Morttag 14.2lpril 1903
153. Jahrgang
Erstes Blatt.
Nr. 86
Erich ei»« täglich außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Vesßschen Landwirt die Siebener Zamilien- blLtter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brü h l'schen Univers.-Bnch- ».Stein- bcuderei (Pietsch Erbend Redaktion, Erpedttion und Druckerei:
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Bekanntmachung.
Wir bringen hiermit zur Kenntnis der Interessenten, daß bei folgenden Herren Bruteier abgegeben werden:
L von rebhuhnfarbigen Italienern bei Postvcrwalter Philtppi zu Mücke, Theodor Stein zu Grünberg, Landwirt Stauff zu Grünberg, Julius Zimmer zu Lauter (Bingmühle).
2. von schwarzen Italienern bei Lehrer Dörr in Lehn« heim.
3. von schwarzen Minorka bei Lehrer K. Reitz 31t Stockhausen, Mühlenbesitzer Bräuning zu Mücke (Waden-- Häusermühle), Louis Christ zu Grünbcrg (Neumühle), Karl Kell zu Grünberg.
4. von Pekingenten bei Landwirt Jäger zu Ober- Ohmen.
Die Genannten sind Halter der Zuchtstationcn des Gc- flügelzuchtvereins Grünberg.
Der Preis stellt sich für Mitglieder des Vereins auf 10 Pfg. pro Hühnerei und 15 Pfg. pro Entenei, für Nichtmitglieder um je 5 Pfg. höher. Die Eier können auf den Stationen abgeholt werden; für etwa gewünschte Zusendung durch die Post sind 70 Pfg. für die Verpackung zu entrichten.
Gießen, am 9. April 1902.
Der Direktor des landw. Bezirksvereins Gießen, v. Bechtold.
Politische Wochenschau.
„Wenn einer eine Reise thut, so kann er was erzählen", er thut's nur nicht immer. In derZolltariskom- Mission hat nach seiner Ferienfahrt Graf Posadowsky über die Ergebnisse seiner Rundreise sich in allen beuticken Idiomen ausgeschwiegen. Er gab nur die eine Erklärung ab, daß die Meldungen, der deutsche Reichskanzler habe dem italienischen Minister Prinetti Konzessionen und Zusagen gemacht, auf Erfindung beruhe. Das war nicht viel. Er hielt dann aber eine sehr bemerkenswerte Rede gegen die Anträge auf weitere Erhöhung des Zolles für Trauben, Most und Wein. Im großen und ganzen wurden trotzdem die Zollerhöhungen für diese Waren von der Kommission angenommen, mehrfach sogar noch über die Anträge der Regierung hinaus. Am zweiten Tage der Kommissionsberatungen das gleiche Bild: Erhöhung der Zölle aus Quebrachoholz, sowie auf Gerbstoffauszüge und Extrakte. Am dritten Tage: Erhöhung der Zollsätze für Vieh- und Fleischwaren, trotz der Ermahnung des Staatssekretärs. Und in diesem Tone ging es weiter.
