Ausgabe 
18.3.1902 Zweites Blatt
 
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Wertschätzung, die die Herren Jmheuser genießen. Ganz : besonders verdient hervorgehoben zu werden, in welch herz- , licher Weise gerade die Angestellten des Hauses der Liebe und Anhänglichkeit zu ihren Chefs Ausdruck verliehen. Nach Beendigung des Mahles wechselten Deklamationen und Gesangsvorträge in bunter Reihenfolge mit einander ab; auch ein kleines Theaterstück wurde flott gespielt, sodaß sich, rnasch eine gehobene Feststimmung entwickelte. Durch ein Tänzchen, das bis zum Morgen dauerte, erhielt die Feier ihren Abschluß/ die bei sämtlich,en Festteilnehmern gewiß dauernd in Erinnerung bleiben wird.

** Aus dem Theaterburcau. Als vorletzte Vor­stellung dieser Spielzeit wird am Donnerstag, dem 20. d. SudermannsEs lebe das Leben" noch einmal auf­geführt.

** Die letzte Beuefizvorstclluug dieser Spielzeit, der Ehren­abend von Frl. Ungar und Herrn Sandor, wird uns am Mittwoch noch einen Anzengruber bringen, ein er­greifendes Volksstück.Das vierte Gebot" ist ein dra­matisches Werk von hinreißender Gewalt, von erschütternder Tragik, die das Alltagsleben mit seinen einfachen Vorgängen über eine schlichte Familie verhängt. Wir wollen hoffen, daß dem Künstlerpaare rhr Abschiedsabend vom Gießener Theaterpublckum die verdienten Ehren erweisen wird. Wie wir hören, kehren Frl. Ungar und Herr Sandor in der nächsten Spielzeit nicht mehr zu uns znrück. Ja der aller­größte Teil unserer Künstlerschaar verläßt uns wieder, nur Frl. Feige, Frll v.Aspernburg u. die Herren Ramseyer, Gerlach und Zoderwerden wir im nächsten Winter wieder neu begrüßen. Sie sollen uns willkommen sein! Den Scheidenden aber gebührt ein herzliches Glückauf für ihre weitere Laufbahn auf den weltbedeutenden Brettern!

** Innerhalb der evangelischen Bevöl­kerung des Großherzogtums ist, nach Darmstädter Meld­ungen, eine Protestbewegung gegen die Auf­hebung des Jesuitengesetzes im Gange, die in Eingaben an «die Staatsregierung und das Oberkonsistorium ihren Ausdruck finden soll. Die an das Oberkonsistorium gleichmäßig gerichtete Eingabe hat demzufolge folgenden Wortlaut:

Der Unterzeichnete Kirchenvorstand zu . . . spricht hoher Kirchenbehörde die dringende Bitte aus: Großh. Oberkonsistorium wolle die Großh. Staatsregierung ge- neigtest davon in Kenntnis setzen, daß die unterzeichneten Vertreter der evangelischen Gemeinde zu. . . gegen die Aufhebung des Reichsgesetzes vom 4. Juli 1872, den Jesuitenorden betreffend, die lebhafteste Besorgnis hegen und nicht nur im Interesse des deutschen Protestantismus, als dessen Todfeind sich der Jesuitenorden von jeher bewiesen hat, sondern auch vernehmlich, zur Wahrung des konfessionellen Friedens, dessen Störer der Orden stets «gewesen ist und immer sein wird, gegen die Wieder­zulassung des Jesuitenordens und seine öffentliche Thätig- keit in Deutschland ihrerseits auf das entschiedenste Ein­spruch erheben."

