Ausgabe 
17.1.1902 Erstes Blatt
 
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Dessern, die wirtschaftliche Entwicklung des Landes mit ge­rechter und fester Hand und pflichtmäßiger Wahrung der finanziellen Interessen des Staates umsichtig und sorgsam Zu pflegen, wird auch fernerhin Meine Regierung sich ange­legen sein lassen."

Seither hat sich eine Verzinsung des in den Staats­eisenbahnen liegenden Anlagekapitals bei gleichzeitig be­schleunigter Amortisation von 71/4, Prozent ergeben gegen 4 Prozent in Frankreich und 3,7 Prozent in Großbritannien. 'Zeitweilig haben die Eisenbahnüberschüsse % sämtlicher Staatsausgaben zu decken gehabt und lieferten anderthalb so große Summen wie die direkten und indirekten Steuern Zusammen.

Diese Thatsachen widersprechen allerdings bündigen und feierlichen Erklärungen aus früherer Zeit. Von einer finan­ziellen Gleichstellung der Eisenbahnen mit den Festungen ist nicht mehr die Rede. Statt dessen giebt es unter allen größeren Kulturstaaten keinen einzigen, dessen Finanzhaus­halt in den Einnahmen so sehr von den Ergebnissen staat­licher Verkehrsinstitute abhängig geworden ist, wie den preu­ßischen. Ohne diese steigende Einnahmequelle käme Preußen aus einer kolossalen Defizitwirtschaft gar nicht heraus.

Ganz uneirwartet alsr» sind dre Eisenbiahneinnahmew ein Hauptbestandteil unserer Staatsfinanzen geworden. Und das Wort Lorenz von Steins, daß die Eisenbahnen die Rolle für die Zukunft spielen würden, welche den Domänen für den früheren Staat zufiel, ist in vollem Umfange in Erfüllung gegangen.

Fortsetzung folgt.

Sitzung der Stadtverordneten.

16. Januar 1902.

Anwesend: Bürgermeister Mecum, die Beigeordneten Georgi, Grüne berg und Wolff, die Stadtverordneten Brück, Emmelius, Euler, Flett, Dr. Fuhr, Dr. Gaffky, Dr. Guts leis ch, Hanau, Haubach, Heichel- cheim, Helfrich, Heyligenstaedt, Huhn, Jann, Jughardt, Keller, Kirch, Krumm, Leib, Löber, Loos, Orbig, Petri, Pirr, Dr. Schäfer, Schaff- staedt, Schiele, Schmall und Wallenfels.

Entschuldigt: Stadtverordneter Faber.

Bürgermeister Mecum eröffnete um 3/4 3 Uhr die Ver­sammlung und nahm Veranlassung, die Stadtverordneten in der ersten Sitzung des neuen Jahres zu bewillkommen. Er gab hierbei der Hoffnung Ausdruck, daß das neue Jahr den Herren und der Stadt nur gutes bringen, die wirtschaftliche Krise einer Besserung Platz machen und der neue Zolltarif die Einwohner, insbesondere die Minderbemittelten nicht allzusehrbelasten, die notwendigen Lebensmittel nicht ver­teuernmöge. MitHinweis auf die im Novemberv.J. stattgehabten Ersatzwahl von 11 Mitgliedern der Stadtoerordneten-Versamm- lung hob Bürgermeister Mecum hervor, daß sämtliche aus- scheidenden Mitglieder, mit Ausnahme des auf eine Wieder­wahl verzichtenden Herrn Grünewald, wiedergewählt wurden; es sei dies ein Beweis dafür, daß die Bürgerschaft mit der seitherigen Behandlung der städtischen Angelegenheiten ein­verstanden sei. Er heiße auch die neugewählten Herren I Stadtverordneten willkommen und hoffe, daß auch sie gleich den übrigen ohne Rücksicht auf Partei- und sonstige Jntereffen das Wohl der Stadt zu fördern gewillt seien. Die Herren Jann, Schaffstaedt und Pirr wurden hierauf der Städteordnnng gemäß vereidigt, wonach die wiedergewählten Herren Brück, Emmelius, Flett, Dr. Gaffky, Helfrich, Huhn, Orbig und Schmall durch Handschlag ihr früher abgelegtes .Gelöbnis erneuerten. Hierauf fand unter Vorsitz des Regierungsrats Dr. Wagner die Wahl von vier Kreis­tagsmitgliedern statt. Die Vorschlagskommission hatte vorher die Wiederwahl der ausscheidenden Mitglieder, Bei­geordneter Georgi und Landgerichtsrat Dr. Schäfer, und die Neuwahl des Bürgermeisters Mecum an Stelle des ftüheren Oberbürgermeisters Gnauth, sowie des Stadtverordneten Wallenfels an Stelle des verstorbenen Stadtv. Scheel vor­geschlagen. Es wurden gewählt: Beigeordneter Georgi mit 24, Landgerichtsrat Dr. Schäfer mit 23, Bürgermeister Mecum mit 24, Stadv. Wallenfels (dessen Mandat nur für die nächsten 3 Jahre gilt) mit 20 Stimmen.

