Ausgabe 
17.2.1902 Drittes Blatt
 
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Nr. 40

152. Jahrg.

Montag, 17. Februar 1902

tfrqetat täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

Lie ..Gießener Zamtlienblätter" werden dem

nzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^esftiche Landwirt" erscheint monatlich einmal.

m. verantwortlich hlr den allgemeinen Teilt

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WPj? 2 > teilte 8 ä 8. 8 O ST 1 Ro.atwntzdruck und Verlag der Drühl'lchei,

le W'' Wr W-_ ® W" vH UniDerfuätäbtuderei (^leifcf) ütben), (BiefeeK,

General-Anzeiger, Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Parlamentarische Perhandlungen.

Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet.

Deutscher Reichstag.

144. Sitzung vom 15. Februar,

t Uhr. Das Haus ist sehr schwach besetzt, Am Bundesrathstische: Kraetkc u. A.

Die zweite Berathung des P o st - E t a t 8 wird bei den dauernden Ausgaben, TitelPostverwalter" fortgesetzt Der Titel Wird ohne Debatte bewilligt. -

Beim TitelUnterbeamten" führ»

Abg. Slopfd) (freit Vp.) aus: Die Erklärung des Staats­sekretärs über diegehobenen Stellen" hat mich nicht* befriedigt. (Er sprach von Neid und Mißgunst, aber das sind doch keine spezifi­schen Eigenschaften der Posttmterbcamten. Da wir bei den anderen Beamten keine solche Silagen über Willkür haben, muh doch wohl etwas Wahres an all den Silagen sein. Mit dem ganzen System muh gebrochen werden, die Vcrtheilung der Zulage darf nicht mehr der Willkür der Vorgesetzten überlassen werden. Es muh bei der Beförderung nach einheitlichen Grundsätzen verfahren werden, etwa nach dem Dienstalter. Mit dem Vorschläge, die Zulage von einem Examen abhängig zu machen, kann ich mich nicht einverstanden er­klären; wir haben Examina genug. Redner fragt den Staats­sekretär, nach welchen Grundsätzen die Kantinen in den Postämtern vergeben werden. In Berlin sind mehrere Kantinen in der Hand eines Wirths, der früher Wachtmeister im Regiment des Herrn v. Podbielski war. Heber die Verpflegung in diesen Kantinen wird vielfach geklagt, der Staatssekretär sollte nicht zulassen, dah ein Wirth mehrere Kantinen bekommt. Nach welchen Grundsätzen wird das Dienstalter der Postschaffner berechnet? Damit die Anstellung gleichmäßiger wird, würde es sich vielleicht empfehlen, größere Be­zirke für die Anstellung zu bilden.

Abg. Zubeil (Soz.) bemängelt, dah feine Beschwerden auS dem vorigen Jahre über die Behandlung und die Dienstzeit der Brief­träger noch nicht abgestellt seien. Namentlich mühten die Postillone Gummimäntel erhalten, wie sie vom Berliner Polizeipräsidenten für die Schutzleute bereits eingeführt seien.

Abg. Ernst (freit Vgg.) wünscht eine Erhöhung des Anfangs­gehalts der Postunterbeamten von 900 auf 1000 Mark, und des Höchstgehalts von 1500 auf 1800 Mark, sowie eine Erhöhung des Wohnungszuschusses. Die Klagen über das System der ge­hobenen Stellen sei durchaus zutreffend. Energisch müffe der Staatssekretär den Wahlbeeinflussungen Seitens der oberen Be­amten entgegentreten; sei es doch vorgekommen, dah ein Post- direktor sich im Wahllokal aufgestellt und die Unterbeamten kontrolirt habe.

Staatssekretär Srraetke: Jeder Chef ist bestrebt, für feine Be­amten sovie wie möglich zu sorgen. Wenn man aber sieht, welche Konsequenzen das System der gehobenen Stellen hat, dann wird man zweifelhaft, ob solche Zulagen für besonders tüchtige Beamte zweck- mähig sind. Die Verhältnisse werden hier vollständig verschoben. Sie klagen jetzt, dah die Verwaltung nicht erfülle, was sie ver­sprochen hätte. Das hat sie Wohl gethan. Wir haben genau ans ?cgcben, was wir von den Beamten, die die gehobenen Stellen be- ommen, verlangen. Selbstverständlich ist, dah viele Beamte sich- beklagen, weil sie die Zulage nicht bekommen; beoenfen Se doch nur, dah wir unter 41 000 Stellen nur 8000 gehobene Stellen haben. Tie Zulagen werden für bestimmte Verrichtungen gegeben. Wenn nun z. V. altere Beamte diese Verrichtungen nicht mehr ausführen können und deshalb in die gehobene Stellung nicht kommen, so ist das doch kein Mißtrauensvotum für die Beamten. Wenn wir zu

