Die McrschrrrMev Evens tmb M o rri s von dem Dampfer ^Roraim^, die jetzt im Hospital von Fort de France liegen, erzählen, dah ihr Schiff um 6 llhr tn et Pierre einlief. Als es 8 Glas schlug, hörten ünr eine furchtbare Explosion hoch oben auf dem Berge und dann wülzte sich eine feurige Wolke mit blitzartiger Geschwindigkeit den Berg herunter über die Stadt und die Bucht. Sne „Roraima" versank fast und stand sofort tn Flammen". Mr. Evans sagte: „Ich werde niemals den entsetzlrchen feurigen Wirbelwind vergessen der mich umgab. Morris und ich eilten unter Deck. Wir waren von dem Feuer nicht so sehr verbrannt worden. Als wir wieder an Deck kamen, um zu helfen, den Anker zu lichten und das Schiff aus der Bucht zu bringen, sahen wir, daß das Schiff Achtern in Brand stand. Wir kämpften mit dem Feuer bis 3 llhr morgens. Da erschien der französische Kreuzer „Suchet" zu unserer Unterstützung. Wir waren gerade damit beschatfigt, ein Floß zu bauen."
Die Geretteten sind mit Ausnahme der Maschinisten oon der „Roraima" arme Matrosen und Neger von Martinique. Wie die Passagiere der Dampfer umkamen, darüber ist nichts bekannt, und es ist auch unmöglich, ein Verzeichnis der untergegangenen Schiffe aufzustellen. Der Vizekonsul der Vereinigten Staaten Mr. Testart erreichte das Deck der „Roddam", aber nur, um tot über Bord zu stürzen.
Ter tausendste Student.
L.U. Gießen, 16. Mai 1902.
Iw Lauf des gestrigen Vormittags hat sich der 100 0. Student in die Matrikeln unserer Alma Mater eingetragen, und bet der dritten und letzten ordentlichen Immatrikulation des laufenden Semesters, die heute mittag stattfand, wurde ihm seitens des derz Rektors der Universität, Prof. Dr. Hansen, eine auf Pergament gedruckte Matrikel in rotjuchtenem Umschlag (hergestellt in der Hauser'scheu Buchbinderei) überreicht, der außen die Worte trägt: „10 00. Ludwlgs-Uuiversität Gießen. Sommer 1902. 16. Mai." Der Name des 1000. Studenten ist: stud. med. Hermann Simons aus Haus Vogelfang (Kr. Neuß).
Von den anwesenden Damen überreichte ihm Frl. R r e- gel ein prächtiges Bouquet mit blau und weißer Schleife imb der Zahl 1000.
Mit folgenden Worten wurde vom Rektor die 1000. Immatrikulation verkündet: „Ich mache bekannt, daß ich soeben die 1000. Immatrikulation an der Universität Gießen vvrgenommen habe. Möge die Zahl 1000 für uns 1000 Intelligenzen bedeuten, die sich zu 1000 tüchtigen Kräften für unser Vaterland entwickeln. Ihnen aber, welchen ein glücklicher Zufall zum millesimus inter pares gemacht hat, wünsche ich, daß Ihre Studien den Erfolg haben, Sie im künftigen Berufe zum primus inter mille zu machen."
Das freudige Ereignis, das wir bereits vor mehreren Wochen, als wir in einem Attikel an Hand einer amtlichen Statistik auf die beständig zunehmende Frequenz unserer Universität hinwiesen, als in diesem Semester bevorstehend ankündigten, ist nun eingetreten. Der tausendste Student ist da! Es ist selbstverständlich, daß dieses Ereignis gebührend gefeiert werden muß. Unsere öffentlichen städtischen Gebäude hatten denn auch aus diesem Anlaß bereits gestern nachmittag geflaggt, und ihnen schlossen sich, als die Thatsache bekannt wurde, am Spätnachmittage schon einige private Gebäude an. Ebenso feierte unsere Studentenschaft auf den Kneipen zum teil bereits gestern abend in feucht-fröhlicher Weise den tausendsten Studenten.
