Ausgabe 
18.4.1902 Erstes Blatt
 
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fri einem an die Kasse gerichteten Schreiben beantwortet oder cellulare, deren Hanptvertreter Hansemcmn und Rib- bert sind, 2) die parasitäre, oder die biologische. Leyden bekennt sich entschieden zu der letzteren, die ja auch dem Kliniker am nächsten liege. Nach einer kurzen Charakte­risierung der histogenetischen Theorie, besonders des Stand­punktes, den Ribbert in dieser Frage einnimmt, ging der Vortragende auf die biologische Theorie ein. Wenn diese letztere Theorie verständlich sein soll, so muß der Parasit in den Zellen liegen. Man rennt keine fortdauernde Wucher­ung der Zelle, ohne daß ein fortdauernder Reiz vorhanden ist. Diese Annahme widerlegt den von Ribbert gemachten Einwand, daß ein kleiner Parasit solch gewaltige Ver­änderungen Hervorrufe, wie wir sie beim Careinom sehen. Leyden weist darauf hin, daß von russischen Botanikern eine Erkrankung von Pflanzen beobachtet ist, die mit dem Krebse gewisse Analogien darbietet. Von dieser Pflanzen­krankheit (eine Geschwulstbilbung an den Wurzeln des Kohls), ist bewiesen, daß sie auf einem intracellulären Parasiten (Plasmodium) beruht. Aus diesem Plasmodium entstehen Sporenhaufen, deren Ucbergang in Amöben außer­halb der Pflanze beobachtet worden ist. Eine weitere Stütze findet ine parasitäre Therapie in dem Einflüsse >es Krebses auf den Stoffwechsel, Vermehrung der Harn- tossausscheidung, Krebscachexie re. Was die Ansteckungs- ährgkeit anbetrifft, so ist sie direkt nicht bewiesen. Ver- uche am Menschen sind natürlich ausgeschlossen. Bei Tieren sind solche Uebertragungen aus Tiere derselben Spezies in neuerer Zeit wiederholt geglückt. Mit der größten Wahrscheinlichkeit müssen wir die Uebertrag- ung des Krebses b an Mensch zu Mensch an- nehmen, umsomehr als neuerdings in einem katholischen Krankenhause ein llnglückssall beobachtet ist, wo zwei Jahre nach dem Verschlucken einer carcinomatären Flüssigkeit sich bei einem jugendlichen Mädchen Carcinom entwickelt hat. Zum Schlüsse schildert Leyden die schon vor zwei Jahren von ihm gefundenen für Parasiten gehaltenen intracellulären Körperchen. Für einen großen Fortschritt hält Leyden die von ihm erst jüngst gemachte Beobacht­ung, daß diese Körperchen an einzelnen Stellen zu Haufen zusammen liegen, die nach Analogie der von den Botani­kern gemachten Beobachtungen als Sporangien (Fortpslan- zungsftobien des Plasmodium) anzusprechen sind.

Geheimrat N a u n y n berichtete über einen ähnlichen llnglückssall von Krebsübertragung am Menschen, einem Arzte, den er in jüngster Zeit beobachtet hat.

Aus tztadt und Kund.

Gießen, 17. April 1902.

** Oeffestliche Lesehalle. Das Zeitungis- zimmer der öffentlichen Lesehalle wird Werktags von 6 bis 10 Uhr abeitds, Sonntags von 11 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends für jedermann offen gehalten. Die Beleuchtung soll in diesen Tagen wesentlich verbessert wer­den. Auch ist eine Schreibgelegenheit geschaffen worden. Tinte, Feder, Briefpapier und Briefumschläge werden zur Benutzung am Orte dauernd verfügbar sein.

