Nr. 294 trfeint täglich aufter Sonntag».
Cem (Siebener Anzeiger verden im Wechlel mit ,em 6e|fl1d)en Landwirt nr Stehrner ZamUien- ilätttr viermal in der Woche beiqelegt.
^oationsdruck u. Der- loo der Brüh l'lchen Ürverl.-ibucb' u.Stein- brdevei(tiie(ld)(iiben) Ftoahion, Ervedltwa und Drnckeret:
Schalftrabe 7.
Drelle füt Depeschen: Anzeiger Sieben.
^rnltirrd)anfd)hi69ir.51.
Zweites Blatt.
152. Jahrgang
Montag 15.Dezember LSOS
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger v
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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Valitische Tagesschau.
Der Bund der Landwirte kündigt die Freundschaft.
Der engere Vorstand des Bundes der Landwirt- Hat an die Wahlkreise und Bezirksvvrsitzenden, sowie an die Vertrauensmänner des Bundes ein Rundschreibe n gesandt, dessen Wortlaut die „Disch Taaesztg." veröffentlicht und in dem es heißt, daß der Bund auf ein weiteres Zusammengehen mit denjenigen politischen Parteien und Abgeordneten verzichten müsse, welche ihre wichtigsten Ziele durch Annahme des Antrages Kardorff preisgeben.
Auf dieses Rundschreiben antwortet die „Kreuzzeitung" u. a.: „Wenn der Vorstand des Bundes in dem Rundschreiben einen Kampfruf gegen die Mitglieder der konservativen Partei erläßt, die aus gewissenhafter Ueberzeugung der Landwirtschaft und dem Gemeinwohl dadurch am besten zu dienen glaubten, daß sie der Verständigung in der Zoll- tarisfrage beitraten, so stehen wir dieser Kundgebung gelassen gegenüber. Wieweit dieser Kampfruf wirksam sein wird, hängt nicht allein von dem engeren Vorstände, sondern vielmehr von der Mitgliedschaft des Bundes der Landwirte ab. £6 diese in überwiegender Zahl geneigt sein sollte, einen Brucb mit der konservativen Partei cmtzuheißen, wird vor- läusig in Ruhe abgcwartet werden können."
Bennigsen-Denkmal.
Der Ausschuß der Deutschen ^oloni.alsesetl''^aft hat in seiner Sitzung am 5. Dezember beschlossen, das Andenken des verewigten Ehrenmitgliedes der Gesellschaft Rudolf von Bennigsen dadurch zu ehren, daß sowohl aus Gesellschaftsmitteln zu den Sammlungen für das Denkmal in '"-nnover ein Beitrag von 500 Mk g währt, ab auch an bi- Abteil-
J>le heutige Kummer umfahl 12 Seiten.
Z>er letzte Kampf!
Endlich, nach jahrelangem harten ’ tgen, ist die Ent- । fheidung über die Zolloorlage gefallen und zwar zu einer ' Lchst ungewohnten Stunde, am Sonntag früh zwischen 4 > mb b Uhr morgens nach einer 18 l/t stündigen, ununter, frochenen Sitzung, wie wir bereits am Sonntag früh durch ■ txtrablütter in der Stadt bekannt gegeben haben. Hebet Jen Verlauf dieser letzten, denkwürdigsten Sitzung schreibt unS mser parlamentarischer Mitarbeiter unterm 13. Dezember: Den Grafen Bülow wird man in keinem Punkte mit -em klastischen Bösewicht Franz Moor vergleichen können — außer in dem einen, daß auch er von sich sagen kann, *t Hobe sich nie mit Kleinigkeiten abgegeben. Dies Erfasten rur der großen Momente hat dem Reichskanzler beim Zoll- arif den Erfolg gebracht. Denn hätte sich Graf Bülow an )en wechseloollen Gefechten persönlich beteiligt, hätte er in bet Zollkommission die Reihe zugespitzter Erklärungen abgegeben, womit Graf Posa dowskp „betraut" war' so würden ?mfte Mißhelligkeiten unausbleiblich gewesen sein. Der viel- zewandte und erfahrene Diplomat ließ die Parteien zunächst intet sich Abrechnung halten, ließ „die Leute ausreden", und ÜS die Verwirrung und Ratlosigkeit der Zollfreunde am höchsten, da öffneten sich weit die Thüren des Kanzlerpalais ien Verständigung Suchenden. Derselbe feine Schachzug wie bei der Erneuerung des Dreibundvertrags ist auch beim Zolltarif in Anwendung gebracht worden: Graf Bülow ließ in Zeitungsunterredungen durchblicken, der neue Tarif fei — .keine absolute Notwendigkeit". Und diese anscheinend kühle Verzichtleistung that ihm Dienste: die Gegenpartei verlor «uffallend rasch ihre Sprödigkeit und Sperrigkeit, und wenn Siner sagt: Ich thue dies und das unter keinen Umständen, man kann aber einmal darüber reden — bann ist er chon halb gewonnen. . .
