Ausgabe 
14.5.1902 Zweites Blatt
 
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Mittwoch 14. Mai WO»

ISS. Jahrgang

Zweites Blatt.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Nr. 111

rf d)eint täglich außer Sonntags.

Dem Sleßener Anzeiger werden im Wechsel mit dem besllschen Canbmtrt btc Siebener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt.

-rotanonSdruct u. Ver­lag der Brüh l'scheu Untoerl.-Buch- u.Dleii»» brucferei (Pietsch (irbtn) Redaknon. Expedttton und Druckerei:

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eil: P. Wtttko: für ,Stadt und Conb' und , ©endjtSj aal: DL ® 1t t» mann; für den An­zeigenteil: Hantz Beck.

Fremdwörter in der Gesetzgebung.

Einen sehr zu billigenden grundsätzlichen Standpunkt hat der Hamburger Senat in einer Frage eingenommen, die gegenwärtig die Hamburgische Gesetzgebung beschäftigt. Der Senat hatte vor kurzem aus Anregung der beteiligten Kreise bei der Bürgerschaft die Errichtung einer besoirderen Ver­tretung des Ltleüchandels vorgeschlagcn, die er alsKlein- Handelskammer^ bezeichnet hatte. Die beteiligten Kreise nahmen indessen an dieser, der Gewerbeordnung entsprechen­den Bezeichnung Anstoß und zogen das geschmackvolle Wort Detaillistenkammer" vor. Die Bürgerschaft ließ auch zur Annahme dieser Bezeichnung sich bestimmen. Der Senat beharrt jedoch bei dem AusdruckKleinhandelskammer". Er betont, wenn es sich hierbckl auch nicht um eine sachliche Aenderung handle, so müsse er doch dem entgegentreten, daß in die Sprache der Gesetzgebung die ihr bisher noch nicht angehörige fremdsprachliche Bezeichnung des Detaillisten ein- geführt werde, die das, was bezeichnet werden solle, min­destens nicht zutreffender bezeichne, als die ihnen ent- sprechendei: deutschen Ausdrücke, und für deren Einführung es an einem ausreichenden Anlaß fehle. Die Begriffe ,Kleinhandel" undKleinhändler" fänden sich in der Reichsgewerbcordnung und dienten weder dort noch nach dem gewöhnlichen Sprachgcbrauche dazu, lediglich diejenigen zu bezeichnen, die, wie die Höker und Hausirer, Handel im kleinsten Umsange betrieben; es würden vielmehr mit diesen Ausdrücken ganz allgemein diejenigen, die ihre Waren im kleinen an das Publikum abgäben, also alle diejenigen Personenkreisc bezeichnet, die in der Kleinhandelskammer ihre Vertretung fiirden sollten. Der Senat betont schließ­lich, daß der cuts früheren Zeiten herstammenden Gewohn­heit, auch da zu fremdsprachigen Ausdrücken zu greifen, wo eine deutsche Bezeichnung sich ungezwungen biete, kein Einsluß auf die Sprache der Gesetzgebung eingeräumt wer­den sollte, und daß Ausdrücke wie Delikatessen und Detail­handel, mögen sie auch thatsächlich vielfach m der Sprache dcS Lebens angewandt werden, ebensowenig in den Gesetzen einen Platz finden sollten, wie die Ausdrücke Grossisten und Engroshandel. Man wird diesen Ausführungen in ihrem ganzen Umfange zustimmen müssen.

Politische Tagesschau.

Zu dm Ruhezeiten der CastwiNLav gestellten.

Zu Masjeneingaben an den Bundesrat und Reichstag fordert ein Aufruf die Gastwirte der Bade- und Tonristen-Orte Deutschlands auf. Es soll gegen die Bundesrats-Verordnung vom 23. Januar d I. über die Ruhezeiten der Gestwirtsangestellten Protest erhoben werden, unter Hinweis darauf, daß die Bestimmungen über eine mindestens alle 14 Tage zu gewährende 24stündiae Nuhe- vause in den Bade- und Kurorten, deren ganze Saison z. B. In den Oftseebadern nur 6 Wochen dauert, wegen Mangel an AuSHilfspersonal schwer durchführbar feien. In den Petitionen soll für den Wegfall des freien Tages folgender Ersatz vorgeschlagen werden:

1. Den Angestellten werden wöchentlich 81 bezw. 74 Stunden Ruhezeit aewährt. 2. Die tägliche Nachtruhepause beträgt 78 Stunden. 3. In der ersten Woche wird zwi­schen 2 Uhr nachmittags und 8 Uhr morgens eine un­unterbrochene Ruhepause von 6 Stunden gewährt. Diese Ruhepause beträgt in d<er zweiten und dritten Woche 18 Stunden. 4. Die fehlenden 6 Stunden sollen auf einzelne Tage verteilt werden. 5. Für die Lehrlinge und Gehilfen unter 16 Jahren soll es außer der 24stündigen Ruhepause bei den festgesetzten Bestimmungen sein Bewenden haben.