Bürgermeister Mecum teilt ferner mit, daß das Orts­statut, betr. die Krankenversicherung der Kaufleute die mini­sterielle Genehmigung so spät geftmden, daß das Statut erst am 3. Februar in Kraft treten könne. Auf die Mitteilung -des Stadtv. Heichelheim, daß die Handlungsgehilfen eine be­sondere Kasse zu gründen beabsichtigten, bemerkte Bürgermeister Mecum, daß die Bürgermeisterei sich mit dieser Angelegen­heit nicht befassen konnte, so lange das Statut nicht geneh­migt worden.

Bei der Auslosung von Schuldverschreibungen de§ 1896r Anlehens der Stadt Gießen wurden die Nummern folgender, am 15. Mai d. I. rückzahlbarer Schuldscheine ge­zogen: Lit. Q. (ä 100 Mk.) Nr. 271, 269, 272, 81, 229, 232; Lit. R. (L 200 Mk.) Nr. 142, 143, 239, 216, 253, 46, 201; Lit. S. (L 500 Mk.) Nr. 596, 571, 508, 460, 102, 654, 559, 536, 73, 294, 552, 434, 560, 100; Lit. T. (ä, 1000 Mk.) Nr. 749, 160, 289, 467, 660, 426, 732, 206, 204, 12, 406, 194, 22, 533, 13; Lit. U. (ä 2000 Mk.) Nr. 111, 138, 63, 179, 57, 59.

W. Nachtigall hatte s. Z. die Genehmigung erhalten, an der Weserstraße ein Vorder- und ein Hinterhaus zu erbauen. Zu dem Gesuch, mit dem Bau des Hinterhauses zuerst beginnen zu dürfen, machte der Gesuchsteller geltend, daß das Bauen erschwert und verteuert würde, wenn er ge­halten sei, das Vorderhaus zuerst zu errichten. Das Gesuch wird abgelehnt mit der Begründung, daß die geplante Durch­fahrt durch das Vorderhaus den Transport von Baumaterial nach dem Hinterhause gestatte, die Genehmigung des Gesuchs dagegen zur Folge haben könne, daß der Gesuchsteller den Bau des Vorderhauses unterlasse, bezw. hinausschiebe.

Der Firma Klein & Dömling war Dispens zur Anbringung eines Erkers und Ausführung eines Stock­werkes an ihrem Neubau in der Creünerstraße unter der Bedingung erteilt worden, daß der Eingang zum Keller nicht an die Straße kommt. Gegenüber dem Gesuch um Gestattung des Eingangs an der Straße beschloß die Ver­sammlung Beharren auf dem früher erteilten Baubescheid.

Für den Ausbau des Wetzlarer Wegs von der Frankfurter Straße bis zur Hofmannstraße waren (aus­schließlich der Kosten für den Grunderwerb) 17 000 Mark in den Voranschlag eingestellt worden. Auf Antrag der Baud epp tation, die den Ausbau als nicht dringend, und im Hmbkck auf die Knauzlagc der Stadt für nicht- ge­

boten erachtet, wird beschlossen, vorläufig davon abzu- sehen.

Der Kostenanschlag über die Verbreiterung der R 0 d h e i m e r st r a ß e im Betrage von 8000 Mark wird genehmigt. Die Verbreiterung des Anschlusses entlang der Kreisstraße bezw- der Erwerb des Geländes durch den Kreis wird gelegentlich der Zusammenlegung der Grund­stücke vorgenommen.

Der Verkauf von Gelände an zwei Anlieger am alten Steinweg wird genehmigt, der Preis auf Mk- 6 pro Quadratmeter festgesetzt.

Dem Steinbruchpächter PH. Pfeffer in Annerod soll ein 800 Quadratmeter großer Lagerplatz in der.Stein­rutsche" pachtweise überlassen werden.

Die Kosten der Stcinfassung zu deü beiden Ge­denktafeln im alten Rathause im Betrage von 297 Mark werden bewilligt, desgl- Mk. 695 für Staubvertilgungsöl für die Räume der Stadtschulen. Auf Anfrage des Stadtv. Löber, ob diese Lieferung nicht durch Mindestgebot hätte vergeben werden können, teilt Bürgermeister Mecum mit, daß" damals mangels Konkurrenz eine Ausschreibung nicht angängig gewesen sei. Stadtv. Hanau empfiehlt bei fernerem Bedarf Ausschreibung, die Bürgermeister Me­cum zusagt.

