goldenen Kästchen dem Minister überreicht werden- (Wer rann sich lächerlicher machen, als die Londoner Stadt-Verwaltung! D- Red.)
— „Daily Chronicle" meldet aus Rom, der Papst habe gestern beim Empfang amerikanischer Pilger einen Schwächeanfall gehabt, sodaß man ihn m seine Privatgemächer habe bringen müssen.
Triest, 16. Jan. Das deutsche Sckulschiff „Charlotte" ist heute unter dem Salut der Strandbatterieen und des österreichischen Geschwaders in den Hafen eingelaufen. Der Statthalter, sowie die Spitzen der Militärbehörden und der dem Prinzen Adalbert von Preußen zugeteilte Offizier begaben sich sofort an Bord der „Charlotte", wo sie der Prinz begrüßte-
Vom Bureukrieg.
Eine Meldung des „Reuterschen Bureaus" aus Pretoria lautet: In den Flüchtlingslagern von Krügersdorp, Pot- chefstroom und Klerksdorp wurden kürzlich von dem General Andries Cronje und dem Kommandanten Vermaas Versammlungen von Burghers abgehaltcn, in denen Beschlußanträge angenommen wurden, welche gegen die nutzlose Fortsetzung des Kampfes von Delarey und anderen sich aussprechen; ferner wurde eine Resolution angenommen betreffend die Bildung einer neuen Abteilung von Nationalschützen zum Dienst im südlichen Transvaal; es sind Namen genug unterschrieben, so daß die neue Abteilung unverzüglich zu unabhängigen Operationen wird ab gehen können.
Im englischen Parlament ist, wie wir an anderer Stelle heute ausführlich berichten, gleich in der ersten Sitzung des neuen Jahres von dem neu gewählten Abg. für Galway in Irland Oberst Lynch, der in Südafrika auf Seite der Buren gekämpft hat, die Rede gewesen- Man will in London absolut nicht mit diesem Manne au einer Bank zusammensitzen. Es heißt, daß er in Dover von englischen Detektiven erwartet wird, die die von Calais kommenden Boote beobachten- Die englische Regierung hat einen Verh aftsbefehl gegen ihn wegen Hochverrates erlassen. Herr Lynch wird sich dafür bedanken, nach London zu gehen, um die undankbare und gefährliche Rolle eines weißen Raben zu spielen-
Der Ziegenzuchtvereirr der Provinz Oberhefsen.
B. Gießen, 17. Januar 1902.
Gestern versammelten sich die Vorsitzenden der Zicgen- zuchtvereinc und die Vorsitzenden der Sektionen im „Prinzen Carl" in Gießen zu einer Sitzung. Der landwirtschaftliche Prooinzialverein hat Normalsatzungen für die Ziegenzuchtvereine aufgestellt, die von dem Ausschuß des ersteren genehmigt sind, und auch nach längeren Ausführungen von den Vorsitzenden der angeschlosienen Vereine angenommen wurden.
Interessant waren die Mitteilungen der Vorsitzenden über die Verhältniffe in ihren Vereinen. So wurde mitgeteilt, daß der Ziegenzuchtverein Gießen ca. 200 Mitglieder zählt. Die Zahl der Ziegen dieses Vereins beträgt 240 Stück. Die Tiere sind innerhalb des Vereins auf Gegenseitigkeit versichert; e§ werden pro Jahr 8 Prozent des Versicherungskapitals an Prämien bezahlt, und es konnten damit die ziemlich starken Verluste an Tieren bisher gedeckt werden.
Es werden reine Saanenziegen oder doch nahezu race» ächte Tiere gehalten, die monatelang, nachdem sie Junge geworfen haben, bis 5 Liter Milch täglich liefern. Die Tiere sollen nn Durchschnitt des Jahres 21/, Liter Milch pro Tag geben.
