Ausgabe 
19.3.1902 Zweites Blatt
 
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wichen Transvaal stehen genügend Truppen, um der Lage Wirksam gerecht zu werden.

Londoner Blatter berichten aus Durban, daß eine kleine Burenabteilung in die Kolonie Natal eingeduungen, dort eine Zweigstelle eines englischen Bankhauses ausgeplündert und das Gell) mit sich genommen habe.

DieTimes" veröffentlicht einen Bries Methuens an einen seiner Freunde, worin Methuen sich darüber be­klagt, daß ihm das Kommando über den größten Teil seiner Truppen entzogen worden war.

Im llnterhause erklärte Kriegsminister Brodrick, Lord Wolseley gehe aus völlig privaten Gründen und ohne irgend eine Verbindung mit dem Kriegsamt nach Süd­afrika. Claude Lowther fragt bezüglich der vielfachen An­griffe der Buren auf die englischen Truppen, die in Khaki- uniformen ausgeführt wurden, welche Schritte die Regie­rung zu thun gedenke, um der Wiederholung solcher Dinge vorzubeugen. Brodrük erwidert, nach dem Kri-egsgebrauch i zivilisierter Nationen hätten die Buren, die in eng- -ltscheu Uniformen gefangen genommen wurden, verwirkt, nach Aburteilung durch ein Kriegsgericht er­schossen zu werden. Kitchener habe auch in gewissen Fällen diese Strafe verhängt. Dillon fragt an, ob Brodrick wisse, daß die regulären Burentruppen bereits lange, ehe dieselbe von den Ärgländern angenommen worden sei. Khaki- uniform trugen. Bvodrick erwidert, daß dies die Buren .nicht im geringsten dafür entlaste, daß sie Uniformen trügen, welche englischen Truppen ab genommen und mit den unter­scheidenden Abzeichen der englischen Armee versehen seien.

Im Hinblick auf die vom Staatssekretär Frhr. v. Richt­hofe im preußischen Wgeordnetenhause abgegebenen Er­klärungen zog das niederländische Rote Kreuz von Neuem die Entsendung von Aerzten unK Krankenpflegern nach Südafrika in Erwägung und that bereits Schritte, um die Erlaubnis zu erlangen, den Buren ärztliches Per­sonal rc. zu senden.

Daily Telegraph" meldet aus Brüssel: Die Mitglieder der Durendelegation haben sich an die englische Regierung wegen Erteilung von Pässen für Ambulanzen, welche nach Südafrika enffmrdt werden sollen, gewendet.

Die spanischen Studenten haben beschlossen,eine Subskription zu eröffnen, deren Ertrag dazu verwendet werden soll, dem Burenkommandanten Delarey einen Lorbeerkranz aus massivem Golde zu stiften.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 19. März 1902.

** Oberstleutnant Herrleiu f. Heute Nacht l3/4 Uhr verschied nach schweren: Leiden der Oberstleutnant beim Stabe des hiesigen Jnfanterie-Regimercks Nr. 116 Georg Herrlein. Der Verblichene ist am 12. Juni 1851 in Margarethenhaus iHesien-Nassau) geboren. 1871 trat er beim Jnfant.-Reg. Nr. 83 als Fahnenjunker ein. 1872 wurde er zum Leutnant und 1881 zum Oberleutnant befördert. 1887 avancierte er zum Hauptmann ä la suite des Füsilier-Regiments Nr. 86. In demselben Jahre wurde er Adjutant bei der 28. Jnfant.- Brigade. Ein Jahr später wurde er als Kompagniechef in das Jnfant. - Reg. Nr. 28 versetzt. 1894 wurde er zum Adjutanten der 16. Division ernannt und noch in dem­selben Jahre als Major zum Jnf.-Reg. Nr. 30 versetzt. Seit 1896 gehörte er unserem Jnf.-Reg. Nr. 116 an, in das er am 25. Mai dieses Jahres als Bataillonskommandeur versetzt wurde. Am 18. April 1901 avancierte er zum Oberstleutnant und kommandierte als solcher das 2. Bataillon unseres Regiments. Er genoß das vollste Vertrauen und die höchste Achtung seckens der Vorgesetzten wie der Untergebenen und war in treuester Pflichteffüllung das leuchtende Vorbild eines Soldaten. Die Leiche wird am Freitag Vormcktag 10 Uhr vom Sterbehause nach dem Bahnhof übergeführt, nm am Samstag in Fulda bestattet zu werden.

