Ausgabe 
14.5.1902 Zweites Blatt
 
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--find vollständig verschwunden und die Verhaftete kann oder will über den Verbleib derselben keine Auskunft gebens sie ftnd vielleicht als Schweigegelder aufgebraucht! Die Muller will kein lebendes Kind geboren haben. Vor ihrer heutigen Stellung war sie bei einem hiesigen Restaurateur im Dienste, lleberall lebte sie zurückgezogen; sie war froh, wenn sie sich auf ihrem Zimmer befand, um ihr Geheimnis zu hüten. Welche Seelenangst die Müller während der 2 */, Jahre, seitdem sie denLeichnam mit sich herumschleppte, auSgestanden hat, läßt sich wohl denken.

Königsberg i. Pr., 13. Mai. Oberbürgermeister Hoffmann, Königsberg, der seit drei Monaten schwer Lidend auf Urlaub ist, hat derKönigsb. Hart- Ztg. zu­folge dem Magistrat aus Meran die Niederlegung seines Amtes offiziell angezeigt.

* Konstanz, 13. Mai. Der verheiratete Privatge- lehrte Wurth, Inhaber eures Knabenpensionats, wurde «Lreuzlingen wegen Sittlichkeitsvergehens verhaftet.

Paris, 13. Mai- In der Angelegenheit Humbert wurde gestern abend der frühere Notar Geschäftsagent Lauglois verhaftet.

* Genua, 13. Mai- Ein furchtbarer Hagelschauer zerstörte die Felder und Weinberge in der Umgebung Genuas. Der Schaden ist unberechenbar.

* M adrid, 13. Mai. Im Kohlenbergwerk zu Sana- La stre wurden durch einen Einsturz drei Bergleute

Karlsbad, 13. Mai. Auf Requisition der Dres­dener Staatsanwaltschaft wurde gestern hier der angebliche Badearzt Albert Block aus Berlin, richtig Adolf Bloch, 1857 in Kalisch geboren, verhaftet. Bloch wird beschul­digt, mit 250 000 Mark, die ihm zum Ankauf von Bonds übergeben waren, entflohen zu sein. Bloch wurde beim Kriegsgericht in Eger eingeliefert.

* Pitts bürg, 12. Mai- Auf der Station She- Laden der von hier über Fort Wayne nach Chicago führenden Eisenbahnlinie ereignete sich beim Rangiere eine Explosion eines Petroleumwaggons, wodurch 20 Menschen getötet, etwa 150 tötlich, 50 leichter verletzt wurden. Durch Ausfahren des letzten Waggons auf die vorher­gehenden entzündete sich das ausströmende Oel. Die 20 Fnh hoch schlagenden Flammen brachten auch die übrigen Wag­gons zur Explosion und verwandelten den ganzen Güter­bahnhof in ein Flammenmeer. Die Explosion erfolgte, als sich bereits eine über 200 Köpfe starke Menge angesammelt hatte. Von dieser blieb niemand unverletzt- Die Flut des brennenden Oeles strömte iy2 Meilen bis nach Esplen- borouah. Hier erfolgte nochmals eine Explosion, wodurch drei Häuser, darunter ein großes Hotel, vernichtet wurden.

AnioerMs-Uachrichteu.

Marburg, 13. Mai. Dem Landrichter Weizsäcker ist die erbetene Entlassung als Universitätsrrchter der hiesigen Universität erteilt worden. An seiner Stelle wurde der Staatsanwaltschaftsrat G a n s l a n d l mit den Obliegenheiten eines Uinversitätsrrchters beauftragt.