Da bekanntlich die Ziegenmilch weit gehaltreicher ist als die Kuhmilch und eine Ziege mit verhältnismäßig geringen Futtermengen erhalten werden kann, und keinen allzu großen Raum, nur ziemlich viel Bewegung in freier Luft beansprucht, so nennt man sie mit Recht die Kuh des kleinen Mannes. Wäre nur das Vorurteil gegen die Ziegen- hattung nicht so groß! Viele kleinen Leute, auch auf dem platten Lande hungern lieber eine Kuh durch, als daß sie sich dafür 2 Ziegen hielten und sie mit derselben Futtermenge reichlich ernährten. Die beiden Ziegen würden jedenfalls eine viel größere Milchmenge liefern als die schlecht .ernährte Kuh. So wurde aus dem Kreise Lauterbach berichtet, daß viele kleine Leute auf ihrenr kleinen Besitz nicht im Stande sind, eine Kuh zu halten, aber nicht zur Ziegenhaltung übergehen. Nicht selten pachten sie Aecker zum Preise von 25—30 ^Mk. pro 1/i Hektar, um bei diesem enormen Pachtpreise eine oder gar zwei Kühe halten zu können. Daß dies unwirtschaftlich ist und diese kleinen Leute nicht selten nur für den Händler arbeiten, der ihnen die Kühe auf Kredit geliefert hat und sie ihnen wieder nimmt in dem Augenblick, wo es ihm vorteilhaft erscheint, liegt auf der Hand.
Auf dem Lande und in den kleineren und größeren Städten sollte von den Gemeindcvorständen eifrigst die Ziegenhaltung begünstigt und gefördert werden. Nicht selten geschieht aber das gerade Gegenteil. Man witzelt und spöttelt gern über die berechtigten Ansprüche der Ziegenhalter und läßt alles beim Alten. Eine wie wichtige Rolle spielt aber eine gute Ziege in der Familie der kleinen Leute bei der Ernährung der Kinder und der Erwachsenen. Liefert die Ziege bei sorgfältiger Haltung, wie von aßen Seiten von erfahrenen Ziegenhaltern behauptet wird, durchschnittlich täglich 2 >/z Liter- Milch und kommt diese Milch in einer Familie von 4 bis 5 Köpfen zum Konsum, so ist damit das Gedeihen der Kinder in erster Linie gewährleistet. Brot, Kartoffeln, Gemüse füllen wohl den Magen der Kinder, die Ziegenmilch aber ernährt und kräftigt den Organismus der Kleinen am besten, sodaß die Aufnahme schwerer verdaulicher Speisen weniger schädlich wirkt. So ernährte Kinder braucht man später in der Regel nicht in die Soolbäder zu schicken.
Der Landwirtschaftliche Provinzialverein, dem im laufenden Jahre die Staatsmittel stark beschnitten sind, wird es sich trotzdem angelegen sein lasten, die Ziegenhaltung mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu fördern. So ist u. a. die Errichtung einer Zlegenzuchtslatton geplant, die den Ziegenzuchtvereinen und den Gemeinden, die beim Inkrafttreten des neuen KörgesetzeS gezwilngen sind, auf 80 Ziegen einen Ziegenbock zu hatten, gutes Material liefer, damit Vereine und Gemeinden nicht immer auf den Import von Zucht- material auS der Schweiz angewiesen sind. Die Tiere dieser Zuchtstatton sollen sich bei gutem Wetter tagsüber im Freien
aufhalten, dabei kräftig ernährt und eine sorgfältige Auswahl nach Leistung getroffen werden. Der größte Fehler, der heute noch bei der Ziegenhaltung gemacht wird, ist der, daß man die Tiere zu jung zur Zucht verwendet und das an stete Bewegung gewöhnte Tier nicht selten jahraus jahrein an die Kette legt. Mindestens freie Bewegung im reinlichen, gut gelüfteten Stalle ist erforderlich zum Gedeihen des Tieres, natürlich bei angemessener Ernährung.
Aus Stadt und Ianö.
Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und iverden angemcstcu honoriert.
Gießen, den 17. Januar 1902.
** In der gestrigen geheimen Sitzung der Stadtverordneten iviirde u. a. beschlossen, die Stelle des Betriebsleiters unseres Elektrizität swerkes bis auf weiteres unbesetzt zu lassen, aber den Monteur L a n g e, der seit etwa 20 Jahren in elektrischen Betrieben beschäftigt ist, darunter die letzten 9 Jahre dauernd bei Schuckert n. Co., und der die Dynamomaschinen des hiesigen Werkes montiert und seit Eröffnung des Betriebes ständig den Maschinenbetrieb geleitet hat, im städtischen Dienst anzustellen. Ferner wurde beschlossen, die Stelle des Buchhalters beim Elektrizitätswerk dem bisherigen Materialverwalter des Wasserwerks Reitz zu übertragen und dessen Stelle durch den Kaufmann Karl Müller, einen geborenen Gießener, zu besetzen. — Die Stelle eines Gehilfen beim Gas- und Wasserwerk, die bisher der jetzige Bürgermeistereigehilfe Loh bekleidete, wurde vorläusig dem Gehilfen Eger und das Amt eines Rechners für die Gemeinde-Krankenversicherung, das früher der jetzige Standesamtssekretär Nau versah, dem Bürgermeistereigehilfen Loh übertragen. — Weiter wurden die Neuwahlen der Deputationen und Kommissionen vorgenommen, die folgendes Ergebnis hatten:
Baudeputation: Dr. Gaffky, Haubach, Heiligenstaedt, Keller, Petri, Schiele (wie bisher).