** KrankewVerficherullgspslicht der Kaufleute. Seit dem Inkrafttreten des Ortsstatuts betreffend die Krankenversicherungs­pflicht der in kaufmännischen Geschäften Angestellten, sind bei der Ortskrankenkasse im ganzen gegen 180 Personen an- gemeldet worden, von denen etwa 120 Lehrlinge, 2 Lad­nerinnen und etwa 60 Handlungs-Kommis sind. Nach einer Zusammenstellung der Bürgermeisterei sind etwa im Ganzen 250 versicherungspflichtige Kommis hier vorhanden, von denen aber 100 den freien Hilfskaffen angehören.

Zagdhund-Klub für Gießen und Umgegend. Nachdem sich der Verein zur Züchtung reiner Hunderassen aufgelöst hat, wurde am Sonntag in einer Versammlung von Interessenten, die im HotelGroßherzog von Hessen" tagte, einJagdhund- Klub" für Gießen und Umgegend gegründet. Erstrebt wird von dem Klub die Förderung der Rassezucht in Jagdhunden, weiter soll den jungen Hunden der Mitglieder Gelegenheit gegeben werden, sich auf Schweiß und Raubzeug einzu­arbeiten; ferner wird beabsichtigt, Gebrauchssuchen und Schliefen abzuhalten. An der Spitze des Klubs stehen Dr. Bötticher und Bankier Zobel. Es ist ihm sofort eine ansehnliche Mitgliederzahl beigetreten.

M. Beuern, 18. März. Heute ereignete sich in einem hiesigen Steinbruche schon wiedereinUnglücksfall. Einem Arbeiter sieljlsichoslösendes Geröll auf den Fuß, sodaß er einen Knöchelbruch davontrug. In verhältnismäßig kurzer Zeit smd hier mehrere derartige Unfälle vorgekommen, worunter einer sogar den Tod des Verletzten herbeiführte.

w Butzbach, 18. März. Gestern konstituirte sich hier ein 'Verein der Gastwirte für Butzbach und Umgegend.

Grünberg, 17. März. Der unter der Leitung des Lehrers Roth hier stehende gemischte Chor veranstaltete gestern Abend in der Turnhalle eine Abendunterhaltung. Sämtliche Nummern des reichhaltigen Programms wurden mit großem Beifall ausgenommen. In diesem Frühjahr scheint größere Kauflust unter den Landwirten zu herrschen. Bei verschiedenen Versteigerungen wurden für Grundstücke recht gute Preise erzielt. So kam ein Acker in bester Lage von 2y4 Morgen auf 2250 Mark, der Morgen (2500 Quadratmeter) kostet demnach 1000 Mark. Mit den Erdarbeiten zum Umbau derZiegelsteige" an der : Alsfelder Straße ist begonnen worden. Durch den Umbau ist die Fällung einer Pappel nötig geworden, deren Stamm etma 4 Meter Umfang hat. Der Baun: wurde für 140 Mk. verkauft.

Hungen, 17. März. Gestern fand hier die zahlreich be­suchte Generalversammlung unserer Molkereigenossen- : )d)aft statt, welche trotz des großen Ausfalls von ange- 1 liefertet- Vollmilch, hervorgerufen durch die Nachwirkung der : Marck- und Klauenseuche sowohl wie durch die allgemein <

: vorhanden gewesene Futternot, mit einem recht ansehnlichen Reingewinn abschließt. U. a. wurde der Beschluß gefaßt, das Eintrittsgeld von Mark 20 nunmehr auf Mark 5 herab- . zusetzen. Auch eine wesentliche Mehrbezahlung für die ange­lieferte Milch ist in Aussicht genommen. Ferner beschloß man, trotz der Möglichkeit, 7 Proz. Dividende zu gewähren, , sich mit 5 Proz. zu begnügen und die restierenden 2 Proz.

