Ausgabe 
20.3.1902 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

mit einem wesentlich geringeren Honorar zufrieden gewesen wäre. Der beamtete Sachverständige kam zur Aeußerung über seine Forderung und erklärte nun, wenn man auf dem Beschwerdewege gegen ihn vorgehen wolle, werde er seine Honorarforderung mehr als verdoppeln, wozu er nach der Taxe berechtigt sei. Der Verein beschloß darauf, die Frage, ob im vorliegenden Fall der Beamte überhaupt eine Gebühr verlangen könne, im Instanzenweg zur Entscheidung zu bringen. Der Verein vertritt nunmehr die Ansicht, daß der Sachver­ständige, der in seiner Eigenschaft als Beamter jene Kontrolle über die Vereinsveranstaltung ausgeübt habe, für seine Dienst­leistung innerhalb seines Amtes ein Privathonorar nicht zu beanspruchen habe.

e Bad Salzhausen, 18. März. Die Villa Ackermann hier ging für 60000 Mark an einen Herrn aus Wiesbaden Mer. Wie man hört, soll darin eine Restauration einge­richtet werden. Sie würde bereits die sechste Wirtschaft in unserem kleinen Platze sein.

N Nidda, 19. März. Pachdem nun die Straße von hier nach Dauernheim mit Abzweigung nach Geiß-Nidda ihrer Vollendung und Betriebsübergabe entgegengeht, wird der Bau einer weiteren Straße von Echzell nach Geiß- Nidda mit einer Abzweigung nach Bisses begonnen. Die letzten Vermessungen werden bereits durch Kreisbaumeister Böcher von Echzell vorgenommen.

§ Mücke, 19. März. Der Bahnbau Laubach-Mücke schreitet seiner Vollendung entgegen. Der milde Winter im Verein mit dem zeitigen Frühjahr gestatteten, daß ununter­brochen gearbeitet wurde. Welch' gewaltige Sprengung von Felsen in der Nähe von Freienseen vorgenommen werden «mußten, das kündeten die allabendlich weit in der Umgegend vernehmbaren Kanonendonner ähnlichen Detonationen. Jetzt hat der Bahnbau auch in unserer nächster Nähe, bei Stock­hausen, seinen Anfang genommen. Es steht somit wohl zu erwarten, daß die neue Bahnlinie noch in diesem Jahre fertig­gestellt wird.

m Darmstadt, 19. März. Im alten Palais am Luisen- platz konstituierte sich heute ein Schiller-Fra uen-Ver- band (auf Anregung von Leipzig aus) unter der Protektion der Gräfin zu Erbach-Schönberg. Erste Vorsitzende wurde Frau Lilli Wolf stehl, 1. Schriftführerin Frl. Dr. Ella Mensch. Der Großherzog steht dem Verband sym­pathisch gegenüber.

FlörSheim a. M., 20. März. (Original-Telegr. desGieß. Anz.") Auf der hiesigen Station ent­gleisten heute Morgen 4 Wagen eines Güterzuges. Der Bremser Bähr wurde heruntergeschleudert und fiel unter den gerade vorbeifahrenden Zug Frankfurt-Cassel, der ihm ein Bein und eine Hand abfuhr. Er ist seinen Verletzungen bereits erlegen. Der Verkehr wurde eine Zeit lang eingleisig geführt.

fc. Mainz, 20. März. (Original-Tel. des Gieß. Anz.") Aus bester Quelle erfahren wir, daß der Kaiser anläßlich seiner Anwesenheit bei den Mitte Mai in Wiesbaden stattsindenden Festspielen hier aus dem Großen Sande eine Truppenschau über die in der Umgebung garnisonierenden Regimenter der 21. und 25. Division abhalten wird. Der hochbetagte Bürgermeister Stenner in Bretzenheim wurde gestern nachmittag stark verbrannt vor dem überheizten Ofen in seiner Wohn­ung aufgesunden. An seinem Aufkommen wird gezweifelt.

