Ausgabe 
18.2.1902 Zweites Blatt
 
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Nr. 41

«rschetut täglich außer SonnlagS.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Eiehener Famtlien- dlätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­tag der Brühl'schen Unwers.-Buch- u.Stein- brucfetet lPretsch Erben) Redaktion, Erpedttwn und Druckerei:

Schul st ratze 7.

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KrrnsprkchanschlnßNr.51.

Zweites Blatt.

15Ä. Jahrgang

Dienstag 18. Februar 1003

SießenerAnzeiaer

** General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Bezugspreis: monatlich 7b Ps., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Hwetgstellen monatlich 6o Ps.; durch diePost Mk.2. viertel- jährl. auLschl. Beslellg. Annahme von Anzeige« für bie Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. 3cilenprci6: lokal 12 Ps, auswärts 20 Psg.

Verantwortlich: für den polit. u. allgcm. Teil: P. Wrttko; für Stadt und £anb* und ,Gertchtssaal':R.D 111» mann; für ben An­zeigenteil: Hans Beck.

Die heutige Yummer umfaßt 10 Seite«.

Politische Tagesschau.

Die Aussichten des Zollkompromifses.

Au dem in der Zolltaristornmisfion eingebrachten K o m - »ro mißantrage, betreffend die Getreidezölle, bemerkt )ie heute früh uns vorliegendeKreuzztg.", es sei keines- alls anzunehmen, daß die nationalltberale Fraktion gc- chlossen gegen einen solchen Arttrag stimmen werde, Da, wie als sicher gemeldet wird, der Mg. Sieg ihn bereits unterzeichnet habe. Eine, wenn auch knappe Mehr­heit durste demnach dem Anträge in der Kommission schon jetzt gesichert sein. Tas Blatt glaubt, daß eine end­gütige Erklärung der Regierung zu den Anträgen dec Kom­mission erst in einem späteren Stadium der Verhandlungen zu erwarten ist.

Also die Regierung soll sich Zeit lassen. Man verlangt von ihr nicht bie sofortige Korrektur desUnannehmbar", das Graf Bülow auf jegliche Veränderung der landwirt­schaftlichen Mindestzölle angelvendet hat, sondern man er­kennt an, daß der Wechsel der Anschauung nicht so schroff sein darf. Aber es kommt auch noch eine taktische Erwägung in Betracht: vorläufig steht fest, wie dieKreuzztg." zu- giebt, nur eine knappe Mehrheit der Zolltarifkommission hinter den Anträgen. Es braucht noch manche Verhandlung hinter den Kulissen, um die Mehrheit absolut zu sichern. Von den Nationalliberalen weiß man noch nicht zitverlässig, wie sie zu den Anträgen sich verhalten. Nur soviel wird angenommen, daß nicht die gesamte Fraktion gegen das Kom­promiß stimmt. Andere rechnen positiv mit einer Zustimm­ung von 12 bis 14 Nationalliberalen. DieNationalztg." weichet sich besonders scharf gegen die vorgeschlagene Er­höhung des Gerstenzolls von 3 auf 5 Mk. Das Zentrum wolle den bayrischen klerikalen Bauern, die an diesem Zoll ein besonderes Interesse nehmen, Genüge thun. Tie Hinaufsetzung des Gerstenzolls ist in der That vielleicht am meisten kritisch von den Anträgen. Die Interessenten des Braugewerbes werden dagegen zweifellos alle Hebel in Be­wegung setzen, und die Regierung wird vielleicht mit Rück­sicht auf die zahlreichen mittleren und Heineren Betriebe in die Erhöhung nicht einwilligen. Bereits dadurch bröckelt die Mehrheit ab. Das bayrische Zentrum hält den höheren Gerstenzoll für die Hauptsache und thut nicht mit, wenn die Fowerung fällt. In derNordd. Allg. Ztg." ist bis zur Stunde nichts eingetroffen, das über dre Haltung der verbündeten Regierungen zum Zollkompromiß Aufschluß geben könnte.

