Später legte gtntnto ein volles Geständnis ab. Er sei vor 10 Tagen nach Belgien gekommen, um Leopold IL zu ermorden. Seit längerem lauerte er ihm auf den Bahnhöfen auf. Nun hätte er ihn in der Kathedrale erschießen wollen. Ta er aber nicht einmal die nötigen Centimes gehabt hätte, um einen Stuhl zu mieten, io sei er in den Hintergrund gedrängt worden und habe die That erst auf der Straße unternehmen können. In Bezug auf, den Wagen sei er getäuscht worden, da der König sich sonst immer im dritten Wagen befinden soll. In seinem Koffer wurde nicht ein Pfennig Geld gefunden. Er muß bitter arm gewesen sein. Ter Revolver ist in London gekauft. Rubino antwortete mit bemerkenswerter Kaltblütigkeit auf alle Fraaen und es scheint, als sei er stolz aus die That, die er begangen hat. Er habe einen Monarchen töten wollen, den er nicht achten könne, und um durch diese That dem Volke dieses Landes ein ^Beispiel des Mutes" zu geben. Rubino giebt zu, daß er mit Anarchisten von Barcelona in Verbindung stehe, doch habe er auf eigene Verantwortung gehandelt. Rubino sagte ferner aus: Ich stellte mich in der Straße auf, um den Zug, in dem sich der Könia befand, zu erwarten. In dem Augenblick, als ich auf die Wagen des Zuges schießen wollte, begannen die Pferde zu traben. Bei der Turchsuchung der stleiber und der Taschen wurden auch Ansichtskarten vorgefunden, welche den König und Mitglieder der königlichen Familie darstellen. Er erzählte ferner, er sei zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er einem sozialistischen Blatte einen Artikel über seinen General einsandte, der von dem Blatte veröffenllicht wurde. Nach seiner Freilassung habe er sämtliches Hab und Gut verkauft und den Erlös an die Bauern der Umgebung von Neapel verteilt. Vollständig mittellos habe er sich dann auf die Reise begeben. Vor sieben Jahren fei er nach London gekommen und habe dort geheiratet. Gegenwärtig sei er Vater eines vierjährigen Kindes. In London habe er Beziehungen zu Anarchisten unterhallen. Er bedauere es, den König nicht getötet zu habe n und hoffe, daß dies einem anderen gelingen werde. „Eines Tages wird mein Sohn groß jährig fein, und sich daran erinnern, was ich für unh durch die Gesellschaft gelitten habe. Er wird mich, rächen."
Ter „Agenzia Stefan!" in Rom wird aus London gemeldet: Gennaro Rubino lebte feit einigen Jahren in England. Er kam während dieser Zell nie nach Italien, wohnte früher in Glasgow und ließ sich später in London nieder, wo er aus der anarchistischen Var tei ausgeschlossen wurde, weil man ihn des Verrats beschuldigte. Soviel hier bekannt, befand sich Rubino noch am 31. Oktober in London.
Rubino erklärte, er habe keinen Mitschuldigen. Tie „3nbepenbance Belge" mclbet, mehrere Personen, bie im Augenblicke ber That sich in ber stäche Rubinos befanbcn, gaben an, eine zw eite Person habe ihn be gleitet, unb sei in ber Menge verschwunden.
Tem „Petit Bleu" zufolge wurde in Brüssel ein Anarchist, Namens Ehapelie, einem langen Verhör unterzogen, well Rubino gesagt hatte, er kenne ihn. Am Samstag abend begab s ich eine Abteilung Polizisten nach einem Wirtshause in dem Vororte Forest, das vorwiegend von Anarchisten besucht wird, unb verhaftete sämtliche dort an- wesenben, zwei Frauen und zehn Männer. Die ^Verhafteten wurden nach ber Polizeiwache gebrachst unb bort einem Verhör unterzogen. Erst nachdem sich heraus- geestllt hatte, daß sie an beir. Attentat nicht beteiligt seien, wurden sie wieder freigelassen bis auf einen, bei dem ein Dolch gefunden wurde. Derselbe heißt Kiene r, stammt aus dem Elsaß und weilt erst feit acht Tagen in Brüssel.
