Lie Arbeiter-Unruhen.
Die Regierungen dreier europäischer Staaten sehen sic gleichzeitig Arbeiterbewegungen bedenklicher Art gegen- über. In Triest, Rom und Barcelona ist es zu Zusammenstößen unbeschäftigter oder ausständiger Arbeiter mit der bewaffneten Macht gekommen. Die österreichisch-ungarische Regierung dürste der Unruhen am ehesten Herr werden, da die (Kenntnis, daß a n a r ch ist i s ch e (Aemente die Hand im Spiele
Ausland.
Brüssel, 18. Febr. Kammer. Auf eine Anfrage, welches event. die Haltung der Regierung sein würde, wenn eine Macht neue Vorschläge zur Herbeiführung einer Verständigung zwischen den krieg führ en den Parteien in Südafrika mache, erwidert der Minister des Aeußeren, der englische Minister des Aeußern betonte in seiner Antwort an die niederländische Regierung die Absicht, keinerlei fremde Intervention anzunehmen. (Also zuerst wird die niederländische Intervention von England selber ins Werk gesetzt und nun, da sie an der Hartnäckigkeit der Buren gescheitert ist, wird die Sache wieder einmal umgedreht. Echt englisch! D. Red.)
Sofia, 18. Febr. Wie verlautet, ist der Pastor Zilka unter dem Verdacht, an der Entführung der M i ß S t o n e, die jetzt bereits auf der Rückkehr begriffen ist, mitgewirkt zu haben, verhaftet.
P e s ch a w a r, 18. Febr. Nach einer Meldung aus Kabul dürsten dem Emir von Afghanistan Habib Ullah von seiner Stiefmutter ,deren Sohn Niohammed Umar Khan ist, Schwierigkeiten bereitet werden. Es heißt, die Stiefmutter hätte sich nur widerstrebend in den Willen Abdurrahmans betr. die Thronfolge gefügt und hätte mit dem jetzigen Emir bereits häufig Auseinandersetzungen wegen gewisser Angelegenheiten gehabt, bezüglich deren sie meint, daß sie nach dem Willen des verstorbenen Emirs hätte um Rat gefragt werden müssen. Auch der jüngere Bruder des Emirs, Masr Ullah Khan, hat Meinungsverschiedenheiten mit ihm. Die Aussichten für die Krönung Habib Ullahs werden somit nicht als hoffnungsvoll angesehen. (Also eine zweite Kwangsü in Asien! D. Red.)
New York, 17. Febr. Der deutsche Botschafter lud den A d m i r a l D e w e y telegraphisch zum 28. ds. zu dem Diner ein, an dem Prinz Heinrich teilnimmt. Dewey sprach sein Bedauern aus, die Einladung wegen Krankheit seiner Frau nicht annehmen zu können. (Wir setzen hinzu, daß diese Nachricht wohl vom englischen Bureau Reuter stammt. D. Red.)
— Kaiser Wilhelm und Prinz Heinrich wurden zu Mitgliedern des Atlanticf-Dachtklubs gewählt.
Newyork, 17. Febr. Die Ratifikation des Vertrages mit Bezug auf den Ankaufder dänisch-West- in bisch en Inseln erfolgte im Senat einstimmig.
haben, bei der Triester Bevölkerung die Sympathie für die Bewegung beeinträchtig hat. Ernster kann sich die Sachlage in Italien gestalten; der Arbeitsministcr reichte bereits die Demission ein und es wird am Ende alles auf die Geschicklichkeit des Ministers des Innern G i o l i t t i ankommen. Wenn er, wie vor einigen Jahren General Poll o ux, seine Zuflucht zu den Gewehren nimmt, dann ist mit Sicherheit auf den Ausbruch von Straßenkämpfen zu rechnen. Hoffnungslos aber sind die Zustände in Spanien. Die Verhängung des Belagerungszustandes scheint das einzige Hilfsmittel zu sein, dessen sich die Regierung gegenüber der sozialen Rot erinnert. Die Bewohner namentlich Barcelonas haben sich jedoch an diesen Zustand nachgerade so gewöhnt, daß sie auch die durch ihn proklamierte Herrschaft des Schreckens nicht mehr furchten und den Kampf mit dem Militär aufnehmen. Es sind nur noch wenige Säulen, auf die sich das spanische Staatsgebäude stützt.
