Ausgabe 
18.10.1902 Viertes Blatt
 
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töte hn Voraus wüßten, bis zu welchen TStzen eine vertragsmäßige Herabsetzung dieser im Tarif vorgesehenen erhöhten Jnduftriezölle beabsichtigt wird, und ich kann Sie versichern, daß in den Kreisen meiner Berufsgenossen sich ernste Befürchtung geltend macht, daß durch einen zu weit gehenden Schutz der Großindustrie wiederum solche schwierigen Verhältnisse hervorgerufen und verstärkt werden könnten, wie sie bereits jetzt die Landwirthschaft schwer schädigen. DaS würde Alles zu vermeiden gewesen sein, wenn wir einen Doppeltarif bekommen hätten. Leider aber hat eine Strömung des Großkapitals Oberhand behalten, und so haben wir an Stelle des Doppeltarifs diesen Einheitstarif bekommen. Das ist mir sehr bedauerlich. Die Hauptsache ist, daß unter allen Umständen eine Besserung der Lage der Landwirthschaft herbeigeführt wird, denn nicht nur die Landwirthschaft als solche, sondern auch alle Betriebe, die mit ihr verbunden sind, liegen völlig darnieder. Die geringe Rerrtirung des Getreidebaues hat zu viele deutsche Landwirthe veranlaßt, Zuckerrübenbau zu treiben. Daher die Ueberproduktion. Es ist dringend nothwendig. daß der Getreide­bau wieder lohnend wird. SBir verlangen gleiches Recht für Alle; alle heimischen Produkte müssen in gleicher Weise geschützt werden. Sie werden nicht sagen können, daß wir mit unseren Forderungen das Maß des Erlaubten überschreiten. (Lachen links, Beifall rechts.)

Abg. Herold (Centt): Der Abg. Gothein hat eine Reihe von Professoren zitirt. Nun, mit Professorenzitaten kann ich Alles be­weisen. (Heiterkeit.) Die Erhebungen des Reichsamt des Innern haben die Nothlage der Landwirthschaft unumstößlich bewiesen. Wie Herr Gothein mit Professor Conrad von einer Steigerung der Bodenrente reden kann, ist mir unbegreiflich, das ist eben eine Argumentation von Professoren. Es wird fortgesetzt von Brod- wucher gesprochen. Aber wer treibt denn Brodwucher? Der, der Anspruch erhebt, Brod zu essen zu einem Preis, durch den Mil­lionen von Existenzen ruinirt werden, oder der, der für seine Pro­dukte angemessene Preise verlangt? Die Antwort kann nicht schwer sein. Was nun die vorliegenden Anträge betrifft, so ist es klar, daß ein Zollsatz, wie ihn der Antrag Wangenheim verlangt, nicht zu erreichen ist. Im Reichstag ist dafür keine Mehrheit vorhanden, und der Bundesrath würde auch seine Zustimmung versagen. Wenn die Sache so liegt und man trotzdem mit solchen Anträgen kommt, so können sie keinem anderen Zwecke dienen, als dem der Agitarion. (Sehr richtig I im Centrum.) Und diese Agitation, nur um Un­zufriedenheit hervorzurufen, machen wir nicht mit. (Zustimmung im Centrum.) Wir beschränken uns daher auf das, wofür eine Majorität da ist und was wir erreichen können. Gerade der Um­stand, daß der Antrag von den Führern des Bundes der Landwirthe gestellt ist, die doch ganz genau wissen, daß ihre Forderungen nicht erfülll'ar sind, bestärkt mich in der Ansicht, daß der Antrag nur die Agitation entfachen soll. (Hörti hört! im Centrum und links.) Damit befolgt der Bund der Landwirthe keine andere Taktik als die Sozialdemokratie (Lachen bei den Sozialdemokraten), nur nach entgegengesetzter Seite. Ich hoffe, daß die Freunde der Land­wirthschaft sich auf das Erreichbare konzentriren (Abg. Singer: Werden Sie auch nicht kriegen!) und sich auf den Boden der Kommissionsbeschlüsse stellen. Darüber, daß ein Theil der Konservativen für den Antrag Wangenhcim stimmen will, kann ich nur mein außerordentliches Befremden ausdrücken. Die konservative Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses, in der doch ein großer Theil derselben Herren sitzt, wie im Reichstage, und die sich von der konservativen Reichstagsfraktion nur dadurch unterscheidet (Abg. Singer: daß sie Diäten bekommt!), daß sie drei Mal so stark ist, hat sich für den Kompromißantrag der Kommission erklärt. (Hört! Hört!) Da ist es doch Inkon­sequenz, wenn dieselben Herren hier erklären: wir stimmen für 7,50 Mk. Ich betrachte oas als bloße Demonstration, um nach außen hin zu dokumcntiren, wer am meisten für die Landwirthschaft gethan hat, und ich hoffe, die Herren werden nachher doch für den Kommissionsantrag stimmen. Zu meinem Erstaunen habe ich heute einen Antrag Heim auf meinem Tische gefunden. Obwohl Herr Dr. Heim bei unseren Fraktionsbcrathungen zugegen gewesen ist, ist der Antrag mir und meinen Freunden vollkommen überraschend. (Hört! Hört!) Der Abg. Dr. Heim ist nicht hier; seine Ansichten kenne ich nicht; ich kann Sie aber auch diesem Antrag gegenüber nur bitten, einmüthig festzuhalten an den Kommissionsoeschlüsscn. Auch die christlichen Bauernvereine, die vor einigen Tagen hier getagt haben, wollten einen Zoll von 7,50 Mk. Sie haben sich aber mit Rücksicht auf die thatsächlichen Verhältnisse einmüthig für den Kom­missionsbeschluß ausgesprochen. Nur der rheinische Bauernverein beobachtete eine abweichende Haltung. Hinter den Bauernvereinen, die gegenüber den Forderungen des Bundes der Landwirthe so mäßig auftrcten, stehen 250 000 Landwirthe, und zwar durchweg

