fctfnaTJr, als vb er sich barüber Ärgerte, bah das (Mrrftfii zweiter Anstanz im Falle Marten die Oessentlichkeit in hcrnüiiftigcr Weise ijuließ Mit den Briefen deö VertheidiocrS an die Angeklagten hat sich das Gericht in gaiiz iinznlassigcr Weise bekannt gemacht; man hat drei Briefe erösfiicl, trotzdem es nn^Iveiselhaft luai. das; Rechtsanwalt Horn sie abgesandt l;atte Außer deni sind diese Briefe, die bereits am D. nnd 6. Ium abgefandt inarcn, den Angeklagten erst am 13. Juni zugcftellt tvorden. (Hört! hort!) Die bösen Seitcuhiehe, die Herr Bornen gestern dem Rechtsanwalt Horn berschte, vasste» sehr schlecht zu seiner spateren Erklärung, das; er niemals persönlich werde, (tfcb hafte Zustimmung.) Es Ivar recht unschön, das; er einen Mann angriff, der sich hier nid)l bertl)cidigen kann. (Sehr ruylig ) Hickel ist nidil on3 der Haft entlassen tvorden, daö steht fest. Man hat and; gar nicht, als man ihn als „vorläufig festgciiommen ' weiter in Hast behielt, gewußt, das; cü sieh um eine vorläufige Festnahme handelte, denn sonst hätte man ihn nadi dem Gesetz sofort vernehmen müssen. Daö ist aber nicht geschehen. Am ß. Juni erklärte Herr v. Alten dem NechtSmUvali Horn m einer Unterredung, der Militärstrafprozeß sei reformbedürftig; § 179 sei unvorsichtiger Weise aus der bürgerlichen Strafprozesiordnung in daü Gesetz «iiisgenommen tvorden. Hickel sei nicht verhaftet, sondern „Alinft der Disziplinargewalt" des Generals festgeiiommen. Neue Gründe würden sich schon finden! Das hat in der Zeitung gestanden und ist nicht dcmentirt worden. Wie stimmt das mit der Aeuhcrung deS NegicrungSkommissarö? W/aS ist denn nun eigentlich richtig'^ Herr v. Alten soll auch gesagt haben, das Kriegsgericht könne aiho Dummheiten machen. Wenn ein GcrichtShcrr fich so äußert, wie kann man fiel) da entrüsten, wenn hier im Hanse an Urtheilen Kritik geübt wird. Der Megierniigökommissar Hai sich in Widersprüche verstrickt. Wie kommt cd, das; er in der > »Ischen Juristen Zeitung Grüiide der KollisioiiSgefaln und gcfteri neue Beweiomittel als Ncchtfertigung des Haftbefehls inö Feld führte? Ob die Vernehmung des GerichtSherrn 1. Instanz in der 2. Instanz gesetzlich zulässig ist, tvill ich gar nickit untersuchen', jedenfalls ist eine solche Vernehmung änßersl gefährlich; es wird dadurch immer ein Tiruck auf das Gericht auögciwt. Mit dem Aktenvermerk ist es doch eigenthümlich. Es kommt einen, da dock) der schwache Ver dacht, ob das nicht nachträglich eingcfügt Ivorden i|l. Wenn der Gcrichtöherr bei der Verhaftung den neuen Grund kannte, warum hat er ihn bann nicht in der Begründuiig angeführt V Die Haltung deS Kollegen Lcnzmann bei der Berathuug des Instituts der Ge richtsherri, bedaure ich sehr. Aber er bal doch gestern in der feierlichsten Form pater pcccavi gesagt Vertrauen in die Militärjustiz ist nicht übermäßig arvs;. borgen Ivir durch die Modernisirung deö Militär flrasprozesscs dafür, baß cd größer werde! ((Beifall liiikS.)