** Zwangserziehung im Großh. Hessen- Aus einer amtlichen Statistik, die in denHessischen Schul- blättern" abgedruckt ist, ersehen wir, daß sich im letzten Jahre in Hessen 109a Kinder in Zwangserziehung be- sanden. Mit Recht bemerken hierzpt dieSchulblätter": Die große Zahl der in Zwangserziehung untergebrachten Kinder muß als ein bedenkliches Zeichen unserer Zeit ausgefaßt werden. Sie beweist die zunehmende Zer­rüttung des Familienlebens und die damit Hand in Hand gehende Vernachlässigung der Kindererziehung. Nicht min­der bedenklich und beklagenswert ist die erschreckende Zu­nahme der jugendlichen Verbrecher in Deutschland. Während im Jahre 1882 wegen Verbrechen und Vergehen rund 30 000 Jugendliche gerichtlich verurteilt wurden, be­trug die Zahl derselben im letzten Jahre 50000. Diese Zunahme, welche die Bevölkerungszunahme Deutschlands weit übertrifft, spricht eine sehr deutliche und ernste Sprache.

* Die falschen Thalerstücke, die in der Gegend don Frankfurt zum Vorschein gekommen sind, sind ziemlich gut ausgeprägt, aus Bronze hergestellt, versilbert und wiegen nur ein Gramm weniger als die echten Stücke. Auch die RundumschriftGott mit uns" ist deutlich vor­handen. Die Falsifikate tragen das Bildnis Friedrich Wil­helms IV. von Preußen, das MünzzeichenA" und die Jahreszahl1860". Für den Laien dürfte es immerhin schwierig sein, die Falsifikate zu erkennen, da sie an Klang und Farbe echten Exemplaren ziemlich gleichen und nur ein wenig Fettigkeit beim Anfühlen sich bemerkbar macht, während allerdings auch die Adlerseite teilweise eine etwas verschwommene Prägung zeigt.

** Das Tabakrauchen hat so wird uns von geschätzter Seite geschrieben heutzutage allgemeine Ver­breitung gefunden; es ist bei vielen unter Arm und Reich zur alltäglichen Gewohnheit geworden, so sehr auch beim Aufkommen desTabaktrinkens", wie man anfangs diesen Genuß bezeichnete, von Staat und Geistlichkeit gegen dieses hochschädliche Wesen" geeifert wurde. (Während des 30- jährigen Krieges hatte sich dasTabaktrinken", vermutlich begünstigt durch spanische Söldner, in Deutschland ver­breitet.) Die ersten Verbote gegen diesegottlose Unsitte" erließ Württemberg. Auch in Hessen erschien 1669 vom Landgrafen Ludwig VI. eine Verordnung gegen dasTabak- trirfen", als gegen einsowohl der Gesundheit halber als wegen der Feuersgefahr und sonst in vielen Wegen hoch- schädliches Wesen". Den Kaufleuten und Krämern wird der Tabakverkauf unter Androhung der Konfiskation ihrer Tabakwaren und harter Geldstrafe verboten. Wer beim Tabaktrinken betreten wurde, hatte einen Reichsthaler zu zahlen. Nur den Apothekern sollte es gestattet 'ein, Tabak als Arzneimittel zu verkaufen. Trotz strenger Verbote und harter Strafen ließ sich das Tabakrauchen nicht ab klaffen. Als man dies erkannte, wollte man wenigstens einen Nutzen für die Staatskasse daraus erzielen. Aus den Zentner Tabak wurde eine Abgabe von 1 fl. 40 Kr. gelegt. Die Folge war, daß ein starker Schleichhandel getrieben wurde, und die tabaksüchtigen Untertanen" ihren Bedarf in fremden Ort­schaften holten. Die Macht der Volkssitte war stärker als staatliche Verbote. So fügte man sich behördlicherseits nach und nach ins Unvermeidliche und gestattete sogar schon am Ende des 17. Jahrhunderts in Süddeutschland die Anlegung von Fabriken. Zu 'Anfang des 18. Jahrhunderts wird in Württemberg der Anbau der Tabakpftanze empfohlen, wei' ter Gebrauch des Tabaks fast überall dermaßen eingerissen, daß er dem gemeinen Mann gleichsam zur Nahrung und Präservar.on geworden, und daher, da dessen Verbrauch groß geworden, an den Orten, wo er gepflanzt und be­reitet wird, ein gar nützlicher und einträglicher Handel damit geführt werde." Dashochschädliche Weseri" rst heute ein