größere und mittlere Landwirthe, die genau wissen, daß die Schutz­zölle aus Getreide ebenso nothwendig sind, wie die auf Vieh.

Nun zu den Ausführungen des Reichskanzlers! Mit seinen allgemeinen wirthschaftspoftriscken Grundsätzen find meine Freunde voll und ganz einverstanden. Auch wir wollen der Landwirthschaft Helsen; auch wir wollen, daß die Industrie blüht und gedeiht, auch wir wollen, daß Handelsverträge nach Möglichkeft abgeschlossen werden, und zwar langftistige Verträge, weil die allein der Industrie Beruhigung bringen können. Auch darin sind wir mit ihm einver­standen, daß, so Wünschenswerth und erslrebenswerth Handels­verträge sind, wir sie niemals abschließen dürfen um jeden Preis, und gerade auf dies Moment in den Ausführungen des Kanzlers lege ich ganz besonderes Gewicht. Nicht einverstanden sind wir mit den Konsequenzen, die der Kanzler aus seinen allgemeinen Grund­sätzen für die Praxis gezogen hat. Für die Höhe der Zollsätze soll maßgebend sein die allgemeine Volkswohlfahrt und zweftens das Zustandekommen von Handelsverträgen. Nun, was die all­gemeine Volkswohlfahrt betrifft, so wird eine Partei mit der Ver­gangenheit wie die, der ich anzugehören die Ehre habe (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten), eine Partei, die zuerst für den Arbcitcr- schutz eingetreten und mit eiserner Konsequenz den Arbeiterschutz langsam weiter verfolgt hat, die allgemeine Volkswohlfahrt stets im Auge behalten. Die Konsequenz erfordert es aber, daß man auch dem Bauernstand den gebührenden Lohn zusichert. Auch der Bauer ist ein Arbeiter, wenn auch kein Lohnarbeiter. Es wäre eine Ungerechtigkeit, ihn umsonst arbeiten zu lassen, während der Lohnarbeiter ein auskömmliches Dasein führt.