Worms, 19. März. Der Großherzog stattete heute unserer Stadt einen Besuch ab, um das neue Elektrizitätswerk und die Lederfabriken von Doerr und Reinhart zu besichtigen. Se. Königl. Hoheit wurde am Bahnhof von Oberbürgermeister Köhler empfangen, woraus sofort die Fahrt nach dem städtischen Elektrizitätswerk angetreten wurde. Der Großherzog, der in Zivil war und von Herrn Oberbürgermeister Köhler begleitet wurde, während im nächsten Wagen die Herren Obersthofmarschall von Westerweller und Geh.-Rat Prof. Dr. Kittler folgten, erwiderte die Grüße des zahlreichen Publikums aufs Freundlichste. Nach der Besichtigung des Elektrizitäts­werkes begab sich der Großherzog nach den Lederfabriken der Firma Doerr u. Reinhart. Die Besichtigung des Eta­blissements währte etwa I1/2 Stunden, und auch hier schied der Großherzog mit Befriedigung über den Einblick in den umfangreichen Gesck)äftsbetrieb der Firma. Darauf beehrte er den Frhrn. v. Hehl mit seinem Besuch und nahm später später bei Oberbürgermeister Köhler den Thee ein. Gegen 7 Uhr abends kehrte der Landesfürst mittels Extrazuges nach der Residenz zurück.

() Krofdorf, 19. März. Die Gemeindevertretungen der vereinigten Kirchengemeinde Krofdorf-Gleiberg-Kinzen- bach kamen am Dienstag zu einer Sitzung zusammen, in welcher sie zur Wahl des von der Regierung zum Pfarrer von Krofdorf ausersehenen Pfarrers Knieper zu Herdorf ihre Zustimmung gaben.

Frankfurt a M., In der Rhönstraße 32 baut der Bauunternehmer Georg Wenzel aus Bürgel ein Hinter­haus. Der Bau ist bis zum zweiten Stock gediehen. Gestern abend nun zwischen 5 und 6 Uhr brach der im Innern des Baues aufgemauerte große Pfeiler plötzlich zu­sammen. Glücklicherweise war nur noch der 27 Jahre alte Betonarbeiter Hartmann aus Vilbel im Innern beschäftigt, der von dem Steingeröll leicht verletzt wurde. Tie Baustelle wurde sofort polizeilich abgesperrt. Die heute Vormittag vorgenommene Untersuchung soll ergeben haben, daß der Pfeiler noch nicht verankert und äußer- dem überlastet war. Ferner soll das zu seinem Auf­bau verwendete Material sehr mangelhaft sein. Tie Genehmigungs-Urkunde über die Ausgabe von Schuldverschreibungen seitens des evangelisch-lu­therischen Stadt-Synodal-Verbands Frankfurt a. M. bis zu Mark 2 Mill, ist erschienen. Tie vom preußischen Kultus- und Finanzministerium unterzeichnete Genehmig­ungsurkunde besagt, daß diese Anleihe für Beschaffung der Mittel zur Bestreitung der Kosten dienen soll, die dem Synodal-Verband aus der Erwerbung von Grundstücken, sowie aus der Errichtung neuer kirchlicher Gebäude in Erfüllung seiner rechtlichen Verpflichtung erwachsen. Die Schuldverschreibungen sind mit 3y2 oder 4 pCt. jährlich verzinsen, und nach einem bestimmten Tilgungsplan durch Ankauf oder Verlosung von dem auf die Ausgabe folgenden Kalenderjahr ab jährlich mit 1 PCt. des Kapitals, unter Zuwachs der Zinsen von den getilgten Schuld-Ver­schreibungen, zu tilgen. Für die Befriedigung der Inhaber der Schuldverschreibungen wird eine Gewährleistung seitens des Staats nicht übernommen. Unserem gestrigen Bericht aus der Frankfurter Stadtverordneten-Bcrsanunlung über die Erörterung des Baues eines B i s m a r ck - D e n k m a l Z ist noch, nachzirtragen, daß der Ausschuhantrag auf Er­

richtung des Denkmals gegen 5 Stimmen angenommen wurde.

