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17.6.1902 Zweites Blatt
 
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Nr. 139

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Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener ZamUieu- Hfittet viermal in der Woche beigelegt.

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Zweites Blatt. 153. Jahrgang

Dienstag I V.Juni L»«»

Lietzener Anzeiger

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Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

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Kie heutige Hlummer umfaßt 8 SeUeu.

Sonuuertagung des Solomalrats.

TerReichsanzeiger" meldet heute: Der Kolonialrat wird zum 27. Juni einberufen.

Im Mtttelpnntt der Beratung wird natürlich die Eiseubahnfrage stehen, die während der verflossenen Reichstagssession, obwohl Reichskanzler wie Kolonial- 'direktor Dr. Stübel die Dringlichkeit der projektierten Linie Tar-c: Salam-Mrogoro betonten, zurückgestellt wurde. Namentlich Dr. Stübel soll durch die erneute Vertagung dieser Angelegenheit sich schmerzlich berührt fühlen und dürfte dies im Kolonialrat zum Ausdruck bringen. Im übrigen ist zu erwarten, daß bei den Verhandlungen des Kolonialrats die Eingabe erörtert wird, die kurz vor­der Vertagung des Reichstags derD e u t s ch e Ko l o n ia l - bund" an das Parlament richtete. Es wird darin unter ausführlicher sachlicher Begründung die Ablehnung des in der Garantieanlage enthalteennunrentablen" Bahn­projekts befürwortet. Da derDeutsche Kolonialbund" sich anderweit öffentlich noch nicht bemerkbar gemacht hat, ist eine Aufklärung durch die Verhandlungen des Kolonialcats wünschenswert. Von einer Seite war behauptet worden, derKolonialbund" sei erst in der Bildung begriffen.

Von den Einnahmen der Kraukeukaffe-Aerzte.

Ueber die U n z u l ä n g l i ch k ei t der R e i ch s sta t i st i k Aber die Einnahmen der Krankenkassenärzte schreibt Dr. V. g? fei ff es sen. (Wenn ar) imKorresp.-Bl. des allg. ärzil. &ez v. Thür.":Die offizielle Reichsstatistik über oic Krankenkassen giebt über die Höhe und die Steigerung des Arzthonorars be-ii den Kassen ein falsches Bild, weil sie von unrichtigen Fragestellungen ausgeht. Wie viel Aerzte an dem Verdienst der Kassenärzte, der im Jahre 1899 sich auf beinahe 32 Millionen Mark belief, betelligt und lute biet einzelne Arbeitsleistungen darin enthalten sind, weiß man nicht E- ist eine eingehende Buchführung der Kassen­ärzte notia um festzustellen, ob die Lrztllche Arbeit einen enffprechenden Verdienst ab wirst.oder ob die Aerzte von ch-em Kapital und ihrer ArbEkrÄft jta M- Rerchs- stattstik nimmt mi, das; em MrrmhniflSM durchschnittlich drei KvnsnltMinnen und einen besuch erfordern, ein iSrsmtz gleichwertig fei »toeil jwniutaiwnen, bati <uio i-der Fall tzuj LonfiälLtiouLU «fstbm. ßm Jahre 1894 tarnen auf

Uolitische Tagesschau.

Zwei Rieseaprozeffe.

