Ausgabe 
19.8.1902 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

PvrtsmonVU, T8. Aug. Heute imirben bet Spick- head von der Flotte eine Leihe von Manövern ans- geflihrt, denen der n i g an Bord seiner Nacht beiwohnte. Tas herrschende stürnrische Wetter beeinträchtigte den AuS- ^lick und zunr Teil auch Die Ausführung der Manöver.

Prag, 18. Ang. Ter Red akteur des Prager Polizei-Anzeigers", Weiic, der infolge der Steckbrief-Affäre zwangswerfe ans 8 Wochen beur­laubt wurde, wiro seiner Beamtenstellung als Verwalter des Potizeiarresthanses enthoben und strafweise als Äanzleib eamter einem anderen Departe- mentzugeteibt. Ter Vorstand des Sicherheits-Teparte- ments, Pvlizeirat Olic, dem die lleberwachung des Polizei-Anzeigers oblag, war für eine Oberpvlizeiralsstelle in Aussicht genommen. Wegen der Steckbrief-Affäre wird er übergangen und dem Vernehmen nach wird der bisher bei der Wiener Polizeidirektion angestellte Pvlizeirat Zer- boni zum Lberpolizeirat in Prag und gleichzeitig zum Stell­vertreter des Vorstehers des Prager Polizeidepartements, Hofrats Cricawa ernannt werden

I g l a u, 18. Ang. Hier kam es gestern znZusammen- st ö ß e n zwischen Den t s ch e n und Czechen. Letztere hielten hier ein Turnerfest ab. Die Deutschen waren er­bittert, daß die Czechen die deutsche Stadt Jglau zu Te- monstrationszwecken ausg'r^ählt hatten. Die Erregung stei­gerte sich, als Czechen/herausfordernd anftraten Die Sokolisten, die aus Böhmen und Mähren zusammengeströmt waren, trugen czechische Tracht, hatten nationale Abzeichen mitgebracht, und ihre Musikkapellen spielten czechische Trutz­lieder. Vor dem czechischen Vereinshanse sainmelte sich eine erbitterte Menge an, die den Umzug der czechischenTurn- vereine in der Stadt nicht dulden wollte. Die Czechen bestanden aber darauf und verhöhnten die Bevöl­kerung. Es kam zu Prügeleien, wobei ein Czeche blutig geschlagen wurde. Als die czechischen Kapellen wieder nationale Lieder spielten, sang die Menge vor dem Kaiser-Josess-Denkural die ,Macht am Rhein". Die Kon- slMe verschärften sich derart, daß die Polizei zur Aufrecht­erhaltung der Ruhe nicht mehr ausreichte und Militär herbeigerufen werden mußte, um den 'Czechen den Auszug aus der Stadt zu ermöglichen.

Kolonialpost.

Oberstleutnant Pavel, der zur Küste von Kamerun zurückgekehrt ist, hat an seine Angehörigen tele­graphiert, daß er am 29. September in Hamburg ein» treffen werde.

Der sechste hessische Kandwerkskammertag.

8-d. Darmstadt, 18. August.

