Ausgabe 
15.12.1902 Drittes Blatt
 
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152. Jahrg.

Montag, 15. Dezember 1902

Nr. 294

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zweiter Lesung galten. Diese

werden. , . ,. . ,

Tie verbündeten Regierungen geben sich der Hoffnung hm, Daß dieses hohe .frauS durch seine Beschlüsse in dritter Lesung zwischen Bundesrath und Reichstag volle Einigung herbeifuhren und damit dem großen Werk der Tarifreform zum Segen dcS Vaterlandes sLachen b d. Soz.) (mit erhobener Stimme) zum Segen des Vaterlandes Vollendung und Abschluß sichern wird sLebh. Bei­fall b. d. Mehrheit, Lachen b. d. Soz. Abg. Ulrich (^oz.) ruft laut: Zum Fluche des Vaterlandes I) .

Abg Frhr v. Wangenheim (fonf., bei der im Hause herrschen­den Unruhe sehr schwer verständlich): Was hier für die Landwirt­schaft beschlossen wird, genügt zu deren Schutz keineswegs Die Mehrheit hat unsere Anträge, die sich durchaus m maßvollen Grenzen bewegten, abgelehnt. Die Beschlüsse der zweiten Lesung blieben weit hinter unseren berechtigten Forderungen zurück; tote der Tarif aber jetzt gar beschlosien werden soll, ist er nur geeignet, die Landwirtschaft schwer zu schädigen. Und die Landwirtqscqaft ist das Fundament des Staates, sie ist das einzige Bollwerk gegen die Sozialdemokratie. Einen Tarif, der die Interessen der Land­wirtschaft in dieser Weise hintansetzt, können meine Freunde nicht gutheißen. Wir werden daher gegen chn stimmen. (Vereinzelter Beifall rechts.)

Abg. Richter (fteis. Vp.):Da kriegst Tu die schwere Noch?" Diese volkstümliche Redewendung ist, tote mir erzählt wurde, zu Anfang des vorigen Jahrhunderts in der ftanzösischen Zeft in West­falen, als ein Gesetz dem andern, eine Verordnung der andern folgte, abgeändert worden; man sagte damalsDa kriegst Du die Provisorische!" So könnte man auch jetzt sprechen. Es ist ein Jrr- tbum, anzunehmen, daß mit Annahme des Tarifs für Handel und Gewerbe gesicherte Verhältnisse entstehen werden. Diese Vorlage wird ja gerade damit vertheidigt, daß sie nur ein Provisorium dar­stellt. Wie die Dinge liegen, haben wir jetzt noch 4 neue Ab­schnitte der Unsicherheit zu ertocrrten. Das ist die Erbschaft der seit 1897 von Miquel inszenirten Wirtschaft. Bevor dieVerständi­gung" erfolgte, konnte man nur von 2 Abschnitten sprechen: von den Verttagshandlungen und der Erledigung der Verträge im Par­lament. Jetzt sind noch 2 andere Phasen in Aussicht genommen. Schon spricht man von einer Novelle, die das, was mißgestaltet ist an dem Marmorblock, verschönern soll. (Heiterkeit.) Diese Novelle muß noch vor Inkrafttreten des Tarifs eingebracht werden, wenn

Verantwortlich für den allgemeinen tett: P. Wittko; für den Anzeigenteil: H. Beck.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersitälsdruckerei (Pietsch Erben), Gießen.

verttäge vorlegt? Dann wird man sagen können: Rechter Hand, linker Hand Alles vertauscht. Dann wird man auf der rechten Seite selbst die Unterstützung der Sozialdemokratie nicht ver­schmähen und ihr zurufen: Samicl hielfl (Sehr gut! links.) Die agrarische Fronde ist stärker, als man zugeben will. Fahren Sie nur io fort, ihr zu willfahren, dann werden wir bald im ganzen Reiche zu Zuständen kommen wie in Mecklenburg (zum Reichs­kanzler) Ihrem Heimathslande. (Heiterkeit, in die auch der Reichskanzler lebhaft einstimmt.) Dann werden nur noch die Agrarier zu dekretiren haben und auf die Arbeiter, die Hand­werker, für die die Diätenlosigkeit ohnehin gleichbedeutend ist mit der Entziehung des passiven Wahlrechts (sehr richtig! links) wird überhaupt nichts mehr gegeben werden. Es ist die Rede gewesen von vaterländischen, von nationalen Interessen! Wenn man eine Frage nicht für sich durchschlagend zu begründen versteht, dann er­klärt man sie für eine nationale Frage! Diese Vorlage paßt zur Weltpolitik wie die Faust aufs Auge! (Sehr richtig!) Gerade aus nationalen Gründen bekämpfen wir diesen Tarif. (Beifall links.) . t

