Angelegenheit ein HandelZramrnergtachten. Wrr kamen jedoch diesem Wunsche nicht nach, da wir, wie wir der betreffenden Firma auch mitteilten, nur an Behörden derartige Gutachten erstatten.
Das Großh. Ministerium des Innern hat bei den Handelskammern eine Umfrage veranstaltet, um möglichst umfangreiches Material über die bestehenden Kartelle zu gewinnen. Wir überreichten daraufhin eine Schrift von Prof. Tietzel-Bonn „Sozialpolitik und Handelspolitik", worin die Frage der Kartelle einer eingehenden Betrachtung unterzogen und besonders nachgewiesen wird, daß vor allem das Protektionssystem die Bildung monopolistischer Kartelle erleichtert. .
Zu einer Eingabe verbreiteten wir uns in erster Linie über die Wirkung des Kohlensyndikats und die Begünstigung desselben durch die in den 80er Jahren geschaffenen Export tarise, die man ursprünglich nur zur Hebung des damals unlohnenden Betriebes schuf, aber nicht bei Wiederkehr günstiger Perioden aufhob. Zur Illustrierung unserer weiteren Ausführungen gaben wir dem Gr. Ministerium Kenntnis von den Berkaufsbedingungen einiger Syndikate und von Aeußeruugen einiger unserer Mitglieder.
2. In der heutigen Sitzung wurde das Kartellwesen einer eingehenden Besprechung unterzogen und es wurde in folgender Resolution dazu Stellung genommen:
„Die Großh. Handelskannner Gießen begrüßt es mit Freuden, daß seitens der Reichsregierung und der Einzel- staaten dem Kartellwesen endlich eine erhöhte Aufmerksamkeit entgegengebracht wird. Wenn , wir auch nicht verkennen, daß die Kartelle in Zeiten wirtschaftlicher Depression in nützlicher Weise nivellierend auf Produktion und Preise ein wirken können, so ist doch zu konstatieren, daß sie u i ch t immer dieser Ausgabe in der jetzt Herrscheuden Periode der Depression nachgekommen sind. Ein gesetzliche sEiugreisen in die innere Organisation imd, Thätigkeit der Kartelle halt die Kammer.jedoch nicht für zweckmäßig, sie ordert aber im Interesse der Berbraucher einen gewissen taatlichen Einfluß auf den Inhalt der Statuten be- onders aber der Berkaufsbedingnngen, soweit sie geeignet int), schädigend auf Handel und Industrie einzuwirkeu."
Diese Resolution wird dem Großh. Ministerium mit eingehender Begründung übermittelt werden.
3. Die Einleitung zum Jahresbericht für 1901 wird vom Sekretär verlesen und mit einigen unwesentlichen Abänderungen genehmigt.
4. Verstaatlichung der Mobiliarseuerver- sicherung im Großherzogtum Hessen. Von Seiten einer Anzahl Industrieller unseres Bezirkes, deren Betriebe einer höheren Gesalirenklasse angehören, war das Ersuchen gestellt worden, beim Großh. Ministerium den vom Landtage einstimmig angenommenen Antrag auf Einführung der staatlichen obligatorischen Mobiliarver- ficherung zu b e f ü r w o r t e n. In der Begründung wurde überzeugend nachgewiesen, in welch' exorbitanter Höhe die Versicherungsprämie von den syndicierten Gesellschaften — bei 20—25 Prozent Selbstversicherung und kaum zu erfüllenden Vorschriften betr. Vergütung der Feuers- gefähr — den Versicherungsnehmern auferlegt werden. So sehr die Kammer auch das Verhalten der Versicherungsgesellschaften betr. angeführter Fälle mißbilligen mußte, so konnte sie sich doch nicht entschließen, dem Anträge zuzustimmen, indem aus die vielfachen Nachteile hingewiesen wurde, welche eine Verstaatlichung notwendigerweise im Gefolge habe. Auch wurde der Erwartung Ausdruck gegeben, daß die von der Reichsregierung geplante (Enquete über das Syndikatswesen sich auch auf diesen Weg erstrecken und mau Mittel finden werde,' erkannte Harten zu beseitigen; ebenso sei von dem Vorgehen des Feuer- versicherungs - Schutzverbandes wohl eine günstige Einwirkung zu erwarten Um weitere Greife über die von jener Seite dem Allgemeininteresse drohenden Gefahren auf- zu klär en, hält es die Kammer für geeignet, den Redner des Schutzverbandes, Herrn Tr. Prange,zuVorträgen in Gießen und Alsfeld zu veranlassen Der oben genannte Antrag wurde zu rückgezo gen und beschlossen, dem Gr. Ministerium die vorliegenden Beschwerden zu unterbreiten mit dem Ersuchen, falls nicht die Absicht bestehe, einer Verstaatlichung der Mobiliarfeuerversicherung näher zu treten, in anderer geeigneter Werse einen Schutz gegen erwähnte beschwerende Bestimmungen schaffen zu wollen.