Bon den Bauernunruhen in Rußland.

DerNegierungsbote" in Petersburg veröffentlicht ein­gehende Mitteilungen über die Unruhen, welche vom 28. März bis zum 3. April (a. St.) in gewissen Distrikten der Provinz P u l t a w a und Charkow stattfanden. Nach den­selben begannen Bauern aus dem Distrikte Konstantinograd in der Provinz Pultawa unter dem Vorwande, daß sie Mangel an Nahrungsmitteln litten, auf Plünderung von Scheunen und Raub von Vieh auszugehen. Am 20. März zog eine Schar von Bauern vor eines der Landgüter ber Karlowska, das dem Gro ßherzvgvon Mecklenburg-

Strelitz gehört, ließen sich von dem Intendanten die Schlüssel geben und bemächtigten sich mehrerer tausend Pud Kartoffeln. Von diesem Zeitpunkte an nahmen die Ausschreitungen der Bauern zu. Räuberzüge, welche bis­weilen 300 bis 400 Wagen mit sich führten, griffen die Besitzungen der Landwirte und dort angesiedelten Kosaken an, räumten die Scheunen aus, nahmen das Futtergetreide und die landwirtschaftlichen Gerätschaften mit sich und trieben das Vieh davon. Aus einer dem Kaufmann Volik gehörigen Farm raubten die Bauern etwa 20 000 Pud Korn. Eine 10 Werst von Pultawa gelegene Mühle wurde gleich­falls angegriffen. Zwei Kompagnien Militär, welche dort­hin e ntsandt wurden, mußten auf die Plünderer feuern, von denen 2 getötet und verwundet wurden. Aehnliche Un­ruhen ereigneten sich am 31. März im Bezirk Walk, Pro­vinz Charkow und in einem Teil des Bezirks Bogodukow, wo Farmen geplündert und zum Teil in Brand gesteckt wur­den. Gegenwärtig ist die Ruhe in den Provinzen Pultawa und Charkow wi^erhergestellt. Man kann annehmen, daß, dank den von den Behörden getroffenen Maßregeln, die Unruhen sich nicht wieder erneuern werden.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 14. Mai 1902.

** Unbestellbare Postsendungen. Wir er­fahren, daß bei der Ober-Postdirektion in Darmstadt folgende Sendungen, deren Absender vielleicht zu unseren Lesern zählen, als unbestellbar lagern: Postanweisung über 76.45 Mk. aus Bad-Nauheim, Empfänger (unbekannt) in Berlin vom 3. Juni 1901; Postanweisung über 8.20 Mk. aus Friedberg (Hessen), Empfänger (unbekannt) in Brüx vom 22. Dezember 1900; Einschreibbrief über 10 Pfg. aus Fried­berg (Hessen) an Bürgermeister Bumer in Sokloden (Kri. Kochern) vom 10. September 1901; Einschreibbrief aus Bad- Nauheim an Pani M. Mijakowska in Warschau vom 16. August 1901; Postanweisung über 5 Mk. aus Friedberg in Hessen an Michelutti Mattes in Drolshagen vom 14. Sep­tember 1901, Postanweisung über 25 Mk. aus Gießen, Em­pfänger (unbekannt) in Langenberg (R. j. L.) vom 4. Juli 1901; Postanweisung über 10 Mk. aus Friedberg (Hessen), Empfänger (unbekannt! in Bad-Nauheim vom 22. Juni 1901; Postanweisung über 50 Pfg. aus Gießen, Empfänger (un­bekannt) in Gelsenkirchen vom 18. Juni 1901; Gew. Paket aus Gießen an Ph. Müller in Frankfurt vom 26. August 1901. Tie zur Empfangnahme der Gegenstände Berechtigten müssen sich binnen vier Wochen bei der Ober-Postdirektioil melden, widrigenfalls die Postanweisungsbeträge und die in den Sendungen enthaltenen oder durch Versteigerung des In­halts zu erlösenden sonstigen Geldbeträge der Postunter­stützungskasse überwiesen, die Briefe aber vernichtet werden.

