Ausgabe 
17.2.1902 Drittes Blatt
 
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doch in Anbetracht dessen, daß der Gemeindesäckel durch den Bau der Straße Muschcnhcim-Trais-Münzenberg sowie durch den Bahnbau Butzbach-Lich schon stark in Anspruch genommen ist und noch genommen werden wird, einer Feldbereinigung, die die Schuldenlast der Gemeinde noch bedeutend erhöhen müßte, vorerst nicht das Wort reden zu können.

x Rohrbach b. Büdingen, 15. Febr. Heute fand im Rathaus die Verpachtung der Feld- und Waldjagd statt. Das Gebiet uinfaßt 1700 Morgen Feld und 500 Morgen Wald. Die Jagd ist sehr ergiebig: neben 90 Feldhasen im letzten Treibjagen konnten noch aus dem Feld, das mit dem Wald in Verbindung steht, eine größere.Stückzahl Rehwild erlegt werden. Tie seitherige Pacht war gering- 210 Mk. Drei Jagdliebhaber brachten das Gebot auf 325 Mk.; der Taxationspreis war nicht erreicht, und so wurde die Ver­pachtung nicht genehmigt. Ein neues Ausschreiben soll er­folgen und eine neue Verpachtung vorgenommen werden.

Kassel, 16. 'Febr. Von den im TreberirocknungS- prozes; Verurteilten hat Schulze-Dellwig Revision gegen das Urteil eingelegt. Ten '.Mitgliedern des Gläubiger- ausschusses für den Trebertrocknungskonkurs ifi für die Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember vorigen Jahres eine Ent­schädigungssumme von je 2000 Mark zugebilligt worden.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Offenbach verübte Selbstmord durch Erhängen im Gefängnis der Friseur Heinrich Girnbler, der eine längere Freiheitsstrafe zu verbüßen hatte. Ein von Wiesbaden nach Mainz zitrückkehrender Handelsmann wurde in der Nähe von Bodcnycim überfallen und seiner Baarschaft im Betrage von 2'000 Mk. beraubt. Bei der polizeilichen Suche nach den Straßenräiibern wurde eine verdächtige Persönlich­keit verhaftet. Lei der körperlichen Visitation des Maiines fand man nicht allein alle möglichen Einbrechwerkzeuge vor, sondern auch eiiie Anzahl goldener lkhren und Ketten usiv., die von einem Einbruch in Mannheim herrühren sollen.

Vermischtes.

Paris, 15. Febr. Die hier herrschende starke Kälte hat gestern vier Opfer gefordert.

* Petersburg, 15. Febr. Aus Schemascha wird gemeldet, daß die Bodcnschwankirngen fortdauern. Bei dem Erdbeben sind viele Menschen ums Leben ge­kommen^ Gestern sind etwa 2 00 Leichen aus den Trüm­mern geborgen worden. - Die Rettungsarbeiten werden fort­gesetzt, doch werden sie durch die andauernden Erdstöße sehr erschwert. Motzt verniutet, daß noch viele den Tod ge­sunden haben, namentlich Frauen, die sich zurzeit des Erdbebens m den Badeanstalten befanden.

Theater, Kunst und Wissenschaft.

Irene Triesch und Joseph Kainz iverden Ende März gemeinsam als Gäste im Stadtthcater in Frankfurt a. M. auftreten. Zur Aufführung gelangenDie Jüdin von Toledo" undRosenmontag". Fräulein Triesch spielt die Rollen der Rahel und der Trante, Kainz wird den König und Hans Rudorff geben. Als Nachfolger Lllexander Barthels wurde

Franz Ludwig vom Stadttheater in Königsberg vom 1. Sep­tember ab auf vorerst drei Jahre engagiert. (Man findet ein Portrait dieses Künstlers in dem neuesten Hefte der bilder­reichen ZeitschriftTic Theater der Welt", Pacific-Vertag in Berlin, pro Heft 60 Pfg.)

