Ausgabe 
15.2.1902 Zweites Blatt
 
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** Smrzert. Morgen mittag findet in der NordanLage die übliche Promenadenmusik statt mit folgendem Programm: 1. Krönungsmarsch a. d. Op.Die Folkunger" von Kretschmer. 2. Ouvertüre z. Op.Stradella" von Flotow. 3. Corso- Quadrille von Krauße. 4. Szenen a. d. Op.Lohengrin^ von Wagner.

Verband hessischer Zimmermeister. Dieser Tage fand hier imLenz'schen Felsenkeller" eine Versammlung des Ver­bandes hessischer Zimmermeister statt. Der 1. Vorsitzende de§ GesamtverbandeS, Wittmann aus Darmstadt, erläuterte in sachgemäßer Rede den Stand des Zimmcrhandwerks; er be­leuchtete die Auswüchse und Mängel, welche sich in dem Zimmerhandwerk herausgebildet haben, und ging dann u. a. auf die Konkurrenz ein, unter der die Zimmermeister zu leiden haben. Zur Hebung des Zinunerhandivcrks sei es unbedingt erforderlich, daß alle selbständigen Zimmermcister sich dem Verband anschließen, um gemeinschaftlich eine Besserung herbei­zuführen.

** In derOrtsgruppe Gießen desAlldeut­schen Verbandes" hielt am Freitag im Cafö Ebel Ober­lehrer K. Berger-Worms einen Vortrag überDeutsche Weltpolitit und Auslandschulen". Der Redner führte zu­nächst aus, wie das deutsche Voll, später als die anderen- Großstaaten, zu weltpolitischem Handeln berufen worden ist. Bon deutscher Weltpolitik ist die Ausbreitung deutscher Kultur und deutschen Geisteslebens nicht zu trennen. Die deutsche Weltpolitik muß erweiterte Heimatspolitik sein. Sollen die weltpolitischen Unternehmungen Dauer und Be­stand haben, so muß eine organisch-systematische Behandlung des überseeischen und auslärrdischen Deutschtums Platz greifen. Es genügt nicht, neue Absatzgebiete für Handel und Industrie zu schaffen. Diese müssen zugleich auch Stapel­plätze deutscher Sitten und deutscher Gersteskultur werden, bleibende Pflanzstätten deutscher Arbeit. Nur die Diszipli­nierung der Arbeit bietet die Gewähr geistigen und wirt­schaftlichen Uebergewichts. Dazu gehört eine richtige Schul­politik für Auslandsschulen. Redner giebt sodann einen kurzen Ueberblick über Geschichte, Stand nnd Zahl der deut­schen Auslandsschulen und weist nach, wie die Gründungen solcher einen Temperaturmesser der jeweiliger: nationalen Wärme ab geben. Bis zum Jahre 1870 gab es nur fünfzig solcher Schulen auf der ganzen außerdcutschen Erde (mit Ausnahme von Rußland, Oesterreich-Ungarn, Luxemburg, der Schweiz und der Vereinigten Staaten von Nordamerika), heute zählt man etwa tausend. Redner verbreitete sich über die Mängel des deutschen Auslandsschulwesens, die Woh­nungsnot, den Mangel an geeigneten Lehrkräften rc., Schäden, die alle mit dem Fehlen ausreichender Mittel zu s am men häng en. Im einzelnen belegte er seine Ausfüh­rungen mit zahlreichen Verspielen. DerAllgemeine deut­sche Schulverein zur Erhaltung des Deutschtums im Aus­lande" leistet zwar Großes, aber auch er wird von fran­zösischen, tschechischen und ähnlichen Vereinigungen weit übertroffen. Zum Schlüsse betont Redner die Notwendig­keit der Errichtung eines R eich s sch u lam t es und einer Reichsauskunstsstelle für das deutsche Aus­landsschulwesen, wie es Italien z> B. längst hat. Der Vortrag wurde von den lehr zahlreich erschienenen Zuhörern, hauptsächlich Studenten, mit Beifall ausge­nommen.