Kriegsminister von Gotzler: Als der Abg. Lenzmann gestern den Gunibinner Prozeß in den Mittelpunkt seiner Rede stellte, da war ich mir bewußt, baß sich die Festsetzung meines Gehaltes wesentlich verzögern würde (Heiterkeit.) Ich habe aber geglaicht, in den Streit der Juristen nicht ciugreifen zu sollen. Es ist ja möglich, das; diese Debatten wesentlich zur Klärung des Sach. Verhalts beigetragen haben, aber id) für meine Person hätte ge wünscht, inan hätte die Frage jetzt noch nicht angeschnitten. Der Prozeß ist nod) nicht entschieden, die Akten habe ich nicht zur Stelle, denn sie werden für die Entscheidung deS Gerichts gebraucht. Id; glaubte daher, daß diese Frage erst später behandelt werden würde. Diejenigen Herren, tvelche in der Kommission zur Berathung der MilitärstrafgeruhtSordnung gesessen haben, werden aus eigener Erinnerung noch tvissen, wie schlvierig die ganze Arbeit gewesen ist. Ich habe bereits mehrmals Gelegenheit gehabt, zu bemerken, baß damals die 5 nmissivnSmitglieder in der aufopferndsten Weise dies Werk vo. .den halfen. Daß vielfach die Anschauungen nod) verschieden waren, versteht sich ganz von selbst. Aber das Gesetz ist geschaffen worden; cd ist ein Kompromiß der verschiedenen Anschauungen, und wir haben alle Veranlassung, ein Gesetz, bad erst seit fünfviertel Jahren in Wirksamkeit ist, nach jeder Richtung hin zu schonen und aufrecht zu erhalten. Wohin soll eS denn führen, wenn die gesetzgebenden Faktoren ein wichtiges Gesetz erlassen, und, wenn eß kaum in Wirksamkeit getreten ist, anfS sdfärfste angreifcn. i(Sehr richtig! rechts.) Wenn man das, was man schafft, sofort wieder vcrlvirft, so ist das eigentlich Nihilismus. Es ist von allen Parteien, so viel id) weiß, anerkannt Ivorden, daß Die heutige Militärstrafgerichtöordnung einen wesentlichen Fortschritt gegen früher bedeutet. Ich erkenne das ebenfalls an, habe aber in der Debatte eine Anerkennung vermißt, die die Armee verdient hätte. Sie tvissen, daß in der Armee besondere. Shmpathie für die neue GtrasgerichtSordnung nicht vorhanden lvar; das alte Verfahren hatte sich eiugelebt und and) in schweren Zeiten bewahrt. Trotzdem konnten Sie nirgendwo irgend welchen. Widerstand gegen die neue Prozeßordnung konstatiren. Ich kann bezeugen, daß die Arm« sich die größte Mühe gegeben hat, dies neue Gesetz in vollem Um fange zu befolgen Ich müßte leinen Fall, in dem absichtlich das Gesetz itßcubW verletzt tvorden wäre, Alle Beschwerden, bie vor
getragen worden sind, bezogen sich auf diesen einen Prozeß. Daß ist dock) leine Veranlassung, über bad ganze Gesetz den Stab zu brechen! Ed mögen Versehen vorgekommen sein — id) habe hier nicht bad Recht, darüber zu urtheilen . hie werden ihre Erledigung finden, bad ist ganz selbstverständlich e ine Probe aber hat bnti neue Gesetz bestanden, nämlich ui Ehina. ich hätte nicht gewußt, wie wir ohne eine einheitliche StrafgericlüSorbnung die Expedition nnd) Ehina hätten machen sollen. Da Ijal fick) bad Gesetz nach jeber Richtung bewährt. Ohne baß Gesetz hatte sich bie RechtS- pflege nicht m ber einfachen Weife abgcwidclt, wie eß thatsächsich bet Fall war.
Der Gcrichtöherr hat, wie id) von Neuem betonen muß, aus die Rechtsprechung nicht ben geringsten Einfluß; er hat mit ben Spruchgerichten absolut nichts zu thun. Der Name „Gcrichtöherr" iechtfertigt fid) nnd seinen Funktionen überhaupt nicht; er ist and her Tradition übernommen. WaS hat ber GerichtSherr zn thun? Er muß Vergehen, die ihm bclnnnt werden, dem Gericht zuführcn und für Aufklärung sorgen. Wenn bann bad Gericht enlschieben hat, muß er bac> Hrtljctl ansfiihrcn, ober Berufung einlcgen. Das find im Wesentlichen die Funktionen deS Gerichtsherrn.