Hersfeld, 19. März. In Reilos geriet eine größere Anzahl Leute aus den Dörfern Rohrbach und Tann, die von der Aushebung in Hersfeld kamen, in einen Streit, der zu einer blutigen Schlägerei führte. Der 48 Jahre alte Arbeiter Kerst und der 22jährige Schreiner Sommer aus Tann wurden erschlagen, indem ihnen mit Knüppeln die Schädeldecken zertrümmert wurden.

Vermischtes.

Dessau, 19. März. Der Fabrikwächter Rauhhut von einer Roßlauer Fabrik wurde ermordet und beraubt aufgefunden. Der mutmaßliche Raubmörder Hüttenrauch ist flüchtig.

* Ein angeblicher Ritualmordversuch in Strehlen i. Schl, hat seinen harmlosen Abschluß durch fol­gendeAbbitte" in derStr. Ztg." gefunden:Hierdurch erkläre ich, daß ich die Anschuldigung, Herr Kantor Simson habe den fünfjährigen Sohn meines Bruders mit Zucker­zeug beschenkt und in das Syna gogengrundstück gelockt, wissentlich falsch gethan habe; ich bedauere dies und leiste hierdurch Herrn Kantor Simson öffentlich Ab­bitte. Als Sühne habe ich zwanzig Mark in die Armenkasse zu Strehlen gezahlt." Die Abbitte trägt die volle Namens­unterschrift des Anschuldigers.

* Minister oder Einbrecher. Ein eigenartiges Abenteuer erzählt derGaulois" von dem französischen Finanzminister. Vor kurzem bemerkte der Posten, der vor dem französischen Finanzministerium Wache stand, in der Dämmerung einen Mann von etwa vierzig Jahren, der an­ständig gekleidet war, wie er aus dem Ministerium zu ent­kommen suchte und sich anschickte, das umschließende Gitter an einer Seite zu übersteigen. Der Posten eilte herbei und richtete sein Bajonett aus den Uebelthäter. Der andere ließ sich aber nicht stören, sondern kletterte weiter.Halt!" rief der Soldat.Ich bin Caillaux ,der Finanzminister, und.. Du bist der Minister! Das kannst Du mir ja nicht er­zählen . . Und dabei schickte sich der Posten, treu seiner Instruktion an, den Mann beim Kragen zu fassen und ihn zu näherer Erklärung vor den Adjutanten zu führen. Da trat jedoch der Pförtner Seiner Exzellenz dazwischen, der alles gehört hatte und für die Freiheit seines Herrn fürchtete, eilte mit einem Schlüssel herbei und öffnete. Der kühne Kletterer war in der That der Leiter der französischen Finanzen. Er hatte eine Einladung zum Diner von seinem Nachbar erhalten und wollte sich zu diesem begeben. Er hatte aber seinen Schlüffel vergessen und da er jung und in gymnastischen Hebungen sehr stark war, wollte er ohne weiteres über das Gitter klettern, statt noch einmal zurückzu- gehen und sich den Schlüssel zu holen._______________________

Universltüts-Uach richten.

Berlin, 19. März. In den letzten Tagen sind 40 russische und polnische Studenten, meist Hörer der technischen Hoch­schule in Charlottenburg, wegen politischer Umtriebe und weil sie sich mißliebig gemacht hatten, aus Preußen ausgewiesen worden. Einer der Ausgewiesenen stand vor dem Examen. Sie sollen einer verbotenen Verbindung angehört haben.

In seiner Schlußvorlesung über praktische National­ökonomie hatte Pros. Schmoller in Berlin sich auch über die parlamentarische Behandlung des Zolltarifs ausgesprochen, und einer seiner Zuhörer berichtete über diese Vorlesung auszugsweise in der Presse. Prof. Schmoller erklärt nun folgendes: ,,Der be­treffende Student hat aus der Rede von einer Stunde einige Sätze herausgegriffen, andere weggelassen. Er hat mich in vielem offen- oar mißverstanden, unterlegt mir Aussprüche, die ich nicht oder nicht so, die ich in ganz anderem Zusammenhang gesagt habe. Er hat ohne meine Erlaubnis und ohne meine Kenntnis diese Pub­likation vorgenommen; ich kann sie gar nicht als eine getreue Wiedergabe meiner Ansichten und Ausführungen anerkennen. Es ist ein grober Mißbrauch, der gegen alle gute akademische Sitte verstößt."