o. Wüstwillenrod, 13. Febr. Einige Herren von ?iter und aus der Umgegend hatten, durch mancherlei reudige Ereignisse veranlaßt, beschlossen, sich gemein­schaftlich in unserem Dorfe ein festliches Mahl bereiten zu lassen. Dieser Tage wurde denn auch dieser Beschluß zur Ausführung gebracht. Ein Herr hatte sogar zur höheren Feier des Tages acht Flaschen Sekt mitgebracht. Tie Speisen mundeten vorzüglich und mancher empfand schon Prickeln auf der Zunge, wenn er an das edle Naß dachte. Aber, o Schreck! als man die acht Weithalsigen holen wollte, waren sic verschwunden. Ob Diebstahl oder ein Schabernack vorlicgt, konnte nicht ermittelt werden. Doch soll man an jenem Abend verschiedene saure Gesichter gejehen haben.

ti. Darmstadt, 14. Febr. Der für nächste Woche ange­sagte Besuch des Groß Herzogs von Sachsen-Weimar am hiesigen Hofe ist bekanntlich im vorigen Jahre wegen Ab­wesenheit unseres Landesfürsten verschoben worden. Es wird deshalb diesmal ofsizicller Empfang mit Stellung einer Ehren- Konpzagnie, Galatafel rc. stattfinden. Gestern Abend folgte der Groß Herzog einer Einladung zu einer musikalischen Abendunterhaltung des Divisions-Kommandeurs General v. Per band. Zur Verbesserung der oft kritischen hiesigen Feuerlöscheinrichtungen rc. ist die ständige Bereit­stellung von 4 Pferden zum sofortigen Transport von Wagen und Spritzen, sowie die Erhöhung der Feuerwache auf 14 Mann vorgesehen worden. In der gestrigen geheimen Stadtver­ordnetensitzung wurde das Pensions-Gesuch des Markt­inspektors Dick genehmigt.

Darmstadt, 14. Febr. Das Scheiden des als Ober- staqtsanmalt nach Gießen versetzten seitherigen Großh. Land­gerichtsrats von Hessert hatte gestern Abend auf Anregung dcS Großh. Landgerichtspräsidenten Herz berg er zu einer zwanglosen Abschiedsfeier im BritanniahotelVeranlassung gegeben. Die sämtlichen Mitglieder des Landgerichts und der Staatsanwaltschaft waren derDarmst. Ztg." zufolge anwesend, und der Verlauf de§ Abends legte eben so sehr von der Beliebtheit dc§ Scheidenden, wie von dem schönen kollegialen Verhältnis der Mitglieder dieses Gerichts beredtes Zeugnis ab. Präsident Herzbcrger verlieh den Gefühlen der Versammelten warmen Ausdruck, wahrend Oberstaatsanwalt Dr. PreetoriuS der Familie des Herrn von Hessert herzlich gedachte und der Gefeierte seinen Dank aussprach.

- Kleine Mitteilungen ans Hesien und den Nachbarstaaten. Der in der Gemarkung Nodheim v. d. H., gelegene, der Fa­milie von Rothschild gehörige, 64 Hektar große Wald Altcrberg" wurde durch den Forstmeister Schwarz in Hom­burg für den Hessischen Staat zu dem Preise von 50 000 Mk. angekauft.

Vermischtes.

Scheidungsgründe. In einer Studie der Zeit­schriftThe Nineteenth Century" beklagt W. S. Lilly die neuzeitlichen Anschauungen über die unauflösliche Ehe und legt sie der herrschenden materialistischen Weltanschauung zur Last, die auch in der zünftiger: Philosophie das Werd wieder zum vorübergehenden Spielzteug der männlichen Launen berabwürdigen wolle. Die heutige Philosophie ver­neine das Dasein der Vernunft, setze den Instinkt an ihre Stelle und dieser dränge zu Polygamie und -um Konkubinat. Da, aber nach dem Satze inest in rebus humanis quibant ciLcuürs dir menschliche Entwickelung sicht in einer geraden