Es ist gesagt worben, bie Ocffeiitlichkeit sei bei der ersten Verhandlung wcchrfchemlich deshalb ausgeschlossen tvorden, lueil bie dort zur Sprache gebradilen Vorgänge aud dem Leben des Rittmeisters Krosigk nid)t besondere fein und ehrenhaft gewesen wären. Diese Annahme beruht dock) fcheisibar einfach auf Zeitungskiatsch. Die ®end)tc. bie mir vorliegen, machen einen anderen Eindruck; von „llnehrcnhaftigkeit" kann dock) keine stiebe sein. Jedenfalls be- beiitct bei neue Strafprozeß aud) in dieser Beziehung einen Fort, schritt gegenüber dem allen, auch dem bairischen, in dem die Oeffenllichkeit leichter ausgeschlossen werben konnte, als jetzt. Wie man die Behauptung von Beeinflnssungeii. die vorgekominen sein sollen, l'cweisen ivill, weis; ich nicht Thatsache ist, baß in beiden Verhandlungen die Anträge der Anklage fmnmtlid) verworfen worden sind. Die 9/ndnid)tcn über die Riaßregelung non Zeugen sind Zeilungöklatsch: kein Zeuge ist voii der Militärbehörde beeinflußt oder wegen seines ;jengiiisseS bestraft ivorden. Die Mit- theiliing bed Abg. Müller über Unterredungen zwischen dem Gciieiallcutiiaiil von Alten imb dem Rechtsanwalt Horn beruhen auf einer einseitigen Darstellung, bie man nicht zum Fundament so schwerer Angriffe machen kann. Ed ist bann noch versudit worbe», für bie Armee einen Gegensatz zwischen Disziplin und Gercchtigleit zu konftruiren. Ich erkenne diesen Gegensatz burd)- aud nicht an. Im Gegciitheil: Für die Armee decken sich die Begriffe (Gerechtigkeit und Disziplin vollständig.
Damit schließt die Diskussion über ben Gumbinner Prozeß; die Generaldebatte über den Titel „M i n i st e r" wird fortgesetzt.
Abg. Schlumberger (Hosp, der Natlib.) : Meine Meinung über Militärsachen ist, daß die Ausgaben für bad Heer volkölvirthschaft- lid) eine Versicherungsprämie gegen Kriegsgefahr find. Diese Prämie in Einklang mit dem Risiko zu bringen, ist Aufgabe ber Staatskunst. Gutachtlich hat fid) der Reichstag darüber zu äußern und sein Bewilligungsrecht auözuüben. Daö Duell. Mißhandlungen, Sclbstnwrde sind leider schwer zu befeitigenbe Neben crscl-einungcn einer noch lange Zeit unentbehrlichen Einrichtung: bei allgemeinen Wehrpflicht. Unter der genauen Kontrolc der Volksvertretung verschwinden die Mängel allmählich und die Beseit igung der Mißstände wird umso rascher vor fid) gehen, als die Beschwerden sachlich nnd ernst hier vorgebracht werden. Man sollte nie die Vortheile des SoldatcnlebcnS vergessen, die Ausbildung des Pflichtgefühls und der Selbstbeherrschung, den erzieherischen Werth bed Umgangs der Kameraden u. s. w. Aber stundenlang über bie Mängel des Militärwescnö zu dcbattircn, hat keinen Zweck, und id) muß hier erklären: der Reichstag ist tm Begriff, (ich in der öffentlichen Meinung zu diskrcditircn. (Große Heiterkeit.)! Redefreiheit und Rebemißbrauch sind zwei ganz verschiedene Dinge. (Lärm links.) Maß in Llllcrn, sogar im Guten! (Heiterkeit.) Dicfe endlosen Reden veranlassen viele Kollegen, fcriuu- blcibcn, weil sic sich den Luxus saldier Zeitvcrschwcndung nicht erlauben können. (Heiterkeit, Lärm links.) Id) bitte Sie, Alle zui Verkürzung der Verhaiidlungen beizutragcn. Ich für meine Person will mit gutem Beispiel vorangelicn und meine AnSführun- gen baiiiit schließen. (Große Heiterkeit, Beifall.)
