Nr. 190 Erstes Blatt.
ISS. Jahrgang
Freitag IS.August 1902
Erscheint täglich außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Zamillen- blätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Untvers.-Buch» u. Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei:
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Adresie für Depeschen: Anzeiger Gießen.
f^ernsprechanschluß Nr. 51.
GiehenerAnzeiger
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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Die heutige Nummer umfaßt 8 Seite«.
Das Kntrüstongstelegramm des Kaisers.
Wie aus München telegraphiert wird, wurde dort die Nachricht von dem Depeschenwechsel zwischen dem Kaiser und dem Prinzregenten in der Nacht durch Extrablätter bekannt gegeben. In den Restaurants herrschte große Erregung. Vielfach wurde behauptet, der Inhalt des Kaiser- Telegrammes müsse den Regenten verletzen. Von einer Verstimmung kann natürlich im Ernste keine Rede sein, zumal angesichts der Antwortdepesche an den Kaiser. Mit Recht wird darauf hingewiesen, daß der Kaiser in dieser Sache rein als Privatmann und Freund des Regenten ge- hanoelt hat.
Wir lassen nachstehend einige wichtige Preßstimmen über |Me neueste Kundgebung des Kaisers zur Kennzeichnung der öffentlichen Meinung folgen:
Die Münchener „Allg. Ztg" schreibt: Auf die Kunde von der Ablehnung der für Kunstzwecke geforderten Positron in der Zweiten Kammer war unter den Mitgliedern der Reichsratskammer eine Entschließung im Gange, die abgestrichenen 100000 Mk. auf dem Wege einer Subskrip- tionsgabe der Reichsratskammer dem Prinzregenten zur Verfügung zu stellen, als bereits die Kunde kam, daß von einem Mitgliede des Reichsrats 100 000 Mark bereitgestellt seien. Der Spender ist zweifellos Graf Moy. — Diesen positiven Mitteilungen fügt das genannte Blatt hinzu: Wolle man die edlen Gesinnungen, die spontan das Kaisertelegramm zum Ausdruck bringe, begreifen, so brauche man nur zwei Monate zurückzudenken an die schöne Feier des Germanischen Museums, an die von edlem fürst- llchen Empfinden getragenen Worte, mit denen der Kaiser als Burggraf von Nürnberg der Liebe und Verehrung Ausdruck gab, die, wie in Bayern, in den übrigen deutschen Landen dem erlauchten Regenten und sorgenden Vater Bayerns entgegenschlagen, brauche man nur der Bewunderung und Freude sich erinnern, mit welcher der Kaiser dankerfüllt hervorhob, wie treu Bayern als zweitgrößter Bundesstaat das Symbol germanischer Kultur und künstlerischen Strebens, geführt von seinem kunstbegeisterten Herrscherhause, hüte. Dann werde man sich gern dessen erinnern, wie vor diesen Traditionen sich beugend, der Kaiser sich einst gefreut hat, gewissermaßen Bürger des kunstfreudigen Münchens zu werden und in der Nachfolge der Fürsorge der bayerischen Könige für München als Kunststadt die ihm testamentarisch zugefallene Schacksche Gallerie für alle Zeiten für München bestimmte und dazu das Gal- leriegebäude erwarb. Seinen Namen allein habe der Kaiser unter das Telegramm gesetzt. Er habe nicht als Kaiser, nicht als König sprechen, sondern als erster deutscher Mann und Freund des ehrwürdigen Freundes Empfindungen Ausdruck geben wollen, welche die Kunde von dem volksfeindlichen, fast frivol begründeten Beschluß der Zweiten Kammer überall erweckt habe, wo man sich des deutschen Wirkens und Strebens des Regenten bewußt sei, und darum den Schlag, (b er also gegen dessen Schützling und die Kunst in Bayern geführt sei, schmerzlich mitsühlen mußte. Das Blatt schließt, es werde in Bayern bis hoch hinauf in die Berge noch lange nachklingen, wie der Regent für die freundschaftlichen Worte und das kaiserliche Interesse dankte, ohne auch nur mit einem Wort den Schmerz über die chm an- gethane Unbill zu verraten, wie er so schlicht seiner Freude darüber Ausdruck geben konnte, daß ihm bereits einer seiner Reichsräte die Summe zur Verfügung stellte, mit deren Bewilligung die Zweite Kammer an einer der vornehmsten Aufgaben Bayerns mitwirken und einem sürsoraenden Herrscherhause und dem Lande gegenüber ihre Schuldigkeit hätte thun können.