Als Graf Bülow heute dem Reichstag die Zustimmung 5et Verbündeten Regierungen zu den Beschlüsten zweiter Lesung verkündigte, in aller Form dem Bund mit der Zollmehrheit den Segen erteilte, da mag ihm der Gedanke durch Den Kopf gegangen fein, daß auch ein Parlament zu lenken, nicht allzuviel Weisheit bedarf, daß es für den leitenden Staatsmann mehr auf die Kunst deS AbwartenS anfonnnt, bis die Frucht schüttelreif ist. Die äußerste Linke hielt sich für verpflichtet, einen Demonstrationsversuch gegen die Regierung in Szene zu setzen; Graf Vulow fand für die lärmenden Protestrufe und Unterbrechungen eine Antwort, die sehr wirksam an den Anstand appellierte.
Trotzdem konnten es sich die Abgeordneten cholerischen Temperaments unter den Sozialdemokraten nicht versagen, der Hoffnung BÜlowS, der Zolltarif werde dem Vaterlande zum Segen gereichen, mit dem grimmigen und dramatischen Rus zu erwidern: „Zum Fluch deS Vaterlandesl" Dann that Frhr. o. Wangenheim, der Führet deS Bundes der Land- wirte, in feiner trockenen Weife dem Haufe kund und zu wisten, daß und roarum die .entschiedenen" Agrarier der Zolltarisoorlage die Genehmigung versagen. Niemand erfuhr durch diese Rede etwas neues.
Im weiteten Verlaufe der Diskussion schien es, als ob die Geister sich beruhigt hätten. Es ereignete sich nichts Ungewöhnliches, auch nicht während der Rede des Abg. Richter (frf. Vp.), der manch Körnlein .Pfeffer und Salz" ein ft reute. Eine .unkluge und unheilvolle That" nannte Richtet daS Tarifwerk. Die Szene änderte sich, als Abg. Dt. Barth (frf. Vg.) zum Worte kam. Et sandte seine Pfeile so hageldicht zum Regierungstische hin, daß Graf Bülow sich genötigt sah, nochmals auf den Plan zu treten. Es war ein in seiner Art glänzendes Rededuell. Dr. Barth focht eS aus mit den Waffen haarscharfer Dialektik und schneidenden Hohnes, Graf Bülow parirte mit dem Florett eleganter Satyre. Et kennzeichnete den Führet der Freisinnigen Vereinigung als einen „schlechten Propheten", der noch vor Kurzem das Zustandekommen des Tarifs unmöglich genannt, sich also gründlich geirrt habe; der behaupte, Handelsverträge würden mit diesem Tarif nicht zustande kommen, und sich damit wiederum irren werde. Er, der Reichskanzler, könne das Ausland nur warnen, den Schilderungen des Herrn Dr. Barth Glauben zu schenken. Die Mehrheitsparteien spendeten dem Staatsmanne, der zudem nicht verabsäumt hatte, des Patriotismus der Zollfreunde an- erkennend Erwähnung zu thun, tosenden Beifall, und Abg. Dr. Paa sch e (ntl.) spann den Bülow'schen Faden munter weiter, unbekümmert um die geräuschvollen Unterbrechungen von Seiten -der Tarifgegner.