§ Butzbach, 13. Mai. Der Gabelsberger Steno- graphenverein eröffnet demnächst wieder einen Lehrkursus unter Vorsitz des Lehrers Felsing hier.

e. Bad Nauheim, 13. Mai. Nachdem vor 14 Tagen der langjährige Gemeindeeinnehmer Grünewald, der noch aus der mrhessischen Zeit den TitelStadtkämmerer" führte, gestorben ist, wurde heute im Gemeinderat die Mahl eines Nachfolgers vorgenommen. Der Posten ver­langt eine Kaution von 10 000 Mark, bringt vorerst 2400 Mark Gehalt ein, und dazu gehört auch das Amt eines Rechners des städtischen Gaswerks und des Konitzlystiftes. Mit acht gegen sechs Stimmen wurde Herr PH. Stamm, z. Zt. Prokurist bei der hiesigen Fabrik feuerfester Steine, gewählt.

T Bermuthshain, 12. Mai. Von dem Kreisaus­schuß des Kreises Lauterbach ist die hier erfolgte Bürger­meisterwahl vom 12. März ungesetzlich verworfen worden. Ebenso ist die Beigeordnetenwahl in Gunzenau auf eingelegte Reklamation hin verworfen worden. In beiden Orten macht sich schon jetzt eine ruhige Agitation für die nochmals stattfindende Wahl bemerkbar. Man ist all­gemein darauf gespannt, ob diesmal dieBuren" oder die Engländer" siegen werden. Gegen die Entscheidung des Kreisausschusses findet innerhalb 14 Tagen nach der Zu­stellung Rekurs an den Provinzialausschuß der Provinz Oberhessen statt, welcher endgiltig entscheidet.

D a r m ft ad t, 13. ÜJlai. Der Großherzog kam am

Samstag mittag in Groß^-Gerau an, wurde daselbst von Oberstallmeister Freiherrn v. Riedesel empfangen und fuhr nach Jagdschloß Wolfsaarten, wo Prinzessin V i k t o r ia»o on Battenberg von Schloß Heitigenberg alsbald cintraf, nm bis Sonntag nachmittag dort zu verbleiben. Die Herr­schaften fuhren dann zusammen nach Schloß Heiligenberg, wo der Großherzog für die nächste Zeit zu Besuch bleiben wird.

b. Mainz, 13. Mai. Im Auftrag des Ministeriums werden durch die Kreisämter Rheinhessens in den haupt­sächlichsten Weinorten die Weinberge gegenwärtig einer Be­sichtigung unterzogen, um den Schaden festzustellen, den der Frost verursacht hat. In einzelnen Gemeinden ist der Schaden ein ganz enormer und wird beispielsweise in Nierstein auf 500000 Mk. taxiert.

Mainz, 12. Mai. In dem P o stw a g e n des heute nacht um 2.50 Uhr hier eingelaufenen Luxuszuges Oft- end e-Wien entstand während der Fahrt ein Brand. Der Wagen wurde hier ausrangiert und das Feuer gelöscht. Wie groß der durch den Brand entstandene Schaden ist, konnte noch nicht festgestellt werden. Es sollen u. a. auch Wertpapiere verbrannt sein. Ein anderer Bericht­erstatter schreibt: Ter Packwagen des Orient-Expreß­zuges Ostende-Wien, der zur Beförderung der Postsendungen dient, ist in der vergangenen Nacht durch Selbstentzün­dung zwischen Mombach und Mainz in Brand geraten. Der Maschinenführer bemerkte die Gefahr, als die Flammen die Ueberdachung ergriffen. Der Zug wurde sofort gestellt und das Feuer durch Wasser aus der Maschine gelöscht, sodaß nur der obere Teil des Wagens zerstört ist. Ein Teil der Postsendungen ist allerdings mitverbrannt. Die geretteten Sendungen wurden umgeladen und der beschä­digte Wagen in Mainz zurückgelassen. Der Zug erlitt hier­durch eine halbstündige Verspätung.

