Ausgabe 
18.2.1902 Zweites Blatt
 
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Korrespondent mttteilt, zählten die Interessenten, die sich zu der gestrigen dortigen Jagd- und Fischereiverpachtung eingefunden hatten, nach Hunderten. Einige fremde Nimrode waren schon 2 Tage vorher in Schotten eingettoffen und prüften die Reviere. Die Preise gingen im allgemeinen be­deutend in die Höhe. Dr. Mettenheimer-Gießen pach« tete wieder sein seitheriges Gebiet auf dem linken Nidda- Ufer mit einiger Erweiterung. Das rechte Nidda-Ufer pachtete Noll-Frankfurt a. M. Tie Herren Kaltenhäuser, Glock und Stang von Schotten erstanden die Schottencr Jagd. Für letztere haben bereits andere Jnteresienten be- dentend höhere Gebote gemacht. In Götzen wurde Tr. Büchner von Schotten und in Betzenrod Wagnermeister Lang von dort Jagdpächter. Für die Gcmeindejagd in Saasen wurde bei der Neuverpachtung ein geringerer Preis als bisher erzielt. Ter seitherige Pachipreis bettug 400 Mark, der jetzige ist 370 Mk.

* Eine Mißgeburt. Der Landwirt Schrimpf in Wallenrod entdeckte, als er heute früh in den Stall kam, ein zu früh geborenes Kalb, das zwei ausgebildete, gleichgefärbte Köpfe hat. Die Mißgeburt hat auch zwei Hälse, die von der Mitte aus verwachsen sind. Der Schwanz ähnett einem Hundeschwanz, die Füße sind aber richtig aus­gebildet. Der Gießener Universität ist zwecks Sezierung Mit­teilung gemacht worden.

** Verhafteter Fahnenflüchtiger. Ein bei dem Kaiser Franz-Garde-Grenadier-Regiment Nr. 2 in Berlin dienender Soldat, der sich am Sonntag von seinem Truppenteil ohne Urlaub entfernt hat, wurde heute Vormittag hier verhaftet. Er hatte bereits seine Uniformstücke an das Regiment zurück- gesandt und trug Civilkleidung.

** Der Bor st and der land- nnd forstwir t - schaftlichen Berufsgenossenschaft für dasGroß- Herzogtum Hessen erläßt folgende Bekanntmachung: Die Zentralpostbehörden haben sich bereit erklärt, die Auszahl­ung von fortlaufenden Unfallrenten an Empfänger, die in einem Landbestellbezirk wohnen, ohne Erhebung eines Bestellgeldes durch die Landbriefttäger in allen den Fällen bewirken zu lassen, in welchen die Empfänger durch eine Bescheinigung der Bürgermeisterei nachweisen, daß sie wegen ihres körperlichen Zustandes, insbesondere wegen Alters, Krankheit oder anderer Gebrechen, ausnahms­weise auch in besonders gearteten Fällen, 4. B. bei Wartung und Pflege dritter Personen zur Abhebung der Renten­beträge bei der Postanstalt unfähig sind, und die Beträge auch durch Familienangehörige nicht abheben lassen können. Ein entsprechender Antrag hat unter Beifügung der ver­langten Bescheinigung schriftlich oder mündlich bei der zu­ständigen Postanstalt zu erfolgen. Der Genossenschafts- Vorstand wird in solchen Fällen in Zukunft im allgemeinen auch aus die Beglaubigung der Unterschrift verzichten. Die Auszahlung der einmaligen Geldbeträge für in Landbestell- bezirkcn wohnende Empfänger geschieht in allen Fällen gleichfalls ohne Erhebung von Bestellgebühren. Auch hier wird im Interesse einer möglichsten Erleichterung der Aus­zahlung auf Beglaubigung der Unterschrift verzichtet werden.

Z. Klein-Linden, 17. Febr. Am letzten Samstag wurde der hier feit fast 50 Jahren bestehende geistliche Musikverein von einem wohlwollenden Spender und Freunde in dankens­werter Weise überrascht. Der Verein war zur gewöhnlichen Uebungsstunde versammelt, als chm in Gegenwart des Spenders ein sehr schönes L-Helikon überreicht wurde. Das Geschenk erfreute um so mehr, da der Verein ein solches Instrument bisher noch nicht besaß. Nachdem einige Choräle geblasen waren, wurde dem hochherzigen Geber von dem zweüältesten Mttgliede des Vereins der gebührende Dank ab­gestattet.

fe. Steinberg, 17. Febr. Der Gesangverein Ein­tracht feiert in diesem Jahre fein 3 3. Stiftungsfest, verbunden mit Fahnenweihe. Es wurde nun in der General­versammlung am Sonntag ein Festausschuß gewählt und für den Festtag der 29. Juni bestimmt.