Finanzdeputation: Grüneberg, Emmelius, Heichelheim, Kirch, Loos, Schmall (wie bisher).
Deputation für das städtischeGaS - und Wasser- werk: Georgi, Haubach, Heichelheim, Heiligenstaedt, Huhn, Schiele (wie bisher).
Juristische Kommission: Georgi, Grüneberg, Wolff, Heichelheim (an Stelle von Grünewald), Dr. Gutfleisch, Dr. Schäfer.
Landwirtschaftliche Kommission: Euler, Faber, Flett, Helfrich, Huhn, Löber (wie bisher).
Schuldeputation: Georgi, Dr. Fuhr, Heichelheim, Krumm, Löber, Jann (an Stelle von Schmall).
Marktkommission: Euler, Faber, Flett, Helfrich, Jughardt, Loos (wie bisher).
Einquartierungs-Kommission: Brück, Faber, Huhn, Keller, Löber, LooS (wie bisher).
Wirtschaftskommission: Hanau, Jughardt, Keller, Kirch, Orbig, Pirr (an Stelle von Löber).
Armendeputation: Neugewählt wurde Löber (an Stelle vou Emmelius); im übrigen wie bisher.
Beurkundungskommission: Helfrich, Jughardt, Keller, Wallenfels (wie hisher).
Vorschlagskommission: Heichelheim, Jughardt, Keller (wie bisher).
Deputation für den Arbeitsnachweis: Emmelius, Faber, Heyligenstaedt, Kirch (soweit die Mitglieder von den Stadtverordneten gewählt werden, wie bisher).
Kuratorium der städt. Mädchenschule: Georgi, Jann (an Stelle von Schiele), als Ersatzmann Emmelius und Direktor Dr. Rausch.
Brenn materialien-Kommission: Heyligenstaedt, Schaffstaedt (an Stelle von Kirch), Löber.
Spezialkommission für die Wiederbelebung der Gießener Pferdemärkte: Wie bisher.
Die Besetzung der Schlachthaus-Kommission wurde vertagt und beschlossen, für zwei dem Metzergewerbe angehörige Mitglieder Vorschläge der Innung abzuwarten und für einen dritten Metzger, der der Innung nicht an- gehören soll, Vorschläge durch die Bürgermeisterei von den der Innung nicht angehörenden Metzgern einzuholen. — Ferner wurde auf Antrag des Stadtv. Krumm beschlossen, eine sozialpolitische Kommission einzusetzen, die bestehen soll aus dem Bürgermeister oder dem besoldeten Beigeordneten als Vorsitzendem und 6 Stadtverordneten. Als Mitglieder dieser Kommission wurden gewählt die Stadtv. Gui- fleisch, Hanau, Heyligenstädt, Huhn, Krumm und Schaffstaedt.
** Otto Beck, das beliebte Mitglied des Cölner Stadttheaters, der im kaufmännischen und Ortsgewerbeverein schon mehrmals als Rezitator großen Erfolg hatte und im letzten Winter dem hiesigen Theaterpublikum sich als ein ausgezeichneter „Kollege Crampton" vorstellte, wird am Montag dem 20.d.M. im Theaterverein in einer seiner besten Rolle gastieren. Die Rolle des Null-Anerl in dem bekannten Volksstück „s'Nullerl" wird Herrn Beck Gelegenheit geben, uns sein Können von einer ganz neuen Seite zu zeigen, lieber ein Gastspiel Becks als Nullerl in Coblenz schreibt die dortige Kritik:
„Wir kannten Herrn Beck bis jetzt nur als trefflichen Rezitator, der besonders in Dialektstückem Hervorragendes bot. Seit gestern können wir auch verstehen, warum das Cölner Publikum ihn zu seinem Liebling gewählt hat. Herr Beck ist kein Virtuose, der mit Effekthascherei zu blenden versteht, er ist ein Künstler mit chlichtesten Mitteln, aber gewaltigem Können. Sein Nullerl trat nirgends aufdringlich hervor, er lenkte nicht durch sonst bei Gästen beliebte Mätzchen bei jeder Gelegenheit die Aufmerksamkeit der Zuschauer zum Nachteil des Ganzen auf sich. Be cheiden, aber im Innersten ergreifend trat er vor uns hin, in der äußeren Erschein- ttng wie in Sprache nnd Spiel die lebenswahrste Verkörperung des gequälten und doch so zufriedenen, anspruchslosen Torfarmen. Ob er weint oder lackt, ob er frostbebend dasteht oder mit brüchiger Stimme seinen Juchser ausftößt, immer ist er echt und währ. Wir haben den berühmten Schweighofcr wiederholt in dieser seiner Paraderolle gesehen, stelle,i aber seinen Null-Anerl nicht über den des Herrn Leck".