Die „M ünchener Neue st en Nachrichten" sagen, daß die Ablehnung der von der Regierung geforderten 100 000 Mark zur Erwerbung von Kunstwerken weit über Bayerns Grenzen hinaus beachtet und auf das schärfste kommentiert würde," und daß sie vor allem auch als d i r e k - ter Angriff auf Bayerns kun st freundlich en Regenten überall verstanden sei. Das war, sagt das Blatt, in den letzten Wochen unschwer sestzustellen. Die überraschende Impulsive Äußerung des Kaisers läßt aber jetzt erst den scharfen Eindruck erkennen, den das Verhalten des Zentrums hervorrief. Es werden sich auch denen, welche der Erregung, aus der heraus der Kaiser die Bitte an den Regenten richtete, von' Herzen zustimmen, gewisse Bedenken dem kaiserlichen Telegramme gegenüber aufdrängen, indem Kaiser Wilhelm II. an einem Beschlüsse der Kammermajorität eines Bundesstaates eine so scharfe Kritik übt, welche seine Person wieder mitten in den Kampf der politischen Parteien zieht. Die p a r t i k u l a r i st i s ch e Presse würde nicht verfehlen, dem Kaiser Einmischungen in die inneren Angelegenheiten eines anderen Bundesstaates vorzuwerfen, und das Anerbieten, dem Oberhaupte Bayerns die der Regierung von der Kammermehrheit verweigerte Summe als persönliche Gabe zu überreichen, werde gleichfalls nicht unkritisiert bleiben. Sicherlich verbessere es die Situation, daß diese Summe schon aus Bayern selbst zur Verfügung gestellt sei. Statt mit der Ablehnung des kaiserlichen Anerbietens, die wohl hätte erfolgen müssen, konnte nun der herzliche Dank des Regeillen mit dem erfreulichen Hinweis aus den Edelmut eines bayerischen Kunstfreundes verbunden werden. Und so können wir uns um so aufrichtiger dessen freuen, daß durch den Depeschenwechsel der beiden hohen Herren so nachdrücklich und unanfechtbar bezeugt worden ist die h e r z l i ch e u n d persönliche Freundschaft, die den Prinzregenten mit dem Kaiser verbindet, und die aufrichtige Verehrung, die der Kaiser dem Prinzregenten entgegen- bringt. Die Verschiedenheit des Naturells der der beiden Herrscher komnit in den Telegrammen klar zum
Ausdruck. Solche Verschiedenartigkeit führt sonst leicht zu Mißverständnissen und Gegensätzen. Jeden guten Bayern und jeden aufrichtigen Deutschen muß es von Herzen freuen, wie in diesem Falle der Ko ntrast überwunden wird durch die gegenseitige Hochschätzung und Sympathie und durch das gemeinsame Bewußtsein, im Dienste des großen deutschen Vaterlandes, zum Wohle des ganzen deutschen Volkes, der Erfüllung der schweren Pflichten zu leben, die der Herrscherberuf den Trägern der Krone auferlegt.
