Ausgabe 
19.6.1902 Erstes Blatt
 
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Deutscher Gastwirlstag in tSera.

Gera, 17. Juni.

Der internationale Arbeiterversicherungskongreß.

Düsseldorf, 18. Juni.

Die Katastrophe auf Ver Hrube Aricdrich.

(Originalbericht desGieß. Anz."-

p. Hungen, 18. Juni.

Wie wir gestern bereits mitteilten, hat die Brandkata- strophe auf der Kohlengrube und Brikcttsabrit Friedrich bei Trais-Horloff eine Reihe von Opfern gefordert. Tie Arbeiter Friedrich Lotz aus Inheiden und Wilhelm B o m - bad), aus Trais-Horloff find getötet, bie Arbeiter Lrnd

Unter starker Teilnahme, besonders von Vertretern der L deutschen und ausländischen Regierungen, begann heute Nachmittag der Jnternatiorrale Ärbeiterverficherungs-Kon- arefL Ten Vorsitz führte Wirkt. Geh. Ober-Regrerungsrat Boediker, der den Kongreß mit einer Ansprache er­öffnete, in der er betonte, der Kongreß bilde eine Mani­festation aller zivilisierten Völker zu Gunsten der Arbeiter- ürsorge. Mit ungefähr oO Referenten werde der Kongreß dafür Zeugnis ablegen, daß man mit der Arbeiterfüriorge und Versicherung nur vorwärts gehen tonne. Redner fuhr fort: Schon als ich in Brüssel meinen RusEnvoiture ergehen ließ, betonte ich, es käme nicht so sehr auf die I Wagenart und den Reiseweg an, und wies auf das gemein­sam zu erstrebende Ziel hin. Mit Genuglhuung kann ich ,1m Hinblick auf das seither Erreichte jene Aufforderung heute mit den Worten bekräftigenSempre avanti . Auch hier werden wir einen Sdjritt wcilerkommen und uns von utopistischen Bestrebungen fernhalten. .

Sodann nahm Stoatsfetretar Gras P o f a d o m s kh da^ Wort und führte aus: Tas zahlreiche Erscheinen i)t ein Beweis ^afür, wie tief der sozialpolitische Gedanke nicht nur b i den Regierungen, sondern auch bet deren Ber- tretern der praktischen Verwaltung und wissenschaftlichen Forschung, wie des gewerblichen Lebens Wurzeln faßte. I In der (Gegenwart, da die Bevölkerung schnell anwachfl, I wo der handwerksmäßige Einzelbetrieb in weitem Um­fange von dem fabrikmäßigen Massenbetrtebe abgelost ist, wo der Grundsatz der allgemeinen Freizügigkeit, unter­stützt durch die gegenwärtigen Verkehrsmittel, gesetzlich oder thatsächlich sich überall Bahn gebrochen hat, wo end­lich an Stelle des persönlichen Ärbeitgeoers vielfach ;u- ristische Personen und große Erwerbsgenosscnschaften ge-^ treten sind, tritt naturgemäß das persönliche Verhältnis zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern hinter die normalen Vertragsverhältnisse zurück. £ei, bicfer grund­legenden Umwälzung der früheren wirtschaftlichen Grund- .lagen mußten neue Wege gesucht werden, um dem Ar­beiter, dessen einzige Existenzgrundlage die ArbeitSfahig-

I (eit ist, eine umfassendere Gewähr gegen die Gefahren I des Berufslebens zu geben. Do entstand die sozialpolitische Gesetzgebung, die für Deutschland in dem berühmten Erlaß des ersten Kaisers im neuen Deutschen Reich klassischen Ausdruck fand. Sie wissen, daß der praktisch Sozialpolitik ^Treibende gesunde Nerven und ein starkes Herz besitzen muß wenn er nicht der Gefahr unterliegen soll, zerrieben , zu werden zwischen feindlichen Mächten politischer Kurz- > sichtigkcit, herzloser Gleichgiltigkeit, träger Gewohnheit oder

und Friedrich Völbel sind so schwer verletzt,dfejl! an eine Genesungkaumgedacht

verletzt sind die Arbeiter Lind, em Bruder des oben Genannten, Streb und Schreiber, '^lwa ^Bergleute,! die zur Nachtschicht in die, 67 Meter nefen Bergwerks- schachte eingefahren waren, konnten gerettet werden, dal es gelang, das Feuer von den Schachten fernzuhalten.

