Ausgabe 
19.12.1902 Zweites Blatt
 
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reichen Fällen und mehrfacher Wechselfälschung Ku zwei Monaten einfachen Kerker und ?ldelSverlust.

Wien, 19. Tez. DiePolit. K'orresp." erfährt von zuständiger Seite in Petersburg über die Reise des Grafen Lamsdorff nach Wien: Tie Veranlassung zu dem Be­suche sei der Wunsch, sich dem Kaiser Franz Josef vorzu­stellen, doch sei die Bedeutung des für die trefflichen Be­ziehungen beider Staaten wertvollen Besuches durch den Zeitpunkt, in dem er erfolge, und die begleitenden Mo­mente erhöht. Tie in der makedonischen Frage von beiden Staaten unternommene Aktion bewege sich in zweifacher Richtung, einerseits in de Durchsetzung der Verbesserungen in der Verwaltung der europäischen Provinzen in der Türkei, andererseits in der Einwirkung auf die kleineren Balkanstaaten, danach die Regierungen dieser Staaten die Unterstützung der Bewegung Hintertreiben sollen. Tie Zu- sarnmenkunft des Grafen Lamsdorff und des Grafen Golu- chowski biete vollkommen Gelegenheit zu einem Gedanken­austausch über die Methode des weiteren Vorgehens in diesen beiden Richtungen. Ter Reise des Grafen Lams- dvrff nach Wien werden kurze Besuche in Belgrad und Sofia unmittelbar vorausgehen. Lamsdorff werde sich durch eigene Wahrnehmungen unterrichten und den an die Staatölenker in Belgrad und Sofia zu richtenden Ermahn­ungen durch daS Gewicht seiner Persönlichkeit größeren Nachdruck verleihen, als es auf mittelbaren Wegen zu er­reichen wäre.

Salzburg, 19. Dez. Die hier zu Besuch bei ihrem Vater, dem Erzherzog Ferdinand, weilende Kronprinzessin von Sachsen ist lediglich von einer leichten Erkältung be­fallen, sodaß vorläufig kein Anlaß zu Besorgnissen vorliegt. ,

Budapest, 19. Tcz. Da 200 arme Studenten der

Ä Universität vor der Gefahr standen, wegen Zahlung der Kollegiengelder von der Hörerlifte ge­strichen zu werden, bewilligte der UnterrichtSminister auS Staatsmitteln 15 000 Kronen zur Bezahlung der Kollegien- gelder.

Petersburg, 19. Dez. An Barfrusch in Persien ist eine Pöbel-Revolte ausgebrochen. Ter neu er­nannte Gouverneur, der einige Zeit Rußland bereist hat, versuchte in der Stadt die L>elbftverwaltung nach russi­schem Muster einzuführen. Trotz des Einspruches der Geist­lichkeit, daß eine solche Maßregel den Satzungen des Korans widerspreche, lieg der Gouverneur die Selbst-Der- ivaltung durchführen. Ein einflußreicher Mullah wühlte das Volk auf. Tasselbe zog bewaffnet vor daS Haus des Gouverneurs und griff eS an, wobei viele Bediente niedergeschossen wurden. Ter Gouverneur mußte flüchten. Eintresfende reitende Truppen trieben die Menge ausein­ander.- Der Mullah wurde gefangen genommen und nod) Teheran gebracht. Die Aufregung unter dem Volke hält an und wird nur durch Militär-Gewalt nieder geh alten.

Washington, 18. Dez. Auf Empfehlung deS Aus­schusses für auswärtige Angelegenheiten hat daS Reprä­sentantenhaus beschlossen, dem Anträge Dearmond, in dem der Staatssekretär Hay auf die Monroe-Doktrin hingewiesen und veranlaßt werden sollte, Angaben über die Art der Ansprüche Deutschlands und Englands an Venezuela zu machen, nicht stattzugeben. Das Haus nahm vielmehr eine Resolution Mc. Eall an, den Staatssekretär Hay aufzufordern, dem Hause in jeder Weise Auflchluß zu erteilen über eine Verständigung oder ein Abkommen mit Teutschland oder Großbritannien oder über irgend welche Zusicherungen, die er von Deutschland oder Groß­britannien über die Art, die Ausdehnung und den Zweck

der Demonstration gegen Venezuela empfangen hab«, na­mentlich soweit die Besetzung von Landgebiet in Betracht komme. Schließlich verlanA die Resolution, daß der Schriftwechsel über die Angelegenheit dem Hause vor- gelegt werde.

Telephonischer Kursbericht«

BVtO/o Reichtanleihe . . 102.15 81A do. ... 91.50 8V,0/0 Koneoli .... 102.05 3% do.....91.50

87t0/n Heeeen .... 100.00 3-6 OberheeecB ... . 99 50 496 O*8terr. Goldrente . 103.00 47,96 Oeeterr. Silberrente 101.55 496 Untrer. Goldrente, . . 101.80 40/ Italien. Rente . , . 103.40 4*',96 Portnfrleeen . . . 49.20 *</ Portugiesen. «... 81.20 196 C. Türken .... 28 50 Türkenlose...... 122 60

4®/0 Grieoh. Monopol.-Anl. 44.55 41', 96 Äussere Areontiner.

8% Mexikaner ... 24.50 4l/t% Chinesen .... 91.80 Electric. Sch ackert . , , 75.20 Nordd Lloyd . . . , 96.20

Kreditaktien . . . . 211.60

Diskonto-Kommandit. . . 188.76 Darmstadter Bank . . , 134.40 Dresdener Bank .... 143.20 Bor'iner Handels^««. . . 156. Gesten- Staatabahn . . . 145.20 Lombarden . . . . . 17.25 GotthaHbahn ..... 179.20 Lanrahötte ...... 205.50 Bochum ....... 171.80 Harpener......166.10

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Berichtigung.

In der Aufgebots-Bekanntmachung des Großh. Amts­gerichts vom 15. Dezember d. I. in Nr. 296 des Gießener Anzeigers ist der Antragsteller ad 5 nicht von Oppenheim, sondern von Steinberg.

Großherzogliches Amtsgericht.

Sonntagsverein für Mädchen.

Die Vereinigung der Mädchen findet statt an jedem Sonntag zwischen 2 und 7 Nhr nachmittags im Saale der Kleinkinderschule; die Mädchen können zu jeder Zeit kommen und gehen; von 4 Uhr bis 5 Uhr findet gemeinsame Unterhaltung statt mit Gesang, Ansprache, Vorträgen.

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