Bom 23.-25. Mai findet in Weimar ein Konzert der Freien Studenten m Verbindung mit dem 3. Verbandstag der »Deutschen

Freien Studenten" (Verband der Organisationen der Nrchtinkor- parierten an den Hochschulen des Deutschen Reiches) statt. Zm Teilnahme an dem Kongreß wird durch folgenden Ausruf emge- laden: Kommilitonen! Seit einer Reihe von Jahren besteht aus deutschen Hochschulen eine students'che Bewegung, bte es sich zur Ausgabe setzt, die große Masse der Nichtoerbindungsstudenten zu organisieren, um mit vereinten Kräften einer gesunden Reform des akademischen Lebens den Weg zu bahnen. Von Anfang an ver­kannt und viel befehdet, ist diese Bewegung dennoch mächtiger und mächtiger geworden und hat schon jetzt aus 16 studentischen Hoch­schulen festen Fuß gefaßt. Noch ist ihre Entwickelung nicht beendet und darum ist es Ehrenpflicht eines jeden nichtinkorporlerten Studenten, dieser hossiiungsvollen Bewegimg mit allen Kräften zu einer gesunden EMwickelung zu verhelfen. Eins thut _ aber vor allem not: Austausch unserer auf den verschiedenen Hochschulen gemachten Erfahrungen, sowie die offene Besprechung wichtiger akademischer Fragen, deshalb berufen wir auf Freitag nach Pfingsten einen allgemeinen Kongreß nach Weimar. Huf der Tagesordnung des Kongresses stehen folgende Punkte: 23. Abends 8 Ül,r: Begrußungsabend. Diskussion: Freie Studentenschaft und nationale Frage. Referent Dr. B. Harms-Aurich. 24. 10' 2 Uhr: Sitzungen der Sektionen der D. F. St. 11'/, Uhr: Hauptversamm­lung. Abends 8Uhr: Diskussion:Gruppenbildungen m der deut­schen Stlidentenschaft in Vergangenheit unb Gegenwart; Duell und Ehrengericht". 25. Ausflug und Schlußkommers.

Arbeiterbewegung.

Flörsheim, 12. Mai. Ungefähr 5 0 Arbeiter, bte m ben Kallsteinbrüchen ber Zementfabrik D y ck e r b 0 f f u. S 0 h n e be­schäftigt sind, haben heute bie Arbeit eingestellt, weil ihnen ber Tagelohn gekürzt werden soll.

Gerichtssaal.

sMarburg, 13. Mai. Heute Morgen wurde in der Strafsacke gegen den Kastellan Priebe, der angeklagt war, die am 23. Oft. 0. I. in der Universität erfolgte Explosion durch Fahr­lässigkeit verschuldet zu haben, das Urteil gesprochen Es lautete auf 100 Mk. Geldstrafe. , .

Mainz, 13. Mai. Am 8. April 1900 brannte m Worms das neuerbaute Geschäftshaus der Firma Geschwister Alsberg dadurch nieder, daß durch eine in den Schaufenstern veranstaltete Eröfsimngsillumination ausgestellte Stoffe in Brand gerieten. Das ganze Waarenlager war damals em Raub der Flammen ge­worden. Gegen den Inhaber des Geschäfts, Max A r 0 n s 0 h n , wurde Anklage wegen fahrläffiger Brandstiftung erhoben und der- elbe am 12. Oktober 1900 von der hiesigen Strafkammer zn einer Geldstrafe von 300 Mk. Dentrteilt. Aus das Urteil hin ver­weigerte die Feuerversicherungsbank für Deutschland zu Gotha, bei der das Waarenlager versichert war, die Zahlung der Ver­sicherungssumme tmter der Begründung, daß Aronsohn den Brand elbst verschuldet habe. Aronsohn war infolge davon genötigt, Konkurs anzumelden, und hierauf erhob die Konkursmasse durch Herrn Rechtsanwalt Dr. Zuckmayer Klage auf Zahlung der 23er- sicherungsfumme. Die zweite Zivilkammer des hiesigen Landgerichts entschied kürzlich durch Urteil in der Sache unb verurteilte bte Ver­sicherungsgesellschaft zur Zahlung bes Wertes bes verbrannteu Waarenlagers in Höhe von 82 000 Mk. Die beklagte Gesellschaft war burch Herrn Rechtsanwalt Dr. Schmitt vertreten, ber Be­rufung gegen bas verurteilenbe Erkenntnis einlegen wirb.