Tolstoi. Tie polnisch-galizische Nachricht von dem Tode Tolstoi's ist falsch. Das Befinden des großen russischen Dichters hat sich etwas gebessert. Puls 90, Temperatur be­friedigend. Die am Freitag eingetretene Verschlimmerung war durch Weiterschreiten der Lungenentzündung heroorgerufen, die auch den zweiten Lungenflügel ergriffen hatte. Jetzt be­ginnt die Entzündung nachzulassen.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Banken und Fusion. Es taucht wieder einmal das Gerücht von einer Fusion der Breslauer Diskontobank mit der Darmstädter Bank auf. Die Breslauer Diskontobank sollte schon öfters fusioniert werden, es ist jedoch immer bei dem Plan geblieben. Gerüchten von c.ner Fusion der Rheinischen Bank mit einer anderen Bank tritt die Verwaltung des rheini­schen Instituts selbst entgegen. S.e bemerkt, daß sie sius erste ihr Hauptaugenmerk auf eine weitere Liquidation der Bestände der Bank richtet, deren Wert sich infolge der Befferung der Börscnverhältniffe gehoben hat. Ob später einmal eine Fusion in Frage komme, stehe noch dahin.

Süddeutsches Hypothekenwesen. Tic Erfahrungen, die im vergangenen Jahr bei norddeutschen Hypothekenbanken gemacht würden, haben unter anderem die bayerische Regierung veranlaßt, auf die Geschäfte der bayerischen Institute ein schärferes Auge zu haben. Anlaß gaben auch die über 80 Millionen Mark betragenden Beleihungen, die dem in Schwierig­keit geratenen Münchener Grundstücksspekulanten Höch ge­währt worden sind. Hieran ist auch ein kleines außerhalb Bayerns domilizierendes süddeutsches Jnstitüc mit Be­trägen beteiligt, die eine Ordnung der Angele'genhcit unter Mitwirkung unserer Hypothekenbanken um so wünschenswerter erscheinen lassen, als das erwähnte Institut auch sonst Be­leihungen über die berechtigten Grenzen hinaus vorgenommen haben soll. Die preußische Regierung hat Veranlaffung ge­nommen, über diesen Fall Erkundigungen cinzuziehen resp. an den Verhandlungen teilzunehmen.

Berlin, 15. Febr Die offizielle Eröffnungsfahrt der Berliner Hoch- und Untergrundbahn hat heute stattgefunden. Aus diesem Anlaß hat der Kaiser den am Bau beteiligten Persönlichkeiten Ordens-Auszeichnungen ver­liehen.

Herford, 16. Febr. Ter Tabakindustrie drohten nach Ansicht der hisiegen Tabakindustrieellen schwere Gefahren durch die Gesetzgebung; um diesen zu begegnen, weilt auch unser Rcichstagsabgeordnetcr, Erster Bürgermeister Quentin in Berlin. Eine Gefahr ist ab gewendet, und zwar die gänzliche Aufhebung der Zollkredite. In der Zoll­tarifkommission lag bekanntlich ein Antrag Paasche-Müller vor, sämtliche Zollkrcditc zu beseitigen, was § 10 der Re­gierungsvorlage nur wegen der Zölle für Getreide und landw irt schriftliche Produkte vorschlägt. Da z.Z. unsere Tabakindustrie noch einen 3- (früher 6) -monatlichen Zollkredit

genießt, der vor allem den kleinerem und 'schwachsituierren Fabrikanten zugute kommt, so hätte die Annahme des Antrages Paasche-Müller in der Kommission einen schweren Schlag auch für unsere Tabakindustrie bedeutet; der Anttag wurde jedoch auf vielfachen Wunsch zurückgezogen. Ferner hat sich unser Reichstagsabgeordneter für die Zeit der Beratung der Positionen 29 und 218 des Zolltarif-Gesetzentwurfes (Tabak und ähnliches) einen Sitz in der Tarifkommission gesichert, um den Antrag seines eigenen Fraktionsgenossen v. Heyl und anderer auf Erhöhung des Tabakzolles von 85 auf 125 Mark per Doppel-Zentner zu bekämpfen, da diese Erhöhung nach seiner Ansicht für unsere Gesamt- Tabak-Jndustrie gefährlich fein würde.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Perris, 16. Febr. Wie aus Rom (?) verlautet, wird Kaiser Wilhelm m Begleitung des Grafen Bülow auf alle Falles?) noch in d.esem Jahre dem König Victor Emanuel einen Besuch abstatten.

Berlin, 17. Febr. Der Jntendantnrdirektor Geheim­rat Pierson ist gestern Nachmittag an einem Lungen­schlag g e st o r b c n.

