Ausgabe 
19.6.1902 Zweites Blatt
 
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gearbeitet hat.

Märkte.

4.

TeSeptaomscheir lCue*sbeseßcht.

Oesterr. Goldretne .

% Oesterr. Bilborrento 101.75

Tendenz: still.

. 101.80

. 102.35

. 46.00

. 29.90

113.00

44.50

3/t% 3°/o 3/,% 3°/o 3

31.2%

4% 4l/a

8u/o Mexikaner . . 4V2V0 Chinesen . , Electric. Sohuckert . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien , . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . , Berliner Ilandelsges. Oesterr. Staatsbahn . Lombarden . . , Gotthardbahn . . . Laurahütte . . . . Bochum.....

Harpener . . . .

. 215.00

. 186.40

. 138.10

. 146.00

. 157.10

. 151.60

. 18.90 . 170.00 . 206.75 . 198.00

. 177.70

Limburg a. d. 8., 18. Juni. Frachtmarkt. Durch­schnittspreise pr. Malter. Roter Weizeir 14.72 Mk., Weißer Weizen 00.00 Mk., Korn 11.58 Mk., Gerste 9.40 Mk., Hafer 0.00 Mk., Erbsen 0.00 All., Kartoffeln 0.00 Mk.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Der Brand auf der Grube Friedrich.

Hungen, 19. Juni. Der gestern Abend von der Grubenverwaltung ausgegebene offzielle Bericht meldet die Löschung der brennenden Fabrikgebäude auf der Fried- richsgrube. Weiterhin heißt es in dem Bericht:Zwei Per­sonen sind getötet, an dem Aufkommen einer dritten wird ge­zweifelt. Mehrere Personen erlitten Verletzungen. Unter der Erde befindet sich Niemand mehr. Die Ursache des Brandes ist auf eine Kohlenstaubexplosion zurückzuführen."

An der Löscharbeit beteiligten sich außer zwei Löschfahr­zeugen aus Hungen je eine Spritze aus den Ortschaften Inheiden, Utphe, Steinheim, Rodheim, Langd und Trais-Horloff. Der Kreisfeuerwehrinspektor L 0 0 s tra gestern morgens um 2 Uhr auf der Brandstätte ein, um im Verein mit der Direktion das Löschen zu leiten.

Hungen, 19. Juni. Die Bestürzung und Kopf­losigkeit unter den Bewohnern von Trais-Horloff war bei Beginn des Brandes sehr groß. Nachdem die Explosion er­folgt war, begannen die Bewohner des, der Grube zunächst gelegenen Teiles des Dorfes die Wohnungen zu räumen, da sie weitere Explosionen befürchteten. Erst nach Mitternacht kehrte die Ruhe und Besonnenheit wieder.

Hungen, 19. Juni. Nach den neuesten Ermittelungen ist die Explosion durch folgenden Umstand herbeigeführt worden: der Arbeiter Bombach wollte eine heißgelaufene Welle mit einem Eimer Wasser löschen. Er verschüttete dabei das Wasser auf den Boden, wobei große Massen Kohlenstaub aufgewirbelt wurden. Diese entzündeten sich und explodierten. Wie weiterhin gemeldet wird, sind die beiden Arbeiter Lind und Völbel ebenfalls ihren Verletzungen erlegen, sodaß also die Zahl der Toten ingesamt vier beträgt.

Darmstadt, 19. Juni. Die Beratungen der Wahl­rechtsvorlage werden in zweiter Lesung fortgesetzt. Abg. Leun glaubt, daß durch die Ablehnung der Vorlage sowie des Antrags Wolf dem Frieden aus dem Lande besser gedient wäre als durch die Annahme. Den Anspruch GießensaufeinenzweitenAbgeordneten könne er nicht anerkennen. Abg. Reinhardt erklärt die Abänderungsanträge Bähr, Köhler und Gen. für nicht an­nehmbar. Tie von den Gegnern der Vorlage über die Benachteiligung des flachen Landes vorgebrachten Gründe seien nicht stichhaltig. Hessen leiste für die Landwirtschaft mehr wie irgend ein anderer Staat. Abg. Weidner rechtfertigt seinen ablehnenden Standpunkt. Abg. Schmitt widerlegt in scharfer Weise die Ausführungen des Abg. Weidner. Staatsmrnister Rothe erklärt, daß nach 2lb- lehnung der Vorlage in dem nächsten Landtage derselbe Kumpf durchgefochten werden müsse. Abg. Haus-Turm-

Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschast.

