ftattben habe, der sich besonders diejenigen, die von hessischen Landschulen kamen, unterziehen mußten, und daß die italienischen Tanz- und Fechtmeister sich nicht nur durch ihre geldschröpferische Art, sondern auch besonders durch die Verbreitung ihrer ,^pestiferae opiniones" als Katholiken mißliebig machten, weshalb der Landgraf später ausdrücklich verlangte, daß nur Lutheraner berufen würden.
Für die Frauen.
Berlin, 14. Febr. Im Jndustriegebäude hielt der „Verein für Frauenstimmrecht" eine Versammlung ab. Im Beisein der Abg. Bebel und Heinrich Rickert sprachen Fräulein Dr. jur. Anita Augspurg und Frau Schulrat Minna Caner. R.-A. Munckel sprach ihnen seine Sympathie aus. Es sprachen ferner Frau Heyrnann aus Ham- burg und Dr. Moritz. Die zuletzt gefaßte Entschließung sprach die Hoffnung aus, daß „bei ben nächsten Reichstagswahlen das Frauenstimmrecht von allen Parteien m ihr Programm ausgenommen und die Forderung energisch vertreten werde."
Aus Stadt und Sand.
lDer Abdruck der unter dieser Rrzbrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet) Gießen, 15. Februar 1902.
** Haus Rosenhagen, Max Halhe's neues Schauspiel, das am Montag im Theater verein zur Darstellung kommt, spielt, wie das jüngst aufgeführte „Johannisfeuer" von Sudermann, auf ostdeutschem Boden, in des Dichters Heimat, wo auch der Schauplatz seines Erstlingswerkes, des schönen Liebesdramas „Jugend", liegt. Am 21. September 1901 fand die Erstaufführung am Lessingtheater in Berlin statt, bald nachher folgte das Frankfurter Schauspielhaus, wo Herr Fricke, den wir am Montag als Gast hier begrüßen werden, die Hauptrolle des jungen Rosenhagen spielte. Ueber die Berliner Aufführung berichtete man, daß das Publikum alle drei Akte mit ungeschwachter Teilnahme und aufmunterndem Applaus nach allen Aktschlüssen begleitete, trotz mancher Dialogstelle mit stockender Handlung. Die Berliner Kritik meinte, daß Halbe mit diesem Werke wieder einen Schritt vorwärts gethan habe, und daß „Haus Rosenhagen" in zahlreichen schönen Einzelheiten sich als das Werk eines wirklichen Poeten erwiesen hat. Zwei unt materiellen Besitz kämpfenden Männern, Rosenhagen und Voß, stellt Halbe zwei kämpfende Frauen zur Seite: die eine, die im Hause Rosenhagen ausgewachsene Cousine, die mit dem Geliebten auf der heimischen Scholle ein stilles Eheglück genießen will, die andere, der vor der Einsamkeit des Landlebens graut und nur das Leben im Strudel der Großstadt begehrenswert erscheint. Eine Reihe von Episodenszenen und nebensächlichen Figuren sind vortrefflich geschildert und geschaut, vor allem die resolute, lebensfreudige Großmutter und der pfiffige bäuerliche Agent.
** Parlamentarisches. Die Hessischen Expedi- tions- und Stationsgehülfen bei der Main-Neckar-Bahn bitten die Zweite Kammer, sie möge bei der demnächstigen Beratung des Staatsvertrages dahin wirken, daß den geprüften Hessischen Expeditions- und Stationsgehülfen, welchen bis zum Uebergang der Main-Neckar-Bahn in die Gemeinschaftsverwaltung mangels Vakanz eine etatsmäßige Stelle nicht verliehen werden konnte, eine solche bei oder nach dem Hebergange mit Dekret Seiner Königlichen Hoheit verliehen wird und daß die nach dem Uebergange frei werdenden Stellen der früheren Main-Neckar-Bahn ausschließlich mit den Hessischen geprüften Gehilfen und Anwärtern besetzt werden. — Eine Vorstellung der Handelskammer zu Bingen, betrifft den Entwurf eines neuen Hessischen Handelskammergesetzes. In einer Eingabe der Handelskammer Darmstadt vom Januar wird statt der in dem Gesetzentwurf vorgesehenen Wahl auf die Dauer von sechs Jahren eine solche von drei Jahren vorgeschlagen, somit der seitherigen gesetzlichen Vorschrift entsprechend, die jährliche Ergänzungswahl eines Drittels der Handelskammermitglieder auch in Zukunft verlangt.