Abg. Graf von Roon (kons.): Ein Thcil meiner Freunde Hal gegen, der größere Thcil jedoch hat für die Militärstrafprozcß- Ordnung gestimmt. Eine Revision dieses Gesetzes halten wir nicht für nöthig und werden uns an einer Erörterung darüber nicht betheiligen. Id; halte cö nicht für angcthcm, hier davon zu fprcd;en, daß ein Vertrauen zu den Militärgerickstcn nicht besteht. Irr- thümer kommen bei Juristen aller Kategorien vor. Auf die gestrige Rede des Abg. Bebel kann mich nid)t davon abhaltcn, die Sozialdemokraten als Fciiide dcd deutfchcn tHcidjcS zu bezeidmen. Die Kritik wollen aud) wir nickst verkümmern, aber die Kritik, wie sic
Bebel aus übt, nenne »ch auch heute noch ein Waschen schmutziger
Wäsche vor dem ganzen Lande. Herr ScbrT warf mir Nnwifftn- heit vor. ES kommt daraus an, was man darunter versteht. Ich halte eö hier mit einem gewissen Herrn von Goethe, der sagte, wir wissen nur, daß wir nichts wissen können. (Heiterkeit.)
Abg. Werner (Aulis.) spricht seine Freude darüber auS, daß die Solbatenmißhandlungen m der Armee ganz erheblich zurück- gcgangen feien.
Abg. Kuncrt (Soz.) bestreitet diese Behauptung und bemerkt, daß der ermordete Rittmeister Krosigk seine Untergebenen schwer mißhandelt hätte. Wenn Jemand Leute, die ganz in seine Gewalt gegeben sind, maltraitirt und mißhandelt, so laßt sich daö nur als Feigheit bezeichnen. Die von Seiten deö preußischen KriegS- mimsteriumö angegebenen Zahlen beziehen fid) nickst, wie man an* zlinehmcn verleitet wird, auf die Zahl der Mißhandlungen, sondern auf die Zahl der Mißhandlungöprozesse. In einem einzigen Prozesse kamen allein 107 Fälle von Mißhandlungen zur Verhandlung. Dem Generalmajor von Endreß vin id) dankbar, daß et in der Bamberger Sache hier eine Aufklärung gegeben hat Ich nehme auf Grund derselben das Wort Brutalität gern zurück, darum handelt cd sich, wie ich zugebc, in diesem Falle nicht, sondern nm etwaö, was man im gewöhnlichen Leben „groben Unfug* nennt. Die Sache hat aber doch ihre ernften ©eilen, weil in Bamberg viele kleine Leute wohnen, die am Tage schwer zu arbeiten haben und ihre Nachtruhe üraudjen. Redner tadelt sodann angebliche Bedrückungen der Polen.
Minister von Goftler Die Zahl der Bestrafungen wegen Miß- handlniigeii ist feit 1890 von 713 auf 605 gesunken; ich habe allo mit Recht behauptet, baß bie Mißhanblungen sich ucrmlnbert haben Wenn Herr Kunert sich ber Polen angenommen hat, fv werben bie letzteren ba6 gewiß ablehnen. Die Sozialdemokraten können teinem Bolksstainm ein Vaterland geben weil sie selber fein Vaterland haben. (Lachen bei den Soz.) Herr Kunert hat weiter den Gefck)mack gehabt, den Rittmeister von Krosigk zu beschimpfen (große Unruhe bei den Soz), er hat von Feigheit gefprockien. Ick) glaube erstens ist bad einem Tobten gegenüber unwürdig! (Großer Lärm und lebhafte Zurufe bei den Sozialdemokraten.)