Mit allem Nachdruck vertrat deren Standpunkt nochmals per volksparteiliche Abg. h a u ß m a n n-Böblingen. Er bezeichnete die Zolldebatten drastischer Weise als „Komödie", was Vizepräsident Büsing alsbald rügte. An regelrechten Ordnungsrufen setzte es außerdem em oollgerüttelt Maß. Die Taschen füllen", „dem Volk das Fell über die Ohren ziehen" — diese und andere „Aufrichtigkeiten" wurden dem Zollkartell entgegengeschleudert und Zug um Zug vom Präsidenten geahndet. Graf Bülow blickte, die Arme über der Brust gekreuzt, gleichmüthig in daS Gewirr. Seine Mienen drückten unverkennbar aus, daß er keine Neigung habe, sich nochmals an der Debatte zu bctciliaen. Tocb leichten Kaufes
sollte das Zollkartell nicht davon kommen. Immer neue Anträge zur Spezialdiskustion brachte die Linke ein, immer neue namentliche Abstimmungen herbeiführend, wobei sich die starke Prüfung — durchschnittlich 325 — herausstellte. Auch eine ausführliche Rede über und gegen die Erhöhung deS Braugerstenzolls schenkte Abg. R o es icke-Destau (freif. 93er.) der Direktor der Schultheißbrauerei, dem Hause nicht. So rannen die Stunden dahin. Allmählich bemächtigte sich Unruhe der Herren von der Mehrheit; eS wurden starke Zweifel laut, ob man heute zu Ende kommen werde, als Abg. A n- trick (Soz.), mit einem großen Aktenbündel bewaffnet, ans Rednerpult trat. Eine Dauerrede hatte man in diesem Stadium der Beratung wohl nicht erwartet. Doch Herr Antrick machte einen dicken Strich durch die schönen Berechnungen der Zollkompromißler . . .
Um y2ö Uhr nachmittags hatte Herr Antrick seine Rede begonnen, und er sprach noch um halb sieben, halb acht, ja um halb elf begründete der Redner noch immer ohne äußere Spuren von Ermüdung seine Anträge. Um halb rwölf Uhr verbreitete sich auf der Tribüne das Gerücht, dem Grafen Posadowsky sei inzwischen der Bart am Tische festgewachsen — aber glücklicherweise war das nur eben ein „Gerücht", das viel Heiterkeit erweckte. Um Mitternacht trat eine allgemeine Unruhe im Saale ein. Aber Herr Antrick sprach weiter. Lärmende Rufe auf der Rechten, die den Redner auffordern, lauter zu sprechen, und ein entrüstetes Echo auf der äußersten Linken nötigen den Präsidenten, Ruhe hüben und drüben zu heischen. 7i/2 Stunden dauert die Rede schon und kundige Leute suchen Sd)reden mit der Mitteilung zu verbreiten, daß Antrick- Zigarren 10 Stunden kohlen. Die Unruhe wird stärker und der Präsident mahnt vergeblich zur Ruhe. Es sei seine Pflicht, setzt er wie zur Entschuldigung hinzu. Ein Ordnungsruf, der den Redner hin und wieder ereilt, giebt erfreuliche Kunde von der unausgesetzten Wachsamkeit des Präsidenten, die sich auch durch einen Ruf zur Sache be- thätigt, als der Redner sich auf das Koalitionsrecht der Arbeiter ausführlich einzugehen Miene macht. Um halb eins, nach achtstündiger Rede, endlich schließt der Redner unter Händeklatschen der Genossen und Herr Spahn kann seinen Schlußantrag stellen. Murren bei der Mehrheit, als Herr Dinger die namentliche Abstimmung darüber herbeiführt. Mit stockender Stimme, der man die Anstrengung des Tages und Mends anmerkt, muß Graf Ballestrem um Ruhe bitten. 308 Volksvertreter beteiligen sich an der Abstimmung, deren Resultat in dem Schluß unseres Reichstagsberichtes im ersten Blatte zu ersehen ist.