Die Berichterstattung über den Prozeß Sanden und Genossen, der sich in Berlin abspielt, ist von einem Teil der Presse erheblich eingeschränkt oder ganz eingestellt worden. Ein Viertel Hundert Referate über den Gang der Verhandlungen sind bisher erschienen. Diese Aus­züge interessieren zwar den kaufmännisch gebildeten Leser, aber das große Publikum vermag sich in diesem Labyrinth von Zahlen und banktechnischen Einzelheiten nicht zurecht­zufinden. Man hatte nach dem ungeheuren Aufsehen, das der Zusammenbruch der Preußischen Hypotheken-Mtienbank hervorrief, einen sensationsreichen Prozeß erwartet. Eduard Sanden, so hieß es, habe als Wohlthäter in fürstlichem Stile, als ein Patron kirchlicher Bestrebungen von nobelster Freigebigkeit mächtige Gönner sich erworben; die Aussicht, den einen und anderen dieser Herren ans hohen Kreisen als Zeugen an Gerichtsstelle auftreten zu sehen, reizte ins­besondere die öffentliche Neugierde. Solche Ereignisse sind ausgeblieben. Ruhig und nüchtern wird die Beweisauf­nahme fortgesetzt über die von Eduard Sanden und seinen Vertrauensmännern vorgenommenen Transaktionen. Die Kühnheit dieser Geschäfte, die nach Auffassung der Anklage dann, wenn sie glückten, Sanden und Genossen bereicherten, ' wenn sie mißglückten, auf die Bank abgeschoben wurden, ist allerdings erstaunlich. Mlllionen haben keine Rolle ge- pielt, und man fann es einem Sachverständigen glauben, » chm mitunterschpindelig" geworden sei beim Nack- rrufen der Geschäfte. Immer wieder müssen die Verhano- ungen unterbrochen werden, um den Sachverständigen Zeit zu gewähren zu erneuter Durchsicht der Bücher und Belege. Manche Transaktion stellt einen solchenRattenkönig" dar, daß es fast unmöglich scheint, die wirklich Betelligten und die vrogeschobenenStrohmänner"' auseinanderzuhalten. In gewissem Sinne sensationell ist aber eine in der letzten Verhandlung vom Staatsanwalt gemachte Enthüllung, näm­lich, daß der Ruf von Ed. Sandens grandioser Frei­gebigkeit äußerst übertrieben gewesen. Einem persönlichen und haustyirtschaftlichen Bedarf in der kolossalen Höhe von 868 000 Mark in fünf Jahren stehen 25 000 Mart für kirchliche und Wohlthütigkeitszwecke gegen­über. Also auf das Jahr durchschnittlich 9000 Mk. Das ist verblüffend wenig für einen Krösus, dem Spenden von Hunderttausenden angedichtet wurden. Irren wir nicht, so hatte unmittelbar nach der Verhaftung des Herrn Eduard Sanden, der Oberhofmeister der Kaiserin, Frhr. v. Mir­bach, öffenllich konstatiert, es könne nicht die Rede sein von großen Aufwendungen Sandens für kirchliche Zwecke. AngeblicheEingewechte" machten dessenungeachtet geheim­nisvolle Andeutungen. Frhr. v. Mirbach, hat, wie man sieht, Recht behallen.

Ein zweiter Riesenprozeß, der soeben begonnen hat, ist der gegen die Le i p z i g e r B an k. Wir berichten darüber heute an anderer Stelle ausführllch Er ist ein Ereignis allerersten Ranges. Wenn man vernimmt, daß fast jeder dritte Mann im Königreich Sachsen durch den Zusammen­bruch der ehemals so stolzen Leipziger Bank in Mitleiden­schaft gezogen ist, dann kann es nicht wundernehmen, wenn das gerichtliche Drama geradezu fieberhafte Spannung be- glellet. ________

ein Kassenmitglied durchschnittlich 0,361 Erkrankungen. Dar­nach wäre auf eine Konsultation 1,75 Mk. entfallen! Das wäre ja sehr schön, wenn's wahr wäre. Aber bei dem hier errechneten Bettag sind alle diejenigen, oft fünf bis siebenfach zahlreicheren Konsultationen, welche bei Krank- hetten ohne Erwerbsunfähigkeit (also ohne Zah­lung von Krankengeld), und die, welche bei Angehörigen der Mitglieder geleistet worden sind, ungezählt geblieben. Die erwerbsunfähigen Kranken betrugen 1899 bei den Kassen imGroßherzogtumHessen nur 25 v. H., bei der Orts- ttankenkasse in Leipzig nur 1518,5 v. H. aller Kranken. So ist es erklärlich, daß thatfächlich sehr viele Kassen nur ebenso viel Pfennige für die ärztliche Einzelleistung zahllen, als das statistische Amt Groschen heraus- re chnet. Mas Dr. Pfeiffer beanstandet, ist schon wieder­holt beklagt worden. Die Erkenntnis des Mißstandes ver- anlßte seinerzeit die Zentrale für freie Aerztewahl, das Reichsamt des Innern um seine Unterstützung anzugehen, als eine sachgemäße Statistik der kassenärztlichen Verhält­nisse im Reiche in die Wege geleitet werden sollte.