Präsident Graf Ballcstrem erfucht, den Minister nicht zu unterbrechen (Erncnter Lärm und Zurufe bei den Sozialdemokraten.)
Minister v. Göhler (fortfahrend) Und zweitens läßt sich der Vorwurf in keiner Weise halten Der Rittmeister v. Krosigk ist allerdings in feiner Jugend wegen Mißhandlung bestraft worden, einmal mit 14 Tagen Arrest und einmal mit 4 Monaten Festung, er hat sich hinreißen lassen bon seinem Temperament, einige Handgreiflichkeiten beim Voltigiren und Turnen zu verüben; er ist deswegen streng bestraft worden, wie man daraus aber Feigheit kon- strniren kann, ist mir unverständlich. In dem Regimentöberichte über Krosigk wird er als ein sehr fleißiger und ungemein diensteifriger Eskadronchef bezeichnet, der sich zwar maiidnnal von seinem Temperament zu einer falsche» Behandlung her Truppen hiurcißcn lasse, der aber doch ein gerechter und aud) wohlwollender Vorgesetzter gewesen fei. Daö sagen die letzten Atteste. ES war übrigens feil oem Jahre 1898 keine Beschwerde über ihn ein* gelaufen. Also ich meine, die Art, wie Herr Kunert die Sache behandelt hat, geht doch über das hinaus , was man gewöhnlich zu ertragen in der Lage ist. In der Presse hat man den Fall Krosigk noch in anderer Weise auszuuutzen versucht; man suchte den Rittmeister Krosigk als einen wahren Tyrannen hinzustcllcn, der burd) sein Verhalten gewissermaßen selbst den Mord provozirt hätte. Id; kann nur sagen: In den Annalen der Armee ist ein so gemeiner Meuchelmord iwerhaupt nicht vorhanden.
Sächsischer Major .Krug von Nidda stellt einige von dem Abg. Ltunert mitgctheiltc Fälle von Soldatcn-Sclbstmordcn ridstig.
Bairischer Generalmajor von Endreß: Herr Kunert hat zwar feine Beschuldigungen zum großen Thcil gurüipcnommcn, c5 ist aber doch noch ein kleiner Nest geblieben. (Heiterkeit.) Er hat das Empfinden gehabt, daß in Bamberg doch der soziale Friede gestört sei. (Erneute Heiterkeit.) DaS Regimentskommando hat eine eingehende Untersuchung darüber angcstcllt, ob wirklich Störungen der Nachtruhe vorgekommen sind. Zunächst ist der Vorwurf erhoben, daß Stranfe und Frauen, die —, nun, die sich in einer gewissen Lage befinden (Heiterkeit), aufgeweckt seien. Nun hat sich aber bei der Untersuchung herauögcstelll. daß Kranke fid) gar nicht auf dem Wege befunden haben, aud) solche Frauen nicht, die hätten gestört werden können. Andere Leute sind freilich aufgeweckt worden, aber die haben auSgcsagt, sie hielten sich durch die hübsche Musik für vollständig kompenstn. (Stürmische Heilerkett.)'
Das Haus vertagt die weitere Bcrathung auf Donners- tag, 1 Uhr.
Schluß 6 Uhr.
Aus *»tniit uni) Land.
Gießen, 20. Februar 1902.