Diesen Standpunkt vertrat die Handelskammer Darmstadt bereits im Hessischen Handelskammertag vom 21. Oktober 1900, während sämtliche anderen Kammern sich für sechsjähriges Mandat mit alle zwei Jahre stattfindender Cr- gänzungswahl aussprachen. Tie ...cgierung hat sich mit § 19 des Gesetzentwurfs der Beschlußfassung des Hessischen Handelskammertages angeschlofien. Gegen das neuerliche Eintreten der Handelskammer Darmstadt für Beibehaltung der jährlichen Ergänzungswahlen tritt jetzt ganz entschieden für den § 19 in seiner jetzigen Fassung ein.
** Verein ehemaliger Kameraden der G r o ß h. h e s s. 25. Division. Wie man uns aus Berlin mitteilt, hat Generalleutnant v. Scholl, dienstthuender Generaladjutant Sr. Majestät des Kaisers, die Ehren- mitglied schäft des Vereins angenommen. Bekanntlich .ist auch der K r i e g s m in i st e r v. G o ß l e r Ehrenmitglied des Vereins, wie auch der verstorbene Prinz Hein- r i ch dem Verein als solches angehört hat. Am 29. Januar feierte der Verein in Verbindung mit den drei anderen süddeutschen Kriegervereinen für Bayern, Württemburg und Baden, mit denen er in näheren Beziehungen steht, in d^nFest- sälen seines Vereinslolales, Hotel Krebs, Niederwallstr. 11, unter z ahlreicher Beteiligung der Kameraden und ihrer Damen den Geburtstag des Kaisers. Da in diesem Jahre das Präsidium in den Händen der Bayern lag, wurde das Hoch auf Se. Majestät von dem bayerischen Militär- bevollmächtigten ausgebracht, während den Festvortrag Kamerad Hauptmann a. D. Tanera über den chinesischen Feldzug auf Grund eigener Erlebnisse hielt. Das Hoch auf die vier süddeutschen B u n d e s f ü r st e n wurde von Kamerad Beese, Ehrenmitglied des Hessischen Vereins und erster Vorsitzender des Krieger-Verbands Berlin und Umgegend ausgebracht. In der kürzlich abgehaltenen, Generalversammlung wurden die beiden Vorsitzenden, Kreis- Veterinärarzt a. D. Dr. Schaefer- Friedenau und Magistratsbeamter Walter-Berlin wiedergewählt; zu Schriftführern die Kameraden Kaufmann Kämmler und Apotheker W e i ß und zum Kassier Kriminalbeamter Geller bestimmt, und der seitherige Rendant Restaurateur Zander wieder in seinem Amt bestätigt. In das VergnügungS- Komitee wurden die Kameraden Kaufmann Fischbach- Berlin und Magistratsbeamter Ja e o b i -Rixdorf delegiert und zum Bundesbevollniächtigten Kriminalbeamter Send- zick-Rummelsburg ernannt. Der Verein hält seine Monatsversammlung immer am zweiten Mittwoch jeden Monats in seinem obengenannten Vereinslokal ab. Ehemalige Kameraden der 25. Division, die nach Berlin kommen, ind stets willkommen.
w. Rockenberg, 14. Febr. Die am Sonntag veran- taltete Abendunterhaltung des Gesangvereins „Concordia" erfreute sich eines recht zahlreichen Besuches. Der zeräumige Saal der Wirtschaft „Zur Gerste" war bis auf >en letzten Platz gefüllt. Die Veranstaltung nahm unter Leitung des Dirigenten Sames den schönsten Verlauf. In )en Zwischenpausen brachte Herr Sames einige schöne Violin- olis unter Mitwirkung von Fräulein Enders zu Gehör. Tie Leistungen sämtlicher Mitwirkenden ernteten den größten Beifall aller Teilnehmer.
)( Lauter, 14. Febr. Bei der heutigen Bürger- m e i st e r w a h l unterlagen die „Engländer", wie die Anhänger des seitherigen Bürgermeisters genannt wurden. Ter Kandidat der „Buren", Landwirt Peter Aff, wurde mit beträchtlicher Mehrheit gewählt. Ter unterlegene Bürgermeister Feldmann lenkte über 30 Jahre mit Umsicht und Geschick unsere Gemeinde. Durch ihn lvurden die ausgedehnten Obstanlagen geschaffen, die alljährlich reichen Ertrag liefern, und eine willkommene Einnahmequelle für )ie Gemeinde bilden. Wie schon bei der Gemeinderatswahl im Herbst, wurde auch vor der heutigen Wahl lebhaft agitiert, und es ist zu wünschen, daß sich die erregten Gemüter nun nach der Entscheidung wieder beruhigen.
i Harbach, 13. Febr. Am 10. fand hier Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten für das Amt eines Beigeordneten Peter Albert und Georg Herzberger statt, da in der Vorwahl kein endgiltiges Ergebnis erzielt wurde. Beide erhielten je 35 Stimmen; das Los entschied zu Gunsten des ersteren.
o- Lauterbach, 13. Febr. Für den hiesigen Kreis ist ein Ziegenzucht-Verein gegründet worden.
Auszug «ms den StMdesgmtsreglstrra der Studt Süße«.
Aufgebote.
Am 8. Febr. Oskar Grolimund, Artist in Gronau mit Cre§- zentia Johanna Elisabetha Eckstein daselbst. Johannes Beck, Fabrik» arbeitet- in Lampertheim mit Katharine Brauler daselbst. 10. Joseph Emil Georg, Fuhrknecht dahier mir Elisabethe Schlau hier> selbst. Johannes Eduard Georg Stammler, Großh. Regierungs- asfeswr Mainz mit Babette Friederike Margarethe Hofmann
Eheschließungen.
Am 8. Febr. Konrad Höfler, Fuhrknecht dahier mit Elisabethe Lerch, geb. Rosenbecker Hierselbst. Wilhelm Johannes Wisker, Schlosser dahier mit Johanna Weisel Hierselbst. Johann Georg Kraft, Metzgermeister und Wirt dahier mit Marie Schmidt Hierselbst. Johann, Peter Klein, Taglöhner dahier mit Elisabethe Schmidt Hierselbst. Johann Georg Leinbach, Dienstknecht dahier mit Emilie Katharine Margarethe Hermine Gabriel hierselbst. 10. Adam Wettach, Kaufmann dahier mit Marie Melchior in Frankfurt a. M. Julius Hermann Grote, Kaufmann in Marburg mit Emma Friederike Rayen dahier. 13. Karl Anton Schmidt, Schlosser- meister dahier mit Martha Pauline Poppecke hierselbst.
Geborene.
Am,4. Febr. Dem Lektor an der Landesuniversität John Shaweroß ein Sohn. Tem Briefträger Wilhelm Hahn iIL ein Sohn, Robert Theodor. Dem Fuhrknecht Karl Becker IX. ein Sohn, Karl Heinrich, o. Dem Müller Georg Adam Reich ein Sohn, Ernst Wilhelm Heinrich. Dem Schneider Ludwig Hormann eine Tochter, Elisabethe Linse. Dem Tiesbau- und Fuhrunternehmer Albert Rübsamen eine Tochter, Emilie. 6. Dem Maschinist Heinrich Gra- velius eine Tochter. 7. Tem Restaurateur Wilhelm Fischer ein Sohn, Wilhelm August. Tein Schuhmacher Johann Stauß ein Sohn, Otto Heinrich. , 8. Dem Lokomotivheizer Emil Marx ein Sohn. 9. Dem Schlosser Johann Pseiffer eine Tochter, Klara Eli- sabethe. 10. Tem Großh. Landgerichts-Registrator Ludwig Jäger eine Tochter. 11. Dem Schriftsetzer Paul Niewisch eine Tochter, Marie.
Gestorbene.
Am 7. Febr. Richard Fuhr, 17 Jahre alt, ohne Beruf dahier. Karoline Lang, geb. Stoll, 61 Jahre alt, Ehefrau des Taglohners Wilhelm Lang VI. dahier. 8. Jules Lespmgal, 58 Jahre alt, Rentner dahier. Karl Keil, 60 Jahre alt, Lederhändler dahier. Wilhelm Steinbach, 52 Jahre alt, Maurermeister dahier. 10. August Karl Magnus Balthaser Noll, 80 Jahre alt, Oekonom dahier. 13. Philippine Arnold geb. Fischer, 57 Jahre alt, Wwe. dahier. Elisabethe Erb geb. Stroh, 69 Jahre alt, Wwe. dahier. Juliane Rühl, 62 Jahre alt, ohne Beruf dahier. Adolfine Nagel, geb. Grab, 80 Jahre alt, Wwe. dahier.
Aufgesprungene Hände
werden in turzer Zeit geheilt, wenn man sich mit Oberweyers Herbaseife wäscht oder die betreffenden Stellen über Nacht mit Obermeyers Herbaseife einseift. Die Behandlung ist vollständig schmerzlos und ist damit auch gleichzeitig eine erfolgreiche Behandlung gegen Frostballen, erfrorene Hande, verbunden. Ein einziger Veriuch überzeugt. Obermeyers Herbaseife, ärztlich warm empfohlen, ist per Stück Mr. 1.25 in allen Apotheken und Drogerien oder durch den alleinigen Fabrikanten I. Gioth in Hanau a. M. zu haben 907
Eine inhättsreicye Arbeit im Jornal für Zahnhenurnde beschäftigt sich mit dem sehr zeitgemäßen Thema, welche Anforderungen ein gutes Mundwasser für täglichen Gebrauch erfüllen muß. Der Verfasser kommt dabei zu dem Schluß, daß ein Mundwasser, sonstige Tadellosigkeit vorausgesetzt, um so besser sein wird, je länger es im Stande ist, Fäulnis im Munde zu verhindern. ,2)er wahre Zweck eines antiseptischen Mundwassers für täglichen Gebrauch ist die möglichst andauernde Verhinderung aller Fäulnis- und Gährungsvorgänge im Munde, der ersten Ursachen des Mundgeruchs und der Zahnkrankheiten. Bei Weitem die andauerndste fäulnisverhindernde Wirkung ergab bei den Untersuchungen das O d o l, dessen emulgierte antisepttsche Bestandteile sich überall in der Mundhöhle festsetzen. 1357
dem diese sympathische Künstlerfigur allerdings wohl noch ein bischen mehr ganz gut vertragen hätte.
Maria wurde von Fräulein Hohenfels darge- stellt. Der Verfasser hat ihr folgende Worte in den Mund gelegt: „Ich will keine Virtuosin sein, sondern Künstlerin. „Die Kunst gibt mir Begeisterung, ich bin mit ihr verwachsen." An gar manchem Abend dieses Winters hat Fräulein H. diese Worte aufs schönste bestätigt. Nicht ganz so gestern. Es schien, als sei sie an diesem Abend in der freien Entfaltung ihres Talentes, durch irgend ein Aeußeres vielleicht, beeinträchtigt. Namentlich in ihren ersten Szenen zeigte sie Gezwungenheit, Künstelei, Ziererei, Pose. Kurz und gut, sie war nicht echt, nicht wahr in Rede und Bewegungen. In den späteren Szenen wurde sie freier und in ihrer großen Szene mit Magdalena zeigte sie sich in überzeugender Charakteristik auf ihrer vollen Höhe. Frl. Feige, die ein wenig erkältet schien, glich die vielen Unebenheiten des darzustellenden Charakters mit Geschick in sympathischem Spiel au§. Herr Ramsey er hatte die Bonhommie des Geh. Kommerzienrats Werren anfangs etwas zu dick unterstrichen, aber ein vortrefflicher Humor kam ihm doch sehr zu statten und sein Protzentum hatte durch liebenswürdig unbeholfene Allüren etwas Gewinnendes. Er war ja fast genau der nämliche wie als der weltkluge Schwiegerpapa der Madame „Francillon", vom Scheitel bis zur Sohle, aber wie damals, so auch diesmal amüsant. Frisch und flott war Herr Gerlach als Fürst v. Rothenthurn. Auch die kleineren Rollen waren nicht ohne Wirkung; zu nennen sind die Damen v. Aspernburg, die freilich ihre Zähne mehr auseinander nehmen und auf korrekteres Sprechen achten sollte, Brandau und v. Hell- bron und die Herren Sandor, Leßmann, Hertzog, Zoder und Woisch.
Das Atelier des 2. Aktes würde ohne den recht zweifelhaften Wand- und Waffenschmuck, das eingerahmte Nestle'sche Kindermehlplakat 2c. der Illusion von dem Schaffensraum eines Tiermalers enffchieden größeren Spielraum gelassen haben. Daß ein recht kühler Luftstrom den Theatersaal durchzog, kann nicht grade als eine Annehmlichkeit des The- akerMuchS bezeichnet werden.
ium ^um Schluß noch ein paar Worte von der SensÄion Abends, dem Auftreten einer Dame vom
Ballet. Ich darf ja wohl heute verraten, daß Frl. Emmy Hoffmann die Gattin des Herrn Benefizianten ist, und daß sie seit ihrem sechsten Jahre ihr Leben auf ben Brettern mit Hingebung, Ernst und Lust vertanzt hat. Nach den melodiösen Klängen der bekannten „Puppenfee"-Musik führte sie gestern in den Zwischenakten ihre abwechslungsreichen Tänze aus. Man hätte bei diesem reizenden Anblick Herrn Schneider um seine überaus anmutige „Lebenssüßigkeit", um mich eines Rosegger'schen Ausdruckes zu bedienen, beneiden mögen. Höchst jokos war ihr Janustanz, der sic uns anfangs rückwärts mit einer scheußlichen Altweibermaske zeigte, dabei mit Sicherheit und Grazie die Vorstellung einer „Vorderansicht" vortäuschend, ein offenbar recht schwieriges Tanzkunststück, um dann alsbald mit ihrem lieblichen „en facea zu überraschen. So erblickte denn gestern mancher im Theater sein blaues, oder, dekorativ richtiger gesagt, rosa Wunder. p. VV.
— Altrowische Meilensteine. Der erste römische Meilenstein in Oberhessen wurde dieser Tage bei Fried berg gefunden. Friedberg war bekanntlich eines der früh angelegten Jnlandkastelle wie Wiesbaden, Hofheim, Ried, Heddernheim, Kesselstadt, durch welche die Römer schon vor der Anlage der Pfahlgrabenkastelle Maingau und Wette rau unter ihrer Botmäßigkeit hielten. Eine sorgfältig gebaute Militärstraße stellte die Verbindung mit dem Hauptquartier Mainz her. Als man später die Grenzen auf den langgestreckten Rücken des Taunus vorschob und durch gemauerte Sefeftigungen sicherte, hatte die 4. Kohorte der Vindelicier in Friedberg ihr Standlager. Der Meilenstein ist aus Naumburger (unwett Friedberg) Sandstein gefertigt, den die Römer hier fast ausschließlich verwendeten, wie den Vilbeler weiter westlich. Nach der ruinösen Inschrift wurde der Stein etwa 249 dem Kaiser Deeius Trajanus und seinen beiden Söhnen gewidmet, also gegen das Ende ber Römerherrschaft im Limeslande errichtet. Wohl die meisten Museen besitzen solche Meilensteine, wenn auch gerade die Form derselben ihre Zerstörung oder anderweitige Verwendung förderte. Sie haben vornehmlich die Gestatt einer Säule von 1—2 Mtr. Höhe, nur der zum (£ingraben in die Erde bestimmte Sockel fft viereckig behauen. Em Dtraßenstein im Trierer Provinzial*
museum sieht aus rote eine Trommel von 34 Zentimeter Durchmesser und 25 Zentimeter Höhe. Die fragmentierte Inschrift meist ihn frühestens in die Zeit Caracallas. Dediziert sind die Monumente natürlich dem regierenden Kaiser. Mancherorts wurde wohl nach dem Tode desselben der Stein beseitigt und ein neuer dem Nachfolger gewidmet. Denn die Großh. Altertümersammlung in Karlsruhe bewahrt vier Meilensteine der vier aufeinander folgenden Kaiser Caraealla, Elagabalus, Alexander Severus und Gordianus. Alle Säulen tragen die Entfernungsangabe A. Aqu. L. IUI., d. h. Ab Aquis Leugie 1111. Sie standen also sämtlich vier Leugen (keltische Meilen) von Baden-Baden, an dem Orte der Straße zwischen Sinzheim und Steinbach, wo der letzte, dem Gordianus dedizierte an ursprünglicher Stelle zu Tage kam. Mehr jedoch ließen die Römer die alten Wegsteine am Platze und fetzten die neuen daneben. So traf man bei Ladenburg fünf, bei Attripp sieben, bei Heidelberg gar acht beisammen an. Im Juli 1896 zeigten sich am Brückenkopf von Mainz, Kastel, zwei Säulen am ursprünglichen Orte noch aufrecht nebeneinander; die eine wurde unter Hadrian im Jahre 122 errichtet, zu welcher Zeit der Kaiser in Obergermanien anwesend war, während die andere, mit fast gänzlich zerstörter Aufschrift, jüngeren Datums ist. Beide haben den Entfernungsoermerk Ab Aqais Maltiacorum, d. i. von Wiesbaden, die ältere in römischen, die jüngere in keltischen Metten. Nach Hofrat Zangemeisters Ansicht ist die Leugenrechnung in Obergermanien erst nach 202 nachweisbar. 1852 fand man in den Bädern von Viearello am Lago di Braceiano drei kleine silberne Meilensäulen, auf denen die ganze Reiseroute von Gades bis Rom mit Angabe aller Stationen und Entfernungen geschrieben war. Spanische Kurgäste haben damit ihre Dankbarkeit der heilenden Quelle erzeigen wollen. Diese Miliarien rührten aus verschiedener Zeit her, waren also mehr und sicherlich nicht allein in Spanien in Gebrauch. Zudem verfiel die für den Luxus arbeitende Industrie nur deshalb auf den Gedanken, Stationsverzeichnisse auf Silbergefäßen anzubringen, um einem weitverbreiteten Bedürfnisse entgegen* zukommen. Silberne Meilensteine dürften also wohl die ersten „Bädecker" gewesen sein.