Wie bisher ermittelt ist, entstand der Brand abends zwischen 8 und 8i/2 Uhr über ober in einer ber trichterförmi­gen Staubkammern, die den Kohlenstaub fammein und! zur Brikettpresse führen. Ter eigentliche Vorgang babei ist noch nicht ganz aufgeklärt. Man nimmt an, baß sich eine Welle warmgelauien und den Kohlenstaub entzündet habe. Einer der getöteten Arbeiter muß dann versucht haben, das Feuer zu löschen; denn es erfolgte eme Ex­pl o s i o n, die das über der Staubkammer bennoliche Stock­werk und das Tach ,ortriß und den beim Loschen beschäf­tigten Arbeiter in großem Bogen fortschleuderte. Man sand den gräßlich Verstümmelten und Verbrannten spater zwischen den Briiettstapeln. Tas Feuer breitete sich dann, !dant dem reichlich vorhandenen Kohlenstaub uno dem mit Theer und Oel getränkten Holzwerk rapid aus und äscherte in kurzer Zeit bis auf die Umsassungsmauern ade I Gebäude mit Ausnahme des Hauses über den tforoer* schachten, dem Kontor und einem Teile der Maschinen- und Kesselhäuser ein. Gewaltige Rauchsäulen wirbelten empor, blitzartig durchzogen von roten Flammen, den Bewohnern der benachbarten Törser einen schaurig schonen Anblick I gewährend. Löschfahrzeuge kamen von allen Leiten herbei, doch beschränkte sich ihre Thätigkeit nur auf den Lchutz der noch nicht vom Feuer ergriffenen Gebäudeteile. Sehr pefährlia; wurde die Situation, als das Feuer das Kessel-1 haus mit den sieben großen Kesseln beorohte Eme Ex­plosion derselben schien unvermeidlich. Ta eilte der Di­rektor der Grube herbei, drang unerschrocken m das Kessel­haus und öffnete die Sicherheitsventile. Namenloses Un­glück wurde durch diese mutige That verhütet. Als oann die Gefahr für das Kesselhaus beseitigt war, rourßen Die Kessel wieder unter Dampfdruck gesetzt, so baß Die intatt gebliebenen Dampfpumpen sich an der Loscharoeit beteiligen konnten. Ter Brand wütete die ganze Nacht hindurch uno war selbst gestern abend noch nicht gedämpft. Erü gegen I Moraen gelang es, das Feuer unter Kontrole zu bekommen.

Von den Gebäuden waren die Flammen, angesacht durch einen, ihnen sehr günstigen Wind, auf die Brikett - stapel übergesprungen. Ungefähr 700 Waggons Bri­ketts, also gegen 140 000 Zentner, sind verbrannt. Tie I weiter entfernten Stapel wurden durch Awei Meter breite Gräben zu retten versucht. Ter MaterialsckMen ist sehr bedeutend, man schätzt ihn neuerdings auf u-toOOOU Mark. Er ist nur teilweise durch Versicherung gedeckt.

Tie Grube ist Eigentum des H e s s i s cp - R h e in i - scheu Bergbau-Vereins in Berlin. Einer ihrer Hauptaktionäre ist der bekannte Bankier Sternberg, der zur Zeit in Berlin eine Zuchthausstrafe verbüßt. Der Verlust ist für die Gesellschaft um so empfindlicher, als sie erst int vergangenen Jahre ein Kapital von circa 130 000 Mark für Neuanlagen und Verbesserungen auf- I gewendet hat. Bis das Wert wieder in Betrieb gefetzt wer­den kann, dürsten 4-5 Monate vergehen.