Sabbathfeier am 21. Juni 1902.

Freitag abend 800. Samstag vormittag 800. Nachmittag Sabbathausgang 940.

Wochengottesdienst: morgens 680 Uhr, abends 780 Uhr.

. 102.15 . 22.25 . 101.85 . 22.40 . 99.90 . 29.20 . 192.00

. 25.60

. 91.00

Reichsanleihe

do, L

Konsole .

do . .

Hessen

Oberhessen

4% Ungar. Goldrente . .

40/ Italien. Rente . . ,

4V2% Portugiesen . . .

H°/ Portugiesen.....

1% C. Türken . . , .

Türkenlose......

4% Griech. Monopol.-Anl. 4*/3% äussere Argentiner

Gerichtssaal.

Bor dem Karlsruher Schöffengericht stand Anklage gegen Karl Kaufmann aus Pirmasens, Schuh Händl er in Pforzheim, wegen unlauteren Wettbewerbs zur Verhand­lung und zwar auf Grund einer Anzeige desVereins der Schuh­detailgeschäfte von Karlsruhe, Baden, Pforzheim, Bruchsal, Rastatt, Ettlingen, Durlach und Umgebung". Kaufmann hatte Mitte Februar d. Js. bis Ostersamstag ein Wanderlager in Karlsruhe errichtet und in täglichen Anzeigen einenAusverkauf" inseriert. Nur kurze Zeit",Nur wenige Tage",Eilet! Eilet! Eilet! , Noch nie dagewesen",Beste Gelegenheit zum wirklich billigen Ein- kauf" waren die immer wiederkehrenden Schlagworte der Inserate. Außerdem hatte K. in seinem Pforzheimer Hauptgeschäft an den Fensterri in großen Lettern stehen:Eigene Fabriken mit Kraft­betrieb". Die Verhandlung ergab die Unwahrheit aller dieser Be­hauptungen. K. hatte keinen Ausverkauf und verkaufte teurer als andere Geschäfte und nur die allergeringste Ausschuß­ware. Er hatte keine Fabriken. Das Gericht verurteille den An- geklagten zu 400 M ark G e ld str a f e.

stadt bedauert den scharfen Gegensatz zrmfcyen Draor mm Land. Er mache den Vorschlag, noch drei wertere Lam>- kreise den bisherigen zuzufügen. Staatsmrnrster RotYL hält eine weitere Vermehrung nicht für empfehlenswett. In namentlicher Abstimmung wird die Regierungs-- Vorlage mit-22 gegen 19 Stimmen a b g e l e h n t; desgl. werden abgelehnt der Antrag Wolf mit 27 gegen 13, und der. Antrag Weidner mit 23 gegen 16 ©tunt* men. Fortsetzung der Beratungen Freitag früh 9 Uhr.

Berlin, 19. Juni. Der Kaiser wird auf fernem jetzigen ausgedehnten Reisen demnächst auch rn Pose« erwartet. Wie von dort mitgeteilt wird, machen sich die Vorbereitungen für die Anwesenheit des Kaisers berens in eifrigen polizeilichen Schutzmaßnahmen bemerkbar. 60 sind im Stadttheater schon Vorkehrungen zur Unterbringung zahlreicher Polizeimannschaflen, meist Berliner, getroffen worden, und auch sonst ist die Polizei eifrig thätig in der Ueberwachung aller Bevölkerungsklassen.

W i e s b a d e n, 19. Juni. Polizeipräsident Prmz v. R a t i b or ist zum Regierungspräsidenten in Aurich ernannt worden.

Cassel, 19. Ium. In der vergangenen Nacht ent­gleisten bei der Ausfahrt eines Güterzuges aus dem hiesigen Bahnhof die beiden letzten Wagen. Der vordere Teck beS Zuges fuhr weiter. Verletzt ist niemand. Der Material­schaden ist bedeutend.