Der Arbeiter soll durch die Lebensmittelzölle zu sehr belastet werden! Was kann es aber für das allgemeine Volkswohl aus­machen, wenn z. B. auf das Vieh, das nur 4,2 Prozent der Ein­fuhr ausmacht, ein mäßiger Zoll gelegt wird? (Präsident Graf B a l l e ft r e m erinnert den Redner daran, daß man nicht bei der Berathung der Viehzölle sei.) Wenn durch die Zölle vielleicht wirk­lich eine kleine Mehrbelastung für die Arbeiter eintritt, so hat das Centrum auch da schon Vorsorge getroffen. (Lautes Gelächter bei den Sozialdemokrctterch Wir haben einen Antrag eingereicht, daß die gefammte Einnahme, die dem Reich aus den Lebensmittelzöllen erwächst, für die Wittwen- und Waiserversicherung verwandt werden soll. (Lachen bei den Soz.) Allerdings kann man uns sagen:Ja, das heißt ja dem Arbeiter auf der einen Seite geben, auf der andern nehmen!" (Zurufe links: Allerdings! Sehr richtig! Heiterkeit.) Aber das ist nicht richtig. Ein fehr großer Theil der Zölle wird doch jedenfalls vom Auslande getragen (Widerspruch links.), und das ergiebt doch ein Plus an Einnahmen für die Arbeiter. Auch ergiebt der Ächeil der Zölle, der von den besitzenden Klassen getragen wird, eine Mehreinnahme für die Arbeiter. Ich bin überzeugt, wenn unser Antrag Gesetz wird und später die Arbeiter gefragt werden:Wollt Ihr, daß die Zölle aufgehoben werden, damit aber auch die Wittwen- und Waisenversicherung?", so werden sie sich einstimmig für die Bei­behaltung der Zölle aussprechen. (Zuruf bei den Soz.: Wir nicht!)

Unsere Fraktion hat Alles, was möglich war, gethan, um mit der Regierung auf einer Mittellinie zusammenzukommen. In meiner Fraktion sind doch Vertreter der verschiedensten Berufsstände vereinigt, und wenn diese Fraktion sich ein stimmig kürdasKompromiß erklärt, so glaube ich, ist das ein Votum, dem ebenso viel Gewicht beizulegen ist, wie einer Entschließung der verbündeten Regierungen. (Lachen links, lebhafte Zustimmung im Centrum.) Wenn der Abg. Paasche sagte, weil wir es hier nicht mit einem Minister, sondern mit den verbündeten Regierungen zu thun hätten, so könnten wir nichts Anderes thun, als, da sie quod non sagen, zustimmen, so ist das ein Standpunkt, der die absolute Unfähigkeit des Reichstages proHamiren würde. (Lebhafte Zustimmung rechts, im Centrum, bei den Freisinnigen und Sozial­demokraten.) Die Ansichten der Regierungen wechseln doch fort­während. Denken wir an die Aera Bismarck, an die Aera Caprivi, an die heuttge Aera! Es ist ein ständiger Wechsel zu verzeichnen. Wir werden uns nicht abhalten lassen, auf dem, was wir für recht halten, zu beharren. Mehr als die Hälfte aller Erwerbs- thättgen sind heute in der Landwirthschaft beschäftigt. Wenn nun durch einen Handelsvertrag die Mehrzahl der Erwerbsthätigen ge­schädigt wird, so ist das ein verfehlter Handelsvertrag. (Sehr richttg! rechts und im Centrum.) Ich glaube aber auch nicht, daß die von uns verlangten Mindestzölle Handelsverträge unmöglich machen. Woher weiß denn der Herr Reichskanzler das? Graf Caprivi meinte, daß bei einem Zoll von über 3,60 Mk. der Ab­schluß von Handelsverträgen unmöglich fei. Graf Bülow meint, oaß dies bei einem Zoll von über 6 Mk. der Fall sei. Wie be- ftünmen sich denn solche Grenzend