Wie verlautet, sollen solche Eingaben bis jetzt aus 94 Kirch en gemeinden b ezw. Kirchspielen der Provinz Starken­burg, aus 1,86 Gemeinden Oberhessens und 105 Rheinhessens eingelaufen sein, zusammen also 385. Und zwar sollen 213 davon von den Kirchenvorständen und Gemeindevertretungen unterschrieben worden sein. Von größeren Orten des Landes werden insbesondere die Ein­gaben außer von Gießen, von Darmstadt, Offenbach, Bens­heim, Heppenheim, Friedberg, Mainz, Worms, Bingen und Oppenheim erwähnt. Uns ist indes eine solche Eingabe bisher nicht zu Gesicht gekommen. Gleichzeitig melden die N. H. Volksol", daß das hessische Oberkonsistorium bereits anfangs Februar an das Großh. Ministerium des Innern mit der dringenden Bitte gewandt haben soll, es wolle einen früher stets eingenommenen Standpunkt festhalten und im Bundesrate zur Aufrechterhaltung des ReichZ- gesetzes vom 4. Juli 1872 mitwirken.

* * Von der Eisenbahn. Vom 16. März ab wird >er Durchlauf der Personenwagen nach der Schweiz über Basel S. B. B. wieder ausgenommen.

* * Sonntagsruhe für die Po st beamten. Wie man mitteilt, sollen in demselben Umfange wie das eigent­liche Unterbeamtenpersonal fortan auch, die Aushelfer im Unterbeamtendieste, sofern sie längere Zeit hintereinander beschäftigt werden, in den Genuß der Sonntagsruhe treten. Bei kürzerer Dauer ihrer Beschäftigungszeit sind ihnen, oweit angängig, die Geschäfte der sonst zur Durchführung rer Sonntagsruhe für das Unterbeamten personal erforder­lichen Aushelfer zu übertragen.

* * Po st Hausbau in Bad Nauheim. Die Zweite Kammer der hessischen Landstände hat den Abbruch §des Siedehauses I <in Bad Nauheim und den Verkauf dieses! Grundstückes an die Postverwaltung genehmigt. Auf diesem Grundstück wird ein der Bedeutung des weltbekannten Bades entsprechendes reichseigenes Postgebäude errichtet werden, zu dem der Reichstag die erste Baurate für 1902 bewilligt hat. Die Pläne find bereits vollständig aus gearbeitet; die Bauarbeiten werden demnach anfangs April begonnen werden. Mit der Bauleitung ist der Regierungsbaumeister Friede aus Berlin betraut.

** Der Verein wildgerechter TaunuSjiiger veranstaltet in Frankfurt a. M. eine Ausstellung von Geweihen, Hörnern und Jagdtrophäen, die heute früh, wie uns ein Privat­telegramm meldet, eröffnet wurde. Unter den Ge­weihen sind besonders bemerkenswert die eines Vierzehners und eines Sechsundzwanzigenders, die, im Taunus erlegt, aus der ehem. landgräfl. Hefsen-Homburg'schcn Sammlung lammen und sich jetzt im Besitz des Großherzogs von Hessen reftnden. Auch eine Anzahl idealer Rehkroncn weist die Ans­tellung auf, die zum Teil aus den Kreisen Marburg, Gießen (erlegt von A. Rübsamen-Gießen), Alsfeld (erlegt von Forstwart Adam-Lehrbach), Friedberg (erlegt von dem Grafen Solms-Rödelheim und E. Vogt-Butzbach) stammen. Der Großherzog von Hessen hat weiter eine Kollektion von Hirsch­geweihen, Sechzehner und Achtzehner, aus dem Park von Kranichstein ausgestellt, die besondere Aufmerksamkeit erregen.

** Gewitterstürme. Zahlreiche Berichte aus der näheren und weiteren Umgebung melden von Gewitter- und Schnee­türmen, die in den letzten Tagen herrschten und stellenweise großen Schaden anrichteten. So schreibt man aus Herchen- Hain: Samstag nachmittag zog ein Gewitter über unser Dorf, begleitet von Blitz und Donner sowie heftigem Hagel- chauer, dem ein anhaltendes Schneegestöber folgte, das in kurzer Zeit unsere Höhe mit einer Schneedecke überzog. Da- !)ei herrschte ein starker Weststurm, der den Verkehr wesent­lich erschwerte. Auch über Frankfurt und die Umgegend ging um dieselbe Zeit ein starker mit einem heftigen Sturm-

Aus Stadt und Sand.