viel Zulage geben, können wir nicht soviel neue Stellen errichten. Das geschieht Alles ineinander. BloS nach dem Dicnstalter können wir bei der Beförderung nicht gehen. Wir müssen für unS in An­spruch nehmen, dah wir die Interessen der Unterbcamtcn in jeder Weise wahren, aber nach einheitlichen Grundsätzen können wir bei der Beförderung nicht verfahren. Es hat uns auch keiner der Herren solche einheitlichen Grundsätze anzugeben vermocht. ES kommt nicht nur auf Alter und Kenntnisse an, sondern auch auf Um­sicht, Beweglichkeit und Entschlossenheit. Bezüglich der Dienstzeit der Postillone werde ich nachforsckzen, ob hier Aenderungen cintretcn müssen; ich bin im Augenblick nicht orientirt. Die Besoldung der Po­stillone bewegt sich innerhalb desselbenRahmenS wie der Postboten; sie haben übrigens freies Logis und freie Kleidung. Seit Jahren haben wir Untersuchungen darüber angestellt, mit welchen Mänteln die Postillone am Besten zu schützen sind. Wir haben gefunden, dah Gummimäntel nicht zu empfehlen sind, sondern imprägnirte Mäntel. Wenn diese Mäntel sich weiter bewährt haben, werden sie allgemein eingeführt werden. Beschwerden über die Kantinen werden am Besten bei der betr. Cberpoftbtreftion angebracht; die Central­instanz hat damit nichts zu thun. Ich weih nicht, wer in Berlin die Kantinen hat; jedenfalls hat sich die Errichtung von Kantinen als Wünschenswerth herausgestellt. Es kann nun sehr Wohl sein, buh die Beamten billiger und besser verpflegt werden, wenn Einer mehrere Kantinen hat, als wenn überall ein anderer Wirth ist. Daß einzelne Leute unzufrieden sind, wird sich nie vermeiden lassen: es braucht ja Niemand die Kantinen in Anspruch zu nehmen. Ich werde übrigens die Verhältnisse untersuchen.

Geheimrath Neumann legt die Grundsätze dar, nach welchen das Dienstalter, der Postunterbeamten berechnet wird.

Auf eine Bemerkung des Abg. Ernst erwidert

Staatssekretär Siractfc: Wir thun Alles für die Unterbcamtcn, was wir können. Für die Besetzung der 8000 gehobenen Stellen müssen wir die geeigneten Bewerber aus den übrigen 41 000 aus- suchen. Natürlich hält sich jeder für geeignet, und die Uebcrgange- nen fühlen sich gekränkt. Ich wiederhole es, dah wir nicht immer die Aeltesten nehmen können, weil diese oft nicht den Dienst auS- füllen können. Die Auswahl wird auch nicht allein von den Aemtern, sondern von den Oberpostdirektionen getroffen.

Der Titel wird bewilligt.

Beim TitelStellenzulagen für Beamte und Untcrbcamte" wendet sich

Abg. Eickhoff (freif. Vp.) gegen das ganze System der Stellen­zulagen, da es dem System der DienstalterSstufen widerspreche. Wenn man aber die Stellenzulagen nicht abschaffen wolle, müsse man sie entsprechend der Vergröherung des Beamtenpersonals vermehren.

Staatssekretär Siractfe: Ich enthalte mich, meine Ansicht über das Prinzip der Stellenzulagen auszusprechen. Ich stehe vielleicht dem Vorredner nicht fern. Aber diese Zulagen bestehen jetzt, und ich werde dafür Sorge tragen, dah sie je nach Bedürfnih vermehrt werden. Doch können sie nicht lediglich nach der Zahl der Beamten vermehrt werden, da es sich immer um besonders verantwortliche Stellen handelt.

Der Titel wird bewilligt.

Beim TitelPostagenten" tritt

Abg. Blell (freif. Vp.) für eine Aufbesserung der Agenten ein. Auch müßten ihnen Mankogelder bewilligt werden.