Bei Herstellung des hoch wasserfrei en Verbin­dungsweges zwischen Bahnhofstraße und Hammstraße ist der Kredit von 3600 Mark um 417 Mk- überschritten worden, was nach Mitteilung des Bürgermeisters infolge Mehrlegung an Kabel veranlaßt ist.

In der Landgrafen st raße sollen zwei. Kande­laber ausgestellt, sowie an der Wallthorstraße die Be­leuchtung durch Anbringen eines zweiten Glühlichtes an einer Laterne verbessert werden. Stadtv. Schmall weift auf die mangelhafte Beleuchtung des Schiffenberger Weges in der Nähe der Einmündung der Gartenstraße hin- Das Gaswerk soll davon benachrichtigt werden.

Eine Nachsorderung für Samenlieferung für die st ä d t schen Waldungen im Betrage von Mk. 52 wird ge­nehmigt. Stadtv. Helfrich spricht sich, falls Arbeitslose beschäftigt werden müßten, für Vornahme von Waldwegbau- arbeiten und unter Hinweis auf die gefallenen Holz­preise gegen den Mehreinschlag von Holz aus; desgl. Stadtv- Löber, der die Arbeitslosigkeit nicht für so groß hält, daß Arbeiter mit Holzfällung beschäftigt werden müßten.

Ein Antrag der landwirtschaftlichen Kom- rnission besagt, daß das Brennholz, das bisher in kleineren Posten im Walde ausgeboten wurde, in größeren Mengen in einer günstig gelegenen Wirtschaft versteigert werden soll. Das Ausgebot an Ort und Stelle und in kleineren Partien habe sich nach Bericht der Oberförsterei überlebt. Gegen den Antrag spricht zunächst Stadtv. Brück, der im Interesse der Käufer lleiner Mengen für Beibehaltung des bisherigen Brauches ist. Stadtv. Schmall spricht sich ebenfalls gegen den Antrag aus, die vorgeschlagene Maßregel würde ver­stimmend wirken. Die jetzige Zeit niedriger Holzpreise vertrage ein derartiges Experiment nicht, die' Käufer wollten das Holz int Walde sehen. Stadtv. Euler ist für den Antrag; man habe seither mit dem Ausgebot des Bauholzes in der beantragten Form nur gute Erfolge erzielt; in Preußen werde schon seit Jahrzehnten kein Holz mehr im Wälde ausgeboten. Stadtv. Helfrich ist gegen den Antrag. In Preußen seien die Leute ge­zwungen, im Wirtshaus zu kaufen, in Hessen nicht. Wenn die Versteigerungen zur Zeit nicht befriedigten, so liege das nicht an der Zahl der Steigerer, sondern es sei kein Bedarf vorhanden. Stadtv. Löber ist für Beibehaltung des bisherigen Verfahrens und häll die Jetztzeit auch nicht für geeignet zu Versuchen. Stadtv. Wallen­fels bemerkt, daß derartige Versuche schon früher gemacht wurden, sie hätten aber nicht den gewünschten Erfolg ge­habt; er glaube nicht, daß damit ein günstigeres Mgebnis für die Stadt erreicht wird. Stadtv. Hanau bemerkt, daß schon Holzversteigerungen auf dem Schiffenberge ab­gehalten worden seien. Stadtv. H a u b a ch hält es für gewagt, aus dieser oder jener Versteigerungsart einen Schluß auf den erzielten Erlös zu ziehen- Stadtv. Huhn erklärt, daß die Versteigerungen nicht genehmigt zu werden brauchten, wenn infolge dieser Neuerung der Erlös niedriger sei- Böig. Georgi: Beim Werkholz habe sich der Verkauf in größeren Partien bewährt; er bezweifle aber, daß dies auch bezüglich des Brennholzes der Fall sei; die Konsumenten wünschten Bestehenlassen; des bisherigen Ausgebots an Ort und Stelle, eine Aenoer- ung eintreten zu lassen, hält er zur Zeit für gewagt, man könne vielleicht im nächsten Jahre einen Versuch machen. Die Beschlußfassung wird auf Antrag des Bürger­meisters ausgesetzt.