zu Abschreibungszwecken zu verwenden. Auch die zuletzt veranstalteten Holzversteigerungen erzielten, was nicht erwartet, wurde, gute Preise. 2 Raummeter Brennholz kosteten durchschnittlich Mk. 16,60 bis 17. Die Bau- und Nutzholzversteigerung erzielte gute Mittelpreise.

h Hungen, 18. März. Dem Beispiele von Lich und Grünberg folgend, hat sich hier eine Anzahl von Geflügel- freunden und Züchtern vereinigt, um auch für Hungen und Umgegend einen Geflügelzucht-Verein ins Leben zu rufen. Die erste konsütuirende Versammlung soll an einem Sonntag nach Ostern stattsinden.

? Laubach, 17. März. Bei °den dieser Tage in den Waldungen unserer Gegend stattgehabten Holzversteige­rungen hielten sich die Preise für Brennholz auf der Höhe der bei den vorausgegangenen Versteigerungen erzielten Be­träge. Der Raummeter Buchenscheitholz kam auf 67 Mk., Buchen-Prügel auf 46 Mk. Die Hoffnung, daß gegen Frühjahr hin die Preise für Brennholz infolge des gelinden Winters zurückgehen würden, hat sich also nicht erfüllt.

AlssUd, 18. März. In der vorigen Woche fand in Gegenwart des Landes-Oekonomierat Müller -Darmstadt die Prüfung der Zöglinge der landwirtschaftlichen Winterschnle statt. Die Eltern der Schüler, sowie Freunde der Anstalt wohnten in stattlicher Zahl den: Akte bei. In anerkennenden Worten äußerte sich der Regierungs- vertreter am Schluffe der Prüfung über deren Verlauf, zu­gleich beherzigenswerte Worte an die entlassenen Schüler richtend. Ein gemeinsames Mahl vereinigte später den Prüfungskommissar, das Kuratorium der Schule, die Lehrer und mehrere Väter von Schülern. Kreisrat Dr. Melior ergriff das Wort zu einem Rückblick auf die Entwickelung und das Wirken der Schule in dem nunmehr verflossenen Zeitraum von 30 Jahren. In freundlichen Worten gedachte Redner des seit Anbeginn bis heute an der Anstalt erfolg­reich thätigen Rektors Weifenbach, worauf dieser seinem Dank für die ehrende Anerkennung Ausdruck gab.

8. Darmstadt, 18. März. Die Kaiserliche Verordnung über die Ruhezeit des Personals, welche in ihren ein­schneidenden Bestimmungen z. Z. in allen Fachkreisen lebhaft diskutiert wird, war wiederum Gegenstand einer lebhaften Debatte in der gestern vom hiesigen Gastwirte-Verein einberufenen Veffammlung, zu der auch zahlreiche Vertreter des hiesigen Zweigvereins des Bundes Deutscher Köche sowie des Lokalvereins des deutschen Kellnerbundes erschienen waren. Sämtliche Redner waren darüber einig, daß das Gesetz, weil vomgrünen Tisch" aus ohne Verständigung mit den Ver­tretern der betroffenen Fachgewerbe entworfen, zu zahlreichen Klagen und Beschwerden Veranlassung geben wird. Man will nun versuchen durch Petitionen, welche in Gemeinschaft mit den Vereinen der einzelnen Landesteile an die zuständigen Behörden rc. abgehen sollen, eine Verständigung herbeizuführen, insbesondere mit Rücksicht darauf, daß au ') die gesamte Ge­hilfenschaft mit der Verordnung nicht einverstanden und sich in ihrer Erwerbsfähigkeit und Bewegungsfreiheit gehindert sieht. Wie bekannt wird, hat die württembergische Regie­rung an die Landesbehörden bereits einen Erlaß gerichtet, in welchem die mildeste Handhabung der Verordnung empfohlen und dem Wunsche Ausdruck gegeben wird, daß auch die hessische Regierung den berechtigten Wünschen der be­teiligten Kreise Rechnung tragen werde. Eine Deputation, bestehend aus Vertretern des Gastwirtevereins, des Vereins der Köche und des Kellnerbundes, soll die entsprechenden Wünsche demnächst an den betreffenden Stellen vorbringen. Nachdem erst am Samstag ein hiesiger Gastwirt aus dem östlichen Stadtteil wegen Sittlichkeitsverbrechens, begangen an Kinder:: unter 14 Jahren, verhaftet wurde, ist heute wieder eine gutsituierte Persönlichkeit S. aus dem Bessunger Stadt­teil wegen Notzuchtoergehens festgenommen worden. Ersterer rourbe gegen eine Kaution von Mk. 2000 auf freien Fuß gesetzt.

