Ausgabe 
16.4.1902 Drittes Blatt
 
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Petersburg, 15. April. Der Mörder des Mi- i st e r s S s i p j ä g i n giebt an, B a l s ch a n e f f zu heißen.

Kunst und Wisscnschast.

Das Koch'sche Tuberkulin unterliegt der staat- ichen Aufsicht und darf nur von Apothekern in amtlich rlombierten Fläschchen verkauft werden. Der preuß. Kul­tusminister hat jetzt die Prüfung des Tuberkulins dem Institut für experimentelle Therapie zu Fran kfur t am Main übertragen und ungeordnet, daß vom 1. Juni d. I. ab die Fläschchen nur noch mit dem staatlichen Prüf­ungszeugnis (Plombcnverschluß mit Datum der Prüfung, Kontrollnummer rc.) versehen, seilgehalten und abgegeben werden dürfen.

Aus Stadt und Larlö.

Gießen, den 16. April 1902.

** Eine vollständige Mondfinsternis, die während des größten Teiles ihrer Dauer auch bei uns beobachtet werden kann, tritt am 22. d. M. ein. An­fang der Finsternis 6 Uhr 0,3 Minuten mitteleuropäische Zeit, Anfang der vollständigen Verfinsterung 7 Uhr 10,2 Minuten, Mitte der Finsternis 7 Uhr 52,8 Minuten, Ende der vollständigen Verfinsterung 8 Uhr 35,4 Minuten, Eit de

gleichzeitig über dem Horizont, eine Folge der Refraktion, welche beide Gestirne in größerer Nähe erscheinen läßt, als sie in Wirklichkeit sich befinden.

** Frühling und Radfahren. Im Frühling erwacht auch der Radfahrer von seinem schattenhaften Winterdasein. Das ist doch noch etwas, was der Rede

überhaupt 9 Uhr 45,3 Minuten. Bcrberich ......Naturw. Rundschau" darauf aufmerksam, daß die Sonne an jenem Abend erst um 7 Uhr 13 Minuten stehen also die Sonne und der total ver-

Vermischtes.

* Berlin, 15. April. Tie Wassernot nimmt auch heute noch die Hilfe der Feuerwehr und vieler Privat­leute in Anspruch. Gestern abend ereignete sich beim Auspumpen eines Kellers in der Jnvalidenstraße, der anderthalb Meter unter Wasser stand, ein schwerer Un­fall. An einer Tampspumpe lockerte sich die Befestigung des Schwungrades, sodaß dieses auf das Straßeichflaster flog und in tausend Stücke zerchrang. Ein Stück schlug eine Laterne um, ein anderes flog gegen das Gesims des zweiten Stockwerkes, sodaß die unten Stehenden mit her­abfallendem Kalk überschüttet wurden. Während diese mit geringen Verletzungen davonkamen, wurden durch an­dere Eisenstücke vier Personen schwer, zum Teil lebens­gefährlich verletzt. Ein 2Ojähriges Mädchen und

ein Lehrling wurden am Kopfe so schwer getroffen, daß sie besinnungslos zusammenbrachen. An dem Aufkommen des Mädchens wird gezweifelt. Das Geleise des über­schwemmten Fahrdaniines in Pankow stand noch 11/2 Meter tief unter Wasser. Der durch das Unwetter angerichtete Schaden beziffert sich auf.mehrere Millionen Mark. Nicht nur zahllose Keller, sondern auch höher gelegene Räume sind arg mitgenommen. Im Zentrum von Berlin sind Manufakturwarenlager in hohem Werte durch das Wasser beschädigt worden. Auch der Schaden an den öffentlichen Gebäuden, Anlagen ufw. ist sehr groß. Hart betroffen sind viele Bäckereien und Schlächtereien, denen die Vorräte in den Kellern verdorben sind. Be­merkenswert ist noch, daß auch viele Brunnen durch das eingedrungene Wasser zum Teil unbenutzbar geworden, zum Teil eingestürzt sind.