Abg. Gras Oriola (nat.-lib.) stimmt dem Vorredner zu. Wenn das Gehalt der Agenten auch aufgebessert sei, so fei e5 doch noch nicht genügend. Sehr oft sei eine Agentur gor nicht im Nebenamt zu bewältigen, sondern erfordere die ganze Kraft eines Mannes. Es müßte auch ein Dispositionsfonds geschaffen werden, aus dem alte, verdiente Agenten eine Pension bekämen.

Staatssekretär Kraette: Von der Verwaltung wird den Agenten

stets das größte Wohlwollen entgegen gebracht. Schon jetzt werde den Agenten, deren Agentur in ein Postamt umverwandelt werde, Gelegenheit gegeben, in eine feste Stellung einzutreten. Im Großen und Ganzen handelt cd sich aber bei den Agenten nicht um eine ständige Dienstzeit, sondern nur sozusagen um eine Dienst­bereitschaft. ES werden nur Leute genommen, die sowieso zu Hause sind. Eine allgemeine Aufbesserung der Agenten kann ich nicht zusagen. Uebcrall dort, wo für die Zwecke der Post eigene Räume beansprucht werden, wird schon heute eine Entschädigung dafür gezahlt. Eine Entschädigung für Heizung würde ich nicht empfehlen. Mir fällt dabei eine Episode auS meiner Dienstzeit als Postinspeltor ein. Ich kam da bei strengster Kälte in eine Agentur und sah, wie in dem Vorraume, der zur Abfertigung für das Publikum bestimmt war, ein Hilföbeamter saß und so fror, daß ihm die Finger ganz blau waren. Ta kam aus dem behaglich geheizten Privatzimmer der Postagent heraus, rieb sich vergnügt Die Hände, und als ich ihn fragte:Aber, um Himmels willen, weshalb lassen Sie denn den armen Menschen so frieren?" er­widerte er mir:Ach, ich finde es hier gar nicht kalt." (Heiterkeit.), Ich glaube, daß das Publikum sehr wenig davon haben würde, wenn wir eine Entschädigung für Heizung gewähren würden.

Der Titel wird bewilligt; ebenso der Rest der fort­dauernden Ausgaben.

Von den einmaligen Ausgaben wird eine Reihe vo» Titeln deS Etats bewilligt.

Beim TitelFür die Gestellung einer Telegra­ph e n l i n i e im Innern von Dcutsch-Ostafrika, von Mpapua nach Tabora" hat die Kommission die im Etat auS- gctoorfcnc erste Rate von 602 000 auf 800 000 Mk. ermäßigt.

Zur Geschäftsordnung beantragt

Abg. Schmidt (Elberfeld, freif. Vp.) unter Androhung der Bezweifelung der Beschlußfähigkeit des Hauses, diesen Titel wegen der schlechten Besetzung des Hauses von der Tagesordnung ab# zusetzen.

Das Haus beschließt entsprechend diesem Anträge. Die übrigen einmaligen Ausgaben werden bewilligt. Debattelos werden die Einnahmen bewilligt.

Damit ist die zweite Lesung des Etats der P o st v e r w a l - tung erledigt.

Es folgt der Etat der R e i ch s d r u ck e r e i, der ohne De­batte genehmigt wird.

Ebenso wird ohne Debatte genehmigt der Etat über den allgemeinen Pensionsfonds.

Es folgt der Etat deS Reichsmilitärgerichts.

Abg. Beckh (Koburg, freif. Vp.) beanstandet, daß für den Prä­sidenten dcS Militärgerichts Rationen für sechs Pferde und zwei Adjutantenstellcn gefordert werden. Man könne ja einen Ad­jutanten bewilligen, aber zwei feien doch zweifellos überflüssig. Redner fragt, welche Ausgaben die beiden Adjutanten haben.

Präsident dcS Reichsmilitärgerichts Frhr. von Gemmingen: Maßgebend war wohl bei der Forderung die Gleichstellung des Prä­sidenten mit den kommandirenoen Generalen. Es ist ja nicht aus­geschlossen, daß der jeweilige Präsident wieder in ein Kommando zurückkehrt.

Der Etat wird bewilligt.

Vor Eintritt in die Berathung deS Militäretat- vertagt sich daS^Haus'äuf Mo ntag 1 Uhr. .(Militäretat.)

Schluß 4 Uhr.

Politische Lagesschau.

Zur Zweikampfftage.