Die Deputation für das Gas- und Wasserwerk hat beantragt, bis auf Weiteres die jetzigen Cokespreise beizubehalten; die Versammlung beschließt demgemäß. Stadtv. Fuhr führt Beschwerde über das von der Cokes- zerkleinerungsmaschine verursachte Geräusch und fragt an, ob die Maschine nicht zu einer anderen Tageszeit, als am frühen Morgen in Gang gesetzt werden könne; die Nachbarschaft, insbesondere die Kranken, würden durch das Geräusch schwer belästigt. Bürgermeister Mecum verspricht, die Frage im Sinne des Vorredners in Erwägung zu ziehen. Stadtv. Schmall bestätigt die Ausführungen des Stadtv. Fuhr; er empfiehlt in Zukunft mit derartigen Neuanlagen vorsichtig zu sein. Das Gaswerk gehöre bei der zunehmenden Ausdehnung der Stadt überhaupt nicht mehr an die Stelle, die Frage einer Verlegung liege nahe, er müsse sich gegen jede Ver­größerung des Werkes an dieser Stelle aussprechen.

Betr. der im Jahre 1903 in Dresden stattfindenden Städteausstellung teilt Bürgermeister Mecum mit, daß beabsichtigt gewesen sei, sich an derselben in Form einer Kollektivausstellung der hessischen Städte zu beteiligen. Dies sei aber nach dem Ausstellungsplan nicht zulässig, es könne jede Stadt nur für sich ausstellen. Die Baudeputation habe deshalb und mit Rücksicht auf die etwa 6000 Mk. betragenden Kosten beantragt, daß Gießen nicht ausstellen solle. Der Antrag wird zum Beschluß erhoben.

Vermischtes.

* Die Nachkommenschaft des Thüringer- Herzogs Ernst des Frommen, bei dessen Gedenk­feier der Kaiser eine bekannte Rede über den Zusammen­schluß der evangelischen Landeskirchen hielt, dürfte wohl die am weitesten verzweigte sein, die je ein Herrscher gehabt hat. Prinzregent Luitpold von Bayern und das ganze künftige Königsgeschlecht stammen, ebenso wie König Otto, von dem frommen Sachsenherzog ab, da König Lud­

wig I. von Bayern die Prinzessin von Sachsew-Hildbury- Haufen zur Gemahlin hatte. Gleich den regierenden Häufen, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg und Sachsen-Ko- burg-Gotha leiten sich die königlichen Familien von Eng­land, Belgien und Portugal, sowie Fürst Ferdinand von Bulgarien in direktem Mannesstamm von ihm her. Das katholische königliche Haus von Sachsen wird mit dem Prinzen Friedrich August, dessen Mutter eine portugiesisch! Prinzessin war, ebenso wie die Fürstenhäuser von Olden­burg, von Cumberland (Königin von Hannover), von An­halt und von Schaumburg-Lippe, deren Fürstinnen altem burgische Prinzessinnen sind, in zukünftigen Generationen von Ernst dem Frommen abstammen. Der deutsche Kaiser, der Großherzog von Hessen, die kleinen Thron- erben von Griechenland und Rumänien nennen als Enkel, bezw. als Urenkel des Prinz-Gemahls Albert von Groß­britannien, die Großherzöge von Sachsen-Weimar und Mecklenburg durch die Prinzessinnen Ida, bezüglich Eli, sabeth von Sachsen-Meiningen und Hildburghausen Ernst den Frommen ihren Ahnherrn, und sollten die Kaiserin von Rußland und die Erbprinzessin von Montenegro, geb, Herzogin von Mecklenburg, Söhne haben, so ist der pro- testantische Herzog der Stammvater sämtlicher griechisch- katholischen orthodoxen Herrscherhäuser.

