Ausgabe 
20.5.1902 Zweites Blatt
 
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DorteS. Wegen Erkrankung des Botschafters au Influenza finden Festlichkeiten in der Botschaft nicht statt. Der Reichskanzler stattete dem hiesigen spanischen Ge­sandten Ruata einen Besuch ab, um ihm persönlich seine Glückwünsche zur Thronbesteigung des Königs Alfons aus- zusprechen.

Wie die ^Ftordd. Allg. Ztg." vernimmt, geht der Gesetzentwurf betr. die Maßnahmen zur Stärkung des Deutschtums in den Provinzen Westpreußen und Pos en dem preußischen Abgeorduetenhause unmittelbar nach Pfingsten zu.

Die ,Korrespondenz für Kunst und Wissenschaft" erfahrt, Professor Uphues sei in Wiesbaden vom Kai­ser persönlich mit der Ausführung der für Washington bestimmten Bronzestatue Friedrichs des Großen beauftragt worden.

Der ,Lteichsanzeiger" giebt die vom Bundesrat neu- bezw. wiedergewählten Mitglieder des Börsen- ausschusses und deren Stellvertreter für die fünf­jährige Periode vom 1. Juli 1902 ab bekannt.

Ausland.

Amsterdam, 19. Mai. Der Zustand der Königin kst recht befriedigend; ihre Kräfte nehmen schnell zu. Dr- Roeningh wurde, als er den Palast verließ, Gegen­stand einer Sympathie-Kundgebung sämtlicher Mitglieder der Königlichen Familie, welche ihn als den Retter der Königin preisen.

London, 17. Mai. Sicherem Vernehmen nach wird die Dritisch-Ostindische Regierung in allernächster Zeit die Ausgleichszölle gegen Prämienzucker derart er- höhen, daß auch die von den Zuckerkartellen der Aus­fuhrländer gewährten Vorteile durch den Zollzuschlag kom­pensiert werden.

Rom, 18. Mai. In Gegenwart des Königs, der Königin, der Minister, des diplomatischen Korps sowie zahlreicher Mordnungen von Schützen-Vereinen aus Italien und dem Auslande wurde heute vormittag auf den Schietzständen bei Farsina das vierte allgemeine nationale Schützenfest eröffnet. Ministerpräsident Zanardelli hielt eine Ansprache. Der Kömg gab die ersten Schüsse ab.

Madrid, 18. Mai. Der König legte heute nachmittag den Grundstein zu einem Denkmal für seinen Vater, den König Alfons XII., im Park Retiro. Die hier einge- troffenen Fürstlichkeiten und Gesandtschaften wohnten der Feierlichkeit bei. Die Menge bereitete dem König stürmische Huldigungen.

Belgrad, 18. Mai. Der König hat die Demission des KabinetsWuitsch angenommen. Mit der Bildung des neuen Kabinetts ist der ehemalige Führer der radikalen Partei Nikolaus Peschitsch betraut worden.

New York, 17. Mai. In der Nähe von Atlanta im Staate Georgia kam es zwischen Negern und der Polizei zu einem Zusammenstöße, wobei fünf Polizisten und fünf Neger getötet wurden. Die Staatsmiliz und Artillerie sind ensiandt worden, um die Häuser, in denen die Neger sich aufhalten, anzugreifen.

Helsingfors, 19. Mai. Die amtlicheFinljands- faja Gaseta" veröffentlicht einen Tagesbericht des Geg­ner algouverneurs Bobrikow an die Truppen des finlän- dischen Militärbezirks; danach sind vor den hiesigen russi­schen Kasernen gedruckte Blätter verteilt worden, worin der ungenannte Verfasser die Truppen auffordert, ihrer Obrigkeit nicht zu gehorchen. Der Tagesbefehl ent­hält ferner Anordnungen zur Festnahme der Agitatoren.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 20. Mai 1902.

ee Prälat D. Habicht t- Prälat tt). H ab ich t ist gestern Mittag 1 Uhr gestorben. Die Beerdigung findet am Donners­tag früh 11 Uhr statt.

** Die verflossenen Pfingstfeiertage boten reiche Abwechse­lung zunächst imWetter". Es gab vorerst Regen in Fülle, zeitweise vermischt mit Schnee, dann Sonnenschein, roteber, Regen, prachtvolle Regenbogen, Sturm, Blitz und Donner. Dieses wetterwendische Durcheinander ließ eine richtige Fest- stimmung nicht aufkommen; nur diejenigen rissen sich von den heimischen Penaten los, die durchaus die Feste feiern wollen, wie sie fallen. Von den üblichen Zugüberfüllungen und -Verspätungen hat man diesmal wenig wahrgenommen, der Verkehr wickelte sich so glatt ab, wie es der Psingst- reisende nur wünschen konnte. Dieselbe Abwechselung wie im Wetter zeigte sich in den Toiletten. Die nach fürchter­lichem Drängeln der Schneiderinnen, Schneider und Putz­macherinnen zustande gekommene neue Kluft mußte angethan werden; der weiße, mit Blumen in allen Farben besteckte Strohhut wurde nötigenfalls mit einem Familienparapluie überspannt, die zitronenfarbigen Schuhe in Gummischuhe ge­steckt, die Helle Blouse mit einem pelzgefütterten Radmantel überhängt und den Pstngstfeiertagsdurst nötigenfalls mit Kaffee und Glühwein gelöscht. Die sonst zur Pstngstzeit gefüllten Biergärten zeigten wahre Weihnachtsphysiognomie: gestürzte Tische und Stühle, und nur die im Besitze gegen das Ein­dringen von Wasser und Kälte geschützter Räume und eines tüchtigen Kohlenvorrates befindlichen Wirte der näheren Um­gebung sahen den Dingen mit weniger ernstem Antlitz ent­gegen. Am 2. Feiertag füllten sich die mit der Bahn er­reichbaren Lokale, wie Windhof, Jagdschlößchen u. s. w. mit Gästen, denen diesmal das Herunterreißen vieler Kilometer, sei es zu Fuß, zu Wagen oder zu Rad gründlich verleidet worden war. Und heute, am 3. Feiertage? Es scheint fast, als ob das Loosungswort des launischen Wettergottes heißt: Fortsetzung folgt. Der wunderschöne Monat Mai wird so zu Ende gehen wie er begonnen, beschämt von seinem Vor­gänger April. Auf den Frühling mußte die von den Un­bilden des Winters ohnehin genug geplagte Menschheit verzichten, hoffentlich erfüllt sich aller Wunsch: Es muß doch endlich Sommer werden.

** Parlamentarisches. Nachdem die beiden Kammern den Entwurf des Finanzgesetzes für das Etatsjahr 1902/3 genehmigt haben, ist derselbe dem Großherzog zur Genehmigung vorgelegt worden. Danach werden lt. Art. 1 an Einkommen­steuer die seitherigen Sätze erhoben, dagegen erfolgt für die Vermögenssteuer eine Erhöhung von 3G4/10p(£t., sodaß sich, wie bekannt, der Steuersatz für je 1000 Mk. Vermögen von 55 auf 75 Pfg. erhöht. Als außerordentliche Decküngs- mittel sind 6 249 905 All. im Wege des Staatskredits flüssig zu machen und zu diesem Zweck eine Anleihe zu einem dem Stand des Geldmarktes bei Begebung derselben entsprechenden Zinsfüße in geeigneten Zeitabschnitten und in einem Nenn­

betrag aufzunehmen, der zur Beschaffung der vorbezeichneten Summe erforderlich sein wird. Zur vorübergehenden Ver­stärkung des Betriebskapitals der Hauptstaatskaffe sollen nach Bedarf Schatzanweisungen, aber nicht über 10 Mill. Mk., ausgegeben werden. Der Zwecken Kammer ging am Samstag eine Regierungsvorlage zu betr. die Her­stellung einer Verbindungsbahn zwischen Lampert­heim, Mannheim und dem neuen Rangierbahnhof Mannheim der badischen Staatsbahn. Cs werden zunächst 240 000 Mk. angefordert zum Erwerb des erforderlichen Ge­ländes. Die Summe soll im Wege des Staatskredits flüssig gemacht werden. Der erste Ausschuß der Zweiten Kammer ftimmte der Regierungsvorlage betr. die Erweckerungsbauten der Technischen Hochschule in Darmstadt zu, da die­selben unumgänglich nötig seien. Ebenso der Regierungs­vorlage bete. Erbauung eines Justizgebäudes, Pro­vinzialarresthauses und Gymnasiums in Mainz.

* * Lehrergehälter in Deutschland. Nach einer Darstellung derMagdeb. Ztg." bezieht ein Lehrer im 30. Dienstjahre in Bremen-Land 3600 Mk., in Hamburg-Land und in Hessen 2900 Mk., in Anhalt 2430 Mk., in Lübeck-Land 2200 Mk., in Sachsen-Gotha und in Schaumburg-Lippe 2100 Mk., in Waldeck 2090 Mk., in Oldenburg 2045 Mk., in Neuß, Lippe- Detmold, Sachsen-Weimar, Sachsen-Meiningen und Baden 2000 Mk., im Königreich Sachsen und Braunschweig 1900 Mk., in Sachsen-Altenburg und Württemberg 1850 Mk., in Bayern 1740 und in Preußen 1700 Mk. In dem größten deutschen Bundesstaat ist demnach das Gehalt des Lehrers am niedrigsten bemessen!

* * Ein lustiger Streich. In der Nacht vom 1. zum 2. Feiertage wurde ein junger Mann, der sich in lustiger Ge­sellschaft einen gehörigen Affen angezecht hatte, von seinen Zechbrüdern auf eine mck demGießener Anzeiger" dekorierte Karre verladen und durch die Kirchstraße, über den Markt­platz, die Marktstraße, Neustadt nach der Hammstraße ge­fahren. Die Gießener Dienstmänner beabsichtigen, die Trans­porteure wegen unlauteren Wettbewerbs zu belangen, da diese den Transport für eine Mark, die natürlich sofort in eine Runde umgesetzt wurde, bewerkstelligten.

* * Diebstahl. Am 1. Pfingstfeiertage wurden einem Be­wohner in der Liebig st raße ein neuer Herrenhut und ein Paar Glacehandschuhe aus dem Schlafzimmer entwendet. An Stelle des neuen Hutes war ein alter Filzhut zurückgelassen worden. Der Dieb wurde in der Person eines zugereisten Fremden in der Nähe des hiesigen Bahnhofes betroffen und verhaftet. Er trug den gestohlenen Hut und die Handschuhe. Bei der Durchsuchung fand man bei dem Diebe eine Anzahl Visitenkarten mit dem Aufdrucktaubstumm" und verschiedener Verse, die jedenfalls zu Bettelzwecken benutzt wurden. Der Taubstumme" war im Besitze eines Korridordrückers. Auf dem Transport zur Polizeiwache widersetzte sich der Fest­genommene den ihn transportierenden Schutzleuten und ver­ursachte durch sein Gebühren einen Menschenauflauf. Jeden­falls hat man es mit einem geriebenen Gauner zu thun. Derselbe ttug falsche Legitimationspapiere, die er ebenso wie die Visitenkarten von einem großen Unbekannten zugesteckt bekommen haben will, bei sich, während ihm dieser seine eigenen Papiere entwendet habe.

* * Der gestohlene Roßschweif. Am Samstag stellte ein Landwirt von auswärts sein Pferd in die Stallung einer hiesigen Gastwirtschaft und begab sich in die Stadt. Bei seiner Rückkehr machte er die unangenehme Entdeckung, daß seinem Pferde ein Teil des Schweifes bis zur Schwanzwurzel abgeschnitten war. Als Thäter dürfte einer am Sonntag hier verhafteter Bettler in Betracht kommen, und zwar derselbe, der die bei Kirchhain gestohlene Uhr bei sich führte; man fand bei diesem eine Partie Roß­schweifhaare, die er zur Anfertigung von Lampenbrenner­reinigern benutzte. Er will jedoch die Roßschweifhaare von dem großen Unbekannten gekauft haben.

* * Schwer bezecht. Ein hiesiger bekannter Trunken­bold mußte am 1. Pfingstfeiertag wegen Trunkenheit und Ruhestörung in Polizeigewahrsam genommen werden.

* * Ruhestörung. In der Nacht vom 1. zum 2. Pfingst­feiertag wurde ein Maschinenbauer, der in der Dammstraße Lärm verübte und mit anderen Personen Streit anfing, auch den Aufforderungen eines hinzukommenden Schutzmannes nicht Folge leistete und den Lärm fortsetzte, verhaftet.

* * Ein diebischer Reisebegleiter. Am ersten Pfingstfeier­tag erschien ein durchreisender Handwerksbursche auf der Polizeiwache mit der Meldung, es seien ihm in vergangener Nacht in einem Dorfe bei Kirchhain von seinem Reisebegleiter die Uhr nebst Kette gestohlen worden. Der Dieb wurde in der Herberge zur Heimat betroffen und verhaftet. Die Uhr war aber nicht mehr in seinem Besitz, sondern wurde bei einem dahier verhafteten Bettler vorgefunden. Der Dieb hatte diesem die Uhr auf der Herberge zur Heimat ver­kauft, und dieser versuchte sie wieder zu verkaufen. Derselbe hat sich der Hehlerei schuldig gemacht.

* * Verband deutscher Handlungsgehilfen. Nach dem so­eben herausgegebenen Bericht der Kranken- und Be­gräbniskasse des Verbandes Deutscher Handlungsgehilfen zu Leipzig stand das Geschäftsjahr 1901 unter dem Zeichen der Wirtschaftskrisis; cs war das ungünstigste seit dem 19jährigen Bestehen der Kasse. Bei Beurteilung der stetig steigenden Kassenleistungen darf allerdings nicht außer Be­tracht gelassen werden, daß alljährlich mehr Mitglieder be­zugsberechtigt werden für das volle versicherte Krankengeld bis zu 5 Mk. täglich auf die Dauer von 52 Wochen und für die Gewährung des höchsten Begräbnisgeldes bis zu 300 Mk. Während von den länger als 26 Wochen erwerbs­unfähigen Mitgliedern vor 5 Jahren noch nur einem Viertel für die weitere Krankheitsdauer volles Krankengeld zu be­zahlen gewesen ist, hat sich jetzt das Verhältnis bis über die Hälfte gesteigert. Für 65 pCt. der Verstorbenen hat das höchste Begräbnisgeld ihrer Verficherungsklasse bezahlt werden müssen. Auf jedes Mitglied entfielen im Durchschnitt 12.19 Mark Krankengeld und 11.35 Mk. für Arzt und Arznei. Die 21485 Kaffenmitglieder verteilen sich auf 66 Verwaltungs­stellen, 243 Zahlstellen und 2067 einzelne Orte im ganzen Reiche. Die Auszahlungen betrugen 257 959.93 Mk. Kranken­geld, 239 403.86 Mk. Arzt und Arznei und 16 832.80 Mk. Begräbnisgeld. Dagegen beträgt das Kaffenvermögen 435 845.85 Mk. Auch ein im Erzgebirge gelegenes Ge­nesungsheim mit eigenem Garten und Waldpark steht den

Mitgliedern in Niederschlema zur Verfügung; es wurde von 313 Personen besucht.

t. Reiskirchen, 16. Mai. Ein hier in Dienst stehender Knecht fuhr mck einem Caroussel-Wagen nach Gießen. Un­terwegs scheute das sonst sehr ruhige Pferd vor einer Dampf­walze, schlug um sich und versetzte dem Knecht einen heftigen Schlag gegen Kopf und Arm. Der Verletzte mußte sich in ärztliche Behandlung begeben.

w. Geilshausen, 18. Mai. Der GesangvereinJugend» mut" feiert am 1. und 2. Juni fein 25jähriges Stiftungs­fest. Gegen 20 Vereine haben bereits ihr Erscheinen zuge­sagt. Natürlich wird sich auch die ganze hiesige Einwohner­schaft an dem Feste 'beteiligen. Das Fest wird am Sonntag durch eine Tagesreveille eingeleitet, daran schließt sich Em­pfang der Gäste. Um 2 Uhr nachmittags ordnen sich die Teilnehmer zu einem Festzuge. Nach Ankunft auf dem Fest­platze folgen die üblichen Begrüßungsreden, die Ueberreichung einer von unseren Frauen und Jungfrauen gestifteten Fahnen­schleife usw. Die Feier verspricht sehr schön zu werden.

-e. Bad-Nauheim, 17. Mai. Die Verwaltung der Israelitischen Kinderheilstätte in Bad-2k an­heim hat ihren Rechenschaftsbericht für 1901 herausgegeben. Es ist daraus zu ersehen, daß im Jahre 1901 210 arme Kinder auf Kosten der Anstalt verpflegt und kurgemäß be­handelt wurden; es waren 112 Knaben und 98 Mädchen, die in dem großen und prächtig gelegenen Heim an der Frankfurterstraße, gegenüber dem Teich und dem Park, mehrere Wochen sich auscuhen und kräftigen durften. Der Anstalts­arzt Dr. E. Hirsch-Bad-Nauheim bezeichnet den Erfolg der Kur im allgemeinen bei fast allen kleinen Pattenten als be- ftiedigend, speziell auch bei Iben 22 herzleidenden Kindern, von denen zwei besonderes wissenschaftliches Interesse erregten, und die sich in der Anstalt sehr erholten. Die Einnahmen und Zuwendungen von privater Seite sind in dem abge­laufenen Rechenschaftsjahre spärlicher geflossen als früher.

n. Ober-Mörlen b. Bad-Nauheim, 17. Mai. Seck einiger Zeit wird der Bau einer Bahnlinie Bad-Nauheim Nied er - Mörlen Ober - MörlenZiegenberg Usingen geplant. In seiner letzten Sitzung hat der Ge­meinderat zu Ober-Mörlen einstimmig beschlossen, das Gelände für die neue Bahn in der ganzen Gemarkung Ober- Mörlen frei zur Verfügung zu stellen und außerdem zu den Baukosten 100 000 Mk. beizutragen. Mck diesem Entschluß hat der Gemeinderat dem Wunsche der gesamten dorttgen Einwohnerschaft entsprochen und das Zustandekommen des Projektes fast gesichert. Zu erwarten ist, daß sich nun auch der Gemeinderat der Stadt Bad-Nauheim entschließt, etwas in der für diese Badestadt höchst wichtigen Angelegenheit zu thun, damit die Bahn wenigstens bis Ziegenberg in Kürze gebaut werden kann. Ziegenberg ist mit seinem Schlosse prächtig im Gebirge gelegen und wird von den Nauheimer Kurgästen gern besucht; eine Wagenfahrt dahin es sind etwa 10 Kilometer ist aber ziemlich teuer. Die Strecke Bad-NauheimUsingen beträgt etwa 16 Kilometer. Die Chaussee führt dicht an der Ufa entlang; Terrainschwierigkecken sind nicht vorhanden.

Mainz, 16. Mai. Ein hiesiger Geschäftsmann, der nach­gewiesenermaßen seine Steuern unrichtig eingeschätzt hatte, wurde zu einer Nachzahlung von 800 Mark und zu einem Kostenbetrag von 200 Mk. verurteilt. Ein in der Neustadt wohnender Privatmann, der das Glück hatte, eine ganze Reihe von Jahren mit seinem nächsten Nachbar in steter Freundschaft zu leben, wurde aus diesem Grunde von ihm, einem ehemaligen Gärtnereibesitzer, zum Universal­erben seines nicht unbedeutenden Vermögens eingesetzt. Die Frau des Verstorbenen hat dem Testament ihres Mannes ihre Zustimmung gegeben. Der Privatmann tritt die Erb­schaft an, sobald sie gestorben ist, da leibliche Erben nicht vorhanden sind. Das Testament bestimmt jedoch, daß 15 000 Mk. an den Hospckalfonds, welcher Betrag zu Gunsten der in dem Jnvalidenhaus befindlichen Insassen und der Kinder der beiden Waisenanstalten verwendet werden soll, ab- zuführen sind.

" Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. Die dem Vorschußverein Butzbach gehörige Hofraithe in der Griedelerstraße in Butzbach Flur I Nr. 79, 66 qm ging durch Kauf an die Eheleute Louis Krämer dort zum Preise von 7000 Mk. über.

Vermischtes.

* Berlin, 17. Mai. Heute Vormittag wurde der Schiffsbau-Direktor vom Reichs-Marineamt, Geheimrat Rudloff, beim Ueberschrecken des Straßendammes von einem Schlächter-Fuhrwerk umgeworfen uud schwer am Kopfe verw und et.

* Berlin, 17. Mai. Heute vormittag wurden drei Eisenbahnarbeiter auf der Strecke zwischen den Stationen Treptow und Rixdorf von einem Eisenbahnzug überfahren und getötet. Ein vierter erlitt schwere Verletzungen.

* Berlin, 17. Mai. Die elektrische Hochbahn ist wegen Störung des Gottesdienstes verklagt worden. Sie geht am Lausitzer Platze dicht an einer Kirche vorüber, die dadurch in ihrer architektonischen Wirkung beeinttächttgt wird. Außerdem soll der Lärm so groß sein, daß während des Gottesdienstes die Gemeinde gestört und die Worte des Predigers übertönt werden. Man hat sich nunmehr an den Polizei-Präsidenten gewendet, damit dieser die Hochbahn veranlasse, während der Gottesdienststunden die Züge we­nigstens langsam fahren zu lassen.

* Karlsruhe, 17. Mai. Im Rheinhafen stürzte heute ein Gerüst an der Werfthalle ein und riß eine Anzahl Arbeiter in die Tiefe. Ein jung verhecketer Arbeiter wurde so schwer verletzt, daß er bald darauf starb. Mehrere Arbeiter er­hielten leichte Verletzungen.

» Konstanz, 19. Mai. Infolge anhaltenden Regen» wetters sind alle Gewässer des Oberlandes über die Ufer getreten. Der Bodensee ist seit Samstag um 19 Zentimeter gestiegen.

London, 17.Mai. Einer bei Lloyds eingegangenen Meldung aus Aden zufolge ist der deutsche Dampfer Eyrenfels", von Kalkutta nach Hamburg bestimmt, am 9. Mai unter dem 12. Grad nördlicher Breite und 56. Grad östlicher Länge untergegangen. Ein Teil der Bemannung