Von feiten der Gi e ß e n e r St a a t s an w a 11 f ch a f t ist die Untersuchung eingeleitet, doch hat sie, wie wir hören, ein positives Resultat bisher nicht ergeben. _

Die Mittags- und Nachmittagszüge brachten gestern | eine große Zahl von Besuchern nach der Unglucksstätte. Ein trostloses Bild zeigte sich ihnen hier. Zur Linken - die brennenden Brikettstapel, zur Rechten die ausgebrann­ten G-'bäude. Gruppen von Fremden und von Arbeitern : standen zwischen den rauchenden Trümmern, bic Katastrophe . die größte in unserer Gegend seit langer Zeit teil- - nahmsvoll besprechend. Tenn für oie*ca. 230 Arbeiter des Werkes bedeutet das Feuer eine fchwere Lchadigung idreS Erwerbes. Wenn sie auch augenblicklich bei den Auf^ räumungsarbeiten beschäftigt werden uni) weiterhin auch die Grubenhaltungen instand bleiben, so werden doch mne ganze Anzahl von chnen eine unfreiwillige Pause machen müssen. (Vgl. auch Neueste Meldungen.)

wirtschaftlicher Unbesonnenheit, die vorzeitige un­reife Forderungen stellt oder Anfpruche erhebt, die ohne ernstliche Gefährdung des g e f amten Erwerbslebensüberhauptnichterfullt werden können. Es heißt deshalb, das Steuerruder fest halten, wenn man zwischen feindlichen Gegenströmungen überhaupt vorwärts kommen und nicht von ihnen schlangen werden will. Es mag weder Dem einzelnen Mann noch der einzelnen menschlichen Generation oe- schieden sein, im Kampf gegen menschliches Elend Die Palme des Sieges davon zu tragen, aber weil die foziale Frage mit der wachsenden Bevölkerung, und Der Vielgeftal- tiafeit und Verfeinerung des modernen Lebens immer schwieriger und dringender wird, deshalb darf auch die soziale Arbeit niemals ruhen, um am besten ! den Ansprüchen der Gegenwart einigermaßen gerecht zu werden und deshalb muß diese Arbeit auch mit Recht die erleuchtetsten Köpfe und edelsten Herzen fedes Volles in Anspruch nehmen. Ich sehe das Schwergewicht ^hrer Versammlung in dem sichtbaren Ausdruck der gemein­samen internationalen sozialpolitischen Ueberzeugung. Mögen Ihre Verhandlungen dazu beitragen, bie Erkenntnis immer mehr zu vertiefen, daß die praktische Sozial­politik zwar eine der schwierigsten, aber auch vornehm- slenAufgaben einer zeitgemäßen Staatskunst ist. Mögen Sie dazu beitragen, eine großherzige Lebensauffassung zu fördern, ohne welche hohe ethische Aufgaben weder erfolg­reich noch mit heilender Versöhnlichkeit erfüllt werden können Wenn Sie alle in diesem Sinne arbeiten, wird vielleicht dereinst doch der Tag kommen, wo die tiefen Gegensätze, die das lebende Geschlecht belasten, fich mildern oder ganz ausgleichen. Möge diese Hossnung die be­lebende Kraft Ihrer Verhandlungen sein."

Nach Posadowsky ergriff Handelsmini,ter Moller das Mort. Die Regierung halte unentwegt an dem ,ozialpolt- tischen Ziele, das der Vorredner entwickelte, fest. In an­deren Ländern und auf früheren Kongressen mürben die lebhaftesten Zweifel an der sozialen Versichenuig, Wie ste in Deutschland eingeführt worden, erhoben. A/ie Erfolge in Deutschland sollten heute alle derartigen Bedenken §um Schweigen bringen. Er erneuere den dringenden jRat, den Weg der Zwangsversicherung zu betreten. Die Zahl Der schweren Unfälle habe in Deutschland durchaus abgenommen, das sei ausschlaggebend. Wir in Deutschland tonnen der Ar­beiterbewegung mit ruhigem Gewissen gegenüber,tehen. Wir können ihr gegenüberstehen in dem Bewußtsein, un,ere Pflicht erfüllt zu haben. Ich hoffe, daß die soziale Zwangs- I Versicherung bald in allen Ländern den Lieg davontragen werde. (Lebhafter Beifall.) .

C h e y s s o n - Paris überbrachte Gruße der französischen- Regierung, und Mag al di die der italienischen Regierung. Fror. v. Winkler lud im Auftrage der österreichischen Regierung die Kongreßmitglieder ein, das nächste Mal in Wien zu tagen. Landeshauptmann Klein verbreitete sich über die Verhältnisse der Versicherungsanstalt der Rhem- provinz. Ter ehemalige italienische Justizmmister EHi­rn irrt beantragte, ein Begrüßungstelegramm an den Reichskanzler Grafen Bülow zu senden, was Zustimmung ; sand. Sodann organisierte sich der Kongreß. Hierauf be­gannen Vorträge unter Vorsitz von CH e y sson-Parts.

Lie Vorlage. Er empfehle seinen Kompromißantroy aufs I wärmste, auch feinen oberhessischen Freunden. Für tue Vor- < läge müsse man dem Ministerium Rothe seine volle An- ! erfennung zollen. Die Vorlage werde ja für manchen Ab-st geordneten ein memento mori sein. Durch das geitrige st Ja!" hätte sich mancher Abgeordneter mit einem gewißen Nimbus umgeben wollen, um sich seinen Wählern gegen­über rechtfertigen zu können: aber jetzt müsse es sich zeigen, ob diesesJa" auch ehrlich gemeint gerne,en iei. sei letzteres der Fall, so müsse man im Interesse des Zustande­kommens der Vorlage für feinen Komprvmißantrag stimmen. -Tie Regierung könne umsomehr auf Worms und ließen verzichten, als sie es in der Hand habe, deren Bürgermeister in die erste Kammer zu berufen.

9(bg. David (Soz.) erklärt, daß er fernen Antrag, der auf Beseitigung des Unterschieds zwischen ländliche^ uno städtischen Vertretern abzielt, und das Land in cmnayernd gleiche Wahlkreise eingeleitet wissen will, zuruckziehe, um ben Einfluß des Abg. Weidner hier nicht aufkommen zu lassen; deshalb werde er der Regierungsvorlage zu­stimmen. Tie städtischen Vertreter seien den agrarifchen Wünschen stets entgegengetommen und von einer aus­schließlichen Bevorzugung der Städte könne man nicht reden. Man könne doch nicht die Universität nach Herchenham oder Langsdorf legen. Oder würden die Abgg. Weidner und Köhler vielleicht selbst zustimmen, wenn man die Tech­nische Hochschule oder eine Irrenanstalt nach Herchenham lege! Die Vermehrung der städtischen Vertretung sei em Akt der Gerechtigkeit. Der Antrag Wolf sei geeignet den Boden für eine Verständigung abzugeben. Auch den Herren von der wirtschaftlichen Vereinigung zeige dieser Antrag den richtigen Weg; andernfalls würden ,ie oas £bium auf sich nehmen, aus einer Frage der Gerechtigkeit eine Machtfrage zu machen. , ...

Abg^Brauer (fr. w. B.) bte,e Frage nicht für eine Machtfrage, sondern für eine Notfrage. Tie ganze seitherige Gesetzgebung fei nur im Interesse des Handels und der Industrie gewesen, während das Land Not lerne. Deshalb stimme er nach wie vor gegen die Vermehrung der städtischen Abgeordneten. .

Abg. Weidner (fr. w. V.): Man ,olle doch anerkennen, daß die Vorlage in der Fassung für das Land nicht an­nehmbar sei. Ter rapide Aufschwung der Städte musst eme Schwächung des Landes zur Folge haben und deshalb solle man ihn nicht noch begünstigen. Die Beoolrerungszahl dürfe man der Vertretung nicht zu Grunde legen. Ter Abg. David habe billige Witze aemacht. An dem Vogelsberg, dem seit einer Reihe von Jahren vieles entgangen sei, sei un­geheuer viel gefehlt worden. Sie verlangten Gleichberech­tigung; eine Vermehrung der städtischen Abgeordneten würden sie nicht gutheißen, da dies eme Schädigung des ohnehin benachteiligten Landes bedeuten würde.

Abg. Graf Oriola (nl.): Man könne bisher von ihm nicht sagen, daß er einseitig für die Städte ein getreten sei. Man solle nicht Stadt und Land gegeneinander ausspielen,! sondern solle dem Wolf'schen (Grundsatz folgen: Ltadt und Land, Hand in Hand! Aber trotzdem könne er dem L 3 in der Fassung der Regierungsvorlage nicht zustimmen. Er hatte es lieber gesehen, wenn der 2lbg. Wolf fernen Antrag in der zweiten Lesung eingebracht hätte; denn man könne heute nicht sagen, bie Stadt soll einen Abge­ordneten mehr haben und die nicht. Lenn er wun,che eine Verständigung über die Vorlage. Man müsse zu em em Kompromiß gelangen und sowohl den Städten als auch dem Lande entgegenkommen. Ties könne bei der zweiten Lesung erreicht werden.

Abg .Gutfleisch (freisch: Die Regelung der Sache gemäß dem Anträge David wäre ihm am sympathischsten gewesen. Die alten Privilegien der Städte seien heute nicht mehr berechtigt; man müsse diese alle ausheben und Wahlkreise einrichten mit verständiger Verteilung der Be- völterungsziffer. Ties halte er für das Beste. Gr fjabe aber für den Antrag David im Ausschuß nicht zugestimmt, weil eine zu große Opposition dagegen vorhanden ge­wesen sei. Ein solcher Gegensatz zwischen Stadt und Lano bestehe seines Erachtens nicht und er müsse sich dagegen verwahren, daß jemals seine Abstimmung und Gesinnung unter der Herrschaft dieses Gegensatzes zu leiden gehabt hätte. Im Reichstag have er Stadt und Land vertreten und jedem sein (Genüge gethan. Tie gestrige Rede Weidners müsse er bedauern, obwohl dieser heute etwas abgewiegelt habe. Bei der Zollfrage sei sowohl in den Städten als auch auf dem Lande selbst bie größte Verschiedenheit der An­sichten vorhanden gewesen; deshalb könne man nicht lagen, I daß die Städter von vornherein gegen das Land seien. Man solle ihnen doch nicht die Dummheit zutrauen, daß ,'ie prinzipiell gegen ländliche Interessen seien. Ter .Wahl­kreiseinteilung müsse man nur die Bevölkerungszisstr zu Grunde legen; dann erst erhalte man ein gleiches Wahl­recht, denn bann werde zwischen Stadt und Land fern Unter­schied mehr gemacht werden. Ten Gedankengang der Re­gierung bezüglich der Vermehrung der städtischen Ver­treter halte er für richtig. Gieße n habe sich wesentlich vergrößert und schließe nicht 2500, sondern 3a00 Wähler in sich. Tabei gehe er nicht von persönlichen Jntere,,en aus. Ob er wieder ein Mandat annehme, stehe sehr frag­lich, wahrscheinlich nicht; aber wenn er trotzdem wieder ein Mandat annehme, so fei es chm persönlich lieber, wenn er als einziger Abgeordneter gewählt werde, weil man nicht wissen könne, was aus dem anderen werde, ob Dieser ihn nicht durch feine Anschauungen kompensiere. Nur aus Gerechtigkeit, wie es die Regieruiig her­vorgehoben habe, solle man Gießen d en z ip c i == ten Abgeordneten gewähren. Ter Unterschied

zwischen Stadt und Land solle man beiseite schieben und nur die Gerechtigkeit malten lassen. Zu dem all­

gemeinen und direkten Wahlrecht solle man auch noch das gleiche fügen. (Lebhafte Zustimmung!) Abg. Schönberger lnl.) spricht sich gegen bie Ver­mehrung der städtischen Abgeordneten aus.

Staatsminister Rothe: Die Zahl ber Wahlfähigen dürfe nicht in Betracht kommen, da ber Abgeordnete die ganze Bevölkerung zu vertreten habe. Teshalb müf|c man lediglich die Bevölkerungszahl zu Grunde legen.

Abg. Haas-Mainz (Soz.) ist mit der geplanten Ver^ mehrimg der städtischen Abgeordneten einverstanden.

Schluß 1 Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag 9 Uhr. Tagesordnung: Wahlvorlage.

Heute Vormittag eröffnete ber stellvertretende Verbands- vorsißende A. Ringel-Berlin bie Sitzung ber Beoollmäch- tiaten bet Vereine des Deutschen Gastwirts-Verbanbes. Dieser umfaßt 465 Vereine mit über 30000 Mügliebern.