Von dem Generalleutnant z. D. v. Boguslawski ist neuerdings eine Broschüre unter dem Titel erschienen: Die Antiduellbewegung, kritisch bcleuchtet mit einem Blick auf Mörchingen, Insterburg, Jena und Springe." Ter Verfasser bespricht zunächst die Verhandlungen der Duellgegner in Leipzig, geht auf die erwähnten Duellsälle näher ein und präzisiert seine grund- ftitzlicha Stellung zum Duell folgendermaßen:

galtet fest, junges Volk der Universi­täten, an Euren Mensuren, als der unbezahl­baren, nur uns Teutschen eigentümlichen Waffenübung, die Euch im langen Frieden frischen kampffreudlgen Sinn erhält; haltet fest, junge Soldaten, an der Sitte, mit Eurer Person für Eure Handlungen einzustehen und dies auch von Euren Gegnern zu verlangen. Versöh­nung und Abbitte, wo es irgend möglich, das schändet, wie Euch auch schon der gro^ Kaiser sagte, keinenEhrenmann. Wenn Ihr aber fühlt, daß Eure Ehre, Eure Mannesheiligkeit, wie unsere Altvorderen sagten, aufs Innigste getroffen ist, dann nehmt getrost die Waffe zur Hand, ohn Furcht vor Pfafferei und P r e ß g e s ch r e i. Die Duellgegner sagen: Es ge­hört Mut dazu, ein Duell auszuschlagen und der gesell­schaftlichen Aechtung zu trotzen, ich sage, es gehört mehr Mut dazu, das Geschrei des Demos zu verachten."

Ganz anders urteilt selbstverständlich dasHess. K i r ch e n b l a tt", das übrigens, nebenbei bemerkt, in der Verurteilung von Otto Ernst's DramaDie größte Sünde" angesichts der 14 Tage nach der Gießener Aufführung er­folgten Vorstellung im Darmstädter Hofthcater denselben Standpunkt vertritt wie wir. lieber das Duell schreibt das genannte Organ des evang. Pfarrvereins des Groß­herzogtums u. <l folgendes:

Es muß endlich abgeschaftt werden, wenn wir das Christentum nicht weiter wollen verhöhnen lassen. Ter Moloch des Tuclls frißt weiter. Trunk, Verleumdung, Ehe­bruch, rüpelhaftes Schimpfen, Ohrfeigen rc. sind ost die Vorläufer des Tuells. Werden die,e durch das Tuell wieder gut gemacht oder werfen sie nicht ein eigentümliches Licht auf das Vorleben der Tuellverteidiger? Dabei wird das Tuell als Mittet, die Sitten zu vereoeln, angepriesen. Ich begreife es nichr und halte es für eine Ehre des Pfarr- rtandes, wenn er ob seiner Stellung gegen das Tuell au- Aegrifsen wird.

Aus Stadt und Luud.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik beftndlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe:Gieß^ Auz." gestaltet) Gießen, 17. Februar 1902.

** Der Bericht des Ersten Ausschusses der Zweiten Äamnier über den Hauptvoranschlag der Staats-Einnahmen und Ausgaben für das Etatsjahr 1902/1903 liegt jetzt vor. Es ist ein sehr umfangreiches Schriftstück. Der Ausschuß beantragt: Die Kammer wolle beschließen: 1. daß die Kredite für laufende linier Haltung von Gebäuden nur unter der Beschränkung bewilligt werden, daß Uebertrag- ungen in das Rechnungswesen der nachfolgenden Finanzperiode nicht statrsinden dürfen; 2. daß den Verwitligungen sürNeubauten und größere Her­stellungen bei allen Bauwesen die Beschränkung bei- gefügt wird, daß Ersparnisse, welche bei der Ver­gebung der Arberten durch Abgevote an den Voranschlägen erzielt wurden, nur insoweit zur Verwendung kommen dürfen, als sie zur Deckung von Aufgeboten über die Voranschläge oder zu Fundamentierungs­arbeiten oder sonst sich als notwendig erweisenden Ver-- besserungsarbeilen bezüglich der baulichen Anordnung, des Rohbaues und des inneren Ausbaues innerhalb des Rahmens des genehmigten Projekts erforderlich sind; 3. ihr Einverständnis mit dem Inhalt der in dem Hauptvor­anschlag beigefügten Anmerkungen, nachgesuchten Befug­nisse, Berechtigungen und Vorbehalte usw. der Großh. Re­gierung insoweit erklären, als nicht ein das Einver­ständnis ablehnender oder beschränkender Beschluß gefaßt wird. Nähere Mitteilungen folgen.