Kastel, 11. Mai. Wie jetzt feststeht, wirb ber Exdirektor Schmibt nicht ntehr in ber Schwurgerichtsperiobe im kommen­den Atonal abgeurteilt, ba sich bie Untersuchung gegen ihn immer schwieriger gestaltet. Neue Verfehlungen (Wechselfälschungen rc.) bes Exbirektors hat die Untersuchung dargethan, weshalb mit den

Justizbehörden der französischen Republik Verhandlungen emgelen« werden mußten, um eine Erhebung der Anklage wegen dieser neuen Delikte herbeizuführen. Jedoch resultatlos sollen diese Verhandlungen verlaufen sein. Bekanntltck wurde Schmidt nur wegen betruglichen Bankerotts von Frankreich ausgeliesert.

*

Zandwirtschaft.

Der Hessische Bauernverein hielt am Sonntag in Münster (Kr. Dieburg) eine gut besuchte allgemeine Versamnr- lung ab. Der Präsident, Pfarrer Mauer aus Fehlheim, ver­breitete sich dabei, nach derD. Ztg.", über die Hauptursachen der gegenwärtigen gedrückten Lage des Bauernstands, die er einesteils in der in bäuerlichen Kreisen herrschenden 23er- gnügungssucht, Vereinsmeierei und weiblichen Ptltzsucht, anberer» eits in ber Schwierigkeit erblickt, landwirtschaftliche Erzeugnisse zu einem lohnenben Pretse yu verwerten. In letzterer Richtung sei übrigens am Mittelrhem schon manches Ersprießliche geleistet worben, wie z. B. bte fünf Winzervereine, bie Errichtung bes Raiffeisen'schen Lagerhauses in Lorsch und der Tabak­verwertungsgenossenschaft in Ludwigshafen. Wagner-Urberach kritisierte das im Bauernstand herrschende Mitztrauen selbst gegen die berechtigsten und uneigennützigsten Bestrebungen. Stadtrechner Hebel aus Dieburg beklagte es, daß die von der Regierung der Landwirtschaft gewährte Beisteuer dem mittleren und (lernen Bauer angeblich zu wenig zu gute käme. Lehrer Wagner aus Fehl- Heim weist auf die Vorteile gemeinsamer Bezüge von landwirt- schastlichen Maschinen. Futterartikeln, Düngemitteln u. dal. hin. Pfarrer Mauer erläuterte die den Mitgliedern des Bauern­vereins aus dessen Verträgen mit den Versicherungsgesellschaften erwachsenden Vorteile, und findet die dem Verein im Land­wirtschaftsrat und der Landwirtschastskammer in Aussicht gestellte Vertret ung ganz un genüg en d.

Bäderzeitung.

Dillenburg, 13. Mai. Das nahende Pfingstfest mit seinen traditionell gewordenen Ausflügen in die maisrische LanMast stellt manchen erholungsbedürftigen Städter vor die Frage: Wohin, um in ländlicher Stille einige schöne Tage zu verleben, ohne in dem allgemeinen Wanberstrom untei^uaehen. Solche seien auf bas an der Bahn KölnGießen liegende Bad Dillenburg ausmecksam ge­macht. Das dortige im Waldesschatten erbaute Kurhaus bietet gute Verpflegung, und bie schönen Anlagen bes Verschönerungs- vereins ermöglichen es bem Bequemen, sich in nächster Nähe zu ergehen, wie bem Wanderlustigen, in die vielen herrlichen Thäler mit ihren burggekrönten Bergesspitzen auszufliegen.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

Höchste Temperatur am 12 /13. Mai

Niedrigste , , 12./13. e

11,00 c.

4,0° 0.

Mai

roarometer aus 0° reduziert

Temperatur der Lust

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

Windstärke

Wetter

13.

225

741,7

10,8

5,7

58

W.

2

Sonnenschein

13.

9»

742,6

6,0

5,3

76

NW.

2

23eb. Himmel

14.

7*s

743,8

5,1

4,9

75

SSW.

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