Ausgabe 
17.9.1902 Erstes Blatt
 
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In Frankreich selber nicht nur, sondern auch in Oester­reich findet Pelletans Rede eine höchst abfällige Beurteilung. DieNeue Freie Presse" nennt die Rede noch ungeschickter und taktloser als die in Ajaccio gehaltene. Pelletan scheine noch immer nicht zu wissen, daß er heute verantwortlicher Minister und nicht der radikal-sozialistische Klubredner sei und daß, wenn er heute spricht, er vor Europa und der ganzen Welt, nicht aber vor den Wühlern von Marseille eine Rede hält. Pelletan habe nicht nur seine, sondern auch die Stellung des gesamten Ministeriums arg gefährdet.

Deutsches Reich.

Berlin, 16. Sept. Die Enthüllung des Denk­mals Friedrichs des Großen in Washington, das vom Kaiser gestiftet wurde, wird erst im nächsten Jahre erfolgen.

Dem Redaktionshülfsarbeiter und stellvertretenden Redakteur des Deutschen Reichs- und Königl. Preuß. Staats­anzeigers v. B a j a n o w st i ist der Charakter als Hofrat verliehen worden.

Bremen, 16. Sept. Der auf der Werft des Bremer Dulkan in Vegesack für denNorddeutschen Lloyd" erbaute neue DamvserErlangen", von ca. 5000 Brutto­registertons, hielt heute seine Probefahrt ab, an der vom Norddeutschen Lloyd" die Herren Präsident Plate und Direktor Leist teilnahmen. Der Dampfer erreichte bei einer Leistung von 2800 indizierten Pferdeträften eine mittlere Geschwindigkeit von vierzehn Meilen in der Stunde, womit die vereinbarten Bedingungen erheblich überschritten wurden. Das Schiff wurde sofort nach der Probefahrt von den Vertretern des Norddeutschen Lloyd übernommen. Der DampferErlangen" wird am 4. Oktober seine erste Reise von Bremen nach Brasilien an treten.

Braunschweig, 16. Sept- Der Verein deut­scher Wurstsabrikanten faßte heute in einer zahlreich besuchten Versammlung eine Resolution, in welcher hervor­gehoben wird, daß, wenn das deutsche Fleischergewerbe und die Fleischernährung des deutschen Volkes nicht dauernd auf das Schwerste geschädigt werden soll, die Zufuhr ausländischen Schlachtviehes in größerem Maße unbedingt notwendig sei.

Heer und Flotte.

Gießen, 17. Sept. Militärdienst nachrichten. Zum Leutnant der Reserve ernannt: Riedesel, Frhr. zu Eisenbach (Gießen) des Garde-Jäger-Battls. Ter Ab­schied bewilligt: Zimmer, Leutnant der Res. des 1. Großh. Hess. Feldart.-RegtL. Nr. 25 (Großh. Art.-Corps) (Gießen).

Als Nachklang zum Krosigk-Prozeß wird die Thatsache gedeutet, daß Oberst Winterfeld, der Kommandeur des Dragoner-Regiments v. Wedel in Gum­binnen, in dem Rittmeister von Krosigk und die Unteroffiziere Hickel und Marten standen, seinen Abschied eingereicht hat und bereits nicht mehr zum Manöver ausgerückt ist.

Kirche und Schule.

Berlin, 15. Sept. DerLlb. Korr." schreibt in einer Betrachtung über das Verhältnis der Kirchenbehärdcn zu den liberalen Geistlichen:Uns ist ein Fall bekannt, wo das Konsistorium bei der Wahl eines liberalen Geistlichen in Berlin anfragte, warum er die Tochter seines ersten Super­intendenten nicht geheiratet habe. Der betreffende Geistliche zog infolgedessen seine Bewerbung zurück, ny*^ »r vom Geiste der preußischen Landeskirche genug hatte.__

Ausland.

London, 16. Sept. DemDaily Expreß" zufolge wurde im Woolwicher Arsenal ein neues Geschütz her­gestellt, das alle auf dem Kontinent übertrifft. Zu schnellerer Handhabung des Geschützes, wird eine neue Lafette konstruiert werden.

A m st e r d a m, 16. Sept. Ter Bruch zwischen Krüger, Reitz und Leyds sowie den Buren- Gene­ral en hat sich derart vertieft, daß diese entschlossen sein sollen, ihren europäischen Aufenthalt abzukürzeu und als­bald nach Afrika zu rück zu kehren, wo das Vuren- volk wegen ihres bisherigen sowie ferneren Verhaltens selbst urteilen soUe. Tie Generale haben mit ihnen keine Fühlung mehr.

Haag, 16. Sept. Tie Königin eröffnete heute die General st aaten mit einer Rede, in der sie zunächst aus die schwere Krankheit hinwieS, von der sie völlig wieder­hergestellt sei. Tie Beziehungen zu dem Auslande seien nach wie vor sehr freundschaftlich. Tic Nachwirkung einer Kiüsis. die anderswo ausgebrochen sei, habe der Schisfahrt geschadet; die Lage deS Handels und der Industrie sei zufriedenstellend, die der Landwirtschaft nicht u n - günstig. Schlechte Ernten in einigen Gegenden Javas hätten eine große Unterstützung der Betroffenen seitens der Regierung erforderlich gemacht. Tie Thronrede kündigt sodann Vorlägen über Erweiterung der Zuckcrgesctzgebung jowie über das Telegraphen- und Telephonwesen au.

Tie Königin-Mutter besuchte Nachmittags die von Burenfreunden veranstaltete Ausstellung in Scheoe- ningen, wo sie mit Wolmarans zusammcntraf und sich nach der Gesundheit der Präsidenten Krüger und S t e i j n erkundigte.

Paris, 16. Sept. Ter Schifssleutuant de la Motte, welcher wegen Teilnahme an einer öffentlichen Demonstration fünften der Kongregationen zur Disposition gestellt wurde, ersuchte, seine OLfi- ziercharge niederlegen zu dürfen.

Turin, 16. Sept. Heute wurde in Gegenwart eines Vertreters des Ministers Baccelli sowie Teilnehmern aus Italien und dem Ausland der fünfte Kongreß der internationalen Vereinigung zum Schutze des Eigentums an den Erzeugnissen der In - d u st r i e eröffnet. ES sprachen der Vertreter Daccetlis, der Bürgermeister von Turin, ein Franzose namens der aus­ländischen Teilnehmer, Vertreter der Regierungen von Oesterreich-Ungarn, Frankreich, der Schweiz, Belgien und Schweden, der Tirektor des internationalen Bureaus in Bern, Morel, und andere. Tarauf begann der Kongreß seine Arbeiten.

Sasvar, 16. Sept. Um 11 Uhr vormittags waren die Manöver beendet. Ter Kaiser und der d c u t s ch e K r o n - prinz kehrten hierher zurück, worauf ein Tiner stattfand. Abends 8 Uhr erfolgt die Abreise des Kronprinzen nach Berlin. Ter Kaiser begleitete ihn nach dem Bahnhof. Dort angelangt, salutierte der Kronprinz und küßte dem Mon­archen die Hand. Ter Kaiser küßte den Kronprinzen auf beide Wangen.

Budapest, 16. Sept. In Hatzfeld kam es gestern in einem öffentlichen Speisesaale zwischen mehreren deutschen Ortsinsassen und ungarischen Be­

Vermischtes.

* Breslau, 16. Lept. Wie au5 Marklissa gemeldet wird, entlud sich beim AuSsprengen eines Tunnels an der QueiSthalsperre ein Schuß, wodurch drei Arbeiter schwer verstümmelt wurden. Zwei der Verunglückten wurden nach dem MarNisfaer Krankenhause gebracht, wäh­rend der dritte, am schwersten Verletzte, nach dem Laubaner Krankenhause überführt wurde. An dem Aufkommen des Letzteren wird gezweifelt. In Leschwitz verunglückte der Obsthändler PiseUa dadurch, daß ihm die Pferde semeS Wagens durchgingen und er durch einen Anprall vom Wagen geschleudert wurde; er war sofort tot. Pisella hatte bereits bei einem früheren gleichartigen Unfall ein Auge verloren.

amten zu einem Standale, weil letztere nicht zugeben wollten, daß die Musirkapelle dieWacht am Rhein" spiele; die g^enc endete mit einer argen Schläg erei.

Kapstadt, 16. Sept. In der gesetzgebenden Ver­sammlung kündigte Premierminister Sprigg an, daß im Amtsblatt ein Erlaß veröffentlicht werden würde, durch den das Kriegsrecht in der ganzen Kapkolonie aufgehoben wird.

New York, 16. Sept. General Wheeler, der soeben von den französischen Manövern nach Philadelphia zurück- gekehrt ist, erklärte dem BlatteMail and Expreß" zufolge, die Franzosen hätten aus dem südafrikanischen Kriege nichts gelernt. Die französische Arm ee, so äußerte er, sei n ur in e in zeln enJtleinig- keiten modern. In anderer Beziehung sei sie so weit hinter der Zeit zurückgeblieben, daß es ein Verbrechen sei, in einem solchen Zustande zu beharren. Sie besäße keine Geschütze für das Fernfeuer und könnte sich mit den Armeen der anderen Großmächte nicht ver­gleichen. ___________________________

Aus Stadl und Land.

