Ausgabe 
19.7.1902 Erstes Blatt
 
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Nr. 167 Erstes Blatt.

153. Jahrgang

Samstag 19. Juli 1902

VezugSprel-r

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Familien­blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Univers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schulstratze 7.

Adresse sür Depeschen: Anzeiger Gießen.

Kernsprechanschluß Nr. 5L

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W General-Anzeiger "

für den poltt u. allgem.

Amis- und Anzeigeblatt für den Meis Eichen LMZ

" -«y 1 tvJ* jeiqenteil: HanS Beck.

Uolttische Tagesschau.

Kirchenpolitische Pläne des Zaren.

Auf Grund von Mitteilungen aus bestunterrichteten Petersburger Kreisen will dieInt. Korr." über kirchliche Plänen des Zaren Nikolaus folgendes melden können: Der Zar hatte sich schon seit Jahren mit der Frage einer Neu­organisation der griechisch-orientalischen Nationalkirche be­faßt, die nach seinem Plane in eine feste Verbindung unter­einander treten und wobei naturgemäß die russische Kirche die Führerstellung erlangen sollte. Inzwischen aber haben sich diese Bestrebungen des Kaisers auch auf die katho­lische Kirche ausgedehnt, mit der ebenfalls eine gewisse Verständigung zu erzielen sei. Hierbei haben sowohl die Beziehungen Rußlands zu Frankreich, als besonders die auch neuerdings angeknüpfte Freundschaft mit dem italienischen Hofe mitgewirkt. Die mit allen Fasern noch im Banne der orthodoxen Kirche stehende Königin Helena von Italien dürfte wohl den ersten Anstoß dazu gegeben haben, daß König Viktor Emanuel eine Wieder­annäherung zwischen der römischen und griechischen Kirche in den Bereich seiner Bestrebungen gezogen hat. Der König verfolgt dabei noch ein besonderes Ziel. Er glaubt offenbar, daß der Papst in der römischen Frage seine unbedingt ablehnende Haltung aufgeben werde, wenn ihm als Ent­schädigung dafür die Anerkennung eines, wenn auch nur rein ideellen Prinzipats über die orientalische Kirche geboten werde. Zu einem solchen Zugeständnis scheint Zar Nikolaus geneigt zu sein, besonders da ihm in diesem Falle das politische Protektorat über die katholische Kirchengemeinsch asten des Orients zufallen würde. Die erste greifbare Gelegenheit, um diese Frage zu einer näheren Erörterung zu bringen, wird die Streit­frage wegen der heiligen Stätten in Jerusalem dar­bieten. So hat der Zar sür die Beilegung des alten Streites um die Auferstehungskrrche bereits bestimmte Vorschläge machen und diese der sranzösischen und der italienischen Regierung unterbreiten lassen. Es ist daher in jedem Falle anzunehmen, daß bei dem jetzigen Besuche König Viktor Emanuels auch die kirchlichen Fragen Gegenstand ein­gehender Beratungen sein werden. Hierbei ist allerdings zu bemerken, daß der Oberprokureur des Heiligen Synoos Pobedonoszew allen diesen Anschauungen seines kaiserlichen Herrn nur sehr geringes Verständnis entgegenbringt, wie dieser auch besonders den im Einverständnis mit dem Zaren gemachten Vorschlag, das unbedingte Verbot des Austritts aus der griechischen Kirche auszuheben, aufs schärfste be­kämpft. Die Amtslage dieses unzugänglichen Herrn sind indessen gezählt, und fein Einfluß dürfte schwerlich noch ausreichen, um die eingeleitete Bewegung wieder auszu­halten.

Das ist doch wohl etwas viel Phantasie auf einmal.