Der Handwerkskammertag wurde heute durch den Vor­sitzenden I. Falk-Mainz durch Begrüßung der Mitglieder irnb des als Regierungstommissar anwesenden Oberregie­rungsrat Dr. Usinger begrüßt und die sehr reichhaltige und umfangreiche Tagesordnung dank der umsichtigen Leitung des Vorsitzenden prompt erledigt. Die Präsenzliste ergab die Anwesenheit bon 34 Kammermitgliedern und drei Ersatzmännern, sowie 11 Mitgliedern des Ges eilen auss chuf s es. Der Vorsitzende stellt zunächst fest, daß die Mitglieder auch des Geselle nausschusses geladen und berechtigt seien, soweit dies der § 7 des Statuts zulasse, an der Be­ratung und Abstimmung teilzunehmen. Zunächst weist der Vorsitzende darauf hin, daß man mit den Geselle n- Prüsungen sehr gute Resultate erzielt habe, da man ca. 1500 Prüfungen abgehalten habe; den Ausschüssen gebühre dafür besonderer Dank. Auch die Vorbereitungen zu den Meisterprüfungen lassen gute Erfolge erhoffen. Sekretär E n g e l b a ch gicbt eingehenden Bericht über die Thätigkeit des Vorstandes; die Rechnung habe nach Prüfung durchs die Oberrechnungskammer zu Bean­standungen leine Veranlassung gegeben. In verschiedenen Fragen gab der Vorstand Gutachten an die Regierung ab, besonders bezüglich der Zugehörigkeit der Wein- küfer zum Handwerk, Vorbereitungen im Hufbeschlag­gewerbe, Höch st za hl der Lehrlinge im Buchdruck­gewerbe. Eine Eingabe des Konditoren-Verbandes be­züglich des Verbots des Hausierens mit Speise-Eis wurde unterstützt. Einzelne Meisterprüfungen haben stattgefunden, die Hauptprüfungen sollen im September und Oktober stattfinden. Auch auf dem Gebiete des Lehr­ling s iv e s e n s und wegen unberechtigter Führung des Meistertitels trat der Vorstand in vielen Fällen ein. Im Berichtsjahre nahm der Vorstand an zusammen 80 Be­ratungen teil. Im Bureau wurden, Eingang und Ausgang zus., 6667 Postsendungen notiert, auch zahlreiche mündliche Anfragen erledigt, lieber die Einfüh r un g des In­st i t u t s d e rB e a u f t r a g t e n", welche die Ausführungen der Beschlüsse der Handwerkskammern überwachen sollen, entspann sich eine längere Debatte, nach welcher man den Vorschlag des Regierungskommissars Dr. Usinger an- nahm, ausnahmsweise zur Kontrolle der Lehrlings- verhältnisfe die Polizeiorgane zur Hilfe zu nehmen, da Eile 'Not tfyue,. wenn nicht die ganzen Kammerbeschlüsse Not leiden sollen. Um allen Schärfen die Spitze abzubrechen, soll diese Kontrolle zeitig genug vorher hinreichend öffent­lich bekannt gemacht werden. Rockel- Turmstadt be­richtet über die Einführung des Be fäh ig un asn ach- weise s für die Baugewerbe; die durch den Vor­stand vorgeschlagenc Beantwortung des ministeriellen Frage­bogens wird gutgeheißen unö sprillst man sich prinzipiell für den Besähigungsnachweio für den Beruf der Maurer, Zimmerer, Steinmetze, Weissbinder, Stukkateure, Bau- schreincr, Bauspengler, Installateure, Brunn en mach er, Bau- schlosser, Dachdecker und Glaser aus. Ein Lln- trag aus Berücksichtigung der seitherigen örtlichen Verhältnisse wird nach längerer Debatte abgelehnt. Zur redaktionellen Beratung des Entwurfes wird eine Kom- nrission ernannt. Nach Bericht des Vorsitzenden wird § 4 der Statuten dahin abgeändert, daß als Ersatzleute die innerhalb des Bezirks gewäl)lten eutzutreten haben. § 35 erhält einen Zusatz, welcher die Diätenfrage bei dienst­lichen Geschäften außerhalb des GroMerzogtums regelt, lieber das Genossenschaftswesen berichtet Direktor Paech: Er fordert zur Gründung einer Zeutral-Ge- n ossenschastskasse für das ganze Großherzogtum Hessen mit Anteilen von 200 Mk. aus und werft darauf hin, daß man im Interesse des Ansehens des Handwerks dem Vorgehen anderer Vereinigungen folgen iinb baldigst Vorgehen müsse. Zirka 20 000 Mark seien schon gezeittiner. Tie Abrechnung pro 1901/2 wird gutgeheißen und auch der Voranschlag pro 1903/4, welcher mit 23 320 Mk. ab schließt und gegen den vorjährigen nur geringe Abänder^ ungen zeigt, genehmigt. Tas Recht, Gesellenprüfungen ob» zrchalten, wurde erteilt: der freien Spengler- und Installa­teur-Innung Worms, der freien Taclidecker-Innung für den streik Friedberg in Assen!)eim, den Ortsgemerb- vereinen G r o ß - Z i m m e r n , Ingcl h c i m uno Gau Algesh eiM. Prüfungs-Ausschüsse sind errichtet worden