Bonn, 19. Juni. Beim gestrigen Kommers der Borussen erhob sich der Ka is e r zu einem To aste anf seine Gemahlin, in dem er etwa folgendes ausfühttei Menn unsere Vorfahren zum Waffengange zusammentratem, dann blickte ein Kranz von schönen Frauen aus sie heraü. So lange die Geschichte deutscher Universitäten geschrieben ist, ist keiner Universität eine solche Ehre zu teil geworden, wie am heutigen Tage. Umgeben von sürstlichen Damen ist die Kaiserin erschienen, die erste Landesfürstin, die einem Kommers der Studentenschaft beiwohnt. Er hoffe und em warte, daß alle jungen Borussen, auf denen heute das Auge der Kaiserin ruht, dadurch eine Weihe für ihr ganzes Leben empfangen werden.

Sibyllenort, 19.Juni. Der heute morgen um 7 Uhr ausgegebene Kankhätsbericht meldet: Auf den gestrigen, unter Erscheinungen großer Schwäche verbrachten Tag folgte eine verhältnismäßig ruhige Nacht. König Albert früh­stückte mit leidlichem Appetit. Eine längere Zeit bestehende Anschwellung der unteren Extremitäten hat in den letzten Tagen zugenommen.

Sibyllenort, 19. Juni. Es unterliegt keinem Zweifel, daß König Albert im Sterben liegt.

London, 19. Juni. Wie aus Pretoria berichtet wird, sind im ganzen 45 Personen in das jüngst entdeckte Komplott verwickelt, darunter die meist en Burenführer, welche am 17. Mai in Pretoria anwesend waren. Die Mine, durch welche das Haus Kitcheners in die Lust gesprengt werden sollte, war bereits bis in eine Nähe von 6 Meter fertig gestellt.

London, 19. Juni.Daily Mail" meldet crus Kap­stadt : Eine große Anzahl Offiziere, darunter auch General Walter Kitchener, haben sich gestern nach Eng­land eingeschisft. Mehrere Schiffsgesellschaften teilten mit; daß ihre Tampfer zum Rücktransport englischer Truppen gechartert worden sind. Das Kriegsamt teilt mit, daß sämtliche militärischen Gefangenen, die am Tage der Krönung noch einen Monat abzubüßen haben, frei- g e l a s se n werden. Lieber die weiteren Gnaden-Älasse, die der König gelegentlich der Krönung beabsichtigt, ist noch nichts bekannt.

London, 19. Juni. Aus Johannesburg wird ge* meldet: Lord Kitch euer ist gestern hier ein getroffen, um sich von den Truppen zu v er ab schieden. Bei dieser Gelegenheit wurden ihm von den Soldaten große Ova-

Die Aachener Diskonts-Gesellschaft hat mit der Bank für Rheinland und Westfalen m Köln und der Koblenzer Bank Vertrage abgeschlossen, laut denen bieje beiden Banken an die Aachener Diskonto-Gesellschaft übergehen.