Eingänge. 1. Mitteilung des Handelsvereins Lauterbach: die Kaufmännische Fortbildungsschule Lauterbach unterstellt sich der Oberaufsicht der Haudels-- kammer. Diese solle durch chre Mitglieder, die Herren Hoos und Dürbeck ausgeübt werden. Das Gleiche ist vom Kaufmännischen Verein in Alsfeld zu berichten, dessen Fortbildungsschule den dortigen drei Mitgliedern der Handelskammer in Vertretung derselben untersteht. 2. T^nk- schrift über die unterschiedliche Behandlung der deutschen Rheinhäfen gegenüber den Nordseehäfen in den Gütertarifen der Königl. preuß. Staatseifenbahnen (an den preuß. Minister für öffenlliche Arbeiten gerichtet von der Handelskammer Duisburg, dem Verein zur Wahrung der, gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westalen und andere). 3. Eingabe der Handelskammer Oldenburg an den Reichstag über die Bedeutung desGerstenzollesfür DeillschlandsHandclsbeziehungen zu Rußland und der Amerikanischen Union. Im Gegensatz zu den zahlreichen bisher über den Gerstenzoll veröfent- lichten Eingaben und Denkschriften, welche diese Frage lediglich unter dem Gesichtspunkte der Schädigung der deutsch«! Viehzucht und des Braugewerbes behandelttn, ist in dieser Eingabe versucht worden, die hmckelspolittsche Bedeutung des Gerstenzolles besonders in Hinsicht aus Rußland und die amerikanische Union darzulegen. Zu diesem Zwecke ist auf den Umstand hingewiesen worden, daß die Erhöhung des Gerstenzolls, wie es besonders nach den Vorschlägen der Tarifkommission in Aussicht genommen ist, die Folge haben muß, daß die russische Futtergerste noch mehr wie es im letzten Jahrzehnt schon der Fall gewesen ist, durch den amerikanischen Mais verdrängt werden wird und zwar zur Erschwerung unserer künftigen Vertragsverhandlungen mit Rußland. — 4. Zweielhafte Firmen in Rumänien (Jassy), Rußland (Petersburgs, England (London), Mitteilungen über Eigarreuversandt nach Indien, Monazitsandlager in Brasilien, Lage der Eisen-Industrie für Stahl-Walzwerk- erzeugnisse in den Vereinigten Staaten, Einführung amerikanischer Lokomotiven in Japan. 5. Mitteilung der Königl. Preuß. und Grvßh. Hess. Eisenbahndirektion Mainz, daß ür die Strecke Mainz-Alzey nie die Absicht bestanden habe, die Züge 431 und 438 im nächsten Sommerfahrplan ausfallen zu lassen. Dagegen habe sich die Direktion der Pfälzischen Eisenbahnen in Ludwigshaen daftir entschieden, dis genannten Züge vom 1. Mai d. I ab auf der Strecke Alzey-
Kaiserslautern nicht mehr verkehren zu lassen, und es sei trotz Gegenvorstellungen bei diesem ablehnenden Bescheid wegen der mangelhaften Besetzung dieser Züge verblieben. 6. Dttt- teilung der Handelskammer Stolp, daß die Eingabe betr. Wägegeld im Einverständnis mir den Handelskammern Gießen, Hannover, Limburg a. d. Lahn an den Minister der ösentlichen Arbeiten abgesandt sei. 7. Mitteilungen über eine permanente Ausstellung deutscher Erzeugnisse in Barcelona. Interessenten erhalten nähere Auskunt auf dem Sekretariat.