hochnützliches geworden; die Vernichtung der Tabakindustrie, in der Millionen ihre Brot ftnden, würde für viele Bevölker­ungsklassen wirtschaftlichen Ruin bedeuten.

* Am Schlüsse der Saison! Tie Ball-, Gesell- chafts- und Konzert-Saison ist vorüber! Wir haben uns müde getanzt, müde drniert und soupiert, müde geredet und gemiemt und vor allem müde gehört, denn Frau Musika ist uns überall, dort mehr, dort minder, aufdmnjglich ent* legengetreten, hier zu unserer Freude, da zu unserem jeibe! Verstummt ist das Tongeschwirre aus den ver- chiedenen Blas-, Streich- unb Schlag-Instrumenten, erzeugt von Metall, Saite und Kehle. Künstler und Dilettanten in Sälen und Salons, im Vereins- und Familien-Zimmer haben ihr Möglichstes geleistet, um angenehm zu unterhalten und ich zu sonnen in dem verdienten und nicht verdienten Lobe, ober sich zu erfreuen an ber wvhlgefüllteu Kasse, freilich nur zu oft auch, um in künstlerischer Resignation über das mangelnde Metall d rin hinwegzublicken. Bei den Menschen mengt sich nun einmal unter alles Ideale das persönliche unb materielle Interesse. Anbers im großen Konzertsaaie ber freien Natur, ber jetzt seine weiten Thore öffnet. Ta ist mit einem Male bie Hörmübigkeit, welche die Saison jei uns gezeitigt, gewichen. Der heitere, jubilierende, lenz­frohe Vogelgesang erfrischt und belebt: sein wohlthuender Eindruck wird gestärkt durch den Einfluß der ätherreinen Lenzesluft und durch den Strahl der lebenweckenden Morgen­röte! Wer den Frühlingsvogelsang in seiner ganzen Fülle hören will, ber muß es vor Sonnenaufgang thun! Stärkenbe Morgenluft wirb bann außerdem noch Herz und Lunge er­quicken und die Gesundheit neu beleben!

** Ei ne Reise um bie Welt ohne Gelb! Die Myrrholin-Gesellschaft in Frankfurt a. M. giebt als Attrac- tion für ihre seit Jahren bewährte unb beliebte Patent- Myrrholin-Seife, sowie für bas Myrrholin-Glycerin ein Welt-Panorama von 1200 Bilbern aus allen Erdteilen in brei Albums heraus, bie unentgeltlich abgegeben und nicht verkauft werden. Es bietet sich hier ein neues Feld für Sammler unb gleichzeitig eine unerschöpfliche Quelle )er Belehrung unb Unterhaltung. Zwei Millionen von ben Bildern sind bereits verausgabt. Die Bilder sind in allen Geschäften, welche Toiletteseife führen, auch in ben Apotheken gratis erhältlich. Man lese bas ausführliche Programm wie man rasch unb kostenlos in ben Besitz bes Myrrholin-Welt-Panoramas gelangt. Für bie schnellsten Sammler sind noch als Prämien Mk. 2000. in bar und 200 Albums Nr. 2 ausgesetzt. Die Bewerbung steht jeher* mann frei.

k Ran stabt, 17. April. Gestern nacht wurden in hiesiger Gemeinde brei freche Einbruchsdieb st ähle be­gangen. Die Diebe brachen in bas Pfarrha us, bei einem Wirte unb einem Lanbwirte ein. Die Beute war nicht bebeutenb, sie nahmen einige Mark, Kleibungs- tücke und Eßwaren mit. In zwei weiteren Wirtschasten jatten sie schon Leitern angestellt unb suchten einzubrechen, ourben aber burch Hunde verscheucht. Man hat im Ver­lacht zwei Fechtbrüder.