Deutsches Deich.

Berlin, 16. Juni, Für den Aufenthalt des Kaisers in Aachen werden umfassende Sicherheitsmaß­regeln getroffen. Zahlreiche auswärtige Polizciorgane sind dorthin kommandiett, so auch von Frankfurt fünfzig Schutz­leute und mehrere Kommissare.

Man meldet aus Dresden: Die gegen angeblich alarmierende Nachrichten gerichtete Note des offiziösenDr. Journ." vermag ebensowenig wie die äußerst vorsichtig ab­gefaßten Sibyllenotter Bulletins die schmerzliche Thatsache zu verschleiern, daß zwar die außerordentliche Lebenskraft des kranken Königs und die ärztliche Kunst eine kritische Wendung vielleicht noch eine Zeit lang hinausschieben, aber nicht mehr lange v erhind ern können. Die Schlaf­sucht des Patienten und die Abnahme seines bisher so guten Appetits sind schlimme Vorzeichen des fortschrei­tenden Verfalles der Kräfte. Der heute Abend ausge­gebene Krankheitsbericht lautet: Eine Besserung ist im Be­finden des Königs im Laufe des Tages nicht eingetreten. Die Schwächeerscheinungen dauern fort.

Im preuß. Abgeordnetenhause wurde heute der Ge­setzentwurf betr. Ausführung des Schlachtvieh- und Fleischbeschau-Gesetzes in dritter Lesung angenommen. Ein konservativer Antrag, wonach § 4 erst am 1. Oktober 1903 in Kraft tritt, gelangte zur Annahme. Das Ausfüh- mngsgesetz zum Fleischbeschaugesetz wurde in der Gesamtab­stimmung von den Freisinnigen und dem größten Teile der Nattonalliberalen angenommen.

Im preuß. Herrenhaus wurde der Gesetzentwurf betr. die Umlegung von Grundstücken in Frank­furt a. M. in der vom Abgeordnetenhaus beschlossenen Fassung en bloc angenommen. Ebenfalls angenommen wurden die Gesetzentwürfe bett, die Vorausleistungen zum Wegebau und betr. Unfallfürsorge für Gefangene. Es folgte die Schlußberatung des Antrages v. Levetzow betr. Bekämpfung des übertriebenen Alkoholgenusses. Der Anttag wttd en bloc angenommen.

Der preuß.Staatsanzeiger" veröffentlicht das Ge­setz, betteffend Abänderung des Gesetzes über die Handels­kammern, vom 24. Februar 1870 und 19. Juni 1897, sowie das Gesetz über die Abänderung des Gesetzes, bett. Errichtung öffentlicher, ausschließlich zu benutzender Schlacht­häuser, vom 18. März 1868.

Tnffeldorf, 16., Juni. Heute begann hier der inter­nationale Wohnungs-Kongreß. Nach der Be­grüßungsansprache des Vorsitzenden Staatsministers Frhrn. v. Berlepsch hieß der Unterstaatssekretär Lohmann die Erschienenen im Namen der preußischen Staatsregierung will­kommen, worauf Geh. Regierungsrat Richter die Will­kommsgrüße der Reichsregierung überbrachte.

Köln, 16. Juni. Zu Ehren ihres hier anwesenden Prä­sidenten, des Herzogs Johann Albrecht von Mecklen­burg, hiell die deutsche Kolonialgesellschaft heute nachmittag eine Versammlung ab. Gouverneur Solf sprach über die Landarbeitersrage auf Samoa. Dr. Solf erwähnte u. a., wegen der unüberwindlichen Trägheit der samoanischen Eingeborenen werde beabsichtigt, um die Kolonie ausnützen zu können, ausländische Arbeiter einzuführen, wofür namentlich chinesische Kulis in Bettacht kämen.