Vermischtes.
* Frühliugssonntag-Gewitter. Die Berllner Blätter enthalten spaltenlange Berichte über die Einzelheiten von der Gewalt des Gewitters vom Sonntag und Montag. Die Feuerwehr mußte in vielen Fällen die Bewohner von Kellerwohnungen in Sicherheit bringen, ja in der Wiege auf den Fluten schwimmende Kinder. In manchen Straßen waren sämtliche Keller überschwemmt. Die Straßen standen teilweise mehr als fußhoch unter Wasser, die tiefer gelegenen wiesen einen Wasserstand von einem Meter auf. In vielen Geschäften wurden die Schaufen st er vondenWasser- massen eingedrückt. Eine Anzahl Häuser mußte geräumt und gestutzt werden, weil eine Einsturzgefahr vorlag. In der Gerichtsstraße sind 3 Häuser eingestürzt. In dem einen sank ein betagtes Ehepaar mit den Trümmern bis ins Erdgeschoß herab und stand bis zum Halse im Wasser. Nur mit NLühe konnten die Leute von der Feuerwehr gerettet werden. Auch im Südwesten der Stadt waren viele Keller überschwemmt. Die Bewohner, die im Schlaf von der Flut überrascht wurden, gerieten in Lebensgefahr und mußten von der Feuerwehr gerettet werden. Die Einrichtungen der Kellerwohnungen wurden vielfach gänzlich verdorben. Am Lehrter Bahnhofe stand das Paketpvstamt so tief unter Wasser, daß alle Poststücke umherschwammeu. Auf sämtlichen Wasserläufen mußten die Schisser alle Mann an die Pumpen rufen, um die Fahrzeuge vor dem Sinken zu bewahren. Die Feuerwehr war so stark in Anfprprch genommen, da hsie nur einem Heinen Delle der Anforderungen entsprechen konnte. Im Abgeordneten Hause mußte das Dtaschinenhaus von der Feuerwehr ausgepumpt werden. Im GeheimenMilitärkabinett, Schauspielhaus und Museum stand das Wasser fußhoch in den Kellern. In vielen Keller-Werkstätten schwammen Tische, Stühle urll) Gerätschaften umher. In der Äjorkstraße stand das Wasser einen Meter hoch, sodaß dieselbe zum Teil noch unpassierbar ist. Beim Rosenthaler Thor wurden zwei Arbeiter, die mll dem Ausbessern schadhaft gewordener Leitungen beschäftigt waren, durch Starkstrom der Sttjaßen- bahn-Leitung getroffen und erlitten derart schwere Brandverletzungen, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. In der Rosenthalerstraße traf ein Blitz einen Mast und setzte die Umhüllung der Leitungsdrähte in Brand. Ehe die Drähte beim nächsten Mast ab» geschnitten werden konnten, teilte sich die Elektrizität einer Fontaine mit. Das Wasser wurde derart erhitzt, daß es zu dampfen begann. Auch beim Nordring-Zug trug sich ein schwerer Unglücksfäll zu. Ein Lokomotivführer und ein Heizer wurden vom Blitz getroffen und beide schwer verletzt. Oberbürgermeister Kirschner erschien, um die Unglücksstätte zu besichtigen. Da die Straßenbahn nicht verkehrt, vermittelten Möbel- und andere Wagen den Verkehr inden Straßen. In der Kunstausstellung mußte die anwesende Wache zusammen mit dem Personal viele Gemälde in Sicherheit bringen Infolge der vom