§ Butzbach, 17. Februar. .Gestern Nachmittag fand im Gasthauszum goldenen Löwen" hier eine Versammlung der Gemeindeeinnehmer aus dem Kreise Friedberg statt. Gegenstand der Verhandlungen war u. a. das dienstliche Ver­hältnis der Gemeinderechner und die angestrebte Pensions­fähigkeit ihrer Besoldung. Nach Erledigung der Tagesordnung besichtigte eine Anzahl der Versammlungsteilnehmer die Sehens­würdigkeiten unserer Stadt.

Friedberg, 16. Febr. Bei der Wahl von vier Mit­gliedern des Kreistags durch die Höchstvesteuerten, an der sich 28 Wähler beteiligten, wurden die ausscheidenden Herren: Gras O r i o la-Büdesheim, Gasthosbesitzer Spr en gel-Bad-Nauheim, Bierbrauereibesitzer Win­decker-Friedberg wiedergewählt. Für den verstorbenen Mühlenbesitzer S ch u d - Görbelheimer Mühle wurde Müh- len-Besitzer Forbach zu Okaroen gewählt.

Friedberg, 17. Febr. In der letzten Stadtverord­netensitzung wurde zunächst über ein Anlehcn der Stadt Friedberg beraten. Die Finanztommission hat die Aus­nahme eines Anlehens in Höhe von 300 000 Mart vorbereitet. Folgende Firmen haben Offerten abgegeben: B. Strauß in Marburg, die Nauheimer Bank, M. Heß hier, A. Heichel­heim-Gießen und der Vorschuß- und Kreditverein hier. Die Versammlung beschloß, nochmals mit dem Vorschuß- und Kreditverein zu verhandeln und die Finanzkommission zu ermächtigen, bei entsprechendem Erfolg alsbald den Zu­schlag zu erteilen. Bauführer Pohl erläuterte alsdann die Schlußabrechnung des Gymnasiums. Darnach stellt sich die Gesamtaussührung auf 368 000 Mark, ohne die Kosten für den Bauplatz, die mit 35 000 Mk. angenommen werden.

T Btrmuth?hain, 17. Febr. An Stelle unseres im Ja­nuar verstorbenen Feldschützen wurde Johannes Oestreich von hier zum Feldschütz vom Ortsvorsland bestimmt.

le. Hartmannshain, 16. Febr. Daß ein für 9 Jahre gewählter Beigeordneter mitunter den Dienst für 11 Jahre versieht, dürfte selten vorkommen. Bei uns hätte die Neu­wahl eines Beigeordneten bereits vor zwei Jahren erfolgen müßen; sie ist jedoch damals unterblieben. Die Wahl fand nun gestern hier statt. Ter seitherige Beigeordnete Langlitz wurde mit 38 Stimmen einstimmig wiedergewählt. Nach der Wahl bewirtete Langlitz seine Wähler gastlich.

S Tarwstadt, 17. Febr. Prinzessin Heinrich von Preußen wird am Mittwoch Vormittag 10 Uhr mit ihren beiden Söhnen zu längerem "Aufenthalt hier eintreffen. Der Großherzog von Sachsen-Weimar wird am Donners­tag früh eintreffen und im Residenzschlosse übernachten. Die

Abreise erfolgt Freitag Mittag 1 Uhr. Zu unserer gestrigen Mlttellung über die wegen Zweikamfes erfolgte Anklage erfahren wir weiter, daß zwei Heidelberger Studenten, von denen der eine den anderen einen gemeinen, frechen Lügner genannt hatte, ein durch Cartellträger eingeleitetes Säbel-Duell ausfochten. Nach 37 Gängen, die ohne ernstliche Abfuhr verliefen, wurden die Kombattanten durch einen Schutzmann überrascht, und e§ ist nun Anklage wegen Zweikampfes mit tätlichen Waffen gestellt. Ter scharf ge­schliffene Säbel des einen Gegners wurde beschlagnahmt.

Darmstadt, 17. Febr. Ein mit der Künstlcrkolonic hier aufgetauchter Kun st s ch r i f t st e l l er, welcher beson­ders im Interesse eines der Mitglieder der Kolonie in auswärtigen Zeitungen und Zeitschriften zu wirken suchte, ist, denN. Hess. Bolksbl." zufolge, seit kurzem mit Hinterlassung beträchtlicher Schulden ver - s ch w u n d e n. Seine Frau, welche während der Ausstellung im Platanenhein eine große Rolle spielte, ist schon feil Weihnachten von hier abgereift.