** Allerhöchste Verordnung, betreffend c 0 r b cn und Ehrenzeichen. Der Großherzog hat folgende Verordnung betr. d,e Orden und Ehrenzeichen erlassen, die im Verlaufe eines Feldzuges oder einer militärischen Expedition erworben werden:
Ich habe Mich bewogen gesunden, unterm heutigen Tage nachstehendes zu verordnen:
Um den Teilnehmern an einem Feldzüge , oder an
einer militärischen Expedition eine besondere Auszeichnung zu verleihen, sind von jetzt ab sämtliche Orden und Ehrenzeichen — Kriegsdenkmünzen ausgeschlossen —, welche im Verlause eines Feldzuaes oder einer militärischen Expedition erworben werden, am Kriegsbande zu tragen.
Das Kriegsband ist das Band Meines Militär- Verdienstkreuzes.
** B e st ä t i g u n g. Der Großherzog hat den von dem Frhru. v. Leonhardt auf die evang. Pfarrstelle zu Kaichen, Dek. Nodheim, präsentierten Pfarrassistenten Sch aab zu Vilbel für diese Stelle bestätigt.
** Das Regierungsblatt Nr. 1, ausgegeben am 15- Januar 1902, enthält u. a. eine Bekanntmachung, die Dienstbücher der Schiffsmannschaft auf deutschen Rhein- schiffen betreffend, ferner folgende Bekanntmachung, den Urlaub der Staatsbeamten betreffend:
1) lieber Gesuche von Staatsbeamten um Erteilung von Urlaub hat das vorgesetzte Ministerium zu entscheiden-
Das Ministerium kann die ihm unterstehenden Behörden oder Beamten allgemein oder für bestimmte Fälle zur Erteilung von Urlaub ermächtigen, sofern dieser Urlaub für sich allein oder in Zusammenrechnung mit Urlaub, der dem Beamten innerhalb desselben Kcv- lenderjahres bereits bewilligt worden ist, die Dauer eines Monats nicht übersteigt-
2) Die Bekanntmachungen vom 17. Juli 1820 (Reg^ Bl. S. 355) und vom 21. März 1872 (Reg.-Bl. S. 101), den Urlaub der Zivildiener betreffend, werden aufgehoben.
* * Verein zur Beschäftigung Arbeitsloser für das Groß« Herzogtum Hessen und die Provinz Heffeu-Naffau. Dem Berichte des Vorstandes des Vereins entnehmen wir, daß der Stillstand in der Industrie zunächst noch ohne wesentlichen Einfluß auf den Besuch der Arbeiterkolonie Neu- lllrichstein in der Betriebszeit vom 1. Juli 1900 bis 30. Juni 1901 geblieben ist, daß aber für den Winter mit höchster Wahrscheinlichkeit auf eine wesentlich gesteigerte Inanspruchnahme der Kolonie gerechnet werden muß. In der That ist die Zahl der Kolonisten Ende Oktober 1901 bereits auf 70 gestiegen. Bedauerlich ist der Rückgang der Mitgliederzahl und damit der Rückgang der Einnahmen aus Beiträgen, welche zum Gegenstand ernster Sorge für die Zrckunft zu werden droht. Abermalige Zuschüsse haben geleistet der Regierungsbezirk Cassel mit 1500 Mk. und der hessische Staat mit 3000 Mk. Außerdem erhielt der Verein von den Kreisen Frankfurt a. M. 150 Mk., Schlüchtern 50 Mk., Hofgeismar 50 Mk., Rotenburg 50 Mk., Hersfeld 100 Mk., Fulda 100 Mk., Kirchhain 50 Mk., Eschwege 100 Mk., Landkreis Cassel 60 Mk., Marburg 50 Mk., Frankenberg 50 Mk., von der Stadt Darmstadt 100 Mk.
