uiryen mw TTrrrgrtevrr Der tyFfeiiftrpcnT trre Tnrrrowenntg $u weiteren Deitragsleiftungen uni) Sammlungen gerichtet wird. Nach einer dem geschäftsführenden Ausschuß für das Bennigsen-Denkmal durch den geschaftsführenden Viceprä- 'identen der Deutschen Kvlonialgesetlschast, Oberpräsidenten i. T., Wirkt. Geh. Rat v Pommeresche, gewordenen Benachrichtigung wird der Präsident der Deutschen Kolonialgesell- aesellschaft, Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, in der „Deutschen Kvlonialzeittrng" einen bezüglichen Aufruf erlassen und die Dauptkasse der Gesellschaft (Berlin W. 9, Schellingstr. 4) als Sammelstelle bezeichnen. — Die Gesamtsumme der bis jetzt für das Bennigsen-Denkmal gezeichneten hezw. enngesandten Beiträge beträgt 55 839 Mk.
Rußland und Macedonieu.
Der „Petersburger Rehierungsbote" veröffentlicht ein Kommun igue, worin es heißt: Laut Nachrichten aus der östlichen Türkei schließt die Lage auf der Balkan Halbinsel nicht die Möglichkeit ernster Komplikationen aus. Tank rechtzeitig ergriffener Maßregeln und dem Eintritt des Winters ist anzunehmen, daß die Gärung in Makedonien einstweilen keine weitere Ausbreitung findet, dennoch sprechen viele Anzeichen dafür, daß die steigende Unzufriedenheit orthodoxer Unterthemen unter dem Drucke verschiedener Komitees einen allgemeinen Aufstand im Frühling hervorzurufcn geeignet ist. Diese beängstigenden Erscheinungen konnten nicht verfehlen, Rußlands Aufmerksamkeit zu erwecken, daS von Alters her für das Schicksal der verwandten Stämme besorgt ist. Die russische Regierung machte der Pforte entsprechende Vorstellungen, um dem weiteren Umsichgreifen der Unruhen Über die ganze Balkan- Halbinsel vorzubeugen.....Es ist die erste Dauptbeding-
uny für einen Erfolg in dieser Richtung das Aufhören der Agitation der Komitees in Macedonien, da sie den beabsichtigten patriotischen Zweck nicht erreichen, sondern die Bevölkerung nur von friedlicher Arbeit zurückhalten und zu verhängnisvollen folgenschweren Schritten hinreißen. Tie russische Regierung hatte wiederholt Veranlassung, ihre Ansicht über die makedonische Frage auszusprechen, sie verurteilte jeden Versuch der slavischen Stämme, eine gewalt- thätige Aenderung der durch internationale Vereinbarungen garantierten Lage auf der Balkanhalbinsel herbeizuführen. Dieser Ansicht ist die russische Regierung auch gegenwärtig. Angesichts dessen erachtet sie es für zweckentsprechend, von neuem der serbischen und bulgarischen Regierung den wohlmeinenden Rat zu geben, sie auf die Notwendigkeit hinzuweisen, im eigenen Interesse die gefährliche Agitation zu verhindern und zur Wiederherstellung der Ruhe auf dem Balkan ihrerseits beizutragen. Ter unerschütterliche Entschluß Rußlands, möglichen Komplikationen auf der Balkanhalbinsel vorzubeugen, findet die vollste Zustimmung der übrigen Mächte. Tie österreichischungarische Regierung hat nickt verabsäumt, ihren Vertreter in Konstantinopel nach einem Meinungsaustausch mit dem russischen Botschafter zu beauftragen, sich den Schritten des russischen Botschafters bei der Pforte behufs Notwendigkeit unverzüglicher Einführung von Reformen in Macedonien anzuschließen. Zum Schluß kann die kaiserliche Regierung, welche nicht wenig Beweise ihres steten Wunsches, die besten Beziehungen mit der Türkei zu unterhalten, gegeben hat, nicht umhin, die Hoffnung auszudrücken, baß die Regierung des Sultans die nötigen Maßregeln zur Unterdrückung jeglicher Gewaltthätigkeiten ergreifen und die Bedeutung der freundschaftlichen Vorstellungen Rußlands zu Gunsten der christlichen Bevölkerung Makedoniens schützen wird, dessen schnell möglichste Beruhigung al? bestes Mittel erscheint, der Entstehung für die ottomanische Regierung gefährlicher Komplikationen vorzubeugen. — Tie „Birschewija Wjedomosti" betrachten das gestrige Communiqus des „Regierungsboten" als wichtigstes Dokument der letzteren Zeit, daS von internationaler Bedeutung fei Es bedeute Rußlands festes Wort, welches sicherlich weit über dessen Grenze hinaus vernommen würde. Rußland dürfe aus volle Zustimmung anderer Mächte rechnen. Es gehe mit Oesterreich-Ungarn im Sinne der Konvention von 1897 vor. Die Pforte könne nicht mehr in der Hoffnung auf Uneinigkeit und Mißtrauen zwischen den Mächten der Erfüllung ihrer Verpflichtungen ausweichen; sie würde in einem solchen Falle wissentlich Ereignissen, die dem Ottomaneureiche gefährlich würden, entgegensehen.