Tempelhofer Feld auf das Geleise laufenden Wassermassen stockte drei Stunden auf der Anhalter Bahn aller Verkehr. Ein auf dem Patrouillengang befindlicher Polizeileutnant wurde, als er in die Nähe eines Mastes der elektrischen Straßenbahn kam, durch einen in den Ausschaller einschlagenden Blitzstrahl so betäubt, daß er erst nach längerer Zell in seine Wohnung geschafft werden konnte. — Auch in verschiedenen Teilen Württembergs gingen heftige Gewitter nieder. Blitz und Wasser richteten tellweise nicht unerheblichen Schaden an. Ferner ist in dem uns benachbarten Ohmthal ein schweres Unwetter mit Hagelschlag niedergegangen. In Rüdigheim bei Kirchhain entstand durch Blitzschlag Feuer.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Frankfurt a. Dä, 14. April. Tie Direktton der Munrulatoreuwerke Pollack veröffenllicht folgende Mit- teilungir Wir beehren uns Ihnen mitzutellen, daß Herr Mafsenbach aus dem Vorstände unserer Gesellschaft ausgeschieden ist. Zeich-nungsberechttgt bleiben nunmehr das seitherige Vorstandsmitglied Herr Direktor Friedrich Dreyer, ferner die Prokuristen Herren Hauaczik, Ziegler und Dr. Hanauer. Je zwei dieser Herren sind-berechtigt, gemeinsam die Firma zu zeichnen. Die Geschäfte der Gesellschaft werden in unveränderter Weise fortgeführt.
Efsen a. d. Ruhr, 14. April. (W. B.) Kohlenmarkt. Sttlle Marktlage.
Breslau, 14. April. In der heutigen Generalversammlung der Breslauer Diskonto-Bank wurden sämtliche Anträge ohne Debatte einstimmig angenommen und in gleicher Weife der Vertrag mit der Darmstädter Bank genehmigt.
Farbwerke vvrm. Meister L Brüning Höchst am Main. Daß eine Dividende von 20 Proz. zur Verteilung gelangt, haben wll bereits mitgeteilt. Ter Geschäftsgewinn beträgt nach reichlichen Abschreibungen und Ueberweisungen Mk. 4 406 922 (V. 4 764 601). Die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr werden als günstig bezeichnet.
Neue 3i/2prozeutige Badische Staats-Anleihe. Ein Konsortium, worunter die Diskontogesellschaft und die Deutsche Bank, haben eine Anleche von 42 Mill. Mark Zi/sproz. badische Liseribahuschuldverschreibuugen unkündbar bis zum L April 1910 übernommen. Dieselben sollen voraussichtliche am 22. oder 23. April zur Subskription gestellt werden.
Deutsche Gasglühlicht-Aktiengesellschaft Berlin. Der Einspruch gegen ein von einem Ausländer beim Patentamt gemeldetes Verfahren Lur Herstellung eines Osmiumfadens ist zurückgewiesen worden.
Die Stolbergsche Zinkhütte hat einen bedeutend niedrigeren Reingewinn als im Vorjahr erzielt. Derselbe beträgt nur 391613 Mk. gegen 1395 338 Mk. i V. Der Anf- sichtsrat schlägt vor, denselben zu Abschreckungen zu verwenden und Es dem Dividendenergänzungsfouds 5 Proz. (V. 8 Proz.) zu zahlen.
Neue russische Staatsanleihe. Der ganze Betrag der neuen Anleche ist bereits ab genommen. Tw Zulassung zum Illtimohandel ist sowohl in Berlin wie in Frankfurt beantragt.