* * Gießener Zither-Orchester. Eine größere Anzahl hiesiger Zitherspieler hat sich unter dem Namen ,,D' Lahnthaler Gießener Zither-Orchester" zu einer Vereinigung zu« sammengeschlossen, die sich die Förderung der Zithervereins« musik zum Zweck macht. Da die Vereinigung nur aus spielenden Mitgliedern besteht, so ist gewiß anzunehmen, daß sie schöne Erfolge erzielen wird. Die Leitung liegt in Händev des Herrn Rud. Rödiger, der schon längere Jahre einem hiesigen Zithermusikverein als Dirigent vorgestanden hat Die Proben werden wöchentlich Dienstag abends im „Post- keller" abgehalten. Dem Verein noch fernstehende Zitherspieler finden jederzeit Anschluß und weitere Ausbildung.
* * Der Maschinenbauerverein veranstaltet morgen, deu 18. Januar, im Saale des Lass Leib einen Maskenball« Wie man uns mitteilt, sind zur Erheiterung der Teilnehmer zwei schöne Gruppen, sowie sonstige Ueberraschungen vorgesehen. Der Verein hat weder Mühe noch Kosten gescheut, um den Abend zu einem recht humoristischen zu gestalten.
t. Leihgestern, 16. Jan. Hier fand ein Bauer beim Aus- leeren eines Pfuhlloches ein Frauenhemd, gezeichnet M. M Es entrollte ihm ein Gegenstand, der in dem Loch versank und den man trotz eifrigen Suchens bis jetzt noch nicht fand. Auch die Gendarmerie hat sich der Sache angenommen.
B. Gleiberg, 17. Jan. In vergangener Nacht brannte ein dem Maurer Ph. Leib gehöriges Stallgebäude nieder.
§ Butzbach, 16. Jan. Im Frühjahr soll hier ein außerordentlicher Sän gertag ftattfinben. — Unser Altertümer- und Trachtenmuse um wurde im letzten Jahre von mehr als 500 Gästen besichtigt, während das Jahr 1900 nur 380 auswärtige Besucher aufwies.
Marburg, 16. Jan. Ein junges Mädchen in Oberurff bei Zwesten hat ihr heimlich geborenes uneheliches Kind auf ihrer Schlafkammer alsbald nach der Geburt um gebracht und den Leichnam im Bettstroh verborgen. Die unnatürliche Mutter hat darauf volle 15 Nächte in demselben Bett mit dem Leichnam geschlafen, bevor der Mord entdeckt wurde. Die Mörderin legte nach anfänglichem Leugnen ein Geständnis ab, und wurde in das hiesige Landgerichtsgefängnis überführt, um demnächst vor das Schwurgericht gestellt zu werden-
Vermischtes.
* Hannover, 16. Jan. Der Rendant Thomas Schütz von der Gronauer Sparkasse ist unter Mitnahme von 10 000 Mark, die er an die dortige Fi li a l e d e r Darm- st ä d t e r Bank senden sollte, flüchtig geworden-
* Komotau, 16. Jan. Infolge eines Felssturzes entgleiste heute zwischen Schlackenwerth und Puenstcin der Schnellzug. Der Lokomotivführer und der Heizer wurden chwerverwundet, mehrere Reisende, darunter ein Graf Nostiz, kamen mit leichten Verletzungen davon.
* London, 16. Jan. In der Nobelschen Sprengstoff- abrif wurden durch eine Explosion 3 Personen getötet Paris, 16. Jan. Der Kassationshof bestätigte das Todesurteil gegen ben Bauern Briere, der bekanntlich seine Kinder ermordet hat.
Rom, 16-Jan. Bei Carrara wurden in einer Hütte )ic Leichen des Polizeikommissars Levis und einer vornehmen verheirateten Dame aufgefunden. Wie festgestellt wurde, sind die beiden von dem Gatten der Dame beim Stelldichein überrascht und luedergeschossen worden. Der Mörder ist flüchtig.
"Brüx, 16. Januar. Der Kaiser spendete für die Hinterbliebenen der bei der Katastrophe Verunglückten 10000 Kronen. Im Jupiterschacht ist der Wasserstand 0,45 Meter über bei Füllsohle. Im Förberschacht brennt Licht, woraus zu schließen ist, baß ber Ventilator auf die Wetter- ührung wieder einwirkt. Sobald die Füllortsohle wasserfrei