DerLok.-Anz." meldet aus Paris: Die Pariser Vor­stellungen der Leipziger Studenten sind bis nach den frcm- zösischen Kämmerwahlen verschoben worden.

Gerichtsfaal.

Die angebliche Duellredc des Kaisers. Gegen das Urteil im Prozeß wegen der angeblichen Duellrede des Kaisers hat der Rechtsanwalt Dr. Halpert für den zu 2 Monaten Gefängnis ver­urteilten Redakteur P. Groll die Revision eingelegt, während sich die zu 500 bezw. 300 Mk. Geldstrafe verurteilten Mitangeklagten, Buchdruckereibesitzer Stein und Geh. Rechnungsrat Steinbach ebenso wie die Staatsanwaltschaft bei dem Urteil beruhigt haben.

-Kandwütschast.

Das Vorkommen von Viehseuchen in Obcrhessen während des Monats Februar 1902. Milzbrand wurde festgestellt in Ober-Hörgern Kr. Gießen, in Ober-Mörlen, Bad Nauheim und Hoch-Weisel Kr. Friedberg. Nauschbrand wurde festgestellt in Hof-Thiergarten und Erbacher Hof Kr. Büdingen, und in Ober- Lais Kr. Schotten, und zwar in Erbacher Hof bei 1, in den beiden anderen Orten je 2 Schafen. Schweinerotlauf wurde fest­gestellt in den Orten des Kreises Gießen: Bellersheim und Ober- Höraern je bei 1 und in Gießen bei 2, in Maulbach und Lehrbach Kr. Alsfeld, in Fauerbach Kr. Büdingen, in Hoch-Weisel Kr. Fried­berg, in Freien-Seen, Eichelsdorf und Busenborn Kr. Schotten. Tie sHl u u l = u n d Klauenseuche ist erloschen in Okarben Kr. Friedberg. Die Seuche herrscht fort in Utphe Kr. Gießen und in Nieder-Wöllstadt Kr. Friedberg.

Handel und Kerlrehri UMswirlschast.

Hamburg, 19. März. Tabak. Das Geschäft bleibt an­dauernd still, indem die Zurückhaltung der Käufer für Brasil- Tabake neue Ernte, nach Prabeballen, bestehen bleibt. Einige Partien, die hier eintrafen, wurden zu bestehenden Preisen aus­genommen. Beeinträchtigt wird die Geschäftslust durch Berichte aus dem Jnlande über die augenblickliche recht ungünstige Lage der Ziaarrenfabrikation. Bisher sollen erst ca. 3500 Packen neuer Brasil-Tabake in Händlerhände übergegangen sein. lieber die neue Havana- Ernte sind weitere ungünstige Nachrichten eingetroffen. In Carmen- Tabaken kamen einige kleinere Verkäufe zu stände. Eine eingetroffene kleine Partie von ea. 90 Packen P ortorifo fand wegen zu hoher Preisforderung keine Berücksichtigung. Tür- k i s che Tabake waren mangels Ankünfte sehr still Die an den Markt gebrachten 50 Packen Griechen blieben wegen übertriebener Bewertung seitens der Inhaber unverkauft. Die Preisnotierungen zeigen im allemeinen kaum Veränderungen.

Frankfurter Hypothekenbank. In der heutigen General­versammlung wurde beschlossen, das Aktienkapital innerhalb dieses Jahres durch Ausgabe von 2 Millionen Mark neuer Aktien auf 18 Millionen Mark zu erhöhen und den jetzigen Aktionären ein BezugSrecht nach den Verhältnissen von einer neuen auf acht alte Aktien einzuräumen.