Zur ungarischen Konversion. Di« Durchfllh- runq der Konversion soll unmittelbar bevorstehen. Der Prospekt soll noch vor dem 20. d. M. veröffentlicht werden, da alles, soweit es mögli chgewesen, vorberellet wurde. Daraus, daß von den 4i»proz. Titres so wenig auf den Markt kommen, prognostiziert man einen guten Erfolg. Noch in diesem Jahre sollen auch 32s 2 Millionen Kroattsche Obligationen zur besonderen Konversion gelangen.
Friedens aus sichten. Obwohl dieselben nach den neuesten Depeschen immer vager werden, beharrt die Börse in der gegenteiligen Hoffnung, ja sie häll den Abschluß! des Friedens schon für so unmittelbar bevorstehend^ daß sie ihn jetzt schon eskomptteren zu dürfen glaubt. Als ein günstiges Kichert wlld es betrachtet, daß Ehamberlallr dem König gestern Vortrag gel-alten hat. Infolgedessen, waren die Kurse trotz der Unruhen in Belgien für die moitzen' Werte sehr fest.
Märkte.
Gießen, 15. April. Marktbericht. Auf dein heutigen WochenrnariL kosteten: Butter pr.Psd. 1,10—1,20 All., Hühnereier i Stck. 6 Psy^. Gänseeier 12—14 Pfg., Enteneier 7—8 Pf., Käse pr. Stück 5—7 Pj., Käsematte 2 Stck. 0-0 Pfg., Erbsen pr. Liter 19 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Tauben pr. Paar 0,80—1,00 All., Hühner pr. Stück 1,00—1,50 M., üahnen pr. Stuck 1,20—1,80 Mk., Enten pr. Stück: 2,40—2,60 Mk., Gänse pr. Psd. 00—00 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—64 Pfg., Schwein,»- fleisch pr. Pfund 70—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfu.nd 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 64—66 Pfg., Hammelfleisch pr. Pßmü 50—70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 3,50—3,80 Mk., Weißkraut per! Stück 00—00 Pfg., Zwiebeln pr. Zenttier 7,50—8,50 SDIL, Milch berj Liter 18 Pfg. Aepfel per Psd. 0—00 Pfg., in Körben 00—00 Pfg^ Trauben 0Ö—00 Pfg.
Dauer der Marktzeit von morgens 7 Uhr bis nachmittags 1 Uhr, während der ersten drei Sttuiden der Marktzeit darf nur auf den bestimmten Derkailfsplätzerr und nicht im Umherziehen feilgeboten werden.
GerWssaal.
S. Gießen, 12. April. Gew erbegericht. Den Vorsitz» fühtt Beigeordneter Wolff. Der Taglöhner Heinrich Sauet hier klagt gegen den Kaufmann Jakob Happel hier auf! Zahlung einer Entschädigung wegen unbefugter kündigungSlose« Entlassung. Die Patteien schließen im heutigen Termin einens Vergleich ab. — Alois Göbel, Koch von hier, verlangt von seinen» Arbeitgeber, Restaurateur Gustav S k a l i z k y hier, noch 5 Mark! Restlohn. Der Beklagte beantragt Klageabweisung, weil er mc Entlassung des Klägers und zur Forderung von Schadenersatz berechtigt sei. Der Kläger habe Ausgang gehabt und setz trotzdem, ihm ausdrücklich erklärt worden, um 7 Uhr abends wieder int Geschäft zu sein, erst den anderen Morgen gekommen. Der Kläger giebt dies zu. Der Beklagte erklätt noch, daß er die dem Kläger einbehaltenen 5 Mark an das Armenamt zur Verwendung für Arme abgegeben habe. Da 5lläger die Entscheidung des StreiteSs imtcr Zuziehung von Beisitzern beantragt, wird ein weiterer Ver^ Handlungstermin anberaumt.
