Nr. »42 • rffttint täglich außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem SeMfchen Landwirt die Gießener Kamillen, blätter viermal in der Woche beigelegt.
Notationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Unioerl.-Buch- xl Stein- druckeret (Pietsch Erben) Redaktion. Erpeditto« und Druckerei:
Gchulftraß« 7.
Adresse für Depeschent «u-etger «letzen.
tzernsprrchanschlutz Nr. 5L
Erstes Blatt. 152. Jahrgang
Mittwoch 15. Oktober 1902
Gietzener Anzeiger
** General-Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Be»ngspret»r monnrltch7bPs.,otertel- iährilch Mk. 2.20; durch Abhole. u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost 9?ir.2.—• viertel- tährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die TageSnummer btS vormittag» 10 Uhr. ßellenpTCi»; lokal 12Pf^ auswärts 20 Pfg.
Verantwortlich: für den polit. u. a tigern. Teil: P. Witiko: für »Stadt und Land' und .Gertchtssaal': Lurt Plato; für den Anzeigenteil: Han» Beck.
KekanntmachMg.
Bett.: Milzbrand zu Alten-Buseck.
Die in dem Gehöft des Heinrich Jnderthal zu Alten-Bus eck auSgebrochene Milzbrandseuche ist erloschen und sind die Sperrmaßregeln wieder aufgehoben worden.
Gießen, den 14. Oktober 1902.
Großherzogliches Kreisamt Gießen- Dr. Breidert.
Gießen, den 18. Oktober 1902.
Betr.: Die Revision der Maaße, Gewichte und Waagen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien zu Rabertshausen, Rodheim, Steinheim, Ntphe, Bellersheim, Obbornhofen, Bettenhausen, Muschenheim, Birklar, Eber- stadt mit Arnsburg, Ober-Hvrgeru, Dorf-Gill.
Sie wollen in ortsüblicher Weise bekannt machen, daß demnächst eine allgemeine Revision der Maaße und Gewichte und Waagen stattfinden wird. Dieselbe wird durch einen Aichmcister und einen Gendarmen vorgenommen werden. Die Gewerbetreibenden sind gehalten, diesen Beamten bei Meidung der Strafe des § 369 Nr. 2 des St.-G.-B., Art. 73 des P.-St.-G. alle in ihrem Gewerbebetriebe benutzten Maaße, Gewichte und Waagen vorzuzeigen und die Prüfung derselben zu gestatten. Bei der Revision sich ergebenden Vorschrifts- Widrigkeiten werden nach den angeführten Gesetzesstellen mit Geldstrafe bis zu 100 Mk. oder Hast bis zu 4 Wochen, auch mit Einziehung der unvorschristSmüßigen Maaße, Gewichte und Waagen bestraft.
Um Strafen möglichst zu verhindern, und das ReoisionS- geschäft zu beschleunigen, empfehlen wir den Interessenten, ihre der Revision unterworfenen Maaße, Gewichte und Waagen vorher aichamtlich prüfen zu lasten, und machen zugleich darauf aufmerksam, daß die Prüfungen, die nur unerhebliche Kosten verursachen, bei Großh. Aichamt dahier ge- schehen können, und zwar für die Gemeinden Rabertshausen, Rodheim, Steinheim, Utphe, Bellersheim und Obbornhofen am 17. und 21., für die Gemeinden Bettenhausen, Müschen- heim und Birklar am 23. und 24., und für die Gemeinden Eberstadt mit Arnsburg, Ober-Hörgern und Dorf-Gill am 28. und 80. Oktober d. IS. Wir bemerken, daß die Interessenten der Orte Rabertshausen, Rodheim, Steinheim, Utphe, Bellersheim und Obbornhofen die Vorrevisionen auch bei dem Aichamt zu Nidda an einem beliebigen Aich- tage, jedoch spätestens bis zum 1. November d. Js., vornehmen lasten können.
Ferner werden die Besitzer von festfundamentierten Brückenwaagen und Waagen über 2000 kg Tragkraft daraus hingewiesen, daß nach § 68 Z. 1 der Aichordnung vom 1. Januar 1888 die Aichung der genannten Waagen alle drei Jahre zu wiederholen ist, daß weiter bei denselben das Vorhandensein der Jahreszahl dem laufenden oder einem der drei voraufgegangenen Kalenderjahre angehört.
Dr. Breidert.
Bekanntmachung.
Betr.: Die Abgabe der Einkommen-, Vermög-enS- und Kapitalrentensteuererklärungen für das Steuerjahr 1903/04.
Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachungen in obigem Betreff vom 15. Juli l. Js. (Kreisblatt Nr. 69) machen wir die Steuerpflichtigen der Stadt Gießen darauf aufmerksam, daß die Einreichung der Steuererklärungen für das Steuerjahr 1903/04 bis 31. Oktober l. Js. zu erfolgen hat.
Gießen, den 14. Oktober 1902.
Großh. Steuerkommissariat. Dr. Metzler.
~ Bekanntmachung.
Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Daubringen.
In der Zeit vom 18. Oktober l. I. bis einschließlich 31. Oktober l. I. liegen auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Daubringen die Arbeiten des III. Abschnittes vom II. Felde bezüglich der infolge Grenzregulierung mit den Nachbargemarkungen zugezogenen Grundstücke, nämlich:
L Bezüglich der Gemarkung Mainzlar: 1 Band Besitzstandsverzeichnis, 1 Band Gütergeschoß mit Zusammenstellung, 3 Bände Bonitierungsbrouillon, 1 Band ZuteilungSoerzeichnis, 2 Zuteilungskarten, 1 Band Geldausgleichungsoerzeichnis;
IL Bezüglich der Gemarkung Altenbufeck: 1 Band Besitzstandsverzeichnis, 1 Band Gütergeschoß mit Zusammenstellung, 1 Band Bonitierungsbrouillon, 1 Band Zuteilungsverzeichnis, 1 Zuteilungskarte, 1 Band GeldausgleichungSoerzeichniS;
HL Bezüglich der Gemarkung Lollar: 1 Band Besitzstandsverzeichnis, 1 Band Gütergeschoß mit Zusammenstellung, 1 Band Bonitierungsbrouillon.
1 Band Zuteilungsverzeichnis,
1 Zuteilungskarte (mit Heibertshausen),
1 Band Geldausgleichungsoerzeichnis;
IV. Bezüglich der Gemarkung Heibertshausen:
1 Band ZuteilungSoerzeichnis,
1 Zuteilungskarte (mit Lollar zusammen)
1 Band Geldausgleichungsoerzeichnis zur Einsicht der Beteiligten offen.
Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hiergegen findet statt:
Montag den 8. November 1902, vormittagS von 10 bis 11 Uhr
im Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Daubringen, wozu ich die Beteiligten unter dem Anfügen einlade, daß die Nichterschcinendcn mit Einwendungen ausgeschlossen sind. Einwendungen sind schriftlich abzufassen, zu begründen und auf Papier in Aktengröße (mindestens ein halber Bogen) einzureichen.
Friedberg, den 14. Oktober 1902.
Der Großherzogliche Bereinigungskommissär: Spam er, Kreisamlnmnn.
Zur (Krinueruug an Jahn.
Als Jahn heute vor fünfzig Jahren zu Freiburg an der Unstrut die müden Augen schloß, blieb dieses Ereignis in weiteren Kreisen fast völlig unbeachtet. Ter Mann, der einst in bewegter Zeit zu den verdienstvollsten und gefeiertsten Männern Deutschlands gezählt wurde, hatte von seinem früheren Ansehen und seiner Volkstümlichkeit in späteren Jahren viel eingebüßt und die politischen Verhältnisse der Zeit, in der er aus dem Leben schied, waren nicht geeignet, seiner Bedeutung volle Würdigung angedeihen zu lassen. Tie Folgezeit hat ihn zum Teil wieder zu Ehren gebracht. Heute tennr jedes Kind Jahn als den Turnvater, den Begründer des deutschen Turnens; mehr freilich weiß selbst in unserer Zeit auch mancher Erwachsene nicht von dem merkwürdigen Manne.
Friedrich Ludwig Iah:: luurbc zu Lanz in der Priegnitz als der Sohn eines Predigers geboren. Schon durch die häusliche Erziehung war seinem Herzen echte Vaterlandsliebe eingepflauzt worden. Daher fühlte ec sich aus den Universitäten Halle und Greifswald, wo er anfänglich Theologie studierte, vor allem zum Studium der deutschen Sprache und Geschichte hingezogen. 1809 wurde er Hilfslehrer am Kölnischen Gymnasium zu Berlin. Terselbc Gedanke, der Stein und Scharnhorst bei ihren Reformen au irem Gebiete der Staatsverwaltung und des Heerwesens leitete, daß nur durch innere Gesundung des Volksgeistes dem gedemütigten Volle wieder aufgeholfen werden könne, gab auch seinem Wirken Ziel und Richtschnur. Teshalb, o erzählt K. 233. Schmidt in der „Natztg." unternahm er es, den bisher nur lau und planlos betriebenen Leibesübungen, für die er auch den fälschlich für deutsch gehaltenen Namen „Turnen" einsührte, m volkstümlichem Sinne auszugestalten und zu einem notwendigen Teil der Nationalerziehung zu machen. Er verstand es, den Leibesübungen geistigen Gehalt einzuhauchen und sie in enge Beziehungen Ainn naiionalen Leben zu setzen. Auf dem Turnplatz sollten >ie Küaben nicht bloß gesund, kräftig und gewandt "werden, andern es sollte ihnen hier auch im „scheinlichen Spiele" ittlicher Ernst und vaterländische Gesinnung anerzogen werden. Ter letzte Zweck der Turnübungen war jedoch die Erziehung zur Wehrhaftigkeit, die Vorschulung zu dem künftigen Ringen um die Befreiung des Vaterlandes.
In immer größeren Scharen sammelten sich Knaben und Jünglinge um den Turnvater, der sie durch seine Per- önlichkeit und die Gabe hinreißender Rede magnetisch anzog — eine Anziehung, die auch durch seine Derbheit und einen Anflug von exzentrischem Wesen nicht vermindert wurde. Tie auf dem Tummelplatz jugendlicher Lust ge- treute Saat schoß zu üppiger Blüte auf. Als der König ein Volk ausrief zum Kampfe gegen dtapoleon, folgten Jahns Turner, soweit sie die Waffen tragen konnten, be- jeiftert dem Ruf und traten als Freiwillige unter die Zahl >er VaterlandAverteidiger. Jahn selbst aber begnügte sich nicht, seinen Arm dem Vaterlande zur Verfügung zu stellen, sondern entwickelte auch als Werber für das Lützvwsche Freikorps eine erfolgreiche Thätigkeit. Seine in Massen unter )as Heer verteilten Flugschriften haben vielleicht das Feuer der Begeisterung und opferfreudigen Kampfeslust in nicht geringerem Grade geschürt, als es durch Arndts, Körners und Schenkendorfs Kricgslieder geschah. Nachdem Jahn mit )em siegreichen Heere in Paris cingezogen war, kchrte er nach Berlin zurück. Für seine Verdienste um den Staat wurde ihm darauf ein Ehrensold von jährlich tausend Thalern durch den König bewilligt. Damals schloß er auch einen glücklichen Ehebund.
In den Friedensjahren beschäftigte sich Jahn mit dem weiteren Ausbau des Turnens, indem er die besonders auf dem,Gebiete des Geräteturnens vervielfältigten Hebungen in ein System brachte und deutsche Benennungen für sie einführte. Als Wegweiser für den Betrieb gab er 1816 mit seinem Schüler Eiselen das „Teutsche Turnbuch" heraus. Daneben hielt er Vorlesungen über oas deutsche Volkstum im Anschluß an sein bereits 1810 über diesen Gegenstand veröffentlichtes, mit einem großen Aufgebot von Gelehrsamkeit verfaßtes Werk, in welchem neben manchen vortrefflichen Gedanken und Vorschlägen zu Verbesserungen auf allen Gebieten des Lebens sich auch viel Phantastisches und Nebelhaftes findet. 1814 erschienen Jahns „Runen- blätter", in denen er warm für Deutschlands Einheit eintrat. Damals stand Jahn auf der Höhe seiner Botts, nmlich- ksit, die Universitäten Jena und Kiel ernannten iijn zum Ehrendoktor. Jahn war von reinster Vaterlandsliebe be
seelt. Von Preußen erhoffte er Deutschlands Heil. Prophetisch klingen seine Worte: „Deutschland braucht einen Ärieg auf eigene Hand und auf eigene Faust, um sich in feinem Vermögen zu fühlen, cs braucht eine Fehde mijt dem Franzosentum, um sich in seiner Volkstümlichkeit zu entfalten. Diese Zeit wird nicht ausbleiben!" Auch die folgenden Worte kennzeichnen Jahn als einen weitschauen- den politischen Seher: „Deutschland, wenn es einig mit sich als deutsches Gemeinwesen seine ungeheueren, nie gebrauchten Kräfte entwickelt, kann einst der Begründer des ewigen Friedens in Europa, der Schutzengel der Atenschheit sein!" Aber schon von deutscher Einheit zu reden, machte in der Zeit der heiligen Allianz und der Demagogenriecherei verdächtig, und Jahn hatte, wie er selbst nicht ohne Selbstgefälligkeit zu sagen pflegte, die nach Ansicht der Bundestags-Kommission höchst gefährliche Lehre von der deutschen Einheit ausgebracht. Nun begann man auch bas Turnen mit Argwohn zu betrachten. Freilich war bei den von Jahn besonders empfohlenen Turnfahrten die ungebundene Jugendlust gelegentlich in Hebermut und vorlautes, lärmendes Wesen umgeschlagen. Ein schlimmes Licht ftel auch auf die Turnerei durch die Pflege, die ihr die bereits ver- fehmten Burschenschaften zuteil werden ließen. Für die wirklichen oder vermeinten Auswüchse des Turnens wurde nun dessen Begründer und Förderer verantwortlich gemacht. Man sah in dem Führer der Jugend, wie es einst mit Sokrates geschah, deren Verführer. Daß Jahn zu den Begründern der Burschenschaft gehörte und nicht Mitglied des Jugendbundes gewesen war, stärkte den Ver- dacht gegen ihn. Auch hatte er in seinen Vorlesungen manche freimütige Aeußerungn gethan, hatte seinem Unmut über die nach den Befreiungskriegen von den deutschen Fürsten befolgte Polittk in seiner derben Weise rückhaltlosen Ausdruck gegeben und es mit Blücher scharf getadelt, daß die Tiplomatie alles, was mit dem Schwerte errungen, mit der Jeder wieder verdorben hätte. Alles das machte ihn demagogischer Umtriebe verdächtig. Er wurde 1819, während gleichzeitig die Turnplätze geschlossen wurden, in Anklagezustand versetzt, vier Jahre lang in Untersuchungshaft gehalten und dann trotz der glänzenden für ihn geschrieben en Verteidigungsschrift des mit der Untersuchung betrauten damaligen Kammergerichtsrats C. T. A. Hoffmann, dvs bekannten Novellisten, zuzweiJahrenFest- ungsstrafe verurteilt. Nachdem er von dieser ein Jahr verbüßt hatte, wurde er zwar von dem Oberlandesgericht zu Frankfurt an bej Oder ft eigesprochen, jedoch unter Polizeiaufsicht gestellt und ihm der Aufenthalt in allen Städten mit höheren Bildungsanstalten untersagt. Doch sollte ihm bei künftigem Wohlverhalten der ihm bisher gewährte Ehrensold weiter gezahlt werden. Jahn wählte nun Freyburg an der Unstrut zu seinem Wohnsitz, beit er später mit Kölleda vertauschte, um dann nach einigen Jahren nach Freyburg zurückzukehren.
Ein Schatten fällt fortan auf bas Bilb des wackeren Mannes. Tie Lichtseiten seines Wesens erscheinen verbunkelt, das Scharfkantige, Exzentrische, Widerborstige, Renorn- mistische seines Charakters tritt stärker in die Erscheinung. Ten Organen des Staates gegenüber übt er jetzt eine ge- wisse Vorsicht, anderen ihm mißliebigen Personen tritt er dafür mit vollwuchtiger Grobheit entgegen. Will man sich ein Bild Jahns aus seinen besseren Jahren machen, greife man zu d en Erzählungen, die er unter jbem Titel „Tenknisse eines Mutschen" 1835 veröffentlicht hat. In frischer, anziehender Weise, der man den Trübsinn und die Verbissenheit seiner späteren Jahre nicht anmerft; schildert er ein Abenteuer aus dem Jahre 1809, dessen Held er selbst ist. Es handelte sich darum, einen vornehmen Engländer, der wichtige, für den Befehlshaber der britischen Land- und Seemacht bestimmte Papiere bei sich trug, durch das von französischen Spähern wimmelnde Land sicher hin- durchzugeleiten. Jahn, der sich hier nicht mit seinem Namen, ondern als „Geleiter" einführt, übernimmt, obgleich er den Engländern keineswegs hold war, um des guten Zweckes willen in hochherziger Weise durch Vermittelung eines patriotischen Postmeisters die schwierige und gefährliche Aufgabe und führt sie glücklich durch. Wohl enthält auch diese Erzählung Züge von Jahns absonderlichem, nach Originalität Haschenbein Wesen — nennt er sich buch selbst burch ben Mund bes Postmeisters ein Urselost — aber in weit höherem Maße lernen wir Jahn hier von feiner edelsten und liebenswürdigsten Seite kennen. Köstlich ist schon die Art und Weise, wie er mit dem in Nöten befinbNchen Englänber seinen Pakt abschließt. Ehe er sich nämlich zur Uebernahme bes Geleitsdienstes bereit erklärt, behandelt er ben vornehmen Briten absichtlich barsch unb bärbeißig unb tritt ihm unsanft auf ben Fuß. Ms ber Engländer darüber einen deutschen Fluch ausstößt, da schüttelt ihm >er „Geleiter" kräftig die Hand: „Sie haben die Feuerprobe bestanden, da Sie nicht, wie sonst Ihre Landsleute thun, Goddam! schrieen, sondern auf gut deutsch fluchten." Unb ortan ist ber „Geleiter" in seinem Verhalten gegen ben Hilfsbebürftigen wie umgewanbelt. Er nimmt ihn in bie treueste Pflege, sorgt Tag unb Nacht für feine Sicherheit unb Bequemlichkeit, zeigt in der Wahl ber Wege und Aufenthaltsorte eine bewundernswerte Umsicht und Schlauheit, wirb nicht mübe, feinen Schützling unb ben Kutscher burch bie Erzählung drolliger Späße unb toller Streiche, aus benen ost fein Ingrimm gegen Napoleon hervorbricht, zu unterhalten ober über eine augenblickliche Gefahr hinwegzutäuschen, unb übernimmt gelegentlich das Amt bes Kutschers selbst, um heimlich ben Wagen in eine größere Sicherheit gewährenbe Richtung zu bringen, wobei chm [eine genaue Ortskenntnis gute Tienste levstet.
Nachbem Jahn jebe öffentliche Thätigkeit unmöglich gemacht war, blieb ihm noch bie stille Arbeit des Schriftstellers. Was er aber in späteren Jahren geschrieben hat, ist weder bedeutend noch umfänglich. Tie 1828 veröffend-


