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18.11.1902 Erstes Blatt
 
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Nr. 871

r|$el*t täglich anbei Sonnlag#.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dein hessischen Landwirt die Siebener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt.

FtolalionSdruck u. Ver­lag bei Brühl 'schen Univers.-Buch- u.Slein- drackerettPletsch Erben) Hebaftton, ErpedUtoa und Druckerei:

Schatfiraße 7.

ftbiefle tüt Depeschen» Anzeiger Gießen.

^erniprrchanichlußAt 51.

Erstes Blatt.

158. Jahrgang

Dienstag 18. NovemberRSVS

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger u

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen

tJeinflOreiti monatlich 76 Ps^ otertfln lahrlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pi.; durch diePost DK.2. otertek jährl. ausschl. Bestell-» Annahme von Anzeige» sür die TageSnurnrn« bi# vormittag» 10 Uhr. ZeUenpreiS: lokal 12Ps^ auSwätt# 20 Psg.

Beranlwortlichr für den pollt a. allgem. fcetl; P. Wtttko: fül ,Stadt und Canb* und (Serichtssaal^ 6 all Plato^ sür den An- zeigenleil: Han# Beck.

Das Attentat gegen den öelgischen König.

Die Untersuchung in der Attentats-Angelegenheit wird natürlich in der belgischen Hauptstadt lebhaft fortgesetzt. Der Prokurator verhörte den Brüsseler Anarchisten Mestag, den Herausgeber des Anarchisten .Flambeau". Er hatte sich dem Prokurator freiwillig zur Verfügung gestellt, um diesem über seine Beziehungen zu dem Attentäter Auftlärung zu geben. Ferner wurde ein junger Italiener, welcher Rubino in London kennen gelernt hatte, vernommen. Das Verhör förderte jedoch Neues nicht zu Tage. Bei zahlreichen Freunden Rubinos wurden Haussuchungen vorgenommen und 80 Personen wegen ungenügender Legitimationen über die Grenze befördert. Am Montag Vormittag wurde Keir-Hardic, Mitglied des englischen Unterhauses, in einem Brüsieler Hotel ver­haftet. Wahrscheinlich kannte die Polizei seine Persön­lichkeit nicht. Ketr-Hardic wurde trotz seines Protestes, ob­gleich er sich legitimieren wollte, zum Polizeibureau geführt, wo er nach Feststellung seiner Persönlichkeit sofort entlassen wurde. Der Abgeordnete, welcher sich auf der Durchreise von Frankreich nach Deutschland in Brüsiel aufhielt, begab sich nach der englischen Gesandtschaft, um gegen seine Ver­haftung zu protestieren.

Es stellt sich jetzt heraus, daß Rubino sehr wohl wußte, daß der König in dem Wagen, auf wel­chen er schoß, sich nicht befand. Aber da der König vorüber war, bevor er schießen konnte, und er nun einmal schießen wollte, so that ec es trotzdem! Rubino erklärte weiter, daß er ursprünglich den englischen König habe ermorden wollen, doch habe er das englische Volk für so dumm gehalten, daß es aus der Ermord­ung doch keine Lehre gezogen hätte. Darauf hätte er die Absicht gehabt, seinen eigenen König zu ermorden, doch hätte ihm das Reisegeld nach Italien gefehlt. DemDaily Ehronicle" zufolge kam Rubino vor sechs Jahren nach London und hatte dort einen Zeitungsladen. Vor etwa zwei Jahren zog er nach Glasgow, wo er ein Restaurant hatte und vor etwa neun Monaten kam er, reichlich mit Geld versehen, nach London zurück. Er miethete dort ein Haus, in welches ec mittellose Kameraden frei aufnahm, kaufte dann eine Druckpresse und Typen, um ein revolutionäres Blatt zu drucken. Wenige Tage darauf wurde er aber als Polizei­spion denunziert. Die Anarchisten sollen eine Versammlung veranstaltet haben, auf der Rubino über sein Treiben Rechen- schäft geben sollte. Rubino kam nicht, schickte aber einen angen Brief, in dem er zugab, er sei ein Polizeispion, doch sei sein wahrer Zweck, der Sache des Anarchismus zu helfen und die Spione unter seinen Landsleuten zu entdecken. Rubinos Rechtfertigung wurde nicht angenommen und er vurde zum Verräter erklärt. Dies geschah im Juli fteses Jahres und seitdem ist Rubino nicht mehr in London reschen worden.

