des mnfangr eichen Expeditionsgepückes, sowie die Verproviantierung besondere Schwierigkeiten Für solche Unternehmungen war ba3 Kamel nicht zu gebrauchen, sondern einzig die kleine, zähe und ausdauernde Rasse des Berg-Kirgisenpferdes. Bei der Frage der Verproviantierung kam in erster Linie der Reichtum der nomabb- fierenden Kirgisen an Kleinvieh (Hammel) in Betracht.
Als Obdach dienten entweder die als „Jurten" bekannten FilAkegelhütten der Kirgisen oder die Leinenzelte der Expeoitron. Redner selber traf mit der eigentlichen Expedition erst im Innern Asiens, in der Stadt Wjernyj am Nord-Fuß des zentralen Tien-schan, zusammen und hatte bis dahin allein reisend volle vier Wochen nötig gehabt, um per Eisenbahn durch das ganze europäische Rußland zum Kaukasus und nach Baku, von dort zü Schiff über das Kaspische Meer, dann durch die Wüsten Transkaspiens per Bahn bis Taschkent und schließlich in zehn Tagen und vier Nächten 830 Werst per Post nach Wjernyj zu gelangen. Diese Tour belief sich zusammengerechnet nach den Werst-Angaben der russischen Kurs- und Postbücher auf 5740 Werst (1 Werst ungefähr gleich, 1 Kilometer). Um eine weitere Vorstellung von dem für unsere europäischen Begriffe enormen Landentfernungen zu geben, Äe Redner, daß seine Rückreise über West-Sibirien sinsk bis Semipalatinsk wiederum per Achse nochmals zehn volle Tage, dann per Dampfer Jrtysch abwärts bis Omsk drei Tage und drei Nächte und schließlich per Bahn von Tomsk heimwärts acht Tage und acht Nächte in Anspruch nahm und eine Strecke von 6405 Werst ergab. Ganz abgesehen von den vielen hundert Kilometern im Hochgebirge während der eigentlichen Expedition, legte demnach Redner nur für Hin- und Rückweg bis zum Treffpunkt in Wjernyj und zurück von Lepsinsk innerhalb der russischen Reichsgrenzen über 12 000 Kilometer zurück.
Von Wjernyj an begann die eigentliche Gebirgsreise, tvelche in drei große Abschnitte zerfiel: 1) Von Wjernyj durch die Buam-Schlucht zum Nordabhang des Terskei-Ala- tau und entlang am Suduser des Jssyk-Kul bis Prsche- walsk. 2) Von Prschewalsl gen Süden zur Umgebung des co. 6800 Meter erreichenden Khan-Tengri-Massivs und 3) von Dscharkent gen 9torden in den Dsungarischen Ala-tau.
Unter gleichzeitiger Vorführung sorgfältig ausgewählter typischer Lichtbilder wurden die Zuhörer zunächst eingeführt in den Gebirgs-Charakter des zentralen Tienschan. An dem Beispiel des Turgen-Aksu-Thales wurden die in ihren unteren Partien prächtig bewaldeten, weiter ins Innere aber steinigen, romantischen und von zurück- weichenüen Gletschern in ihrem Hintergründe erfüllten Quer-Thäler des ^tordhangcs des Terskei-Ala-Tau erläutert. Weiterhin lernte das Auditorium die weiter südlich im Gebirgsinnern gelegenen, so sehr charakteristischen Hoch- thäler, an den Beispielen des Külu- und Jrtysch-Thales kennen. Im Külu-Paß mit seiner 4000 Meter überschreitenden Höhenlage und seinen Schnee- und Gletschereismassen gelangte ein Beispiel der schwer bezwingbaren, steilen Hochgebirgspässe des zentralen Tien-schan zur Darstellung und mit der Schilderung des Sary-dschaß-Thales wandte sich Redner der Erklärung jener im Tien-schan als „Syrt", in anderen Gebieten zentral-asiatischer Gebirgsländer als „Pamir" bezeichneten tzochslächen zu. Dabei wurde überall besonders des Vorkommens alter Glazialablagerungen gedacht, deren unzweideutiger Nachweis eine der Hauptresultate der Forschungen des Redners darstellten, sodaß es heute als erwiesen betrachtet werden kann, daß auch die Gletscher des Tien-schan, ähnlich den unserer Alpen, einst ihre heutigen Thäler weit tiefer mll Gletschermassen bedeckten als jetzt, und daß aus ibren zurückiveichenden Zungen kolossale Schmelzwasser abflvssen, welche fluvioglacmle Schottermassen von großer Deutlichkeit und Leichtigkeit vor chrem einstigen (ärde aufhäften. Verlassene Rioranen-
landschaften, Gtetscherschliffe, Wann en thäler und andere zweifellose Anzeichen dieier Eiszeit des Tien-schan wurden in Wort und Bild geschildert, und als Typus eines derartigen noch heute abschmelzenden Gletschers der im Hintergrund des Sary-dschaß-Tyales liegende Semenow-Glet- scher einer eingehenderen Besprechung unterzoaen.