Berlin, 13.April. Wegen einer tö blichen Ohrfeige hatte sich gestern der Handschuhmacher Wilhelm Kloth vor dem Schwurgericht des Landgericht 1 zu verantworten. Der Angellagte StU kam in einer Nacht in ein Schanklokal, um noch ein »Schlüße Seidel" zu trinken. In dem Lokal saß an einem Tisch eine ur>i verehel. Krüger und roac emgeschlaseu. Der Angeklagte machte sich den Scherz, die Schläferin aufzurütteln. Als K. den Scherz wiederholle, bedachte jie ihn mit einer Flut grober SchimpfrvoaZLj die der Angeklagte mtt einer Ohrfeige beantwortete. Diese mutz etwas kräftig ausgefallen sein, denn die Geschlagene siel mit dem Kopse auf die Tischkante und bann zu Boden und blleb besinuungs- los liegen. Sie nuchte nach dem Krankenhause transportiert werden imb ist daselbst bald gestorben. Nach dem Gutachten der ©e-' richtsärzte Dr. Stornier und Medizinalrat Dr. Mittenzweig ist der Tod durch Blutung im Gehirn erfolgt und auf den Schlag bezm, das Aufschlagen oes Kopfes auf die Tischkante zurückzuführen.^ Rechtsanwalt Dr. Broß erbat mlldernde Umstände, da es sich um einen uuglücklichen Zufall handle. Die Geschworenen bewilligten die mildernden Umstände und der Gettchtshof verurteille dcn Arv« geklagten zu 9 Monaten Gefängnis.
UniversMs Nachrichten.
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April
Wetter
8
13. bis 14. April 19,1° C.
9,8° C.
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14.
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Höchste Temperatur am
Niedttgfte „
^Sonnenschein Bew. HrnnneL
Meteorologische Beobachtungen
der Station Gießen.
ZK Äto
München, 14. April. Der Verein deutscher
ä r z t e hält heute und morgen eine Jahresversammlung unter dem! Vorsitz des Geh. Medizinalrats Prof. Zplly-Berlin ab. In der Ev-, öffnungssitzung begrüßte Oberinedizinalrat Grashey die 93er* sammelten im Namen der bavettschen Staatsregierung und betontes babei, daß der Verein einen segensreichen Einfluß sowohl auf AuL-^ geftaltung in psychiatrischen Fragen, wie auf praktischem Gebiet ti der Fürsorge für Geisteskranke und Erttchtunb von Jrrenanstallew gewonnen habe. Es erfolgten wettere Begrüßungsansprachen inr Namen der oberbayettschen Kreisregierung, 8er Stobt Münchens und der Technischen Hochschule. Sodann begann eine Reche fach--, wissenschaftlicher Vorlläge.
Charkow, 14. April. Die hiesige medizinische Gesellschastf wählte Prof. v. Leyden--Berlin zum Ehrenmitglied, (Leyoew begeht am 20. d. M. seinen 70. Gebuttstag. D. Red.)
— Akademie für Sozial- und Handelswiffenschaften te Frankfurt a. M. Das Sommersemester beginnt am 15. ApriL mit einem Vorlesungsverzeichnis, bas an Reichhalligkell das des! Wintersemesters übertrifft. Während die Zahl der wöchenllicheuj Ultterttchtsstunden im Winter durchschnittlich noch nicht 90 betrug* wird sie im Sommer über 100 betragen. An dem Zuwachs sind; namenttich die Sprachen beteiligt So wird jetzt aud) Gelegenhew gegeben. Italienisch (Dr. Ott) und Spanisch (Oberlehrer Dr. Gräfenberg) an der Akademie zu lernen.
— Eine kaufmännische Nniverfität. Der Mailänder Groß» Eaufmann Bocconi widmete eine Million Lire zur Errichtung einer kaufmännischen Hochschule in Mailand, welche den Tllel „VniversitA commerciale Luigi Bocooni“ führen soll. Das zu gründende Institut soll nicht den Charakter einer professionellen Handelsschule haben, sondern feinen Hörern eine vollständige hochschulmäßige Ausbildung für die kaufmännische Laufbahn vermitteln.
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