bef der Barbier- und Friseur-ZwanAsiunung Bingen» Barbier- und Friseur-Zwangsinnung für die Lomdgemeinden des Kreises Mainz in Kostheim, Fleischer-Zwangsinnung für den Landkreis Worms in Hamm. Ein diesbezügliches Gesuch des Handwerkervereins Reichelsheim wird ab* gelehnt, da die gesetzlichen Vorbedingungen hierzu fehlen, lieber die llmbildun g der Fortbildungsschulen in fachliche Fortbildungssc^teu berichtet der Vorsitzende und giebt dem Wunsche Ausdruck, daß sich die Kummermitglieder recht eifrig an der baldigen Umgestaltung beteiligen, zudem man in vielen Städten geradezu großartige Resultate er­zielt habe. In Hessen sei ja der Anfang gemacht, doch müsse man im Interesse des Handwerks eifrig weiterarbeiten. Gegenüber der von der Handelskammer Breslau ange­strebten Alters -und InvaliditätsVersicherung der selbständigen Handwerker verhüll sich die Kammer vor­erst ablehnend, da andere wichtigere Aufgaben zu erledigen und die Ausgabe hierfür gerade für den kleinen Handwerker z. Zt. zu beSeutenb seien. Die Lehrzeit im Uhr­machergewerbe wird auf Vorschlag des Verbandes auf vier Jahre festgesetzt. Ter von dem Vorstand herausgege­bene Leitfaden für die Meisterprüfungen wird allseitig bezügl. seiner Uebersicht und Billigkeit (75 Pfg.) als praktisches Werk anerkannt. Ueber das^ Submis­sionswesen hat der Vorstand auf dem nächsten deut­schen HandwerkskamTuertage Bericht zu erstallen. Rockel- Tarmstadt als Referent weist darauf hin, daß man dank der Fürsorge der Großh. Regierung die meisten Wünsche erfüllt sehe und deshalb wellergehende Anträge nicht stellen wolle, insbesondere da die Regierung durch einen Erlaß an die Kreisämter :c. bestimmt habe, daß bei Abbietungen über 20 Proz. eine eingehendere Prüfung der Angebote stattzu­finden habe. Verschiedene Eingaben, welche Beschwerden über das Submissionswesen betreffen, sollen eingehend ge­prüft werden. Ueber den Lehrvertrag zwischen Vater und Sohn erklärt Lautz-Tarmstadt, wenn man auch von der Notwendigkeit eines solchen Vertrags im all­gemeinen nicht überzeugt sei, halte man es doch für ratsam, int Interesse der strikten Turchführung alter beschlossener Verordnung auch hier an den Bestimmungen festzuhalten, welche einen Lehrvertrag vorschreiben. Hiermit war die umfangreiche Tagesordnung erledigt, und die Versammlung wurde um 7.20 Uhr durch den Vorsitzenden geschlossen.

Aus Hladl und Land.

Gießen, den 19. August 1902.

* Der Großherz og ist vorgestern abend mit Gefolge von Mainz wieder zu den Vorstellungen nach Bayreuth (nicht direkt nach Jagdschloß Wolfsgarten, wie wir gestern meldeten) abgereist und wird erst nächsten Donnerstag, den 21. d., abends nach Jagdschloß Wolfsgarten zurückkehren.