Im abgelaufenen Geschäftsjahre sinb 63 Vereine mit aeaen 3000 Mitgliebern neu eingetreten.

Herr A. Ringel hieß bie Delegierten willkommen.

Der Vorsitzenbe bes Eharlotienburger Vereins Rau er­stattete im Namen ber Kassen-Revisoren Bericht. Danach besitzt die Verbanbskasse am 31. Mai 1902: 47 982.19 Mk., l Re Th. Müller-Stiftung: 109 961.57 Mk., bie Witwen- unb Waisen-Unterstützungskasse: 122 446.69, bie Unter­stützungskasse für Kollegen: 3458.26 Mk., bie S erbege eimaung (Sicherhcitsfonbs) 5439.50 Mk., bic Sterbegelb-Ver- einigimq (Beiträge): 2430.76 Mark, Verbanbsabzeichen: 1895 86 Mark. Tas Gesamt-Vermögen bes Verbandes be- irägt 293 614.82 Mk. Die Aufstellung des Etats für 1902/3, ber in Einnahme unb Ausgabe mit 14 740 Mark balanciert, würbe genehmigt. Es folgten Anträge auf Aenbe- runq bet Vetbandssatzungen. Den Antragim § 35 bie Absätze 5 unb 7 dahin zu ändern, daß die in Betracht kom­menden Einnahmen auf einige Jahre nicht der Verbands- Witwen- und Waisen-Unterstützungskasse, sondern ber neu» qegrünbeten Unterstützungskaste für unvetschulbet in Not geratene Verbanbsmitglieber Angeführt werben" vertrat, kurz uoor bechargierte Schatzmeister Keck-Berlin, er teilte mit, daß u. a. ber Verein Breslau bet neuen Unterstützungskaste 1000 Mark, bet Verein bet Berliner Gastwirte 1500 Mark, der-Verein ber Berliner Brennereien 5000 Mark, bie Firma Stolwerck-Köln 1000 Mark überwiesen haben unb weitere reiche Zuwenbungen m Aussicht stäuben. Der Antrag würbe einstimmig angenommen. Ter Antrag, im § 34 an Stelle der Wortebet Krankheitsfällen" zu fetzenbesonders bei Krankheitsfällen" fand gleichfalls Annahme. Auf Votfchlag des Vorsitzenden Ringel-Berlin soll das Verbandsvermögen von ber Reichsbant abgehoben unb bei ber Deutschen Bank niebergelegt werben. Der von Dr. Merker-Berlin gestellte Antrag im § 45 Abs. 1 eine Bestimmung zu treffen, derzu- folqc weibliche Treubienenbe für 6jährige Dienstzeit eine silberne Brosche als Auszeichnung erhalten sollen, fanb Majorität. Abgelehnt würbe ein von Charlotten- bürg, Spanbau unb Königsberg gestellter Antrag:bem je­weiligen VerbanbsprÄibenten festzubestimmenbe Reprafenta- tionsgelber zu bewilligen". Eine lebhafte unb scharfe Debatte zeitigte ber Antrag Kiel:Regelung ber Stellung bes Vcr- I banbsorgansDas Gasthaus" zum Verbanb unb bes Ver­bands-Schriftführers." Lindemann-Kiel richtet heftige An­griffe gegen den Verlag des Verbandsorgans und befürwortet die Schaffung einer Kommission, welche ein bic angefochtene Stellung regelnbes Statut ausarbeiten solle. Wiefe-Berlin solle mit je zwei Mitgliebern bes Berliner Gastwirte- unb Weißbierwirte-Vereins bas Statut auSarbeiten unb bem nächsten (30.) Verbanbstage vorlegen. In ber Diskussion würbe zunächst von allen Rebnern die Bemängelung Linbe- manns, baß basGasthaus" beim Tobe bes Präsibenten Müller eine unwürdige Haltung gezeigt habe, zurückgewiesen. Der Verlagsftrma desGasthaus" wurde vom Vorsitzenden und anderen Rebern (Keck, Feuerstein, Vehfe re.) Zusneben-