Die Zolllarifkommisfio«

setzte am Freitag die Beratung des Abschnittes Papier bei Pos. 659, Buntpapier 10 Mk., fort. Die Pos. wird nach der Vorlage angenommen. Pos. 660, 661 und 672 bis 674 werden gemeinsam beraten, ©ie betreffen zum Aussüllen vorgedrucktes Papier und verziertes Briefpapier und Papierwaren. Zu Pos. 660 beantragt Gothein folgende Fassung: Drucke jedes Verfahrens einschließlich des Kopier- ve rfahrens auf Papier und Pappe, auch farbig oder schwarz gerändert, oder sonst irgend verziert, einfarbig 10, mehrfarbig 15.Mk. Zu Pos. 661 beantragt Gothein folgende Fassung: Papier und Pappe, ansgestanzt, mitHandmalereien, gepreßten Naturblumen, Photographien usw. 15Mk. Schließ­lich werden Pos. 660 und 661 in der Fassung Gothein mit fleiner redaktioneller Aenderung aber unter Belassung des Einheitssatzes von 10 Mk. in Pos. 660 und 20 Mk. in Pos. 661 angenommen, wie die Vorlage wollte. Die Pos. 672 bis 674 werden nach der Vorlage genehmigt. Pos. 662, mit Gespinsten überzogenes Papier, wird nach der Vorlage mit 24 Mk. genehmigt. Zu Pos. 665, Schieferpapier, Polier­papier, wird der Zusatz von 3 Mk. gemäß einem Antrag Gothein auf 1 Mk., desgleichen zu Pos. 666, photographisches Papier, von 12 auf 10 Mk. ermäßigt, Pos. 667, Gelatine­papiere, Pauspapiere und chemische Papiere, wird mit re­daktioneller Aenderung nach einem Antrag Müller-SagM, aber nach der Vorlage mit einem Zollsatz von 12 Mk. genehmigt. Die Kommission nahm sodann nach der Vorlage die Pos. 663, Tapeten, 664 Spielkarten, 668 Düten, Beutel, Säcke, 669 Plapier w äls che,. 670 Brie f- papier in Behältnissen an. Zu Pos. 671, Albums, Ge­schäftsbücher, Notizbücher mit Leder, Gespinnsb- waren oder Celluloid ausgestattet 50 Mk., in anderer Aus­stattung 24 Mk. beantragt Gothein, Albums aus Pos. 671 herauszunehmen und eine neue Pos. 671 a zu bilden, Albums mit Leder, Gespimiftwaren oder Celluloid ausgestattet 8Mk., in anderer Ausstattung 4 Mk. Ter Antrag wird schließlich genehmigt. Die Pos. 675 bis 679 werden debattelos aw­genommen. Die Kommission vertagt sich alsdann auf Montag.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 19. Juli 1902.

** Der Gießener Wingolf versendet soeben die Einladungen zu seinem 50jähv. Stiftungsfeste. Am 6. Ang. findet in Steins Garten Festkommers, am 7. August ebenda Gartenfest statt.

** Hessische Handwerkskammer. Im kommen­den Monat wird zu Darmstadt die 6. Plenarversammlung stattfinden, auf bereu Tagesordnung ein g wichtige Punkte zur Beratung stehen. In erster Linie w-. sich die Kammer; zu der Vorlage die Einführung des Besä h i gung sn ach- weises ijm Baugewerbe, zu äußern und die eini

zelnen Punkte festzustellen haben, wie sich der hessische Hand­werkerstand zu dieser Frage stellt. In einer Kommissions­sitzung wurde nach den im Darmstädter Bezirk bestehenden Verhältnissen ein Bedürfnis zur Einführung des obligato­rischen Befähigungsnachweises für die Baugewerbe be­jaht, in erster Linie aus Gründen der allgemeinen Sicher­heit und um der Ueberhandnahme des Bauschwindels ent­gegenzutreten. Im weiteren werden u. a. die Lehrzeit im Uhrmachergewierbe, die Anstellung von Beauftrag­ten, Abnahme der Jahresrechiwung 1901/02 und Genehmi­gung des Voranschlags 1902/03 Gegenstände der Beratung sein. Für den vom 25. bis 27. September in Leipzig statt- sindenden 3. deutschen Handwerks- und Gewerbekammertag wurden der Kammer gelegentlich der Tagung desAusschusses zu Eisenach zwei Referate übertragen und zwar die Rege­lung des Submissionswesens und die Behandlung der Frage des Abschlusses eines schriftlichen Lehrvertrages zwischen Vater und Sohn. Im kommenden Oktober werden im Großherzogtum erstmals die Meisterprüfungen, mit deren Bestehen der Prüfling das Recht, den Meistertitel zu führen, erlangt, abgehalten werden. Wie wir hören, wird die Beteiligung recht lebhaft werden, da sich bereits jetzt eine statlliche Zahl zu den Prüfungen angemeldet haben. Seitens der Kammer wird noch im Lause dieses Monats ein Merkchen herausgegeben werden, das den gesamten Prü- sungsstoff in leicht faßlicher Form und übersichtlich zu­sammengestellt, enthält. Da die Prüflinge in den Meister­prüfungen außer den praktischen Fähigkeiten noch die Kennt­nisse der für sie in Betracht kommenden Bestimmungen der Gewerbeordnung, der Arbeiterversicherungsgesetzgebung, der Buch- und Rechnungsführung wie auch der Wechsellehre nach­weisen müssen, so wird das Merkchen wohl den Beifall aller Kandidaten für ldie Meisterprüfungen finden. Es sei wieder­holt darauf hingewiesen, daß die Prüflinge aus Ober- Hessen sich bei dem Vorsitzenden der Meisterprüsungs-i kommission zu Gießen, Hauptlehrer Traber, anzumelden haben.