** Geh. Med.-Rat Dr Eckhard, Professor der Physiologie an bei: Landeüuniversität, begeht am 1, März d. I. seinen 80» Geburtstag. Eonrad Eckhard wurde am 1. März 1822 zu Homberg a. d. O. geboren. Gr studierte 1845—49 IN Marburg und Berlin, anfangs Naturwissenschaften, später Medizin, vorzugsweise Anatomie und Physiologie. Er erwarb den philosophischen Doktorgrad am 23. Februar 1849 in Marburg, den medizinischen in Gießen am 13. September 1849, wo er im Winter 49/50 Proscktor war. Die Habilitation erfolgte im Jahre 1850, die Anstellung alä außer* ordentlicher Professor am 9. August 1855, als ordentlicher am 19. Januar 1856. Letztere Ernennung geschah nach Anfragen von den medizinischen Fakultäsi'n in Dorp'at und Königsberg beir. Wegberufung von Gießen. Eckhard hatte sich in kurzer Zeit durch fundamental wichtige Arbeiten auß bem Gebiet der Anatomie und Physiologie bekannt gemacht unb hat diesen Nus atö gründlicher Forscher durch sein ganzes Loben gewahrt. Im Jahre 1878/74 war er Rektor, in -mehreren anderen Jahren Dekan der medizinischen Fakultät. Am 1. März 1897 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Homberg a. d. O. ernannt. Eine große Zahl von Schülern in den verschiedensten Teilen der medizinischen Wissenschaft und Praxis blickt auf Eckhard als Lehrmeister mit Verehrung zurück.
* Ruppertenrod, 19. Febr. Die Frau eines hiesigen Bergmanns stürzte, tm Begriffe, auf baß Gerüst in ihrer Scheuer zu treten, um Stroh herabzuwcrfen. in die Tiefe der Tenne hinab. Bewußtlos hob man sie auf und trug sie inß Bett. Ihre Verletzungen, verbunden mit Gehirnerschütterung sind sehr schwer.
*w Kleine Mitteilungen ans Hessen und den Nachbarstaaten. Im Kreiüblotl von Höchst befindet sich folgendes energisches Inserat: „Dem Herrn Ph. S— r zur Kenntnis, daß die Zu- rikfnabmc seiner „Liebeserklärung", weil sie doch nur im S— ff geschah, uns keine tteberraschung oder Schmerz bereitet. Anders steht cs aber mit den Beleidigungen l Die schenken wir Ihnen nicht so leid) und statt beim Standesbeamten sprechen wir unö jetzt bc Schiedömann. Ihren alten Regenschirm (An- schaffnngSpie- höchstens Mk. 1,50) mögen Sie, wenn Sie Kouragc haben, sich selbst bei unü abholen. Frau B. und Tochter."
Lsiiiversltütü-Uachrichteli.
Berlin, 19. Febr. Laut „Ratwualztg." wurde als Nachfolger Albrecht Webero Richard P i f dh c l in Halle für daö Fach der iudlschen Phllologie hierher berufen.
— Die Bereinigung alter Burschenschafter Berlins hat hem kürzlich nach Hagen versetzten Staatsanwalt- schaftSrat.G v uy einen sdpvarz-rot^goldencn Schlager mit der Widmung gestiftet: „Die B. A. B. Berlin i. I. 1. Vorsitzenden. Cortaro ncoeHBo oHt, vivore non noconae.“ (Zu deutsch: Kämpfen ist nötig, lebe»» unnötig.) — Die Widmung trägt hiernach den Eharakter einer Demonstration gegen die Versetzung deS Herrn (S-uni) wegen seiner Verteidigung des Diiells.
Ein Solm des Berliner Dlatmnalöfonümcn Adolf Wagner, Dr. Friedrich W a g n c r, ist zum Katholizismus übergetreten. — Der berühmte Orthopäde Prof. Julius W o l f f in London ist im Alter von 66 Jahren einem Schlaganfall erlegen.
Der Oberlehrer Dr. Paul W e u d l a n d in Berti n, ein Schüler doS Prof. Dr. v. Wilamowitz-Atöllendorf, ist als ordentlicher Pi >essor der Philologie an die Universität Kiel berufen ivorden.
- Dem nationalliberalen preuß. LandlagSabg. H a ck e u b e r g ist von der theologischen Fakultät der Universität B o n n die (Ernennung zum dootor thoolugiao zu teil geworden. Das Diplom bezeichnet den neuen Doctor als „bedeutenden unb scharjsüinigen Prediger, als einen durch die höchste Krasi der Sprache ausgezeichneten Redner, als starken und unerschrockenen Verteidiger der Rechte der protestantischen Kirche. ab$ trefflichen Mitarbeiter an der Herausgabe deS rl)einifd)-iücft|äli{d)cn Gesangbud)cö und als kundigen Hynnwlvgen."
