder auf, und ihr starker Geist gewann auch in den härtesten Prüfungen die Oberhand. Auch in der schwersten Zeit hielt sie mutig stand, da es ihr beschieden war, dem geliebten Gemahl an unheilbarem Leiden in dem Augenblick dahinsiechM zu sehen, als die deutsche Kaiserkrone, die er als siegreicher Feldherr er» stritten, sich auf sein Haupt senkte. Nach 30jähriger Ehe, in der sie Freud und Leid, Sorge und Glück, Trauer und Hoffnung treu und hingebend mit ihm geteilt hatte, um­hüllte sie bereits der Witwenschleier. Sie zog sich aus dem öffenttichen Leben zurück und widmete ihr umfang- reiches wohlerworbenes Können und Wissen der Schöpfung, Einrichtung und künsllerischen Gestaltung eines fürstlichen Sitzes, des Schlosses Friedrichshof, welches als ihr gast­liches Heim und als eine der Erinnerung an den Kaiser Friedrich gewidmete Stätte, von mir unb allen den Ihrigen, sowie von einem Kreis hervorragender Persönlichkeiten des In- und Auslandes häufig aufgesucht wurde. Von hier aus fuhr sie fort, gemeinnützige Zwecke zu verfolgen. Doch auch dieser letzten Periode ihres Lebens war ein kurzes Ziel gesetzt. Auch sie wurde von schwerer Krankheit er­griffen und in langer, schmerzensreicher Leidenszeit, die sie in Gottes Fügung ergeben durchlitt, löste sich das reine farbenfrohe Band dieses zu so glänzenden Erwartungen berechtigenden inhaltsvollen unb inhaltschweren Daserns einer seltenen Frau unb einer zu hohem Wirken berufenen Fürstin."

Nach der Ansprache bes Kaisers, bic etwa 10 Minuten gedauert hatte, fang der Gymnafiastenchor die beiden ersten Verse derKaiserin Friedrichs-Hymne", gedichtet von Erost Schulze, komponiert von R. Fiscl)er. Dann wurden Kränze niedergelegt, u. a. von der z. Zt. im Kurort Heiden bei Konstanz weilenden Königin Margueritha von Italien, vom Großherzog von Mecklenburg, von der Stadt Homburg, von der Vereinigung der Saalburgfteunde in Berlin (der ver­ewigten hohen Protektorin der Saalburgforschung) rc.

Der "Kaiser unterhielt sich u. a. mit Bürgermeister Ritter v. Marx, der den Titel Oberbürgermeister erhielt, und mit dem Schöpfer des Denkmals, Prof. Uphues in Berlin, dem er persönlich den Kronenorden 3. Klasse über­reichte. Das Kaiserin Friedrichs-Denkmal, das eine Büste barstellt, befinbet sich in den Parkanlagen gegenüber dem Kaiser Friedrich--Denkmal. Die Kolosfalbüste ist aus Marmor gemeißelt und steht auf einem Postament aus schwedischem Granit. Das Denkmal trägt auf der Vorderseite die In­schrift: Viktoria Kaiserin Friedrich, auf der Rückseite ist zu lesen: Dem Andenken der Kaiserin Friedrich das dankbare Homburg.

Bei der Früh stückst af e l im königlichen Schlosse zu Homburg speisten die Majestäten nut ihren Gästen an einzelnen Tischen. Am ersten Tisch saß der Kaiser zwischen der Kronprinzessin von Griechenland und der Prinzessin Christian zu Schleswig-Holstein. Es folgten der Oberyof- marschall Graf v. Seckendorfs, Oberst v- Jacobi vom 80. Regiment, Oberst von der Schulenburg vom 2. Leibhusaren­regiment, Prinz Adolf zu Sct)aumburg, Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, Erbprinz von Sachsen-Meiningen, Freifrau von Reischach, Landrat v. Meister und englischer General­major Duff. Am zweiten Tisch saß die Kaiserin zwischen dem Kronprinzen von Griechenland und dem Herzog von Cam­bridge. (££ folgten weiter der englische Admiral Fitz-George, Dr. Spielhagen, Oberstleutnant 0- Schwerin, Prinzessin Adolf zu Schaumburg, Prinz Friedrich Karl von Hessen, Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen, griechischer Oberst Rallis und Stadtverordnetenvorsteher Dr. Rüdiger. Am brüten Tisch saß ber Kronprinz zwischen bem komman­dierenden General v. Lindequist und dem Oberpräsidenten. Hier hatten ferner noch Platz genommen Sir John Brunner, Oberbürgermeister v. Marx unb ber Kurdirektor v- Maltzahn. Die übrigen Gäste gruppierten sich um diese Tische herum.

Heute abend 8 Uhr sand bei den Majestäten im Schlosse eine Tafel statt. Der Kaiser und die Kaiserin saßen ein­ander gegenüber. Vom Kaiser rechts saßen zunächst die Prinzessin Adolf zu Schaumburg, der Kronprinz und Vis­count Cranborne, links ber englisch Botschafter Lascelles, Prinz Adolf zu Schaumburg unb Lord Glenesk. Von der Kaiserin rechts saßen zunächst der österreichisch-ungarische Botschafter v. Szögyeny, Gräfin Keller und Earl os Cork, links ber Herzog von Devonshire, Gräfin Stolberg unb ber großbritannische Botschaftssekretär Carnegie.

Cronberg, 19. Aug.

Die Stadt ist aus Anlaß der morgigen Denkmalsent­hüllung prächtig geschmückt. Die hiesigen Künstler roirften vereint und schufen ein wohlgelungenes Festbild. Auch der Denkmalsplatz überrascht den Besucher, nicht allein durch seine herrliche Lage, sondern auch durch feinen dekorativen Schmuck. Das Standbild Kaiser Friedrichs ist von Uphues gefertigt. Aus mächtigem Postament aus weißem bayerischen Kalkstein steht die doppelt mannsgroße Statue des Kaisers, die wohl dcm Wiesbadener Denkmal ähnlich, jedoch nach Angaben der Kaiserin Friedrich ganz neu model­liert und vollständig Original ist. Sie zeigt den Kaiser in der Uniform der Pasewalker Kürassiere, auf der Brust das Großkreuz zum Eisernen Kreuz, den Orden pour le merite und die Kette zum Schwarzen Adlerorden, die Rechte umfaßt den Feldmarschällstab, während die Linke sich in die Hüfte sttitzt.