Berlin, 15. April. Die Eisenbahndirektion macht bekannt: Die durch die Überschwemmung am 14. April eingetretene Sperru ng der Bahn st recke zwischen BerlinundStettinerBahnhof und Gesundbrunnen sür den Personenverkehr wird voraussichtlich am 16. April vormittags beseitigt sein, sodaß Fern- und Vorortszüge Bernau-Stettin und Oranienburg-Stralsund vom 16. April vormittags 11 Uhr ab bis Stettiner -Bahnhof verkehren können. Die auf dem Nordringe am 14. April eingetretene Unterbrechung des Personenverkehrs ist vom 15 .April an auf die Teilstrecke Gesundbrunnen-Beuselstraße beschränkt. Letztere Strecke kann für den Personenverkehr voraussicht­lich am 18. April nachmittags wieder in Betrieb genommen werden. Für den Güterzugverkchr ist seit dem 15. April mittags die Unterbrechung auf beiden Strecken wieder be­seitigt. i

* Kassel, 15. April. Wie dieK. Allg. Ztg." meldet, sind heute im Dorfe Rengersfeld auf der Hohen Rhön sechs Anwesen mit 20 Gebäuden durch Feuer zer­stört worden.

Stuttgart, 15. April. Heute vormittag wurde im Walde bei Kleinhohenheim eine Botenfrau durch einen Schuß und mehrere Stiche getötet. Tas Motiv der That soll persönliche Rache sein.

Meratur.

Theaterliebespärchen wer interessiert sich' nicht für ihre Darsteller und Darstellerinnen? DieMo­derne Kunst" (Verlag von Rich. Bong, Berlin 2L 57. Preis des Einzelheftes 60 Pf.) hat den Gedanken ge­habt, sie uns in Bild und Wort vorzuführen. In Heft 16 des 16. Jahrgangs macht sie den Anfang damit und bringt zunächst dieLiebespaare" des Berliner Kgl. Schau­spielhauses: Rudolf Christians, Hermann Böttcher, Lud­wig Hertzer Vilma von Mayburg, Ilona Sperr, Bertha Hausner, Sophie Wachner, Elfriede Mahn. Julius Nor­den hat einen amüsanten Text dazu geschrieben. Eine psychologische Skizze von Ernst Wechsler:Ter neue Pyg­malion", Wolters RomanSiebenschön", eine illustrierte Schilderung des Besuches Kaiser Wilhelms in Hannover von Generalleutnent Frhrn. von Tincklage-Campe seien sonst noch von dem Text hervorgehoben. Die Kunst­beilagen bieten Lucien Simon's.GemäldeIm Zirkus", dazu Otto Kirberg's holländisches Theekränzchen und A. Lübens Gang zum Kranken. Viel Freude werden auch )ie Bunbdruckbilder von Cairati und Duphorn machen, die von Frühlings- und Sommerlust erzählen. Dazu eine Fülle von Illustrationen und kleinen Beiträgen im Zick- Zack-Bogen und in der Beilage auf dem Gebiete der Kunst, des Theaters, des Kunstgewerbes, des öffentticheu Lebens und des Wissens.'

Er behauptet, als Student der Universität Kiew bei den vorjährigen Unruhen gemaßregelt und deshalb zu dem Racheakt gegen den Minister bestimmt worden zu sein. Bei einer Verhaftung leistete er keinen Widerstand. Ssipjägin wurde aus nächster Nähe zweimal tödlich getroffen. Der Mörder näherte sich dem Minister in der Unifor-n eines russischen Adjutanten mit dem Bemerken, er habe im Auf­trage des Großfürsten Sergius ein Schriftstück zu über? bringen. Während der Minister danach griff, gab der Mör­der fünf Revolverschüsse ab. Ssipjägin starb nachmittags 21/2 Uhr.

UnwrrslMs-Nachrichten.

Stuttgart, 13. April. Tas Württemberg! sche Mädchengymnasi m erfreut sich eines stetigen Zu­wachses. Tie Anstalt hatte das dritte Jahr ihres Be­stehens vollendet und weist einen Besuch von 30 Schüler­innen im letzten Semester auf, nachdem es vor drei Jahren mit nur drei Schülerinnen begonnen hatte. Da sich für das neue Schuljahr zwölf neue Schülerinnen ange­meldet haben, so wird die Anstalt mit vier Klassen und 42 Schülerinnen das neue Semester beginnen.

