Ausgabe 
14.5.1902 Erstes Blatt
 
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aus der Feier beiwohnte, ein Hoch ausgebracht hatte, beschloß em Parademarsch die Feier.

An dem gleichen Tage fmtb in Wilhelmshaven oor der Kaserne des Secbataillons aus Anlaß deS 5 0jährigen Jubiläums der Marineinfanterie die feierliche Ent­hüllung eines Denkmals für die gefallenen Kame­raden statt. Die Geistlichen beider Konfessionen hielten An­sprachen. Kontrcadmiral Kirchhoff brachte ein Hoch auf den Kaiser auS. Später fand ein Festessen statt.

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3>ie vulkanische Katastrophe.

Die Kleinen Antillen sind bekanntlich sämtlich vulkw- Nischen Ursprungs. Aus den meisten giebt es üoch jetzt tätige Vulkane. Daher erklärt es sich, daß die Ausbrüche nicht auf Martinique beschränkt blieben. Es ist offen­bar in jenem ganzen Gebiet und noch darüber hinaus eine gewaltige unterirdische Bewegung im Gange, die immer weiter um sich greift. Von Martinique hat sie bereits nach St. Vincent übcrgegrifsen; und kaum sind die Schreckensbotschaften von diesen beiden Inseln be­kannt geworden, so treffen schon wieder Unglücksnach- r ich t e n von andere n I n s e l n der Antillengruppe ein.

Auf Jamaica und Dominica ist man in ch ster Sorge, denn allerlei unheimliche Anzeichen einer Re- volutio n im Erdinuern haben sich auch dort ein­gestellt. Aus Kingston auf Jamaica wird telegraphiert, daß die Schwefelquellen im Süden der Insel einen außerordentlich hohen Hitzegrad erreicht haben; man befürchtet weitere vulkanische Erscheinungen. Und auf Do­minica ist derKochende S ee" plötzlich verschwun­den, und die Luft ist überall voll von Schwefeldünsten. Ja, Professor H c i l p r i n , ein bekannter Geologe in Phil» delphia, erklärte sogar, es liege die Gefahr vor, daß die Inseln unter ►cm Winde überhaupt im Ozcan v e r s i n k e n, da die Eruptionen der Vulkane eine gewaltige Höhlung erzeugten. Der Seismograph an der Hopkins- Universität zu Baltimore indessen verzeichnete keine Erd- erschütterungen in der letzten Woche.

lieber die schreckliche Katastrophe und ihre entsetzlichen Folgen liegen heute nur spärliche Meldungen vor. Wie beretts gestern berichtet, ist es endlich gelungen, auf Marti­nique bei St. Pierre zu landen. Am 9., 10. und 11. Mai wurden etwa 2000 Lerchen in den Straßen von St.Pierre ausgesunden. Die KreuzerSuchet" undValkyrien" und das KabelschiffPouyer Quartier" nahmen die fast ver- hun gerten und verdursteten Bewohner von Precheur und Carbet, 2 a nderen Ortschaften auf Martinique, auf.Ponher Quartier", dessen Kommandant rbagitän Thi- ricn ist, schaffte allein über 2000 Menschen fort, welche größtenteils furchtbare Brandwunden erlitten hatten .

Von den Einwohnern von St. Pierre sind nur diejenigen nicht unrgekommcn, welche St. Pierre am Tage vor der Katastrophe oder am Tage der Katastrophe selbst vorL UHp früh verlassen hatten. Tie fr a n z ö s i s che Bank soll ihre Bücher und Wertsachen vor der Katastrophe aus St. Pierre auf den KreuzerSuchet geschafft haben.

Eine im französischen Marineministerium ein gegangene Depesche besagt, daß, das durch den Ausbruch des Mont Pelse verwüstete Gebiet Carbet, Precheur, Grande Rivierre und Maeuba umfaßt. 400 Leich­name sind bereits in Precheur beerdigt worden. Auch in Bassepinte ist der Schcrden beträchtlich. Der Mont P e - 16 e warf gestern immer noch aus und die Eruption schien sogar wieder stärker zu werden.

