schienen. ES wurden zunächst ca. 40 neue Mitglieder ausgenommen, eine Uebersicht der Einnahmen und AuSaaben für das Vereinsjakr 1901/1902 besprochen und eine ÄenDe- rung des Voranschlages 1903/1904 infolge einer Zuschrift Erotzherzoglichen Ministeriums des Innern vorgenommen. Nach dieser Zuschrift erhalten die lanow. Vereine des Grvß- herzogtumS infolge der ungünstigen Finanzlage des Landes eine erhebliche Summe weniger, als allseitig vorausgesetzt wurde. Die Aenderung deS Voranschlages, d- h. die Herao- minderuna der vorgesehenen Ausgabeposten hatte zur Folge, daß auch dem Oberhessischen Obsllrauoerein an dem üjm in letzter AuSschuMitzung bereitwilligst ausgesetzten Betrag ein nicht unerheblicher Abstrich gemacht werden mußte. Danach beschäftigte den Ausschuß Die Frage der Verbesserung der Hutweiden im hohen Vogelsberg. Seit einer Reihe von Jahren hat der landw. Provinzialverein mll Gemeinden im Vogelsberg auf Antrag derselben Vertrage abgeschlossen, die bezwecken, auf Oedlandereien durch Meliorationen eingefriedigte Hutweiden zunächst für Jungvieh zu schassen, aus denen dasselbe gute und reichliche Nahrung/finden soll. Diese Meliorationen sind ohne Ausnahme durch Beauftragte des Provinzialvereins mit so großem Ersolge ausgeführt, daß sich, dieselben ausgezeichnet rentieren und so die Gemeinden ermutigen, auf diesem Wege die Oedlandereien allmählich in gutes Gras- und Weideland um^uschaffen. Da die meliorierten Flächen nicht sofort als Weideland benutzt werden dürfen, da sich erst in 2—3 Jahren eine geschossene Grasnarbe bildet, die ohne Nachtell von Weidetieren begangen werden kann, so verkaufen die Gemeinden in den ersten Jahren, wie ihnen das der Vertrag mit dem Provinzialoer ein zugesteht, das Gras zu Gunsten der Ge- meindekasse. Dabei hat sich im Durschnllt ergeben, daß sich das aufgewendete Kapital mit 18 pEt. verzinst. Naturgemäß tritt bei mancher Gemeinde das Verlangen zutage, möglichst lange Gras zu verkaufen und den eigentlichen Zweck der Melioration: Jungviehweiden einzurichten, möglichst lange hinauszuschieben. Der Ausschuß spricht sich dabin aus, daß da, wo nicht erhebliche Bedenken entgegen- steyen, die Einrichtung von Jungviehweiden nicht hinaus- aeschoben werden soll. In den letzten fünf Jahren sind in den Kreisen Lauterbach und Schotten 293,64 Hekt. oder 1175 Normalmorgen Oedländereien melioriert worden, mit einem ausgewendeten Kapital von 92 440 Mark. In Alsfeld hat sich ein Kreis-Ziegenzuchtverein gebildet, der anerkannt wird, ebenso ein Rindviehzuchtverein in Kirtorf.
*• Schloß fr eiheit - Lotterie. Bei der heutigen Ziehung fiel ein Gewinn von 50 000 Mk. auf Nr. 16033 (nach Bingen), ein Gewinn von 10 000 Mk. auf Nr. 19463 (nach Darmstadt), drei Gewinne von je 3000 Mk. auf Nr. 6767 (nach Offenbach), 14197 (nach Oppenheim), 22772 (nach Darmstadt), Gewinne von je 2000 Mk. auf Nr. 3661 (nach Darmstadt), 14698 (nach Mainz), 23030 (nach Mainz), 23895 (nach Darmstadt), Gewinne von je 1000 Mk. auf Nr. 2286 4081 7762 10582 11776 14524 18187 21748 24034, Gewinne von je 500 Mk. auf Nr. 122 2042 3897 5765 6595 6641 7206 7700 8549 8870 9447 11566 12099 12497 12728 13379 14875 16953 19471 19664 21027 22681 22775 23988. (Ohne Gewähr.)