Elektrizitätsgesellschaft Schuckert u. Cie. Nürnberg. An der Börse tauchten jüngst Gerüchte auf, laut welchen die Gesell­schaft nicht in, der Lage sein wird, pro 1901 eine Dividende zu ver- teilen. Run äußert such auch die DnekttM« aber «mherst vorsichtig

dahin, daß sich jetzt noch nicht einmal eine Schätzung anstellen laste. Der Geschäftsgang sei in anbetracht der allgemeinen wirtschaft­lichen Lage als gebessert zu bezeichnen.

Die Gerresheimer Glashüttenwerke vorm. Friedrich Heye genehmigten einstimmig die Bilanz für 1901, sowie die Ver­teilung von 12 Prozent (i. V. 10 Prozent) Dividende und erteilte Entlastung. Die Geschäftslage wurde als befriedigend geschildert. Die Aussichten für das laufende Jahr feiert so gut wie im letzten Jahr, eher noch etwas besser.

Bank für Siiddeutschland in Darmstadt. Die Fusion dieser Bank mit der Darmstädter Bank ist nun bcfd)loffene Sache. Der Aussichtsrat hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, eine Offerte der Darmstädter Bank anzunehmen, wonach das Alk. 15 672300 betragende Aktienkapital der Zettelbank unter Fusion dieses Instituts mit der Darmstädter Bank in Aktien der letzteren im Verhältnis von Mk. 7500 gleich 25 Zettelbankaktien gegen Alk. 600 gleich 6 Aktien der Darmstädter Bank, beides mit Dividende für 1902, umgetauscht wird. Die Darmstädter Bank wird ent­sprechend ihr Aktienkapital erhöhen und in der auf den 21. April einberufenen Generalversammlung entsprechende Anträge stellen.

Märkte.

Limburg a. d. L., 20. März. Frucht markt. Durchs schnittspreise pr. Malter. Roter Weizen 14.55 Mk., Weißer Weizen 00.00 Mk., Korn 10.70 Mk., Gerste 9.48 Mk., Hafer 8.55 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk.

Gottesdienst der israelitischen Ketigionsgesellschast.

Sabbathfeier am 22. März 1902.

Freitag abend 616. Samstag vormittag 880. Nachmittag 400. Sabbathausgang 730.

Wochengottesdienst: morgens 6" Uhr, abends 600 Uhr.

Keimte Meinungen."

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Breslau, 20. März. DerSchles. Ztg." zufolge nahm der Privatdozcnt an der hiesigen Universität, Prof. Tr. Kan­nen stiel den Ruf als ordentl. Profesior und Direktor der gynäkologischen Klinik der Universität Gießen au.

Berlin, 20. März. DieB. N. N." sind in der Lage, festzustellen, daß von einer Aktion der Berliner städtischen Behörden, eine Protest-Kundgebung der deutschen Städte gegen den Zolltarif im großen Stile zu in­szenieren, keine Rede ist. Es handelt sich um ein rein per­sönliches Unternehmen einer Anzahl von Stadtverordneten und Magistrats-Mitgliedern (darunter auch der Oberbürger­meister von Berlin), die beabsichtigen, die Mitglieder der städtischen Verivaltungen zwischen Ostern und Pfingsten nach Berlin zu einer Versammlung emzuladen, um gegen den vor­liegenden Zolltarif Stellung zu nehmen. Ein solches Unter­nehmen kann den staatlichen Aufsichtsbehörden feinen Anlaß zum Einschreiten geben, es müßte denn sein, daß einzelne Städte die Angelegenheit zum Gegenstände der Beschluß­fassung ihrer kommunalen Körperschaften machen oder den Besuch der Versammlung aus Gemeindemitteln unterstützen sollten.

Kopenhagen, '20. März. Die Verhandlungen zur Be­endigung des seit zwei Monaten herrschenden Heizer- Streikes sind gescheitert. 40 Dampfer sind genötigt, ihre Fahrten aufzuschieben. Die Streikkaffe zahlt wöchentlich 10 000 Kronen aus.