Die Ocsterrcichischen Bankinstitute können mit dem 1. Semester 1902 recht zufrieden fein; die Verhältnisse haben sich wesentlich besser gestaltet, als man noch vor wenigen Monaten er­warten konnte. Fast alle Wiener Banken haben es verstanden, wie es in einem Wiener Situationsbericht heißt, aus der m ihrer Art geradezu unerhört günstigen Disposition des Anlagemarktes bedeutende Vorteile zu ziehen, welche schon deren Semestralbilanzen in fühlbarer Weise zu Patten kommen werden. Voran flehen die beiden der Rothschildgruppe angehörenden Institute, die Kredit­anstalt und die Bodenkreditanstalt, welche mit dem Milliarden- geschäft der ungarischen Konversion und dem gleichzeitigen Um­tausch der Karl-Ludwigaktien ebenso rasche als durchgreifende Resultate erzielten. In ihrer Art nicht minder gelungen war die Emission der Wiener Stadtanleihe, an ivelcher, gemeinsam mit der Deulschen Bank in Berlin, die Länderbank sowie der Bankverein partteipierten. Aber auch die übrigen Banken, welche nicht un­mittelbar hervortraten, haben durch die Abstoßung älterer Bestände in ausgiebiger Weise von der Konjunktur auf dem Augenblicks- marft profitiert, insbesondere die Unionbank infolge ihres In­teresses an der Wiener Verkehrsanleihe, an der Pfandbrief-Emission der ungarischen Hypothekenbank sowie der ungarischen Agrarbank, welche in großen Posten abgesetzt, wurden. Ist damit die Perspek­tive unserer Banken erschöpft? Durchaus nicht, denn abgesehen davon, daß die Zinsfußkonjunktur noch nicht ihr Ende gefunden hat, vielmehr weiter ihren Fortgang zu nehmen scheint, und damit neue Möglichkeiten in den Bereich der Ausführbarkeit ruckt, sind gewisse Geschäfte noch auf der sommerlichen Tagesordnung, wie die Emission der Alpineaktien durch die Niederosterreichische Es- komptegesellschaft und eine im Abschluß begriffene bosnische Elsen- bahnanleihe im Betrag von 75 Millionen Kronen, deren Abschluß mit der Gruppe der Unionbank ehestens erfolgen durfte. Damit wäre allerdings der momentane Gesichtskreis erschöpft, aber man braucht just kein Phantast zu sein, um der Ansicht zu huldigen, daß jetzt, wo der Krieg in Transvaal beendet ist, auch bei uns sich die Gelegenheit zu neuen Geschäften wieder reichlicher einstellen wird. Man blicke nur auf das Montangebiet! Was wird dann nicht zu thun sein, wenn die Finanzierungsfrage von Teschen eines Tages ihre Aktuellität zurückerlangt, oder roenn es sich darum handeln sollte, die Kohlenwerke der Nordbahn selbständig zu machen, für den Fall der Verstaatlichung dieser Bahn, die jetzt wieder vom Staatseisenbahnrate dringend verlangt wurde, ein Projekt, an dem bekanntlich vor etwa zehn Jahren die Kreditanstatt beretts

Hande! und Verkehr. Nolksmrtschast.

Frankfurter Börse. Die anhaltende Geschäftslosigkeit aus dem Banken- und Montanmarkte läßt trotz der günstigeren Dis- vositionen der Westplätze feine Besserung aufkommen und auch im Abendverkehr haben sich die Kurse kaum verändert. Oesterr. Werte haben auf Wiener Aiiregung Briichteile angezogen, deulfche Banken lustlos Von fremden Fonds waren türkische Renten, sowie Loose ansehnlich Höher. Spanier weiter fest. Gotthard-Aktien ziemlich hpfpbt Monlcmpapiere ruhig und ohne Anregung.

* _ Ottomanbank. Die Dividende für das Geschäftsjahr 1901 beträgt 6 Prozent, in den letzten fünf Jahren wurden jeweils fünf Prozent^nwgefchü11et^$ ^on 50 Millionen Mark 3proz. Sächsische Rente von 1900 wurde genehmigt. '

Die Englische Regierung kündigt per l.Juli die Zahlung sämtlicher rückständiger Koupons der» Pretoria-Pletersburg Eisen- bahn_an.$te von 20 Gläubigern der Leipziger Bank ange- ftrenate Klaae auf Festsetzung ihrer vom Konkursoerwatter abge­wiesenen Vorrechtsforderungen ist infolge Vergleichs zumckaerogen roÜL£lbcit6urfl. Eine neue städtische Anleihe im Be­trage von 1500 000 Mark beabsichtigt die hiesige Stadtverwaltung nach erlangter Genehmigung auszunehmen.