Linie erfolge, sei zu hoffen, daß die Kirche dieser Lockerung der Sitten wieder Herr werde. Der Verfasser erinnert daran, daß vor allem die Publizisten der französischen Revo­lution den: unkeuschen Wesen den Weg geebnet hätten. Durch ein Gesetz von 1792 war die Scheidung bekanntlich völlig freigegeben. In den diesem Gesetz folgenden 27 Monaten wurden in Paris allein 6000 Ehen geschoben, und im Jahre 1797 war die Zahl der Ehescheidungen größer als die der Heiraten. Duval, in seinen Souvenirs Thermidoriens, er­zählt darüber:Man ging auseinander so leichten Herzens, als ob man Blumen oder Kirschen pflücke:: gehen wollle. Der Ehegatte hatte seine Geliebte und wurde seines Weibes überdrüssig, die Gattin hatte einen Liebhaber und wünschte nichts sehnlicher, als ihren Gatten los zu sein. Sie sagten sich das, gingen aufs Rathaus, gaben an, daß^sie nicht mehr neben einander leben tonnten, und am selbe:: Tage noch oder am nächste:: war die Ehe geschieden wegen Unvereinbar­keit der Temperamente. Wer fragte danach, was aus den Kinder:: wurde'? Die Gatten waren sich los, das war die Hauptsache. Es war gar nicht selten, bei dieser fixen Ge­schäftsgebarung Fälle zu finden, wo sich Leute in sechs Monaten sechsmal hatten scheiden lassen. Dabei, kamen drollige Dinge vor. So wechselten Ehegatten ihre Ehe­frauen gegenseitig aus uni) waren über dies Tauschgeschäft so entzückt, daß sie die neue Hochzeit zusammen feierten und die Koste:: auf gemeinsame Rechnung übernahmen." Der Code Napoleon machte diesem Unwesen bekanntlich ein Ende. Heutzutage wuchern nach dem Verfasser die Ehe- scheidunge:: in Amerika. In den Vereinigten Staaten gelten folgende EhescheidungSgründe: Untreue in 46 Staaten, bös­williges Verlassen in 44, Verschwinde:: in 42, Grausamkeit (cruelty) oder Furcht vor Gewaltthätigkeiten in 40, Ein­sperren in 38, Trunksucht, Unmäßigkeit oder gewohnheits­mäßige Vermischung in 37, Impotenz in 36, Mangel an Voraussicht (failure to providc) in 21, alte Sünde:: vor der Heirat in 13, unanständige Behandlung in 7, Geisteskrank­heit in 5, Getrenntlebe:: in 2, schwere Vernachlässigung der Pflichten in 2, wenn der Man:: ein Vagabund ist in 2, wenn das Weib nicht in einen anderen Staat mittommen will in 1, wenn man das Weib vor die Thür setzt in 1, zuheftiges Temperament in 1, öffentliche Verleumdung in 1 rc. Die amerikanischen Gerichtshöfe sind dabei sehr nachsichtig. So verhalfen sie beispielsweise einem Weibe zur Scheidung, weil ihr Mannsich nicht wüsche, was ihr eine Art Seelen­schmerz verursache", einem andern, weiler" nach 27jährigcr Ehe »gesagt habe:Tu bist alt und ausgemergelt (morn out), ich rann Dich nicht länger sehen", einem dritten, weil er" seine Fußnägel nicht beschneiden wollte, einem vierten, weiler" sein armes Weib durch Tabakrauchen an- und ausräucherte. Auf der anderen Seite er­langte vor amerikanischem Gerichte ein Mann die Schei­dung, weil ihn seine Frau mit dem Abstäuber aus dem Bette jage, ein anderer, weilsie" ihn verächtlich behandelte und gesagt hatte:Tu bist überhaupt fein Man::", ein dritter, weilsie" seine Kleider nicht ausbesserte, nicht kochte und seine Knöpfe nicht annähte, ein vierter, weilsie" ihn: einen derben Stoß mit ihrer Tournüre (Will) her bnstle) gegeben hatte. Alles das heißt in Amerikacruelty", der Begriff ist also so dchnungssähia ,to:e unser grober Unfug. Man ersieht aus der vorstehenden Schilderung, daß die neue Welt nicht bloß auf wirtschaftlichem Gebiete mit der alten Mutter Europa [in Wettbewerb tritt, und daß besonders das glückliche, leichtlebige Frankreich einen er­folgreichen Nebenbuhler hat in seinem Divorcons!