Die Besichtigung der llnglücksstelle ergab, daß die Opfer der Katastrophe infolge Einatmens von gif­tigen Gasen plötzlich erstickt sind. Die Insel ist noch immer von dichtem Nebel umhüllt. Auf dem Meere schwimmen Schissstrümmer, daneben Leichen, die von den Möven angefressen und von Haifischen verschlungen werden. Heiße Windstöße wechseln mit kalten ab. Die Stadttrüminer brennen noch immer. Die Landung ist sehr schwer. Die Straßen sind kaum zu passieren. Es liegen ganze Haufen von Leichnamen da, die meist das Gesicht der Erde Mehren.

lieber die Lage auf St. Vincent liegt eine Meldung des Reuterschen Bureaus arts Castries aus St. Lucia von gestern vor, dcrzufolge in St. Vincent, seitdem der Souff- riöre begonnen hat, Lava ausznwersen, 1600 Personen getötet sein sollen. Dasselbe Bureau meldet aus St. Thomas: Der dänische Kreuzer ,-Valkyria" rettete 500 Flüchtlinge im Norden und Nvrdvsten der Küste, der Suchet" rettete 2000. Die Geretteten wurden nach Fort de France geschafft.

Gestern früh ist der deutsche KreuzerFalke" in Fort de France eingetroffen, als erstes deutsches tfriegS- schiff, das seit 1871 auf Martinique anlcgtc.

Das Mutterlcurd der französischen Kolonie Martinique thut sein möglichstes, um b-cm Jammer auf der unglück­lichen Insel al'zuhelsen. Aber Frankreich ist so weit, weit entfernt von dem verwüsteten Eilande, unh wenn von Europa die erste ausreichende Hilfe einträfe, tonnte sie zu spät für die bedauernswerten Bewohner von Martinique anlangen. Infolgedessen hat sich, wie wir gestern telegr» phisch meldeten, die französische Regierung mit dem Er­suchen um schleunigen Beistand an die Vereinigten Staaten gemaiibt. Man beabsichtigt, alle noch lebenden Be­wohn e r d e r I n s e l Ai a r t i n i q u e f o r t z u s ch a f f e n.

Ter amerikanische Senat nahm debattelos einen Be­schlußantrag an, wonach dem Präsidenten 5 000 0 0 Doll, einschließlich der bereits bewilligten 200 000 zur Verfügung gestellt werden, zur schleunigen Hllfeleistung für die durch die Katastrophe Betroffenen. Der amerikanische Kreuzer Dixie", der gestern noch Vorräte an Bord nahm, wnjd voraussichtlich nach Martinique abgeyen. Der Präsident ernannte ein Komitee, aus den hervorragendsten Bür­gern des ganzen Landes bestehend, zur Einleitung einer Hilfeleistung für Martinique.

Indes nicht "Amerika allein, die ganze Welt nimmt Anteil an der schrecklichen Lage der Ueberlebenden und sucht der Not zu steuern. Im Abgeordnetenhaus zu W i c n bat gestern der Präsident nm die Erlaubnis, der französischen Regierung den Ausdruck des Mitgefühls des Hauses übermitteln zu dürfen. Das Haus stimmte der Kundgebung des Präsidenten zu. Der Wiener Ge­rn c i n d e ra t votierte zur Linderung der Not auf der Insel Martinique 5000 Kronem

Der König von Italien hat der französischen Re­gierung durch den italienischen Botschafter 25000 Frcs. für die Opfer der Katastrophe auf Värrttnique zustellen lassen. Ferner gab in der holländischen zweiten Kammer der Minister der Kolonien im Namen des Volkes und der Regierung dem Sch m er -<c über die Katasttophe «ruf Martinique -ln5druck. Er »rdnete an, daß das Panzer- schiffKönigin-Regentin", das sich vor Curacao be­finde, so schnell wie möglich nach Martinique d a m p f e, um Hi l-f c zu leisten. Der Kammerpräsident gab

hierauf her Teilnahme des Hauses unid dem Einverständnis mit den von der Regierung getroffenen Maßregeln Aus- rruck.