Ich bin also mit meinen politischen Freunden btr Ansicht, daß an den Kommissionsbeschlüssen die Handelsvertragsverhandlungen nicht scheitern werden, wenn nur die nöthige Festigkeit bei der Re­gierung vorhanden ist. Wenn der Reichskanzler sagte, daß einem Hinausgehen über die Mindestsätze der Vorlage bei Getreide und einer Ausdehnung der Mindestzölle auf andere Artikel die Regie­rungen nickt zusnmmen könnten, so nehme ich an, daß biefcJBorte, so wie sie hier gesprochen sind, dock vielleicht nicht für alle Stadien Bestand haben sollen. (Große Heiterkeit links.) Denn wenn sie es sollten, so würde die Rede des Kanzlers eine ganze Kette von Widersprächen enthaften. Welchen Sinn hat eS dann noch, von einer Verständigung, von einer Einigung zu sprechen? Nach allge­meinem deutschen Sprachgebrauch gehört doch zu einer Verständi­gung ein Entgegenkommen von beiden Setten. Aber, wie gesagt, ick nehme die Worte nicht in diesem Sinne. Ich meine, der Kanzler würde für diesen Fall die Worte gebraucht haben: Unterwerft Ihr Euch nicht, so scheitert die Vorlage. Der Kanzler hat auch von der Auftechterhaltung des Ansehens des Reichstages gesprochen. Ich meine, wenn man den Reichstag herabsetzen will zu einem Ja-sage- Automaten, so wird sein Ansehen noch mehr hcrabgewürdigt als durch Lbstruttion. (Lebhafte Zustimmung.)

Wir werden an den Kommis sionSbeschlü.ssen f e st h a l t e n , denn wir sind überzeugt, daß wir damit der Re­gierung in der allerweitgehendsten Weise cnrgcgengelommen sind. (Lebhafte Zustimmung im Centrum.) Ich für meine Person kann sagen, daß ich in anderen Punkten noch zu weiterem Entgegen­kommen bereit bin (Aha! links), wenn davon das Schicksal der Vor­lage abhängt, aber in den Agrarzöllen sind wir fest. Wenn dann an dem Widerstande der Regierungen dieses große, für den Wohl­stand des Vaterlandes, für seine ganze Entwickelung bedeutsame Gesetz scheitern sollte, dann fällt die Verantwortung ausschließlich und allein auf die verbündeten Regierungen. (Lebhafte Zu­stimmung rechts und im Centrum.) Im ganzen Lande, in Nord und Süd, in Ost und West wird keiner fein, der anders denkt. (Er­neute Zustimmung.) Der Reichstag hat sich energisch bemüht, der Reichstag geht auseinander in dem Bewußtsein, seine volle Pflicht gethan zu haben. (Lebhafter Beifall im Centrum.)