Wir brauchen nicht darauf hinzuweisen, welche Bedeutung diese Frequenzziffer für unsere Stadt hat, besonders wenn man die bescheidenen Anfänge berücksichtigt, aus denen sich unsere Hochschule entwickelt hat. Wir brauchen auch kaum zu erwähnen, welche Vortelle Gießen aus dem Blühen derLandes- unioersllät hat und welche immer größeren Votteile ihr erwachsen, je mehr unsere Alma Mater emporblüht. Umsomehr aber wäre es zu wünschen, daß unsere Bürgerschaft sich rech zahlreich an der Feier dieses Ereignisses beteiligte und zunächst dem Beispiel jener ersten folgte, die durch Flaggen bereits gestern ihrer Freude darüber Ausdruck gaben, daß das erste Tausend erreicht ist. Denn daß die Freude eine allgemeine darüber sein wird, das ist bei dem herzlichen Einvernehmen, das sich in Gießen zwischen Studentenschaft und Bürgschaft herausgeblldet hat, ja selbstverständlich. Zufälligerweise fand gestern nachmittag, an dem Tage der 1000. Inskription, üne Sitzung der Stadtverordneten statt. Unser Stadtoberhaupt ließ es sich denn auch nicht nehmen, den Stadtverordneten die freudige Botschaft mitzuteilen, die von einem vielstimmigen Bravo ausgenommen wurde, und der Universität weiteres Blühen und Gedeihen zu wünschen. Eine größere Feier ist, wie wir hören, für den Sommer geplant. Es soll zu diesem Zweck eine gemischte Kommission gebildet werden, die die erforderlichen Vorbereitungen treffen wird.
Das erste Tausend ist erreicht, ja bereits überschritten. Nun gehen wir auf das zweite Tausend los. Wird es ebenfalls erreicht werden? Und wie viele Jahre wird es dauern, bis es erreicht wird?
Aus Stadt und Sand.
Gießen, 16. Mai 1902.
•* Die Großh. Brandverficherungsanstalt für Gebäude iw Großherzogtum Hessen hatte im Jahre 1901: 469 Brandschäden und 123 Blitzschläge mit zusammen 927 250 Mk. zu vergüten. 11 Brandschäden von über je 10 000 Mk. erfor derten zusammen 480 392 Mk. oder 51 Prozent des Gesam jahresschadens. Der bedeutendste Brand war der einer Dampfmühle zu Mainz mit 140 937 Mk., und nächstdem der Brand mehrerer Hofraiten zu Rodheim v. d. H. mi 98 739 Mk. 15 zündende Blitzschläge erforderten eine Entschädigung von 35 703 Mk., während 108 sogenannte kalte Schläge mit 7823 Mt. geregelt wurden. Von den Blitzschäden kommen 42 auf den Nttmcll Mai und 44 auf den Monat Juli. Der günstigste Monat für die Anstalt war der Monat Februar, der 23 Brände mll 18 898 Mk. Entschädigung aufwetst. Durch Fahrlässigkeit wurden 109, durch mangelhafte Feuerungsanlagen 60 und durch Spielen von Kindern mit Feuerzeug nicht weniger als 37 Brände verursacht. Im Durchschnitt wurden im Großherzogtum mr 1000 Mk. Umlagekapital 0,65 Mk. Entschädigung gezahlt.
In den fünf größten Städten betrug dieser Durchschnitt 0,45 Mk„ in den übrigen Gemeinden 0,63 Mk. Die günstigste Stelle nimmt die Stadt Gießen ein, in welcher 0,03 Mk. auf 1000 Mk. Umlagekapital zur Auszahlung gelangten. — Im Jahre 1901 hat sich der Versicherungswett der Gebäude um 58 735 150 Mk. oder 3,79 Prozent vermehrt und betrug am Ende des Jahres überhaupt 1 607 997 150 Mk. Die Zuschlagskapitalien für erhöhte Feuersgefahr der Gebäude betrugen Ende des Jahres 111 047 070 Mk. oder 6,91 Prozent der Gesamtoersicherungskapitalien. Wie im Vorjahre wird auch diesmal wieder ein Bellrag von 7 Pfg. für 100 Mk. Um- agekapital zur Bestteitung der Bedürfniffe der Anstalt genügen.
** Die Stelle eines besoldeten Beigeordneten der Stadt Gießen oll nach einem in der nichtöffentlichen Sitzung der Stadtverordneten gefaßten Beschluß vorläufig nicht besetzt werden. Zum juristischen Hilfsarbeiter des Bürgermeisters wurde Ge- richtsaffeffor Carl Curschmann von hier mit dem Titel ,Magistratsassessor" mll Wirkung vom 1. Oktober ab gewählt.
** Offene Stellen für Milit'äranwärter im Bereiche des 18. Armeekorps. Arnsberg, Königl. Regierung, Regierungs- Hilfsbote, jährlich 1000 Mark. — Königl. Eisenbahn-Direktion Frankfutt (Main), Fahrkarten-Ausgeber, zunächst 960 Mark diätarische Jahresbesoldung; bei der Anstellung als etatsmäßiger Fahrkarten-Ausgeber 1200 Mark Jahresgehalt und der tarifmäßige Wohnungsgeldzuschuß (jährlich 60 bis 240 Mark) oder Dienstwohnung. — Erbach (Rheingau), Bürgermeisteramt, Nachtwächter, 180 Mark jährlich.