Selbst im englischen Unterhause wurde der Kata- trophe, allerdings in eigentümlicher W e iJ ie, ge­dacht. Dillon richtete an den Unterstaatssekretär Bal- our die Anfrage, ob er seine Aufmerksamkeit auf das Vorgehen des Präsidenten der Vereinigten Staaten gerichtet habe, der die sofortige Bewilligung einer bedeutenden Summe zur Unterstützung der Notlciden- >en auf Martiniaue empfohlen habe, wie auf die Thatsache, daß amerikanische Regierungsschiffe mit Vor­räten entsairdt seien, und ob die britische Regier­ung ähnliche Schritte zu ergreifen beabsichtige. Bal- our erwiderte, er habe nie vondemVorschlag einer »er artig en Bewilligung im englischen Par­lament gehört. Jedermann empfinde den außerordent­lichen Ernst der Lage und anerkenne den furchtbaren Um- ang der durch das erschütternde Unglück verursachten Leiden. Jede Hilfe, die von der englischen Regierung an Ort und Stelle geleistet werden könne, werde geivährt wer­den. Die Angelegenheit sei von den Ministern beraten, aber er habe keine Erklärung über den Gegenstand abzugeben.

Im gestrigen Ministerrate gab der französische Minister des Aeußeren Delcass 6 Kenntnis von der aus Anlaß der Katastrophe auf Martinique von den auswärtigen Regier­ungen und Säubern eingegangenen Teil na hmeku nd- gebungen. Er teilte mit, daß Unterstützungen aller Art nach Fort de France gesandt würden. Für die Teilnahme- kundgebungen sprachen Präsident Loubet und die Regier­ung ihren h e r z l i ch st en Dank aus.

Das französische Komitee zur Hilfeleistung für die Opfer auf Martinique hielt gestern unter dem Vorsitz des Ministers Decrais seine erste Sitzung abl. Decrais gab bekannt, daß bereits 98510 Francs gezeichnet seien, und teilte mit, daß das ivationale Hilfskomitee beschloß, einen Aufruf an alle Stadtvertretungen bezüglich Zuwend­ung von Lebensmitteln zu richten. Das Komitee ernannte einen Exekutivausschuß, der beauftragt wurde, die wirtschaft­liche Zukunft Martiniques zum Gegenstände einer Unter» uchung zu machen.

Aus Stadt und San).

Gießen, den 14. Mai 1902.

* Sperrung der Wasserleitung. Wir verweisen auch an dieser Stelle auf die Bekanntmachung des städtischen Ga8- und Wasserwerks in der heutigen Nummer, nach der morgen früh von 4 bis 9 Uhr in der Frankfurterstraße und einem Teil der angrenzenden Straßen die Wasserleittmg ab­gesperrt wird.

* * Für Radfahrer. Im amtlichen Teil unserer heutigen Nummer befindet sich eine Bekanntmachung des Gr. Polizei­amts, die die für Radfahrer geltenden gesetzlichen Bestimm­ungen bett, das Fahren innerhalb der Stadt erneut zur Kenntnis bringt. Wir wollen nicht verfehlen, die Radfahrer- besonders darauf aufmerksam zu machen.

* Verschüttet. Gestern Vormittag wurde in dem hiesigen Brannsteinbergwerk ein Arbeiter aus Naunheim, Kr. Wetzlar, der dort beschäftigt war, in einer Grube ver­schüttet. Er trug schwere innere Verletzungen davon, sodaß er in die hiesige Klinik gebracht werden mußte.

Leichculündung. Gestern Abend wurde aus der Lahn bei der Badenburg, Gemarkung Wieseck, eine bis jetzt un­bekannte männliche Leiche gekündet.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Dieser Tage wurde in der Nähe des Gonsenheimer Thores in Mainz ein Mann mit einem Schuß im Kopfe auf­gefunden. Er ist an der erhaltenen Verletzung gestorben. Aufgeklärt ist noch nicht, ob er sich den Schuß selbst bei- gebracht hat, wie angenommen worden ist, ober ob, wie er selbst angegeben hat,ein unbekannter Mann mit schwarzem Schnurrbart" auf ihn geschossen hat.

Vermischtes.

* Bochum, 13. Mai. Auf der ZecheNordstern" stteßen zwei Förderkörbe zusammen, wodurch 2 5 Per­sonen verletzt wurden.

Th orn, 13. Mai. Auf dem Schießplatz bei Drziwak ereignete sich gestern ein schweres Unglücf. DerOstd. Ztg." gufolgc setzte von drei mit Soldaten be­setzten Lowries infolge übergroßer Geschwindigkeit an einer abschüssigen Stelle die erste Lowrie an einer Kurve aus und fiel um. Die anderen stürzten über die erste weg. Die Jn- sassen wurden herabgeschleubert. Ein Obergefreiter ist tot, zwei Soldaten sind schwer und zivei leicht verletzt. 25 er­litten Hautabschürfungen.