st. „Der Zug fahrt ohne Räder", also erklärte ganz bestimmt der Packmeister des Berliner Schnellzuges auf der Station Kreiensen einem Passagier, welcher in Berlin im direkten Wagen nach Frankfurt a. M. Platz genommen hatte, um in Gießen auszusteigen. Erstaunt fragte der Reisende den Beamten, wie denn seine Worte zu verstehen seien. „Ja/ meinte jener, „Sie muffen das bis hierher mitgenommene Fahrrad aus dem Packwagen nehmen, da die Mitnahme von solchen von der Station Kreiensen an in Zug 72 (so lautet die Nummer des Schnellzuges, der 7 Uhr 22 Min. abends in Gießen eintrifft), ausgeschlossen ist." Der Reisende verwies auf feine gelöste Fahrradkarte, welche deutlich den Vermerk bis Gießen trug, aber was halfs, der Bahnhofsvorsteher, als oberste Instanz in dieser sonderbaren Sache, erklärte ebenfalls, daß dieser Schnellzug keine Räder weiterführe, doch werde das Fahrrad kostenlos als Gepäckgut auf Wunsch des Reisenden nach Gießen nachgesandt. Und so kam es, daß der Zug ohne Räder weiterfuhr. Uebrigens soll dies nicht der einzige Zug sein, mit welchem die Radfahrer gefoppt werden. Der Schnellzug, welcher am Morgen Frankfurt a. M. verläßt und 9 Uhr 66 Min. auf der Station Gießen landet, nimmt Fahrräder von der Abgangsstation nur bis Gießen mit, von hier aus sind dieselben von der Mitnahme im Packwagen ausgeschlossen. ES wäre doch zu wünschen, daß die Fahrpläne einen Vermerk erhalten, in welchen Zügen die Beförderung der Räder ausgeschlossen ist, damit sich die zahlreichen Touristen, die ja bei der jetzigen Jahreszeit fast täglich die Eisenbahn benutzen, danach richten können, und damit die Radler keinen Grund haben, mit der Eisenbahn unzufrieden zu sein.
** Die Bevölkerung der Kreise des Groß- herzogtumS Hessen am 1. Dezember 1900. Den neuesten Mitteilungen der Centtalstelle für die Landesstatistik entnehmen wir folgende interessante Ziffern: Im Kreise Gießen ver- teilte sich die Bevölkerung nach dem Alter folgendermaßen: unter fünf Jahren 9505, von 6—10 Jahren 8316, von 10 bis 15 Jahren 7602, von 15—20 Jahren 8118, von 20 bis 25 Jahren 8748 Personen. Damit ist die höchste Ziffer erreicht. Bei höherem Alter werden die Ziffern niedriger, und zwar gehen sie bei der nächsten Stufe, 26—30 Jahre, gleich auf 6670 Personen herab. Die Stufe von 70—76 Jahren weist nur noch 1077, die von 75—80 Jahren 689, von 80—85 Jahren 320, von 85—90 Jahren 71, von 90 bis 95 Jahren 16 Personen und von 95—100 Jahren nur eine Person auf. Das Alter von 20—25 Jahren weist also die meisten Vertreter auf. In diesem Alter ist auch der Geschlechtsunterschied am größten. Von den 8748 Personen sind nämlich 4779 männlich, 3969 weiblich. Die Lebenssaft der weiblichen Personen nimmt dann aber dem männlichen gegenüber vom 25. Jahre ab rapid zu und vom 35. Aahre ab ist ihre Ziffer sogar erheblich hoher als die der xnannhd)en Bevölkerung. Erst vom 90. Jahre ab sind beide Ziffern wieder gleich (8 männliche, 8 weibliche); das hohe Alter von über 95 Jahren aber erreichte dann nur noch eme männliche Person. Die Gesamtbeoölkerung de§ Gießener KreiseS betrug 81 916 Personen.
** Zu den Landtagswahlen für den Wahlkreis Gießen wird uns geschrieben: Es bestand bei den Vorständen der nationalliberalen, wie freisinnigen Volks- Partei kein Zweifel darüber, g e m e i n । a m jur die Wiederwahl unseres verdienstvollen seitherigen Abgeordneten Ju^izrat Dr. Gut fleisch ernzutreten.