Gießen, 18. März 1902.

** Personalnachrichten. Der Großherzog hat dem Betriebsäufseher Wesp zur Arheilgen, in Diensten des städtischen Gaswerks zu Darmstadt, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür treue Arbeit" verliehen. Ju den Ruhestand wurde versetzt der Monteur bei der Main-Neckar-Eisenbahn Biege r auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. April an. Ernannt wurde der Vorarbeiter bei der Main-Neckar-Eisenbahn Wa l t e r aus Arheilgen zum Monteur bei dieser Bahn mit Wirkung vom 1. April.

** Jubiläum. Wie wir bereits mitteilten, konnte die Firma Robert und Max Jmheuser am 1. d. M. auf ein zehnjähriges Bestehen ihres Geschäftes zurücksehen. Aus diesem Anlasse veranstalteten die Inhaber am letzten Samstag abend in dem zu diesem Zwecke mit Blumen und Guirlanden prächtig geschmückten Saale desPrinz Karl" ein größeres Fest, zu dem sie ihr gesamtes Personal, sowie eine kleine Zahl befreundeter Familien eingeladen hatten. Eingeleitet wurde die Feier von Herrn Jmheuser sen. durch eine warme, von Herzen kommende Begrüßungs­ansprache. Mit Befriedigung konnte Herr Jmheuser fest­stellen, daß die Firma dank der Unterstützung des ihr zur Seite stehenden tüchtigen und gut geschulten Personals in dem abgelaufenen Dezennium einen bedeutenden Auf­schwung zu verzeichnen hat. Das Geschäft, dessen Abnehmer bei der Uebernahme größtenteils aus Landbevölkerung be­stand, habe inzwischen sein Absatzgebiet ganz in die Stadt verlegt und stehe heute an Leistungsfähigkeit keiner Firma einer Großstadt nach Dieser warm ausgenommenen An­sprache folgte zunächst ein von einer Angestellten des Hauses verfaßter und mit Wärme vorgetragener Prolog, der das gute Einvernehmen zwischen Personal und Chef zuni Aus­druck brachte. Weitere Ansprachen der Festgäste folgten. Alle legten Zeitgnis ab von der hohen Verehrung und

Vom Burenkrieg.

Neber dieVorgängebeiMetbuensVerwun- dung und Gefangennahme wird nach einer Lon­doner Depesche aus Clarksdorp telegraphiert: Methuen erhielt den Schuß, als er eben sein Pferd bestiegen hatte, um die entflohene Reiterei zurückzubringen. Tie stligei. zerschmetterte den Hüstenknochen und tötete sein Pferd. Nach der Kapitulation ritt Delarey herbei, behandelte Methuen mit der größten Rücksicht und befahl, daß er unter Aufsicht seines eigenen Neffen und mit dem an drei Stellen verwundeten Obersten Townsend in das Militärlazarett nach Clarksdorp ge­bracht werde. Viele Burger sprachen sich auf das bitterste gegen Methuens Auslie s e run g aus, Delorey aber be­stand darauf, und setzte seinen Willen trotz des Wider­standes der Buren durch. Er stellte zwei seiner eigenen Wagen Methuen und Townsend zur Verfügung. Delarey. benahm sich bei der ganzen Affäre mit größter Freundlichkeit und Humanität, erlaubte auch Methuen, sofort an Lady Methuen zu tele­graphieren.