Der „Bayerische Kurie r", das Hauptorgan des Zentrums, schreibt: „Wären wir von parteipolitischem Egoismus erfüllt, so würden wir Viktoria rufen, denn eine bessereHilfe hätte sich! das'Zentrum gar nicht wünschen können, als sie ihm durch das Kaisertele- gramm zuteil wird; denn es ist der schwerste Schlag, der gegen das Ministerium Crailsheim bisher geführt wurde. Die bayerische Regierungspolitik ist so schwach und unselbständig, daß schon solche Reizmittel angewendet werden ,wie sie das Kaisertelegramm zeigt. Unterstützung von auswärts, von Preußen her ,muß ihr zugeführt werden, um sie anzustacheln und ihre Autorität aufzufrischen. Aber nicht bloß die Schwäche der bayerischen Regierungspolitik in den innerpolitischen Verhältnissen wird durch das Kaisertelegramm in drastischer Weise beleuchtet, sondern auch gegenüber dem Reiche und Preußen. Soweit hat es die bayerische Regierung durch ihr ewiges Nachgeben in der Reichspolitik gebracht, d> aß man im Reiche und in Preußen es für etwas ganz Selbstverständliches und Natürliches ansieht, offenkundig und vor allerWeltin bayerischeAngelegenheiten ein- zugreifen. Der Schatten, der dabei auf das Haus WiMls- bach fällt, wird wohl auch von der bayerischen Regierung peinlich empfunden; denn das Telegramm des Kaisers drängt geradezu die Frage auf: wenn nun einmal durch fürstnche Privathilfe die verlorenen Kunstpostulate des Landesbudgets ersetzt werden sollen, warum hat denn nicht das bayerische Königshaus, das ein erheblich größeres Hausvermögen besitzt, als die Hohenzollern, nicht selbst und zuerst die Mittel gegeben? Die Kundgebung ist zugleich eine eminente Angelegenheit des Reiches. Wir halten es mit Rücksicht .auf das monarchische Prinzip für höchst bedenklich, wenn ein Monarch in eigener Person sich in hie Parteikämpfe stellt. Aber wogegen wir hier schärfste Verwahrung einlegen müssen, ist die Einmischung des Kaisers in die Angelegenheiten der Bundes- st aaten. Mit dem Telegramm an den Prinzregenten Luitpold begiebt sich der Kaiser in das Gebiet Bayerns, und da ruft ihm das bayerische Volk entgegen: Majestät, noch ist das Haus Wittelsbach innerhalb der blau-weißen Grenzpfähle souverän, noch ist es Herr im eigenen Hause. Der Kaiser hat nicht die geringste Kompetenz dafür, die bayerische Abgeordnetenkammer wegen deren Verhalten in einer rein bayerischen Angelegenheit der „schnöden Undankbarkeit" zu zeihen und seine „tiefste Entrüstung" und „Empörung" über sie auszudrücken. Die bayerische Abgeordnetenkammer wird entschlossen die Selbständigkeit und Unabhängigkeit des Landes wahren und das Telegramm des'Kaisers zurück- weisen. Aber auch der Deutsche Reichstag wird nicht umhin können, Stellung zu diesem Telegramm zu nehmen; denn die Konsequenzen, die man aus dem Kaisertelegramm ziehen kann, sind für das Verhältnis der Bundesstaaten zu einander überaus bedenklich Wenn das üblich wäre, was hier in dem Kaisertelegramm zum ersten Male geschehen, bann würde für die bundesstaatliche Gliederung des Reiches schlimme Konflikte entstehen. Die Antwort des Prinzregenten ist eine ablehnende. Hier wie bei den Krisenvorgängen der jüngsten Zeit hat der Regent das Muster eines konstitutionell regierenden Herrschers gegeben, und die Dankbarkeit durch ein streng loyales monarchisches Verhalten zu beweisen, ist eine Pflicht aller Zentrumswähler. Das Kaisertelegramm wird in allen Kreisen ein Echo des verletzten Volksempfindens wecken, im Sinne eines Triumphes über die Regierungspolitik der autoritätlosen Schwäche,die Bayern in solche Wirren versetzt, die Krone und Staat in die durch das Kaisertelegramm geschaffene Lage gebracht."