* Paris, 13. Mai. Zur Affaire Humbert wird gemeldet, daß bei vier angesehenen Rechtsanwälten Haussuchungen vorgenonnnen und Akten konfisziert worden find. Einer derselben, Bazille, hinterlegte s. Zt. die scheinbar regelrecht ausgestattete Vollmacht der Brüder Eraw- ford. Die drei anderen Anwälte brachten gleichfalls für die Entscheidung in der Erbschaftsaffaire wichtige Dokumente vor.

* Ein viel verheirateter A b c n t e u r e r ist her­aus Deutschland stammende Baron, nach anderer Version sogar Graf, Karl Ludwig von Veltheim, dessen Name wieder einmal in einem Londoner Entschcidungsgericht auftaucht. Diesmal ist es eine Landsmännin, die der wüste Geselle auSgeraubt und unglücklich gemacht hat, ein ge­borenes Fräulein Paula Schiffer, das jetzt auf Lösung ihrer Ehe Nagte, nachdem es von der Existenz anderer Frauen Veltheims Kunde erlangt hat. Die Dame lernte Veltheim im Mai 1896 daheim in Deutschland kennen. Er trat ihr gegenüber als südamerikanischer Konsul auf. Sie hatte gerade eine größere Erbschaft gemacht. Ihr Vater wollte die Verbindung mit Hcrrrr von Veltheim nicht zugeben. Fräulein Schiffer folgte aber diesem nach England und heiratete ihn dort. Das Paar lebte eine Weile in London und an der See, dann gelang es Veltheim, seiner Frau 30000 Mark abzulocken, und nun erklärte er, nach Amerika reisen zu müssen. Er verließ fein junges trostloses Weib und begab sich nach Südafrika Ehe er aber aus London verschwand, schloß er eS war wiederum im Monat Mai, und zwar 1897 ein neues Ehebündnis mit einer Griechin au§ dem berühmten Geschlecht der Maurocordato. Auch diese Bedauernswerte ließ er im Stich, was damals zu einer senjatioirellen Episode in London Anlaß gab. In der Themse wurde nämlich ein mit Stricken zusammen- geschnurter Leichnam gefunden und Frau von Veltheim- Maurocordato rekognoszierte in dem toten Körper rhren Mann. Natürlich aber war es Veltheim nicht gewesen-

Denn er tauchte nicht viel später in Transvaal auf, wo er eine neue Sensation erregte, indem er in das Bureau des Bankiers Wolf Josl in Johannesburg drang und irescn erschoß. Das Gericht sprach ihn später frei. Eine frühere Ehe hatte Veltheim in Perth in Westaustralien geschlossen, wo er im Jahre 1886 eine Miß Mary Luise Marsley heiratete, die ebenfalls noch am Leben ist.

Unmersttäts-Uachrichten.

Oberkonsistorialrat Prof. D. Dr. phil. et jur. Julius Köstlin, der seit dem Jahre 1870 in Halle lebte und bis 1896 als Lehrer an der Universität thätig gewesen ist, ist g e st o r b e n. ftö|tlin ist am 17. Mai 1826 zu Stuttgart geboren und studiette in Tü­bingen und Berlin. Im Jahre 1855 folgte er einem Ruse als a o. Professor und zweiter Universitätsprcdiger nach Göttingen. Inden Jahren 18601870 lehrte er als o. Professor in Breslau, wo ex während der letzten drei Jahre feiner dortigen akademischen Tbä° tiakeit auch als Mitglied des schlesischen Konsistoriums wirrte. Sieben Jahre nach seiner Berufung nach Halle, im Jahre 1877 also, wurde Köstlin Dtitglied des Konsistoriums der Provinz Sachsen, feit 1875 gehörte er der preußischen Generaljynode, seit 1879 dem Generalsynodalrat an und im Jahre 1885 trat er in den General­synodalvorstand ein. Als am 31. Oktober 1892 die .restaurirte Lutherkirche in Wittenberg eingeweiht wurde, wurde der Verstor­bene zum Oberkonsistorialrat ernannt. Auch andere Ehren und Auszeichnungen sind Köstlin für seine Verdienste als Universitäts­lehrer und Forscher und seine Thätigkeit im kirchlichen Leben zu Teil geworden. Aus seiner ungemein fruchtbaren schriftstellerischen Thätigkeit seien erivähnt feineAutobiographie", die er auf der Höhe feines akademischeii Wirkens im Jahre 1891 in denDeut­schen Denkern" (Heft 912) veröffentlichte und vor Allem seine L u t h e r a r b e i t e n , durch die er auch in weiten Kreisen bekannt geworden ist, wieLuthers Lehre von der Kirche",Luthers Theo­logie",Alartin Luther, sein Leben und seine Schristen",Luther und I. Janßen". Außerordenttiche Popularität erlangte die zur Feier von Luthers vierhundertstem Geburtstage von Köstlin ge­schriebene und im Verlag von Otto Hendel erschienene Festschrift Aiartin Luther", die innerhalb eines Jahres in 22 Auflagen Ver­breitung gesunden hat und das größere volkstümliche WerkLu­thers Leben, mit authentischen Illustrationen."