Stuttgart, 16. Juni. Heute begannen hier die Ver­handlungen des 4. deutschen Gewerkschafts-Kon­gresses, zu dem etwa 200 Delegierte, darunter auch Ver­treter außerdeutscher Landes-Organisationen, erschienen waren. Zum ersten Male bei einem Gewerkschafts-Kongreß war auch das Reichsamt des Innern vertteten durch den Regierungsrat Hölzel. Das württembergische Ministerium war vertreten durch die drei Gewerbeinspektoren. Der Vorsitzende Legien- Hamburg gab hierüber seiner Freude Ausdruck und es folgten dann die Begrüßungsreden der Vertreter der auswärtigen Gewerkschafts-Organisationen. Die Vertreter der Tradc Union, Curran und O'Graty, betonten, daß es in England über kürz oder lang zu einem großen wirtschaftlichen Kampfe kommen werde, denn die Unzufriedenheit der englis.hen Arbeiter sei in stetem Wachsen begriffen wegen der allmählichen Einführung des sogen. auncnamschen Systems, wodurch eine große Ausnützung der Arbeitskräfte

ermöglicht werde. Der Franzose GriffuelleS-Paris legte dar, daß es für die französischen Arbeiter keine Gegen­sätze zwischen Frankreich und Deutschland gebe. Hueber-Wien hob hervor, daß die österreichischen Organi- sattonen ein Kind der Sozialdemokratie sind und es auch bleiben müssen. Auch der Schweizer Vertreter Calame be­tonte, daß auch in der Schweiz das sogen, amerikanische System immer mehr um sich greife und daß gegenwärtig 1200 Metallarbeiter der Firma Escher-Wyß im Ausstande seien, um sich gegen dieses System zu wehren. Sodann trat man in die Tagesordnung ein. Zu Vorsitzenden des Kon­gresses wurden Boemelberg junb Legien-Hamburg gewählt.

Der Leipziger Bankprozeß.

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Leipzig, 16. Juni.

Vor dem Schwurgericht des hiesigen Landgerichts be­gann heute der Prozeß gegen die vormaligen Direktoren der Leipziger Bank Exner und Dr. Gentzsch und die Mitglieder des Aussichtsrats der Bant, die Kaufleute Dvdel, Schröder, Wölker, Wilkens, Bankier Mayer, Buchhändler Voerster und Privatmann Fiebtger.