Wir wollen noch hinzufügen, was das verbreitetste und angesehenste deutsche Zentrumsblatt, die „Köln. Volks- z e i t u n g", sagt: Die Ausdrücke, welche der Kaiser in seinem Telegramm braucht, sind stark, sehr stark. Man mag über den Abstrich der Kunstposition urteilen wie man will, Undankbarkeit gegen das £au5 Wittelsbach liegt dem Beschluß der Zweiten Kammer sicher nicht zu Grunde. Gut wittelsbachisch sind die Ablehnenden zweifellos alle, was man von denen, welche zugestimmt haben, mit derselben Bestimmtheit nicht wird sagen können. Der Gegenstand, um den es sich handelt, ist dom schließlich auch recht geringfügig. Das Oberhaupt des Deutschen Reiches sollte unseres Erachtens wegen einer solchen Bagatelle nicht eine so feierliche Kundgebung erlassen. Zur Not hätte ja auch Prinzregent Luitpold die 100 000 Mk. selbst aufwenden können, wenn er es für absolut nötig hielt. Arm sind die Wittels- bacher ja nicht. Politisch wiro, wie wir furchten, die kaiserliche Kundgebung in Bayern ungünstig wirken. Der Abstrich der 100 000 Mk. beruht auf einem Beschlüsse, welchen die Mehrheit der bayerischen Kammer innerhalb ihrer Kompetenz gefaßt hat. Das kaiserliche Telegramm stellt eine Zensurierung dieses Beschlusses dar, welche in Bayern zwei,, sellos als eine Einmischung in bayerische Lande s a n g e l e g e n h e it en empfunden werden wird. Und nicht mit Unrecht. Insoweit wirb nicht nur der weit über das Ziel hinausschießende bayerische Parttkutarismus von der Richtung des „Vaterland", sondern auch das berechtigte bayerische Selbstbewußtsein, wie es in der großen Mehrheit der Bevölkerung lebt, an der kaiserlichen Kundgebung Anstoß
nehmen. Die Reichsfreudigkeit kommt dadurch zu Schaden, und das ist zu bedauern.
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Der Katholikentag steyt bevor. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß in diesen Verhandlungen der Depeschenwechsel eine große Rolle spielen wird. Das Bedenkliche einer Gegenkündgebung werden sich freilich die Zentrumsführer nicht verhehlen. Es verdient betont zu werden, daß die obigen Ausführungen der „M. N. N." vom offiziösen Draht wiedergegeben werden, und zwar auch diejenigen Stellen, in denen „gewisse Bedenken" geäußert werden. Tas ist noch nicht dagewesen, daß das offiziöse Depeschenbureau diese und andere freimütige Bemerkungen verbreitet, und es wäre erfreuliche wenn auch in anberen Fällen bie Kritik ber Presse, soweit sie sich in den Grenzen des guten Tons hall, mit Der gleichen Unparteilichkeit und Unbefangenhell von dieser Seite aus reproduziert würde. Da das offiziöse Depeschenbureau fast immer die Billigung einer Regierungsstelle einholt, bevor es Mitteilungen aus hochpolitischen Anlässen weiterbefördert, so ist zu vermuten, daß auch diesmal derart verfahren worden ist, und daß man an amtlicher Stelle sich einverstanden erklärt hat.
Man fragt, welcher Staatsmann hat die Verantwortung für die kaiserliche Kundgebung und für deren Veröffentlichung übernommen? Unseres Erachtens kann eine solche Verantwortungsübernahme staatsrechtlich nur für die von Berlin aus erfolgte Veröffentlichung in Betracht kommen. Ohne diese Publikation blieben die Depeschen des Kaisers und des Prinzregenten ein persönlicher Meinungsaustausch, der als solcher nicht der Kritik unterliegen kann. „Offiziell" wurde die Kundgebung durch die Veröffentlichung. Mit Recht sagt die „Voss. Ztg." des Kaisers „Umgebung hätte es wissen können und sollen", daß die 100 000 Mark bereits aufgebracht sind. Ob das Telegramm an den Prinzregenten nach solcher Informierung unterblieben wäre, läßt sich natürlich nicht entscheiden. Wohl aber würde der Inhalt vermutlich anders geworden sein, und das wäre „philosophischer" gewesen.