London, 17. Febr. K'itchener meldet aus Pre­toria vom 15. Februar: Ein Bataillon bertttener Infanterie wurde bei einem Auftlärungsmarsch am 12. Februar bei Zuckerboschrand von einer starten Burenabtei­lung auf ungünstigem Gelände in einen Kamps verwickelt. 11 Mann sielen, 40 wurden ver­wundet, bevor es den Truppen gelang, sich in den Schutz der Blockhäuser zurückzuziehen. Rawlinsons Kolonne ist gegen die Buren unterwegs. Reuter bemerkt dazu, es handle sich anscheinend um den schon gemeldeten Vorfall bei Klipriver. Am 10. Februar wurde eine Abteilung der südafritaniscyen Polizei in der Nähe von Vantonder-. hock von einem überlegenen Feinde mit Ver­lusten z u r ü ck g e w o r s e n.

Barcelona, 17. Febr. Ein aus Valencia kommender Postzug stieß zwischen Fortosa und Amposta auf eine rangierende Lokomotive. 20 Reisende wurden verletzt.

Alba (Piemont), 17. Febr. In der Nähe dcs Bahn­hofs Santa Stefano stieß ein Güterzug mit einem Per­l' o n c n z u g zusammen. 9 Reisende wurden verletzt, davon einer schwer. , ' .

Triest, 16. Febr. Bis gestern abend sind 95 und heute noch 5 Verhaftungen vorgekommen. Bei den gestrigen Un­ruhen wurden 2 Personen getötet und 7 verwundet. Tie Verkündigung des Standrechts und des Ausnahme­zustandes verlief ohne Zwischenfall. Die Schriftsetzer haben die Arbeit wieder aufgenommen. Hier wütet eine heftige. Bora mit Schneesttwm.

Petersburg, 17. Febr. In den letzten Tagen hat sich das Befinden des Grafen Tolftoi verschlimmert. Gestern früh war seine Schwäche sehr groß.

Baku, 17. Febr. Nach den letzten Meldungen beläuft sich die Zahl der bei der Zerstörung von Schemacha Um* gekommenen in die Tausende.

NechigmW m Werlm'lkM zu Cölu a. Rh.

Am Mittwoch dem 19. Februar 1902, nachmittags 37a Uhr, sollen in der Amtsstube des unterzeichneten Notars, Justizrat Hermann Schaefer 1 zu Eöln a. Rh., Stein­feldergasse Nr. 23, auf Anstehen eines Pfandgläubigers zwecks dessen Befriedigung öffentlich gegen Barzahlung ver­steigert werden:

1. Nomn. Mk. 1,055,000. 4prozentige, hypothekarisch sichergestellte Teilschuldverschreibungen der Gewerk­schaft Gießener Braunsteinbergwerke vorm. Fernie in Gießen, mit Zinsen vom 1. Juli 1901 ab;

2. Nomn. Mk. 25,000. Aktien der Bergwerks-Aktien- Gesellschafk Bliesenbach mit Dividendenscheinen für 1902 und folgende;

3. Kux Nr. 133 der Gewerkschaft Wildberg;

4. die Ausbeute von 401 Kux der genannten Gewerk­schaft Gießener Braunsteinbergwerke.

Cöln, den 31. Januar 1902.

Der Königliche Notar:

H. Schaefer I., Justizrat. 1105

Holz-Versteigerung

im Steinöucher Kemeindewald.

Mittwoch den 19. und Donnerstag den 20. Februar sollen in den Distrikten Gesang, Helgcmvald und Seeheck versteigert werden:

62 Eichcn-Stämme von 1423 cm Durchm., 610 m Länge 11 fm,

335 Nadel-Stämme von 1432 cm Durchm., bis

20 m Länge = 116 fm,

840 Nadel-Derbstangen von 712 cm Durchm., 613 m Länge = 40 fm,

17 Eichen-Derbstangen von 1114 cm Durchm., 68 m

Lange = 2 tm,

16 rm Buchen-Scheitholz,

54 -Knüppel,

12 -Stöcke,

2000 Buchen-Wellen,

13 rm Eichen-Knüppel,

15 Eichen-Stöcke,

5000 Eichen- und Buchen- Durchforstungswellen), 24 rm Nadel-Knüppel, 45 Nadel-Stöcke,

1500 Nadel-Reisig.

Der Anfang und die Zusammenkunft ist jedesmal morgens 10 Uhr beim Gesäng, an 'der Lehmkaute.