Die Oeffentlichkeit wartet aber wiederum auf die Stellungnahme der Regierung. Auslassungen, die in den letzten Tagen in offiziösen Zeitungen erschienen sind, ließen durchblicken, es sei noch nicht das letzte Wort gesprochen vom Grafen Bülow. DieKlärung der Situation" hat also nicht lange augehalten. Um diesem Zustande der Ungewiß­heit ein Ende zu machen, würde es nur wünscheirswert sein, wenn Graf Bülow in der demnächst stattftndenden Sitzung der Zolltariskommission unmittelbar die Antwort erteilt auf den Zollkompromißvorschlag. Voraussichtlich be­schäftigt sich die übernächste Sitzung der Kommission mit den Mindestzöllen. Eine Hinausschiebung der Entscheidung würde allerdings in einem den Anträgen günstigen Sinne, foroeit es sich um den Roggen- und Wetzetczoll handelt, angesehen werden. In sonst unterrichteten Kreisen häll man, wie man uns aus Berlin schreibt, daran fest, daß der Reich ska nzler alsbald das ganze Kompromiß als unannehmbar bezeichnen werde.

Militaretat im Reichstag.

Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm *7. Februar:

Tie Budgetkommission des Reichstags hat diesmal nicht weniger als 10 Millionen Mark vom Militär-Etat ab- gestrichen. Ist diese Summe schon im Vergleich zu den in den vergangenen Jahren abgesetzten ziemlich bedeutend, so tritt der Mangel an Bewilligungslust, den die Volks­vertretung diesmal bekundet, noch mehr in der Eigenart einzelner abgelchnter Etatstitel in die Erscheinung. Vor allem ist das der Fall bei der Position: Neubau für das Müitär-Kabinett. Tie Kommission, unter Führung des Abg. Dr. Bachem (Ztr.), hat diese Forderung gegen die Stimmen der konservativen Vertreter abgelehnt, und sich auch nicht verstehen können, Gelder für den Entwurf von Plänen zu bewllligen, obgleich der preußische Kriegs- minifter v. Goßler dringend darum ersuchte. Unter den Gründen, mit denen die ablehnende Haltung motiviert wurde, ist besonders charakteristisch der vom Abg. Prinz Arenberg (Ztr.) ins Feld geführte: die Stellung des Militärkabinetts zum Kriegsministerium habe sich in den letzten Jahren total verändert. . .

Tas Bild der heutigen Beratung des Militäretats wurde belebt durch die blitzenden Uniformen der auf der Bundesratsestrade weilenden Offiziere. Im Parquet saß das parlamentarische Stammpublikum, 4 bis 5 Dutzend Herreu Die Debatte bot stundenlang nicht das geringste erregende Moment; man tonnte schier glauben, es stünde ein trockenes, juristisches Thema zur Erörterung. Erst der temperamentvolle Abg. Bebel (Soz.) brachte einige Bewegung in die Szene. Er behandelte die Duellfrage das Verbot des Zweikampfs hatten vor , ihm die Abgg. Lenzmann (fr. Vp.) und Dr. Bachem gefordert, und ging alsdann, wie alljährlich, zu einer ausführlichen Kritik derMißstände" in dec Armee über, gestützt auf reichhaltiges Material. Mit den Soldatenmißhand­lungen ist es nach Bebels Ansicht wieder schlimmer ge­