fiel, als es schlecht stund mit der Leipziger Bank. Welche Grunde hatten Sie, das gesamte Vermögen Ihrer Frau nach England zu schaffen? Wollten Sie nicht , das Geld in Sicherheit bringen, wie Sie sahen, daß es mit der Leipziger Bank schlecht ging? Exner: Nein. Tas nach England über geführte Vermögen betrug 213 000 Mark in Effekten und 20 000 Mark in bar. (Bewegung im Publikum) Die weitere Erörterung erstreckt sich auf die Anfänge der Verbindung der Leipziger Bank mit der Kasseler Trebertrocknung und die Entwickelung der Geschäfte mit dieser. Präs.: Kannten Sie Direktor Schmidt schon, als Sie mit ihm in Geschäfts­verbindung traten? Exner: Nein, ich lernte ihn damals bei dem Besuch erst in Leipzig kennen. Ich habe zwar dieselbe Schule wie Schmidt besucht, soll auch in derselben Klasse gesessen haben, erinnere mich aber nicht mehr daran. Nach Verlesung der einzelnen Protokolle tritt eine halb­stündige Pause ein. ...

Nach der Pause erwähnt der Vorsitzende die Reisen des Aufsichtsrats der Leipziger Bank nach den einzelnen Treberinstituten. Nach der Rückkehr fand eine Sitzung statt, in der darauf hingewiesen wurde, die Bank sei so eng mit der Trebergesellschaft liiert, daß es so nicht weiter gehen könne; es wurde bann am 1. November 1897 beschlossen, sich an den neuen Unternehmungen nicht mehr zu beteiligen. Des weiteren wird die .Korrespondenz zwischen Exner und Schmidt verlesen. Exn er rät von der Verteilung einer allzu hohen Dividende durch die Treber­gesellschaft ab. Er bemängelt die Dispositionen der ein­zelnen technischien Leitungen und weist ferner auf die außer­ordentlichen Engagements der Gesellschaft und auf die hohen Barvorschüsse für Schmidt und den Aufsichtsrat seitens der Leipziger Bant hin, sowie darauf, daß Mittel zur Ver­teilung einer Dividende für die Trebergesellschaft nicht zur Verfügung ständen. Er verlangt dabei einen ehren­vollen Rückzug der Trebergesellschaft in Bezug auf die Verteilung einer Dividende, wie der Vor­sitzende aus den Protorollen weiter nachweist. _ Dr. Gentzsch sei die Höhe des Obligo der Trebergesellschaft Ende 1897 bedenklich vorgekommen; er habe beim Ausfrchts- rat angeregt, sich mit der Trebergesellschaft nicht weiter ein­zulassen. Exner habe nicht genaue Betriebsresultate vor­gelegt.

Weiter kommt ein Brief Exners an Schmidt vom 30. Dezember 1897 zur Verlesung, in dem Exner dor sch lägt, die Trebergesellschaft möge andere Finanzinstitute für ihre Kredite gewinnen und die Leipziger Bank abzu- stoßen trachten. Der Vorsitzende berührt hierbei dre Privatkorrespondenzeu ExnerS mit Schmidt. Exner sagt aus, alle vertraulichen Briefe habe er in feinem eigenen ver­schlossenen Schreibtisch in der Bank, wo auch alle anderen Sachen diskreter Natur tagen, aufbewahrt. Niemals habe er zwischen Kassel und Leipzig gewechselte Briefe vernichtet. In einem anderen Briefe Exners vom 23. Januar 1898 wird erklärt, die Leipziger Bank fei bereit gewesen und sei bereit, auf weitgehende Engagements der Trebergesellschaft einzugehen. Exner macht bann gleichzeitig Vorschläge zur Bildung eines Garantie-Konsortiums zur Emission junger Treberaktien unter Führung ber Leipziger Bank.