Abg. Fischbeck (freif. Volksp ): Es kann keinen größeren Ge- müthsmenschen geben, als den Reichskanzler, wenn er dieser Kom­mission Tank schuldig zu sein glaubt. Der Reichskanzler wollte daS Unmögliche möglich machen, vernünftige HandelSverttäge schaffen und zugleich mit den Agrariern paktiren. Die Regierung steht in demselben Verhältniß zu den Agrariern wie Siegfried zu Kriem­hild, an dem Wamse Siegfrieds wurde das Blatt befestigt und in die verwundbare Stelle stieß Hagen seinen Speer. Ein Minister nach dem andern erklärte in der Kommission fein Unannehmbar und noch immer glauben die Agrarier nicht, daß die Regierung nicht nachgeben wird. Meinen Freunden ist es ganz gleichgilttg, ob 5, 5,50 oder 6 Mk. Zoll gefordert werden, wir nehmen keine dieser Positionen an, weil wir eine solche Verteuerung beS noth- wendigsten Nahrungsmittels nicht für berechtigt halten und weil wir langftistige, gute HandelSverttäge wollen. Wie wohlthättg unsere bisherigen Handclsverttäge gewirkt haben, sehen Sie am besten an dem Rückgang der Auswanderung. Die Auswanderung ist von 110 000 auf 18 000 Personen zurück- gegangen. Wenn man gute Handelsverträge schließen will, so konnte man keinen verkehrteren Weg als den der Minimalzölle wählen, weiß das Ausland doch ganz genau, wie groß das Aufgeld ist, das man ihm vorgeschlagen hat. Ich bin Gegner des Minimal­systems in jeder Form, würde es aber eher verstehen, wenn man für die 942 übrigen Positionen des Tarifs Minimalzölle einführte, als daß man dies gerade für die wichtigsten 4 Getteidearten thun will. Wie man die mittlere Linie des Reichskanzlers Herstellen will, ist mir völlig unklar. Es bleibt doch immer dabei: der Konsu­ment muß bezahlen und die Produzenten bekommen. Besonder» traurig ist es aber, daß man hier den Aermsten nimmt und den Reichsten giebt. Die Wittwen- und Waisenversorgung ist nur ein Schaugericht; mit Löffeln wird gegeben, waS scheffelweise ge­nommen wird. Wenn eS dem Grafen Kanih Emst ist mit seiner Drohung, die Jnduftriezölle herabzusetzcn, so versprechen wir unsere Mitarbett dabei. Noch nie ist die Begehrlichkeit und das Sonder- interesie so wachgerufen, wie bei dieser Vorlage. Wer eS ernst meint mit den Kulturaufgabon des Volkes, muß dies Gesetz und vor Allem diesen Paragraphen ablehnen. (Seifall links.)

Hierauf vertagt das HauS die wettere Berathung auf Sonnabend 12 Uhr.

Schluß 6% Uhr.

Heer und Flotte.

Koblenz, 17. Okt. Me dieKobl. Ztg." meldet, ist der Erbgroßherzog von Baden, kommandieren­der General des 8. Armeekorps, nach Karlsruhe ver­setzt worden und wird bereits beute Koblenz verlassen. Heute vormittag versammelte sich das gesamte Offizrer- korps zur Vcrabschicoung im Militärkasino. Ter Ober­präsident der Rheinprovinz Nasse und der Oberbürger­meister von Koblenz machten bereits am frühen Morgen Besuche. Am Sonntag wird der Erbgroßherzog voraus­sichtlich noch einmal nach Koblenz zurückkehren, wo dann ein Festessen sein wird.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 18. Oktober 1902.

** Zu den Landtagswahlen. Man schreib!! .Uns aus Grünberg: Kaufmann Moll, der von natio- .nalliberaler Seite als Kandidat für den Wahlkreis Grün- bcrg-Londvrf aufgestellt war, hat soeben unerwartet seine Kandidatur ab yelehnt. Er leidet seit etwa einem Vierteljahr an einem Mgenübel, das sich mehr und mehr .verschlimmerte. Man beabsichtigt nun, den bereits früher als Kandidaten erwähnten Apotheker Welker zu Allen- dorf <l d. Lumda aufzustellen. Am Sonntag soll eine große Wahlversammlung abgehaltcn werden. Ter Wahlkampf dürfte sehr heftig werden, da die Antisemiten alle Hebel in Bewegung setzen, um Redakteur Hirschel-Offenbach durch, zubringen. Aber auch die Nationalliberalen entfalten eine rege Thätigkeit. Tas Resultat des Wahlkampfes ist nicht vorauszu sehen.