§ Vom neuen Grundbuch. Im Großherzogtum Hessen sind jetzt für 90 Gemarkungen die Grundbücher nach dem System des neuen Rechts angelegt; in 87 Gemeinden ist bereits das neue Grundbuch in Kraft getreten, während hinsichtlich der drei übrigen Gemarkungen diese Wirksam­keit mit dem 1. August beginnt. Im Gang resp. begonnen ist das Anlegungsversahreu bezüglich etwa 60 weiterer Ge­markungen, wovon ungefähr 25 bis zum Schlüsse dieses Jahres unter das neue Jmmobiliarsachenrecht treten können.

()Allendorf a. d. Lumda, 18. Juli. In den letzten Tagen haben sich zwei Brieftauben hierher verirrt. Die eine ist dem Schlosser Reinhardt ^geflogen und trägt außer verschiedenen Stempeln an den Flügeln einen Fuß­ring mit der Bezeichnung 228 H. 10. Die zweite verirrte Brieftaube ist von dem Müller Nohrgang ausgenommen worden.

-h- Burkhards, 18. Juli. Schpn seit etwa zwei Wochen sind die Arbeiten zu uns er em Schulhausneu­bau rüstig vorwärts geschritten. Gestern abend sand die feierliche Grundsteinlegung im Beisein des Orts- und Schul­vorstandes, der Schulkinder und der Gemeinde statt. Lehrer Mohr gab int Namen der Gemeinde die drei üblichen Hammerschläge ab. Das Schsulhaus wird massiv erbaut Ter Plan wurde von Baurat Stahl aus Gießen entworfen.

§ Ob er-Seemen, 18. Juli. Nunmehr ist unsere seit Beginn des neuen Schuljahres errichtete dritte Lehrer^ stelle durch den Schulverwalter W e st r u p p aus Rupperten­rod besetzt.

* * Operetten-Ensemble. Ein Teil der Abonne­ments-Bons sind noch ausstehend. Tie unbekannten Inhaber werden daher dringend gebeten, ihre noch in Händen habenden Bons gegen Rückzahlung des Betrages Herrn C h a l l i e r zu über­weisen.

Vermischtes.

* W ü r z b u r g, 18. Juli. Rektor Tr. Hammer, ein aw- gesehener Schulmann, gab bet der Abschiedsfeier den Abiturienten des Mten Gymnasiarms warm em­pfundene Geleitworte mit auf den Weg. Er sprach über die Ausgaben der humanistischen Gymnasien und berührte bei dieser Gelegenheit auch, das schädliche Treiben der ver­botenen Schüler- oder Froschverbindungen, schilderte eindringlich die schweren Gefahren, welche sich für die körperliche und geistige Entwicklung derjenigen Mit­glieder ergeben, die an den Ausschreitungen dieserlichid- scheuen Gesellen" teilnehmen. Es bleibt nicht: bei den Sauf­gelagen, sondern gar manchmal sind noch viel schlimmere Tinge damit verbunden. Wenn dann die Schüler zurück­bleiben und die deullichen Spuren gesundheitlich>er Stö­rungen sich zu zeigen beginnen, dann wird das denallzu hohen Anforderungen unverständiger Lehrer" oder der Ueberbürdung" zur Last gelegt. Mit scharfen Worten geißelte er die Kurzsichtigkeit jener Eltern, welche die Ueber- tretung der Schulgesetze mit Nachsicht beurtetfen oder sogar fördern. Redner wandte sich mit der dringenden Sitte an alle Eltern und Angehörige der Schüler, die Lehrer in der Aufrechterhaltung der Schiulzucht zu unterstützen. Dröge dieser Mahnruf eines erfahrenen und wohlmeinenden Schul­mannes in allen Kreisen vernommen und beachtet werden. Sonst kommen wir so weit, daß viele Schüler, wie Rektor Dr. Hammer ausführte, die Bildungsanstalt als ein Gefängnis und die Lehrer als Gefängniswärter ansehen.