Parlamentarisches.
— Zweite Kammer der Stände. Der vom Abgeordneten Möllinger erstattete Bericht des Ersten Ausschusses Über die Regierungsvorlage, betreffend den Entwurf eines Gesetzes Über die Abänderung des Gesetzes, die Erhebung der direkten Steuern vom 29. August 1874 gipfelt in dem Schlußantrage, die Kammer wolle den vorgelegten Gesetzentwurf (der die Erhebung der direkten Steuern vom April an in je zweimonatigen Raten vorsieht) annehmen.
Ein weiterer Bericht desselben Ausschusses, erstattet vom Abg. Häusel, empfiehlt Annahme der Regierungsvorlage, betreffend Nachtragsforderung (von 12 800 Mk) zu Kap. 93 „Kriminalkassen" des HauptvoranschlagS 1902/03.
Eine Vorstellung einer Anzahl Oberlehrer betrifft die Regelung ihres Desoldungsdienstalters. Vorstellung einer Anzahl Einwohner in Wörrstadt, betreffend den Reblaus- hero in der Gemarkung Sulzheim. Vorstellung des Heinrich Hartmann IV. in Kölzenhain, betreffend Rückersatz zu Unrecht bezahlter Hundesteuer. Vorstellung einer Anzahl Pfcmdmeister, betreffend Regelung ihres Diensteinkommens. Vorstellung der „freien christlichen" (deutsch-katholischen) Gemeinde in Mainz, betreffend die Vertretung im Schulvorstand der Stadt Mainz. Vorstellung einer Anzahl Wähler in Birkenau, betreffend Protest gegen die Wahl der Wahlmänner in Birkenau im 4. Wahlbezirk der Provinz Starkenburg.
Deutsches Reich.
Berlin, 14. Dez. Zur heutigen Frühsläckstasel bei dem Kaiserpaar im Neuen Palais waren geladen Reichskanzler Graf Bülow und Gemahlin, der Chef des ZivilkabinetS o. LueanuS und Intendant v. Hülsen. Bei dem Frühstück überreichte der Kaiser dem Grafen die Kette des Hohenzollem- ordenS.
— Der Kaiser verlieh dem Staatssekretär deS Innern Grafen v. PofadowSkn die Kette zum Großkreuz des Roten AdlerordenS, dem Staatssekretär deS NeichSschatzamtS Frhrn. v. Thiel mann den Roten Adlerorden 1. Klaffe und dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Frhrn. v. Richthofen den königlichen Kronenorden 1. Klaffe.
Breslau, 13. Dez. Auf eine Anfrage der D elfer Arbeiterschaft beim Kronprinzen, ob er geneigt wäre, s
oet fernem Besucy auf fernem Kronlehen öte Timen er von OelS zu empfangen, die für ihn eine Ovation planten, ist, wie der ,B. G.-A." erfährt, an den Bürgermeister Kallmann folgendes Telegramm eingegangen: ,S. König!. Hoheit der Kronprinz werden bei ihrem Besuch auf Schloß OelS die Arbeiter der Stadt bei ihrer Einfahrt in den Schloßhof sehr gern empfangen. Oberst v. Pritzelwitz."
Dresden, 14. Dez. Der König nahm heute Nach- mitia] an der Familientafel im Restdenzschloffe teil. Der Bronchialkatarrh ist nahezu beseitigt, doch ist der König noch genötigt, auf einige Tage daS Zimmer zu hüten. — Der König richtete folgendes Telegramm an den Reichskanzler Grafen Bülow: Eure Exzellenz beglückwünsche ich herzlichst zur Annahme der Tarifvorlage und zu dem hierbei von Ihnen erzielten großen Erfolg. Georg.