** T ie Gesellschaft für Erd- und lker­kunde hielt am 15. Oktober im Heinen Saale des Hotel Großherzog ihre diesjährige gutbesuchte Generalver­sammlung ab. Ter Vorsitzende, Professor Dr. W. Sie­vers berichtete über den Stand der Ka,se. Tas Vorjahr schließt trotz großer Anforderungen, die au sie herantraten, mit einem lieber,chuß von 101.65 Mk. ab; um so erfreu­licher, als demnächst an eine Fortführung der Vereins­publikationen herangetreten werden muß. Tie Einnahme ist zum größten Teil das Ergebnis der Beiträge von 298 Mitgliedern; unter den Ausgaben figurieren 600 Mk. für 6 gehaltene Vorträge, ferner die Zeitschriften, welche die Gesellschaft bezieht, die laufenden Verwaltungsausgaben und ein Beitrag von 40 Mk. zu den zvosten des Mlonial-Kon- grosses in Berlin. Tem Rechner, Kommerzienrat Heichel­heim, wird unter lebhaftem Tank für seine Mühe Ent­lastung erteilt. Im Anschluß an den Kassenbericht wird be- schlossen, daß fernerhin an die Studieren aen Iahresabonnc- mentskarten für die Vortrage eines w inters zu 1.50 Mk. abgegeben werden soll«

Vortrag 1 Mk. betragen soll. Tie Herausgabe derGeo­

graph. Mitteilungen" hat zu einem großen Tauschverrehr mit den geographischen Vereinen und Zeitschriften des In unb Auslandes geführt. Nach langer Debatte entschloß man sich, diesen Bestand und fernere Eingänge gemäß den Vorschlägen der Universitätsbibliothek dieser zu über­weisen, jedoch unter der Voraussetzung, daß die Großh. Regierung später eine Gegenleistung der Gesellschaft zu- wenden werde, wie das auch anderen gelehrten Gesellschaften gegenüber geschieht. Tie Vorstandsmahl ergab die Wieder­wahl der seitherigen Mitglieder durch Zuruf; für das aus­geschiedene Mitglied Oberlehrer Fuhr wurde Oberlehrer Tr. M a r k e r t hinzugewählt. Nach dem AntragBichler soll der Vorstand eine Revision der Satzungen vorbereiten. Für die soeben beginnende Kampagne sind folgende Vor­träge in Aussicht genommen: Tr. Emil Deckerl - Steglitz: Tie westindischen Vulkanausbrüche (mit Lichcbildern); 30. Oktober. Tr. Theodor Koch-Berlin: Paraguay und Mato Grosso (mit Lichtbildern); wahrscheinlich am 20. lltovember. Tr. Max Friederich sen-Hamburg: Reise in den Tien- Schan (Zentralasien) im Sommer 1902 (mit Lichtbildern). Tr. Richard Kandt (Berlin): Ruanda und der Kiwu-See (Ostafrika). Hofrat Tr. B. Hagen-Frankfurt a. M.: Tie Battaklander in Sumatra (mit Ausstellung). Dr. C. Gent he: Port Arthur und die Mandschurei; noch unbe­stimmt. Everuuell Tr. Grothe: Albanien und Make­donien. Diesem Programm ist zu entnehmen, daß die Gesell­schaft auch fernerhin ihrer Hauptaufgabe treu bleiben lvird, das ganze Gebiet der Erdkunde durch ernste, auf wissen­schaftlicher Grundlage basierende aber allgemein verständ­liche Vorträge zu pflegen und anregend zu fördern.

f Unfall. Tas Jtinb des Fellhändlers N. fiel in die mit Wasser gefüllte Lohgrube des Gerbermeisters Pl. und wäre ertrunken, wenn nicht ein zufällig oorbei- gehender Arbeiter , ein Händchen über dem Wasser bemerkt und das Kind herausgezogen l)ätte. Sofortige Wieder- belebungsversuche waren von Erfolg; das Kind befindet sich noch in ärztlicher Behandlung.