Worms, 9. Mai. In derWormser Ztg." schreibt der Entdecker der Hocker grab feiber u. a.: Nachdem vor wenigen Tagen erst das Hockergrabfeld im Pfrimmthale von uns entdeckt wurde, welchem kurz vorher die Auffindung des Steinzeitgrabfeldes von Alzey voraufgegangen war, ae- lang es uns jetzt schon wieder, ein derartiges Grabfeldbei Westhofen zu entdecken und bereits teilweise zu unter­suchen, sodaß also innerhalb eines Monats nicht weniger als drei steinzeitliche, bezw. früh-bronzezeitliche Grabselder aufgefunden worden sind. Abermals ein Beweis für die reiche Besiedelung uiiicrer Gegend in jener fernen Früh­zeit. Wie die erstgenannten Grabselder zeitlich wesentlich von einander verschieden sind, so vertritt auch das Hocker­grabfeld von Westhofen wieder eine neue Zeitperiode. Es gehört nicht mehr der reinen Steinzeit, sondern der frühesten Metallzeit an und ist zeitlich noch jünger als das vorhin genannte Hockergrabfeld zu setzen. Es entspricht ganz genau derselben Zeit- und Kulturperiode, wie das vor zwei Jahren von uns entdeckte Hockergrabfeld auf dem Adlerberg bei Worms und ist auch in seinen Funden ganz identisch mit ihm.

Cassel, 13. Mai. Der angetrunkene Maurerpolier Mauer erstach im Streit seine Frau. Der Mörder ist flüchtig.

Vermischtes.

Wolfenbüttel, 12. Mai. Eine sensationelle Affäre bildet hier das Tagesgespräch. Wegen Verdachts des Kin­desmordes ist hier die unverehelichte 23jährige Amalie Müller aus Ringelheim verhaftet worden, die hier eine Stellung als Stütze der Hausfrau angenommen hatte. Ihrer Herrschaft siel während ihrer Abwesenheit sie mußte wegen einer Erbschastsangelegenheit nach dem Amtsgerichte Lieben­burg ein eigentümlicher Geruch in dem Zimmer der Müller auf. Beim Nachforschen wurde in der Kommode die völlig verdorrte Leiche eines kleinen Kindes aufgefunden. Der Verdacht des Kindesmordes wurde da­durch bestärkt, daß man um den Hals der Leiche eine Bind- fadenschlmge vorfand. Auch wurde im Besitze der Mutter eine Anzahl anscheinend gebrauchter Kinderwäsche gefunden. Die Müller gelangte, als sie majorenn geschrieben wurde, in den Besitz einer Erbschaft von 6000 Mark. Sn lebte zu der Zeit bei Verwandten in Königslutter. Diese 6000 Mart

zeugung geführt, daß das Skelett mehrere tausend Jahre alt ist und ?n die Eiszeit gehört. Damit wäre zum ersten Male ein sicherer Beweis von der Existenz des Menschen während der Eiszeit in Amerika verbracht. Der interessante Fund wurde aus der Farm von Thomas und M. Concannon gemacht. Tie Farmer gruben einen Tunnel in einen großen Hügel auf ihrer Farm und nießen in einer Tiefe von 65 Fuß aus das Skelett. Einer der Farmer trieb eine Spitzhacke durch den Schädel, um ihn von seinem steinigen Bett zu lösen, und dabei zerbrach er in sechs Stücke, die aber von dem Kurator des Museums in Kansas sorgsam wieder zusammen- qefittet worden find. Ter Schädel zeigt eine noch ganz unvoll­kommene Sttrnbildung. Tas Stirnbein tritt direkt über den Augen zurück. Ter Schädel ist sehr dick und start und sein hinterer Teil ?st breit und gut entwickeli. Die intakte Hirnschale, ein Teil des großen Unterkiefers, ein Teil eines Oberschenkelbeins und mehrere andere Bruchstücke des Skeletts wurden gefunden. Danach muß dieserEismenfch" eine beträchtliche Größe gehabt haben. Ter Kopf ist klein: die Augenhöhlen stehen dicht zusammen und er­scheinen ungewöhnlich groß. Man fand die Knochen uiivrdentlich durchemandergeworsen. Die lagen jum Teil in hartem, festem Untergrund eingebettet 6ine gründliche Untersuchung zeigte, daß die verschiedenen Schichten der Felsen und die Masi erstandszeichen" niemals 'm senkrechter Richtung zerstört worden waren und daß auch keine seitlichen (üngrine m den Hügel stattgefunben hatten. Da« Skelett war also wahrscheinlich bort vor der großen FelS- uitb Erdmaffe, die sich darüber und tn der Nähe befand, mebergtlegt worden. Wäre tn den Hügel ^hinein gegraben worden, um das Skelett zu bergen, so müßten Spuren davon zurückgeblieben sein. Die geologische Formation aber in dieser Tiefe trägt den Charakter