Beinerkt wird noch, daß am ersten Tage das Bau- und Nutzholz, am zweiten Tage das Brennholz zur Versteigerung

kommt.

Steinbach, den 14. Februar 1902.

Großherzogliche Bürgermeisterei Steinbach.

Krämer. 1375

Die Annoncen - Expedition des öiessener Anzeigers empfiehlt M jur Vermittelung von Anzeigen für (amtliche Zeitungen des fn u- Auslandes ju Originalpreifen

Bekanntmachung.

Der Plan über die Errichtung einer oberirdischen Tele- graphcnlinie an der Landstraße von Trais-Horloff nach Bellersheim liegt bei dem Kaiserlichen Postamt in Hungen aus.

Darmstadt, den 12. Februar 1902.

Kaiserliche Ober-Postdirektion.

______________________Holseld.________ 1403

Ire Willige Gchllkn-Prüfung

des

Ortsgewerbevereins Gießen.

Es werden hierdurch alle Handwerkslehrlinge von Gießen und Umgegend, welche ihre Lehrzeit in diesem Frühjahr ganz oder nahezu beenden, beziehentlich im vorigen Jahre hereits ausgelernt hatten, aufgefordert, sich an der freiwilligen Gesellenprüfung zu beteiligen.

Die Prüfung ist kostenfrei.

Anmeldungen sind spätestens bis zum 16. März d. I. in der Gewerbeschule Asterweg 25 abzugeben, wo­selbst auch nähere Auskunft zu erhalten ist.

Gießen, am 20. Januar 1902.

Der Gesellenprüfungs-Ausschuß:

Traber. 654

Kunst-Verein.

Die Gemälde - Ausstellung im Turmhaus am Brand bleibt wegen Wechsel der Gemälde von morgen, Dienstag, an 4 Tage geschlossen. 1409

Hostmrsteigenmg

Donnerstag den 20. Fe­bruar l. I., vormittags 9 Uhr anfangend, soll im Leihgesterner Gemeindewald nachverzeichnetes Holz ver­steigert werden: 1351

1500 Nadel-Derbstangen mit 62 fm,

14000 Nadel Wellen-Reisig, 7000 Nadel lange Wellen, sich

zu Gartenspalier usw. gut eignend.

Das Holz lagert an der Kreisstraße Leihgestern-Gießen.

Zusammenkunft an der Kreis- straße Leihgestern-Gießen: Abt. Schnabel.

Großherzogl. Bürgermeisterei

Leihgestern.

_______________________________ Heß.____

Nutzholz-Versteigerung

im Oerneindervald Weiskirchen

Montag den 24. Februar d. I., Beginn vormittags 10 Uhr im Distrikt 2aHaide".

Eichen: 2 Stämme I. Kl. 7,27 fm, 2 St. II. Klaffe == 3,11 fm, 71 St. III. Kl. --- 34,69 fm, 57 St. IV. Kl. 13,20 fm und 33 rm Nutzholz.

Weichholz: 16 Stangen I. Klasse.

Radel: 76 Stämme III. und IV. Kl. 21,98 fm, 6 Stangen

II. Kl., 65 Stangen IV. Kl. und 15 rm Nutzholz. Gr.-Rechtenbach, den 13. Februar 1902.

1401 Das Bürgermeister-Amt.

Holz - Versteigerung

im Aemeindervald Kochelheim

Donnerstag den 20. d. Mts., Beginn vormittags 9 Uhr

Distrikt 9bBirkenheck".

I. Brennholz.

a) Eichen: 22,5 rm Derb, 24 rm Stöcke und 127 rm Reiser, b) Buchen: 97 rm Derb und 666 rm Reiser.

C) Weichholz: 372 rm Reiser.

d) Nadel: 45,5 rm Derb, 11,5 rm Stöcke und 288 rm Reiser.

II. Nutzholz:

a) Eichen: 4 Stangen I. Kl. und 44 rm Nutzholz.

b) Nadel : 1 Stange I. Kl., 10 Stangen II. Kl., 36 Stangen

III. Kl. und 27 rm Nutzholz.

Gr.- Rechtenbach, den 13. Februar 1902.

1402 Das Bürgermeister-Tlrnt»