Aus Brüssel wird ferner noch gemeldet, daß sich unter oen Sympathie-Telegrammen, dieKönigLeopold erhielt, ruch em herzliches G l ü ck w u n s ch-Telegramm s c in e r T o ch t e r, der Gräfin Lonyay, befand. Der König beharrte aber ti seiner ablehnenden Haltung und ordnete an, daß das Telegramm nicht beantwortet würde!

Als der König von Italien von dem Attentat er» chr, sprach er sich m bittersten Worten über das Verbrechen xu§, das leider? wieder ein Italiener begangen habe. Er

meinte, eS müsse doch endlich einmal ein Ende nehmen. Die gesamte Wiener Presie spricht ihre Genugthuung über das Mißlingen des Attentates aus. Das Fremdenblatt sagt, die Enttüstung, welcher die Brüsieler Presse Ausdrilck gibt, werde allenthalten geteilt, ebenso wie die Freude darüber, daß der Mordversuch mißlungen sei. Man wird diesem Wiener Blatte natürlich überall zustimmen. Das Giornale d'Jtalia" aber meldet aus Mailand, daß dort vor vier Tagen eine Versammlung von Anarchisten statt- gesunden habe und ein freudiges Ereignis für die Partei angekündigt wurde!

Höerst Kavel über seine Expedition nach dem Tsadsee.

Seinen an interessanten Erlebnissen überreichen Zug nach dem Tsadsee, wo bekanntlich das deutsche Besitztum zeitweise durch französische und englische Expeditionen be- eintrüchtigt zu werden drohte, schildert Oberst Pavel, der Kommandeur unserer Schutztruppe in Kamerun, in der neuesten Nummer des Deutschen Kolonialblattes. Er be­richtet zunächst über den Verlauf seines Vormarsches, der am 25. März angetreten wurde und ihn am 21. April nach Tikca, dem eigentlichen Ziele der Expedition, führte. Dann fährt der Bericht fort:

Schon in Bama, von wo aus ich dem Sultan von Tikoa meine demnächstige Ankunft anzeigte, erfuhr ich, daß Tikoa durch französische Truppen bessetzt sei. In Gaua, dem letzten Quartier vor Tikoa, wurde ich denn auch nicht nur vom Sultan von Tikoa, sondern auch von dem Rittmeister Tangeville vom Regiment der Spahis du Tsad, dem Kommandanten der französischen Truppen in Tikoa, empfangen. Nach ungemein liebenswürdiger Begrüßung bat mich Rittmeister Tangeville um eine Unterredung be­hufs Rechtfertigung der Anwesenheit seiner Truppe in Teutsch-Tikoa. Auch der Sultan von Tikoa, Sanda, sprach mir in einer Unterredung feine Dankbarkeit für das Er­scheinen der deutschen Truppe in seinem Lande aus, da dadurch die Verhältnisse geregelt würden und er nicht mehr von englischer und französischer Seite bedrängt werden konnte. Am nächsten Tage, dem 21. April, traf ich vor Tikoa ein, dortselbst von dem Rittmeister Tangeville und seiner Truppe (50 Mann Spahis unter einem meisten Wacht­meister) und dem Heere des Sultans in Stärke von etwa 1000 Reitern und 5000 Mann Fußvolk, sämtlich mit den wunderbarsten Gewehren bewaffnet, empfangen. Nachdem ich meine Kompagnie vor der Front des Sultanheeres auf­gestellt hatte und gegenseitige Ehrenbezeugungen aus­getauscht waren, die bei dem Heere des Sultans aus ohrenbetäubendem Geschrei, in die Lust Wersen und Wieder­auffangen der Gewehre bestanden, ritt ich die Front der Truppen ab, hierbei auch wieder von jeder einzelnen Abteilung mit großem Geschrei, Waffenschütteln nsw. be­grüßt. Nach einem Vorbeimarsch sämtlicher Truppen fand der offizielle Einmarsch in Tikoa statt. Tausende und aber Tausende von Einwohnern auf den Strasten und auf den flachen Tächern der im arabischen Stil gebauten Häuser, auf meinen Weg Blätter streuend, rechts und links von mir Hunderte von Weibern, die mit Straußen- wedeln mir frische Luft zufächelten so zog ich, an dem Sultanspalast vorbei in den alten Palast des Rabbey ein, der jetzt von den französischen Truppen verlassen mar. Ter Freundlichkeit des Rittmeisters Tangeville hatte ich zu danken, daß für den ersten Tag dort für meine Expedition Verpflegung niedergelegt worden war. Schon am Nachmittage wurden auf dem Hauptplatz von DiLoa,