!— Großen-Linden, 18. Sept. Tank der Bemühungen unseres Bürgermeisters, Landtagsabg. Leun, ist nun der Bau eines größeren Stationsgebäudes an unserer Haltestelle gesichert. Vermessungen haben bereits ftattaefunben.
(-) Lollar, 18. Sept. Auf der I n t e rn a ti o n al e n Hunde-Ausstellung in München erhielt die langhaarige Vorstehhündin Erra von der Seilbach, Besitzer Friedrich Schön, hier, unter scharfer Konkurrenz, in offener Klasse den zweiten Preis.
h Butzbach, 18. Sept. Heute nachmittag statteten die Prinzessinnen von Solms-Lich auf der Rückreise vom Schlosse Friedberg unserer Stabt einen Besuch ab; die Herrschaften nahmen im Gasthause „Zum goldenen Löwen" den Kaffee ein und fuhren dann per Wagen nach Lich. — Ter in weiten Kreisen bekannte Gerbereibesitzer und Rechner des Mathllbenstifts Butzbach, Jakob Küchel starb heute nachmittag infolge eines Schlaganfalls im Alter von 52 Jahren. Er bekleidete das Rechneramt säst 27 Jahre ru nd beging im vergangenen Jahre das silberne Ehejubiläum.
k— Aus demManöver in der Wetterau wird uns vom 18. September geschrieben: Nach dem gestrigen Ruhetag begann heute das Gefecht der beiden Tivisionen gegeneinander, das bis morgen abend dauert. Schon früh um 4 und 5 Uhr rückten einzelne Abteilungen Reiter und Infanterie als Patrouillen, Feldwachen und Vorposten aus, um den Feind, der aus südöstlicher Richtung kam, und in der Gegend von Rendel, Torfelden, Büdesheim, Heldenbergen am Mittwoch gelegen hatte, aufzusuchen. Das Gefecht konzentrierte sich um die Nidda bei Assen- heim, Ilbenstadt; es galt den Uebergang nach Süden zu erzwingen. Heute abend wurde daS Gefecht abgebrochen, die Truppen biwaefierten auf dem von ihnen zuletzt eingenommenen Gelände; wahrscheinlich wird in Der Nacht das Ganze alarmiert, das Gefecht ausgenommen und die 21. Division über die Nidder in der Richtung nach Gelnhausen und Rothenbergen zurückgedrängt. Tie Offenbacher und Hanauer Regimenter werden zum Teil Freitag abend so nahe an ihre Garnison kommen, daß sie in ihren Kasernen untergebracht werden dürsten. Samstag früh geht das ganze 18. Armeekorps gegen Den markierten Feind, der bei Heldenbergen-Windecken erwartet wird. Dieses Friedensgesecht wird gegen 2 Uhr nachts beendet; alsdann marschieren Die Truvpen in ihre Garnison, wie z. B Die 168., 81., sowie Die übrigen Hanauer, bexro. Offenbacher Truppen. Die übrigen 117., 116., 125., welche an der Angriffsübung der schweren Artillerie am Montag und Dienstag nicht teilnehmen, werden per Bahn naaj Der Garnison befördert zum Teil von Meerholz, Hanau und Friedberg aus. Die 115. abends 6 Uhr in Meerholz, 116. voraussichtlich in Friedberg. Tiefe Truppen werden schon am 22. und 23. September entlassen, während diejenigen, welche den Angriff der Artillerie mttmachen, nicht vor Dem 25. vis 29. Sept, abgehen. Die Reserve Der 61 er Artillerie wirD am 24. September entlassen mit Ausnahme Der Batterie, Die bei Dem Artillerieangrisf bleibt. Diesem Gefecht sinD ferner noch zugeteilt: Die beiDen Regimenter 118 unD 87, von fast allen übrigen Artillerie-, Infanterie- und Kavallerieregimentern einzelne Schwa- vronen, bezw. Bataillone und Batterieen, ferner Pionier- Abteilungen.
rm. Grebenhain, 18. Sept. Wie wir gestern schon meldeten, wird der Groß Herzog mit Gefolge, von Bierstein kommend, am nächsten Sonntag mittag hier eintreffen. Die Bewohner treffen eifrig Vorbereitungen für Ausschmückung der Häuser ufw., auch ist ein feierlicher Empfang unseres Landesherrn vorgesehen. Die umliegenden Gemeinden werden durch Abordnung Der Schulen und Kriegervereine sich an Der Empfangsfeierlichkeit beteiligen.