Zu der Enthüllung des deutschen Bur- chenschaftsdenkmals zu Eisenach werden nicht nur die Burschenschaften aller deutschen Universitäten ver­treten sein, sondern es werden auch einige Tausend alte Herren mit ihren Tarnen zu den Festlichkeiten erwartet. Tie alte rot-schwarz^rote Burschenschaftsfahne wird dem Festzug der Burschenschafter voranwehen. Sie ist ein wohl- gehütetes, teures Kleinod, das nur bei besonders fest­lichen Anlässen entfaltet wird. Als am 31. März 1816 der zweite Jahrestag der Einnahme von Paris gefeiert wurde, ist sie als Zeichen der Anerkennung der Burschenschaft übergeben worden. Auf dem goldbefranzten rot-schwarz- roten Fahnentuch liegt ein goldgestickter Eichenlaubzweig; an der Seite ist zu lesen: Von den Frauen und Jung- rauen zu Jena am 31. März 1816. Beim Wartburg fest, am 18. Oktober 1817, wurde sie vom Grafen Eduard von Keller getragen, und am 5. Juli 1818 wehte sie bei der Taufe des verstorbenen Großberzogs Karl Alexander an der Spitze von 500 Jenaer Studenten auf dem Schloß­hof in Weimar. Als auch in Jena die Burschenschaft der' Auflösung verfiel, wurde das Banner, auf das von den Behörden gefahndet wurde, einem alten Burschenschafter, der bei Kamburg a. Saale als Pfarrer angestellt war, zur Aufbewahrung übergeben. Erft nach dem Jahre 1848 ist es wieder in die Hände der Jenaer Burschenschaft gelangt.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Accumulatorenwerke System Pollak Frankfurt a. M. Der Vcrwaltungsrat hat ein neues Communiquä ausgegeben in-wel- chem ziffernmäßig die Lage der Gesellschaft geschildert und einige Eommentare gegeben werden. Die Bilanz ergiebt nach den üblichen Abschreibungen auf den Anlagekosten, ferner nach Absetzung von 30 000 Mi. auf Effeetenkonto und von 60 000Mk. sür Dubiose einen Bc rlustsald o von 548 590 Mk. Demgegenüber betragen die Re- erven 277 322 Mk. sodaß die Bilanz mit einem Fehlbetrag von 271 268 Mk. abschließt. Unabhängig von den vorbezeichneten Reserven verbleibt das Garantieeonto mit 297150 Mk. gegen 269 248 Mk. am 31. Dezember 1900. Bei der Bilanz für 1900 ist ein in seiner Entstehung nicht aufgeklärter Bnchfehler von ca. 224000 Mark vorgekommen, durch den der Betriebsausfall verborgen blieb. Der bisherige erste Direetor hatte bis in die letzten Tage für das ahr 1901 - eine Sümbenbe von ca 4 Procent in Aussicht ge­teilt. Daun wird mitgeteilt, daß an den Verlusten die un­günstige Eonjunktur die Schuld trug, desgleichen kostspielige 93er- uche, die aber reichen Gewinn versprechen. Daun heißt es weiter: Herr Direktor Treier, der seit Mitte Oktober 1901 Mitglied des Vorstandes ist, hat^jetzt die Bilanz aufgestellt. Die Revision Nimmt ihre n Fortg ang; auf Grund derselben wird der Aussichtsrat in der demnächst einzuberufenden Generalversammlung weiter berichten. Die pro 1900 erhaltenen Tantiemen zahlt der Aufsichtsrat selbswerständlich zurück und wird auch das Vermögen des Herrn Direktor Masienbach in Anspruch genommen. Mit der infolge des erwähnten Bnchungsfehlers im vorigen Jahr aus­geschütteten Dividende wird er ebenso verfahren, wenn dre General­versammlung dies für richtig imd der Billigkeit entsprechend er­achten sollte." Das Communiguü läßt noch manches dunkel und der Buchungsfehler ist der dunkelste Punkt in der traurigen Ange­legenheit, über den allein Direktor Massenbach, der als Selbstmörder endete, hätte Ausschluß geben können. Uebrigens ist es nicht be­greiflich, daß die salsche Buchung nicht schon früher aufgedeckt werden konnte. Das Aktiengesctz hat doch für Stellung der Bilanz besonders strenge Maßnahmen. Jedenfalls ist es ange­zeigt, daß die Generalversammlung so bald als möglich etn= berufen und daß den Aktionären erschöpfender Ausschluß erteilt wird. Daß für das Rechnungsjahr 1900 schon eine gefälschte Bilanz