Nach einer Kapstadter Depesche derDaily Mail" wur­den die Operationen gegen dieAufftändischen" in der Nordwestlichen Kap-Kolonie durch Eroberung zweier britischerKonvois mitProviant für die dortigen Garuisonstädte erheblich vermindert. Einzelheiten fehlten noch, aber die Affaire wäre sehr bedauerlicher Art gewesen, da große Quantitäten Proviant in die Hände der Auf­ständischen fielen. DerFeind" zählte 1500 bis 2500 Mann unter dem Kommando Maritz. Alles war vorbereitet, die Blockhaus-Linie von Victoria West Road gegen die Lamberts Bay vorzurücken. Nach Verproviantierung der Garnison sollten tue Operationen beginnen. Damit ist es nun nichts.

Im Unterhaus zu London beantragte Campbell Ban­nermann, die Ernennung einer besonderen Kommission, die Käufe undKontrakte der Regierung für die Zwecke des Krieges prüfen soll. Das Interesse der Steuerzahler, der Truppen, der Beamten des betr. Depar­tements, sowie des Unterhauses mache eine unabhängige Untersuchung notwendig. Allgemein wurde anerkannt, daß es nicht schwer sei, Grund für den Glauben zu entdecken, daß die schnell ins Leben gerufene Organisation sich, als der militärische Ausflug sich zu einem großen Feldzuge entwickelte, als unzureichend erwies, und daß ihr Mangel anKenntnis dem Lande viel kostete. Der ernsteste Faktor sei die zu einem hohen Grade aus­gebildete Organisation der Staatslieferanten, die immer noch aus dem Kriege Vorteil ziehen. Zu dem Antrag erklärt Kriegsminister Brodrick, aus der spärlichen Besetzung der Bänke der Opposition könnte man nicht entnehmen, daß das Haus Über ein von ihr beantragtes Tadelsvotum berät, lieber die grundsätzliche Frage, daß eine Untersuchung anzustellen ist, bestehe Frischen der Regierung und der Opposition keine Mein­ungsverschiedenheit. Aber die Regierung könne nicht zu­stimmen, daß das jetzt geschehe. Eine solche Untersuchung während des Krieges würde die Verwaltungsthätigkeit des Kriegsamtes lähmen. Brodrick schließt mit einem Appell an diejenigen, die zu sehen wünschten, daß der Feldzug zu einem befriedigenden Abschluß gebracht werde. Sie füllten die Regierung unterstützen, daß die Untersuchung vertagt werde, bis die geeignete Zeit gekommen sei.

Im Oberhaus bat Lord Spencer um Auskunft über die Handhabung des Kriegsrechts in der Kap-Ko­lonie und verlangte Vorlegung der Schriftstücke über die Verhandlungen des Kriegsgerichts. Nach lebhafter Debatte erklärt Lord Salisbury, in der Kolonie habe sich hinreichend Widerstand gezeigt, um die von der Regierung getroffenen . Maßnahmen zu notwendigen Maßnahmen zu machen. Die Regierung müsse $um Zwecke der Wiederherstellung des Friedens die Suprematie der Kriegsgewalt anerkennen. Ehe dies Ziel nicht erreicht sei, könne sie nicht erlauben, daß diejenigen, die, wenn auch' gezwungen, in den Rechen der Feinde Englands kämpften, in der Gerichtsverhandlung Thatfachen an die Oeffentlichkeit bringen, die der Regier­ung des Königs schädlich oder möglicherweise die Sache 1 des Feindes förderlich fein könnten. Die Regierung müsse zurückgreifen auf die Rechte, die jede Regierung hat, um ' die eigene Existenz zu verteidigen. Das Verlangen Spencers auf Vorlegung der Schriftstücke wird abgelehnt. .