Humoristisches.
In der Gemäldeansstcllnng. E r: Sieh nur dieses scheußliche Porträt. Wie flach und ausdruckslos, wie geistlos aufgefaßt l Unb bazu nicht einmal ähnlich 1
Sie: O, id) finbe eö ganz hübsd). Namentlich der Pelz gefällt mir sehr gut. Wenn ich wüßte, wo ber gekauft ist, würbe ick) Papa bitten, mir auch bei dein Kürschner einen zu kaufen. (F. B.)
Arlieitertiemegung.
B a r c c l o u a, 19. Febr. Die ll n i V c r f 11 ä t unb alle Schulen find geschlosse n. Mitglieder und Porsdände ber Arbeiterverci)iigungen wurden verhaftet unb die Bersanim- Imrgsorle ber Vereinigungen geschloffen. In Sababeil, Man rosa unb Dar rasa wurde aus den Fenstern auf bie Sol baten geschoifen. In San Martin bc PrvvensalS sind von den Ausständigen Barrikaden errichtet worden. In Badalona versuchten Ausstand ge. Straßenbahnwagen zum v tgleisen zu bringen. AIS bie Zkavallerie gegen bie Ruhe, c vorging, wurde aus den Häusern aiq nie ^Soldaten gc,chossen.
Zahlreiche P c r s v u c u wurden v enuunbet unb 12 Verhaftungen borgenommen. In Sababcll mußten die Mönche des dortigen Maristenklosters fliehen; das ^Üoftcrinncrc wurde in Brand gesteckt.
Ucuelte Mewungeu.
Origiualdrahtmclduugcn des Gießener Anzeiger».
Berlin, 20. Febr. Der Verein „Berliner Preffe" wählte gestern den Chefredakteur Vollrath von der „Volksztg." zum 1. Vorsitzenden als Nachfolger Wicherts.
Berlin, 20. Febr. Die Berliner Medizinische Gesellschaft ernannte gestern abend den Generalstabsarzt Prof. Dr. Leuth old und die Professoren Kußmaul und Recklinghausen zu Ehrenmitgliedern.
Potsdam, 20. Febr. Gestern nachmittag brachen beim Eislauf auf dem Jungfcrnsee gegenüber der Königl. Matrosenstation 3 Lehrlinge ein. Ein zuhilfe eilender Schiffer brach ebenfalls ein. Zwei Lehrlinge und der Schiffer wurden gerettet; 1 Lehrling ertrank.
London, 19. Febr. Daily Expreß veröffcnttichl einen De« richt, wonach Louis Botha am 13. Januar durch Truppen deS Generals Hamilton mit noch 33 Buren in Gefangenschaft geraten sein soll. Diese Nachricht bedarf noch der Bestätigung. — Bei einem Di r. das gestern Abend vom Reform-Klub zu Ehren Lord Roscbery's veranstaltet wurde, äußerte fid) Letzterer über die augenblickliche äußere Politik der englischen Regierung, welche er tadelte. Lord Rosebery beobachtete jedoch Stillsd)weigen über die gegenwärtige Lage der liberalen Partei und seine Beziehungen zu derselben.
Madrid, 20. Febr. In Barcelona hat sich die Lage uerfd)limmert. Zahlreiche Zusammenstöße zwischen den Ausständigen und den Truppen kamen vor. Von beiden Seiten wurde geschaffen. Mehrere Personen wurden verwundet. Einige Bäckereien wurden geplündert.
Großwardeiu, 20. Febr. Zwischen den Stationen GycpeS und Nyarbe entgleiste gestern ein Personcnzug. Die Lokomotive stürzte euren Abhang hinab und riß die Wagen mit sich. 2 Zugbeamte und 1 Bahnwärter wurden getötet.
Seidenstoffe
rveSHb»* WlWVliVIVIIII Man verlange Muster.
gsifc. von Elten & Keussen, ÄU Krefeld.