Im Hintergründe dieses Gletschers ragte der riesige, stelle Eis- und Schneekegel des Khan-Tengri auf, welcher die Kulmination des ganzen Tien-schan bildet und dessen Höhe und Lage zu bestimmen, eine Hauptaufgabe der Expedition war. Dafür bedurfte man eines hochgelegenen Aussichtspunktes, welcher gleichzeitig so ebenflächig war, daß man aus ihm eine hinreichend lange Basis abzumessen vermochte. Tas Glück war diesem Unternehmen hold, und als man eines Morgens die über 3500 Meter hoch auf- ragende Thalwand im Quellgebiet des Aschutür (eines Quellflusses des Sary-dschaß) erstieg, fand man dahinter eine zu obigem Zweck trefflich geeignete Fläche. Bon dort bot sich ein vollständiger Ueberblick über die vereiste Sary- dschaß-Hochkette und der langerwartete Blick auf den gigantischen Khan-Tengri. Mll fllberhafter Eile ging es an die Ausnahme-Arbeit, denn schon ballten sich über den Firnmeeren die Wetterwolken und der Khan-Tengri dampste wie ein gewaltiger Riesenschlot. Die Zell genügte, um alles zu erledigen, und als man um 12y3 Uhr die Apparate einpackte, da standen in den Aufnahme-Büchern Zahlen und Zeichnungen, und steckten in den photographischen Apparaten Platten, welche nicht um vieles Geld feil waren.
Noch von einem zweiten Punkte aus, war es später dem Redner möglich, den Khan-Tengri und seine Umgebung anzupellen und so außer den theodolithischen Messungen auch Schnittpunkte von Peilungslinien zur Lagebestimmung zu erhalten. Jedenfalls steht fest, daß der eigentliche Khan-Tengri, wie Dies auch bereits 1900 Tr. G. von Almasy ausgesprochen hat, nicht da liegt, wo ihn die russische Generalstabskarte in 1 : 40 Werst hinverlegt, sondern viel weiter gen SW. In seiner unmittelbaren Umgebung aber liegen zum Miillesten noch vier weitere Hochgipfel von zumeist über 5000 Meter Höhe. Die dem Auditorium gezeigte Photographie von dem Bergriesen und der Gletjcherwelt seiner Umgebung war vielleicht die erste, welche geglückt und nach Europa gekommen ist.
Damit war erreicht, was bei ihrer knapp bemessenen Zell für die Expedition in diesem Teil des Hochgebirges zu erreichen war. Man wandte sich nunmehr dem nächsten Ziel, der Erforschung des bis heute noch sehr wenig bekannten Inneren des dsungarischen Ala-tau zu, diesem durch das Jli-Becken vom eigentlichen zentralen Tien-schan etwas abgetrennten nördlicheren Zuge des ganzen Systemes. Gleichwie der zentrale Tien-schan zeigte auch der dsungarische Ala-tau überall tiefgehende Spuren von sehr alter Vergletscherung, besonders überzeugend in dem näher besprochenen Kora-Thal in dem Gebiet der westlichen Gebirgsabdachung. Der ganze Nord- abhang der Hauptlette war durch reihenweise nebeneinander gelegene alte Gletscherkahre bis ins innerste Mark zerfressen, und vor diesen halbrunden Kahren lagen auf den Abhängen in Form von Rundhügeln und Moränenwällen die alten Glacialbildungen. Die Kahre selber waren noch zum Teil von Gletschern, wenn auch nur Heinen, erfüllt, und die Flüsse, welche aus ihnen abflossen, hatten Thäler erodiert von einer geradezu kanjonartigen Tiefe und Steilheit. Für die Gangbarkeit der Nordhänge des Dsungarischen Ala-tau bedeutete diese tiefe Zersägung eine ßroße Erschwerung und es war für Mensch und Tier keine Kleüligkeit, diese endlosen Schluchten und Thalwände auf der einen Seite hinab, und auf der anderen Selle wieder hinaufzuklettern.