* * Rhcin-Main-Gastwirte-Verband. Für den 19. Delegiertentag des Rhein-Main-Gastwirte-Verbandes haben sich bereits 90 Teilnehmer von außerhalb angemeldet, trotzdem der Meldeschluß noch aussteht.
* * Die Hosraithe des Weißbindermeisters Schmall in der Mühlgasse ist von der Stadt Gießen angekauft worden, desgleichen einige kleinere Geländestücke in verschiedenen Teilen der Stadt.
* * Schwere Verletzungen am Hinterkopf zog sich ein zehnjähriger Junge zu, der gestern Nachmittag im 1. Stock eines Neubaues in der Hofmannstraße herumkletterte, wobei er in das Kellergeschoß stürzte. Die Verletzungen sind so schwer, daß er in die Klinik gebracht werden mußte.
* * Diebstahl. Ein gestern in einer Villa bei Lollar bettelnder Handwerksbursche nahm, nachdem ihm von einem dortigen Arbeiter eine Gabe geschenkt worden war, beim Weggehen auch noch die Schuhe des Mildthätigen mit. Der Handwerksbursche wurde noch Abends auf der hiesigen Herberge, wo er bereits seine alten Schuhe mit den gestohlenen vettauscht hatte, verhaftet.
* * Besitzwechsel. Das Besitztum der Steuercmfsehers- Witwe Bertling, Steinstraße 49, ging durch Kauf für 18 000 Mark in den Besitz des Pflastermeisters Hofmann über.
* * Schneefall. Aus allen Teilen unserer Provinz gehen uns Berichte über Schneefälle zu, die in den letzten Tagen stattgefunden haben, und über Schäden, die durch die Frostwitterung in Feld und Garten entstanden sind. So schreibt unser ^-Korrespondent aus Butzbach vom 15. Mai: Letzte Nacht wurde unsere Gegend in eine förmliche Winterland- schast verwandelt, auf Dächern und Fluren lag der Schnee teilweise mehrere Centimeter dick. Gestern Morgen ging in der Richtung nach Bad Nauheim leichter Hagelregen nieder. In vielen Fluren sind durch den Frost der letzten Nächte die landwirtschaftlichen Produkte und Obstbäume arg in Mitleidenschaft gezogen worden und zum Teile vernichtet. — Unser A-Korrespondent schreibt aus Nidda: Seit heute Morgen ist es bei uns wieder Winter geworden. Von 5 Uhr früh bis etwa gegen 8 Uhr schneite es unaufhörlich und zwar derartig stark, daß die ganze Gegend einer Winterlandschaft glich, wie wir sie im stärksten Winter kaum schöner erleben. Hoffentlich hat der Schneefall die an und für sich schon geringen Aussichten auf eine gute Obsternte nicht noch völlig vernichtet. — Aus dem höheren Vogelsberg berichtet unser (-Korrespondent: ' Seit einigen Tagen herrscht hier Winterwetter. Es schneit fottwährend, mitunter liegt der Schnee 7,-1 Fuß hoch. Infolge dieser Witterung ist die schön vorgeschrittene Vegetation wieder zurückgegangen. Für unsere Landwirte ist diese Witterung sehr nachteilig.
* * In dem Protokollanszug des in unserer gestrigen Nr. veröffentlichten Berichts über die 4. Sitzung der Gr. Handelskammer hat sich ein Druckfehler eingeschlichen. Bei der Mitteilung über die Beiträge zu dem deutschen Feueroersicherungs- schutzverband heißt es: für Klasse II Versicherungssumme bis 100 000 Mk. 10 Mk. bezw. 7,50Rabatt. Es muß aber heißen: Mk. 10 bez. 7 Mk. abzügl. Rabatt. Auch bei den anderen Klassen muß es vor dem Worte „Rabatt" heißen „abzügl."
M. Beuern, 15. Mai. Lehrer 2)1 ergott, der seit Jahren die dritte Lehrerstelle hier verwaltete, mürbe als zweiter Lehrer nach Obbornhofen versetzt. Sein Nach- folger ist noch nicht ernannt.