Gießen, 17. September 1902.

* * Hofnachrichten. Ter Groß Herzog und dessen Tochter, Prinzeß Elisabeth, treffen am 23. von Friedberg wieder in Darmstadt ein.

* * Universit ätsnach richten. Dr. jur. Heim- berg er, ordentlicher Professor für Strafrecht an der Universität Münster, wurde in gleicher Eigenschaft an die Universität Gießen berufen. An seine Stelle in Münster tritt der av. Pros. Dr. Ernst Rosenfeld aus Königsberg als ord. Prof, für Strafrecht, Straf- und Zivilprozeß.

* * Personalien. Dem Pfarrer Karl Scheune­man n zu Talheim ist die evangelisch^ Pfarrstelle an der Markusgemeindc zu Gießen, Tckanat Gießen, und dem Psarrverwalter August Offen bächer zu Albig, Dekanat Alzey, die evangelische Pfarrstelle daselbst übertragen worden.

* * Die Technische Hochschule zu Darmstadt beginnt ihr Wintersemester am 21. Oktober' Das Verzeich­nis der Vorlesungen und Hebungen über Elektrotech­nik, Chemie, einfchl. Elcttrochemie und Pharmacie, und M a s ch i n e n w i s s e n s ch a s t e n ist erschienen und auf der Expedition desGießener Anzeigers" einzusehen.

* * Zu den Landtagswahlen. Die vor einigen Tagen durch verschiedene Blätter gegangene Notiz, wonach die Bürgermeister K r o m m in S ch o t t e n und Biehl in Ra in rod für den Wahlkreis Schotten als Kandi­daten ausgestellt seien, wird von derG. L. P." neuer­dings d e m e n t ie r t. Wenn auch, wie arizunchmen ist, die Genannten ein Mandat ad gelehnt haben, so sind deswegen die Chancen für Herrn Weidner, den seit­herigen Adgeordiieten, durchaus nicht günstiger geworden. Er hat sich jent gegen drei Kandidaten zu wenden: den Bürgermeister Jochem zu Laub ach, Sanitalsrat Tr. Vogel zu Laubach und Oberförster Dr. Weber zu Konradsdorf. Möglich ist, so sagt das Hungener Blatt, daß Herr Weidner zu Gunsten des Herrn Dr. Vogel (chrisli.-sozial) z u r u ck t r i 11, in diesem Falle würde sich veritiurlich uie Entscheidung zwischen diesem und Herrn Dr. Weber drehen.

* * Zu unserer Notiz, Blu menp flege durch Frank­furter und Gießener Schulkinder, teilt man uns mit, oaß schon längere Zeit in verschiedenen Schulen des Kreises Büdingen die älteren Schüler durch die Lehrer mit Erfolg zur Pflege von Bluinen angehatten wurden. Die Kinder unterziehen sich stets gern öiejer Arbeit und haben ihre Freude an den schönen Topfpflanzen. Freilich be­gegnet man bei den Landbehörden nicht dem Verständnis und dem Entgcgentommen wie bei den städtischen Körper­schaften, die durch Anerkennung und Bewilligung von Preisen die Sache sehr fördern. Deshalb find diese Schul- bturnen, wie unser Gewährsmann sagt, bisher auch wohl Blumen im Verborgenen gewesen.

mp. Ein netter Student enulk ist, wie uns geschrieben wird, wieder einmal vor einiger Zeit in einer größeren Stadt Süodeutschlauds verübt worden. Erscheinen da früh Morgens aus dem Markte drei fidele Studios, die in aller Gemütsruhe eine regelrechte Marktbude auf­schlagen, dann zu den umhersitzendenMarktkollegeu und Kolleginnen" gehen, um hier einen beträchtlichen Vorrat an Gemüse und anderen Verkaufsgegenständen zu erstehen und damit ihren eigenen Marlistand zu füllen. Ta auch der übliche Obolus für dasMarktsitzen" bezahlt war, so konnten unsere Studios in aller Gemütsruhe ihr Ge- schäft eröffnen. Naturgemäß zentralisierte sich der ganze Marltverkehr an jener spaßigenStudentenbude", selbst dieElektrische" beförderte mit entsprechender Langsam­keit ihre Passagiere an jenemSchaustück" vorbei, so daß schließlich die Polizei, die eine zeitlang ihre Augen zu- gedrückt hatte, dieselbe offnen und demUnfug" ein Ende machen mußte. Daß der schließlich ganz netteUnfug" eigentlich eingrober" gewesen war, konnten die armen Marktschreier" nachher aus den ihnen übermittelten Strafbefehlen ersehen.