** 23 o n der Bergstraße, 15. April. In dem Stein­bruche in Schriesheim ereignete sich dieser Tage ein schreckliches Unglück. Die Arbeiter 23. Ullrich und PH. Gru­ber wurden durch einen Schuß getötet. Der Schlag war so heftig, baß bei Ullrich die Eingeweide aus bem Leibe traten. Beide hinterlassen Witwen, der eine mit acht, ber anbere mit sieben Kindern. Es ist bis jetzt noch nicht auf­geklärt, durch welche Ursache das Unglück herbeigeführt wurde. Es ist dies seit bem kurzen Bestehen des Bruches schon ber vierte Unglücksfall mit tätlichem Aus gange.

Vermischtes.

"GrafPückler hat aus der Schweiz an seinen In­spektor in Klein-Tschirne geschrieben, daß er beabsichtige, sich freiwillig dem Glogauer Gericht zu stellen. Daß die Frau Gräfin Pückler von ihm getrennt lebt, wird bestätigt. Die Gräfin hat ihren Mann verlassen und kehrt nicht mehr zu ihm zurück. Keins von beiden Teilen leitet die Scheidung ein, weil beide Teile glauben, daß die Ehe nach der heiligen Schrift nicht geschieden werden dürfe.

* In Sachen des Pastors Disselhoff in Trebbin wird berichtet: Disselhoff hat in zwei Jahren rund 200 0 00 Mk. vergeudet. Man wußte in Trebbin, daß er die Offiziere während des letzten Manövers in der dortigen Gegend in einem Hotel glänzend bewirtet hatte, daß er die Kindtaufen seiner Kinder in Berlin Unter den Linden iu einem vornehmen Restaurant feierte. Man sprach auch davon, daß erjunge Damen" unterstützte, daß er wöchentlich mehrere Male nach Berlin fuhr, um sich dort zu amüsieren. Man erzählte sich, daß er in einem Ber­liner Theater eine Loge für sich und seine Freunde abonniert habe unb in allen Vereinen und Klubs den Schwerenöther spielte. Alle diese Dinge waren bekannt und wurden be­sprochen, nicht minder seine Freigebigkeit. Wer Geld brauchte, pumpte ben wohlmögendenHerrn Pastor" an, der stets eine offene Hand hatte und mit blauen Scheinen nicht kargte. In dem Hotel, wo er verkehrte, pflegte er oft bie Zechen aller seiner Freunbe zu bezahlen. Niemanden fiel das bei dem Pastor auf, der stets mit seinerreichen Erbtante in Westfalen" renommierte. Nicht nur bei den Lebemännern galt Disselhoff viel, sondern auch bei den Frauen, und besonders bei den Damen, die fleißig seine Predigten besuchten. Er war ein ausgezeichneter Kanzelredner, mildthätig gegen Arme, leutselig gegen jedermann und stets zum Helsen bereit. Man rechnet es ihm sehr hoch an, daß er vor ungefähr Jahres­frist eine bedeutend bester dotierte Pfarre ausgeschlagen und zu den Kosten der Wiederherstellung einer kleineren Kapelle, in der er dann Mittwoch abends predigte, wesentlich bei­getragen hatte. Sehr zu bedauern ist seine Frau mit ihren drei kleinen Kindern.