Im österreichischen Abgeordnetenhause brachten die Sozialdemokraten einen Dringlichkeitsantrag ein, der die sofortige Aufhebung der Ausnahmebestimmung und die Suspendierung des Triester Statthalters verlangt. Abgeordneter Ellenbogen (Sozd.) gievt eine Darstellung des Sachverhaltes, die von amtlichen Berichten ablveicht. Ter Oberleutnant Köppel habe einer Frau mit dem Säbel die Brust wegge- chnitten. (Rufe: Barbarei.» Als ihm ein Stein die Kappe vom Kops warf, ohne ihn zu verwunden, habe er kommandiert: Schnellfeuer. (Entrüstungsrufe.) Zwei harmlose Arbeiter seien vom Militär von zwei Seiten angegriffen und n i e d e r g e s ch o s s e n worden. (Rufe: Mord! Mord!) Redner zeigt einen blutgetränkten £nit vor, der von den Exzessen herrührt. Er greift den Statthalter Göß an, der 'Verbrechen aus Verbrechen gehäuft habe. — Ministerpräsident v. Koerber weist die Angriffe Ellenbogens zurück. Die Anwendung von außerordentlichen Mitteln sei ein Mittel äußerster Notwehr gewesen, um der Anarchie ein ent- chiedones Ende zu bereiten. (Widerspruch und Lärm bei den Sozialisten.) Wenn die öffentliche OrdnUngi in so frivoler Weise angetastet worden sei (Lärm bei den Sozialisten), o dürfe sich niemand darüber wundern. Wenn das Stand- recht an die Stelle der Grundrechte trete, so treffe die Verantwortung dafür nicht die Regierung, welche für Ruhe und Ordnung sorge, trotz jener Elemente, welche die Fackel des Aufruhrs in die Massen geworfen haben. (Beifall und Wider- pruch.) Der Antrag auf Zuweisung der Verordnung an einen Ausschuß mit dem Auftrage, in acht Tagen Bericht zu erstatten, wurde einstimmig angenommen.
Tie „N. Fr. Pr." meldet aus Triest: Zum Schutze des Hafens und des Lloydarsenals langten drei Kr iegs- ch i f f e hier an und schifften ein Tetachement Marin e- oldaten aus. Unter den Verhafteten befinden sich vier notorische Anarchisten: der Ingenieur Pittoni, Fabrikant Gerson, Kaufmann Rovigo und Schmied Czech. — Tie Polizei soll, wie gerüchtweise verlautet, alle Beweise in Händen haben, daß sich in Alexandrien ein großer anarchistischerHerd befindet, der bei den Vorgängen in Triest seine Hand im Spiele hatte.
Aus Barcelona wird folgendes gemeldet: Trupps von Ausständigen plünderten zwei Tabakläden und schleuderten Steine gegen einen Wagen, in welchem Verhaftete transportiert wurden. Ein junger Mensch feuerte 6 R e v o l v e r s ch ü s s e auf die Gendarmen ab, welche den Wagen begleiteten, ein Gendarm erwiderte >as Feuer und tötete den Angreifer. Eine durch Brandstiftung entstandene Feuersbrunst zerstörte ein großes Kohlenlager.
Aus Stadt und Sand.
Nachrichten von allgemeinem Interesse fitib uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.
Gießen, 19. Februar 1902.
• • Der Gießener Lesehalle-Verein hält am Donnerstag Abend 8% Uhr in den Räumen der Lesehalle seine Ordentliche Mitglieder-Versammlung ab. Die Tagesordnung umaßt 1. den Geschäftsbericht über das abgelaufene Geschäftsjahr, 2. die Neuwahl des Vorstandes, 3. Verschiedenes.