)( Vom höheren Voge lsberg, 18. Sept. Mit Dem 1. Oktober wirb hier mit Dem Bau Der Bahnstrecke Grebenhain-GeDern begonnen werden, nachdem diese letztere Teilstrecke in zwei Losen vergeben worden war. Es wird somit dieser so sehr gerechtfertigte Wunsch der Bewohner unseres Vogelsberges endlich in Erfüllung gehen. Man hofft, daß die Bahn in zwei Jahren fertig gebaut ist, falls nicht zu viel Terrainschwierigkeiten sich entgegenstellen, was indessen ganz besonders Der Fall zu fein scheint am Rande des Oberwaloes und bei Hartmannshain (776 Meter über dem Meere).
Offenbach, 17. Sept. Selbstmord beging gestern mittag gegen 2 Uhr ein ca. 20 Jahre altes Mädchen. Sie stieg die )teile Steintreppe an der Mainbrücke hastig herunter, ging unter der Brücke durch und sprang in das Wasser. Nachdem sie noch zweimal wieder aufgetaucht war, verschwand der Körper in Den Fluten, konnte jedoch nach kurzer Zett getänDct werden. Sofort angestellte Wieder- bclebungsversuche hatten feinen Erfolg. Tie Verlebte, welche blondes Haar hat, ist wich nicht rekvgrwsziert; ihre Wasche trägt das Monogramm E. A., am Arm hat sie größere Brandnarben.
Frankfurt, 18. Sept. Zum Bankier tag werden auch zwei Delegierte deS preußischen Handclsministers erscheinen. Der Bankiertag wird sich mit Dem Börsen- gesetz befassen. Als Anttvort aus die diesbezügliche Resolution wird, wie verlautet, die Regierung erklären, die sofortige Aushebung des Gesetzes sei unmöglich, doch stehe eine Milderung desselben bevor. Ferner wird außer Dem Kommissar Des preußischen HanDelsministers und Den Staatskommissaren Der großen Börsenplätze auch Das Reichsamt DeS Innern durch Den Geh. Oberregierungsrat Hauß, Das Reichsjustizamt durch Den Geh. Oberregierungs- rat Dr. Hoffmann und DaS Württembergische Ministerium des Innern durch den Ministerialrat Kttbel vertreten sein. Desgleichen hat Die freie und Hansastadt Bremen Senator Dr. Nebeltau als ihren Vertreter entsendet. Die Zahl der Anmeldungen hat 750 überschritten. Infolge des außerordentlichen Andrangs mußten die Verhandlungen des Bankiertages in Die Säle Des Saalbaues verlegt werden. Der Banliertag, dessen Beratungen am Freitag beginnen, wurde heute abend durch eine Begrüßung eingelettet. Die Veranstaltung hatte den Zweck, die Berussgenosscn durch ungezwungene Unterhaltung einander näher zu bringen. Der LokalauSschuß hatte feine Vorbereitungen in ausgezeichneter Weise getroffen. Im Namen desselben hieß Der Vorsitzende der Handelskammer, Äümmerjienrat Andreae, die Kongreßteilnehmer willkommen. Rudolf Der Direktor der Deutschen Bank in Berlin, ist auf Der Reife in Hannover erkrankt und dadurch verhindert, in seiner Eigenschaft als Vorsitzender deS Vereins deutscher Banken diesen auf dem Bankiertage zu vertreten. — Am 15. September ftarb hier Prof. Dr- Julius Ziegler. Ziegler war geboren in Frankfurt a. <DL 1840, und ftuD te in Gießen, Heidelberg, Marburg und Leipzig Ehe,.. . und Naturwissenschaften. In feiner Vaterstadt ließ er fu 1868 als Privatgelehrter nieder. Er wurde Begründer der Chemischen Gesellschaft und entfaltete ali Mitarbeiter der
Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft und De* Physikalischen Vereins, dessen Ehrenmitglied er war, eine besonders rege Thätigkeit. Die meteorologische Abteilung des Physikalischen Vereins stand fast 30 Jahre unter seiner speziellenLettung. —
yrrmifdjtrs.