j)?ait schreibt aus Würzburg: Während der beiden letzten Semester sanden an der hiesigen Hochschule 136 Promotionen statt, in der theologischen Fakultät 1, in der rechtswissenschafllichen 12, in der medizinischen 87, in der philosophischen 36; unter diesen war eine Dame, der e r st e iv e i b l i ch e D o k t o r der Würzburger Universität. Bei der Bekanntgabe der Preisträger der letzljährigen P r e is auf g a b en stellte sich der seltene Fall heraus, daß sämt­liche Aufgaben bearbeitet wurden und s ä m t l i ch c Bear­beitungen des Preises oder einer Anerkennung für würdig befunden wurden. Aus Göttingen wird berichtet: Ein Gauß-Archiv, in welchem u. A. der handschrifllichc Nachlaß des großen Gelehrten untergebracht ist, wurde in den alten Gauß-Zimmern der hiesigen Stermvarte errichtet. Die Archivräume sind durch die Verlegung des Geophysikalischen Institutes ans der Sternwarte in das neue Gebäude aus der Höhe des Hainberges gewonnen ivordeti. Die Akademie der Wissenjck)aften zu C h r i st i a n i a feiert, wie uns geschrieben >vird, im >seplember den auf den 5. August fallenden 100. Geburtstag Niels Abels eines der größten Geometer aller Zeiten und des berühmtesten Mitgliedes jener Akademie.

Lemberg, 13. Mai. Die Erregung der Studenten des hiesigen Polytechnikums wegen des Verbotes der Abhaltung von Versammlungen im Gebäude des Polytechnikums ist im Wachsen begriffen. Falls dieses Verbot nicht aufgehoben wird, sind die Studenten entschlossen, die Vorlesungen nicht mehr zu besi nW

Gerichtssaat.