Die Verhandlung berührt weiter die Reise der Auf- sichtsräte nach- Neheim. Tie günstigen Ergebnisse veran­laßten die .Bank, mit der Treberge,eUschaftin vorsichtiger Weise" weiter zu arbeiten. Ter Vorsitzende bemerkt, man habe gehört, daß damals der fertige Graphit vorher in die Retorten in Neheim gebracht worden sei. Exner gab als­dann über die Entstehung oes TrustsyndikatS ausführliche Erläuterungen und fügte hinzu, daß die in der Sitzung vom 31. März 1898 beschloßene gewmnverfprechende Trans­aktion mit der Trebergesellschaft zu dem Beschlüsse deH Aufsichtsrats geführt habe, das Obligo der Kasseler Gesell­schaft über 10 Millionen hinaus zu erhöhen. Wie Gentzsch ausführt, ist ihm die Höhe der in den Geschäften nut Kafsel zugesagten Provisionen ungeheuerlich vorgewmmen; dem Angellagten Mayer ist sie dagegen nicht ausgefallen. Er und Dvdel erinnern sich nicht, bei Aufsichtsratsfitzungen Korrespondenzen mit der Trebergesellschaft gelesen zu haben. Zum Schluß regt der Verteidiger Justizrat v. Gordon an, daß Professor Borchert aus Aachen und Professor Lassar- Eohn in Königsberg als Gutachter vernommen werden sollen. Daraus wirb die Weiterveryanblung auf morgen vor- mittag vertagt.

Vermischtes.

Wiesbaden, 18. Juni. Die geschiedene Groß­herzogin von Hessen wird Ende dieses Monats zu längerem Kurgebrauch hierherkommen.

* Belgrad, 18. Ium. Em bei Hofe bediensteter Stall­knecht gab auf den Stallmeister Mamuloff, der die Entlassung des Stallknechtes veranlassen wollte, mehrere Revolver- schüsse ab, durch welche ber Genannte aber nur leicht ver­letzt wurde.

* Baku, 18. Juni. In Bisibat brennen die Petroleumquellen; 16 Bohrtürme sind niedergebrannt, drei Behälter explodiert.

* Zyklon. Nach einer Meldung aus London wird der Daily Mail" aus Karachi (Vorderindien) gemeldet: Der Cyklon, der am Montag die Stadt verwüstete, läßt nach, ber hohe Wasserstand geht zurück. Die historische Napiemnole ist teilweise weggerissen. Die meisten Schiffe im Hafen sind untergegangen. Die Speicher, Werften und die Eisen­bahnen sind zerstört; Handel und Wandel stocken.

Honen bereitet.

Paris, 19. Juni. Aus Röchet für Pon wird be» richtet: In der hiesigen Zweiganstalt der Bank von Frank­reich wurden nachts 250000 Frs. in Gold gestohlen. Die Diebe drangen durch ein Kellerfenster ein. Bis jetzt fehlt jede Spur von ihnen.

Madrid, 19. Juni. Gestern nachmittag wurde in Cartagena ein Erdbeben verspürt, das jedoch feinen Schaden verursachte.

Moskau, 19. Juni. Nach einem Telegramm aus Yalta ist Graf Leo Tolstoi jetzt wieder herge­stellt. Er wird in den nächsten Tagen auf fein Gut Jaßnapa Poljana übersiedeln. ~ Die Aerzte haben ihm eine Kumys-Kur verordnet, die er während des Sommers auf seinem ®ute gebrauchen wird.

Prätoria, 18. Juni. Bei Calvinia ergaben sich 690 Mann Aufständische aus der Kap-Kolonie. Danach be­trägt die Gesamtzahl der Mannschaften, die Waffen gestreckt haben, auf 18 400.

New-York, 19. Juni. In einer Bekanntmachung be» treffend die Einberufung des Nationalkonvents der Gruben­arbeiter nach Indianapolis wird als Zweck der Beratungen angegeben, den Plan ber allgemeinen Arbeitseinstel- (un g der Kohlenbergleute in Amerika zu erwägen, um den gegenwärtig ausständigen Anthraeit-Grubenarbeitern Unterstützung zu leisten. Der Konvent tritt am 17. Juli zusammen.

Schisssmichrichleli.

Norddeusch er Lloyd.

In Gießen vertreten durch Carl Loos, Kirchenplatz.

Bremen, 18. Juni. (Per transatlanbischen Telegraph.) Der Doppelschrauben-PostbampferFriedrich der Große", Kapitän M. Eichel, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist geftent 1 Uhr nachmittags wohlbehalten in New-York angekommen.

Der PostdampferKöln", Kapitän A. ^angreuter, vom Nord­deutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 10 Uhr morgens wohlbec halten in Galveston angekommen.