E x n e r sagt aus: Im Sommer 1895 waren sechs $ errett an die Leipziger Bank mit dem Ersuchen herangetteten,. ihnen einen größeren Vorschuß auf mehrere Jahre fest zu gewähren, weil sie im Besitz von alten Treberaktien waren, und, überzeugt von der Güte des Unternehmens, noch junge Aktien zukaufen wollten. Die Bank war vorläufig nicht darauf eingegangen, bewilligte aber doch weiterhin der Trebergesellschast auf Konto-Korrent 200 000 Mark Kredit, später 500 000 Mark Kredit und führte später die Kapitalserhöhung der Trebergesellschaft von IV2 Mill, auf 3 Mill, mit einer Provision von 12 Proz. durch, was der Aufsichtsrat genehmigte. Es folgte später die weitere Finanzierung von 3 auf 6 Mill, mit einem geringeren Prozentsatz als die Provision. Damals besaß die Treber- gesellschaft ein größeres Guthaben bei der Leipziger Bank, etwa V2 bis 1 Million Mark. Es kam bann die Trans­aktion in Bosnien, wo die Bank die Garantie für IY2 Mill. Gulden übernahm und 175 000 Gulden bezog. Exner be­zeichnet es als einen großen Fehler, daß der Aiffsichts- rat der Bank ihm verwehrte, in den Aufsichtsrat der Trebels trocknung einzutreten, denn die Engagements der Bank würden dann nicht so groß geworden sein. Er betont so­dann, daß die Direktion nie einen Kredit bewilligt habe, oder ein nennenswertes Engagement eingegangen sei, ohne, die Genehmigung des Aufsichtsrats. Außerdem bestand in der Bank eine sehr eingehende Kontrolle der Obligos, alle 2 Monate fand eine Durchsicht sämtlicher Engagements sowie aller Konten statt, sodaß zu keiner Zett der Auffichts- rat über ein bestehendes Engagement nicht mtterrichtejtz gewesen wäre. Die Bank sei nicht blind in die einzelnen Engagements hineingegangen. In 4i/2 Jahren habe der Aufsichtsrat und die Tirektton 18 Etablissements besich­tigt. Später sei es ihm unbehaglich geworden, daß die Engagements mtt der Trebergesellschaft so gewachsen seien. Als im Jahre 1900 die Engagements in Kassel sehr be­deutend geworden waren, habe der Aufsichtsrat der Leip­ziger Bant beschlossen, eine größere Summe selbstschuldneri­scher Garantie vom Aufsichtsrat in Kassel zu fordern, die in einer Höhe von 4 Mill. Mark gegen Verpfändung von cedierten, der Trebergesellschaft abgetansten Außenständen gegeben wurden. Die Form wurde von Gentzsch juristisch geprüft. Daraus seien die sogenannten Separatkosten ent­standen. Exner erläutert dann die Gründung der weiteren Tochtergesellschaften, von deren Rentabttität die Bank und die Trebergesellschaft überzeugt gewesen seien, und fährt fort: Da die Verwaltung der Trebergesellschaft außer- ordenllich kostspielig war, faßte man das Projekt der Fusion der Trebergesellschaft mit den Tochtergesellschaften, um die Trebergesellschaft vollständig zu sanieren und die Leipziger Bant zum großen Teile abzustoßen. Durch ben Zusammen­bruch der Dresdener Kreditanstalt und so weiter sinb bie Schwierigkeiten eingetreten, unb bie Leipziger Bank suchte nun in Berlin um Unterstützung nach. Eine Deputation bes Aufsichtsrats unb der Direktion begab sich nach Berlin unb verhanbelte mit Direktor Dr. Koch. Dieser erklärte,, baß bie Sache zu groß sei. Es wurden nun andere Vertreter der Großfinanz hinzugezogen. Alle lehnten mit Ausnahme von Koch unb bem Vertreter ber Dresdner Bank ab . Exner meint, daß man zu ehrlich gewesen sei und zu viel enthüllt habe. Die bekannte, bei der Einstellung der Zahlungen veröffentlichte Darlegung sei bie Wiedergabe ber festen Ueberzeuaung ber Verwaltung gewesen. Bei sach­gemäßer Abwicklung mürben viele Millionen ber Bank erhalten geblieben sein .

Der ehemalige Direktor Dr. Gentzsch sagt aus: Als er am 1. Januar 1896 zur Bank gekommen sei, habe bie Verbindung zwischen dieser und ber Trebergesellschaft be­reits bestauben unb sei von den Organen der Bant als vorzüglich unb aussichtsreich geschildert worben. Wohl habe er anfänglich Bebenken gehabt, so bei bem bosnischen Unter­nehmen unb auch gegen die Form unb Art ber Gründung anderer Tochtergesellschaften, doch sei er durch Exner und den verstorbenen früheren Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Leipziger Bank, Sachsenröder, völlig beruhigt worben. Seine Aufgabe sei es nur gewesen, juristisch tljätig zu sein und mit Rechtsratschlägen zu bienen. In ber Angelegen­heit der Treberttocknungsgesellschaft habe er sich barauf beschränkt, bas zu genehmigen, was mit derselben non Exner abgeschlossen würbe.

Der frühere .Borsitzenbe des AuffichtsratS Do del setzt seine Stellung im Aufsichtsvate auseinander unb berichtet über die Anstellung des ausg^eichnet empfohlenen Exner I und das Wachstum der als konservativ bekannten Leipziger