Rubino fragte bereits, welche Strafe chn treffen $ann. Er kann mit bem Tode nicht bestraft werden, da niemand verletzt worden ist, und übrigens auch die Todesstrafe in Belgien nicht mehr angewandt wird. Ein Attentatsversuch gegen den König wird nach dem Strafgesetz mit lebenslänglichem Gefän gnis bestraft.
Ter König erfuhr das Attentat erst bei seiner Ankunft im Palais. Er ertunbigte sich gleich, ob auch niemanb getroffen morben sei. Hierauf frühstückte er unb begab sich im Automobil zum Luxemburg-Bahnhof, um nad) Goerendas zu fahren. Er beglückwünschte ben Grafen Cultremont zu seiner Rettung. Ter König selbst erhielt zahlreiche Glückwünsche. Bei dem Dejeuner entfallete er einen vorzüglichen 2lppettt.
In dem Wagen, aus welchen ber Attentäter schoß, befanden sich, außer dem Hofmarschall Grafen d'Oullremont, Gras von d'Aschö, der Oberzereinonienmeister bes Königs, unb ber Adjutant des Königs, Generalleutnant Baron Wy- kerslooth von Rooyesteyil. Eine Kugel streifte ben Grafen b'ßultremont am Sinn. Bevor ber Attentäter ben dritten Schuß abfeuern konnte, wurde er von einem vor ihm stehenden Geheimagenten erfaßt unb zu Bob en geworfen, während ein Zeuge ihm ben Revolver, in welchem sich noch mehrere Kugeln befanden, aus der Hand schlug.
Am Samstagabend wurde im Opernhause in Brüfsel während der Vorstellung von „Tristan und Isolde" anläßlich des Namenstages des Königs bie dtational- hymne gespielt. Tas Publikum erhob sich von den Plätzen und brachte Hochrufe auf den Sönig aus.
Tie „Judepeubance" konstatiert, daß dies das erste Attentat ui einer 37 jährigen Mgierungszeit sei, doch handle es sich auch diesmal um kein '.'ittentut, es fei einfach ein bloßer fait divers, ohne politische Bedeutung.
Politische Wochenschau.
Im deutschen Reichstag ist ber Obstruktionskampf entbrannt. Graf Bülow stehl lächelnd beiseite und reibt sich vergnügt bie Hände. Zwar alle Klippen, die dem Zoll- taris-Kahn drohen, sind noch nicht umschifft, aber er ist auf bem besten Wege, zu bem von der Reichsregierung gewünschten Ziele zu gelangen. Unb zu banken
hat er bas nicht zum lleinsten Telle bem
Draufgängertum ber Sozialdemokratie, die ihren
Operationsplau mit lächerlicher Schleunig kett ber Oeffentlichkcll Preisgaben. Herr Bebel ist eben alles andere nur kein Mollke. Er that seinen Mund möglichst weit auf, unb wollte burch • feine Androhung von 700 namentlichen Abstimmungen ben agrarischen Gegner schleunigst in ben Abgrunb schleudern. Dieser drehte aber ben Spieß um unbt änderte einfach die Geschäftsordnung Ter Antrag Aichbichler ist angenommen und an Stelle des Namensausrufs wird durch Karten namentlich abgestimmt. Bor ber öffentlichen Meinung aber können bie Mehrbeils Parteien mit Recht auf die s o ziald emo krall sch e Provokation Hinweisen. Eugen 'Jiidfter hält sich, was vielen auffiel, von bem Obstruktionstreiben fern. Man sieht ibn diesmal auf Seite derer, die in der Obstruktion eine Schädigung
des Parlamentarismus, eine Untergrabung des Ansehens unseres Reichstags befürchten. Aber ber Führer der Freisinnigen VolLpartei befürchtet wohl von seinem Standpunkte aus noch etwas anderes davon: ein Zusammen- ßchweißen der unter sich nicht einigen Mehrheitsparteien auf die Regierungs - Vorlage. — Jedenfalls _ wird man heute trotz allem mit einem Zustandekommen des Zolltarifs rechnen. Vorläufig allerdings bezeichnet das führende Organ des Zentrums, bie „Germania", bie Meldung, daß zwischen der Regierung und ben Mehrheitsparteien bes Reichstags eine Einigung betreffs bes Zolltarifs erziett sei, als politische Kombination.