Gerichtssaal.

M. Gießen, 14. Febr. Strafkamme r. Ten Vorsitz führte. Landgerichtsrat Müller, die Anklagebehörde vertrat Gerichtsassessor Dr. Hetzel. Ter Malergetzilfe Emil Th am in aus Bad-Landeck ist megeit Bettelns von dem Schöffengericht Bad-Nauheim zu 3 Wochen Haft und zur Ueberweisung an die Landespolizeibehörde verurteilt morden. Gegen die Ueberweisung hat er Berufung ein­gelegt. Da in der heutigen Verhandlung feslgestellt wurde, daß der Angeklagte in den letzten zwei Jahren längere Zeit gearbeitet hat, so war das Gericht der Ansicht, daß z. Zt. die Strafe der Heber- Weisung an die Landespolizeibehörde unangebracht sei und hob das erstinstanzliche Urteil insoweit auf. In der Privatklagesache des Johannes Kreuder XI. von Grün berg gegen den Wilhelm B i n d e w a l d daselbst hat das Schöffengericht Grünberg den letzteren wegen Beleidigung zu einer dreitägigen Gefängnisstrafe und zu den Kosten des Verfahrens ausschließlich derjenigen des Verteidigers des Privatklagers verurteilt. Gegen das Urteil haben beide Parteien Berufung eingelegt. Die des Angeklagten lvird verworfen, da feststeht, daß er den Privatkläger durch die nicht bewiesene Beschuldigung des Diebstahls beleidigt Hal. Ter Prioatkläger hat Berufung eingelegt, weil die Kosten seiner Ver­teidigung nicht zu beit dem Angeklagten awerlegten Kosten gerechnet worden sind. Das Gericht gab der Berufung in diesem Punkt Folge, indem es davon ausging, daß in dem Privatklageverfahren die Verurteilung zu den Kosten mit Notwendigkeit die Verurteilung zur Zahlung der Gebühren und Auslageit des gegnerischen An­walts umfaßt. Der Bankier Ludwig Rothschild von Büdingen hat wegen Nichtreinigung der Straße vor seinem Anwesen in der Bahnhöfsstraße zu Büdingen einen Strafbefehl auf 1 Mk. erhalten und ist mit seinem dagegen eingelegten Einspruch vom Schöffen­gericht Büdingen abgewtesen worden. Nach Art. 25 des Kunst- straßenqesetzes von 1896 liegt die Straßenreinigung den Gemeinden ob,falls nicht durch Polizeivorschriften ein Anderes bestimmt ist." Durch eine Polizeiverordnung für den Kreis Büdingen von 1898 ist die Pflicht der Straßenreiniguug den Anliegern auserlegt worden. Angeklagter bestreitet die materielle GiltigkeitdieserPolizeiverordnung, da die Vorschrift des Art. 25 des Kunststraßengesetzes nur durch eine Polizeiverordnung außer Kraft gesetzt werden könne, die bereits z. Z. des Inkrafttretens des Kunststrastengesetzes mithin im Jahre 1896 bestanden habe, nicht aber durch eine :m Jahre 1898 erlassene Ver­ordnung. Diese Ansicht stützt Angeklagter auf den Wortlaut des Art. 25:Falls nicht . . . bestinunt ist". Tas Gericht tvar jedoch in Hebereinstimmnng mit der ersten Instanz der Aussassung, daß das Kunststraßengesetz einen generellen Standpunkt unter Vorbehalt vor Abweichungen durch Polizeiverordnungen einnehme und daß es genüge, daß die Polizewerordnungen zu der Zeit vorhanden sind, in der Streitigkeiten über die 'Reinigungspflicht zum Austrag kommen. Das (Bericht bestätigte daher das erstinstanzliche verur­teilende Erkenntnis. Der Landwirt Fritz Otto aus Trais-Horloff ist wegen Tierquälerei zu 16 Mark Geldstrafe vom Schöffengericht Hungen verurteilt worden. Er hat gelegentlich einer Hühnerjagd eine Katze, die seinen Hund übersprang, angcschossen und sich um das Tier, das infolge der Verwundung sich nur langsam fortbewegen konnte, nicht mehr gekümmert. Es verging fast noch ein Tag, bis die Katze verendete. In Hebereinstimmung mit dem ersten Richter erblickte das Berufungsgericht in dem Verhalten deö Angeklagten abgesehen von der dokumentierten Gestihlsroheit eine boshafte Tierquälerei, die mit Recht das Aergernis verschiedener Personen erregt habe. Als übliche Geldstrafe wurde statt oes Betrages von 16 Mark ein solcher von 6 Mark angesetzt. In der Privatklage- sache Deeg gegen Zahrt, beide aus Homberg, bestätigte das Gericht das freisprechende Erkenntnis der ersten Instanz unter Ver­urteilung des Privatklägers in die Kosten der Berusungsinstanz.