* * Das Wohllhäligkeits-Konzert des Kronbauer'schen Quartett- Vereins hat, wie man uns mitteilt, 658 Mk. 11 Pf. Reinertrag, nach Abzug aller Unkosten, ergeben. (Die Abrechnung liegt zur Einsicht auf dem Bureau des Herrn Ernst Eh allier offen.)
* * Vier Jahreszeiten. Allabendlich treten von 8 Uhr an die Leipziger Sänger in den „Vier Jahreszeiten" auf. Die Gesellschaft verfügt über gute Kräfte. Das Programm zeichnet sich durch Reichhaltigkeit aus, sodaß ein Besuch der Vorstellungen zu empfehlen ist. (Siehe Inserat.)
** Der RheinMain-Gastwirteverband nahm in einer Dele- girtenversammlung, die gestern Vormittag im Hotel Noack in Frankfurt a. M. stattfand, Stellung gegen die das Gastwirtsgewerbe wie auch das meiste Personal schwer schädigende Verordnung des Bundesrates betr. Ruhezeit des Personals im Hotel- und Gastwirt-Gewerbe. Es wurde beschloßen, gegen diese einschneidende Maßregel, die schon am 1. April in Kraft treten soll, sowohl beim Bundesrat wie bei den maßgebenden Persönlichkeiten rc. vorstellig zu werden. — Am Nachmittag fand eine Sitzung im Hotel „du Nord" statt, die noch besser besucht war. Zur Beratung stand die Kohlensäurefrage. Um dem immer mehr die Preise erhöhenden Ring entgegenzuarbetten, wurde ähnlich verschiedenen anderen Verbänden beschlossen, mit einem gut fundierten und leistungsfähigen Werk bei Selters einen Vertrag einzugehen, nach dem die Flasche Kohlensäure höchstens auf Mk. 3 sich berechnet. Das Werk verpflichtet sich, nach dem Ausbau jährlich 80 000 Flaschen zu liefern. Dieser Abschluß darf als eine für die Wirte sehr günstige und angenehme Lösung der Frage bezeichnet werden.
* * National-sozialer Verein. Man schreibt uns aus hiesigen nattonal-sozialen Kreisen: In einer Sitzung des nat.-sozialen Vereins im (Safe Ebel am 17. sprach Dr. Vogt über die Wohnungsfrage. An Wichtigkeit kann sich diese wohl mit der Brotfrage messen. Mit ihr hängt die Möglichkeit eines geordneten gemütlichen Familienlebens zusammen. Ein solches ist natürlich ausgeschlossen, wo mehrköpsige Familien und womöglich noch Schlafburschen in einem oder zwei Zimmern zu Hausen genötigt sind. Diese UeberfüUung führt zum Kneipenleben und sonstigen unsittlichen und ungesunden Verhältnissen. Es ist eine dringende ethische Aufgabe, hier durchgreifend zu helfen. (Vgl. Kurella, Wohnungsnot.) Zur Illustration mögen einige Zahlen dienen. In Halle, Hannover, Lübeck und Görlitz bestehen mehr als 40% sämtlicher Woh-
— Ter Kaiser vvn Oesterreich ernannte den Prinzen Eitel Friedrich von Preußen zum Oberleutnant im öst.-ung. Infanterie-Regiment Nr. 34.