Dresden, 13. Dez. DaS königl. Finanzministerium versendet in den nächsten Tagen an sämtliche deutsche Bahn- verwaltungen eine Denkschrift Über bie Sic form der Eisen- bahn-Personentarife. Angestrebt wird der Wegfall der Rückfahrkarten, die einfache Fahrt soll etwas teurer sein als jetzt die halbe Rückfahrkarte; die Ausfallsicherung erhofft man von der Verteuerung der ersten Klaffe; man erwartet eine Mehreinnahme von Millionen; die Rückfahrkarten nach außer- sächsischen Stationen werden beibehalten. Die gleichzeitig beabsichtigte Verteuerung der Monatskarten ist bedenklich, weil ihre Inhaber im Vertrauen auf deren dauernde Unterhaltung Vorortwohnungen bezogen haben.
Karlsruhe, 13. Dez. Der Gesamtoorstand des nationalliberalen Vereins in Karlsruhe hat in seiner gestrigen Sitzung eine warme Zustimmungskundgebung an die nationalliberale Fraktion des Reichstags beschlossen und an den Abgeordneten Baffermann telegraphisch abgesandt.
Metz, 14. Dez. Die Prinzessin Sibylle von Hessen, Tochter der Landgräfin Anna von Hessen, ist in Metz, wo ihr Gemahl Frhr. v. Vincke in Garnison steht, sehr schwer an Unterleibstyphus erkrankt. Der Zustand der Prinzessin gibt zu schweren Besorgnissen Anlaß. Die Landgräsin von Hessen weilt an dem Krankenlager ihrer Tochter.
Ausland.
Wien, 14. Dez. Ministerpräsident v. Szell trifft heute in Wien ein. Im Kronrat soll angesichts her Fertigstellung des deutschen Zolltarifs nun ein autonomer österreichisch-ungarischer Tarif und Ausgleich selbst fertig- gestellt werden.
Wien, 13. Dez. Tie „Wiener Zeitung" veröffentlicht die Erhebung der Gesandtschaft in Washington Grafen Clary nach Brüssel, und die Ernennung des bisherigen diplomatischen Agenten und General-Konsuls in Kairo zurBotschaft, bie Versetzung des Gesandten in Tresden zum Gesandten in Dresden.
Wien, 14. Dez. Kaiser Franz Josef verlieh dem Reichskanzler Grafen Bülow in Anerkennung seiner Verdienste um die Erneuerung des Trcibundes sein Bildnis. Der Kaiser empfing heute die Ministerpräsidenten v. Körber und v. Szell in längerer Audienz.
9t o m, 14. Dez. Der Papst empfing gestern den deutschen Gesandten in Peking, Mumm v. Schwarzenstein, und wohnte dann mit sämtlichen Kardinalen der Advents- predigt bei.
Paris, 14. Dez. Der Wert der Einfuhr in den ersten elf Monaten dieses Jahres beläuft sich auf Francs 4 008174 000 gegen Frs. 3 974 030 000 im gleichen Zeitraum des Vorjahres, der Wert der Ausfuhr in demselben Zeitraum beträgt Francs 3 849 490 000 gegen Francs 3 651 075 000 im Jahre 1901.
Konstantinopel, 14. Dez. Da in Damaskus die Cholera ausgebrochen ist, und dort ein lebhafter Reiseverkehr mit Beyrut besteht, ordnete der Sanitätsrat für Reisende aus Beyrut ärztliche Untersuchung an. Der Sani- tätsrat erhöhte die Quarantäne für Alexandrien auf sieben Tage.
An meine Neichstagswähler*).
Berlin (Reichstag), den 14. Dezember 1902, Morgend V,6 Uhr.
Gestern und heute (denn die Sitzung des Reichstags dauerte diesmal vom Sa mStag den 13. Dez. morgens 10 Uhr bis Sonntag den 14. Dez. morgens >/,5 Uhr) haben die geschworenen Feinde des deutschen Baueruft an des, die Sozialdemokraten und mit ihnen die Männer von nur Handel und Industrie, Freisinn und süddeutsche Volkspartei, gegen den Zolltarif gestimmt, so wie ihn, Hand in Hand mit der Reichsregierung, die Koalition der Konservativen, der Nationalliberalen und des nunmehr Alles regierenden Zentrums nun richtig auch durchgesetzt haben.
ES war ein eigenes Verhängnis, daß zu der hier oben genannten Gesellschaft der Sozialdemokraten, Freisinnigen und süddeutschen Demokraten, also der heftigsten Gegner der bäuerischen Interessen, diesmal auch die eifrigsten Vorkämpfer und Freunde de8 Bauernstandes, die Männer vom Bunde der Lan dwirte, deS bayerischen Bauernbundes, der beiden deutsch-sozi alen Parteien und folgerichtig auch ich sich zu gesellen veranlaßt waren.