einem Platz in quadratischer Form mit 600 Meter Seiten­länge, Reiterfestspiele mir zu Ehren abgehalten. Die dabei entwickelte Pracht in den Anzügen, Ausrüstungen der Pferde, das vorzügliche Material der letzteren, die Ge­wandtheit und Geschicklichkeit der Reiter, das alles mochte einen überwältigenden Eindruck.

Am 22. April vormittags 10 Uhr waren zur Feier der Besitzergreifung Teutsch-Bornus sämtliche Truppen in einer Art Paradeaufstellung aufgestellt. Nach Hissung der deutschen Flagge auf dem von mir bewohnten Palast, einer Ansprache meinerseits, und nachdem unter präsentiertem Gewehr drei Hurrahs auf Seine Majestät den Kaiser ausgebracht waren, erklärte ich den Sultan Sanda als von der deutschen Regierung bestätigt. Ein großes Freudengeschrei der sämtlichen Einwohner, die als Zuschauer dienten, und wohl die Zahl von 40 000 erreichten, schloß die Feier, die mit einem Parademarsch und einem großartigen Reiterfestspiel endigte. Noch stundenlang nach, her wogte die freudig erregte Menge auf dem Platze auf und ab. Nachdem ich dann noch dem Sultan Sanda in seinem Palast einen Besuch abgestattet und er mir kurz darauf den Besuch erwidert hatte, wurden gegenseitig zwischen uns beiden Geschenke ausgetauscht, die seinerseits aus vier schönen Hengsten und einer Unmenge Ledims- mitttel für meine Expedition bestanden.

Oberst Pavel schließt den ersten Teil seines Berichts mit der Mitteilung, daß er zur dauernden Sicherung der errungenen Vorteile in Dikao den Oberleutnant von Madai mit 50 Mann zurückließ und für die definitive Uebemahme des Postens den Oberleutnant Dominik oder von Bülow bestimmte.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 18. November 1902.

Gedenktage. In Wien starb am 19. November 1828 der Liederkomponist Franz Schubert. Er war als Sohn eines Schullehrers in Lichtenthal bei Wien am 31. Januar 1797 geboren. Von 16 Jahren an war er Schulgehilfe seines Vaters und schrieb in seinen Musestunden damals sechs Opern und Singspiele, Mesien, Sinfonien und Lieder. DerErlkönig- und derWanderer" stammen aus seiner Jugendzeit. Die größte Zahl seiner Lieder, etwa 700, gelangte erst in neuerer Zeit zu allgemeiner Verbreitung. Selten hat ein Komponist in einem so kurzen Leben eine gleiche Fruchtbarkeit offenbart.

** Winterkuren in den Lungenheilan­stalten. Interessenten seien darauf aufmerksam gemacht, daß in der von der JnvalidenversicherungsanstaltGr. Hessen" bei Sandbach i. O. errichtetenErnst-Ludwig-Heil- ftätte" nicht nur in den Sommermonaten, sondern auch während der Winterzeit männliche Lungenkranke Aufnahme finden Eöonnen. Es werden nicht nur Mitglieder der reichs­gesetzlichen Invalidenversicherung aufgenommen, sondern es sind en auch andere lungenkranke Mnner gegen einen mäßigen Verpflegungsscch 4,50 Mk. täglich Aufnahme. Tie erste und wichtigste Voraussetzung für alle Aufnahmen ist die, daß die Krankheit noch nicht soweit vorgeschritten ist, daß sich der Erkrankte also im Anfangsstadium be­findet. In allen Fällen must der behandelnde Arzt ein Zeugnis ausstellen, aus dem zur Genüge hervorgeht, wie die Krankheit aufgetreten ist, wie chr bisheriger Verlaus war, tumb ob Aussicht vorhanden ist, daß Wiederherstellung oder doch wesentliche Besserung durch eine Kur in einer Lungenheilaustalt zu erwarten ist. Ungeeignet für die Ans-

Feuilleton.

m. Ein Willem de Haan-Abend in Darm­stadt. Man schreibt uns: Es ist ein Verdienst de-s Richard Wagner-.Vereins in Darmstadt, daß er solche Soireen, welche dem Schaffen einzelner moderner Ton­dichter gelten, einem größeren Publikum zugänglich macht. Als feinsinniger Dichter für das Pianoforte kam der Kom­ponist an seinem Ehrenabend zuerst zu Gehör. Viele Piecen spielte er selbst, andere in Gemeinschaft mit Arnold Rendels sohn, dem Dirigenten des Wagnervereins. Der ,okale Teil bestand ans Liedern, Ensemble- und Chorsätzen; 'm der Wahl der Texte vergegentvärtigte er die Anpas snngs- sähigkeit de Haans an die verschiedenen Phasen deutscher schrik, von Uhland, Bodenstedt, dloquette bis zu Stephan George und seinen Nachahmern. In diesem Gefühls­reis bewegten sich die Bokalbompositionen, bei deren Interpretation drei erste Kräfte der Hofoper, die Damen ^.olli, Rödiger und Kapust, der Tenorist Joseph T y s s e n aus Frankfurt und aktive Mitglieder des Musik- lereins mitwirkten. Ter große Kvnzertraum des Kai.er- ,aals war ausverkauft. Wir wünschen nur, daß man sich lier auch bald wieder der Opern de Haan's erinnern möchte. Seine nach einer Novelle von Multatuli gear­beitetenJnkasöhne" sind musikalisch inhaltsreicher als "o manche fragwürdige. A

Frankfurt, 17. Nov- Bildhauer Professor Karl Weber, der Fachlehrer der Holzbildhauerllasse der hie­sigen Kunstgewerbeschule, ist nach längerer Krankheit im Alter von 42 Jahren gestorben. W- war in Stuttgart geboren. Nach abgelegten Studien war er lange Zeit als künstlerischer Leiter in großen Firmen zu Stuttgart und Mainz in Stellung. 1896 tarn er in die hiesige Kunstge- werbeschule, an der er bis zu seiner Krankheit mit großer pflichttreue wirkte.

Berlin, 17. Nov- Am 10. November, Schillers Ge­burtstag, hätte nach dem am 1L November v. I. ver­öffentlichten Statut des Schillerf)reises die Zuteilung dieses Preises durch den Kultusminister bekannt gegeben werden müssen. Das ist nicht geschehen. TieVoss. Ztg.", die darauf aufmerksam macht, fragt, ob auch in diesem Jcchre der Preis nicht verliehen werden solle oder ob sich keine Kommission gefunden habe, die dem Kaiser rechtzettig Vorschläge unterbrcüete.

Diehl, Wilh., Lic. theol. D. phäl. ev. Pfarrer zu Hirschhorn a. Neckar. Die Schulgründungen und Schul­meister der Obergrafschast Satt en einbogen in den Zeiten von der Reformation bis zum Jahre 1635. V, 143. Darm­stadt 1902. Johs. Waitz. Mk. 2.. Vorliegendes neuestes Buch von Diehl erbringt wieder einmal den Beweis, daß in der hessischen Geschichte noch eine Fülle ungelöster Pro- bleme steckt, daß Anschauungen, die traditionell fort­geschleppt werden, bei näherer Prüfung als falsch sich er­weisen. Man ist es bei Diehl schon gewohnt, daß seine neuen Funde"' oderneue Materialien" stets nicht sowohl Ergänzungen als vielmehr Korrekturen des bisherigen Ge­schichtsbildes bieten. Dieses Mal gilt fein Studium dem hessischen Schulwesen; und es setzt sich die Aufgabe bereu Lösung auch völlig gelingt aufzuweisen, daß die bisherige Ansicht von dem Tiefstand des hessischen Schul­wesens in der Nesormationszeit falsch, das Bild vom armen Schulmeister", der als Küster, Glöckner u. dgl. noch allerlei Nebendienste thnin mußte, ein Zerrblld ist. Tie Akten, deren mühevolle Durcharbeitung Diehl sich nicht hat verdrießen lassen, lehren Anderes. Allerdings gab es in Hessen eine Anzahl vonWinkelschulen", die von Küstern, Glöcknern oder anderen geleitet wurden, aber einmal sind wir nicht in der Lage, Genaueres und Näheres über sie auszusagen, und ferner galten sie amtlich nicht als Schulen; sie wurden geduldet und konnten pasfieren, ohne daß die

kirchliche Obrigkett sich chrer weiter annahm. Amllich kamen nur die sogen,eingerichteten Schulen" in Frage; mit ihnen allein beschäftigt sich Diehls Buch vornehmlich. Ter Schulen in der Obergrafschast zu Philipps des Groß­mütigen Zeit gab es nur 9:: in Groß-Gerau, Darmstadt (hier zwei). Zwingenberg, Auerbach, Arheilgen, Trebur, Groß- Bieberau, Cberramftabt), vier von ihnen sindeingerichtet". Unter Georg L, dem ,/Vater des hessischen Bolksschul- wosens", steigt die Zahl auf 19, unter Ludwig V. (1596 bis 1626) und Georg II. (1635) steigt sie wiederum, und namentlich wird das bisher Eingerichtete weiter ausge­baut. Was über die einzelnen Schulmeister, chr Einkommen, ihre Lebensart aus den Akten zu entnehmen war, (kultur­historisch z. T. sehr interessantes Material), hat Wich. Diehl genauer jufammengetragen, insgesamt werden etwa 200 Landschulmeister namhaft gemacht. Von diesen hatten etwa 87i/2 pCt. ein Universitätsstudium hinter sich, in der Periode vor 1626 ist der Prozentsatz sogar noch höher! Wertvoller noch ist der Nachweis, daß 74 Prozent dieser studierten Schullehrer späterhin ins Pfarramt ubergetreten sind, und diese durch den Schuldienst hindurchgegangenen Pfarrer haben etwa 80 pCt. der Gesamtzahl der Pfarrer betragen man sieht, daß es mit dem hessischen Schulwesen um die Zeit des 30jährigen Krieges, wenigstens in der Ober­grafschaft gut bestellt war. Um seinen statistischen Nachweis zu erbringen, hat Diehl eine nahezu lückenlose Liste der Pfarrer in den einzelnen Ortschaften aufgestellt für die Pfarreigeschichte außerordentlich dankenswert! Wir mochten wünschen, daß das wertvolle Buch Anregung gäbe, auch in den übrigen hessischen Provinzen der Schul- und Pfarreigeschichte durchzugehen. Wären nur erst einmal die Pfarreiarchive durchforscht! Und wenn so oft auf Anregung hin die Antwort kommt: Wir wissen nicht, wie's gemacht wird! nun, so lese man es bei Diehl nach, der Har und deutlich zeigt, worauf es ankommt. K.