— Tas preuß. Abgeordnetenhaus setzte heute die Beratung des Justizetats fort. Ter Justizminister sprach Anläßlich des Frankfurter Falles, wo ein junger Kaufmann 66 Stunden lang im Gefängnis eingeschlossen und vergessen war, sein Bedauern über das Vorkommnis aus, und erklärte, daß der schuldige Beamte suspendiert sei. Hierauf wurde dem Minister das Gehalt bewilligt. In der weiteren Debatte wurde il a. die Frage der Verleihung eines neuen Titels an die Er st en Staatsanwälte erörtert. (Tie „Ersten Staatsanwälte" der Landgerichte in Preußen entsprechen den Oberstaaisauwälten in Hessen, ein Titel, den in Preußen die leitenden Staatsanwälte der Oberlandesgerichte tragen. T. Red.) Aus dem Hause wurden die Bezeichnungen Oberstaatsanwalr und Generalstaatsanwalt vorgeschlagen,' der Minister äußerte sich aber in durchaus ablehnendem Sinne.
— An dem heutigen Festmahl der Mitglieder des Nautischen Vereinstages nahm der Handels-Minister Möller teil. Der Minister erwiderte in längerer Rede auf den ihm ausgedrachten Toast: er gedachte des rapiden Aufschwunges der Schiffahrt und des Rückganges der Frachtsätze int Verlause der letzten Jahrzehnte. Mit dieser Thatsache müsse man sich abfinden, wie überhaupt in wirtschaftlichen und politischen Dingen das Sichabfinden mit dett gegebenen Thatsachen und das Anpassen an die Fortschritte der Zeit geboten sei. Vor allem gelte es. Maß zu halten. Tie politischen Mächte im Vaterlande, die sich nicht dazu verstehen tonnen, sich denjenigen anzuschließen, die Maß halten, den Verbündeten Regierungen, könnten sich nicht wundern, wenn die Dinge nicht so kommen, wie sie es wünschten. Der Redner würdigte schließlich die Wirtsamkeit des Nautischen Vereins und seines Vorsitzenden.
Dresden, 18. Febr. Wie die „Dr. Nachr." aus zuverlässiger Quelle erfahren, ernannte der König den Oberstaatsanwalt beim Oberlandesgericht, Geh. Justizrat Otto zum Justizminister.
München, 18. Febr. Kammer der Abgeordneten. Im Lause der Debatte über den Etat des Ministeriums des Innern besprach Minister Frhr. v. Feilitzsch die im preußischen Abgeordnetenhause gefallenen Aeujjer- ungen über die Einfuhr österreichischen Viehs nach Bayern. Solche Einfuhr erfolge erstens in den Schlachthöfen der großen bayerischen Städte und zweitens als Einfuhr von 9iutz- und Zuchtvieh in die Grenzbezirke für den eigenen Wirtschaftsbedarf. Die Einfuhr in die genannten Schlachthöfe vollziehe sich unter den weitgehendsten seuchenpolizeilichen Kautelen, alle krankheitsverdächtigen Tiere würden an der Grenze von dem dieselben untersuchenden Tierarzt unweigerlich zurückgewiesen. Der Transport der Tiere in die Schlachthöse erfolge in plombierten Wagen, in den Schlachthöfen blieben dieselben ganz abgesondert und müßten binnen zwei Tagen geschlachtet werden. Von 1897 bis 1902 sei keine Seucheneinschleppung aus Oesterreich in bayerische Schlachthöfe erfolgt. Tagegen seien im Jahre 1900 sieben Mal, im Jahre 1899 sogar elf Mal Seuchen aus Preußen nach Bayern eingeschleppt worden. Ter Minister weist sodann nach, daß auch bezüglich der Einfuhr in die Grenzdezirte zum Selbstbedarf strengste Kontrolle geübt und das betreffende Vieh nicht weiter expediert werde. Der Stand der Maul- und Klauenseuche sei zur Zeit in Bayern ein günstiger. Es fei fein Beweis erbracht, daß die Seuche aus Bayern nach den benachbarten Staaten verschleppt worden sei. Die bayerische Regierung werde nach wie vor die Maßnahmen gegen Seuckjen streng durchführen. Die im preuß. Avgeordneten- hause vorgebrachten Anklagen entbehrten jeder Begründung.
nungen in einem einzigen Raum mit Zubehör, und in Köln 13%, in München 17,5%, in Breslau 41,5% (!) sogar in einer Stube ohne Zubehör. In Altona 9% Kellerwohnungen. In Breslau sind 35% der Bevölkerung so zu leben ge» i roungen. Sozial unglaubliche Verhältnisse! Sodann ist hin- ; uw eisen auf das Schwab'sche Gesetz, nach welchem die Miete einen umso höheren Prozentsatz des Einkommens verschlingt, e geringer dieses letztere ist. Ein Einkommen von 600 Mk. zahlt 30%, von 5000 Mk. nur noch 17% für Miete. Von einem Durchschnittseinkommen von 800 NA. in Berlin gehen für Miete 250 Mk. für eine Stube und Küche ab. Welche Ingerechtigkeit! Zu helfen ist einerseits (negativ) durch staatliche Kontrollierung der Wohnungsverhältnisse, wie sie in Hessen durch das Wohnungsinspektionsgesetz von 1896 eingeführt wurde. Diese Inspektion hat die Wohnungsnot also nur verschlimmert, weil ihr andrerseits noch nicht (positiv) die Schaffung neuer guter Wohnungen vorher gegangen war. Diese ist am besten (wie das Beispiel Englands lehtt) durch organisierte Selbsthülfe, die sog. Bau- und Spargenossenschaften möglich. Was die Mietpreise vor allem in die Höhe treibt, ist die Spekulation mit dem Bodenwert. Ihr ist am leichtesten durch eine gerechtere Besteuerung beizukommen. Die Gemeinden sollten unbebautes Land (wie es ihnen Miquels Reform gestattet) nach dem gemeinen Wert oder die Zuwachsrente (wie es in Kmotschou mit 33% geschehen ist) besteuern, welche durch Thätigkeit der Gemeinschaft, nicht des Besitzers (also etwa durch öffentliche Verkehrsanlagen rc.) bewirkt wurde. Auf diese Weise hat z. B. Düsseldorf statt 24 000 202 000 Mk., Breslau statt 11000 315 000 Mk. Einkünfte erzielt (Damaschke, Gemeindepolitik 1,50 Mk.). Die Frage könnte auch hier in Gießen angegriffen werden. Unsre junge Partei ist leider noch nicht stark genug zu dgl. Doch hoffen wir, daß sich eine Einigung mit anderen Parteien für diese bedeutsame Aufgabe wird erzielen lasten. Damaschke, der diesen Monat leider verhindert war, wird im Sommer jedenfalls nach Gießen kommen.
** Liebknecht. Zu der Notiz „Liebknechts Abstammung" in unserer Montagmorgen-Ausgabe erhalten wir folgende Zuschrift, die manchem unserer Leser nicht unwillkommen sein dürfte. Herr F. S. schreibt uns: Bei Gelegenheit seines wohl letzten Besuches in Gießen im September 1899 sprach Lieb- necht in Klein-Linden — es war kurz vor der Landtags- wahl in Gießen-Land — über „Die hessischen Landtagswahlen". Auf das angekündigte Thema selbst ging er nur kurz am Schlüsse mit wenigen Worten ein, während er hauptsächlich die wirtschaftliche Entwickelung Deutschlands im Verlause der letzten 50 Jahre in großen Zügen behandelte. Dabei kam er auch vorübergehend auf die religiösen Verhältnisse und die Reformation in ihrer Wirkung für Deutschlands Entwickelung zu sprechen und meinte schließlich, gleichsam zur Beruhigung der Zuhörer: „Ich will nichts gegen die Reformation sagen, gehöre ich doch selbst einer Familie an, die sich rühmt, von Luther ab zu stamm en."