Politische Tagesschau.
Sensationsnachrichten aus Rußland.
Tie englische Presse sucht offenbar ihrem Aerger ÜB er den guten Verlauf der Rev aler Kaiser begegb nun g dadurch Lust zu machen, daß sie Skandalnachrichten über den Zaren in Umlauf setzt. So wird aus Moskau dem „Morning Leader" gemeldet, daß der Zar feinen intimen Ratgebern gegenüber ganz ernsthaft den Wunsch ausgerückt habe, zuGunstenseinesBruders, des Großfürsten Michael Alexandrowitsch, abzudanken. Seine Majestät solle durch die innere Sage des Landes gänzlich entmutigt worden sein und weder die Willenskraft noch die physische Stärke besitzen, Herr der Sage zu werden und seiner reaktionär gesinnten Umgebung Trotz zu bieten. Sein Entschluß, abzudanken, würde aller Wahrscheinlichkeit nach unwiderruflich werden, wenn die Kai- serin, die im September ihrer Niederkunst entgegen- sehe, ihn diesmal nicht mit einem Thronerben beschenken sollte. Diese Meldung, die außerhalb Englands auch so niemand für bare Münze genommen haben würde, wird nunmehr aus Rußland mit Bestimmtheit dementiert.
Nach Privatmeldungen wurde das Attentat auf den Gouverneur von Charkow, FürstenObolenski,im Auftrage des revolutionären Zentralkomitees ausgeführt. Dieses hatte den Fürsten zum Tode verurteilt, weil er anläßlich ber jüngsten Unruhen über zahlreiche Studenten so unmenschliche Prügelstrafen verhängt hatte, daß sie unter den Händen der fie strafenden Kosaken als förmliche Fleisch, klumpen liegen blieben. Da Obolenski ein Dowesches Panzerhemd trägt, kam er mit einer leichten Halswunde davon. Tas Attentat wurde im Sommertheater gegen 10 Uhr abends verübt. Ter Gouverneur stand im Zwischenakt beim Eingang in seiner Soge und unterhielt sich mit dem Präsidenten des Sandschaftsamts Gordejenko, dessen Frau und dem Land- schastsBeanllen Olchowski, als ein in einen Mantel gehüllter junger Mann an bie Gruppe herantrat und in einer Entfernung von zwei Schritten vom Fürsten über die Schulter der Frau Gordejenko einen Revolver auf ihn schoß. Frau Gordejenko ergriff den Attentäter an der Hand, der einen zweiten Schuß abgab, der ebenfalls fehlging. Ter Attentäter wurde hierauf von herbeigeeilten Polizeibeamten und dem Publikum ergriffen und zu Boden geworfen, wobei er heftigen Widerstand leistete, und noch zwei Schüsse abfeuerte. Der Polize im Lister von Charkow, der den Attentäter an der Schuller ergriffen hatte, wurde am linken Bein verwundet. Die Kugel ging oberhalb des Kniees durch das Fleisch, ohne Knochen und Knochenhaut zu verletzen. Dann erst gelang es, den Attentäter zu entwaffnen. Dem Polizeimeister wurde sofort ärztliche Hilfe zu teil, worauf er ins Krankenhaus gebracht und verbunden wurde. Das Befinden ist gut. Der Fürst Obolenski war erst vor einigen Monaten zum Gouverneur von Charkow ernannt worden. Er erhielt für Unterdrückung der Unruhen den Wladimirorden zweiter Masse. Ter Vergiftete weigert sich, seinen Namen anzugeben und irgendwelche Angaben über das Motiv der Thcll zu machen.
Der französische Ministerrat
beschäftigte sich am Donnerstag mit der Schließung der kongregauistischen Schoten im Departement Finistöre. Mi- nisterpräsidelll C o m b e s teilte mit, daß die Oberin der Kongregation der Schulschwestern ihm angezeigt habe, sie hätte zweimal die Schwestern aufgefordert, auseinanderzu-