* Auszeichnungen. Dem Hauptmann Pampe, aggregiert dem Jnf.-Regiment Herzog Ferdinand von Braun- chweig (8. Westfäl.) Nr. 57, seither ä la suite des Jnf.- Regiments Kaiser Wllhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, ist die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen worden.

* Formaldehyddesinfektion. Wir verweisen unsere Leser auf die im Anzeigenteil veröffentlichte Bekannt­machung über die Einführung der Formaldehyddesinfektion in unserer Stadt. Nachdem nun ein Wände, Möbel und Stoffe schonendes und llotzdem vollwirksames Desinfektions­mittel zur Verfügung gestellt ist, muß der Kampf gegen die verheerenden Volkskrankheiten, in erster Linie die Tu­berkulose durch vorbeugende Maßregeln immer mehr ver­schärft werden. Wenn man bedenkt, daß durch rechtzellige Desinfektion zahllose Ansteckungen vermieden werden können, so ist es, solange wir noch keine allgemeine Anzeigepflicht bei allen ansteckenden Krankheiten und keinen Desinfektions­zwang haben, Pflicht eines jeden Mitbürgers, die zuständigen Stellen auf alle Fälle aufmerksam zu machen, in denen mit einer schnellen Desinfektion geholfen werden kann. Wie in der Bekanntmachung heroorgehoben ist, kommen dabei nicht nur Fälle in Betracht, in denen Kranke gestorben oder wieder gesund geworden sind, sondern auch solche, in denen Kranke in hiesige oder auswärtige Krankenanstalten verbracht worden sind oder ihre Wohnungen gewechselt haben. Vor allem ist es deshalb auch Pflicht der Hausbesitzer, wenn Kranke bei ihnen ausgezogen sind, alsbald für Desinfektion zu sorgen und so die neueinziehende Mietpartei vor Ansteckungen zu bewahren. Die Unschädlichkeit der neuen Methode erleichtert dabei wohl den Entschluß. Seitens unserer Stadtverwaltung sind sämtliche hiesigen Aerzte und Krankenanstalten aufge­fordert worden, durch rechtzeittge Anzeige von ansteckenden Krankheiten die Durchführung der Desinfektton zu ermöglichen. Wir hoffen zuoersichtlicht daß auf diesem Wege etwas erreicht werden wird.

* * Die Ziehungstage der 6. Klasse der 5. Großh. Hessischen Landeslotterie sind nunmehr wie folgt fest­gesetzt: 22., 23., 26., 27., 29. und 30. August, 1., 3., 4., 5. und 8. September.

* Von der Universität. Wir brachten gestern die Mitteilung, daß an Stelle des Professors Gundermann an unsere Landesuniversität der a.-o. Professor Traube in München als ordentlicher Profeffor für klassische Philologie berufen morden sei, er aber den Ruf abgelehnt habe. In unserer geftrigen Mitteilung hatte die Unaufnterksamkeit des Setzers aus .berufen" das Worternannt* gemacht, was wir hiermit richtig stellen.

§ Butzbach, 19. August.Ich habe gestohlen, stecken Sie mich ein!" Mit dieser Einleitung ungefähr begann gestern em hier durchreisender Handwerksbursche dem ihm begegnenden Polizeidiener Schmidt zu erzählen, er hätte vorige Woche in Herborn seinem letzten Arbeitgeber Spengler- handwerksgeräthe mitgenommen und letztere auf der Wander­schaft versilbert, als ihm das Geld ausgegangen; er wolle sich der Polizei stellen. Der Wächter des Gesetzes schenkte den Angaben des Burschen Glauben und brachte denselben, da er keine Legitimation aufweisen konnte, wunschgemäß in Untersuchungshaft. Der Arretierte will aus Preungesheim gebürtig fein und mag etwa Mitte der 20er Jahre stehen.