M. Gießen, 6. Mai. Strafkammer. Den Vorsitz fühtts Landgerichtsdirektor Dr. ©üngciidL die Anklagebehörde vertrat Staatsanwalt Rcuß. In oer Strafsache gegen den Friedrich W e i d l i n g wurde die am Freitag den 9. unterbrochene Verhand- liing fortgesetzt und derAngeklagte wegen der ihm zur Last gelegten Betrügereien zu einer zusätzlich einer aegen ihn früher erkannten Strafe auf 3 Jahre, 6 Atonate, 3 Wocheii festgesetzten Zucht­hausstrafe verurteilt. Der Landwirt Valentin Langohr von Wetlfaasen war wegen Unterfchlagung vom Schöffengericht Grün- berg zu einer Geldstrafe von Mk. verurteilt worden. Seine gegen das Urteil eingelegte Berufung wird kostenfällig als unbe­gründet verivorfen, da feslfteht, daß der Angeklagte einen bei einer posjagd geschossenen Hasen vom Wege ausgenommen, aus den Wa­gen eines Andern, mit dem er fuhr, gelegt und mit einer Decke zugedeckt hat. Forslbeamte der Hosjagdverivaltnng, die am Tage nad) der Jagd Nachsuche nach gefallenem Wild hielten, hatten den Angeklagten "beim Aufnehmen beobachtet und fid) gegenseitig durch Zuruse auf ihn ausmerkfam geinad)t. Ter Angeklagte, der die Rufe gehört hatte, warf alsbald den Hasen wieder aus dem Wagen. Diese nad)trägliche Wiederaiifgabe des Gewahrsams kommt jedock; für die Beurteiliing der Strafthat als Untersd)lagung uid)l in Be­tracht. Der Landwirt August Marbach von Reichelsheim hatte zwei Rerd)elsheimer Burschen wider besseres Wiffen einer nicht verübten Körperverletzung beschuldigt und wird deshalb in eilte zweimonatliche Gefängnisstrafe verurteilt; dem einen der falsch Beschuldigten wird die Befugnis zuaesprod)en, den entschei­denden Teil deS Urteils an der Ortstafel in Reichelsheim aushängen nt lassen. Der Taglöhner Heinrich Johann Schmidt von Alsfeld war wegen Körperverletzung von dem Schöffengerid)t Als­feld zu einer Gefängnisstrafe von 6 Wochen verurteilt worden. Die gegen das Urteil eingelegte ^Berufung wird kostenfällig als unbe­gründet verworfen. Ter Kaufmann Otto V o h r b a ch von Lon­dorf ist des fcbweren Diebstahls und der Urkundenfälsd)una bejdjul- digt. Der Angeklagte, der 6 Jahre lang in einem Geschäft als Handlungsgehilfe thätig gewesen war, war unerwartet in deii^ Be­sitz einer Erbfd)ast von et nm 1700 Mk. gelangt. Er gab seine Stelle auf, geriet in schlechte Gesellschaft und bvad)te die ganze Erbschaft in wenigen Wochen durch. Nad)dern er mittellos geworden, fäl|d)te er ein Aceept auf einen Wcd)sel den er ansftcllte, und sandte es feinem früheren Tieiistherrn zur Einlösung ein. Derselbe erkun­digte sich sedoch vorsorglich bei dem angeblichen Aceeptanten, erfuhr den wahren Sachverhalt und verweigerte naturgemäß die Zahlung. Nachdem der Angeklagte diese qualisizicrte Urkunden- fälschuiig utid den Betrugsversud) begangen, Geldmittel jedoch nicht erlangt Halle, schlich er in der Folgezeit nachts in die ihm be­kannten Räumlichkeiten seines früheren Dienstherrn ein, erbrach die Ladenkasse utid stahl einen Geldbetrag von ca. 90 Mark. Das Gericht verurteilte den Angeklagten mit Rücksidst auf den groben Vertrauensmißbraud) gegenüber seinem früheren Prinzipal und wegen feines verbrecherlfd)en Leichtsinns zu einer Gesängiiisslrafe von 2 Jahren 6 Alonaten unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren. Tie Dienslmagd Gertrude von Bad-Nauheim hat eine brennende Lampe

derart unvorsichtig auf einen Betlrand gestellt, daß dieselbe, kaum daß die Atigeklagle daS Zimmer verlassen batte, umfiel, und das Bett und einen Teil des Fußbodens in Brand setzte. Da das Feuer alsbald gelöscht wurde, ein größerer Sdiaden mithin md)t entstanden war, so hielt das Gericht eine Geldstrafe von 10 Mark ausreichend zur Sühne. Der Maurer Karl Otto Reitz von Stockhausen ist der Verleitung zum Ateineid angeklagt. Ter Land­wirt Karl B i n g m a n n von Stockhausen war s. Zl. der Körper- verletzimg beschuldigt und dieserhalb verurteilt worden. In dieser Sttasfache behatiptele und beschwor der Angeklagte ein Ver- wandter des Bingmann daß er die fragliche Körperverletzinig verübt habe und unleriiahm eS zudem, eine Zeugin zur eidlichen Bekmidung feiner Thalerschaft zu verleiten, obwohl die Zeugin ihm gegenüber verschiedentlich geäußert hatte, d i e | e n Sachverhalt habe sie nicht wahrgenommen und könne sie nicht bejd)wören. Tas Verfahren wegen Meineids gcgeti^bc,t Angeklagten mußte eingestellt werden, da bei der verwirrten Sachlage, es handelte fid) um eine Schlägerei in einem Tanzlokal, der Tbatbestätid und die Personen der Beteiligten nidjt klar genug festgestellt werden konnten. Wegen Verleitung zum 2)ieineio mußte jedoch der Ange­klagte bestraft werden, da er wußte, daß die Zetigm die fragliche