* Berlin, 19. Sept. Ter wegen Wechselsälsch- ung steckbrieflich verfolgte Prokurist Schneider von der verkrachten Deutschen Kreditanstalt stellte sich dem Untersuchungsrichter.
Potsdam, 18. Sept. Ter Pharmazeut Dr. Rothe, der früher auf den Philippinen thätig war, und vor drei Jahren hierher zurückkehrte, ist plö^lich verschwunden. Ta er sich seit einigen Tagen sehr nervös zeigte, so wird von feiner Frau vermutet, daß er Selbstmord begangen hat. Bisher konnte noch keine Spur von ihm gesunden werden.
* Heydekrug (Ostpr.), 18. Sept. Einen furchtbaren Racheakt beruhten drei Land mädchen gegen ihren ungetreuen Liebhaber, der allen die Ehe versprochen hatte. Eine bestellte den jungen Mann zu sich, wo sich auch die andern beiden eüigefunDen batten. Der junge Mann wurde gebunden und ihm aldtann von den Dreien übel mitgespielt. Jetzt ist Der junge Mann im Kreiskrankenhause seinen Verletzungen erlegen.
* & [ ein) iß, 18. Sept. Gestern abenD geriet der Kvks- arbeiter Wieczorek in TorolheenDors bei ZÄize mit seiner Frau in Streit, in dessen Verlauf er der Letzteren ein Me sser in die Halsseite st ie ß. Tie Frau verschied nach wenigen Minuten in Den Armen ihrer 21jähr. Tochter. Tie beiden Eheleute waren 24 Jahre nut einander verheiratet. — Bei den Putzarbeiten an einem Neubau stürzte ein Gerüst ein und riß drei Arbeiter au3 der Höhe deS Dritten Stockwerks in Die Tiefe. Zwei derselben (Vater und Sohn) wurden schwer, der dritte leichter verletzt.
* Wien, 18. Sept- Bei der Flucht aus Dem Zuchthause in Stein wurde der zu 20 jähriger Kerker- ftrafe verurteilte Raubmörder Badecky von einem Wachtposten erschossen.
* Innsbruck, 18. Sept. Auf Der Salsfluel in Vorarlberg verunglückte Der 23jährige Kandidat der Me- Dizin Ernst Lionett aus Berlin. Er stürzte 2000 Meter tief ab. Seme Leiche war furchtbar verstümmelt.
* Selb st mord auf dcm Semmering. Vor einiger Zeit ging die Nachricht von einem Selbstmord auf dem" Semmering durch die Presse, dem folgender That- beftanb zu Grunde lag: In der viähe der Südbahnstation Klamm hat am 4. Juli wie aus Gloggnitz gemeldet wurde, ein Schulmädchen die Leiche eines Mannes aufgefunden. Ter Gendarmeriepostenführer von Schottwien begab sich mit dem Gemeindearzte Dr. Morawec an Die schwer zugängliche Stelle, und es wurde festgestellt, daß es sich hier um einen Selbstmord handle. Ter Selbstmörder, der sick durch einen Revolverschuß getötet hat, wurde anfänglich irrtümlicher Weise für den durchgegangenen Wiener Hotelier Gollwitzer vom Hotel „Zur Post" gehalten. Er ist ungefähr 50 Jahre alt, mittelgroß, hat Glatze, blonde Haare, starken Schnurrbart. Man fand in feinen Kleidern 141 K. 6 H. und eine silberne Remontoiruhr mit goldener Panzerkette. Trotz eifrigster Nachforschungen der Schott- wiener Gendarmerie konnte die Leiche bis jetzt nicht agnosziert werden. Ein Herr glaubt in dem Toten jenen Passagier zu erkennen, der zlvei Tage früher mit ihm von Wien bis zur Station Klamm gefahren ist, und meint, Der Selbstmörder sei ein Reichsdeutscher. Diese Vermutung Dürfte sich bestätigen, Denn auf Dem HemDkragen DeS Toten befinDet sich Die Signatur „L. Gallinger, Hof- tiefer ant, Worms". Die Wiener Polizei stellte sofort Recherchen auf GrunD Dieser Signatur an unD setzte sich mit Der Wormser Polizei in BerbinDung, Der sie ein an Der FunDstelle von einem zufällig anwesenDen Amateur- Photographen aus Schottwien aufgenommenes Bild des Selbstmörders einhändigte. Dieses Bild wurde dem Inhaber der Firma L. Gallinger präsentiert, und dieser erkannte sofort in dem Recherchierten den Gutsbesitzer Phil. Lauer aus Albisheim a- d. Pf rim in. Mißliche DermögenSverhältnisse sollen den Unglücklichen in den Tod getrieben haben.