vorgeleat wurde, ist ganz unzweifelhaft; daß dies ausschließlich nur aus falschem Ehrgeiz geschah, kann jedoch nicht gut angenommen werden. Es muß ganz bestimmt festgestellt werden, wer die un­richtige Bilanz verschuldet hat. Was nun den Schlußpassus betreffs der ausgeschütteten Dwidende betrifft, so kann er doch nur so aus- gefaßt werden, daß die Aktionäre die Dividende, die sie auf ihre Aktien erhielten, wieder zurückzablen. Uebrigens fordert bereits ein Mainzer Rechtsanwalt in einer Annonce die Aktionäre auf, sich zu gemeinsamen Schritten zur Geltendmachimg von Regreßansprüchen gegen Vorstand und Aufsichtsrat zu melden.

Märkte.

Gießen, 15. April. Viehmarkt. Der gestern abgehaltene Markt hatte einen Vorrat von ca. 1200 Stück Milchvieh und etwa 300 Stück Kälbern. Der Handel ging überaus flott, so daß der Markt gleich nach 10 Uhr geräumt war. Zahlreich hatten sich Käufer vom Rhein und Alain eingesunden, welche größere Trans­porte aufkauften, besonders machten Frankfurter und Wiesbadener Käufer den Markt. Der Vorrat von Kühen wies diesmal über­aus schöne Simnrenthaler, Niederurchen, Vogelsberger und hessische Rassen auf; auch waren eine Anzahl 2'Jährige Färsen vorhanden, während fette Rinder nur ganz vereinzelt zu haben waren. Der Kälberhandel zeigte sehr hohe Preise, so daß unsere heimischen Metzger sich beim Kauf zurückhaltend verhielten, während Frank­furt, Nauheim und Wiesbaden starke Einkäufe machten. Die Milchviehpreise stiegen noch gegen die schon hohen Preise des letzten Marktes, wohl infolge der günstigen Futteraus­sichten. Es würben gehandelt Kühe frischmelkend und tragend 1. Qual. 425500 Mk., 2. Qual. 350400 Alk., 3. Qual. 275 bis 325 Mk., 2häährige Färsen 300350 Mk. pr- Stück. Abmelkkühe, die wieder schwer verkäuflich waren, waren nur wenig am Mattt. Fette Rinder hatten pr. Ztr. Schlachtgewicht den Preis von 60 bis 62 Mk. Kälber wurden verkaust 1. Qual, (über 50 Pfd. schwer) 6568 Mk., 2. Qual, (zwischen 4050 Psd.) 5762 Mk., 3. Qual, (leichtere Tiere) 5254 Alk. pr. Ztr. Schlachtgewicht. Der Markt blieb nicht überständig. Auswärtige Handelsleute aus der nächsten Umgebung, welche ihr Vieh nicht rechtzeitig abgetrieben hatten, wnrden von den Schutzleuten zur Bestrafung ausgeschrieben. Die Leute schienen jedoch über die Marktordnung in Unkenntnis zu sein.