** Tie Erbauung einer Zentral-Wasch- anstatt für die Universitätskliniken ist geplant und wird noch im Laufe des Winters in Angriff genommen werden.

k Ein Musketier der 8. Kompagnie unseres Regiments, gebürtig aus Eberstadt, erlitt im letzten Manöver in der Gegend von Erbstadt einen Hitz sch lag. Seitdem leidet er an schweren inneren Krämpfen. Aus dem Militärlazarett wurde er in die Klinik verbracht.

(?) «Stiftung. Fräulein Jhring aus Lich hat der Stadl ein Gebäude an der Stadtkirche geschenkt, das gegenwärtig in eine Krankenhaus umgebaut wird. Noch im Laufe des Winters soll es bezogen werden. Vorläufig gedenkt man nur eine Schwester auzustellen. Durch die hochherzige That ist man in der Lage, einem lange ge­hegten dürfnis Rechnung zu tragen.

Mrinischlcs.

* Ru h ro r t, 17. Okt. Ter Direktor Ar nvld von der Bergisch-Märkischen Bank hat sich heute erschossen. Tie Gründe sind unbekannt.

* Erfurt, 17. Okt. Der Schnellzug 52 Er­furt-Nordhausen ist bei Kilom. 50,6 zwischen Walsch­leben und Ringleben entgleist. Personen sind nicht ver­letzt. Die Ursache der Entgleisung steht noch nicht fest.

* Lemberg, 13. Okt. Auf den Professor der Chemie an der hiesigen Universität Niemikowitsch wurde von dem Laboratoriumsdiener ein Mordversuch mit Strychnin verübt. Ter Professor be­rührte glücÄicherweise die chm gereichte vergiftete Milch nur mit den Lippen und nahm rasch ein Geaengift. Er befindet sich ganz wohl, der Diener ist verhaftet.

* Budapest, 18. Okt. Der Berlin-Oderberg-Rutt- [acr Abend schnellzug entgleiste teilweise bei der Station Paßto. Ein Postbeamter wurde getötet, zwei andere Beamte wurden verletzt. Die Passagiere des dicht besetzten Zuges blieben unversehrt und wurden nachts mit einem Hilfszug nach Budapest gebracht.

* Newyork, 17. Okt- Präsident Turner von der Climax-Bottling-Company erschoß feine Assoei4s Maillard und Hamilton und beging dann Selbst­mord. Die Ursache der That ist an Geldangelegenheiten zu suchen.

ilriu'lir Meldungen.

Vriginaldrahtineldungen des Gießener Anzeiger».

Berlin, 18. Olt. (Privattelegramm.) Wie^gemeldet wird, werden die Burengenerale weitere Städte in Deutschland besuchen. Zur Regelung der Vorbereitungen hat sich in Berlin ein Ausschuß gebildet. Von anderen Großstädten wird Frankfurt allein besucht werden. Ter Zeitpunkt dafür ist noch nicht festgesetzt. Ebenso ist es un­bestimmt, ob drei ober einer der Burengenerale nach Frank­furt kommt.

Kapstadt, 17. Okt. Ein böherer Beamter der Kapkolonie hatte an der Grenze eine Zusammen­kunft mit aius ständischen Kapholländern unter dem Kommando Zy l. Er forderte diese auf, sich in Wry- b u r g zu ergeben, und erklärte, daß sie keine schwerere Bestrafung als Freiheitsstrafe treffe. Sie würden festge­nommen werden und bis zur Rückkunft der Akten vom Kron- amualt der Kapkolonie inhaftiert werden. Tie Aufständischen lehnten es ab, sich gefangen zu geben, erklärten sich aber bereit, sich nach dem Zeltlager der Bürger zu begeben. Das 80 Mann starke Kommando überschritt dann wieder die Grenze. Tie Unterredung war sehr freundschaftlich, verlief aber ergebnislos

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