* Ueberbrettl-Eheroman in 10 Kapiteln. 1. Kapitel:Das Gänschen" (von Robert Eysler). 2. Kapitel:Bruder Liederlich" (von Dettev v. Liliencron). 3. Kapttel:Das Herz in der Lttrde" (von Otto Julius Bier­baum). 4. Kapitel:Seelenbündnis" (von Joseph Willo- mitzer). 5. Kapttel:Der lustige Ehemann" (von Otto Julius Bierbaum). 6. Kapitel:Kußlehre" (von Paul Flemming). 7. Kapttel:Die silberne Wiege" (von Julius Bauer). 8. Kapitel:Moderne Treue" (von Marie Made­leine). 9. Kapttel:Der verlassene Lehmann" (von Otto Julius Bierbaum). 10. Kapitel:Die Wasserleiche" (von Hans Heinz Ewers).

Unwersitäls Nachrichten.

Dr. Alfred Schulze, Bibliothekar an der königl. Biblio­thek zu Berlin, rsl zum Oberbibliochekar und stellvertretenden Direktor an die Universitätsbibliothek zu Marburg berufen? worden.

Hunde-Aus st ellung in Frankfurt a. M. Für ben 24. unb 25. Mai ist eine große internationale Hunbe-Aus st ellung aller Rassen ausgeschrieben, für biefe Tage unb für Montag kommen zum ersten Male kyno- logische Veranstaltungen und Vorführungen vor, wie sie noch auf keiner anderen deutschen Hunde-Ausstellung ab­gehalten wurden. Dem Publikum werden Foxhomidsmeuten auf kurzer Schleppe durch Piqueure vorgesührt, sodann ist .Gelegenheit geboten, die Armee Kriegshulibe deutscher Jägerbataillone in Mrbcit und voller Ausrüstung vor- gcsuhrt zu sehen. Zugleich werden hier die Hunde einzelner Bataillone in Rassereinheit, untereinander konkurrieren. Eine die weitesten Streife aufs höchste interessierende Arbett wird durch die Sanitätshunde ausgeführt werden. Der deutsche Saniläts Hunde-Verein, der unter bem Protektorat des Großherzogs von Baden steht, wirb sich durch seinen Vorsitzenden, Maler I. Bungartz, vertreten lassen; dieser läßt verschiedene Rassehunde, so u. a. old english Sheep doogS, Collie's und Aircbale terriers in ben Hebungen im Sanitätsdienst arbeiten. Anschließend an diese Veran­staltungen, bie bis zum Dienstag dauern, beginnen die Schliefen auf Dachs und Fuchs mit Fochsterriers und Teckeln, bie bis zum Freitag währen. Das Interesse an diesen Veranstaltungen ist heute schon ungemein rege, da täglich neue Spezialklubs ihr Erscheinen zusagen.

E inegroßeinternationaleH un beaus st ell­ung veranstaltet berJagdhund-Verein Vorpommern" am 28. unb 29. Juni zu Stralsund. Tie bekanntesten Ky- nologen haben als Preisrichter zugesagt. In allen offenen Klassen rnerben Geldpreise vergehen. Viele wertvolle Ehrenpreise sind gestiftet. Programme und Meldescheine durch Herrn G. Liebreich, Pankow-Berlin.

(ÖmdjtsJaaL

Offenbach, 17. April. Das hiesige Gewerbegericht hat einem Fensteranschläger, der erst 2'/, Atonal sich in ferner Stellung, anscheinend gegen 14tägige Kündigung, befand, feinen Lohn für eine 1 2 tägige Reserveübung zugesprochen. Das Gericht verficht unter Hinweis aus die Bestimmungen des Handelsgesetz­buchs und der Gewerbeordnung den Standpunkt, daß bei auf un» bestimmte Zeit abgeschlossenen dauernden Arbeits- oder Dienstvev- trägen, welche die Erwerbsthätigkett des Verpflichteten vollständig oder hauptsächlich in Anspruch nehmen, die Kündigungssrist, sei es die gesetzliche oder eine vereinbarte, im allgemeinen ats eine nach dem Willen des Gesetzgebersnicht erhebliche Zeit" auszusassen sei, für welche dem Angestellten oder Arbeiter ein Unterhalt gewähr­leistet sein soll, sofern er nicht burch fein Verschulden ben Anspruch verscherze.

Kandel und KerKchr. Volkswirtschaft.

Leipzig, 17. April. Die Generalversammlung des Verkaufs­bureaus der Vereinigten Emaillirwerke beschloß im Einverneh­men mit der sächsischen Gruppe nur solche Aufträge zu den gegen­wärtig für Jnlandsgeschäste geltenden Preisen anzunehmen, welche! im zweiten Quartal ausgeführt werden.

Dortmunder Union. Ter Abschluß dieser Gesellschaft für bas erste Halbjahr 1901/02 ergiebt bei 155 634 Mk. Gewinnvortrag nach! Abzug der Schuldzüisen u. Generalunkosten einen Verlust von 477 955 Mark. Für den entsprechenden Zeitraum des Vorjahres ergab sich bei 895 590 2Jlt. Gewinnvortrag ein Gewinn von 3 344 595 Akk. Wir möchten jedoch daraus Hinweisen, daß die Semestrolbilanzerr nur eine relative Bedeutung haben, da erst bei der Jahresbilanz die Inventur und die verschiedenen Abrechnungen Berücksichtigung sinden tonnen. Tie unerledigten Aufträge sind bis Ende Februar d. I. auf 105527 Tonnen im Verkaufswerte von 13 374 578 Mk. gestiegen. Tie Bestände werden bis UMaid.J. auf ihre normale Höhe herabgesetzt fein. Tie Börse hat diese Ergänzung als relativ günstig ausgenommen. Auch hör die Ernennung emes neuen Ge- nerakdirectors in der Person des Herrn Regierungs- und Baurats Mathies einen günstigen Eindruck gemacht.

Ter Hürder Bergwerks- und Hüttenvereiu hat einen neuen, ben sechsten Hochofen angeblasen.

Kandwirtschast.

Preissteigerung des Getreides und des Brotes durch die neuen Koruzöllc. Die neuen englischen Korn- und Mehlzölle haben im ganzen Lande ziemlich allgemein eine Preissteigerung von 1 Sh. für das Quarter Weizen unb ebenfalls 1 Sh. für den Sack Diehl bewirkt. Einige Bäcker in London haben bereits den Preis für das zweipfündige Brot um einen halben Penny herauf­gesetzt.

Eingesandt.

(Für Form unb Inhalt aiici unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt bie Rebaktivn bem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Nach Fertigstellung der Bahn st recke Londorf-Lollar am 1. Juni d. I. soll der jetzt 620 nachmittags von Grünberg ab­gehende Zug auf 5lti verlegt werden. Ta der G i e ß e n e r Zug erst 603 in Grünberg eintrifft, wäre es von allgemeinem Interesse, wenn der Zug von'Grünberg nach Lollar nicht vor, sondern nach Eintreffen des Gießener Zuges abginge, vielleicht 5 oder 6 Minuten nach 6 Uhr.

Hoffentlich thut diese Anregung das Ihre zur Durchführung von Maßnahmen ber Eisenbahnverwaltung in diesem Sinne.

Im Namen zahlreicher Interessenten: -k-.

------ ' -" a

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

April

Barometer auf 0° reduziert

Temperatur der Luft

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

Windstäcke

Wetter

17. 2

746,1

11,4

6,7

66

W.

2

Bed. Himmel

17. 9

747,2

8,6

7,5

91

SW.

2

Klarer _

18. 7

749,4

2,6

5,5

100

NE.

2

Nebel

Hock

ste Ter

nperatu

r am

16. b

s 17. s.

Ipril 1

j,6° C.

Niedrigste 16. 17. 0,8" C.

Schiffsnachrichten.

Red Star Linie" Antwerpen.

Der PostdampferKensington" derRed Stet Lime" in Antwerpen ist laut Telegramm am 15. April wohlbehalten in New-Pork angekommen.

Gegen Schnupfen hilft Formau. 3123