wert ist! Tie frohesten Kinder des Frühlings find heut­zutage nicht die Liebenden, sondern die Radfahrer, lie­bende Radfahrer natürlich einbegriffen. Frühling und Radfahren schon der Klang der Worte muß glücklich und heiter machen, der Gedanke beseligt, und in der That, Radfahren im Frühling ist der Himmel auf Erden. Diitr vermeide man dabei, aus dem Himmel auf die Erde zu fallen. Der Mann zu Rade kann momentan nur einen Gedanken haben: Tas Gleichgewicht zu halten. Und darum fühlen sich alle anderen Gehirnzellen wunderbar entlastet. So ist der Marin zu Rade von Sorgen frei oder, wenn er welche hat, istGleichgewicht halten!" nicht ein trefflicher Wahlspruch, deren das Leben heute mehr denn je bedarf? So könnte man dem Radfahren auch einen höheren erzieherischen Wert zuschreiben! Der Radfahrer lernt rasch beobachten und eben so schnell den zwech mäßigster, Entschluß fassen. Den Mut lernt er wieder fühlen, diese edle Eigenschaft, die so leicht abhanden kommt, in diesensonnigen Tagen", und sein Angstgefühl wird behoben! Selbst den Zaghaften erkennt man nach einiger Zeit nicht wieder. Die scheinbar so harmlose Landstraße erfordert eben einen ganzen Mann, und eine Tourenfahrt wird zum Ritt ins romantische Land. Beherzt greife der Anfänger zum Rade und schlage hypochondrische Bedenken in die Flucht! Bei der Unzahl von Nervösen wird es diese Leute gewiß sehr freuen, daß auch viele Nervenärzte in das Lob aufs Rad einstimmen. Und nun All Heil'.

t. Hartm annshain, 15. April. Hepte nach- mtttag brannte die Hoftraite des Schneiders Adolph, bestehend aus Wohnhaus, Scheuer und Stallungen, nieder. Das Feuer, dessen Entstehungsgrund man nicht bis jetzt angeben kann, ergriff in kurzer Zeit die ganzen Räum­lichkeiten, wurde aber bald durch das thatkräftige Ein­greifen der hiesigen und Herchenhainer Feuerwehr auf seinen Herd beschränkt. Das Vieh, sowie wertvolle Gerät­schaften konnten gerettet werden. Der Abgebrannte war versichert.

§! Gedern, 15. April. DerLieder kränz" feierte am Samstag abend im Bergwirtshause sein 60jähr. Stiftungsfest. Zahlreiche Gönner aus Gedern sowie der Umgegend waren erschienen, um an der Festtafel teil­zunehmen. Tie Vorstände des Krieger- und Turnvereins, ebenso der GesangvereinMännerchor" waren bei der Feier anwesend. Tie Gäste wurden vom festgebenden Verein mit dem Chor:Willkommen" begrüßt. Der Präsident Köppe hielt eine schwungvolle Festrede und brachte ein Hoch auf das Blühen und Gedeihen des Ver­eins aus. Tann folgte noch eine Reihe von Toasten, Ge­sangsvorträgen beider Vereine, welche von dem Tiri- genten Lehrer Schaad geleitet wurden, humoristische Vor­träge, und fröhlich blieb man bis gegen Morgen bei­sammen.

Frankfurt, 15. April. Tie Stadt hat der Inter­nationalen Baugesellschaft, die auf städtischem Gelände im Erbbaurecht Häuf er baut, die Zinsgarantie für 3 400 000 Mark vierprozentige Obligationen gegeben doch gewiß ein bedeutendes Risiko für die Stadr. Und die Mieten? 360 Mark für 2 Zimmer, 540 Mark für 3 Zimmer. 656 solcher Wohnungen sollen gebaut werden. Was nützen nun solche Wohnungen einem Arbeiter mit 1000, 1200 oder 1500 Mark Lohneinkommen? Ter Gesellschaft Frankenallee", die 544 Wohnungen von 1 bis 4 Zimmern bauen will, hat die Stadt ebenfalls für ein Kapital von 500000 Mark garantiert, der Erbbauzins ist auf 70 Pf. Pro Quadratmeter festgesetzt (was zu 4y2 Prozent un­gefähr dem ungewöhnlich billigen Preise von 15 Mark pro Quadratmeter entspricht); und die Mietpreise? Für 1 Zimmer 108 Mk., für 2 Zimmer ohne Küche 210 Mk., für 2, 3, 4 Zimmer mit Küche 318 bis 336, 486 bis 510, 720 bis 750 Mk. Und das für Wohnungen an der Peri­pherie der Stadt! Das ist der Segen des Erbbaurechts!