(:) Ldenhauscn bei Lollar, 15. Mai. Am 2. und 3. Pfingstfeiertag feiert der hiesige Kriegerverein das Fest der Fahnenweihe. Der Verein besteht schon 26 Jahre und hatte bis jetzt noch immer keine Vereinsfahne.
f Wetzlar, 15. Mai. Zum Leiter des neuen Lehrerseminars, das nach Pfingsten eröffnet wird, ist Seminaroberlehrer Habermaas aus Mettmann ailsersehen. Gleichzeitig werden Schüler von dort nach hier überwiesen, sodaß die Anstatt sofort mll einer vollen Klasse eröffnet werden kann. Vorläufig wird sie in den unteren Räumen der Franziskanerschule untergebracht.
e. Bad-Nauheim, 15. Mai. Prof. Dr. Schott beging heute das 25jährige Jubiläum seiner Thätigkeit als Arzt in Bad-Nauheim. Er rourbe von allen Seiten auf das dankbarste gefeiert. Prof. Dr. Schott hat außerordentlich viel zu dem bedeutenden Aufschwung Nauheims beigetragen. Ge- bvren am 28. März 1853 zu Burg-Gräfenrode i. d. W., studierte er in Gießen und wurde auch dort 1876 zum Doktor promoviert. Am 15. Mai 1877 ließ er sich in Bad-Nau- Heim als Arzt nieder. Mit seinem verstorbenen Bruder begann er die grundlegenden Untersuchungen über die Behandlung der chronischen Herzkrankheiten. Er zeigte, daß der geschwächte Herzmuskel durch methodische Hebungen und Maffage gekräftigt werden kann. Heute gehört die „Methode Schott" zu den unumstrittenen Fakten der wiffenschaftlichen
Therapie der chronischen Herzkrankheiten. Schott hat Nauheim zum „Herzbade" gemacht, er zeigte, daß Bad-Nauheim in seinen Wassern über vier Heilfaktoren verfügt, die keinem anderen Badeort zu Gebote stehen, nämlich den Soolgehalt, die Temperatur des Wassers, den Kohlensäuregehakt und bir mechanische Wirkung des Druckes, unter welchem die Queller aus der Erde geschleudert werden. Ein Erfolg der Schott- schen Arbeiten, die in vielen Schriften niedergelegt sind, wa eine erhebliche Steigerung der Frequenz, die seit Mitte de* 80er Jahre um mehr als das Vierfache wuchs. Eine Deputation der Gemeindevertretung begab sich heute früh zu dem Jubilar. Bürgermeister ^Börner feierte die hohen Verdienste Schotts um das Aufblühen des Bades.
fl. Londorf, 15. Mai. Bei der gestrigen Bürgermeisterwahl wurde der Sohn des in diesem Frühjahre verstorbenen Bürgermeisters, Wilhelm Aumann, mit 148 Stimmen einstimmig gewählt. Das ist gewiß ein schönes Zeugnis für die Einigkeit in unserer Gemeinde.
A. Nidda, 15. Mai. Auch in unserem Städtchen regt sich die Bauthätigkeit in erfteulicher Weise. <5o ist an der neuerbauten Kreisstraße nach Dauernheim mit der Errichtung zweier Häuser begonnen worden, von denen das eine vom Amtsrichter Sellheim und das andere vom Oberpost- assistent Aßmus erbaut wird. Inmitten der Stadt ist bereits vor einigen Wochen mit dem Bau eines großen dreistöckigen Hauses der Wwe.Ruppel begonnen worden. Auch die hiesige weithin bekannte Brauerei Krafft soll durch Neuerrichtung des Brauereigebäudes und Ausdehnung des Betriebes bedeutend vergrößert werden. Das hiesige altrenommierte Hotel „Zum Stern" ist am gestrigen Tage durch Kauf von dem seitherigen Besitzer Schmidt an Herrn Brill von Louisenthal für den Preis von 30 000 Mk. übergegangen. Der neue Besitzer wird das Hotel in der seitherigen vorzüglichen Weise weiterführen.
W. Unter-Sdjmittcn bei Nidda, 14. Mai. Heute wurde hier unter großer Beteiligung der Altbürgermeister Klaus zur letzten Ruhe bestattet. Zwei Mal zum Bürgermeister gewählt, hatte er eine dritte Wiederwahl wegen seines hohen Alters abgelehnt. Er war auch über 20 Jahre Mitglied des Kirchenvorstandes der Pfarrei Nidda und Mitglied der Armen- .kommission. Ein äußerst rühriger, thätiger Mann ist in ihm geschieden, weshalb er auch alle Achtung genoß. Der Ge- meinbcrat ließ einen Kranz an seinem Grabe niederlegen.
4- Zahmen (Kreis Lauterbach), 14. Mai. Kürzlich weilte der Untersuchungsrichter mit ©enöarmcrie hier. Wie verlautet, stellte er Erhebungen über ein an schulpflichtigen Kindern begangenes Sittlichkeitsvergehen an. lieber bas Ergebnis der Untersuchung ist bis jetzt nichts bekannt geworoen.
)( Holzmühl (Kreis Lauterbach), 15. Mai. Gegen einen hiesigen Ortsbürger ist eine Untersuchung wegen Majestäts- beleidigung eingeleitet worben. Der Betreffenbe soll be- leibigende Aeußerungen über unseren Großherzog gethan haben. Verschiebene Zeugen sinb bereits vernommen worben. Wie es heißt, hat sich fern bestimmter Anhaltspunkt ergeben.
8. Darmstadt, 15. Mai. Der Sonderausschuß bett, die Beratung zur Errichtung einer hessischen Landwirtschaftskammer wird morgen seine Verhandlungen wieder aufnehmen; da morgen auch der hessische Landwirtschaftsrat hier zusammentritt, dürften die bisher in diesen Fragen noch vorhanden gewesenen Differenzen wohl ausgeglichen werden.
fe. Frankfurt a. M., 15. Mai. Die Landgräfin von Hessen trifft heute hier, von Italien kommend, ein und be- giebt sich am 29. Mal nach Schloß Adolphseck bei Fulda. — Das beliebte und bekannte Mitglied des hiesigen Schauspielhauses Clemens Grün ist schwer erkrankt. Schon lange an der Zuckerkrankheit leidend, äußerte sich die Krank, hell derarttg, daß Grün in das Hospital des Vaterländischen Frauenvereins heute überführt werden und sich dort einer Operation unterziehen mußte. Das rechte Bein bis an das Knie wurde amputiert.
•* Kleine Mitteilungen ans Heffen und den Nachbarstaaten. In Dilschhausen wurde em Bursche im Alter von 17 Jahren verhaftet, der am Tage vor Himmelfahrt im Walde einer Frau von 70 Jahren Gewalt angethcm hat. Er hat ihr zu dem Zwecke von hinten einen Sack über den Kopf gezogen und sie dann gewaltsam zu Boden gerungen.
Gerichtssaal.
S. Darmstadt, 15. Mai. Strafkammer. Zu einer sehr ernpsindlichen Geldstrafe wegen Betrugs wurde heute ein bekannter Weinreisender und Versicherungsagent K. aus dem Odenwald wegen eines ganz unbedeutenden Betruges (5 Pfg.) verurteilt. Derselbe fuhr zu Beginn ds. Jahres, wie schon öfter, die Bahrn strecke Lengfeld i. O.—Darmstadt Ostbahnhos—Rosenhohe. Aus der Rücksahrt ivar er in der Nähe des Hauptbahnhoss. Angeblich um feinen Schwager aufzusuchen, der auch in den Odenwald wollte, löste er eine Bahnsteigkarte und entschloß sich, wie er angtebt, da er seinen Schwager nicht fand, kurzer Hand, nach Hause zu fahren. Als nach der Abfahrt des Zuges die Bahnsteigkarte nicht abgehciert wurde, telegraphierte man nach Rosenhöhe, um eine scharfe Kontrolle zu veranlassen. Und als der Schaffner nun vor Nieüer-Ramstadt zu K. kam, zeigte dieser zunächst eine verfallene, allerdings noch nicht durchlochte Fahrkarte Darmstadt—Lengfeld vor. — Als ihn der Schaffner darauf aufmettsam machte, gab er ihm die g i l t i g e Fahrkarte Rosenhöhe—Lengfeld. K., der öfters Reisen macht behauptet, aus Versehen gehandelt zu haben, mußte aber an die Bahn eine Strafe von 6Mk. zahlen und wurde außerdem von der Bahnverwaltung zur Anzeige gebracht. — Vom Schöffengericht Darmstadt wurde er freigesprochen. Der Staatsanwalt aber legte Berufung ein und K. wurde heute zu einer Geldstrafe von 50 Mk. und den nicht unbeträchtlichen Kosten verurteilt, da der Gerichtshof in dem Lösen der Bahnsteigkarte und dem ersten Vorzergen der ungiftigen verfallenen Fahrkarte einen beabsichtigten Betrug sah. Tie eigentliche Differenz beträgt nur 5 Pfg., da die Bahnsteigkarte 10 Pfg., die Fahrkarte Darmstadt—Rosenhöhe 15 Pfg. kostet. R. roai noch unbestraft.
Arbeiterbewegung.
Laibach, 15. Mai. Die hiesigen Bau- und Möbeltischler sind wegen Lohndifferenzen in den Streik eingetreten.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Brüssel, 15. Mai. Im Kohlengebiet des Bormage wurden die Löhne allgemein um 12 Prozent und mehr herabgesetzt.