der Eiszeit. Der Archäologe Lang ist nach einer gründlichen Unter­suchung daher zu dem Schluß gekommen, daß das Skelett während der Eiszeit hier niedergelegt wurde.Tie große Tiefe," sagt er, schließt jeden Gedanken an eine gewöhnliche Bestattung aus und die Schichtung der Erde über und unter dem Skelett zeigt, daß die Knochen dort lagerten. An dem Schädel hastet eine Art Stein- bildung oder Eemenl, wie man sie gewöhnlich an den Knochen des Mastodons findet."

Ein Andenken au die Pcrserkricge. In ^usa, bet alten Perserhauptstadt, ist ein merkwürdiger Fund gemacht worden, über den der französische Evigraphiker B. Haussouillier in der Pariser ..Vartemie den ins^ip iuti*u berichtet hat. Es ist ein Stück von einem Bein aus massiver Bronze, das mehr als 93 Kg. wiegt. Auf der Bron-e lieft man in fünf Zeilen eine griechische Inschrift in altertümlicher, rückläufiger Schrift, die ei-zählt, daß das Stück von zwei Milestern dem Apollo geiveiht ist. _ Nun lag dicht bei Milet das berühmte Heiligtum des Apollo zu Didyma, und Herodot er­zählt, daß das Tidymeion im Jahre 49-1 vom König Tarins ge­plündert und verbrannt und die Beute nach Susa gebracht wurde. ES kann daher kaum einem Zweifel unterliegen, daß dieses Bronze­werk curS dem Heiligtum stammt und von der Perserbeute übrig geblieben ist. Ein merkwürdiger Zufall will es, daß das unjchein- are Stück Metall auch für den 4)ater bet Geschichte, für Herodot selbst und seine Zuverlässigkeit zeugt. Spätere Schriftsteller hatten nämlich die Plünderung des reichen Apollo tempAs und seiner Schätze dem König Terxes zugeschneben und in das Jahr 470 verlegt, auch erzählt, daß die Beute nach Ekbatana aeichafft |ei. Nun giebt der neue Fund etwa 28UU Jahre nach dem Erscheinen seines Geschichte werke- die Entscheidung zu Gunsten des Herodot.

Kunst und Wissenschüsl.

Für den 26. Deutfcheu Juristentag, der vom 10. bis 12. September stattfindet, sind to^enbe Verhandlungsgegenstände in Aussicht genommen: 1. Zweckmäßigkeit von Zwischenprüfungen für das preußische Studium. 2. Ausdeh'nmig der Haftpfticht auf Fahrzeuge, die unabhängig von Schienensträngen aus öffentlichen Stragen durch elementare Kraft fortbewegt werden. 3. Vorschläge zur Revision des Strafgesetzbuches. 4. Rechtliche Behandlung der Ringe oder Kartelle, o. Anerkennung und Schutz des Rechts am eigenen Bilde. 6. Rechtskraft der Enticheidungen der Verwaltungs- behördeii. 7. Abgrenzung von Richterrechi und Parteibetrieb im Zivilprozeß. 8. Möglichkeit gesetzlicher Befreiung des Grmid und Bodens von den darauf haftenden schulden und Lasten. 9. Bei­behaltung, bezw. Einführung der Strafbarkeit fahrlässiger falscher eidlicher Aussagen vor Gerichi. 10. Aenderung der Vorschrift des B. G.-B^ § 313, wonach die obligatorische Verpflichtung zur Ueber- ttagung eines Grundstückeigentums an gerichtliche oder notarielle Deurkuiidui'.a der Vertrages geknüpft ist. 11. Beurteilung der amt­lich veröffentlichen Entwürfe eines preutzlfchen SefeyeS zum Lchutze der Bausorderungen. _

Ucbcr vic Anfsiudnug emeS prahtstorftcheu «ketetts, das nach dem Urteile der Gelehrten der Si-zett anzuaehSren scheint, berichtet em englisches Blatt. DaS Skelett, daS während der qrabimg zur Legung eines Tunnels gefunden wurde, soll letzt den Sammliingen des Museums der Stadt Kansas emverleibt werden. Die besondere kchädelsorm und die aeologffche Umgebung, m ber es gefunden wurde, hat bu amerUaulschen Selchrten zu der Uebsr-