Mainz, 17. Febr. In der letzten Sitzung der Stadt­verordnetenversammlung machte der Vorsitzende, Oberbürgermeister Tr. Gaßner, die Mitteilung, das; das Ministerium den Entschluß der Stadtverordnetenversamm­lung, die Mitglieder des Kuratoriums der höheren Mädchenschule um zwei zu erhöhen, abgelehnt habe. Die Erhöhung wurde bei dem Ministerium beantragt, um die Rechte der Stadt Mainz besser vertreten zu können, und zwar sollten die Kuratoriumsmitglieder um zwei Stadtverordnete vermehrt werden; die Ablehnung geschah mit der Begründung, daß sich bis jetzt überall die be­stehende Mitgliederzahl des Kuratoriums als ausreichend gezeigt habe. Stadtv. Nation Reis griff das Hessische Schulministerium wegen seiner Haltung in dieser Frage ganz entschieden an, indem er auf die .Haltlosigkeit der Be­gründung hinwies und hervorhob, daß keine gesetzliche Handhabe bestünde, auf welche sich das Schulministerium stützen könne. Es sei dies keine Behandlung, wie man sie von feiten des Ministeriums der steuerkräftigsten Stadt des Landes zu teil werden lassen sollte. Diese Zurückweisung lasse wieder erkennen, was man in Mainz von Darmstadt zu erwarten habe. (Zwischenruf des Stadtv. Dr. Rautert: Von Darmstadt haben wir gar nichts zu erwarten.") In Mainz habe man seinerzeit ein Gymnasium aus den Mit­teln des Mainzer Universitätsfonds gebaut, in Darmstadt habe man zu einem ähnlichen Bau die Mittel der Steuer­zahler verwendet. Gegen diese Zurückweisung müsse die Stadt Mainz entschieden Front machen und dem Schulmini­sterium amGroßen Woog" klar machen, was es der Stadt Mainz schuldig sei. Ein Antrag des Redners, die Ange­legenheit an den Schulvorstand zur weiteren Beschluß­fassung und Begründung zurückzuweisen, wurde einsttmmig angenommen.

fc. Kassel, 17. Febr. Rittergutsbesitzer Schulze- Dellwig, der im Treberprozeß mit 3 Monaten Gefängnis, die als durch die Untersuchungshaft verbüßt erklärt wurden, davon gekommen ist, erschien am Samstag einige Stunden in WolzogensUeberbrettl" und amüsierte sich dort köstlich. DiesenGründer" hat allem Ansehen nach die Sache nicht sehr angegriffen.

" Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. Im Kaffee Markees in Marburg wurde die Sammel­büchse für Errichtung der Bismarcksäule mit Inhalt ge­stohlen.

UnioersttütsGachrichten.

Der um die Entwicklung des Bades Reichenhall hochver­diente Hofrat Dr. Georg F r h r. v. Liebig, ein Sohn des großen Gießener Chemikers, vollendete am 17. Februar das 75. Lebensjahr.

Arbeiterbewegung.

Triest, 17. Febr. Die Situation hat sich wieder ver­schlechtert. Die Arbeiter der Werste in San Rocco, des Stabili- mento Technico Triestino und des Llondarsenals legten die Arbeit wiederum nieder, weil oas Militär nicht zurück­gezogen wurde. Unter den Verhafteten befindet sich der Anarchist Joses Rovigo. Der Wiener Scharfrichter Lang ist samt zwei Gehilfen hier eingetroffen. Tie KriegsschiffeWien" undMonarch" sowie ein Hochseetorpedobool sind in den hiesigen Hafen ein- gelaufen.

Spielplan der vereinigten Frankfurter Ztadttheater.

Opernhaus.

Mittwoch den 19. Februar geschlossen. Donnerstag den 20. Feb­ruar*):Das süße Madel". Freilag den 21. Februar geschlossen. Samstag den 22. Februar:Carmen". Sonntag den 23. Februar, nachmittags halb 4 Ubr:Der Zigeunerbaron". Abends 7 Uhr: Tie Regimentstochter. Hieraus, neu einstudiert:Wiener Walzer". Ballett in drei Bildern von Louis Frappart und F. Gaul.

Schauspielhaus.