Einer ausführlichen Schllderung hielt der Redner die wenig gestört abgelagerten, mächtigen Konglomerat- und Sandsteinmassen für wert, welche die Vorberge am Süd
abhang des dsungarischen Ala-tau zusammensetzten, xt F. war geneigt, diesen Schichrkomplex zu den jungtertiäre» Hanhai- oder Gobi-Schichten zu zählen, welche er bei- spielsweise auch im zentralen Tien-schan schon in ziemlich großen Höhen (3800 Meter) in der Nähe des von der Expedition zuerst vermessenen und kartierten, aber bereits 1900 von Tr. v. Almasy bestimmten Pll Eduard (co. 5200 Meter) beobachtet hatte.
Zum Schluß führte Dr. F. noch Bilder von Russen, Kirgisen und Tarantschen vor.
Alnioersitüls-Uachrichtrn.
Gießen, 17. Nov. In dem Bericht über die Drudefeier hat sich ein sinnentstellender Trucksehler ein geschlichen. Der Angehörige der Alemannen sprach nickt ,chen Tank der Burschenschaft", sondern der gesamten Studentenschaft aus.
Der Kaiser über die Studenten. Ten Vertretungen der Studentenschaft in den Berliner Hochschulen ist von den Direktoren der jüngst eingeweibten akademischen Hochschulen für die bildenden Künste und für Musik folgendes Dankschreiben augegangen: „Nachdem die Feierlichkeiten aus Anlaß der Einweihung der neuen Hochschulen sür die bildenden Künste und sür Musik ihr Ende erreicht haben, beehren wir uns. Ihnen für Jyre Beteiligung an der Feier unfern verbindlichsten Tank auszusprechen und Sie zu bllten, diesen Tank den Herren Vertretern der Korporationen Ihrer Hochschule, die durch ihr Erscheinen dem Feste den hauptsächlichen Glanz und das charalleristische Gepräge gegeben haben, übermitteln zu wollen. Es gereicht uns zu besonderer Genugthuung, Ihnen mllteilen zu können, daß Se. Maj. der Kaiser bei der Gelegenheit zu äußern geruhten, daß der Anblick der stolzen und ritterlich geschmückten Schar der Vertreter unserer akademischen Jugend sein landesväterlickes Herz mit Freude und sestem Vertrauen in die Zukunstunseresdeutschen Volkes er fü ll t habe. Wollen Sie von dieser Kundgebung unseres Allerhöchsten Herrn Ihren Herren Kommilitonen in geeigneter Weise freundlichst Mitteilung machen.
In ausgezeichneter Hochachtung ganz ergebcnst
(gez.) A- von Werner. ^gez. > Josef Joachim."
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zutraut. Aber sie ist die andere geworden, ursprünglich war sie das, wosür ihr Gatte sie noch ansieht. Die Triesch läßt gleich zu Anfang hier und da m bte rätselhafte Tiefe eines reichen Gemütes schauen, sie gibt sich naiv, sie ist es nicht, ihre zwanglose Laune und Heiterkeit sind Maske. Das alles ist bei der Sorma ganz echt, erst das erste Gespräch mit Günther führt sie zu furchtbarstem Ernste. Tie Seele des „kleinen Singvogels" war bis dahin noch nicht voll erschlossen, und so ist denn ihre plauderhafte Lustigkeit nicht, wie bei der Triesch, gedämpft, sie hat keine verhaltenen, schweren Töne, sondern kommt ftisch und rein aus leichtem Herzen. Im Spiel mit den Kleinen sieht man gar nicht die Erwachsene, die sich herbciläßt, auf dem Boden herumzukriechen und Versteck zu spielen nur well es den Rangen Vergnügen macht, nein, ihr selber macht es halb kindlichen, halb mütterlichen echten Spaß; es ist, im Gegensatz zu der Triesch, das freie, unbefangene Gemüt, das mit Kindern selbst zum halben Kinde wird. Und trotzdem faßt sie die Nora zu einem einheitlichen Bilde zusammen. Das Widerspruchsvolle in Nora sucht sie fast allem auszuglcichen in dem Gespräch mit Frau Linden, in dem sie sich, ihren durch die widrigen Umstände errungenen Lebensernst und ihre Sorgen und ihr Spiel vor ihrem Manne rastlos enthüllt. Der EntwickelungSgang des Charakters, über die grause Hoffnung auf daS „Wiindcr- bace" hinweg bis zu dem so vielfach beanstandeten Schluß hat seinen Ansang schon vor Beginn des Stückes