-k. Friedberg, 19. Aug. Zu dem furchtbaren Verbrechen vom Sonntag wird noch berichtet, daß bereits gestern der Thatbestand an Ort und Stelle festgestellt wurde, worauf am Nachmittag der Verbrecher nach Gießen überführt worden ist, um von der Staatsanwaltschaft der schwer verletzten Frau D. in der dortigen Klinik gegenüber» gestellt zu werden. Der Verbrecher giebt an, aus Rache gehandelt zu haben, auch sei er geiftig nicht normal.

Dem widerspricht jedoch, daß er vor Ausführung der Thal das Zimmer in der Wohnung des D. abschloß. Außerdem batte er zwei Schustermesser im Besitz.

:: Unter-Seibertenrod, 18. Aug. Welche Opfer­willigkeit in unserer kleinen Filialgemeinde herrscht, zeigt die Summe, die man aus freudigen Beiträgen zur «Re­novierung unserer Kirche aufgebracht, nämlich den Be­trag von 1400 Mk. Zu gleicher Zett miU unsrer Kirche wird auch die Pfarrkirche zu Ober-Ohmen exn-.i gründlichen Renovierung unterworfen. Die Wiedereröffnung der Gottes­dienste in beiden Kirchen dürste zu anfang Oktober erfolge».

Mainz, 18. Aug. Wie bestimmt verlattet, hat der Brigade-Kommandeur Generalmajor o. Viebahn nach der Mainzer Truppenschau infolge einer ungünstigen Kritik über einen von ihm geleiteten Gefechtsangriff sein Entlassungs­gesuch eingereicht.

- k- Mainz, 18. Aug. Die hiesige The atersa.isnn beginnt in diesem Jahre Sonntag den 14. September, und zwar wahrscheinlich mit denMeistersingern*. In Wies­baden ist Theaterdirektor Albert Schirmer im Atter vou 64 Jahren gestorben. Der Verstorbene führte ron 1888 bis 1902 die Direktion des hiesigen Theaters.

Mainz, 18. August. Die Abfa hrt des Kaisers erfolgte am Samstag Nachmittag 3.55 Uhr vom Palais au8 in Begleitung des Großherzogs. Als der Wagen das Palais verlassen, wurden dem Kaiser stürmische Ovationen vom Publikum dargebracht, die der Monarch dankend an­nahm. Am Bahnhofe hatten sich außer bem Gefolge Gou­verneur Baron v. Co llas, Prooinzialdttektor Geheimrat o. (Sagern, und Oberbürgermeister Dr. Gaßner zum Ab­schied eingefunden. Der Kaiser kam dabei nochmals auf die Rheinfahrt zu sprechen, etwas schöneres und großartigeres hätte er noch kaum gesehen. Hier habe er wieder emmal den auftichtigen Rheinländer kennen gelernt, wie er seinen herzlichen Gefühlen und seiner Freude, bei der Vorüberfahrt an den einzelnen Orten und der Ankunft in Mainz zwanglos Ausdruck verliehen. Die Dekorationen der Strafen in Mainz und der herzliche Empfang des Publikums habe ihm große Freude bereitet. Dabei wendete sich der Kaiser zu dem Oberbürgermeister Dr. Gaßner mit den Worten:Herr Oberbürgermeister, sagen Sie der Bevölkerung dafür meinen herzlichsten Dank!" Es erfolgte hierauf die Abfahrt des Kaisers, nachdem er vom Großherzog und den übrigen Herren herzlich Abschied genommen, mit Extrazug nach Hom­burg. Als der Oberbürgermeister Dr. Gaßner mtt seinem Wagen am Bahnhof sich zurück nach feiner Wohnung be­gab, wurde er auf dem Bahnhofsplatz von dem dicht ge­drängt dastehenden Publikum äußerst stürmisch begrüßt, ebenso der Groß Herzog, als dieser über die Kaiserstraße nach dem Palais zurückfuhr. Am Abend waren Provinzial­direktor Geheimrat v. (Sagern und Oberbürgermeister Dr. Gaßner ins Palais zum Thee geladen, dem außer dem Großherzog nur noch dessen Adjutant beiwohnte. Auch hier sprach der Großherzog über den herzlichen Empfang seine große Freude aus. Gestern Sonntag Nachmittag 1 Uhr waren die höheren Mllitärs, die gestern am Frühstück nicht teilnehmen konnten, vom Großherzog zum Diner befohlen. Am Abend war der Deutschhausplatz noch emmal feenhaft beleuchtet.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Bingen ist das Mitglied der hessischen Centrumspartei, Joseph Augstein, im 49. Lebens- fahre verschieden._____________________________________

Vermischtes.

Düsseldorf, 17. Aug. Die für den Kaiser - besuch am Eingänge in die Königsallee errichtete prächttge Ehrenpforte geriet gestern abend in Brand und wurde bis auf die kahlen Masten zerstört.

Leipzig, 18. Aug. Ein Mord und Selbstmord wurde heute nachmittag hier verübt. Gegen 6 Uhr drang der in dem Vorort Schönefeld wohnend« 45jährige Schuh­macher Töpfer in die Wohnung der ZettungSttägerin Wittwe Dietze, schoß die Frau nieder und richtete dann die Waffe gegen sich. Er verletzte sich durch einen Schuß in den Mund schwer und ist kurz nach seiner Einlieferung im Hospttal ge­storben. Der Grund zu der Mordthat war verschmähte Liebe. Frau Dietze lebte von ihrem Gatten, einem Trunken­bold, getrennt und unterhielt ein Verhältnis mtt Töpfer, das sie heute aufzulösen beschloß. .Bereits vormittags drohte chr Töpfer mit Erschießen, allein die 36 Jahre alte hübsche Frau legte leider den Drohungen keine Bedeutung bei. Frau Dietze hinterläßt einen Sohn und eine Tochter.

* Beuthen, 18. Aug. Heute morgen brach in der Giesches Erben gehörigen Heinitzgrube auf 420 Meter Sohle ein Grubenbrand aus. 18 Heuer und ein Obersteiger sind erstickt. 80 Schwerverletzte liegen im Krankenhause. Wenn der Brand, der anscheinend unter Tags ausgebrochen ist, sich über Tags noch fortpflanzt, würde der ganze neue Stadtteil Roßbergs und auch ein Teil BeutdenS in Gefahr sein.

Karlsruhe, 18. Aug. Als heute vormittag 10 Uhr 42 Min. der Paris Wiener Schnellzug den hiesigen Hauptbahnhof verließ, fuhr ihm eine Rangiermaschine in die Seite. Der direkte Wagen AvricourtMünchen wurde vollständig aus dem Geleise gehoben. Ein Personenwagen wurde zerttümmert. Der Schaffner Romacker wurde schwer verletzt. Von den Reisenden hat niemand Verletzungen erlitten. Der Materialschaden ist nicht erheblich. Der Schnell­zug konnte nach anderthalbstündiger Verspätung die Fahrt fortsetzen. Infolge Versperrung der Ausfahrtsgeleise hatten die Mittagszüge eine halb- bis einstündige Verspätung.

London, 18. Aug. Die Mannschaft und 50 Einge­borene vom spanischen DampferHermanos" weigerten sich, in den philippinischen Hafen Virat einzulausen. Der Kapitän, zwei Ossiziere und ein Maschimst wurden bei dem sich entspinnenden Kampfe verletzt, ein Maschinist wurde getötet. Tie herbeigerufene Hafenpolizei feuerte auf die Meuterer, von denen 35 verwundet wurden. Verschiedene sprangen über Bord und ertranken, die übrigen wurden verhaftet.

Paris, 18. Aug. Das Blatt »Jntransigeant* be­richtet aus Tunis, daß die dortige Pottzei den Auf- enthalt mehrerer Mitglieder der Familie Humbert aus­findig gemacht habe.