worden, auch glaubt er, daß bezüglich der Armee-Or­ganisation dieFranzosen denDeutschenüber- legen seien. Es werde eben bei letzterem zu viel Wert auf denGamaschendienst" gelegt; derParademarsch", dieseJncarnation preußisch-militärischen Wesens", sei selbst von einem preußischen Offizier preisgegeoen worden und habe bei der internationalen Parade in China auf die Nichtdeutschen erheiternd gewirkt. Bebel schloß mit einer Empfehlung des von ihm so oft in Wort und Schrift befürworteten M i l i z s y st e m s , und zwar that er es diesmal im Interesse der Reichsfinanzen. Tie In­stitution des stehenden Heeres werde über kurz oder lang zum Neichsbankerott führen. Tas Audüorium nahm diese düstere Prophezeiung kaltblütig auf, und der preußische Kriegsminister verzichtete darauf, Herrn Bebel sofort zu erwidern, wie er das in früheren Jahren zu thun pflegte. Er ließ denVortritt" dem 9fbg. Graf Roon (kons.), bei dem der gute Wille größer ist, als die rednerische Be­fähigung. Erst bann nahm General v. Goßler das Wort, und er erzielte Eindruck, wie ja schon gelegentlich darauf hingewiesen mürbe, baß der Minister von Jahr zu Jahr rednerisch sich ueröülitommnet. Tie dmttlen Farben der Bebelschen Schilderung verblaßten, bei dieser Beleuchtung von fachmännischer Seite mehr und mehr. Auch der Parademarsch kam wieder zu Ehren. In der Duellfrage skizzierte General v. Goßler später kurz seinen bereits bekannten Standpunkt.

Der Rekruten polnischer Nationalität nahm sich der semmelblonde Abg. o. Chrzanovski an, nicht ohne Remi­niszenzen anW reschen" einzuflechten. Er holte sich eine kräftigeAbfuhr" seitens des Ministers und einen Ordnungsruf wegen des Ausdruckspreußische Pest" vom polnischen Standpunkt aus also einvoller Erfolg" dieser Jungfernrede. Aus der Tiskujsion, an der sicki im übrigen die Abgg. v. Tiedemann (Rp.-, Schrader (fr. Bg.), Eickhoff (fr. Vp.), ftunert (Soz.), General v. Goßler und in origineller Weise der bayrische Militärbevoll­mächtigte v. Endreß beteiligten, ist noch die Mitteiluirg des preußischen Kriegsministers bemerkenswert, daß bei Verfehlungen sittlicher Natur, deren sich Angehörige des Heeres schuldig machen, das Begnadigungsrecht in keinem Falle Anwendung findet. Graf Ballestrem mußte nochmals einen Ordnungsruf verhängen, und zwar über den Abg. Kun er t, der sich eine Majestätsbeleidigung zu Schulden kommen ließ.

Heer und Flotte.

London, 17.Febr. Folgendes Mareoni-Telegramm ist von der Signalstation Lizard batirt 17. Febr. 2 Uhr 40 Min. srüh morgens eingetroffen: 90 Meilen von Lizard. Alles wohl. Wetter schön. Meer glatt.Kronprinz Wilhelm".

Bremen, 17. Febr. Das Schulschiff des deutschen Schul­schiffs-VereinsGroßherzogin Elisabeth" ist in Horta (Fagal, Azoren) angekommen und beabsichtigt am 2. März weiter zu segeln.

Ulm, 17. Febr. Aufsehen erregt hier die Schrift des früheren preußischen Obersten A. Hüger:Meine Eclebniffe in der Militärrechts- und Ofsiziersehrengerichts- pstege." Der Verfasser war vor 5 Jahren Kommandeur des hiesigen Feld-Artilleri-Regiments Nr. 13. Er glaubte damals zu erkennen, daß bei dem württembergischen Regimentdie intensive Sorge für Mann, Pferd und Material nicht so be­kannt war wie in Preußen, und wie sie auch für die Schlag­fertigkeit der Armee unbedingt notwendig ist." Er glaubte habet einigen Offizieren des Regiments unbequem geworden zu fein und kam in Konflikt, später auch mit feinen militäri­schen Vorgesetzten. Mit dem Verfahren der Ehrengerichte, die er anrief, konnte er sich nicht einverstanden erklären. Ex verfocht feine Sache bis zur höchsten Stelle, es wurde ihm aber schließlich wegen Verletzung der Stand es ehr e das Recht zum Tragen der Uniform aberkannt. Zu feiner Verteidigung veröffentlichte er die genannte Schrift, die zur Zeck die milckärifchen Instanzen beschäftigen soll. Der In­halt der Schrift macht übrigens, wie ein süddeutsches Demo­kratenblatt schreibt, den Eindruck, als ob der Verfasser in allzu großer Schneidigkeit Mißgriffe begangen habe, die von feinen Vorgesetzten mit Recht nicht gutgeheißen wurden.