* Bombay, 18. Juli. DieTimes of Jndia" meldet: Ein heftiger Erdstoß, der drei bis vier Minuten dauerte, hat am 9. Juli in Bender Abbas stattgesund en. Alle Hauptgebäude haben gelitten, ein Eingeborener ist ge­tötet Am 9., sowie am 10. Juli wiederholten sich die Erderschütterungen. Dieselben schienen von der Insel Kishm auszugehen. In Bender Abbas wurde lauter Lärm von

Kishm her gehört. Man befürchtet, daß die Zerstörung da­selbst erheblich ist.

Heber die Ermordung D r. Orden ft einsi wird noch aus Paris berichtet: Tiefe Trauer und Ent­rüstung herrscht in der deutschen Kolonie zu Paris über die heimtückische Ermordung des Dr. med. Orb en ft ein im Eisenbahn zu ge zwischen Paris und Versailles. Ordenstein, seit 1859 in Paris, war einer der ältesten und angesehensten deutschen Aerzte, ein ruhiger, bescheidener und sympathischer Mann, der thatsächlich keinen Feind hatte, hochverdient um den hiesigen deutschen Hülfsverein, dessen konsultierender Arzt er seit Jahren gewesen war. Weshalb er von einem ihm unbekannten Menschen, einem gewesenen Telegraphen­beamten, ermordet ward, ist bis jetzt noch nicht aufgefiärt. Diebstahl lag der Unthat nicht zu Grunde, denn es ist an­zunehmen, daß der Mörder bei dieser Absicht sich der Uhr, Uhrkette und der Börse seines Opfers bemächtigt, auch sein Heil in der Flucht gesucht haben würde. Statt dessen setzte er, wie schon berichtet, selbst die Lärmglocke in Bewegung und zerschlug mit eigener Hand das Verbindungsglasfenster zwischen | einem und dem benachbarten Abteil, um die Auf­merksamkeit auf sich zu ziehen. Er lieferte sich somit selbst aus, nachdem er versucht hatte, sich zu vergiften. Daß er Gift bei sich trug, macht die Absicht des Raubes noch zweifelhafter. Der Mörder ist ferner keineswegs verrückt; seine Aussagen zeugen vielmehr von llarer Erkenntnis der Sachlage, wenn er auch seinen Beweggrund zum Morde verstoitt für sich behält und die zahlreichen Bücher, die man in feiner Wohnung fand, sprechen für seinen verhältnis­mäßig hohen Bildungsgrad. Soweit es aus den heutigen Mittelungen ersichtlich ist, ist der Thatbestand folgender: Am 15. d. M. ertönte im Zuge auf der Strecke Paris-Ver­sailles bei der Station Becon-les-Bruyeres die Lärmglocke. Der Zug kam zum Stehen, alle Abtellschläge füllten sich, mit ängstlichen Gesichtem; da öffnete sich hastig die Thür eines Wagens erster Klasse, und es erschien auf dessen Schwelle ein junger, schwarzgekleideter Mann mit einem blutigen Messer in der Hand; die Hand selbst, wie sein Hemd waren gleichfalls blutbefleckt; man nahm ihn fest und entdeckte hinter ihm zwischen den beiden Sitzreihen einen älteren Herrn, der sich die blutigen Eingeweide zu­sammendrückte, die sich aus der Bauchhöhle herauspreßten. Mit schwacher Stimme gab er seinen Namen an:Doktor Ordenstein, wohne 42 Rue Le Peletier; der Mensch da, der in Saint-Lazare mit mir in dasselbe Abteil stieg, hat mir einen Stich in den Unterleib versetzt; bringen Sie mich ins Hospital." Der Mörder ließ sich ruhig festnehmen und durch­suchen. Man fand bei ihm eine fast leere Geldtasche, ein Paar Handschuhe, einen Frauenhandschuh, einen Plan von Paris und ein Fläschchen.Nie werden Sie erfahren", so sagte er,weshalb ich die That begangen; im übrigen ist Ihre Nachfrage überflüssig, ich habe mich vergiftet." Er behauptete, die Phiole, in der sich angeblich ein Sublimat­sirup befunden haben sollte, geleert zu haben. Mittler­weile ist er aber nicht gestorben. Man hatte ihm Gegengift gegeben, vielleicht auch war der Trank nicht tödlich. In­folge anderweitiger Nachforschungen ergab es sich, daß der Mann Jean Chabaneix beiße, 26 Jahre all und der Sohn eines Briefträgers aus Limoges sei. Er hat eine gute Er­ziehung erhalten, trat mit 18 Jahren in den Post- und Telegraphendienst, diente in Algerien und ward im vorigen November wieder in Dienst gestellt, bis er vor vier Monaten seinen Posten verlor. Seitdem führte er ein einsames Leden, sprach mit niemandem und studierte viel. Wie er nun dazu tarn, bei seinen beschränkten Mitteln sich eine Fahr­karte erster Klasse zu losen, um mit Dr. Ordenstein in demselben Wagen die Fahrt nach Versailles mitzumachen, ob er den Arzt kannte, ob dieser ihn kannte, alles dies bleibt rätselhaft. DasPetit Journal" berichtet aus Limoges, woher Chabanatz gebürtig ist, daß dieser in dem kleinen bischöflichen Seminar von Ajain seine Schulzeit durch­gemacht und das Diplom als Bachelier erworben habe. Darauf trat er als Postgehülfe in den Staatsdienst. Der Vater ist ein einfacher Telegraphenbote, der ein kleines Vermögen besitzt, das ihm gestattete, seinen Sohn mit Geld genügend zu unterstützen.