Gegenüber den Erklärungen Richthofens, daß ; Deuts chland der erste Staat war, der bei der eng­lischen 'Regierung zu Gunsten der Unterstütz­ungssammlungen an die Buren inter- : venierte, erklärt derTemps", daß die französische Regierung bereits im Januar den nämlichen Schritt mit dem gleichen Erfolge unternommen . hatte. Das Blatt erinnert auch daran, daß Frankreich das erste Land war, das dem Präsidenten Krüger Gastfreund- 1 schäft gewährte. 1

wind verbundener Hagelschauer nieder. In Gießen und der näheren Umgegend merkte man nicht soviel von dem Un­wetter. Auch aus anderen Teilen Deutschlands und Europas liegen Nachrichten von heftigen Stürmen vor. So richteten im oberen Fuldathale, im Nhöngebirge am Sonn­tag Gewitterstürme und starken Hagelschlag vielfach Schaden an. Aus Konstantinopel wird gemeldet, daß in den letzten Tagen starke Schneefälle dort stattgefunden haben.

z. Watzenborn-Steinberg, 17. März. Im Auftrage des LandesverbandesKriegerkameradschaft Hassia" hielt am Sonntag Lehrer Will aus Rendel im hiesigen Kriegerverein einen Vortrag über dieBedeutung der geschichtlichen Vor­träge in den Kriegervereinen". Der Vortragende schilderte zunächst die Ursachen der Gründung und bann die heutige Bedeutung der Kriegerverbände. Die daran anknüpfenden, sehr interessanten Ausführungen gipfelten in den Gedanken: Durch die Kenntnis der Geschichte unseres Volkes ist es uns möglich, die Gegenwart recht zu verstehen; sie lehrt uns Fürst, Volk und Vaterland lieben, und durch die Schilderung der Lebensbilder ausgezeichneter Personen werden wir zum sittlichen Handeln ermuntert. Obgleich Herr W. nahezu eine Stunde sprach, verstand er es, die ungefähr 140 Zuhörer zählende Versammlung bis zum Schluß zu fesseln. Reicher Beifall wurde dem geschickten Redner zuteil. Zur Verschöne­rung der gemütlichen Nachfeier trug der Gesangverein Sängerkranz" durch einige gut gewählte und schön vorge­tragene Lieder wesentlich bet. Auch wurde wieder in schöner Weise der notleidenden Burenfrauen und -Kinder ge­dacht. Eine für sie bestimmte Geldsammlung ergab 20 Mk. Bei einer früheren waren 21.65 Mk. eingekommen.

r Steinbach, 16. März. Gestern fand hier die Wahl eines Beigeordneten statt. Der seitherige Beigeordnete Heinrich H. Horn I erhielt 63 Stimmen. 40 Stimmen fielen auf Heinrich Krämer I, 23 Stimmen auf Paulus Schneider III. Es muß somit eine Stichwahl ftattsinden.

e. Bad Nauheim, 15. März. Eine englische Ge­sellschaft hat heute in der Parkstraße und Terrasfen- straße mehrere Villen gekauft und will auf dem großen Terrain ein Hotel errichten. .Auch die Villa des £errn Dr. Baur, die, wie wir gestern berichteten, für 150 000 Mk. angekauft worden ist, gehört dazu. Sie ist erst vor acht Jahren gebaut und vor zwei Jahren umgebaut worden. DerFriedb. Oberh. Anz." erfährt noch weiter, daß auä), die Villa Therese in der Terrassenstraße angekauft worden sei, und beabsichtigt werde, das seitherige Postamtsgebäude anzukaufen. Geplant fei die Errichtung eines großartigen Sanatoriums. Das Aktienkapital belaufe sich auf zwei Millionen Mark, wovon l1/? englisches und y2 Million deutsches Kapital sei. Ein hiesiger Arzt solle die Leitung des Sanatoriums übernehmen.

Friedberg, 15. März. Der Bürgermeister machte in der gestrigen St ad t v erordn e tens itzun g u. a. die Mit­teilung, daß das Geschäft wegen Aufnahme eines AlN- ßehens mit dem Vorschuß.- und Kreditverein abgeschlossen sei. Da bei einer Summe von 360000 Mk. der Kursverlust 12 420 Mk. beträgt, sodaß nach Abzug desselben nur 347 580 Mark verbleiben und diese Summe dem Bedarf entspricht, wurde mit Zustimmung des Kreisamts und des Minister steriums erstere Summe endgiltig auf genommen. Die Ge­samtschulden der Stadt betragen nunmehr nach einer Aufstellung des Bürgermeisters 805 078,50 Mk., außerdem lasten noch auf dem Gaswerk 62 000 Mk.