** Großh. Hessische Landes-Lotterie. Im Anschluß an die Mitteilung aus der „Eisenacher Tagespost" über die m Ansicht genommene Verschmelzung der Thüringisch- Anhaltischen mit der Hessischen Landeslotterie glaubt' das „Darrnst. Tagebl." aus guter Quelle versichern zu können, daß auch noch mit der Württembergischen R egierung aussichtsreiche Verhandlungen über die Angliederung auch des Württemberger Landes an unsere Lotterie chweben. Kommen dieselben zu einem günstigen Abschluß, o dürfte eine abermalige Vermehrung der Anzahl der Lose die nächste Folge fein.
** Ein Radaubruder. Ein Bewohner der Grünberger- straße, der in der vergangenen Nacht des Guten zu viel gethan hatte und sich in einer Wirtschaft den Gästen gegenüber renitent und unanständig benahm, wurde von dem Wirt vor die Thür gesetzt. Auf der Straße verursachte er ruhestörenden Lärm und leistete dem hinzu kommenden Schutzmann keine Folge. Er wird sich wegen Beamtenbeleidigung, Hausfriedensbruchs und Ruhestörung zu verantworten haben.
** Jagdverpachtungen. Die Wald- und Feldjagd in Steinsurt wurde von Herrn Tielemann Bad Nauheim für die jährliche Pachtsumme von 1800 Mark erworben. Somit geht auch diese Jagd an die Nauheimer Jagdgesellschaft über. — Das Gesamtergebnis bei den Neuverpachtungen der Jagdflächen der ehemaligen Gemeinde Bessungen und der in den Gemarkungen Roßdorf, Bessungen, Nieder-Ramstadt und Ober-Ramstadt dem Großh. Fiskus zugehörigen Jagdflächen war ein Rückgang im Preise von 5315 Mark auf 3870 Mark, also um 1445 Mark weniger. — Gestern wurde die Feld- und Waldjagd, zusammen 2643 Normalmorgen in Bleichenbach auf 9 Jahre verpachtet. Bisher war die Jagd an eine Offenbacher Gesellschaft für 550 Mark abgegeben morden; nunmehr sind Rentner Cloos-Nidda und Koch-Bad-Nauheim Pächter geworden für jährlich 935 Mark. — Am 17. erfolgte in Lang-Göns die nochmalige Verpachtung der Jagd des Bez. 1 (Wehrholz), die am 7. für den früheren Preis von 500 Mark an den seitherigen Pächter Konrad Wagner in Kirchgöns übergegangen war. Jetzt erhielt Joh. Heinr. Bauer-Sachsenhausen die Jagd für 855 Mark, also 355 Mark mehr als bisher. Sogleich nach erteilter Genehmigung übergab der Pächter dem Bürgermeister Rompf 20 Mark zur Verteilung an bedürftige Ortsarme. Auch die Verpachtung der Bezirke 1 und 2 wurde genehmigt. Da aus diesen beiden Bezirken ein Mehrertrag von 485 Mark jährlich erzielt wurde, hat die Gemeinde einen Mehrerlös von 5040 Mark in den nächsten 6 Jahren.
ii Lich, 17. Febr. Heute Mittag ereignete sich hier ein bedauerlicher Unfall. Dem Kutscher des Hofrats Dr. Stamm gingen auf dem Nachhausewege die Pferde auf der Gießener Straße durch und rannten in rasendem Laufe die Butzbacher Straße hinab, an deren Ende sie auf die Seite getrieben und zum Stehen gebracht wurden. Der Kutscher war unterwegs vom Bock geschleudert worden und wurde in bewußtlosem Zustande ins Spital gebracht, wo er im Laufe des Tages wieder zu sich kam. Gefahr für ihn scheint nicht vorhanden zu sein. Hofrat Dr. Stamm, der sich im Koupee befand, ist mit dem Schrecken daoongekommen. Pferde und Wagen haben keinen Schaden genommen; nur ein Zugstrang ging entzwei.
Grünberg, 18. Febr. Nunmehr ist auch für unsere Stadl die Errichtung einer Stadt-Fernsprecheinrichtung in Aussicht genommen, wenn sich eine genügende Anzahl von