Butzbach, io. Sept. Vorgestern beging ein Straf­gefangener im Großh. ZclleugesängniS hier Selbstmord; es war der wegen Sittlichlettsvergehen inhaftierte Händler Leithmann von Worms, welcher sich am Ofen seiner Zelle aushängte. Seine Leiche wurde der Anatomie überwiesen.

Bad Nauheim, 17. Sept. Heute nachmittag i/-6 Uhr trifft, wie uns telegraphisch gemeldet wird, der Grotzherzog hier etn und begiebt sich direkt nach dem neuen Kurhause, wo am Abend die Spitzen der hiesigen Behörden in Audienz empfangen werden.

e. Bad» Nau he im, 16. Sept. Heute nachmittag weilte die Prinzessin Ludwig von Battenberg hier, um in Begleitung des Kreisrat Frey-Friedberg und des Baurat Dr. E s e r, Vorstandes der Badedirektion, das unter dem Protektorate der Prinzessin stehende Ko- nitzkystift anzusehen. Tas vor drei Jahren durch 5rau Konitzk y - Holland gestiftete HauS hat inzwischen mehrere bedeutsame Neuerungen erfahren, z. B den vau etned eigenen DadehauseS. Bürgermeister W ü r n e r - "2»$ - Nau­heim stellte die Vorstandsmitglieder und den Verwalter der Anstatt vor, und zeigte dann den neuen Teil des HauseS. In einer längeren Ansprache dankte er der hohen Protektorin, durch deren Jntereue der Bau des eigenen Badehauses ermöglicht wurde. Dre Prin-eism er­kundigte sich bei dem Arzte der Anstatt, Oberstabsarzt a. D Tr. Steinberg, nach dem ckrfolge der Sommer­und auch der Ainterkrr. Letztere hat m jedem Jahre eine steigende Frequenz. Vorher hatte die Prinzellm der KinderheilstätteElis ab eth Haus" einen Besuch ab- gestattet.

L. Bleichenbach, 16. S<p- Em langgehegter

Wunsch der Gemeinden Wolf und Aulen-Diebach dürste nun auch feiner Bewilligung näher kommen. Die direkte Verbindung zwischen hier und den beiden genannten Orten wurde bisher nur durch ziemlich un­passierbare Feldwege bewerkstelligt, und die in Betracht kommenden Landstraßen beschreiben große Umwege. Nun oll in ziemlich gerader Richtung von Osten nach Westen >er Feldwcgverbindung folgend eine Ch aus seev er bin- ) un g in nächster Zeit entstehen.

-i- Bad Salzschlirf, 16. Sept. Seit einigen Tagen hat man auf hiesigem Bahnhofe mit den Vor­arbeiten zu einem neuen Bahnhofsgebäude be­gonnen. Dasselbe kommt einige Meter östlich von dem bisherigen zu stehen, mit welchem es die gleiche Tiefe er­halten und durch eine Halle verbunden wird. Das jetzige Gebäude wird ganz zu Beamtendienstwohnungen einge­richtet werden. Für den Neubau ist auch eine Bahnhvfs- rcstauration vorgesehen. Der Bahnhofsneubau war infolge des jährlich steigenden Verkehrs zu einem dringenden Be­dürfnis geworden. Hoffentlich hat man bei Bemessung der Größenverhältnisse den steigenden Anforderungen des aufstrebenden Bades Rechnung getragen.

fc. Büdingen, 16. Sept. Ten am 22. und 23. d. M. bei Büdingen und Birstein fiattfinbenben Angrisssübungen mit schwerer Artillerie wird auch der Grobherzog beiwohnen. Er ist während der Dauer der Hebungen Gast des Fürsten von Psenburg-Birstein. Auch eine Anzahl höherer Offiziere aus anderen Armeekorps wird dem interessanten militärischen Schauspiel beiwohnen.

Darmstadt. 16. Sept. Eine eigenartige .Expreß- briefbeförberung" konnten gestern, Montag, 9lbenb kurz vor 7 Uhr einige Passanten bet unteren Grasenstraße beobachten. Um diese Zeit rollte ein mit einem Stückchen Eisen ober Stein beschwerter Bindfaben aus einem der oberen engoergitterten Fenster des dortigen Gefängnisses auf~ die Straße herab. Kaum war das oft zusammengeknüpfte Stuck bis auf Manneshöhe von dem Boden entfernt, als eiligen Schrittes von der Hofstallstraße her ein junger Mann erschien, mit dem Ende der Schnur einen Brief umwickelte, woraus das Packetchen in die Höhe flieg, hinter den Eisenstangen verschwand und gewiß von dem inhastitten Empsänger in Besitz genommen wurde.