5>er KonffiLL mit Venezuela.
Tie Lage in Venezuela ist ernst, lehr ernst. Nach einem gestern in Berlin eingetroffenen Telegramm des deutschen Geschäftsträgers v. Pilgrim aus Port of ©bain vom 10. b. M. war ihm an biefem Tage bie vom 9. d. M.datierte, in allen Punkten ablehnende Antwort des Präsidenten Castro auf das am 7. d. M. überreichte Ultimatum zugegangen. Sehr bemerkenswert ist eine von zuverlässiger Stelle aus Rom stammende Mitteilung, daß Italien beabsichtigt, gleichfalls Ansprüche an Venezuela zu erheben und sich mit zwei Kriegsschiffen, an den Operationen zu beteiligen.
Heber die Lage in Venezuela liegen heute folgende Meldungen vor: Ein Newyorker Telegramm des .^Lokalanz," besagt, daß man in Washingtoner Regierungskreisen die Ausrichtigkeit des Schiedsgerichtsvorschlages seitens des Präsidenten Castro bezweifelt. Er benutze vielleicht die Gelegenheit, um eigene Ansprüche, so gegen die Orinoco Steamship Co., vorzubringen. — Tie Londoner „,St. James-Gazette" will aus Regierungskreisen erfahren haben, daß England Vorbereitungen treffe, um seine Ansprüche an Venezuela einem Schiedsgericht unter gewissen Bedingungen zu unterbreiten. Zwei derselben seien, daß daß Venezuela 30 000 Dollars anzahle als Beweis seiner bona fides, und daß es während der Verhandlung die Zölle durch den Schiedsrichter kontrollieren lasse. Die Haltung Deutschlands sei noch unbekannt, doch schwebe ein Meinungsaustausch zwischen London und Berlin.
Tie Londoner Presse schiebt fortgesetzt die Vernietung der venezolanischen Flotte Teutschland in die Schuhe und stellt sich entrüstet über die sogenannten deutschen Methoden. Die Blätter sprechen davon, daß Venezuela aus der Vernichtung seiner Flotte eine Gegenforderung herleiten könne. Nach Washingtoner Meldungen soll übrigens die Union von der Aussicht, in dem Streitfälle den Schiedsrichter spielen zu müssen, nicht besonders begeistert fein. Tas amerikanische Kabinett befurchtet auch^ daß, wenn England und Teutschland sämtliche Zölle beschlagnahmen, Frankreich dagegen protestieren werde.
In den Ultimaten, die die Vertreter Deutschlands und Englands überreichten, ehe sie Caracas verliehen, wird Venezuela aufgefordert, die Berechtigung der aus dem letzten und den früheren Bürgerkriegen entstandenen Forderungen anzuerkennen und sich bereit zu erklären, die Entschei- düng einer gemischten Kommission, die über die Forderungen befinden soll, anzunehmen. Gleichzeitig wird in dem Ultimatum angekündigt, daß die deutsche und englische Regierung gemeinsam vorgehen würden, um Befriedigung ihrer Forderungen zu erlangen. Tas Ultimatum Deutschlands erwähnt außerdem die heftigen Ausdrücke und die herausfordernde Art, in welcher seitens Venezuelas der auf die Forderungen bezügliche Schriftwechsel geführt wurde.
Aus La Guayra, 13. Tez. wird noch berichtet: Der englische Dampfer „Topage" wurde am 10. Dez^. von der Bevölkerung von Puerto Cabello beschlagnahmt, am
13. Dez. aber wieder freigegeben. Die deutschen Schiffe „if^aHe" und „Panther" sowie das amerikanische Kmionenboot „Marietta" sind hier eingetroffen. Tas deutsche Kriegsschiff ,Mneta" nahm daS venezolanische Kanonenboot „Restau- rabor", als es Guanta verließ. Eine aus Kaufleuten von Caracas bestehende Kommission stattete im Auftrage Castros Besuche an Bord der Kriegsschiffe „Charybod", „Charyb- dis" und „fißineta" ab.