Preußisches Abgeordnetenhaus.

Auf der Tagesordnung stand die Weiterberatung des Justizetats. Die Debatte bewegte sich zunächst in alten, aus­gefahrenen Geleisen, bis Abg. Dr. Barth (freis. Vergg.) durch sein Eingehen auf den Fall des Staatsanwalt- schaftsrat Cuny, der bekanntlich wegen einer auf dem Kommers alter Burschenschaftler in Berlin gehaltenen duellfreundlichen Rede nach Hagen versetzt worden ist, das größte Interesse wachrief. Cuny habe das Tuell in gewissen Fällen für notwendig erklärt, also eine Ge­setzesverletzung gebilligt, und zwar innerhalb eines Kaiser­toastes; damit habe ein Beamter feine Qualifikation als Staatsanwalt verwirkt. Man klage über den Terrorismus her Arbeiter, der aus falschen Begriffen der Standesehrx hervorgehe; hier handele es sich auch um Terrorismus eines mit staatlicher Autorität umkleideten Beamten. Dir Strafversetzung nach Hagen sei ungenügend und sühne das öffentliche Aergernis nicht, das er erregte.

Minister Sch önstedt betonte in seiner Antwort, daß einmal Cunys Worte nicht so scharf gewesen seien, wie die Zeitungen gemeldet hätten, zweitens habe aber Cuny gar nicht im Anschluß an ben Kaisertoast, sondern nur mit Bezug auf die studentischen Mensuren gesprochen. Er gab zu.

daß solche Aeußerungen eines Staatsanwalt­schaftsrates ungehörig seien. Aber man dürfe es nicht allzu scharf aufuehmen, wenn einmal ein junger Mann etwas über die ihm gezogenen Grenzen hinausgehe. Zudem sei die Versetzung nach Hagen von Cuny als eine scharfe Strafe empfunden worden.

Abg. Krause (natl.) meinte, die Mensur trage mit zur Erziehung von Körper und Geist bei, gegen das Duell kämpfe aber die Volksseele.

Abg. Cr üg er (fr. Vp.) sprach Dagegen die Ansicht aus, zur Stählung des Mutes bedürfe eS nicht so äußerer Dinge wie der Mensuren. Wer das wirllich glaube, solle auch für ihre Einführung beim Militär wirken. Mit der Straf­versetzung Cunys sei aber nicht dieser, sondern die Stad<t^agen bestraft worden. Bei der Erpressungs­strafe fet ber Versuch, das sozialpolitische Moment bei der Strafrechtspflege in Geltung zu bringen, besonbers bedenk­lich. Gewinne diese RechtSausfassung Boden, dann seien auch die Boykottierungsversuche desBundesderLandwirte als Erpressungen strafbar.

Deutsches Deich.

Berlin, 17. Febr. Aus bas gelegentlich der Eröff­nungsfahrt der Hoch- und Untergrundbahn an den Kaiser gerichtete Hulbigungstelegramm ist bie folgende Depesche id. b. Berlin, den 16. Februar 1902, eingegangen: Herrn Karl v. Siemens, hier, Matthäikirchstr. 33. Seine Majestät Der Kaiser unb Honig haben allerhöchst sich über den Hulbiguiigsgrus! der aus Anlaß ber Eröffnung der elektrischen Hoch- nnb Untergrundbahn in Berlin ver­sammelten Vertreter ber beteiligten Gesellschaften und bereu Gäste lebhaft gefreut und lassen bem großartigen Unternehmen, welchem allerhöchstdiefelben besonderes In­teresse zuwenden, eine gedeihliche Entwicklung wünschen. Auf allerhöchsten Befehl ber Geh. Kabinettsrat von Lucanus."

Aus vatikanischen Kreisen wird versichert, der Kaiser werbe zum Papstjubiläum am 20. Februar eine Sondergesandtschaft schicken.