Worms, 16. Sept. Zur Feier des 50jährigen Ges chäftsjubiläumsderFirmaJ. Langenbach und Söhne sand gestern eine festliche Veranstaltung statt, die alle Freunde und Mitglieder des Hauses, wie die Ver­treter der Behörden, der Industrie und des Handels zu- sani men führte. Dem Mitinhaber der Firma I. Langenbach u. Söhne, dem Kaufmann Rudolf Langenbach, wurde der Charakter als Kommerzienrat erteilt.

Frankfurt a. M-, 16. Sept. Im Kaiserhof Jagte gestern nachmittag eine Versammlung des Verbandes Süd- w e st d e u t f ch e r Branntwein-Interessenten, die sich mit der Frage beschäftigte, welche Mittel anzuwenden feien, um die moiioüoii|ti|djcn Bestrebungen des Spiritus- Ringes zu unterdrücken. Nach einer kurzen Ansprache ge­langte 1t.Frist Ztg." folgende Resolution zur einstimmigen Annahme: ,^jii Anbetracht der unserem Gewerbezweige und allgemeinem Erwerbsleben drohenden Gefahr durch Kar­telle, Syndikate und Ringe wird aus der Mitte der Ver- fammlung em ständiger Ausschuß von neun Mitgliedern gebildet. Ter Ausschuß soll alsbald das Nötige oeran- taijcn, um die breiten Schichten der Konsumenten auf die G^ayr, die folaje Vereinigungen Hervorrufen, aufmerksam zu machen, gemeinsam mit den anderen Vereinen bei der Reichsregierung und den gesetzgebenden Körperschaften für ein Kartell-Gesetz eintreten uird hierfür die nötigen Mittel fammeln. Gleichzeitig soll der Ausschuß prüfen, ob und auf welche Art im Prinzip der Gesell- oder Genosfenschafts- einfauf zu lösen sei." Der internationale Kongreßzur Bekämpfung des Mädchenhandels findet vom 7. bis 10. Oktober statt- Die Verhandlungen gehen im Saal­bau vor sich, am 7. Oktober giebt die Stadt den Kongreß­teilnehmern eine Festlich kett imFrankfurter Hof", eine zweite Festlichkeit ist für den 9. Oktober imFürstenhof" oorgeschen. Der Senator Verenger wird über die Ausgaben der Regierung bei Bekämpfung des Madchenhaiidels sprechen, außerdem beteiligen sich deutsche, holländische, englfiche und französische Redner an den Vorträgen und Diskussionen.

Wiesbaden, 16. Sept- Das Vorturnen der Vorturner sch asten größerer mittelrheinischer Turn­vereine fand am verflossenen Sonntag in der Turnhalle des Männertumvereins Wiesbaden statt. Um 9 45 Uhr traten 90 Turner zu den Stabübungen an, welche, nachdem der zweite Sprecher des Männertumvereins Wiesbaden die­selben begrüßt hatte, in Anbetracht der Schwierigkeit der­selben recht gut ausgeführt wurden. Hieraus folgte das Turnen der einzelnen Bortumerschaften. Bei der Be­sprechung, welche lofort nach dem gemeinschaftlichen Mittag­essen stattfand, wurde u. a- beschlossen, in Zukunft bie Zusammenkünfte im März abzuhalten. Als Ort des nächsten Turnens wurde Hanau bestimmt.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. DaS bekannte alte Hotel und Badehaus jum Adler" in Wiesbaden, das mit dem 1. Oktober in den Besitz der Stadt Wiesbaden übergeht, die auf dem Terratn cm großes städtisches Bad errichten will, hat seine Pforten geschlosien. DerAdler" ist wahrscheinlich das älteste in Wiesbaden existirende Bad, wenigstens ist es das einzige, daS schon vor dem Jahre 1600 einen Namen führte. AuS Offenbach wird geschrieben: DaS große Etablissement .Schlossers Liegenschaft" ist nunmehr in die Hände der Stadt übergegangen und jetjt zur Benutzung für alle Parteien frei- gegeben worden. Der Verein zur Wahrung der Jnteresien der chemischen Industrie Deutschlands, Vorsitzender Kom­merzienrat Dr. I. F. Holtz, wird seine Generaloersammlung am 19. und 20. September in Frankfurt a. M. abhalten. Zur Beratung steht cme Anzahl wirtschaftlicher und lech- nischer Fragen, welche die chemische Industrie berühren.