Mioersilüts-Uachrichtru.
— Dr. Adolf Passow von der Universität Heidelberg, der nach Berlin berufen morden ist, übernimmt Dort die zweite Professur der Ohrenheilkunde, welche durch Prof. Trautmanns Tod frei geworden ist.
— Die neunte Plenar - Versammlung des Deutschen Veterinärrats tritt im Oktober in München zusammen und soll sich aus Anlaß der vom Bundesrat angenommenen Maturi - l ä t als Vorbedingung für das tierärztliche Studium zu einer Festsitzung gestalten. Ter Ausschuß ist um eine Audienz beim Prinzen Ludwig eingekommen, um ihni den Dank der deutschen Tierärzte für seine Förderung der erhöhten tierärztlichen Vorbildung auszusprechen. Für die Sitzung selbst sind oorläuftg die Tage vom 20. bis. 23. Oktober in Aussicht genommen. Als Hauptgegenstand enthält die Tagesordnung eine Besprechung des ganzen Seuchengesetzes mit Rücksicht auf dessen bevorstehende Umgestaltung.
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Berlin, 18. Sept. In der Strafsache gegen den Grafen P ü ck l e r- Kl.-Tschirne ist der auf den 7. Oktober d. I. von der Strafkammer der Landgerichts 1 in Berlin angesetzt gewesene Termin abermals verschoben worden.
Siel, 18. Sept. Von grundsätzlicher Bedeutung tfi ein Urteil der Kieler Strafkammer. Ter Inhaber emc5 Eckern- sörder MöbettranSportgeschäslS erhielt von der Polizeibehörde in Hardemarschen einen Strafbefehl, weil einer seiner Atöbel- iv a g e n an einem Sonntag durch den Ort gefahren sei. Auf die Beschwerde bestätigte das Amtsgericht den Straibefehl. Tie Strafkammer dagegen sprach den Spediteur mit der^Bcgrundung frei, daß das Fahren eines unlerivcgs bestndlichen iDtöbelwageiis durch einen Ort nicht als eine Störung der Sonntagsruhe anzusehen sei. L
— lieber ^rojeffe i« Dresden schreiben bte dortigen „Neuesten Nachrichten": Tte letzten großen, auffehenerregende>» Strafprozesse gegen eine ungewöhnlich große Zahl von verheirateten, geschiedenen u>id verwitweten Fraueii und juiiqcn Mädchen bolen ein trübseliges Bild aus der Grogstadt und öffneten dem Beobachter den Blick in den Abgrund sittlicher Verkommenheit. Ta saßen sie nebeneinander aui der „Batik der Sünder", bte RlttergutSbesitzerstöchter mit dem interessanten, dnrch die lange Untersuchungshait gebleichten Antlitz, neben der einfachen Frau aus Dem Volk, Die vielleicht Not und Sorge zu dem Verbrechen getrieben haben mag, Die Schuldireklors- gattni neben dem Ladenfräulein und Der eleganten blonDen Ver- käuierin. Sie alle haben dem Leichtsinn gehuldigt und die Sühne, die letzt auf ihre Thaten folgt, ist schwer. Doch noch größer ist der Kummer und das Elend, Die diese leichtfertigen Evatöchter über ihre Elterii, über ihre Familieti gebracht haben. Angesehene Familien trauern um ihre gefallenen Töchter. Auch Die tfamtlu eines bekannten sächsischen Parlamentariers ist in liefe Trauer versetzt worden. Ein Mitglied derselben hat sich au, Scham der irdischen Strafe entzogen und ihrem Leden ein vorzeitiges Ende