Wir haben also gegen den Zolltarif in der Form gestimmt, wie er nun besteht.
ES veranlaßte unS zu dieser ablehnenden Haltung vor allem der Umstand, daß nach unserer wohlbegründeten festen und ehrlichen Ueberzeugung die Annahme deS Zolltarifs in vorliegender Form einen erneuten Verrat der Parteien am Bauernstände bedeutet.
Denn der neue Zolltarif wird der Landwirtschaft sicher keine höheren Preise ihrer Produkte bringen, ebensowenig wie der fast gleichwertige BiSmarck'sche Zollsatz für landwirtschaftliche Produkte während seiner Geltungsdauer von 1887—1894 dies trotz der damaligen weniger entwickelten VerkehrSverhältniffe vermochte — aber die gleichzeitig um ein Vielfaches erhöhten Jndustriezollc werden ihr zum allerverderblichsten Schaden gereichen, und da meinen wir, es wäre freilich beff« geblieben, so schlimm es schon war, wie seither!
*) Herr Reichstags- und Landtagsabgeordneter Köhler-LanqS- borf überfenbet uns bezüglich feiner Stellung zum Zolltarif mit der Ditte um Abdruck folaenbc Erklärung, bie wir im Wortlaut hier roiebergtben, natürlich ebne un5 irgendwie mit dem Inhalt zu identifizieren. Tie Redaktion.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 15. Dezember 1902.
** Personalien. Durch Verfügung des Großh M- nisteriums der Justiz wurden die Gcrichtsassessoren Wei) und Dr. Möbiusin Gießen mit Wahrnehmung der Dienst. Verrichtungen von Amtsrichtern bei dem Amtsgericht Gießen, der Gerichtsassessor Dr. Everling in Offenbach mit Wahrnehmung solcher bei dem Amtsgericht Nidda, der Gerichtsassessor May in Gießen mit Wahrnehmung der Tienstverrichtungen eines Amtsanwalts bei den Amtsgerichten Gießen. Hungen und Lich beauftragt. Ernannt wurden die Forstaccessisten Eurt Haeberle aus Fri Edberg und Casimir Leo aus Grebenhain zu Forstassessoren.
Hs. Arbeitsnot. Ter plötzlich eingetretene und anhaltende Frost, welcher die Einstellung sämtlicher arbeiten, insbesondere auch die der Kanalisation zur Folxe hatte, beginnt sich auf dem Arbeitsmarkt schon reckt bemerkbar zu machen. Infolge der großen Nachfrage nach Arbeitsgelegenheit von einheimischen Arbeitern — bS Samstag waren schon über 30 gemeldet — beschloß bit Stadtverwaltung auf Grund eines kürzlich durch die Stadt« verordneten-Versammlung gefaßten Beschlusses, wonach be eintretendem Bedürfnis Notstandsarbeiten eingerichtet werden sollten, heute piit der Beschäftigung einheimischer Arbeitswilliger — wobei Saisonarbeiter jedoch vorerst au$- geschlossen sind — zu beginnen. Tie Arbeiter erhalten bti achtstündiger Arbeitszeit einen Tagelohn von 2 Mk.
Pr. Konzertverein. Für das gestrige dritte Kon» zert hatte der Vorstand des Konzertvereins das Frankfurter Museumsguartett engagiert und damit wieder gezeigt, daß er stets bemüht ist, feinen Mitgliedern unb Freunden stets nur die beste musikalische Kost vorzuseften Ein Blick auf daS Programm belehrte un5 übrigens, M in der Besetzung des Quartetts eine Aenderung ein getreten ist, die ihm aber, wie wir sehen werden, durchaus nicht geschadet hat. Herr Professor Heermann ist nach wie vor Primgeiger; an Stelle des Herrn Bassermann hat Herr Redner, von den Kammermusiken in der Aula vorteilhaft bekannt, die zweite Violine übernommen, und Herr Bassermann ist für den wegen Krankheit ausgeschiedenen Herrn Naret Koning an die Stelle des Bratschisten getreten. Do- Cello ist in den bewährten Händen des Herrn Prof. Hugo Decker geblieben. Obwohl diese Veränderung noch nicht lange besteht, so machte es doch den Eindruck, als ob die Herren schon Jahre lang gespielt hätten. Tie Quartette von Mozart, Schumann und Beethoven, die sie gesternzn Gehör brachten und die oft große Anforderungen an sämtliche Mitwirkende stellten, wurden mit einer Bollendung gespielt, die eine Anerkennung seitens he8 Publikums fand, wie man sie selten in Kammermusikkonzerten