Darmstadt, 18. März. Am vorgestrigen Familienabend des Volksvereins für das katholische Deutschland sprach Kaplan Dr. Schneider von hier über das Wesen, die Veranlassung und die Ziele der Los von Rom-Bewegung in Oesterreich, deren ziffermäßiger Erfolg sich nach den Ver­öffentlichungen des evangelischen Oberkirchenrats und den An­gaben der Schönererpreffe auf 1215 000 Ausgetretene be­laufen. Sodann sprach Landtags-Abg. Dr. Frenay ans Mainz über wichtige sozialpolitische Fragen der Gegen­wart und wies im Eingang seiner Rede auf die Erscheinung hin, daß neuerdings Liberalismus und Sozialdemokratie immer wehr Fühlung zu einander zu gewinnen suchen, wobei er ge­wisse Vorgänge in der hessischen Zweiten Kammer, die neu­lichen Szenen in Brüssel und einen Ausspruch des Exjesuiten Grafen Hoensbroich in München besonders im Auge habe. Dieser neuen Kombination gegenüber, die sich hauptsächlich gegen das Centrum richte, gelte es für die Katholiken, auf der Hut zu fein, um so mehr, als sie in nicht wenigcnDingen etwas in das Hintertreffen geraten seien, wobei er nur die Armenpflege, das Genossenschaftswesen und die Volksunter­haltungsabende nennen wolle, vor allem aber sei nicht zu vergessen die ungenügende Vertretung der Katholiken in der Schülerzahl der mittleren und höheren Lehranstalten. Wenn jemand nicht mit der Zeit voranschreite, so schreite die Zeit ohne ihn voran. Zum Schluffe empfahl Redner noch ein­dringlich den neu gegründeten katholischen Studienverein.

Griesheim, 18. März. Prinz Friedrich Karl von Hessen, der gestern mit dem Generalkommando des 18. Armee­korps in dienstlicher Eigenschaft auf dem Truppenübungsplatz bei Griesheim weilte, wurde von dem Groß Herzog zum Frühstück geladen. Der Prinz fuhr um 1 Uhr 50 Min. nach Frankfurt zurück. Der Großherzog unternahm nachmittags eine Fahrt nach Wolfsgarten.

Frankfurt a. M., 18. März. In der heutigen Stadt­verordnetenversammlung erklärte Stadtv. Wedel bei der Beratung über die Aufstellung des Bismarck de nkm als u. a.: Man hat zu diesem Denkmal alle Hebel in Bewegung gesetzt und der Herr Reichsbankdirektor hat sich persönlich zu