Eine Anzahl hervorragenber Vertreter des Hanbels- Vertrags-Vereins hat an ben Vorsitzenden Geheim rat Herz bas Ersuchen gerichtet, unverzüglich eine Sitzung bes weiteres Ausschusses einzuberufen, um über bie Stellungnahme bes Vereins zum Zolttarif eine nochmalige Erörterung herbeizuführen.
Ter nächste Paragraph des Zolltarifgesetzes, mit dessen Beratung ber Reichstag bie Verhandlungen am nächsten Donnerstag fortführen wirb, enthält ben Vorschlag ber Zentrumspartei, daß ein Teil ber Mehreinnahmen aus Zöllen und Verbrauchssteuern für bie Zwecke ber Witwen- unb Wai senver sichern ii g reserviert bleiben soll. Hierzu ist jetzt folgender Antrag Rettich eingegangen: Ter Reichstag wolle beschließen, für den Fall ber Ablehnung bes 8 -11 a bie verbünbeten Regierungen aufzufordern, Maßnahmen in Erwägung zu ziehen, nach welchen aus bem Ertrag der Zölle auf Nabrungs- unb Genußmittel ein entsprechender Bettag zur Erleichterung ber Durchführung ber Witwen- unb Wai,enversicherung Berwenbung finben soll. Ferner ist ein sozialistischer Antrag Albrecht eingegangen, ber in bem Wortlaut bes § 11 oerschiebene Aenderungen formeller unb sachlicher Natur vorgenommen wissen will.
Auch im österreichischen Abgeorbnetenhause geht es zurzeit stürmisch her unb es ereigneten sich in vergangener Woche mehrmals toieber jene im Interesse bes parlamentarischen Ansehens tief bedauerlichen Ausschreitungen, bie bei ben Sprachenverhanblungen fett Jahren nun schon gang unb gäbe sinb. Tie Abgeordneten haben sich gegenseitig mit „Ehrenbezeichnungen" bebacht, die man wiederzugeben sich schämt. Bei den Beratungen um zweisprachige Aufschriften auf einigen böhmischen Lokalbahnen kam es sogar zu einem Handgemenge zwischen Deut scheu unb Tschechen, während von ben Alldeutschen ein engerer Zusammenschluß mit Teutichlonb befürwortet wurde unter den Rufen ,^Hell Hohenzollem!" Ob solche Kundgebungen im österreichischen Parlament angesichts der sie begleitenden unerhörten Nebenumstände eine besondere Ehre — ganz abgesehen von ihrem praktischen Werte — für Deutschland bedeuten, möchten wir bezweifeln. Oesterreich hätte allen Grund, sein Ansehen nach außen auf das peinlichste zu wahren, schon ben kleineren Ballanstaaten gegenüber, von benen Rumänien und Bulgarien, das letztere hat übrigens soeben toieber eine Ministerkrise überwunden, augenscheinlich Politik auf eigene Faust zu treiben gedenken. Wenigstens spricht man in Sofia davon, daß während des Besuches des Königs Carol beim Fürsten Fettünanb Annäherungsversuche von beiden Staaten unternommen worden seien, bie eine „anbere Orientierung ber Balkanpolitik" ermöglichen sollen, zumal Rußlanb eine unentschiedene Haltung zeige. 9tun, von Rußland wird man in wenigen Fällen behaupten können, daß es nicht wüßte, was es will, und hinter den auffallend freunblichen Beziehungen, die es zurzeit mit der Türkei zu pflegen beliebt, steckt sicher eine geheime Absicht. Auf der Pforte ist man übrigens wohlauf, seitdem durch Verlängerung des Ultimatums der Konflill wegen des Seeräuberwesens in der Midia-Bucht beseitigt ist und scheint sich als Aiihänger des Kismet auch wenig darum zu kümmern, daß aufgeschoben noch lange nicht aufgehoben ist.
In M a r o £ t o ist ein seit längerer Zett unter der Asche glimmender Konflill nun doch zum Ausbruch gekommen. Es finden hesttge Kämpfe der Rebellen gegen den aufgeklärten jungen Sultan statt, die auch Leben und Eigentum der dort wohnenden Europäer bedrohen. England hat deshalb schon drei Kriegsschiffe nach Tetuan gesandt nut) auch Spanien schickte einen Dampfer. Eine weitere spanische Sorge, nämlich eine Dttnisterkrise, ist durch Sagastas Geschick wieder glücklich beendet worden.
Die Krisis in Venezuela scheint nun endlich vorüber und Castro als Sieger daraus hervorgegangen zu sein. Wenigstens sind die Nachrichten, daß die Regierung in Caracas wiederhergestellt sei. Ins jetzt nicht widerrufen worden.
Im Zustande der permanenten Krisis befinben sich offenbar die deutsch-englischen Beziehungen. Das Organ des englischen Auswärtigen Amtes „Daily Graphic" widerspricht bem Standpunkt Deutschlands, daß im dangtse- Thale keiner Macht besondere Vorrechte ein geräumt werden dürfen, und verschiedene englische Blätter ftreiten sich darum, ab das Vorgehen Deutschlands bei ber Räumung Shanghais nicht als ein unfreundlicher All anzusehen sei. Dem gegenüber behaupten „Daily News", daß zwischen Deutschland unb England Verhandlungen schwebten, bie sich außer der chinesischen Frage auch mit dem geplanten Ankauf ber Delagoabai burch Großbritannien beschäftigten Kaiser Wilhelm habe darüber mit Chamberlain gesprochen, der erklärt haben soll, die britischen Interessen in China gegebenenfalls für die in Südafrika opfern zu wollen Bei dem englischen Nattonalcharaktcr dünkt uns diese Nachricht sehr zweifelhaft. Aufllärende Meldungen über politische Besprechungen des Kaisers mit englischen Ministern liegen überhaupt nicht vor; bestimmt wissen wir nur, daß man in Sandringham sich fleißig ber (Sntenjagb und dem Theateramü fernen t bin gegeben hat.
Parlamentarisches.
Berlin , 16. Nov. Zur zollpoliti scheu Lage schreiben die „SterL N. N.": In parlamentarischen Kreisen, welche eine Verständigung anstreben, wird zugegeben, daß die Regierung in einer Reihe wichtiger Punkte aus Zwingenden Gründen handelspolttischer und innerpolitischer Natur auf der Wiederherstellung ihrer Vorlage beharren muß. Ties güt insbesondere von den Minimalzöllen, von dem Termin für bas Inkrafttreten ber Zolltarifvorlage u. f. w. In anberen Punkten, in benen ber Reichstag bereits von ber Vorlage ber verbündeten Regierungen ab- weichenbe Beschlüsse gefaßt hat, teils abweichende Vorschläge ber Kommission vorliegen, sei bie Regierung burchaus bereit, der Mehrheit des Reichstages sowohl in Bezug auf die Verstärkung des Zollschutzes für bie Lanbwir tschaft, als in einzelnen anderen Fragen entgegenzukommen.
Berlin , 15. Nov. Die Kommis; ion zur Vorberatung des Antrages Bassermann betteffend bie Errichtung
kaufmännisch er Schiedsgerichte trat heute zu» lammen, um eine Erklärung des Regiemngsvertreters entgegenzunehmen. Ministerialdirellor Caspar leüie mit, baß bie Vorlage der Regierung im Reichsamt des Innern beretts fertig gesteltt wurde, dagegen vom Bundesrat noch nicht erledig: »ei. Sie werde dem Reichstage in allernächster Zeit zugehen. Infolge dieser Mitteüung vertagte sich die Kommission auf unbestimmte Zett. — Zu der gestern hier abgehattenen Kartell-Konferenz wttd berichtet, baß Hoffnung besteht, bie Vorarbeiten so rasch zu förbern, um im Januar mit ben eigentlichen Erhebungen beginnen zu können. Den Anfang soll habet bas rheinisch, westfälische Kohlen-Synbikat hüben.
pladl uni» Land.
Darmstabt, 16. Nov. Prinz unb Prinzessin Hein» rich von Preußen sinb heute nachmtttag IVs Uhr zunächst nach Bonn zum Besuche bes Prinzen.unb ber Prinzessin von Schaumburg-Lippe ab gereift. Von dort kehren sie ne. Kiel zurück.
Offen l.üj, 16. Nov. Tas sozialbemokr. „CffenK Abenbblatt" ist in ber Lage, ben Entwurf he» Bunbesrat- über bie Fleischd esch a u-Zollo rbnun g zu veröffentlichen. Danach schreiben, wie von sozialbemolratischer Seite gcmelbet wirb, bie Paragraphen 13 bis 18 em „umständliches unb zeitraubendes Verfahren" vor, das angeblich „für die Jmporleure kostspielig unb chikanos" sei. In her vertraulichen Lcgrünbung wirb gesagt: ber Mehraufwand für bie erhöhte Zahl ber Beamten werde gedeckt durch die Einnahmen aus den Gebühren.
LlnmeijUüls Llachrichtra.
Bonn, 15. Nov. Tie Bonner Satisfallion gebende Studentenschaft errvägt die Einschränkun gberPisto- len-Du eile. Für Dienstag ist eine Versammlung an beraumt. Tie Einladung geht von ben Burschenschaften au*
(örridjlsfauL
Wiesbaben, !■_>. '.-vuo. ontte Zivilkammer des Landgerichts verhandelte heute die Klage der Firma M o v t et Eh andon in Epernay gegen Soh nlein u. Co. in Schierstein. Kläger verlangen eine Million Sch aben- ersatz, weü Sohnlein behauptete, bie Kaiseryacht „Meteor" sei mtt „R h e i n g o l d", nicht mit ,/JJioet“ getauft Justizrat Herz führte für Söhnlein aus, Rloets Newyorter Vertreter habe an ben Schi ff »bauer öuOU Dollar bezahlt, bamit anstatt bes vorher bestimmten „Rheingold" fron« zö ff scher Schaumwein genommen werbe. Das Gericht vertagte ben Urteilsspruch bis zum 1. Tezernber.
Papstbeleidigung. Wie aus Heidelberg berichtet wttd, erschien bei bem evangelischen Pfarrer a. T. Gvttfrieb Schwarz biefer Tage ein Polizeikouurn^Zr unb beschlagnahmte seine Schrift „Papst Leo XilL vor Dem Rich ter stichle Christi", «sowie bas 82. Heft ber von ihm herausgegebenen Zeitschrift „Das Banner ber Freiheit" mit dem Artikel „Fetff chdien st". Die Beschlagnahme geschah auf Grunb bes Strafantrages, den das erzbffchöjliche Ordinariat in Freiburg bei ber Heibelberger Stoatsamvalffchaft gegen ben Verfasser gesteltt hat.
Altona, 13. 'Jäoö. Tie Strafkammer H bes Landgerichts beschloß m ber „PrimuS"-As faire, baß 2ük Hage gegen Kapitän Sachs und den ersten MaschiuiM bes Schleppbanipsers a n s a" wegen fahrlässiger Tötung zu erheben sei. Tas gesamte Material der bisherigen Untersuchung ist der SiaatSanwallschäft zugcsteUt.
Belgrad, 13. s)toD. Ter Redakteur Orpska Zastawa und Rechtsanwalt Zivojin Protisch wurden wegen Majestätsbeleidigung zu einem JahrGefangnismid Tragung der Kosten des Strafverfahrens verurteilt.
In der Angelegenheit Endell wttd der „Lat.- Ztg." egänzend aus Pofen berichtet, daß das Militär- gericht wegen der bekannten UnregejMäßigkeiten beide rKasfenführung gegen den Major a. D. fenöeU auf eine Warnung und auf Verlust deS Rechtes zum Tragen der Un if orm erkannt hatte. Tie Warnung wurde vom Kaiser bestätigt, das Recht zum Tragen der Uniform wurde Eridell aber belassen.
Uermischles.
* Lüdenscheid, 13. Nov Als Zeichen der Zeit verdient folgende Thatsache Ettvähnung zum Beweise des in den niederen Volksschichten herrschevdeu Notstandes: Ein Pferdemetzger Namens Keßler, aus Gießen giebürtig, hat hier einen Laden eröffnet Trei Pferde waren am ersten Tage verkauft; am Tage darauf wurde ein wegen Beinbruchs geschlachtetes schweres Pi erd aus bem Schlacht Hause ins Verkaussiokal gebracht. Eine Smnbe nach Abliesermig war bas Fleffch bes etwa 1200 Pfunb Schlachtgewicht zeigeuben Tieres verkauft. Ter Pferbemetzger kann bie vom Publikum beanfpruchten Flcisch- mengen nicht liefern. Tas Pfunb Fleisch ohne Knochen kostet 35 Psg., mit Kiiochcn 30 Psg.
Nantes, 14. Nov. Tas lenkbare Luftschiff LebaudyS^ stieg gestern hier auf. Es gelang ihm, oji bem Gelände alle Bewegungen mit einer Geschwindigkeit von 40 gegen Wind auszuführeu.
* Vulkanische A u sb rü ch e. ~ Tas Gouvernement von Samoa telegraphiert aus Apia über Auckland: Sett bem 31. Oktober f in bet ein vulkanischer Ausbruch im Innern von S a v a i i statt. Verluastc an Leben unb Eigentum sinb nicht zu bcRagcn. — Nach einer Meldung be- „Heralb" aus Guatemala aber sind bei ben bärtigen vulkanischen Ausbrüchen Hunderte von Personen getötet worben. Ter Verlust an Eigentum fei großer, als auf Martinique; viele bcutsche Pflanzer seien gänzlich ruiniert. Die Regierung Halle bie Nachrichten zurück. Tie Preise ber Lebensmittel seien gewaltig gestiegen und b a» Paviergeld so gesunken, daß ein Papierdollar nur 7 Pens Goll) wert sei.
Eistnliuhn-Zcitung.
Bon ber Eisenbahndirekrion Frankfurt ist durch daS Lanbratsamt zu Wetzlar statistisches Material über ben mutmaßlichen Verkhr auf berBahustreckeWetzlar-Dutz- bad) cingeforbert worben. Tie Handelskammer zu Wetzlar, ber bie Beschaffung biefer Materialien oblag, hat sich zu biesem Zwecke in verschiedenen Verhandlungen mtt den in Berrachl kvmmenben Bürgcrmcistereien in Verbinbung gesetzt, bas gesammelle Material zusammengestellt, verarbeitet unb es ber maßgcbcnbcn Stelle zngehen lassen. Die Kammer hofft, durch die mühesame 2llbett das genannte Bauprojekt kräftig gefördert zu haben.