8t. Gießen, 14. Febr. Schöffengericht. Das Schöffen­gericht verhandelte^ u. a. in der Strafsache gegen einen hiesigen Studenten wegen Sachbeschädigung. Der Angeklagte hat eine Straßenlaterne zerschlagen und wird zu einer Geldstrafe von 60 Mk. verurteilt. Wegen des gleichen Vergehens in Verbindung nritRuhe- .slorung war der Sohn eines hiesigen Händlers unter Anklage ge­

stellt worden. Da er des Vergehens der Sachbeschädigung nichk überführt werden konnte, erhäll er mir wegen R ush eftorung eine ©träfe von einer Woche Haft. Ein Metzger aus Watzenborn wird b<> schuldigt, beim Schlachten eines Schweines die Hntersuchung durch den Fleischbeschauer seines Wohnortes unterlassen zu haben. Da er sich angeblich einer Verfehlung nicht bewußt war, hatte er gegen den ihm zugegangenen Strafbefehl Einspruch erhoben, der uides heute verworfen wird.

Mlerulur, Wissenschaft und Kunst.

Mit dem 20. Kongresse für Innere Medizin, der, wie schon mitgeteilt wurde, vom 15.18. April zu .oen statt- fmdet, ist eine Ausstellung von pharmaceutischcn, chemischen usw. Präparaten und von Jnstrumten und Apparaten, soweit sie für die innere Medizin Jntereffe haben, verbunden. Anmeldungen zu dieser Ausstellung nimmt der ständige Sekretär des Kongresses, Geheimrat Dr. Emil Pfeiffer in Wiesbaden entgegen.

Berlin, 14. Febr. Björn so ns DramaMaria von Schottland" sand im Berliner Theater eine kühle Aufnahme. Tie Schicksale Maria Stuarts werden bis zur Ermordung Tarnleys vorgeführt. Die Handlung ist sprunghaft, die Eharaklere bleiben undurchsichtig. Die Aufführung war recht mcingelhaft.

Arbeiterbewegung.