hiesigen Geldleuten und -Instituten bemüht, um sie zu Zeich­nungen zu bewegen, die sie aus Zweckmäßigkeitsgründen mcht gut abschlagen konnten. (Unruhe.) Auch hat die Demokrane nicht den Degen an der Bahre Bismarcks gesenkt, schon aus dem Grund, weil sie keinen hat. Sic hat sic!' vielmehr auf den Boden der Thatsachen gestellt, sie gibt d. Kaffer was des Kaisers ist, aber sie wahrt auch die ihr aus der Ver­fassung zustehenden Rechte mit Eifersucht. Bis zur Errichtung eines Denkmals ist da noch ein weiter Schritt, denn ein sol­ches ist der Ausfluß der Dankbarkeit, der Ehrfurcht, der Liebe und der Verehrung. (Sehr richtig! Deshalb wollen wir ja das Denkmal!) Die deutsche Einheit repräsentiert das Kaiser­denkmal und der Magistrat hat ein Uebriges gethan, mit seinem Einheitsdenkmal für den Paulsplatz. Bismarck ist in Frankfurt nicht an: rechten Platz und er selbst hat wohl am wenigsten hier ein Denkmal erwartet. Ein Plebiszit würde ganz anders ausfallen als uns der Herr Bürger­meister glauben machen will. (Oho l) Wollen Sie aber durchaus ein Denkmal, so stellen Sie es in die neuzuschaffende Hohenzollern-Anlage an den Teich, in die Neustadt, einen Bismarck in Eivil und im Schlapphut, nicht einen Kürassier- general. Entschieden müßte ich jedem Transport von Denk­mälern widersprechen, sonst thäten wir besser daran, sie gleich auf Rollen zu errichten, um die Wegschaffung billiger zu. haben. Stadtv. Dr. Quarck protestiert ebenfalls von neuem gegen dieses Denkmal der Oberen Zehntausend und bewegt sich ü: scharfen Ausfällen gegen den Plan, dem Urheber des Sozialistengesetzes ein Denkmal zu setzen. Die Bezeichnung Böotier" halte er vollkommen aufrecht.

fc. Frankfurt a. M., 19. März. (Original-Telegr. desGieß. Anz.") Der Großherzog von Hessen besichtigte gestern Nachmittag von 23 Uhr die vom Verein hirschgerechter Taunusjäger veranstaltete Ausstellung und sprach sich sehr anerkennend über die Ausstellung aus.

** Kleine Mitteilungen aus Heffeu und den Nachbarstaaten. In Darmstadt starb nach kurzem Kranksein der Stadtver­ordnete Jean Ganß im Alter von 72 Jahren.

Handel und Urrkehr. Volkswirtschaft.

Berlin, 18. März. Der Prospekt über 393000000 Alk. neue 4proz. russische Staatsanleihe von 1902, ausgegeben zur Realisierung des russischen Anteils an der chinesischen Ent­schädigungssumme, ist heute von Mendelsohn u. Co., bei der Zu­lassungsstelle an der hiesigen Börse cingereicht worden.

Belgrad, 18. März. Da die Verbandlungcn mit der unter Führung der Ottomanbank stehenden Gruppe behufs einer An­leihe im Nominalbeträge von 90 Millionen ins Stocken ge­raten sind, nahm die Regierung zwei Millionen Frarrks bei der Nationalbank auf gegen Schatzbonds. Der heute veröffentlichte Jahresbericht der Nationalbank weist einen Bruttogewirm von 1100351 Franks auf. Die Aktionäre erhielten eine Dividende von 12 Franks per Aktie.