findet. Dreimaliger Hervorruf lohnte die Künstler nach jedem Quartett. Den Reigen der Vorträge eröffnete ein im Jahre 1782 komponiertes und Haydn gewidmetes Quartett von Mozart, dessen vier Sätze „Allegro vivace asiai", „Menuetto", „Andante cantabile" und „Molto allegro" in ihrer Verschiedenartigkeit ein schönes abgerunbetel Ganze gaben. Das Zusammenspiel war, wie wir schon andeuteten, auSaezeichnet, die technischen Schwierigkeiten wurden glänzend überwunden, und in Bezug auf die dynamischen Vorschriften möchten wir bemerken, daß wir in Gießen, abgesehen vielleicht vom Walter-Quartett, eine so feine Nuancierung im Streichquartett noch nickt gehört haben wie gestern. Namentlich war es da? Pianissimo, das die Herren mit einer ganz erstaunlichen Zartheit zu spi'len verstanden. Das wir von der Wiedergabe deS Mozart'scken Tonstücks sagten, gilt auch von Schumanns teibrnferartuep gehaltenem A-moll-Quartett, das nur in dem kurzen Dxichv Herrn Professor Becker eine dankbare Gelegenheit gab, des Komponisten Schwermut auf seinem Instrument in ergreifender Weise zum Ausdruck zu bringen. Einen würdigen Schluß des Abends bildete Neethoven'S ES-dur-Quartett Opus 74, ein Werk, reich an wunderbaren Schönheiten, zu dessen tadelloser Wiedergabe aber ein Kün stleren semble wie das gestrige gehört. Dir bemerken nur kurz, daß auch dieses Quartett meisterhaft gespielt wurde und dem entsprechend stürmischen Beifall erweckte. Der Pefucn be8 Konzerts hätte besser sein können; in den Stumreiben gab es manche Lücken. Ob daS bevorstehende DeihnachtSfefl daran schuld war? Der kmn'S wissen! .
** Stadttheater. Ludwig Anzengrubers „M e t n • eidsbauer" hatte gestern abend ein sehr gut besetztes HauS zusammengeführt. Als . Vroni", die Hauptdarstellerin des ziemlich düsteren DolkSstückeS, trat Frl. Josephine Rottmann vom Frankfurter Schauspielhaus auf, xte Künstlerin beherrscht den oberösterreichischm Dialekt mtl großer Virtuosität unb sie bewies gestern auch in der gaiuen Ausfassung und Darstellung dieser Partie, daß sie die echten Vvlkstvpen deS TickterS und ihre tiefe Poesie und LebenS- wahrheit in ganz vor^reAlicker Weise zu interpretieren tm stände ist Unsere Künstler und Künstlerinnen hatten tu der Tialektausivracke mit recht fühlbaren Schwierigkeiten zu kämpfen, und auch sonst schwebte über der Aufführung kein besonders günstiger Stern, sodaß wir über die Einzelheiten näheres zu berichten nicht für angemessen halten. Hoffen wir, daß wir bei den bevorstehenden Neuaufsuyv- ungeu recht viel des Guten zu berichten haben werde»!
eage Darum Reiner, man nane ,oas TOenl;e nehmen^ sollen, waS sich uns darbot! Ja, wenn „b® Wenige" an landwirtschaftlichen Zollerhökmngen „nch mei- nicht auch gleichermaßen mit einem „vielfachen des Wi nigen geben" an den Jndnftriezollerhöhungen Verbunds gewesen wäre! — — —
So bot sich unS denn aus dieser politischen Gesellschaji in der unS zu befinden freilich „in der Seele weh tljut' kein AuSweg. Der politischen Einsicht unserer Wähler ebrt vertrauen wir, vertraue ich insbesondere, daß sie unsere Be- weggründe verstehen und daher unsere, speziell hier m ine Abstimmung gegen den Zolltarif in dieser Form guthetzen werden.
Möge fürderhin unser Bauernstand immer mehr au- feinem Jahrhunderte langen Schlafe endlich sich auftaffen.ba- mit endlich einmal auch ihm der Lohn seiner Arbeit züeil werde unb der Baue rn krieg deS 20. Jahrhun be p, der mit dem heutigen Datum begann, ba sich geigt', daß mehr als zwei Drittel der öffentlichen Gewalten, o<r- leitet durch bie Irrlehren moderner Smith-, Ricardo-, Man- scher Nationalökonomie, dem Bauernstände feindlich gegei« überstehen, dem Stande der deutschen Bauern zu gut, u siegreichem Ende für ihn selbst und damit bas ganze deutsye Volk unb Vaterland geführt werbe.
Köhler,
Mitglied des Reichstags.