Abg. Gknnp (Reichv) Verliest eine längere Erklärung, in bet im Wesentlichen Folgendes ausgeführt wird: Die Reichspartei er­blickt in der zugestandenen Bindung der Braugerste keineswegs eine genügende Entschädigung für das, was bet Landwirthschaft im Uebrtgen entzogen wird. Wenn sie gleichwohl dem Gesetz zustimmt und auf eine Erweiterung desselben verzichtet, so thut sie es aus folgenden Gründen: 1. Die systematische Obstruktion der Sozial­demokraten, untersttitzt durch die Freisinnige Vereinigung, legt allen Denen, die die Würde des Reichstags, das Ansehen der deutschen Volksverttetung wahren und unser Vcrfassungsleben nicht in Ge­fahr bringen wollen, die Pflicht auf, den Willen der großen Mehr­heit zur Geltung zu bringen und auf toeitergehende Einzelwünsche zu verzichten. 2. Durch die Annahme der Vorlage giebt die Reichs­partei ihre Auffastung keineswegs auf; sie wird sie bei der Be- rathung der Handelsverträge zur Geltung bringen und ist ent­schlossen, letztere abzulehnen, wenn sie den Interessen der Land- wirthschaft nicht genügen. 3. Die Solidarität der Interessen von Jndusttie und Landwirthschaft kommt in dem neuen Tarif immer­hin noch mehr zum Ausdruck, als in dem alten. 4. Die Erhöhung der autonomen Sätze für Getreide ist gleichfalls von großer Wichtig­keit. Aus diesen Gründen wird die Reichspartei für die Annahme des Anttags Herold und des ganzen Tarifs eintreten. '

Abg. Molkenbuhr (Soz.) macht der Regierung den Vorwurf der Inkonsequenz, da sie jetzt das acceptire, was sie früher für un­annehmbar erklärt habe. Gerade der Punkt, in dem die Regierung nachgegeben habe, ist von größter Bedeutung: die Preisgabe der Braugerste wirft nach dem Urtheil der Fachleute verheerend auf unsere Brauindustrie; vor Allem werden die vielen Heinen Brauer auf das Schwerste geschädigt. Jndesien: was will diese Einzelfrage besagen gegenüber der Schädigung des ganzen Volkes durch den Tarif? Der Tarif soll angeblich der nothleidenden Landwirthschaft helfen und die nationale Arbeit schützen. Aber den eigentlich Noth­leidenden der Landwirthschaft, den Landarbeitern, wird nicht ge­holfen, und diejenigen, die die nationale Arbeit wirklich leisten, die Industriearbeiter, werden nicht geschützt. Redner wendet sich hierauf gegen das Zentrum, das mit größer Emphase die Eisen- und andere Rohstoffkartelle bekämpft habe, hier dagegen die Kartelle durch hohe Schutzzölle begünstige. Die Kommissionsbeschlüsse seien zum großen Theil direkt kulturfeindlich. TaS gelte insbesondere von dem Zoll auf Pflastersteine. Hierdurch würden die Wegebauten in maßloser . Weise erschwert werden. Die Vermehrrmg guter Wege und Straßen

°"dcn'Reichskanzler zu ersuchen, vor Erneuerung der bestehende Tarifverträge ba§ vertragsmäßig oder herkömmlich bestehende Meislbegünstigungs-Verhältniß zu allen denfemgen Landern zu losen, von welchen in Bezug auf die Zollgesetzgebung und auf die zollamtliche Behandlung deutscher Waaren die volle Reci- ^Di^Abg?^^ ck'u n*bte n. (Ctr.) beantragen, der Reichs­tag wolle an Stelle der obigen Resolution beschluhen:

den Reichskanzler zu ersuchen, thunlichst bald, wenn möglich noch vor Erneuerung von Tarifverträgen das vertragsmäßig ober herkömmlich bestehende Meistbegünstigungsverhallnih zu allen denjenigen Ländern zu lösen, bei welchen die Erfahrung gezeigt hat daß ein solches Verhältniß den deutschen Interessen nach- theilig gewesen ist, und darauf hinzuwtrken, daß mit solchen Ländern reine Meistbegünstigungsvertrage nicht mehr abgeschlossen

^ie^bgg. Albrecht und Gen. (Soz.) beanttagen fol­gender in der Kommission bereits gestellten, dort aber abg.lehnten Resolution die Zustimmung zu ertheilen: . , r.. ...

den Reichskanzler zu ersuchen, einen Gesetzentwurf baldigst vor­zulegen, durch den untersagt toirb, m Straf-, Versorgungs- und0Beschäftigungsanstalten, welche aus öffentlichen Mitteln unterhalten ober unterstützt werden, andere gewerbliche, Ar­beiten als solche für den eigenen Bedarf, für den Bedarf des Reichs, eines deutschen Staats ober Gememdeverbandes au-- aufüüren und den Verkauf gewerblicher Erzeugnisse für eigene Rechnung, für Rechnung des Reichs, eines deutststen Staats ober eines Gemeinbeverbanbes zu nichtigeren, als den martimafeigcn %*' KiiUin'Tu Tag°-°°dnung bemerkt zur

den Beschlüssen des Reichstags endgiltig zu entschltehen hat. toenn diese fertig vorliegen, so kann ich schon letzt erklären, daß die ver­bündeten Regierungen de mZoll tat i f t n De r nunmehr vorliegenden Fassung ihre Zustim­mung Tu geben beteit f i n D. Ich bin gleichzeitig in der ' Lage, aussprechen zu können, daß die A e n d e r u n g e n .welche in dem (äntrourf des Z ° l l t a r i I g - I - tz - s Mtgenonnnen werden sind, das Einverstandniß des Bundesraths finden werden (Lachen links), mit alleiniger Ausnahme der zum zweiten Absatz des § 1 gefaßten Beschlüsse (Mindestzolle). Insbesondere darf ich voraussetzen, daß die verbündeten Regierungen ernste Be­sorgnisse, zu welchen die zu § 10a beschlossene Einschränkung des Besteuerungsrechtes der Gemeinden nut Ruckst^ schwierige finanzielle Lage eines großen Theils derselben Anlaß giebt, zurücktreten lassen werden, nachdem der 3eitpunft für baS Inkrafttreten dieser Bestimmung bis zum Jahre 1910 hmcrus- gerückt worden ist. (Lachen links.) Ebenso kann ich in Aussicht tellen daß die verbündeten Regierungen im Jntereße einer ver­besserten und gesicherten Fürsorge für die Hinterbliebenen der arbei­tenden Klassen (Gelächter bei den Sozialdemokraten) dem tz 11a, betreffend die spätere Einführung einer Wittwen-und Waiserversor- gung zustimmen werden. (Lachen links, Beifall bei den Mehrheits- Parteien.) Die verbündeten Regierungen gehen hierbei von der Erwartung aus, daß auch bei Einführung dieser weitgehenden sozial­politischen Maßregel innerhalb der durch den tz 11 a für bte Be- theiligung des Reiches festgelegten finanziellen..^enzene'nedie wirtschaftliche Entwicklung der Einzelstaaten berücksichtigende Rege­lung der Reichsfinanzen möglich fern und hierzu der Reichstag seine wirksame Mithilfe nicht versagen wird. .

Der einzige hiernach noch verbleibende D i f f e r e n z P u n k t zwischendenverbündetenRegierung enu nd den Beschlüssender 2. Lesung, die Erhöhung und Erweiterung der Mindestzölle im § 1 Absatz 2 des Zolltarifgesetzes, soll durch den dem hohen Hause vorliegenden Anttag Herold uiü) Gen, beseitigt werden Nach diesem Anttage sollen Mindestzolle für P^rbe, Vieh und Fleisch nicht festgesetzt, die Mindestzölle für Roggen, Weizen und Hafer auf die in der Regierungsvorlage vorgeschlagenen Satze zurückgeführt, endlich ein Mindestzollsatz von 4 Mk^ für Malzgerste unter Wegfall eines Mindestzolles für andere Gerste etngefuhrt werden. Namens der verbündeten Regierungen kann ich schon jetzt das E i n v e r st ä n d n i ß derselben nt t t d .es em Anträge erklären. Die Verbündeten Regierungen sind nicht Der Meinung, daß sie sich mit der Zustimmung einer Erhöhung des Mindestzolles für Malzgerste von 3 auf 4 Mk. m Widerspruch setzen mit dem ablehnenden Standpunkt, den fie gegenüber Anträgen auf Erhöhung oder Erweiterung der Mindestsätze des Entwurfs haben einnehmen müssen. Die Erklärungen der verbündeten Regierungen bezogen sich auf Gerste im Allgemeinen.(Lachen und großer Lärm bei den Sozialdemokraten, Glocke des Präsidenten.) Ich Pflege Sie (zu den Soz.) immer sehr ruhig anzuhoren. Herr Bebel selbst wird nicht bestteiten können, daß ich mich während seiner vorgestrigen, langen, hier und da ziemlich polemischen Rede eines ganz ruhigen und sehr anständigen Verhaltens befleißigt habe (Lachen bei den Sozialdemokraten, große Unruhe), ich würde Ihnen dankbar sein, wenn Sie dieselbe Haltung einnehmen wollten was dem Einen recht ist, ist dem Andern billig! Ich habe ebenso gut das Recht, gehört zu werden, wie Sie. (Lebhafter Beifall bei der Mehrheit, Lärm bei den Sozialdemokraten, Glocke des Präsidenten.)

Präsident Graf v. Ballestrem: Ich möchte dringend bitten. Den Herrn Reichskanzler nicht zu unterbrechen. (Lärm bei den Sozial­demokraten und Zurufe: Wir lachen ja nur.) .

Reichskanzler Graf v. Bülow (fortfahrend): Malzgerste ist eine ausgewählte, wesentlich werthvollere Waare wie Futtergerste. Wenn daher aus dem Gesammtzolltitel der Gerste die im Preise wesentlich höher stehende Malzgerste herausgenommen und besonders verzollt wird, so handelt es sich thatsächlich um eine andere Waare als die­jenige, auf die sich die früheren Erklärungen bezogen. Der werth- volleren Malzgersle einen höheren Zollschutz zu gewahren, erscheint deshalb sachlich durchaus gerechtfertigt. Was die Unterscheidung von Malzgerste und Futtergerste betrifft, so waren die verbündeten Regierungen bei Abfassung des Zolltarifs der Ansicht, daß eine zolltarisarische Unterscheidung nicht möglich sein werde. Weitere Ermittelungen und Erwägungen haben die verbündeten Regie­rungen aber davon überzeugt, daß eine verschiedene Verzollung der­art möglich sein wird, daß Unterschleife ausgeschlossen sind und ins­besondere Gerste, welche als Malzgerste verwendet werden soll, als solche zur Verzollung gelangen wird. Was die Verzollung Der Futtergerste betrifft, so wird bei den Vertragsverhandlungen den berechtigten Interessen der Landwirthschaft Rechnung getragen

richtig l links.)

Die Erklärung des Reichskanzlers in Betteff der Gerste steht durchaus in Widerspruch mit seinem früherenunannehmbar". Wenn etwas im Ganzen unannehmbar ist, dann ist es auch un­annehmbar bezüglich seiner Theile. Ich habe schon lange nicht mehr daran geglaubt, daß in politischen Dingen die Regierung auf feierlichen Erklärungen stehen bleibt, aber wenn es sich um Erklärungen handelt, die auf bestimmten technischen Grundlagen ruhen, bann, hatte ich gemeint, sollte man doch noch zu einigem Vertrauen berechtigt sein dürfen. Und wie steht es hier? Hier ist uns feierlich verkündet worden, daß alle Techniker die zoll, technische Unterscheidung von Brau- und Futtergerste für unmög­lich halten. (Hört! hört!) Jetzt mit einem Male ist sie er­funden I Und wer sind die glücklichen Erfinder? Darüber herrscht Streit unter den Agrariern. Nach dem ©raubenderGeselligen- ist es der Abgeorbnete Sieg, unb nach einem bairischen Blatte der Abgeordnete Heim. (Heiierkett links.) Wohin wirb man kom­men? Man wirb schließlich im Tarif den Gerstenzoll allgemein auf 4 Mk. festlegen. (Zustimmung links.)

Was wird nun werden, wenn man uns die neuen Handels-

Dicfer als Grundlage für Verhandlungen dienen folL ®ß faßt 1« in der Natur der Sache, daß ein so weitläufiger Entwurf mannig­fache Jncongruenz enthält, deren Ausgleichung man bet der zwei­ten Berathung im Plenum erwartete, Denken ^ wttjm ben widersinnigen Quebrachozoll von 7 Mk.! Da die Zweite Der^hung nun Überhaupt nicht erfolgt ist, so muß dieser Ausgleich erst der Novelle stattfinden I Diese Novelle m u ß also vor Inkraft­treten des Tarifs kommen! Ist es aber jemals dagewesen, daß, bevor ein neues Gesetz publizirt ist, schon eine Novelle dazu kommt? Wenn diese Novelle nun beratfjen wird, dann ist naturgemäß Der ganze Tarif wieder aufgerollt. Niemand ist dann gefchafts- crdnungsmäßig verhindert, zu allen 946 Positionen Abanderungs- anttäge einzubringen. Was wird die Folge fein; ^ thatsa^ ließ eine 4., 5. und 6. Lesung des Zolltarifs stattfindet. Nun wollen Sie keinereinen" Meistbegünstigungsvertrage. Ja, was verstehen Sie darunter? Unreine Meistbegünstigung habe ich bis­her nicht kennen gelernt. Es wird mir gesagt, darunter ist Recr- prccität zu verstehen und hierunter wieder, daß man einem Staate nicht im ganzen Tarif Konzessionen macht, sondern ihm nur ein­zelne Tariferleichterungen verspricht. Wenn dieser Staat nun dazu Übergeht, anberen Staaten für diese Positionen geringere Zolle zu- zugestehen, dann würden uns im Falle der Meistbegünstigung die­selben Vergünstigungen sofort zu Theil werden wie allenanberen Verttagsstaaten, im Falle der Reciprozität aber wurde Deutschland allen diesen Staaten, die Meistbegünstigung haben, nachstehen und unsere Industrie würde in ihrer Konkurrenzfähigkeit auf das Schwerste geschädigt werden. (Sehr wahr! links.) Diese Resolution mit dem Gedanken der Reciprocität ist ja nur eine neue Auflage des Antrages, den die Rechte und ein Theil der National-Libe­ralen im Jahre 1898 eingebracht haben. Er wurde damals zwar in der Kommission angenommen, aber im Plenum kam es über­haupt nicht mehr zur Entscheidung. Ich bitte Sie, zu bedenken, daß unsere Ausfuhr nach Amerika nicht weniger als eine halbe Milliarde befragt. In welche Schwierigkeiten würde unsere In­dustrie geraden, wenn dieser Absatz gefährdet würde?

Nun soll ja auch noch eine Resolution eingebracht werden, daß die Viehzölle bei Handelsverträgen nicht unter die in zweiter Lesung beschlossenen Mindestsätze heruntergehen sollen. Es scheint also noch eine Art von Schlußprotokoll von der Mehrheit verlangt zu wer­den. Durch die Viehzölle wird man unsere Viehzucht nicht heben. : Will man sie ernstlich heben, so befestige man die Futterzölle. (Sehr

' Abg Schrader (freif. Bg°I: Glücklicherweise habe ,ch ine U6r gerade bar mit, so datz ich tontrolircn tonn, reann die mir zngem-ss-n- Zeit abgclaufcn ist (®«terfeii IinB.)

Wir haben die Zusammenstellung der Beschlüsse zl des Zolltarifgesetzes vom Donnerstag rechtzeitig erh. Zusammenstellung erhält nicht auch den Zolltarif, sondern nur das Zolltarif g e s e tz. Auf der Tagesordnung ist der Zolltarif auch nicht mH aufgestellt. Nach meiner Auffassung ist aber im Zoll- ttrnfgesetz der Zolltarif selbst mit enthalten Der Zolltarif steht aHo meines Erachtens mit an, der Tagesordnung. uni, m. a Io fieutc die 3. Berathung des Zolltarifgesetzes und sodann des Zolltarifs erfolgen, und zwar nach § 20 der Geschäftsordnung, nachdem die Generaldebatte stattgefunden hat. Daran wird nichts geändert, durch Die Art der Beschlußfaßung in der öweiten Lesung. In der zweiten Lesung ist allerdings nach meiner Ansicht nach unzu­lässigem abgekürzten Verfahren Beschluß gefaßt worden, aber das ist kein Grund, in dritter Lesung nach elnem gleichen abgekurz en Verfahren vorzugehen. Nach Fassung der Beschlüße zweiter Lesimg unterscheidet sich die betreffende Stelle des § 1 Je» T.a? Gesetzes in aar feiner wesentlichen Beziehung von der ursprünglichen Vor­ige Diese Vorlage enthält die Wotte. Zolle werdennach Tia ßqade d e s nachstehenden Zolltan fs erhoben ,

§on?arU"eniÄeJl

D' nicht b-rLn werden soll zunächst das Zolltar.s g ° s ° tz . baTO$räiibmtt@^of B-ll-sir-m: § 19 der G-schästsordnung sagt: sommenstellung bildet die Grundlage der dritten Berathung. L,r werden also auf dieser Grundlage ^^ahre

Darauf tritt daS Haus in die Tagesordnung em.

In der G e n e r a l d i s k u s s i o n zur dritten Lesung über las Zolltarifgesetz ergreift zunächst da» Wort . .. .

Reichskanzler Dr Graf v. Bulow: Beim trmfritt in me oriire Lesung der Zolltarifvorlage glaube ich die Stellungnahme dar­legen zu sollen, welche die Verbündeten Regierungen zu den^vom Än Hause in der zweiten Lesung gesaßten Beschlüssen-,nn-hm°m 9 Obwohl sich der BundeSrath bersaslungsmadlg erst dann zu

Parlamentarische Perhandlnngen.

Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet.

Deutscher Reichstag.

235. Sitzung vom 13. DezembeL.

L^unde?rr.hkL Vb^Bülow, Graf ton * ° 'LgekoLnV ftrh? Me Berathung des

8 0 1 gim/s f l.6»«1 6eV Antrag Kardorss und den ganzen Taris enthält, hegt ein K o m p r o m i ß a n t r a g Herold Bassermann Kardorff Graf Limburg- Stimm betreffend die M i n i m a l z o l le vor. , n.

Nach den Beschlüssen der zwei t e n Les u ng sollten die Minimalzölle betragen für Rogg en 5,50 Mk., W e ize n 6 Mk, Gerste 5,50 Mk., Hafer 5,50 Mk Auvei^in wurden Minimalzölle für Pferde, Vieh und Fleisch verlangt. Der K o m - promitzantrag will die die Minimalzolle für Pferde, Vieh und Fleisch überhaupt stteichen, die Getteidezolle aber, mit Aus­nahme des Zolls auf Braugerste, auf die Satze der Regierungs­vorlage ermäßigen, d. h. für Weizen auf 5,uO, für Hafer und Roggen auf 5 Mk. Der Gersten-Mmdestzoll dagegen, der nach der Regierungsvorlage 3 Mk. betragen sollte wird für Braugerste auf 4 Mk. erhöht; auf Futtergerste fallt der Mindestzoll fort.

Die Sozialdemokraten Albrecht und Gen. be- anttagen, die Minimalzölle überhaupt zu streichen und Zollfteihest für Vieh, Fleisch und Getreide einzusuhren.

Ferner haben sie den großen 70 Seiten langen Antrag zum Tarif wieder eingebracht, die Kommission hat ferner Reso­lutionen angenommen. _

c»n der ersten wird mit möglichster Beschleunigung eine V e r - einfachung der T a b a k b e st e u e r u n g verlangt, m der zweiten wird gefordert, in eine Erwägung darüber zu treten, ob nützt durch die Einführung v e r s ch i e d e n e r Z o l l s a tz e für Rohpetroleum und gereinigtes Petroleum die Schaffung einer in­ländischen Raffinerie-Industrie möglich und wirth- schastlich geboten sei und bejahenden Falls einen entsprechenden ^6fUrCiU«0=CfoIkonen aus dem ^o^Tie ^Abgg. Frhr. Hehl zu Herrnsheim (nat.-lib.), Graf v ft«nh (fonf.) unb v. Kard o r ff (Rp) beantragen ber Reichstag wolle beschließen: bie folgenbe Refolutwn als dritte

Erschemt ISgNch mit Ausnahme »es Sonntags. A Ca 4 aa A

Die ..Gießener Lamiliendlätte^ werden dem 6 5^ | fr Ea fr || | 8 I «9k 1 1L,

Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Vf H H VIvTT 8

«helllicht Landwirt" erscheint monatlich einmal. II

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen