VoAMe Tagesschau.
Der Seuioreu-Kouveut des Reichstags unter dem Vorsitz des Präsidenten Grafen Ballestrem trat am 14. d. Mts. zusammen, der vorschlug, den 16. bezw. 17. Oktober als Anfangstermin für die zweite Beratung der Zolltarifvorlage anzusetzen, zuerst aber das ganze Tarifgesetz zu beraten. In der eingehenden Debatte wurde der zweite Vorschlag des Präsidenten bekämpft und bezüglich deö ersten Punktes eine Einigung dahin erzielt, am 15. Oktober die früher eingebrachte Interpellation der Sozialdemokraten über die Arbeitslosigkeit und am 16. Oktober die von den Freisinnigen angekündigte In- terpellation über die Fleischteuerung auf die Tagesordnung zu setzen. Sollte die Regierung die Beantwortung der letzteren Interpellation ablehnen, so würde die zweite Beratung der Zolltarifvorlage noch am 16. Oktober beginnen, andernfalls am 17. Oktober. Beraten werden soll zuerst der Rest des Gesetzes in Verbindung mit den Getreide- und Viehzällen im Tarif selbst, dann der ganze Tarif und zuletzt der Rest des Gesetzes. Die erste Lesung deS Etats soll vor Weihnachten und erst nach Fertigstellung des Etats die weitere Beratung des Zolltarifs erfolgen.
General Louis Botha
hat aus Paris an den Empsangsausschuß in Berlin dic telegraphische Nachricht gesandt, daß er und seine Kameraden Donnerstag nachmittag 5 Uhr 23. Mm. auf dem Bahnhofe Zoologischer Garten eintreffen, jedoch nur bis Samstag n ach t bleiben werden, da wichtige Geschäfte sie nach England rufen. Sie kehren aber nach kurzer Zeit zurück und gedenken dann in mehreren deutschen Städten zu sprechen, werden indessen hierbei nicht mehr gemeinsam auf treten, sondern einzeln für ihre Ausgabe thätig sein. Infolge dieser Mitteilung muß die für Montag den 20. d. M. geplante zweite Versammlung in der Philharmonie unterbleiben. Jedoch ist ins Auge gefaßt worden, Samstag abend in Berlin noch eine zweite Versammlung abzuhalten, bei der aud) den Minderbemittelten Gelegenheit geboten werden soll, die Burenhelden zu begrüßen und zu ehren. Tem Vernehmen nach werden die Burengenerale heute (Mittwoch) nachmittag von Paris nach Berlin ab reisen. Tas „Berl. Tagebl." verbreitet die Angabe, es sei nicht ausgeschlossen, daß das Auswärtige Amt ein Audienzgesuch der Buren, das ihm auf unmittelbarem Wege zuginge, dem Kaiser unterbreiten wurde. Bon zuständiger Stelle wird dem Wolssschen Bureau dies als irreführend und grundlos bezeichnet. Tie Frage des Empfanges der Burengenerale durch den deutschen Kaiser ist, wie die „Nordd. Allg. Zto." schon früher feststellte, im negativen Sinne en t s ch i e d e n und erledigt.
Aus der französischen Kammer.
Tie Kammer trat unter dem .Vorsitze Bourgeois am Dienstag zusammen. Basly brachte einen Antrag ein, betreffend die Arbeiteraltersversicherung, und verlangte die Dringlichkeit, welche beschlossen wurde. Bau- dry d'Asfon beantragte die Versetzung des Ministeriums ind en Anklagezustand. Dasselbe habe durch Schließung der k o n g r eganistis ch en Schulen das Gesetz verletzt. Die Tringlichreit hierfür wird mit 414 gegen 53 Stimmen abgelehnt. In seiner Jnter- pellationsrede über die Schließung der Kongregationsschulen fö}te der gemäßigt-republikanische Deputierte Aynard, ß das MinisteriunOnicht blos den geistlichen Schulunterricht, sondern den christlichen Glaube^ überhaupt bekämpfte. Tie Regierung möge sich doch vor Augen halten, daß die Burengenerale, welchen Paris einen so begeisterten Empfang bereitet habe, nur in ihrem unerschütterlichen christlichen Glauben die Kraft zur Vollführung so bewundernswerter Heldenthaten gefunden hätten. (Stürmischer Beifall rechts und im Zentrum.) Tie Schließung der Schulen sei der erste Scl)ritt zur vollständigen Unterdrückung der Freiheit des religiösen Unterrichts. (Zurufe auf der äußersten Linken.) Redner legt des Näheren dar, daß seiner Ansicht nach die Schließung der Schulen gesetzwidrig und gegen die Freiheit gerichtet fei. Graf de Mun jagt, die Bevölkerung der Bretagne habe nicht allein ans Rechtsgesühl, sondern vielmehr aus dem Gefühl der Auflehnung gegen einen solchen Angriff auf ihre Freiheit Widerstand geleistet. Er protestiere gegen die Behauptung, daß die Bewegung einen royalistischen Charakter hatte. Redner beschwert sich schließlich über die Verwendung des Milltärs.
Allgemeiner Deutscher Aädervervaud.
(Schluß-Sitzung.)
6. Bad-Nauheim, 14. Okt.
Heute dauerten die Sitzungen von 9 Uhr früh bis nachmittags 5 Uhr, mit einer Frühstückspause von einer Stunde. Tie Verhandlungen brachten zu Anfang zwei interessante Themata: Hofrat Tr. Bö ch lin -Misdroy sprach über „Di e Vergünstigungen der Aerzte und ihrer Angehörigen in den Badeorten" und Geh. Sanitätsrat Dr. Michaelis-Bad Rehburg über: „Die Stellung der Badeärzte zueinander und zu den Bade Verwaltung en". Tie beiden Vorträge wurden zusammen in einer sehr ausführlichen Diskussion behandelt. Es wurde hervorgehoben, daß gerade die Badeärzte eine bedeutende Stellung in der Wissenschaft einnehmen, denn sie haben das Verdienst, die großen Hellmittel, die Bäder, für die leidende Menschheit nützlich gemacht zu haben. _ Auch die jetzige Bewegung zur Heilung der Tuberkulose ist von einem Badearzt ins Leben gerufen worden. sJä>tiöenbig sei ein festes Zusammenschließen der Aerzte zu Vereinen, und bann ein gemeinsames Arbeiten mit den Kurverwaltungen. Tie Gewährung von Freikarten, die man besser Aerzte-Karten nenne, in den Kurorten müsse als ein Entgegenkommen und als eine Ehrung des ganzen Standes, nicht aber der einzelnen Person, angesehen werden. Angenommen wird ein Antrag, wonach den approbierten Aerzten für ihre Person freie Kurtaxe und freie Bäder zu gewähren seien, die Frauen und Kinder dagegen sollten nur vvn der Kurtaxe befreit werden. Bon den Berliner Herren wurde bemerkt, daß der Antrag dort keinen Beifall finden werde. Als ein großer Mißstand wird es empfunden, daß manche Aerzte der Großstadt, sogen. „Koryphäen" nur in einen Badeort reifen, um dort eine ausgiebige Praxis für einige Wochen auszuüben. Ter Vorstand soll sich mit der Ange- legenhell befassen, auch bannt, daß viele ausländische Aerzte in di wisseuschasiliche Bor träge. Zuerst sprach T i i r o n c Tod: moos über ^W intet tut e h •'< den. n Kur- und
Büdeotken". Er führte aus, daß es ganz gut möglich wäre, auch die deutschen Kur- und Badeorte für die Winter- iür einzurichten; dadurch würde sich die Saison auf das ganze Jahr verteilen. Den Ansichten wird entgegengetreten, mit der Einwendung, daß ein wirklich kalter Winter die । icn^e Sache sehr in Frage stellen könne. — Dr. Hirsch- ! Zad-Nauheim hielt bann einenVortrag „UcberSranfen- kost in den Kurorten". Tie Kurorte sollen eigentlich Sanatorien fein, führt der Redner aus. Tie TicU sei so wertvoll wie die Kurmittel. In jedem Kurort müßte dem Patienten Gelegenheit gegeben werden, so zu speisen, wie es der Arzt vorschreibt, jetzt aber herrsche in den Hotels der Brauch, daß Speisen ohne Getränke mehr kosten und das erste, was dem Kurgast entgegenkomme sei die Frage: „Hell oder "bfunfel?" nämlich Bier. Auch die Tadle d'hvte gebe den Pattenien letner Gelegenheit, zuviel zu essen und dadurch Gelegenheit zu Beschwerden. Es liege in der menschlichen Natur, mehr zu essen, als notwendig ist, und ein Sprichwort besage: „Lieber den Magen verrenkt, als dem Wirt einen Heller geschenkt." In der Familie ließe man ja auch nicht die Kranken an Festtafeln mitessen und das sei doch eine Table d'hote. In Nauheim habe man bereits in einem Hotel die Einrichtung getroffen, daß man dort ganz nach ärztlicher Vorschrift speisen kann, auch herrsche kein Weinzwang. Auch die Alkoholfrage in den Kurorten wird von dem Redner eingehend beljanbelt, mit dem Motto: der erste Grundsatz ist das Wohl des Kranken! Tie Versammlung beschließt "* einstimmig, daß die eingeführten Grundsätze und Anschauungen des Herrn Tr. Hirsch veröffentlicht und von dem Bäderverbande energisch vertreten werden sollen. — Tr. Ach er t-Bad-Nauheim sprach alsdann über „Massage des Herzens mit Temon- tratioTien." Ter Redner hat einen Apparat erfunden und behandelt in seinem Vortrage besonders die Maschinenmassage, deren große Vorteile vor der Handmassage er zeigt. Namentlich bei der Therapie der Herzkrankheiten pielt die neue Methode eine große Rolle und wird der Ein- luß derselben durch Abnahme der Pulsfrequenz sichtbar.
Es kommt eine Tonisierung des Herzmuskels zu stände, zugleich mit einer Vertiefung und Verlangsamung der Atmung. — Dr. Schacht-Bad Elgersburg erörtert kurz: „Statistische und soziale Randbemerkungen zur Neurasthenie." Zum Schlüsse folgen geschäftliche Mitteilungen und die Wiederwahl des Gefamtvorstandes. Da ans keinem Kurort eine Einladung für den nächsten Ort der Verbandssitzungen vorliegt, wird beschlossen, im nächsten Jahre in einer Großstadt im Mittelpunkt Teutsch- lands zu tagen, dem Vorstand soll die Wahl überlassen bleiben. — 9tad) den Sitzungen folgte eine BesichtiMUZ, der Bademittel und Anlagen Nauheims, geführt von Baurat Tr. Es er und abends ein Bierabend im „Sprudel- hotel".
Aus Stadt und Kand.
Gießen, 15. Oktober 1902.
— Hofnachrichten. Der Großherzog und die Prinzessin Elisabeth trafen gestern nach 12 Uhr von Jagdschloß Wolfsgatten im Residenzschloß zu Darmstadt ein. Im Gefolge befanden sich Schlüsseldame Freiin v. Senarclens- Grancy Exzellenz, Hofdame Freiin v. Rotsmann und Flügeladjutant Oberstleutnant Freiherr Röder v. Diersburg. — Im Lause des Tages trafen zum Besuch Prinzessin Ludwig von Battenberg nebst Kindern in Darmstadt ein. Im Gefolge befand sich Hofdame Miß Kerr. — Prinz Heinrich von Preußen macht bekanntlich eine Automobilfahrt von Kiel nach Darmstadt. Er benutzt einen großen amerikanischen Kraftwagen und reifte unter dem Namen eines Herrn v. Achenbach, wurde aber alsbald erkannt. In Osnabrück wurde neues Benzin genommen. Der Prinz half selbst tüchtig mit, als es galt, einige Ausbesserungen auszuführen, und als er nach gethaner Arbeit ein ihm dargebotenes Glas Wein entgegennahm, sagte er scherzend: „So, jetzt kommt Benzin für den Magen."
** Die Prinzessin Heinrich kam heute morgen mit dem 8 Uhr l>-Zug, von Kiel kommend, mit Gefolge und Kindern auf dem hiesigen Bahnhofe an und nahm in der Bahnhofcestauration das Frühstück ein. Nach kurzem Aufenthalt fuhr die Prinzessin Heinrich nach Darmstadt weiter.
’• E ntsprungener Zuchthäusler. Heute morgen gegen 5 Uhr sprang ein Zuchthäusler, der sich in Begleitung eines preußischen Gendarmen befand, bei Ruttershausen aus dem in voller Fahrt befindlichen Zuge. Er siel auf einen Stein, wo er anscheinend tot liegen blieb.
** Der Marin e-Verein Gießen feiert am Samstag, den 18. Oktober, sein zehnjähriges Stiftungsfest. Näheres ist aus dem Inseratenteil ersichtlich.
? Lich, 14. Okt. Wie selten in einem Jahre sind diesmal die Feldfrüchte geraten, auch in hiesiger Gegend. So sind Kartoffeln von zwei Pfund und darüber leine Seltenheit. Gestern wurde sogar eine Gelb- rübe eingebracht, die das schöne Gewicht von 3*/s Pfund zeigte.
§ Sichenhausen, 14. Okt- Seit 1899 hat sich an der hiesigen Schule ein steter Lehrerwechsel vollzogen infolge unseres schlechten Schulhauses. Während der Schulsaal einigermaßen den Bedürfnissen entspricht, läßt die Lehrerwohnung nach jeder Hinsicht viel zu wünschen übrig und daher macht sich unsere Ortsbehörde auf Anraten des Kreisamtes Sck)vtten mit dem Gedanken vertraut, ein neues Schulhaus zu bauen. Vor mehreren Jahren hatte unsere Gemeinde einen bedeutenden Erlös beim Abtrieb eines Fichtenbestandes, und daher ist eine Anleihe zum Bau kapital, wenn der Staat einen Zuschuß leistet, nicht nötig; auch wirft das alte Schulhaus beim Verkaufe eine annehmbare Summe ab.
)( Eberstadt, 14. Ott- Unsere Kirche, die den Sommer über im Innern wieder neu hergestellt wurde, ist nun seit einigen Tagen fertiggestellt. Tie Arbeiten, von der Firma Nikolaus in Gieren ausgeführt, find sehr gut ausgefallen, namentlich die Deckengemälde. Auch wurde bei dieser Gelegenheit unsere Orgel nachgesehcn und von Orgelbauer Aug. Förster in Lich wieder hergestellt-
Kermischtes.
• Siegburg, 14. Okt. Gestern wurde bei Spich der Dampfzylinder des Automobils des Prinzen Heinrich, der sich auf der Fahrt von Kiel nach Darmstadt be- findet, defekt. Der Prinz mußte die Reise unterbrechen und übernachtete bei dem Besitzer der Maschinenfabrik Gebrüder Krämer, wo baS Automobil repariert ward. Heute Vormittag erfolgte über Königswinter die Weiterfahrt nach Darmstadt.
♦ Kiel, 14. Oktober. Wie die „K. N. N." aus Wtjen- bürg melden, sind gestern nachmittag beim Kentern ewe6 Bootes drei Schiffer aus Hohwacht ertrunken.
- Petersburg, 14. Ott- In der Nacht vom 10. zum 11. d. M. fand an der Tampfer-Landu üelle bei Nimbirsut an der Wolga ein Erdrutsch statt 5urch ein Eisenbahndamm in Länge von 400 Metern sowie die Straße und Brücke zerstört wurden. Tie Getreidespeicher drohen einzustürren. Als Urfache wird eine Untergrabung des Bodens beim Eisenbahnbau bezeichnet.
* Orel, 14. Ott Bei der Station Karatschew fand ein Zusammenstoß eines Eisenbahnzuges mit einer Lokomotive statt. Fünf Personen wurden getötet, mehrere Waggons zertrümmert.
' TifliS, 14. Okt. Am letzten Sonntag wurde hier ein schwaches Erdbeben verspürt.
Kunst und Msscnschüst.
— Tic Kochsche Theorie von der Nichtübertraabarkeit der Tnberttllojc. Aus Kopenhagen wird telegraphiert: In einer Versammlung von Landwirten zu Aarhuus teilte der Vetermär-Physikus Bang beute mit, Professor Fibiger-Kopenhagen habe durch feine Obduktion an 12 an Tuberkulose gestorbenen Kindern, von denen drei absolut durch tuberkulöse Milch angesteckt und nur am Verdauungskanal von der Tubettnlose angegriffen waren, feftgeftellt, daß die Theorie des Prosessors Robert Koch von der Nichtübertragbarkeit der Tubettnlose von Tieren auf Menschen nicht stichhaltig fei. Auch Kälber, denen von Kindern stammende Tuberkulose eingeimpft worden fei, feien von der Tuberkulose ergriffen worden.
Gerichtssaal.
Eine Berliner Schulgcschichte, die unter der Spitzmarke „Der geohrseigte Volks jchullehr er" Aussehen in Lehrerkreisen erregt hatte, beschönigte am Montag die 7. Straf- fammer des Landgerichts I zu Berlin. Wegen Beleidigung des lädtischen Schulinspektors Tr. Kaute hatte sich der Redakteur Karl Schneidt zu verantworten. Ter,,Nörgler", deffen Redakteur der Angeklagte war, brachte am 9. November v. I. einen Artikel unter der Ueberschnst „Tie Erziehung zur Botmäßigkeit", in welchem mitgeteilt wurde, daß der Stabtschulinspektor Tr. K.... in dem Konferenzzimmer einer Gemeindeschule einen Lehrer H., dem er eine Rüge zu erteilen hatte, geohrseigt haben solle. Damit konnte nur ber Schulinspektor Dr. Staute gemeint gewesen fein, für den der Magistrat von Berlin Strafantrag stellte. Ter als Zeuge vernommene Lehrer Johann Heinrich, um den es sich bei Der Affäre handelte, bestritt unter feinem Eide, daß er vom Schulmspektor eine Ohrfeige erhalten habe ober fonstwie in beleibiaenber Weise körperlich berührt worden sei. Er habe eme Rüge im Amtszimmer der Gemeindeschule durch Dr. Kaute erhalten. Letzterer habe ihn zwar in scharfen Worten Vorhaltungen gemacht, aber durchaus nicht geohrieigt oder sonstwie ihm körperlich wehe gethan. Die Beweisaufnahme ergab, daß das Gerücht in Lehrerkreifen verbreitet mar. Insbesondere bekundete der Lehrer Max Pflug mit aller Bestimmtheit, daß ihm der Lehrer Heinrich seine Frage ausdrücklich dahin beftätigt habe, daß ihn der Schulinipeklor Dr. Kaute geohrseigt habe. Er habe ihn darauf gefragt: .Bist Du denn Dem Herrn nicht sofort an die Kehle gejprungen ?" und von Heinrich die Aiitwott erhalten: „Wenn ich das gethan hätte, hätte ich keine Handhabe gegen ihn." Auf die weitere Frage, ob er nicht Anzeige erstattet habe, habe Heinrich dies bejaht und bemerkt, daß die Anzeige schon beim Stadtschulrat Dr. Gerstenberg ruhe. Wenige Tage )araui habe ihm Heinrich einen Bries geschrieben und darin alle diese Angaben abgeftritten. Der Gerichtshof verurteilte den Slnae- klagten zu sechs Wochen Gefängnis und sprach dem Tr. Kaute die Publikationsbefugnis zu.
Arbeiterbewegung.
New-York, 14. Oft. Die Beendiguna der Kohlen- treiks auf der vom Präsidenten RooseveÜ vorgejchlagenen Grundlage der Wiederaufnahme der Arbeit und eines SchiedSge- richtes scheint gesichert zu sein.
Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Mannheim, 14. Oft. Wie die „Neue Bad. Landesztg." meldet, ergiebt ber nunmehr ausgestellte Status ber Aktien-Ge- ellschaft für chemische Inbustrie in Rheinau- Mannheim i. Conc. eine Unterbilanz von brei Millionen. Wie bafielbe Blatt melbet, sand eine Versammlung bet Gläubiger mit Ausschluß ber Obligationäre der Rheinau-Gesellschaft m. b. H., ber Betriebsgesellschaft für ben Rheinauhafen m. b. £>., ber Neuen Immobilien-Gesellschaft m. b.H. unb der Terraingesell- chast Spomvörth m. b. H. statt, die lauter Böhm'sche Gründungen sind. Nach dem vorgelegten provisorischen Status scheine Aussicht auf volle Befriedigung bei ruhiger Abwickelung vorhanden zu sein. Es wurde ein Gläubiger-Ausschuß gewählt mit der Befugnis, zwei Vertreter der Obligationäre zu cooptieren.
— Farbwerke vorm. Meister, Lnciu» u. vrÄntna, Höchst a. M. Nach der „Fttf. Ztg." beabsichtigt die Gesellschaft, ein Mittel zum Ersatz des Alkali in ben photographischen Entwicklern unter bem gesetzlich geschützten Namen .Pinakol- alz" unb eine Reihe, mit Hilfe bieses Satzes hergestellte photographische Entwickler unter bemNamen .Pinakol" m ben Hanbel zu bringen. Dieser Entwickler, ber Pyrogallol, amiboessigsaureS Salz unb Sulfit in paffenbem Verhältnis enthält, soll angeblich viel chneller unb trotzbem bebeutenb kräftiger arbeiten als bie bisher Üblichen Pyro-Entwickler. Die Gefellfchaft hat ihr neues Verfahren in allen Kulturstaaten zum Patent angemelbeh
Suömisstons-Kalender.
— 20. Oktober. Darmftabt Direktion der Hefsifch-Thür. (Mittelbeutfchen) Staalslotterie. Herstellung und Lieferung von 100 000 bis 125000 Losen für die Heff.-Thür. (Mitteldeutsche) Staat 8- lottcric in Voll- unb Klassenlosen. Bebingungen für 1 Mk. — 23. Oktober. Gießen. Großh. Tirektion ber psychiatrischen Klinik. Lieferung von 5 Zentner guten Tafeläpfeln, 300 Ztr. Kartoffeln unb 10 Ztr. Weißkraut für bie psychiatrische Klinik hier. Bedingungen durch das VerwaltungSbureuu.
Neueste Weldungeu.
Originaldrahtmeldungcn deö Gießener Anzeiger».
B e r l i n, 14. Ott Tas Wvlffsche Bureau erfährt: Zum Oberpräsidenten derPrvvinzHannoverist der Regierungspräsident W e n tz e l - Wiesbaden, zum Ober- Präsidenten der Provinz West Preußen der Oberbürgermeister De lbrück-Tanzig und zum Regierungs- Präsidenten in Wicsvaden der Lberpräsidialrat Hengsten- derg-Breslau ernannt worden.
St. Etienne, 15. Okt. Tie Vereinigung der Buchdrucker erklärte, es fei unrichtig, daß ihre Mü- glichet in den Ausstand zu treten beabsichtigten, sie beschränkten sich vielmehr darauf, den auSständigen Grubenarbeitern ihre Unterstützung zu leihen.
WilkeSbarre, 15. Okt. Mitchell übermittelte der Preffe folgende Erklärung: Tie Grubenarbeiter wandten sich nicht an die MmerSunion oder deren Beamte. Ich kann für mich z. Z. nur die Erklärung abgeben, daß eine Mitteilung über bie Stellungnahme der Grubenarbeiter bann erfolgen wird, sobald uns bie volle Bedeutung deS Vorschlags der Grubenbesitzer klar geworden sein wird.


