Ausgabe 
18.4.1902 Drittes Blatt
 
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Obergerichtsrat Scheer verkLroet hierauf, der Gerichts­hof erachte den Ablehnungsantrag Hickels für zu­lässig. Alsdann zieht sich der Gerichtshof zurück zur noch­maligen Beratung. Nach kurzer Beratung verkündete Scheer, der Gerichtshof erachte auch den Ablehnungsantrag Martens für zulässig. Der Vorsitzende, Oberstleutnant Herhuth von Rhoden, erklärt, daß die Verhandlung vorläufig auf Freitag Vormittag 9 Uhr vertagt werde.

Sitzung drr Stadtverordneten.

Gießen, 17. April 1902.

Anwesend Bürgermeister Mecum, die Beigeordneten Georgi, Grüneberg und Wolff, die Stadtverordneten Brück, Emmelius, Euler, Faber, Flett, Hanau, Heichelheim, Helfrich, Heyligenstaedt, Huhn, Jann, Keller, Leib, Loos, Orbig, Pirr, Dr. Schäfer und Wallenfels.

Entschuldigt: die Stadtverordneten Dr. Fuhr, Dr. Gasfky, Dr. Gutfleisch, Haubach, Jughardt, Kirch, Krumm, Löber, Petri, Schmall und Schaf fstaedt.

Der Borstand des L e s e h al le n v e r e in s hat in einem Schreiben den Dank des Vereins für die in der vorigen Sitzung bewilligte einmalige Unterstützung von 400 Mark und die laufende Unterstützung von 200 Mark abgestattet. Stadtv. Petri hat schriftlich mitgeteilt, daß er den Protest der Ortskrankenkasse gegen die Aeußer- ung, in der genannten Kasse werde Parteipolitik getrieben, in einem an die Kasse gerichteten Schreiben beant­wortet hat.

Schreinermeister Benzler beabsichtigt, am Asterweg ein Wohnhaus mit umfangreichen Hintergebäuden zu er­richten und die Bauten bis auf die notwendigen Brand­mauern, in Holzfachwerk auszuführen. Die Baudeputation hat beantragt, den dieserhalo erforderlichen Dispens der drohenden Feuersgefahr wegen nicht zu befürworten. Stadt­verordneter Orbig befürlvortet das Gesuch im Hinblick auf die durch den geplanten Bau erreichte wesentliche Ver­besserung des jetzigen Zustandes und damit, daß ein genügend großer, von zwei Seiten zugängiger Hof vor­handen sei. Bürgermeister Mecum spricht sich gegen die Gewährung auch für den Fall aus, daß Gesuchsteller einige Wände und das Treppenhaus massiv ausführen wollte; das projektierte Gebäude solle drei Mohngeschosse er­halten, eine Holzwand von 1012 Meter Höhe bilde immer eine Gefahr und sei selbst auf dem Lande nicht zulässig. Stadtv. Hanau ist für die Rückverweisung an die Baudeputation, weil Gesuchsteller sich nachträglich bereit erklärte, Aenderungcn im Interesse der Sicherheit vor­nehmen zu lassen. Stadtv. Huhn empfiehlt, schon jetzt zu berücksichtigen, wieweit in Zukunft Holzbauten ge­stattet werden sollen. Das Gesuch wird an die ,Bau- deputation verwiesen.

Das Gesuch des K a r l B e r g m a n n, der sein Wohn­gebäude an der Ederstraße durch zwei Anbauten erweitern will, von i>enen siner auf massivem Kellerbau zwei Stock­werke in Fachwerk, der andere auf Säulenunterbau eben­falls Stockwerke iti Holzkonstruktion erhalten soll, wird nicht befürwortet.

Maurermeister Joh. Gg. Pfaff will hinter zwei Wohn­häusern am Schiffenberger Weg zwei Neubauten errichten. Die Baudeputation hat Ablehnung beantragt, da die pro­jektierten Häuser als Anfang zu einer Privatstraße zu betrachten sind, über deren Gestaltung man ebensowenig im klaren sei, wie darüber, wer zum Ausbau der Straße verpflichtet sei. Das Gesuch wird abgelehnt.

lieber die Vergebung der Arbeiten zur Pflaster­ung des Wegs zwischen der Hollergasse und dem über den oberhessi,chen Bahnhof führenden Steg soll in nicht öffentlicher Sitzung verhandelt werden.

Tie Reparatur der schadhaft gewordenen Stellen im Asphaltbelag der Bürgersteige (im ganzen 250 Quadrat­meter) soll der Firma Jtonr. Rübs amen übertragen werden.

Betr. der Beleuchtung der Bauten aufdem Fried- Hofe hat die Baudeputation vorgeschlagen, Gasbeleuchtung einzurichten für den Zufuhrweg, die Leichenhalle, die Ka­pelle, den Sezierraum, Den Aufenthaltsraum für Die An­gehörigen und die Klosets. Tie Heizung in der Kapelle, dem Aerztezimmer, dem Sezierraum fall mittelst Kohlenösen, die der Sakristei, und des Warteraums mit Gasheizöfen erfolgen. Die Ausführung des Altars für die Kapelle soll dem Schreinermeister E. H- Müller zum Preise von 290 Mark, die provisorische Ausmalung der Kapelle dem Maler I. Gros zum Preise von 45 Psg. pro Quadratmeter, der Rapputz der Gruftwände Dem Weißbindermeister Schmall zum Preise von 50. Pfennig pro Quadratmeter übertragen werden.

Tem Architekten L. S e u l i n g wird ein städtischer Acker am Mittelweg für den Preis von 60 Mark jährlich pacht­weise überlassen.

Ter Anrrag des Abg. Dr. Gasfky auf Einführung der Formaldehyd-Desinfektion wird vertagt, da der An­tragsteller verhindert war, die heutige Versammlung zu besuchen und den Antrag zu begründen.

Betr. der Anlage von Telegraphenlinien von Gießen nach Schifsenberg und Leihgestern hat die Baudepu- tatioir beantragt, die Anlage nicht zu beanstanden, wenn die Stangen, Anstatt wie beabsichtigt auf der linken Seite (von der Stadt her betrachtet) der durch den Schiffenberger Wald führenden Straße auf der rechten Seite aufgestellt werden. Tie Anlage auf der linken Seite würde das Ausästen vieler Bäume nölig machen.

Beig. Wolff begründet hierauf eingehend den von der Finanzdeputation gestellten Antrag auf Abschluß eines Ver­trages mit der Oberrheinischen Versicherungsgesellschaft in Mannheim auf Haftpflicht-Versicherung der Stadt Gießen. Nach § 832 des Bürgerlichen Gesetz­buches sind die Gemeinden haftbar für allen Schaden, den Personell oder Sachen in den in Eigentum oder Betrieb einer Gemeinde stehenden Betrieben, auf Straßen, Anlagen, bei öffentlichen Bauten, in Gebäuden, Schulen, an Turn­geräten re. erleiden, ebenso für Gas- und Wasserschäden. Da die von den Versicherungsgesellschaften vorgelegten Verträge noch Lücken enthalten, hatte Beig. Wolfs einen Vertrag ausgefertigt, von dem Stadtv. Dr. Schäfer prüfen lassen und an 22 Versicherungsgesellschaften je ein Exem­plar behufs Abgabe von Offerten eingeschickt. Das Angebot Der Mannheimer Versicherungsgefellschast wurde als das annehmbarste bezeichnet; die Gesellschaft hat sich bereit er­klärt, «gegen «den Betrag von 1600 Mark auf die Tauer von 5 Jahren die Versicherung zu übernehmen. Tie Versamm­lung Beschließt nach längerer Debatte, in der sich Beig. Georgi und Stadtv. Wallenfels für nochmalige sorgfältige Turchsicht des Vertrages durch den Stadtv. Dr. Gntfleisch bezw. die juristische 1. Immission aus so rechen, den Vertrag Mit der genannten $3criic;cmng§c?i - ' 't abzusch* -en,

falls eine durch bett Stadtv. Dr. Gutflmsch noch vorzu­nehmende Prüfung eine Beanstandung nicht ergiebt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 17. April 1902.

"Auszeichnung. Der Großherzog hat dem Vor- iande des Polizeiamts Darmstadt, Potizeirat Dr. Hermann Kratz, den Charakter als Regierungsrat verliehen.

** Erneuungen. Ter Großherzog hat die Lehr­amtsassessoren Tr. (Sur a-n ann zu Büdingen zum Ober­lehrer an dem Wolfgang Ernst-Gymnasium daselbst, Loos zu Lauterbach zum Oberlehrer an der höheren Bürger- chule daselbst, Völzing zu Hungen zum Oberlehrer an der höheren Bürgerschule daselbst und zum Leiter derselben mit dem AmtstitelRektor" und Geißler zu Dieburg zum Oberlehrer an d,er höheren Bürgerschule daselbst, den Finanzaspiranten Vogt aus Hungen zum Ministerial- regiftrator bei dem Ministerium der Justiz mit Wirkung vom 2. April, den ersten Staatsanwaltsgehilfen bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg, Jung, zum Ge­richtskostenrevisor, den Hilfsgerichtsschreiber bei dem Amts­gericht Bingen, Kaiser, zum ersten Staatsanwaltsgehilfen bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg, beide mit Wirkung vom 1. Juni ernannt. Ernannt wurde ferner der Garde-Unteroffizier Schnellbacher zu Darmstadt zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht zu Ober-Jngel- heim mit Wirkung vom Tage seines Dienstantritts an. Ter Großherzog hat den Vorstand der Betriebsinspektion Mainz, Eisenbahndirektor Weiß zu Mainz zum Mitglied einer Eisenbahndirektion, den Eisenbahn-Bau- und Betriebs- Inspektor Kilian daselbst zum Vorstand einer Betriebs- Inspektion, sowie den Negierungsbaumeister Horn aus Friedberg zum Eisenbahn-Bau- und Betriebs-Inspektor in )er Hessisch-Preußischen Eifenbahngcmeinfchaft, sämtlich mit Wirkung vom 1. April an, und den Johannes Möser zu Gießen zum Tiener am physiologischen Institut der Landes- Universität ernannt.

** Der Städtetag soll nach einem früheren Be- chluß in Worms tagen. Am Mittwoch hat einstweilen nne Konferenz von 22 Städtevertretern unter dem Vorsitz -es Oberbürgermeisters Köhler- Worms stattgefunden. Der Versammlung wohnten u. a. Vertreter von Worms, Darmstadt, Mainz, Offenbach, Friedberg, Gießen, Alzey und Bingen an. Bezüglich des Polizeikosten­gesetzes ging die einstimmige Meinung der Versamm­lung dahin, daß die Städte unter Wahrung ihres Stand- mnktes, wonach der Staat eine weit höhere Summe zu vergüten habe, das in der Vorlage an die Stände Ge­botene annehmen sollten. Zu dem Anträge der Stadt Mainz, die hessischen Städte möchten zu dem Anträge der Zolltarifkommission, das Oktroi auf Lebens­mittel durch Gesetz zu verbieten, in ablehnendem Sinne entschieden Stellung nehmen, schon deshalb, weil dieser Antrag in die Selbstverwaltung der Städte tief ein- greise, wurde, da die Einstimmigkeit nicht zu erzielen war, und auch die Verhältnisse der Städte zu verschieden liegen, der Beschluß gefaßt, es der Stadt Mainz zu über­lassen, eine Unterstützung ihres Vorschlages bei den ein­zelnen Städten direkt nachzusuchen. Verschiedene Bür­germeister sprachen sich direkt gegen den Mainzer Antrag aus. Der weitere Punkt der TagesordnungUebernahme von Arbeiten der Kreisgeometer durch städtische Geometer" sand durch eine Mitteilung des Bürgermeisters Mecum- ließen seine Erledigung, wonach Finanzminister Gnauth zusicherte, daß den Städten, wenn sie die Geschäfte der Kreisgeometer durch ihre eigenen Geometer versehen ließen, die betreffenden Gebühren zuständen.

Vermischtes.

Zu der Ermordung des Oberamtsrichters Becker in Oldenburg. Der Bankier van Baden- Bruns, Inhaber der Oldenburgischen Vereinsbank, begab sich in die Wohnung des Oberamtsrichters Becker und wünschte diesen zu sprechen. Der Oberamtsrichter ging dem Besucher auf dem Korridor entgegen. Hier feuerte der Bankier ohne weiteres einen Schuß auf Becker ab, der dem Ober­amtsrichter in den Kopf drang und den augenblicklichen Tod des Getroffenen zur Folge hatte. Der Mörder flüchtete in das Zimmer des Erschossenen und riegelte die Thür hinter sich zu; in dem Zimmer selbst richtete er arge Verwüstungen an, indem er die Möbel demolierte und zahlreiche Gegen­stände, darunter in erster Linie Akten (offenbar solche, die Anklagematerial gegen ihn enthielten. D. Red. d. Gieß. Anz.) durch das Fenster auf die Straße warf. Die herbeigerufene Polizei schlug die Thür ein. Bruns setzte auch dann noch den Beamten heftigen Widerstand entgegen. Die Motive zur That waren allem Anschein nach folgende: Oberamtsrichter Becker und Bruns kamen gelegentlich der in Sachen der Zeteler Weberei abgehaltenen Gläubiger-Versammlung Hauptgläubiger war die Oldenburgifche Vereinsbank, deren Inhaber Bruns ist hart aneinander und standen sich später in einem Prozeß vor dem Landgericht gegenüber, der mit der Freisprechung des van Baden-Bruns endigte. Einige Wochen später leitete Oberamtsrichter Becker einen Prozeß, den die Vereinsbank Brufts u. Co. gegen den früheren Teilhaber Dählmann angestrengt hatte. Die Verhandlung förderte Sachen zu Tage, die für die Klägerin, die Vereinsbank, un­erquicklicher Natur waren, und schloß ebenfalls mit Frei­sprechung des Beklagten. Die Leitung der Verhandlungen in obengenannter Angelegenheit war durchaus unparteiisch und einwandfrei. Der Vereinsbank standen im Anschluß an jenen Prozeß noch weitere Prozesse bevor. Alle diese Dinge, die vergangenen sowohl als auch die noch bevorstehenden, Mögen wohl in dem Bankier ein Rachegefühl gegen den Oberamts­richter erzeugt haben. Bei Beurteilung der That seitens der Richter wird voraussichtlich auch die Frage nach der Zurechnungsfähigkeit des Bruns eine Rolle spielen. Van Baden- Bruns ist ein sehr aufgeregter und exaltierter Mensch und hat längere Zeit in einer Nervenheilanstalt zugebracht. Doch scheint die That mit Vorbedacht verübt worden zu sein, wer Bruns sich mit dem Revolver und einer größeren Anzahl Patronen versehen hatte. (Der auf so scheußliche Weise ums Leben gekommene Oberamtsrichter war, wie wir hören, ein Bruder des Gießener Oberleutnants Becker. Die Red. des Gieß. Anz.) Die Ursache der Mordthat ist anscheinend der Rum der Vereinsbank. Dieselbe meldete heute Konkurs an aus Mangel an Baarmitteln.

* Ein Parlamentarier-Säbelduell. Infolge des jüngst im Wiener Abgeordnetenhaus«? slattgehablen Wort­wechsels sand zwischen i Abgecn::i Walz und Stein-

roenber ein Sabelduell statt, bei welchem Steinwender ~azÄ Kinn und an der Wange vorletzt wurde, womit das Dnew beendet war.

*Das2ramaeinerBühnensch r i f t st el l e rin. In Wien hat sich die dramatische Schriftstellerin Frau,' Antonie Baumberg in ihrer Wohnung durch einen gegen ihre rechte Schläfe abgefeuerten Revolverschuß ge­tötet. Die Kunde wirkt um so überraschender und schmerz­licher, als Frau Baumberg drei Tage nach der Premiere ihrer drei Einakter am Deutsch en Volkstheater in den Tod ging. Sie habe nie Glück, nie die erstrebten Erfolge ge­habt, so pflegte die unglückliche Schriftstellerin häufig zu äußern. In einem oberösterreichischen Dörfchen, in Baumgartenberg, als Kind eines wohlhabenden Guts-Be- itzers geboren, lebte sie dort sorglos und fröhlich. In ihrem Leben begann eine Wendung, als sie einen Mann kennen und lieben lernte, den sie auch heiratete Herrn Kreimel, an dessen Seite sic auch bis zu ihrem Tod in unerschütterlicher Anhänglichkeit verharrte. Frau Krei- mel-Baumberg hat die Geschichte ihrer Ehe dramatisiert, und zwar in der vor drei Jahren aufgeführtenLiebes­heirat". Es kommen da freilich auch Szenen und Episoden vor, die, wie bei Liebesheiraten häufig, nicht frei von Schlagschatten sind, Kümmernisse mancherlei Art. Die ungünstige finanzielle Situation, in welche Frau Baum­berg dann im Verlaufe ihrer Ehe geriet, soll für sie mit ein Motiv gewesen sein, fortan schriftstellerisch thätig zu sein. Ten Kampf, den bis dahin ihr Gatte, ein ehe­maliger Kaufmann, um ihrer Beider Existenz geführt, nahm sic nun mit Entschlossenheit auf, um ihn seither mit wechselndem Erfolg zumeist allein zu führen. Es war vor ungefähr sechs Jahren, als sie mit einem Theater­stück in die Oeffentlichkeit trat: es war die PosseTrab- Drab", die beifällige Aufnahme fand. Diesem Stücke folgten dann in ziemlich rascher Folge andere dramatische Dichtungen, und am letzten Samstag die drei Einakter Max Wiebrecht",Nur aus Trutz" undDer Nachtwächter von Schlurn". Außerdem schrieb Frau Baumberg eine größere Anzahl Erzählungen, Novellen und Romane. Diese Theaterstücke und die übrigen Arbeiten flössen leicht aus ihrer Feder; sie gönnte sich nur wenig Muße. Ter fi­nanzielle Erfolg der Schriftstellerin war gleichwohl kein befriedigender; sie hatte seit langem schwere materielle Sorgen. Frau Baumberg wurde in letzter Zeit immer nervöser. Dazu gesellte sich noch ein anderes körper­liches Leiden, das ihr die Ruhe und den Schlaf völlig raubte. Auch nach so schweren Anfällen saß die Schrift­stellerin wieder an ihrem)reibtisch, erschöpfte sie ihre Kräfte um des Erwerbes willen. In dieser Zeit heftiger physischer Leiden nagten nun an der unglücklichen Frau auch in erhöhtem Maße Existenzsorgen; ihre Arbeitskraft war ja jetzt herabgemindert. Sie mußte vielfach. Schulden kontrahieren, darunter für Lebensmittel. . .

Kunst und Wissenschaft

Berlin, 17. April. Nach soeben cingegangener Meldung traf der Dampfer der Südpolar ex peditionGauß" bei den Kerguelen am 2. Januar ein, verließ diese am 31. Januar und nahm die Route nach der Terminationsinsel. Das Schiff war in gutem Zustand, an Bord alles wohl. Die Kerguelenstation ist völlig eingerichtet.

Bremen, 17.April. Tie deutsche Landesgruppe der inter­nationalen kriminalistischen Vereinig u na tagt heute und morgen hier. Tas Reichsjustizamt und zum crftenmale auch ba§ Reichsmarineamt haben Vertreter entsandt. Ober-Reg.» Rat Tischendorff teilte mit, die Revision des Strafgesetz­buches sei vom Reichsjustizamt in Angriff genommen. Die Ver­handlungen leitet Prof, v. Mayr-Straßburg.

Unioersttäts Nachrichten.

Berlin, 17. April. Dem Vorgänge der Universttät folgend, läßt auch die landwirtschaftliche Hochschule Damen zum Studium zu. Die Zulassung wird von einem Zeugnis über die wissenschaftliche Vorbildung abhängig gemacht. Außerdem ist für den Besuch der einzelnen Vorlesungen die Genehmigung des betreffenden Dozenten einzuholeu.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 18. April. Der Erfinder Ganswindt, der zahlreiche Personen für seine viele Erfindungen, lenkbares Luftschiff usw., zu interessicren wußte, ist gestern in Schöne­berg unter der Anschuldigung des Betrugs und der Fälschung verhaftet worden. ImVorwärts" teilt der sozialdemokratische Parteivorstand mit, daß aus der Parteikaffe 10000 Mk. an die belgischen Sozia­listen übermittelt wurden. Ferner wird zu einer Samm­lung aufgefordert. Ein Brüsseler Telegramm desVorwärts" beziffert die Zahl der Streikenden auf 311000.

Berlin, 18. April. DerNat. Ztg." zufolge sieht der dem Reichstage demnächst zugehende Gesetzentwurf wegen Regelung des Dienstverhältnisses im Handels- gew erbe den Anschluß derSondcrgerichte für kaufmännische Angestellte an die Amtsgerichte vor.

Harburg, 18. April. Großfcuer äscherte in dem be­nachbarten Lauen bruch fünf Wohnhäuser, darunter die Schule, ein.

Danzig, 18. April. Der wegen Raubmordes in Untersuchungshaft gehaltene Kutscher Schulz, ist trotz strengster Ueberwachung aus dem Gefängnis ausgebrochen. Es fehlt jede Spur von ihm.

Gumbinnen, 18. April. Im Krosigkprozeß ist für Freitag Staatsanwalt Krüger-Insterburg als Zeuge ge­laden.

Haag. 17. April. Das Amtsblatt veröffentlicht folgenden Kranlheitsbericht: Die Königin verbrachte eine etwas we­niger gute Nacht, das Fieber hält an, nahm aber nicht zu. Tas allgemeine Befinden ist verhältnismäßig befriedigend. Von Schloß Loo ist Professor Rosenstein wieder abgereist. Er trifft in der nächsten Woche zu einer neuen Eonsultation wieder hier ein. Reuter's Bureau erfährt aus durchaus glaubhafter Quelle: die Meldungen, die Königin leide an Bauchfellentzündung oder Nierenentzündung, sind durchaus unrichtig. Es scheint, daß Prof. Roessingh die Eonsultation mit Prof. Nosenstein für nötig erachtete, weil er die Mög­lichkeit einer Lungenentzündung befürchtete, doch scheint die Gefahr einer solchen vorüber. Das amtliche Blatt veröffentlicht heute Abend eine Mitteilung des Ministers des Innern, des Inhalts, Prinz Heinrich äußerte den Wunsch, daß alle öffentlichen Vergnügungen aus Anlaß seines bevor­stehenden Geburtstages mit Rücksicht auf den Gesundheitszu­stand der Königin unterbleiben.