r. Eber ftadt, 17. März. Heute fand hier bie Bürg ermei st erwähl statt. Gewählt wurde Heinrich Gör lach IX. Der seitherige Bürgermeister, Görlach, web- cher sein Amt 18 Jahre lang mit großer Gewissenhaftigkeit geführt hatte, lehnte zum allgemeinen Bedauern unserer Gemeinde aus Gesundheitsrücksichten eine Wiederwahl ab.

a. Nieder-Ohmen, 17. März. Bei der heute er­folgten Wahl eines Beigeordneten wurde der Kassenrechner Konrad Carle II. mit 95 Stimmen einstimmig gewählt.

W. Nidda, 17. März. Heute früh, 10 Minuten nach 1 Uhr vernahm man hier ein 23 Sekunden währendes unterirdisches Rollen; an einigen Häusern klirrten die Fenster. Das Geräusch war, wie es das Vorüberfahren eines chweren Lastwagens hervorruft. Gleich darauf erhob sich ein starker Sturmwind, welcher kurze Zeit anhielt.

w. Nidda, 17. März. Heute wurde unter zahlreicher Beteiligung aller Bevölkerungstlassen der von 18381890 hier als Lehrer thätig gewesene und seit 1890 pensioniert Gebende Lehrer Daniel Lorz zur letzten Ruhe be- tattet. Er hatte im ganzen 57 Jahre, 52 in Nidda, im Amt gestanden und war dabei noch Vorstandsmitglied der Spar-« und Leihkafse, Rechner der Ludwig- und Alice-Stiftung, Almosenpsleger der Krug'schen Stiftung uni)' Gründer und langjähriger Leiter des Gesangvereins Sängerkrauz ge­wesen, der ihm auch das Grablied sang. Im Jahre 1887 bei Gelegenheit seines 50jährigen Dienstjubiläums, wurde er mit demSilbernen Kreuz" dekoriert. 1892 feierte er eine goldene Hochzeit. Er lebte seit seiner Pensionierung bei seinem Sohne, dem jetzigen Kaufmann Lorz. Er konnte 3 Kinder, 11 Enkel und 6 Urenkel heranwachsen sehen. Pfarrer Werner hielt ihm die Grabrede über I o h. 21,15 Weide meine Lämmer". Gestern wurde bei Gelegenheit einer Hochzeit beim Raufen um ausgeworfenes Geld ein Junge so ins Auge gestoßen, daß dieses ernstlich gefährdet cheint.

Darmstadt, 17. März. Unter dem Protektorat der Gräfin Exb ach -Schön b er g wird auch in unserer Resi­denz für die Dauer von drei Jahren ein Fpa neubund geplant, der im Sinne der von Leipzig ausgegangenen Anregung an der zu Schillers hundertjährigem Todestage (1905) von der gesamten deutschen Frauen­welt beabsichtigten Ehrung teilnehmen will.

Frankfurt a. M., 17. März. Im Alter von 86 Jahren tarb heute S. M. Dreyfus, der frühere Teilhaber des Bankhauses S. v. Steiger. Der Bankdirektor Jean A n d r e a e, Präsident der Frankfurter Handelskammer, erhielt den TitelKommerzienrat".

** Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. Der Dreschmaschinenbesitzer Pferd aus Garbenheim wurde in Untersuchungshaft abgeführt. Diese Verhaftung soll mit dem vor einiger Zeit stattgehabten Brand des Waldschmidt'schen Schuppens am Weinberg in Verbindung stehen.

Vermischtes.

* Ein Sohn des Berliner Akademiedirektors Prof. Anton v. Werner, der Fähnrich an der Marine-Akademie in Kiel ist, ertrank bei einer Bootfahrt im Kieler Hafen.

* Aus Lima wird berichtet, daß dort eine neuerbaute