Mittwoch den 19. Februar;Das Glück." Donnerstag den 20. Februar, abends halb 8 Uhr:Lumpaci Vagabundus". Frei­tag den 21. Februar:Alt-Heidelberg." Samstag den 22. Feb­ruar: Zum erften Male:Es lebe das Leben." Schauspiel in fünf Akten von Hermann Sudermann. **) Sonntag den 23. Februar, nachmittags halb 4 Uhr:Mamsell Tourbillon". Abends 7 Uhr: Zum ersten Male wiederholt:Es lebe das Leben." Montag den 24. Februar:Mamsell Tourbillon."

*) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

** ) Soeben im Verlage von I. G. Cottas Buchhdlg. Nachf. in Stuttgart erschienen. Preis 3 Mk.

Sandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Markte.

Gießen, 18. Februar. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Pfund 0,901,05 Mk., Hühner­eier pr. Stück 78 Pf., 2 Stück 00.00 Pf., Käse pr. Stück 57 Pf., Käsematte 2 Stück 00 Pfg., Erbsen pr. Liter 19 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Tauben pr. Paar 1,001,20 All., Hühner pr. Stück 1,201,80 Mk., Lahnen pr. Stuck 1,301,80 Alk., Enten pr. Stück 2,402,80 All., Gänse pr. Pfd. 0000 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 6676 Pfg., Kuh- uird Rindfleisch pr. Pfund 6064 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 7080 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 6066 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 5070 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 3,500,00 Bll., Weißkraut per Stück 0000 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 7,508,50 All., Milch per Liter 18 Pfg. Aepfel per Pfd. 915 Pfg., in Körben 1215 Pfg. Trauben 3550 Pfg.

Tauer der Markrzeit von morgens 8 Uhr bis nachmittags 2 Uhr, während der ersten drei Sttmden der Marktzeil darf nicht im Uncherziehen seilgeboten werden.

griff kalten der Redaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

L. E. Am Ihre Anfrage erwidern wir, daß unserem Re­ferat über den Vortrag des Tr. Becker im Oberhess. Geschichts- verein über Gießener otubententum im 17. Jahrhundert der

Oberhess. Geschichtsverein fern steht. DaS Referat ist von einem. Mitglied unserer Redaktion nach stenographischen Notizen an» gefertigt

Ufuelle yUiiniiißfiL

Originaldrahtmcldungcn des Gießener Anzeiger».

8. Darmstadt, 18. Febr. Tie 2. Kammer der Staube wurde heute Vormittag durch den Präsidenten, Geheimrat HaaS, eröffnet. Rach kurzer Tebalte wurde der Staatsvertrag zwischen den Großherzogtümern Heffen und Oldenburg beit, den Vertrieb der ii'oie der hessischen LaudeSlotterie in Oldenburg und den Fürstentümern Lübeck und Birkenfeld gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Abgg. Roack und Schoenberger ge­nehmigt.

Berlin, 18. Febr. Zu dem bekannten Kompromiß- Anträge zum Zolltarif schreiben dieB R. Rachr.": Nach unserer Ueberzeugung ist es vollständig ansgefchlosseo, daß die verbündeten Regierungen den Antrag annehmea. Rach boll bisherigen Erklärungen des Reichskanzlers ist eine runde endgültige Ablehnung seitens der verbündeten Regierungen wohl mit Sicherheit zu erwarten. Damit dürfte der Mehrheit der Kommission der rettende Sprung auf den Boden der Regierungs-Vorlage wesentlich erleichtert werden.. Ebenso wie die Erhöhung der Eetreidepreise erachten wir ar.ch die Vorschrift eenes Termms für eine kaiserliche Verordnung für absolut nuannehmbar.

Berlin, 18. Febr. Die Zolltarifkommiffion des Re chstags wählte einstimmig den Abg. Rettich (lonf.) zum Vo rsitzendeu.

Petersburg, 18. Febr. Der chinesische Gesandte Haug Yue ist gestern hier gestorben.

London, 18. Febr. Der Prinz von Wales ist zum Oberbefehlshaber des großen Geschwaders ernannt wor­den, welches bei Gelegenheit der Krönungsfeier in Parade stehen wird. Das Oberhaus hat gestern den Gesetzentwurf betrefsend die obligatorische Impfung ab ge* lehnt.