Triest, 14. Febr. Ter Ausstand dauert fort. Alle Fabriken und ©efchafte sind geschlossen. Der Straßenbahnoerkehr wurde ein­gestellt. Besonders große Ansammlungen fanden vor dem Lloyd- gebäude statt, wo die Menge die Fensterscheiben zertrümmerte und gegen die Wache, ivelche mehrere Personen verhaftete, Steine schleuderte. Hierbei ivurbc ein Wachmann verletzt. Infolge orohender Haltung der Menge wurden alle Plätze, später die ganze Stadt militärisch besetzt. Ter Frachtoerkehr der Südbahn ist ein­gestellt. Nach einer heute Nachmsttag abgehalttnen Arbeiter­versammlung zogen Tausende nach der inneren Stadt über den Eorso zu der Piazza Grande, wo sie vom Militär über den Börsen­platz zurückgedrängt ivurden. Die Menge sammelte sich indeß wieder, fiel dem Militär bei der Piazza Grande in den Rücken und bewarf es mit Steinen. Ein Oberleutnant mürbe an Brust und Kops getroffen und stürzte zu Boden. Das Militär gab daraus Feuer. Fünf Personen wurden getötet und viele verivnnde t. Beim Säubern des Börsenplatzes wurde rwch eine Frau durch Bajonettstiche schiver verletzt. Die weitere Zer­streuung der Menge erfolgte durch die Sicherheitswache, die eben­falls die Waffe gebrauchen mußte. Zahlreiche Personen wurden noch verwundet und viele Verhaftungen vorgenommen. Die Treher'sche Brauerei wurde von Demonstranten wiederholt an­gegriffen und durch zivei Kompagnien Infanterie geschützt. Von den Schwerverletzten starben noch sechs Personen. An Ver- wundeten zählt man 22.

Auszug aus den KirchrubWrn der Staiit Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Getraute. M a r f u § g e m e i n b c. Ten 8. Febr. Konrad Höfler, Fuhrknecht zu Gießen und Elisabethe Lerch, geb. Rosenbecker, Ww. des Tienstmanns Heinrich Lerch. Johann Georg Leinbach, Dienstknecht zu Gießen und Emilie Katharine Margarethe Hermine Gabriel, Tochter des Schuhmachers Karl Gabriel zu Herborn» Seelbach. 9. Wilhelm Johannes Wistler, Schlosser zu Gießen und Karoline Marie Konradine Johanna Weisel, Tochter des Mineral- wasserhändlers Johannes Weisel zu Gießen. Johannesge- m e i n d e. Den 8. Febr. Johann Georg Kraft, Metzgennelster zu Gießen, ein Wittwer, und Marie Schmidt, Tochter des Straßen- meisler August Schmidt zu Gelnhausen. Johann Peter Klem, --Lag« löhn er zu Gießen, und Elisabethe Schmidt, Tochter des Fabrikar­beiters Ehristian Schmidt v. zu Gießen.

Getaufte. Matthäusgemeinde. Den 9. Februar. Dem Taglöhner Nikolaus Jßlei eine Tochter, Luise Franüska Paula, geboren den 3. Sept. Dem Araschinenmeister Philipp Alei- ninger eine Tochter, Ottilie, geboren den 27. September. Dem Fabrikant Karl Alalkomesius eine Tochter, Anna Maria -Henrietlc, geboren den 10. Dezember. Lukasgemeinde. Den 9. Februar. Dem Kapellmeister Paul Polster eine Tochter, Marianne Amalie Adolphine, geboren den 26. November. 12. Dem Packmeister Friedrich SDlüUer eine Tochter, Marie Luise, geboren den 27. Januar.

Beerdigte. Matthäusgemeinde. Den 12. Februar. August Karl Äiagnus Balthasax Noll, Oekonom, 80 Jahre alt, starb beit 10. Februar. Markusgemei n b c. Ten 9. tfebruar. Karoline Lang geb. Stall, Ehefrau bes Taglöhners Wilhelm Lang, 61 Jahre alt," starb den 9. Februar. 10. Karl Keil, Lederhändler, verheiratet, 60 Jahre alt, starb den 8. Februar. Johannes- gemeinde. Ten 11. Febr. Wilhelm Steinbach, Aiaurermelstev, 52 Jahre alt, starb den 8. Februar. 13. Georg Heß, Rentner 67 Jahre alt, starb den 10. Februar.

Handel und Verkehr. Volkswirlschasl.

Märkte.

Gießen, 15. Februar. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenniarkt kosteten: Butter pr. Pfund 0,901,10 Mk., Hühner­eier pr. Stück 78 Pf., 2 Stück 00.00 Pf., Käse pr. Stück 57 Pf., Käsematte 2 Stück 00 Pfg., Erbsen pr. Liter 19 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Tauben pr. Paar 1,001,20 Alk., Hühner pr. Stück 1,201,80 Mk., Hahnen pr. Stück 1,301,80 Alk., Enten pr. Stück 2,402,80 Mk., Gänse pr. Pfd. 0000 Pfg., Ochsenfleisch j)r. Psniü) 6676 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6064 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 7080 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 6066 Pfg., Hammelfleisch pr. Psmü) 5070 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 3,500,00 Alk., Weißkraut per Stück 00-^00 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 7,508,50 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. Aepfel per Pfd. 915 Pfg., in Körben 1215 Pfg. Trauben 3550 Pfg., Tomaten per Pfd. 1820 Pfg.

Dauer der Marktzeit von morgens 8 Uhr bis nachmittags 2 Uhr, während der ersten drei Stunden der Älarktzeit darf nicht im Umherziehen feilgeboten werden.

Mannheimer Tabakbericht. DieSüdd. Tabak°Ztg." schreibt: Die erste Fermentation der neuen Tabake ist zum größten Teile beendet und lautet das Urteil übereinstimmend, daß wir es mit einer sehr guten Ernte zu thun haben. Besonders werden die Bühlerthaler und Breisgauer Tabake gerühmt, die bestes Umblatt liefern. In Einlagetabäken der neuen (Srnte ist schon ziemlich auf­geräumt, da fortgesetzt nach auswärts alles darin Geeignete schlank begeben wird. Auch entrippte Einlage, sowie avlatirte, wird rasch aufgekausl. In der Preislage bis 98 Mk. ist wieder Verschiedenes in Aplatie-Einlage umgesetzt worden.

Tabak. Im Lause der Berichtswoche lag das Geschäft im Allgemeinen sehr ruhig, es wurde wenig umgesetzt. Nach nns zu- gegangenen Berichten soll ein Posten 1901er Rheinbayrisch-Ober- länber Sandblatt teilweise verhagelt von Spekulant an Händler zu Mk. 28 per März lieferbar, sowie eine Parthie 1901er Neckarthäler Tabak zwischen Mitte und Ende Mk. 30 per Juli verlauft worden sein. Ferner wurde ein Posten 1900er Oberländer entrippte Ein­lage zu Mitte Dlk. 80 versteuert umgesetzt. In losen Pfälzer Rippen geschäftslos, lose feine Mk. 8,50 bis 9.50 gebündelte feine Mk. 11 bis 11.50.

Getreide. Bei anhaltender guter Kauflust hatten wir während der vergangenen Woche ein recht leibhaftes Geschäft. Amerika, La- plata, Rußland und Rumänien Haden ihre Forderungen erhöht und ucute 23 Mk. mehr als am Schluß der Vorwoche. Roggen ist unverändert. Gerste. Futtergerste fester, Braugerste unverändert. Hafer sehr fest. Mais fest. Die heutigen Notirungen sind: Red­winter 2 141 Mk. Kanfas 2 139140 Mk. Sübruss. Weizen 131 dis 143 Mk. Laplata Weizen feinere Qualität 140142 Mk. Rufs. Roggen 108 Mk. Russische Futtergerste 105 Mk. Russischer Hafer 130145 Mk. Mired 'Mais 120 Mk. Laplata Mais rye terms 107 Mk. Donau Mais 105 Mk. per Tonne cif Rotterdam.

Wir machen auch an dieser Stelle auf die im Anzeigenteil unserer heutigen Ausgabe veröffenllichte Bilanz der Hypotheke«» baut in Hamburg aufmerksam.