London, 20. März. Aus Tientsin wird gemeldet: Der neue chinesische Gesandte für London hat Taku verlaffen, um sich auf seinen Posten zu begeben. Die Emission von 40 Millionen Pfund Sterling der Kriegs-An­leihe wird bereits in den nächsten Tagen erfolgen.

London, 20. März. Gestern wurden 1100 Offiziere und Mannschaften nach Südafrika eingeschifft. Nach Meldungen aus Clarksdorp verbrachte Lord M et hu en eine gute Nacht. Die Temperatur ist normal. Ebenso hat Methuen wenig Schmerzen.

Paris, 20. März. DerMatin" veröffentlicht ein Interview mit Krüger. Dieser teilte mit, daß seine Ansichten und Hoffnungen sich nicht geändert hätten. Der end­gültige Sieg gehöre den Buren. Was einen Frie­den ohne Unabhängigkeit anlangt, so wollte Krüger nichts davon wissen. Wir sind, so sagte Krüger, nicht im geringsten entmutigt. Die Geschichte dieses Krieges ist immer nur ein Komplott gegen unsere Freiheit gewesen. Ein ehrbarer Friede ist noch möglich an dem Tage, an dem sich die Augen der Regierung und des englischen Volkes öffnen. Der Krieg dauert noch fort dank der Gehässigkeit unserer Gegner.

Madrid, 20. März. Der junge König wünschte, ohne gesehen zu werden, der Eidesleistung der Minister' beizuwohnen. Dieser Wunsch wurde ihm erfüllt.

Prag, 20. März. In der Kapuzinerkirche zum heil. Joseph kam es während der gestrigen Predigt zu einer Demon­stration. Als der Priester deutsch zu predigen begann, verlangten die Anwesenden die Predigt in tschechischer Sprache. Da der Geistliche weiter deutsch predigte, ver­ließen die Tschechen unter großem Lärm die Kirche.

Warschau, 20. März. Oberst Grimm soll zu lebens­länglicher Einschließung verurteilt sein.

Konstantinopel, 20. März. In Mekka sind vom 14. bis 17. d. Mts. 141, in Medina vom 14.18. 6 und in Ojeddah 21 Todesfälle an Cholera vorgekommen.

Foulard-Seide 95 n ZK

Seide" inschwarz weiß und farbig von 95 Pfa. bis Mk. 18.65 pr. Mtr. Absolut feilt Zoll zu zahlen! da oie portofreie Zusendung der Stoffe durch meine Seidenfabrik auf deutschem Grenzgebiete erfolgt. 9cur echt, wenn direkt von mir bezogen. Atuster umgehend.

G. Kleniieberff, Seidenfabrikant (K. u. K.Hoflief.), Zürich.

Telephonischem Kursbericht.

Frankfurt u. Ul.. 20. März 1902.

3Va% Roiohsanleihe . . 101.70 3% do. 4 . . 92.45 3V,% Konsols .... 101.70 8°/o do.....92.20

8l/a% Heesen .... 100.25 8% Hessen ...... 4% Oesterr. Goldretne . . 103.00 4 2% Oesforr. Silberrento 101.50 4% Ungar. Goldrente . . 100.15 4°/ Italien Rente . . . 101.00

41/, % Portugiesen ... 44.20 0/ Portugiesen, 4 . . . 28.50

1 % C. Türken , > . . 28.45

Türlrenlose . . 4 . . . 115.00

4% Griech. Monopol -Anl. 44.95 4'/, 26 äussere Argentiner4

8*Vo Mexikaner .... 26.50 4*/i /,, Chinesen .... 89.10 Electric. Sol.uckert . . . 111.00 Nordd. Lloyd......

Kreditaktien , . . . . 219.50 Diskonto-Kommandit. . . 19Ö.30 Darmstädter Bank . . . 141.50 Dresdener Bank .... 137.30 Beniner Handelsges. . . 155.80 Oesterr. Staatebahn . . 145.00 Lombarden . . . . , 18.70 Gottbardbahn.....168.00

Lauranütte 199.20

Bochum 196.50

Harpener......164.00

Tendenz: still.