In Washington hatte Präsident Roosevelt und Staatssekretär H a y am 13. d. M. eine Besprechung in Betreff der venezolanischen Angelegenheit. Beide sind der Ansicht, daß, wenn nicht unerwartete Verwicklungen eintteten, die Vereinigten Staaten sich in den Streit nicht ernstlich mit hineinziehen lassen sollten.
Ter Höchstkommandierende der deutschen Kriegsschiffe an der Küste von Venezuela, Kommodore und Kapitän z. S. Georg Scheder, gehört, wie Berliner Blätter mitteilen, der Flotte seit dem Mai 1870 an. Am 14. Juni 1877 wurde er zum Oberleutnant befördert. Nach einer Weltumsegelung an Bord der Fregatte „Elisabeth" 1882/83 besuchte er die Marine-Akademie in Kiel, während welcher Zeit auch feine Beförderung zum Kapitänleutnant (am 14. März 1885) erfolgte. Zu Anfang der 90er Jahre wurde er ins ReichS- Marineamt berufen, um als Dezernent in der Militärischen Abteilung thätig zu fein. Während dieser Tienstfunktion erfolgte seine Beförderung zum Korvettenkapitän Ende 1891. 1893 bis 1895 war er Kommandant des KreuzerS „Bussard" auf der australischen Station. Tann wurde er wieder zu den Zenttalbehörden der Marine versetzt, um in dem damaligen Oberkommando der Marine zu wirken. 1897 zum Kapitän z. S. befördert, würde er Kommandant des Linienschiffes „Bayern", das er bis zum Jahre 1899 befehligte. Sodann übernahm er die Stellung des Chefs des Stabes auf der Nordfeestation, die er im Herbst dieses Jahres abgab, um die deutschen Seestreitkräfte auf der amerikanischen Station unter seinen Befehl zu nehmen.
Tie gesamte Macht, welche von den Verbündeten gelandet werden kann, belauft sich auf tausend Mann. Falls Verstärkungen erforderlich sind, würde England mit den westindischen Garnisonen am schnellsten zur Stelle fein. Wenn Präsident Castro die natürlichen Vorteile des Geländes benutzt und La Guayra von. der Landseite besetzt, kann er erhebliche Schwierigkeiten bereiten, da die Höhenzüge Schutz gegen ein Bombardement von den Schiffen gewähren und der Versuch, den Landkordon zu durchbrechen, bei geordnetem Widerstand schwere Verluste im Gefolge haben müßte. Tie effektive reguläre venezolanische Armee zählt ca. 5000 Mann; davon ist die amerikanisch ausgebildete Artillerie die Kerntruppe; sie besitzt einige Geschütze, leidet aberMangel an Munition. Tie amerikanischen Meldungen von dem Eintritt großer Scharen Freiwilliger sind übertrieben, nominell wurde die Einberufung aller Waffenfähigen zwischen 18 und 50 Jahren 100 000 Mann ergeben, in Wirklichkeit ist an eine solche Zahl nicht zu denken. Selbst wenn bie Revolutionären zu Castro übergehen sollten, würde er ins- gesamt kaum mehr als 10000 Mann besitzen, die Mehrzahl davon schlecht bewaffnet und undiszipliniert. Nach Meldungen aus La Guavra wurden General Ferrers Trupvep auf den Anhöhen hinter der Stadt twrch 1500 Freiwillige aus Caracas verstärtt. Die Defensivpositionen hinter der Stadt werden verstärkt, und alle Munition ist aus den Forts Lavigia und San Carlos fortgeschafft. Alle Kohlenvorräte in der Flottenwerft und alle den Engländern gehörigen Waggons der La Guayra-Bahn wurden nach Caracas geschafft, um weiteren Truppentransport der Europäer per Bahn zu verhindern. In Caracas hält man die Lage für kritisch, und glaubt, daß Krieg bevor steht. —, Kenner des Landes halten eine Kriegsführung, im Innern des Landes für überaus schwierig, wenn auch die sog. venezolanische Armee schlecht ausgerüstet und nicht sehr zahlreich ist. Ern Privattelegramm meldet uns:


