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14.8.1902 Zweites Blatt
 
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Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Lietzener Familien­blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Der» lag der Brühl'schen Unwerf.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erbens Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schnlstratze 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

FcrnsprechanschlußNr.bl.

Zweites Blatt. 153. Jahrgang

Donnerstag 14. August 1NOL

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger v **

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Stehen

Bezugspreis: monatlich7b Pf., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.oiertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Pf, auswärts 20 Psg.

Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Witiko; für »Stadt und Land" und .Gerichtssaal": Eurt Plato; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Die Heutige Dummer umsaßt 8 Seite«.

DodöietsKy, ZrHeiuöaöen, Dosadowsky.

DieElb. Ztg", ein konservatives Blatt, das mitunter die Konservativenwider den Strich Lmmt" und von der Kreuzztg." darob schon wiederholt hart angelassen wurde, beschert der erstaunten Mitwelt eine sensationelle Mittei­lung nach der anderen. Der preußische Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben gehe mit dem Gedanken um, bei passender Gelegenheit von der Bildfläche zu verschwinden, Staatssekretär Posädowsky ersehne das Oberpräsidium von Posen das waren die Meldungen, die wir gestern jenem Blatte nacherzählten. Heute liegt aus derElo- Ztg." ein Bericht über Aeusterungen des preußischen Landwirtschasts- ministers v. Podbielski vor, und zwar über den Mittel­landkanal. Diese Aeußerungen sind so urwüchsiger Natur, daß man wird abwarten müssen, was der Minister zur Sache zu bemerken hat. Herr v. Podbielski ist zwar bekannt als ein Mann, der in ungeschminkter Weise seine Meinung zum Ausdruck bringt und vomSalonstil" nichts hält. Trotz­dem erscheint die ihm zugeschriebene Antwort aus die Frage, warum er das ihm angetragene Eisenbahnministe­rium nicht übernommen 'habe, mehr ein Witz auf Herrn Podbielski's originelle Eigenschaft zu fein, als den Tat­sachen zu entsprechen. Der Minister soll nämlich, nach der Elb. Ztg.", folgende geflügelte Worte erwidert haben: 3 d werde mir doch nich mit dem Lau sekanal vorn Bauch stoßen lassen." Herrn v- Thielen, dem so überzeugten Vorkämpfer des Mittellandkanals, dürfte ein Schauer überlaufen, wenn er diese Bezeichnung seines Lieblingsprojekts in stiller Zurückgezogenheit liest. Undenk­bar, daß ein Mitglied derselben Regierung, die unerschüt­terlich an den Kanalplänen festhalt, bis der große Moment der Wiedereinbringung gekommen, so unschmeichelhast über dasKulturwerk ersten Ranges" sich ausgesprochen haben sollte! Herr v. Podbielski ist am Dienstag aber nach Berlin zurückgekehrt von seiner Informationsreise in Ostpreußen. Da wird man denn sicherlich bald ein Dementi hören. Es istein Abwaschen", wenn der Minister sich über die Vielerörterte Rede in Stolp äußert, die angeblich soviel energische Deutlichkeiten für die Agrarier enthielt. Die Kreuzztg.", die mit Ueberzeugung behauptete/ so, wie berichtet worden, könne Herr v. Podbielski im Kreise der Freunde nicht gesprochen haben, und die bemerkenswerte Leistung vollbrachte, wie sie es sich ungefähr denke, daß der Minister geredet dieKreuzztg." vermag nunmehr sich unmittelbar Gewißheit zu verschaffen, ob sie vom Geiste recht erleuchtet war. Es entbehrt nicht des Humors, wie just Herr v. Podbielski, der doch nach alter militärischer Gewohnheit den präzisen Ausdruck schätzt.

Ein zweites offiziöses Dementi kann nicht ausbleiben; es betrifft die angeblichen Rücktrittsabsichten des Frhrn. v. Rheinbaben und des Grafen Posädowsky. Daß der preußische Finanzminister gerade denFall Löhning" zum Abgang benutzen möchte, das glauben wir bis auf weiteres nicht. Es scheint vielmehr, daß Frhr. v. Rhein­baben noch manches vor sich hat, und einer hohen Wert­schätzung an maßgebender Stelle sich erfreut. Das Gleiche gilt vom Grafen Posädowsky, obschon auch dieRhein. Wests. Ztg." von seinerAmtsmüdigkeit" spricht. Es mag sein und ist leicht erklärlich, daß Graf Posädowsky, von dem es jetzt andererseits heißt, daß er nur einen kurzen Urlaub antreten werde, um sich von den Strapazen der Zolltarif-Campagne zu erholen, über die Schwierig­keiten in der Zollkommission gelegentlich sich unmutig geäußert hat. Aber von solchen begreiflichen Ver­stimmungen' bis zum Entschluß des Entlassungsgesuchs ist ein weiter Schritt. Nicht nur beim Zolltarifentwurf, auch bei den Handelsvertragsverhandlungen ist Graf Posa- dowsky, der wie kaum em anderer diese Dinge beherrscht, unentbehrlich

Aber es wird Zeit, daß die Offiziösen das Wort nehmen. Posädowsky, Rheinbaben, Podbielski, viel Krisen-Material, der Fall Löhning, hat sich angesammelt.Was ist Wahr­heit'?" begehrt man zu wissen.

Zum F a ll hnin g gehen inzwischen noch immer Nachrichten durch Me Blätter, die aus der Vorgeschichte höherer Beamter Einzelheiten erzählen. So entstammt i B. der Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt Exzellenz Mühlberg einem ehrsamen Spiritushandel. Der Wirkliche Geh.' Legationsrat v. Dirksen entstammt gleichfalls einer sehr einfachen, auf dem Berliner Grundstücksmarkt hei- mifchen Familie usw. usw- Interessant ist auch, daß der Ober-Regierungsrat Gesch und der Geh, Ober-Fcnanzrat Enke, die Sendboten des Ministers selber mit dem Subaltern-Beamtenstande engste Beziehungen haben. Gesch war selbst Regierungssupernumerar; dann erst wurde er Jurist und kam empor. Sein Stiefvater war selber Feldwebel! Enkes Vater ist Gerichts-Subalternbeamter ge­wesen; Löhning hätte also nicht eine Schwester Enkes heiraten dürfen. Der Posener Korrespondent derKöln. Volksztg." meldet zu den Rücktrittsgerüchten des Ober­präsidenten v. Bitter, in Posen sei bereits seit Wochen das Gerücht vom Rücktritt Bitters in Umlauf. Polnische Kreise erzählen, als Bitter das letzte Mal m Audienz em­pfangen wurde, habe der Kaiser gesagt:Wie konnten Sie nur zulassen, daß die Verhältnisse m Posen solchen Charakter annahmen und die Gegensätze sich derart zu­gespitzt haben?" Laut einem polnischen Blatte soll der Fall Löhning noch ein g erich tlich es Nach spi el haben. Weitere Enthüllungen seien zu erwarten, die sehr sensatio­neller Natur wären.

Dslitische Tagesschau.

6in interessanter Telegrammwechsel.

Wie das Wolsfsche Telegraphen-Bureau aus München erfährt, sind zwischen dem Kaiser und dem Prinz­regenten Luitpold nachfolgende Telegramme aus- getauscht worden:

Swinemünde, 10. Aug. An den Prinzregenten von Bayern in Müncf^en. Von meiner Reise eben heimgekehrt, lese ich mit tiefster Entrüstung von der Ableh­nung der von Dir geforderten Summe für Kunst­zwecke. Ich eile, meiner Empörung Ausdruck zu ver­leihen über die schnöde Undankbarkeit, welche sich durch diese Handlung kennzeichnet, sowohl gegen das Haus Mittelsbach im allgemeinen als auch gegen Deine erhabene Person, welche stets als Muster der Hebung und Unter­stützung der Kunst geglänzt hat. Zugleich bitte ich Dich, die Summe , die Du benötigst, Dir zurVersügung stellen zu dürfen, damit Du in der Lage seiest, im vollsten Maße die Aufgabe auf dem Gebiere der Kunst, welche Tu Dir gesteckt hast, zur Durchführung zu bringen. Wil h e lm."

Sr. Majestät Kaiser Wilhelm Swinemünde. Es drängt mich. Dir meinen innigsten Dank für Dein so warmes $iuereffe an meinen um) meines Hauses Bestre­bungen auf dem Gebiete der Äuufr uno (ur Dem so yochf- herziges Anerbieten auszusprechen. Zugleich freux es mich, Dir Mitteilen zu können, daß dura), den Edelsinn eines meiner Reichsräte, welcher die ab gelehnte Summe z u r V e r f u g u n g stellte, meine Regierung in die Sage versetzt ist, getreu den Traditionen meines Hauses, wre meines Volkes, die Pflege der Kunst als eine meiner vornehmsten Aufgaben unentwegt fördern zu könueii. Jagdhaus Fischibau.),, 11. Ang. Luitpold, Prinz von Bayern."

Diese Telegrainine werden zweifellos eine sehr wich^- tige Rolle in den Preßerörterungen der nächsten Wochen spielen. Sie werden m allen tunftsrohen und kunstliebenden Kreisen größter Freude und uneingeschränkter Zustimmung begegnen, auch von nichtultramontanen, der deut-chen uno speziell der Münchener Kunst sympathisch, gegenüversteheri- den Katholiken nicht mißbilligt werden. Aber das gesamte politische Zentrum ivird nut derselbentiefsten Entrüstung", die der Kaiser kundgiebt, diese Kaiserworte aufnehmen, die, in zweifellos kulturell bester Absicht gesprochen, für einen neuen Kulturkampf neue Waffen liefern, den besonders diffizilen bayerischen Partikularismus schüren und die schärfste antikaiserliche Agitation im ganzen deutschen Zen­trum ansachen werden. Angesichts gerade oer bevorstehenden Posener Kaisertage, angesichts der deutschfeindlichen Wühl­arbeit des polnischen Klerikalismus muß man es bedauern, daß diese gut gemeinte heftige Mißbilligung gerade aus dem Kaisermunde gekommen ist. Der Entrustungssturm, der sich wegen dieses leicht als iai.ro er en Eingriff in die Rechte einer deutschen Volksvertretung deutbaren, einem feurig empfindenden Herzen entjprunguien kaiserlichen Tadels im ganzen klerikalen Lager über die Grenzen Deutschlands hinaus erheben wird, rann unter Umständen für das geeinte Deutschland unliebsame Folgen haben.

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Einige Preßstimmen seien hier wiedergegeben. So schreibt dieP oft": Klar geht aufs neue aus dieser Kundgebung hervor, wie warm des Kaisers Herz für die Kunst schjägr, urid es begreift sich, wie in ihm ein Bvetiertum, wie es das bayerische Zentrum durch die bekannten Kunst- abstriche bethätigte, die tiefste Entrüstung und Empörung Hervorrufen muß. Ter Kaiser macht sich in diesem Falle in der Thal nur zum beredten Herold der Gefühle, wie sie aller gebildeten deutschen Herzen bei der Kunde von dem seitens des Zentrums gegen die Kunst in Bayern gerichteten Schlage durchbebte. Wir freuen uns, daß aus kaiserlichem Munde das Vorgehen von Parlamenten, welche die höchst en Zwecke der Menschheit atS Schacher-Objekte behandeln, vor aller Welt stigmatisiert worden ist. Die T. Tagesztg." meint: Die Depesche des Kaisers trage das Gepräge impulsiven rein persönlichen Empfindens so stark und deutlich, daß es fraglich erscheinen kann, ob ihre Veröffentlichung geboten und zweckmäßig ge­wesen sei. Wir würden uns nicht wundern, wenn die bayerischen Schwurgerichte in der nächsten Tagung eine Anzahl Preß-Sünder abzuurteilen hätten, die aus Anlaß des Kaisertelegramms ihren t'lerikalen-patrio- tischen Gefühlen landesüblichen unzweideutigen Ausdruck zu geben sich bemüßigt fühlten. TasVerl. Dgbl." sagt: Zunächst freilich wird sich im Zentrumswalde, besonders in Balsern, über das Telegramm des Kaisers ein mäch­tiger Sturmwind erheben. Dr. Sigl, der urwüchsige Vaterlands"-Redakteur, fft freilich tot, aber er hat m der bayerischen Zentrumspresse zahlreiche Schüler sitzen, die ihm, wenn nicht an Witz, so doch an Grobheit glerchIommen, und diese werden alles schreiben, was sich abseits des Maje­stäts-Beleidigungs -Paragraphen überhaupt chreiben läßt. Im übrigen möchten wir vor einer Ueber- chätzung des Vorganges warnen. Wenn sich die Wogen wieder gelegt haben werden, dann wird sich zeigen, daß Zentrum n a ch wie vor Trumpf ist. Nicht das Tele­gramm an den Prinzregenten, sondern die Aachener Rede, in welcher der Kais er das ganze Reich, das ganze Volk, sein Heer, sich selbst und sein Haus unter das Kreuz stellt, durste die Politik der nächsten Zeit bestimmen. DieStaatsb.- Ztg." sagt: Tas Telegramm des Kaisers, das die Angelegen­heit lei der auf das persönliche Gebiet hinüberleitet.

Vom sranzöfischen Kulturkampf.

Tie französischen Diärter besprechen die Zwischenfälle, welche durch die Schließung der Ordensschulen in der Bretagne veranlaßt worden sind. Tie Regierung soll angeblich dem Polizei-Präfekten ihre Miß­billigung ausgesprochen haben, weil dieser sich mit den Besitzern der Schulen in Unterhandlungen eingelassen hatte, anstatt diese Schulen ohne weiteres zu schließen. In Brest sind Truppen bereitgestellt, um bei der Schließung der letzten Schulen, bei denen der Widerstand am heftigsten sein dürste, behilflich zu fein. Tie Zahl der letzteren be­läuft sich auf etwa 10 bis 15. In Garantee hatte man Feuer­spritzen in die Schulen gebracht und die Gendarmen wurden mit Wasserstrahlen empfangen. In St. Jean wurden zum zweiten Male die Siegel von den Ordensschulen gerissen und die Schwestern wiederum in diese zurückgebrachl. In Le Felgeet, Saint Meen und Pleudaniel erwartet man ein Bataillon Kolonialtruppen und sechs Gendarmerieposten. In Le Felgeet errichteten Arbeiter hinter der Eingangsthür zur Haupffchule eine Mauer. Ein Beschluß des Lyoner Appelationsgerichtshofes erklärt die Anlegung von Siegeln an die Schulen von Saint Charles, für ungesetzlich und ver- fügt die Abnahme der Siegel.

Deutsches Wich.

Berlin, 13. Aug. In Altengrabow ist der Kaiser gestern abend von Neugattersleben eingetroffen und hat dort das Kaiserzelt bezogen. Im Gefolge befinden sich der Kommandant des Hauptquartiers General von Plessen, Generaladjutant Generalleutnant v. Scholl, der Chef des Militärkabinets Graf v. Hülsen-Häseler, der Ober­stallmeister Graf v. Wedel, Hokmarschall v. Trotha, Flügel­adjutant Hauptmann v. Friedeberg, Leibarzt Dr. Jlberg und Leibstallmeister Plinzner. Se. Majestät hielt heute vormittag auf einem Truppenübungsplätze eine große Ka­vallerieübung mit zwölf hier quartierenden Kavallerie- Regimentern ab, und führte gegen Mittag die Standarten- Eskadron nach dem Barackenlager zurück. Das Frühstück fand im Kasino des Lagers statt. Am Nachmittag erledigte der Kaiser Regierungsanaelegenheiten. Zum Diner war der Graf von Turin geladen.