Universitäts-Nachrichten.

Marburg, 18. Juli. Eine heute nachmittag hier in der Uni­versitätsaula abgehaliene allgemeine Studentenversammlung be­schloß, nach dem Vorbild der Gießener Universität auch hier eine Versicherung der Studierenden gegen Unfall in die Wege zu leiten.

Kopenhagen, 18. Juli. Der Professor der Pathologie an der hiesigen Universität, Reiß, ist geftorberu

Aus Bern meldet man, daß der Universitätsprofessor Vetter seine Demission zurücknehmen wird, da ihm die Berner Regierung und die philosophische Fakultät entgegen ge- komlnen sind. Tie Nachricht, daß der frühere Unterslaalssekretär im Reichsschatzamt Aschenborn zum Kurator der llniuerfität Halle ausersehen sei, wird derKreuzzeitnng" als unzutreffend be° zeichnct.

Gerichtssaat.

Gießen, 18. Juli 1902. Fer i enstrafkammer. Den Vorsitz führte Landgerichtsrat Müller, die Anklagebehörde vertrat Oberstaatsanwalt Theobald. Der Händler Heinrich T ö p p e l I von Heldenbergen ist der falschen Anschuldigungen angeklagt, wird jedoch mangels Beweises von Strafe und Kosten sreigesprochen Ter Taglöhner August Arnold von Vilbel wird wegen Ver­brechens i. S. des § 176,3 Str.-G.-B. unter Annahme mildernder Umstände zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Der Waldarbeiter Heinrich Zimmel I, der Land­wirt Heinrich Link VII, der Arbeiter Heinrich Link ledig, der Maurer Karl Wirth und der Polizeidiener Heinrich Jockel, sämtlich von Breungesheim, sind der gemeinschaftlich begangenen Körperverletzung angeklagt. Anläßlich einer Geburstagsfeier un Dezember 1901 in einer Wirtschaft in Breungesheim kam es da­selbst zwischen den Angeklagten und anderen anwesenden Bur-scyen