Universitäts-Nachrichten. -

Die neue Honorarstundungsordnung für die preußischen Universitäten hat nicht allge­meinen Beifall gefunden. Insbesondere wird der Unter­richtsverwaltung der Borwurf gemacht, sie habe noch 1897 einer im Landtage eingebrachten Resolution zugestimmt, wo­nach die Stundung möglichst durch den Erlaß der Hono­rare ersetzt werden sollte, in der neuen Stundungsord- nung dagegen nehme sie den entgegengesetzten Stand­punkt ein. Sie habe diese Stundungsordnung, die wesent­lich auf Berliner Verhältnisse zugeschnitten sei, auch anderer Universitäten trotz allen Bedenken oktroyirt, und dadurch eine Verschlechterung herbeigesührt. Diesen Vorwürfen trib jetzt der Berliner Universitätsrichter Dr. Daude entgegen Den Widerspruch der neuen Stundungs-ordnung mit der 1897 erfolgten Zustimmung zu der Resolution erklärte er dadurch, daß auf eine Rundfrage an sämtliche Uni­versitäten die große Mehrzahl der Senate sich für di« Beibehaltung der Stundung ausgesprochen habe. In- folgedessen wurde der Entwurf einer für alle Universitäten gemeinsamen Stundungsordnung ausgearbeitet und den Senaten vorgelegt. Einige Bedenken seien nach Möglich­keit berücksichtigt worden. Durch das Erfordernis einer regelmäßigen Beibringung von Fleißzeugnissen sei der Ge­danke wieder zur Geltung gebracht, daß die Honorarstundimg vornehmlich solchen Unbemittelten gewährt werden soll welche sich der Stundung würdig erweisen. Den eigentlicher Kern der Neugestaltung erblickt Daude in der Einschränkunr der bisher dem Quästor eingeräumten weitgehenden Be? firgnisse für die Einziehung des gestundeten Honorars. Die Quästoren erhielten eine beträchtliche Quote von den ein­gehenden Geldern und hätten ihre Aufgabe manchmal mit solcher Strenge erfüllt, daß die Horwrarschuldner direkt in ihrer wirtschaftlichen Existenz gefährdet wurden. Jetzt erlischt mit dem Tode des Honorarschuldners die Förden und die Befugnisse des Quästprs sind ganz wesentlich eingeschränkt.

Die Göttinger Studentenregierung iw Jahre 1866. In derGeschichte des Korps Brunsviga u Göttingen" finde ich eine interessante Erinnerung au das Jahr 1866, die wert ist, der Vergessenheit entrissen zu werden. Es heißt da: ,r.. Als die Hannover scyen Truppen Göttingen verlassen hatten, die Preußen aber noch nicht eingezogen waren, gedachte der Pöbel Göttingens und der Umgebung, das Interregnum für sich auszunutzen, und machte ernstlich Miene zur Plünderung. Die Bürger­garde und die Studentenschaft wurde daher zum Schutze der Stadt aufgeboten und bewaffnet, die Korps besetzten die Aula, den übrigen studentischen Verbindungen vertraut« man das Auditoriengebäude an. Die Wachen wurden ein- getcllt und Patrouillen ausgesandt. Letztere machten sich zunächst an das offenbar dringendste Geschäft, die sämt- lichen Universitätspedelle, wo diese sich blicken ließen, zu arretieren, und auf der Wache festzusetzen. Nachdem so diese Organe der öffentlichen Sicherheit selbst in Sicherheit gebracht, und vor Schädigung in diesen bösen Zeitläufen bewahrt waren, begaben die Patrouillen in einmal ent­fachtem Diensteifer sich daran, sich selbst gegenseitig zu arretieren, und da man auf der Wache den Gefangenen gegenüber mit Speise und Trank, besonders mit letzterem, nicht kargte, so entwickelte sich hier bald ein ebenso leb­haftes als fröhliches Treiben. Jedoch fehlte es auch an ernsteren Fällen nicht, welche das Einschreiten des Kriegs-^ gerichtes notwendig machten. In der Aula hatte man einen Bauern gefangen genommen, welcher durch eine Hinterthür sich einzuschleichen versuchte, also der Spionage sich dringend verdächtig gemacht hatte. Er wurde vor­läufig in den Ziegenstall des Hauspedellen gesperrt und dann als Spion vor ein rasch zusammengesetztes Kriegs­gericht gestellt. Da er zu seinem Glück nachweisen konnte, daß er nur ein in der Aula dienendes Mädchen als Ver­wandter in Ehren habe besuchen wollen, so beließ das hohe Kriegsgericht es für diesmal Bei der Strafe von drei Ganzen. Immerhin war dieser ganze militärische Appa­rat, wenn auch von der Studentenschaft mit dem bei ihr üblichen Humor gehandhabt, insofern von Nutzen, als der Pöbel, welcher auf dem Bahnhofe thatsächlich bereits mit Plündern begonnen hatte, und der Universitätskasse ich zu bemächtigen drohte, von weiteren Exzessen abge­halten wurde. .

Humoristisches.

* Im Freibad. Ein pfälzischer Lehrer geht mit einem Böhnchen zum Bad. Nachdem sich beide entkleidet, ms Wasser gestiegen und der Alte sich abgekühlt hat, ent- pinnt sich folgendes Gespräch:Hoscht dein Kopp ins Wasser 'neingeschteckt, Jakoble?"Wie, Vaterle?" Ob d' dein Kopp ins Wasser 'neingschteckt hoscht?" Wie, Vaterle, wie?"Ob d' dein dreckete, saudumme Meerzwiebelkopp ins Wasser 'neingschteckt hoscht?"Jo, Vaterle, jo!"

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