genommen; jetzt bleibt sie im ganzen dieselbe, und erst die letzte Szene giebt eine plötzliche Wendung, eine Wendung aber, die ihre Gründe hat sowohl in der jähen Erkenntnis der feigen Niedrigkeit ihres Gatten, wie in ihrer leichten, raschen, ungründlichen Lebensart und ihrer Lebensunkenntnis, die so groß ist, daß sie glaubt, ohne große Blühe selber ihren Unterhalt bestreiten zu können; wie, daran denkt sie überhaupt nicht. Vom „Wunderbaren" sprach bei ihr eine in gewissen Momenten fast froh Hoffende, auf die große Lebensenttäuschung ist sie keineswegs voll gefaßt. Und so macht denn ihre Nora auch da noch den Eindruck des Wahren, wo Ibsen, aus dem bisher von ihm gezeichneten Charakter fallend, ein grauer Theoretiker, ein Tüftler und spintisierender Wortmacher zu werden anfängt Die Nora bet Sorma flieht entsetzt, bebend, fiebernd vor ihrem Manne, ja, sie verachtet ihn. Das zeigte ihr den ganzen Abend überaus belebtes Mienenspiel fast mit allzu ostentativer Deutlichkeck. Daß sich das frühere Singvögelchen aber mit plötzlicher fabelhafter Rückenstärke und Rücksichtslosigkeit chrem Manne gegenübersetzt und Philosophin, bleibt in der Darstellung der Sorma etwas unwahrscheinlich. Das stimmt schlecht zu der siirchterlichen Erregung der letzten Tage und namentlich der letzten Stundeu. Da war ihr Wille ganz gelähmt, ia ging
sie umher wie im Traum, in dem Traume einer schaurigen, aber doch auch ein wenig süßer Erwartung bis zum Losbrechen der Brutalität ihres Gatten. Da sieht sie sich in ihrer größten, ihrer süßesten, herrlichsten und reinsten Em- pfindung getäuscht, als das »Wunderbare", wie sie es mit Schrecken leise ahnte, sich gar so grausam erfüllt, als ihr Mann, statt seine Liebe zu bewähren, sie jämmerlich auszankt, weil sie aus Liebe zu ihm in gänzlicher Lebensunklugheit einen dummen, nach gutem Recht strafbaren Streich beging. Da thut sich ihr ganz die ungeheuerliche Kluft zwischen ihr und ihrem Gatten auf, da vertrocknet ihre Liebe und es erwacht in ihr das Gefühl von der Ehe lüge und zugleich das der Selbstachtung, der unendlichen seelischen Ueberlegenheit über diesen Mann, dem sie so lange angehörte. Zuerst scheint sie ihn garnicht zu verstehen, dann wird ihr Auge allmählich wach, sie erstaunt und erstarrt zur Sibylle über die unerwartete Größe seines kraffen Egoismus. Und dann gewinnt sie ganz allmählich eine furchtbare Energie. Zunächst schwankt sie noch, ist noch unschlüffig über das, was sie thun soll. Heftig anklagend schreck sie den ftemdcn Mann an das macht die Triesch mit einem Tone halb trauervoller Stolz, halb Ironie, im ganzen stillste Innerlichkeit — dann aber wächst auch sie sich aus zu äußerer Ruhe. Nicht wie die Triesch blicklos, die Augen nach innen gekehrt, wehen, gebrochenen Herzens, sondern mit plötzlich geschärftem Blick, fast mit cynischer Wollust, als ein Weib, das sich auf sich selber besonnen hat, das nun erst anfängt, ein wahrer Mensch zu sein, das sich befreit von einem maßlos mißverstandenen, beschämendem Zwange, zerstückelt sie, ihre Worte schnell herstürzend, Stein auf Stein von dem bequemen Frieden dieses Hauses. Tas ist kein kleines Singvögelchen, das erfroren und verdorben vom nächsten Zweige fallen wird, auf den eS sich niederläßt, sondern em zur Erkenntnis niedriger Menschlichkeit gereiftes Weib, ein Weib, von dem wir wohl zu glauben vermögen, daß e§ die ihr bevorstehenden schweren Lebenskämpfe, von denen sie freckich noch keine Ahnung hat, wird bestehen können, von dem wir aber doch auch nicht so ganz sicher sind, ob sie nicht nach Jahr und Tag zu ihren Kindern zurückkehren ivird. Denn es bleibt trotz allem doch noch gar viel weibliche Schwäche und Unsicherheck an ihr haften. Jedenfalls ist der konstruierte Schluß in der Gestaltung der Sorma durchaus glaublich.