Die Kaiserin ist heute nachmittag nach Hubertus» stock ab gereift.

DieBerl. N. N." schreiben, es sei bekannt, daß Prinz Heinrich während seines Aufenthaltes in Ost- asieu mit bem Admiral Tewey freundschaftliche Beziehungen angeknüpft hat, bie ohne Unterbrechung fort- bestehen. Ein Briefwechsel mit bem amerikanischen Admiral habe jeboch seit längerer Zeit nicht ftattgcfuuben.

Den Gebr. Günther Braun unb Gustav Braun, Söhnen bes verstorbenen Rittmeisters Braun vom 2. Garde- Dragoner-Regt. unb dessen Gattin, geb. Freün v. Stumm, wurde unter bem Namen Braun von Stumm der Adel verliehen.

In Berlin unb Charlottenburg ist in der Nacht xum Sonntag bie polizeiliche Aufhebung zweier Zu­sammenkünfte polnischer Stube nten erfolgt. DerPolnische wissenschaftliche Verein", dessen Sitzungen auch von polnischen Abgeordneten und Künstlern des öfteren besucht werden, meldete einzelne seiner Versammlungen der Polizei nicht an. Eine solche unangemeldete Versammlung wurde Sonntag Nacht polizeilich inhibiert, eine große Menge Druckschriften und Papiere beschlagnahmt unb die Identität ber anwesenden 16 Studenten festgestellt. Un­abhängig hiervon wurden in Charlottenburg in einer Privat- wohnung 20 polnische Studenten sistiert, da der Verdacht besteht, daß es sich bei diesen regelmäßigen, polizeilich nicht gemeldeter Zusammenkünften um die Fortsetzung eines im Jahre 1898 aufgelösten polnischen Stubenten-Vereins han­delt, der polnisch-sozialistische Tendenzen verfolgte.

Das Reichsschatzamt hat soeben ber Budgettommission des Reichstags eineBerechnung bes mutmaßlichen Er- ge bnissesdesReichshaushaltsfür bas am 1. April ablaufenbe Rechnungsjahr 1901" übersandt. Die Berechnung ist aufgestelltnach den Schätzungen der einzelnen Verwalt- ungen unter Zugrundelegung ber Tezemberabschlüsse". Aus dieser Berechnung ergiebt sich nun, Baß ber Eigene Reichs- Haushalt mutmaßlich mit einem Fehlbeträge von 50916000 Mk. ab schließen wirb. Dazu werben dre Ueberweisungssteuern für bie Einzelstaaten gegen den Vor­anschlag 17 907 000 Mk. weniger ergeben. Ein Defizit! in solchem Betrage ist überhaupt noch nicht da- gewesen, so lange das Reich besteht, 9toch für 1899 ergab sich für ben Eigenen Reichshaushalt ein Ueberschuß von 30 Millionen Mark, für das Jahr 1900 verwandelte sich dieser Ueberschuß in ein Defizit von 2 Millionen. Nunmehr ist also das Defizit im (ftgenen Reichshaushalt von 3 auf 51 Millionen angewachfen. Tie Ueber­weisungssteuern sollten nach dem Etat für 1901 genau bem Betrage Der Matrikularbeiträge mit 570933000 Mk. gleich­kommen. Nach ber vorliegenden Schätzung würden Dagegen: die Einzelstaaten 18 Millionen weniger empfangen, als sie zu Matrikularbeiträgen zu zahlen haben.

Es steht nunmehr fest, baß in der morgigen Sitzung der Zolltarif-Kommission Herr v. Kardorfs als Vorsitzender wiedergewählt werden und dre Wahl ann nehmen wird.

Ausland.

Zürich, 17. Febr. In ber heutigen Sitzung des Kan­tonsrates wurde von derUnion für Frauenbestrebungen" eine Petition eingereicht, wonach den Frauen bei der bevorstehenden Reorsion des Kirchengesetzes das Stimm­recht in kirchlichen Angelegenheiten eingeräumt wer­den soll. Die Petition wurde an eine Kommission ver­wiesen.