Konvertierung der 4i/.Prozeutigen Anleihe Ungarns« Wie verlautet, übernimmt die Gruppe 60 Prozent der Anleihe fest, den Rest in Optionen. Voraussichtlich wird der Gesamtbetrag der ersten Reihe den Besitzern der 4^/rproz. Werte zur Zeichnung an- geboten werden und erst nach dieser Zeichnung wird die drei­monatige Kündigung der nicht zum Tausch angebotenen 4V2proz. Stücke erfolgen. Man nimmt an, baß angesichts ber Gelbverhält­nisse mindestens 5060 Prozent der aufgelegten Anleihe im Tausch gegen 4 rproz. Werte bezogen werden, je nach dem Erfolge dieser Zeichnung wird der Rest der Anleihe eirtweder zur allgemeinen Zeichnung aufgelegt oder freihändig verkauft werden. Die Erspar­nis aus dieser Zinsfußumwandlung von rückzahlbaren Werten in nicht rückzahlbare wird nicht kapitalisiert, so:ü>ern ausschließlich zur Entlastung des Staatsvoranschlags verwandt werden; sie wird rund 7 Millionen Kronen jährlich betragen, wovon 3 Millionen Zinsen- erspari:is, 4 Millionen auf das Unterbleiben der Rückzahlungen entfallen. Der gegenwärtige Ausrüstungsbedarf von 66 Millionen Kronen wird später durch Begebung von Rente gedeckt werden. Zur Zinsfußumwandlung gelangen: 176.75 Millionen Golbgulden 4'/zproz. Goldanleihe 1889, 21.77 Mill. Mk. Ausrüstungsanleihe von 1888, 9.32 Millionen Golbgulden 5proz. Ostbahnanleihe von 1876, 444.76 Millionen Kronen Schankregalanleihe und 232.12 Mill. Kronen 4i/,proz. Eisenbahnanleihe von 1899, zusammen (auf Kronen umgerechneff 1147 Millionen Kronen, wovon jedoch 110 Millionen Kronen Schankregalanleihe, die sich im Besitze öffent­licher Anstalten befinben, ausgeschieben werben. Für 1037 Mill. Kronen 4>/rproz. bezw. 5proz. Werte gelangt, wenn ber Be­gebungskurs 9o.l 8 beträgt, 4proz. Kronenrente im Betrage von runb 1090 Mill. Kronen zur Begebung.

Bom amerikanischen Stahltrust wirb gernelbet, daß die un­ausgeführten Aufträge sich auf 6 Millionen Tonnen belaufen. Diese kommen einer lOnwnatlrchen Produktion gleich und repräsentiere einen Wert von 180 Mill. Dollars.

lieber den Konkurs der Aktiengesellschaft für Trebertrock- uung ist zu melden, daß bis jetzt Mk. 1550000 eingegangen sind. Eine Konkursdividente von 8/< Prozent wirb demnächst zur Aus­zahlung gelangen.

Kredit- und Depositenbank Zweibrücken. Der Auf­sichtsrat schlägt eine Dwidende von 6 Prozent (Vorjahr 8 Pro­zent) vor.

Bei der Straßburger Filiale der Oberrheinischen Bank in Mannheim ist die Direktion dieser Tage einer Defrau­dation auf die Spur gekommen, und zwar handelt es sich um Unterschlagungen von Coupons im Betrage von etwa 80000 Mk. Durch rasches Eingreifen sind, wie die Verwaltung mitteilt, die amtlichen entwendeten Coupons bis auf einen ganz unbedeutenden Betrag bei einer Haussuchung in ber Wohnung des Defraudanten wieder in den Besitz ber Bank gebracht worben, sodaß ein Verlust nicht eintritt.

Gerichtslaa!.

T Die erneute Verhandlung im Gumbinner Mord- »rozen, die am 10. April vor dem Oberkriegsgericht in Gumbinnen chrei: Anfang nimmt, dürste 5 bis 6 Tage bauern, da über hun° »J-!. 3CUflen geladen sind. Ter angeklagte Sergeant Hickel ist als dauernd ganz Invalide mit Pension aus dem MUitär-Verhältnis entlaßen ivorden.

~~ 1» Studenten zum Tode verurteilt. Wie aus angeblich bester Quelle aus Kiew gemeldet wird, sind anläßlich ber letzten Moskauer Ctubenten-Unnchen 15 Studenten zum Tode verurteilt und über hundert verbannt worden.

Neueste Melöuugeu.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 19. März. Gestern Abend hielt der sozia­listische Wahlverein des 4. Berliner Wahlkreises eine Versammlung ab mit der Tagesordnung:DieJdeendes März". Zu derselben waren auch Frauen als Zuhörerinnen erschienen. Gleich nach Eröffnung der Versammlung forderte der überwachende Beamte die Entfernung b er Frauen. Der Vorsitzenbe wies auf bte Ausführungen bes Ministers von Hammerstein hin und wollte die Frauen keinesfalls hin- ausweisen. Darauf löste der Beamte die Versammlung aus. Auf die Beschwerde des Vorstehers des sozia-