Die Nora der Sorma ist also ganz individuell, dabei aber der Nota Ibsens konformer als die der Triesch. Was uns an der Sorma festhält mck bezwingender Kraft, das ist jene eigentümliche Hauptsache, bte man Gemüt der Frau nennt, jene schmiegsame Innigkeit im Ton, in beftridenoen Lächeln. Ihr Mienenspiel, das Herrn. Bahr in seinen in« lereffanlen und geistvollen „Premieren" (München, Alb.
Langen) über die Maßen rühmt, ist außerordentlich geschult, aber nicht fast gebärdelos wie daS der Triesch, sondern schier überreich an Nüancen, schöner wie — weniger schöner. Manche Einzelheck tritt vielleicht schärfer, plastischer hervor, als es gerade nötig ist, manche Wendung ober Pointe ist, mit leicht humoristischem Beigeschmack, zu stark betont, mancher naturalistische Drücker ist augenscheinlich auf ben Effekt berechnet. Aber alles in allem ist ihre Leistung auS einem Guß und so bebeutenb empfunben in der Konzeption, daß man ihr nur Bewunberung entgegenbringen kann. Und ihre Rebe ruft baS schöne Korintherwort ins Gedächtnis: »Wenn ich mit Menschen- unb Engelzungen rebete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle." Sie aber that der Liebe l
Frau Sorma hat wieder einmal gezeigt, daß die erste Regel unserer neuen Bühnenkunst ist, daß sich die Herrschaften auf der Bühne durchaus unter sich fühlen, daß sie nicht mS Publikum hinein sprechen. Tas mögen sich manche unter unseren Künstlern aufs neue gesagt sein lassen. Herr Verlach gab sich im übrigen alle Mühe, Noras Verlaffen von Mann und Kindern plausibel zu machen. Helmer, dieser Lebensweise, der ebenso wie der Bruder des „Volksfeinds" auf die Meinung der Leute achtet, die die auf höherer Warte, fern vom sausenden Webstuhl der Zeck stehende Nora gründlich verachtet, war den ganzen Abend über ein unleidlicher Patron, ein arger Kribbelkopf, der wegen der geringsten Kleinigkeit aufs heftigste auf brau fit, obendrein so oberflächlich unb selbstherrlich als möglich. DaS kam bem Ganzen in gewissem Sinne zu statten, aber gar so unsympathisch hat ihn sich ber Dichter nicht gedacht. Ten „Schöngeist" ließ Herr G. kaum ahnen. Frl. Wärt em berg verkörperte in Frau Linden daS verhärmte Weib so ziemlich in ber echten, aber hier unb ba ein wenig pathetischen Tönung. Hier wäre ein Tieferes von bem HerzenSkummer und den Lebenssorgen dieser Armen zu geben gewesen. Den Dr. Rank gab ein neuer Herr, Herr Götz, m abstoßender, aber ganz charakteristischer Maske und diskretester Darstellung; eS war ihm sichtlich darum zu thun, in echt Jbsenschem Sinne auf das Gebiet des Pathologisch-Häßlichen diese Figur hinauSzu- spielen. Er gab eine starke und gute und feine Seele, allerdings ganz ohne das leicht Zynische, Erotische, daS chr ber Dichter verlieh. Der Günther bes Herrn Ramsey er war in Spiel und Sprechweise ganz angemefien, im übrigen eine ohne alle Skrupel und Zweifel allzu mühelos geschaffene Figur.
Tas Zusammenspiel zeichnete sich durch sicheres, ruhigeS Jneinandergrcifen auS. Trotz diesem und jenem machte die Vorstellung un ganzen einen tiefen und starken Eindruck. P.W»