Brüssel, 18. Febr. Wessels und Wolmarans sind nach Amerika unterwegs. Alle anderen Gerüchte sind falsch. Vorläufig sind die Besprechungen mit England abgebrochen. Die Amerikareise ist auf An­raten einflußreicher Persönlichkeiten erfolgt uub dürste diesmal nicht aussichtslos sein wie unter Mae Kinley. Die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten ist durchaus burenfreundlich, einflußreiche Ausländer und Politiker stehen zur Verfügung, die neuesten politischen Ereignisse, die Schwenkung Englands auf fetten Japcms, das Entkommen Dewets, die Mißstimmung Rußlands, die neueste Rede Roosevelts und die Anwesenheit des Prinzen Heinrich in Amertta bilden günstige Faktoren für die Burenattion. Fischer ist jetzt in Brüssel, Dr. Leyds weilt in Paris.

Madrid, 18. Febr. Der Minister des Auswärtigen dementiert die Meldung von einer angeblichen Ab­tretung bezw. Verpachtung der Insel Fernando P o an eine belgische Gesellschaft. Dagegen wäre eine Verständigung über eine eventuelle Verpachtung der Kolonie Rio Mu ni, falls annehmbare Offerten gemacht würden, nicht ausgeschlossen.

Barcelona, 18. Febr. Infolge des allgemeinen Ausstandes ist der Verkehr der Straßenbahn und der sonstigen Wagen vollständig eingestellt. Die Laden, Kaffee­häuser und Banken sind zum größten Teil geschlossen. Tie Anständigen griffen die Dienstoten an, die vom Markt zurückkamen, und bemächtigten sich der Lebensmittel. Gestern abend ist keine Zeitung erschienen. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Truppeuverstärk- ungen sind eingetroffen. Gruppen von Frauen durchziehen die Straßen mit roten Fahnen und zwingen die Kaufleute, die Läden zu schließen. Der Ausstand dehnt sich auf die Umgebung von Barcelona aus. Die Zahl der Aus­ständigen soll 80000 betragen. Auf dem katatonischen Platze erfolgte ein Zusammenstoß zwischen Ausständischen und einem Bataillon Jäger zu Fuß, die schließlich ein Carre bilden mußten. Bis jetzt sind 3 T o t e und 35 Ver­wundete festgestellt worden, von denen 9 schwer verletzt sind. Die Stadt ist jetzt ruhig.

P o r t L o u i s, 18. Febr. Ter Transportdampfer Tagur mit 1000 gefangenen Buren an Bord ist aus Durban kommend hier eingetroffen, um nach Madras weiter zu gehen.

New York, 18. Febr. Wie mitgeteilt wird, treffen die Buren-Delegierten Wessels und Wolmarans am 22. Februar in NewYork ein.

Newyork, 18. Febr. Die deutschen KriegsschiffeVi-- neta" undFalke" haben La Guayry verlassen. Das deutsche Ultimatum ist mithin verschoben worden. Der Rebellenchef Riera besiegte (iaftroS Truppen bei Velor-- decaro. Viele Soldaten sind zu den Insurgenten über-i gegangen.

Washington, 17. Febr. Das Repräsentantenhaus nahm einstimmig eine Bill an, wodurch die zurzeit des ftriege» mit Spanien eingeführten Einkommensteuern wieder a b g e s ch a s s t werden.

Telephonischer Kursbericht«

Frankl art a. Jl., 18. Februar.

3 V$°/o Reichsanleihe . . 3% do. . . .

3Vi% Konsole . . . .

v°,o do.....

3l/tc/o Hessen . . . .

3% Hessen . . . . .

49« Oesterr. Goldrente 4 2% Oesterr. bilberrento 4% Ungar. Goldrente . .

4°/. Italien Rente . . .

4x/,% Portugiesen . . .

0/ Portugiesen . . . .

1% C. Türken . . . .

Türkenlose......

4% Griech. Monopo I-Anl 4\ j% äussere Argentiner

102.10

91.90

101.85

91.85

99.90

103*00

101.80

101.25

100.80

42.50

28.00

28.00

3J/o Mexikaner .... 26.85 4V2 A Chinesen , . . 91.30 Electric, bet ackert ... 122.00 Nordd. Lloyd ...... Kredicaktien..... 220.00

Diskonto-Kommandit . . 195.20 Darmstädter Bank . . . 139.50 Dresd- ner Bank .... 187.90 Ber iner Handelsges, . . 151.50 Oesterr. Staate bahn , . . 146 90 Lombarden ..... 20.10 Gottharu bahn ..... 168.70 Lanrabütte...... 209.50

114.20 Bochum ....... 203.75

44.90 -Harpener ...... 169.00

Tendenz: fest.

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