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungeu des Gießener Anzeigers.

Berlin, 16. April. Nach derTägl. Rdsch." soll die Vorlage betr. Diätengewährung an die Mitglieder der Zolltarifkommission in den nächsten Tagen dem Reichstag zugehen.

Wiesbaden, 15. April. Heute vormittag wurde der 2 0. Kongreß für innere Medizin im Kurhause er­öffnet. Tie Beteiligung ist äußerst lebhaft, zahlreiche Kory­phäen der medizinischen Wissenschaft sind hier versammelt, darunter Geheimrat Professor Tr. v. Leyden, den die Stadt Wiesbaden anläßlich seines bevorstehenden 70. Geburtstages zum Ehrenbürger ernannte. Ter Kommunal- Landtag wählte in seiner heutigen Sitzung den bisherigen Landesbankrat und Mitglied der Landesbank-Direktion Keßler mit 25 Stimmen zum Direktor der nassauischen Landesbank. Sein Gegenkandidat war der Landesbankrat Krekel, der 21 Stimmen erhielt.

Coburg, 15. April. Die Rückkehr der Groß her-« zogin Viktoria Melitta wird kurz vor dem 1. Juni erwartet. Die Nachricht, daß sie den Ankauf einer Besitzung in der Nähe der Stadt beabsichtige, ist unrichtig.

London, 15. April. Die gestern dem Parlament in Verbindung mit dem Finanzgejetz vorgeschlagenen Ein­fuhrzölle für Getreide und Mehl werden provi- orisch unmittelbar i n Kr a f t g e s e tz t. Die Abendblätter nelden, dem Ministerium ging gestern die Antwort der Buren zu, über die heute beraten wird. Die Lage bezüg­lich der Friedensverhandlungen sei er­mutigend.

London, 16. April. Kitchener meldet aus Pretoria: Tie Kolonne Bruee Hamilton ist am 14. April abends bei der Blockbauslinie bei Standerton angetommen. Er .hat während oer Operationen von Middelburg nach Süden insgesamt 145 Buren gefangen genommen, getötet oder verwundet.

Brüssel, 16. April. Die Zahl der Aus ständigen in dem Hauptgebiet der Großindustrie wird in Charlenoi auf 15 000, in Bad St. de Centre auf 25 00030 000, in Bo- rinage auf 25 000, in Lüttich auf 3000, in Vervier auf 78 000 geschätzt.

Antwerpen, 16. April. Die Diamantenschleifer treten heute in den Aus st and.

Petersburg, 15. April. (Bereits durch Anschlag gestern bekannt gegeben.) Um 1 Uhr nachmittags wurde eia Attentat auf den Minister des Innern, Ssipjägin, in der Vor­halle des Reichsratsgebändes verübt. Der Attentäter berührte mit der Waffe fast die Person des Ministers, welcher um 2 Uhr

Arbeitern nütze. Herold und Dchwerin-Loewitz be­fürworten den Antrag Gamp. Graf Schwerin-Loewitz fragt an, ob es wahr sei, daß die Regierung bezüglich der Vete­rinärpolizei dem Auslande Zugeständnisse zu machen ge­neigt sei, was schlimmer wäre als Zollfreiheit. Graf Posadowsky erklärt, ihm sei von solchen Absichten der Regierung. nichts bekannt, und fügt hinzu, man solle die taktische Position der Regierung nicht durch weitgehende Anträge fortgesetzt erschweren. Die Regierung wünscht im Zolltarif ein Mittel zu erhalten zur Erzielung guter Handelsverträge. Erst nach Vorliegen der Handelsverträge sei zu beurteilen, ob die Regierung klug oder unklug operierte. Heim (Ztr.) erklärt, das Zentrum halte an der Bindung der Viehzölle fest. Die Haltung Posadowsky's sei nach Zustandekommen des Zolltarifs unmöglich. Nach der Abstimmung wird die Sitzung geschlossen.