In Koblenz trifft der Kaiser nach offizieller Mitteilung Freitag gegen 4 Uhr nachm. ein, um den dort de- reitstehenden, festlich geschmückten Schnelldampfer der Köln-Düsseldorfer GesellschaftKaiserin Auguste Viktoria" zu besteigen. Der Dampfer wird etwa um 8 Uhr in Bingen- Rüdesheim, um 91/2 Uhr in Biebrich und gegen 10 Uhr in Mainz eintreffen. Die Kaiserin trifft am Vormittag, direkt von (Sabinen in Homburg ein. In ihrer Be­gleitung befinden sich Prinzessin Viktoria Luise und Prinz Joachim.

Der Kaiser beabsichtigt sich in der Nähe von Sabinen anjutaufen. Es handelt sich um die Villa Litten, die in Bad Kahlberg bei Elbing gelegen ist. Die Villa soll der Kaiserin und deren Kindern zum Som­mer-Aufenthalt dienen. Ferner soll in dem Prinzwalde bei Tharden unweit von Liebmühle ein Jagdrevier für den Kronprinzen eingerichtet werden. Landwirt­schaftsminister v. Podbielski besichtigte dieser Tage in hohem Auftrage das in Frage kommende Terrain.

Wie dasB. T." aus Rom meldet, hat der Bene­diktinerpater Krug die Nachricht aus Deutschland erhalten, daß Kaiser Wilhelm bei seiner nächsten Reise nach Italien bas weltberühmte Kloster von Monte Ca­sino besuchen werde.

Einem Londoner Telegramm zufolge will die Truth" erfahren haben, der Kaif er habe König Edu­ard eingeladen, ihm nach der Abreise von Fredensborg einen kurzen Besuch in Wil Helmshöhe bei Kassel ab­zustatten.

Der russische Student Calajew, der in Myslowitz in Haft gehalten wurde, ist nunmehr an Ruß­land ausgeliefert worden. Wie dasOberschl. Tagebl." er­fahren haben will, soll die Auslieferung auf Anordnung des Regierungspräsidenten von Oppeln erfolgt fein, und §roar unter der Annahme, daß Calajew ein Genosse des Attentäters auf den Minister Ssipjägin sei.

Als Nachfolgerin des Fräulein Dr. phil. H. v. Rich t- hofen, die von ihrem Amt als Fabrikinspektorin in Baden zurücktritt, ist Fräulein Dr. Phil. Marie Baum ernannt worden. Fräulein Dr. Baum ist aus Danzig ge­bürtig.

DiePos^ bestätigt, daß an hiesiger maßgebender Stelle von einer beabsichtigten Landung deutscher Truppen in Puerto Cabello nichts bekannt ist auch von einer größeren gemeinsamen Aktion deutscher und amerikanischer Marinejireitkräfte schon deshalb nicht die Rede sein könne, weil beide zur Zeit dort kreuzende deutsche Kanonenboote nur ein geringes Landungskorps ausschiffen können. .

Die deutsche Regierung hat dagegen das aus oer Ausreise begriffene KanonenbootPanther" nach Haiti oe-

obwohl es sich um eine Forderung des Staates handelt, erweckt die Befürchtung, daß die Vorgänge dem Kaiser nicht ganz zutreffend fror getragen wurden. Tas Blatt hätte gewünscht, daß die Depesche des Kaisers nichtindieser Form erfolgt wäre. DerVoss. Ztg." ist es begreiflich, daß der Kaiser die Ablehnung der Forderung für Kunst- Zwecke mißbilligt. Gleichwohl dürften die Meinungen über die Zweckmäßigkeit der Kundgebung geteilt sein. Die V 0 lks - Zt g." sagt: Der Kaiser eilt, die schnöde Undank­barkeit der bayerischen Zentrumspartei gegen Has Haus Wittelsbach und den Prinzregenten anzuklagen, aber die telegraphische Eile kann wicht übersehen lassen, daß die Anklage des Kaisers staatsrechtlich unberechtigt ist.