** Gemalde-AuLstellmig. Da die Gemälde, die neu aus­gestellt werden sollten, zu spät eintrafen, konnte der für vorige Woche vorgesehene teilweise Wechsel nicht vorgenommen werden. Er ftndet nun erst in dieser Woche statt, weshalb die Ausstellung vom Dienstag ab vier Tage ge­schlossen bleibt. Unter den Gemälden, die neu ausgestellt werden es sind etwa 50 befindet sich auch eine Samm­lung von Johannes Lippmann in Offenbach, auf die wir die Kunstfreunde unserer Stadt besonders aufmerffam machen.

* Kaiser Panorama. Auf die in dieser Woche ausge­stellte Serie Berlin machen wir besonders aufmerksam. Unter anderm werden ausgestellt Ansichten der Denkmäler der Siegesallee, des neuen Doms, der Hochbahn, deS Palmen­hauses in der Flora, der Verkehr in der Friedrichstraße und auf dem Alexanderplatz, sowie der Rückkehr der Fahnenkom­pagnie von der Parade mtt dem Kaiser an der Spitze, fremd­ländische Offiziere, das Garde-Korps usw.

** Liebknechts Abstammung. In denDokumenten de- Sozialismus" (Herausgeber Eduard Bernstein- wird ango-, fragt:Ist über die Abstammung Wilh. Liebknechts von 2)ci Martin Luther näheres bekannt?" Die Zeitschrift Bern-j steins antwortet darauf:Ob die Abstammung Liebknechts, von Martin Luther in irgend welchem Dokumente genealo* gisch festgestellt ist, wissen wir nicht. Aber Liebknecht selbst^ hat wiederholt von ihr gesprochen, und so ist anzunehme«^ daß Nachweise darüber in den Händen seiner Eltern waren*; Unsere Leser wissen, daß Liebknecht em geborener Gießener war.

* Das Fasten ist nicht von Christus direkt geboten^ bamm wird es in der evangelischen Kirche nicht gepflegt,! Jesus legt in seiner Lehre den Hauptwert auf die innerliche«.' religiösen Tugenden Glaube, Liebe, Hoffnung, bei deren Er-' füllung die rechte äußerliche Zucht von selbst entsteht. Doch die alte Kirche wollte durch besondere Enthaltsamkeit die^ liehe Erinnerung an die schweren LeidenStage des Heilandes wach rufen. Dadurch gewinnt das Fasten, außerdem, daß es der kirchlichen Zucht dient, auch eine innere Bedeutung^' Zur Zeit wird eS noch strenger als in der mehr den Kultur- ländern angehörigen römisch-katholischen Kirche, in der griechisch-katholischen gehalten, z. B. in Rußland. Im kleb­rigen haben die morgenländischen Religionen, wie die jüdische und besonders die mohamedamsche stets streng auf dieses äußerliche religiöse Zuchtmittel gehalten zur Stärkung deS Religionssinnes. Hauptsächlich der Türke richtet sich streng nach den Fastenregeln. Außerdem hat daS Fasten auch eine hygienische Seite, die Muhamed bei seinen religiösen Vor­schriften unverkennbar sehr berücksichtigte. Die Enthaltsamkeit von Fleisch ist gewiffermaßen der Vorläufer deS Vege­tarismus. Es hat sich im Laufe der Zeit gezeigt, daß eS nicht nötig ist, sich ständig von Vegetabilien zu nähren, daß es aber gut ist, zu Zeiten der hitzigen Fleischnahrung sich zu enthalten. DaS beruhigt und reimgf daS Blut!

-o- Nieder Osteiden, 14. Febr. Der fortschrittliche Teil unserer Gememde hat sich heute m einer Eingabe, betreffend Telephon - Verbindung, an die Eisenbahn-Direktion Frankftirt a. M. gewandt.

B. Muschevhei«, 14. Febr. Die Fertigstellung deS be­reits vom Amtsgericht Lich in Angriff genommenen Grun d- bucheS für unsere Gemarkung scheint neuerdmgS wieder m Frage gestellt. E« macht sich nämlich in letzter Zeit miebec von fetten einzelner, meistens etwas größerer Grundbesitzer etne lebhafte Thätigkeit zu gunsten der Feldbereinigung bemerkbar. Die große Mehrzahl der Grundbesitzer ist sich der großen Vorteile der Feldbereinigung bewußt, glaubt je-