Wenig erfreulich gestaltete sich die zweite Beratung des preußischen Eisenbahnetats, womit der Berliner Landtag seine Sitzungen nach den Ferien wieder aufnahm. Einen gleich starken Rückgang der Einnahmen hatten die Eisenbahnen noch niemals zu verzeichnen wie in diesem Etatsja.hr; und zwar rührt dieser Rückgang vom Frachtenverkehr her, während der Pcri'onenverkehr trotz der Einführung der 45 tägigen Rückfahrkarten nicht erheblich gegen das vergangene Jahr nachließ. Die freisinnige Partei forderte die Einführung von Rückfahrkarten auch für die vierte Klasse. Und während die zweite badische Kammer, nach einer sehr optimistisch preußen- sreundlichen Rede des Ministers v. Brauer, den Main- Neckarbahn-Bertrag, wie vorauszusehen war, an- uahm, wegen der für Baden zweifellosen finanziellen
Vorteile, trotz aller sonstigen praktischen Bedenken, die für uns Hessen noch ungleich größer sind, ohne daß wir aus dem Vertrage etwas Nennenswertes zu erwarten haben, kam im preußischen Abgeordnetenhaus,.', das sich über die Willfährigkeit dec Hessen und Badenser, unter die pantoffelndc Verkehrsoberhoheit Preußens zu kriechen, nur freuen kann, auch die preuß. Hess. Eisenbahn gemein schäft zur Sprache. Dabei gefiel sich der Geh. Oberregierungsrat a. D. und freikonscrvative Abg. Gamp in gänzlich grundlosen und entschieden zurückzuweisenden Angriffen gegen die h e s s i s ch e Z w c i t e Kammer. Der Minister v. Thielen, der ja sonst unser Freund nicht ist, rektifizierte den Herrn Gamp, der u. a. die durchaus falsche Behauptung aufgestellt hatte, daß im hessischen Landtag der Antrag gestellt war, in die preußisch-hessische Eisenbahngemeinschast sollten ausnahmslos alle hessischen Nebenbahnen einbezogen werden. Und „Opfer", wie Herr Gamp meint, hat Preußen wahrlich ebenso wenig Hessen dargebracht, wie irgend einem anderen deutschen Bun desstaate. Minister v. Thielen hat selbst einmal offen zugegeben, daß Preußen auch aus der Eisenbahngemein schäft mit Hessen sehr bedeutende finanzielle Vorteile zieht. Tas weiß auch unser Finanzminister Dr. Gn au th sehr genau. Wenn die preußischen Freikonscrvativen und Na tionalliberalcn in ihren Gemütern den Gedanken wälzen, ob nicht die Aufhebung der preußisch hessischen Eisenbahn- gemeinschaft am Platze sei, so würden viele Heßen diese vermeintliche preußische Drohung sehr gern in die wohlwollendste Erlvüguug zu ziehen bereit sein.
Ob der Reichskanzler über die Erfolge seiner Reise mehr zu erzählen gewillt ist, als sein Staatssekretär, bleibt abzuwartcn. Sein unerwarteter „A b stecher nachWic n" während seiner Rückreise aus Italien, der wohl nur für die Oefsentlichkeit unvorhergesehen war, hatte nach den Blättermeldungen neben den üblichen Empfängen, Besuchen, Audienzen und Soupers das Ergebnis, daß die Wahrheit des alten Satzes von neuem bekundet wurde: „Das Bessere ist der Feind des Guten", und so wird der Dreibund weiter wachsen, blühen und gedeihen.
Acußerst befriedigt sott unser charmanter Katizler über die Aufnahme in der Donaustadt gewesen sein. Ob er mit gleichen Gefühlen von dorr geschieden wäre, wenn er dem Parlament einen Besuch äbgeßattet hätte, glauben luir nicht. Denn im österreichischen Abgeordnetenhause kam es wieder einmal zu jenen wüsten Szenen, die man dort mehr und mehr „als guten Ton" anzusehen beginnt. Tie Alldeutschen begannen bei der Abstimmung des Antrages um Errichtung einer tschechischen Staalsgewerbc- schule einen ohrenbetäubenden Lärm. Mit Eisenstäben und Büchern wurde auf die Pulte geschlagen. Man sprang auf die Tribüne des Präsidenten, dem die Glocke entrissen wurde. Die Sitzung mußte unterbrochen werden. Und warum dies Toben? Pro nihilo! Ein Mißverständnis bei der Abstimmung hatte es verursacht. Schlver sind die Zlämpfe, die die Deutschen Oesterreichs zu bestehen haben; aber niemals ist es zu billigen, daß die Elite der politischen Bevölkerung eines Landes die Achtung vor dem Parlament so heruutersetzt, die Meinung vor der thatsächlichen Bedeutung einer Volksvertretung dermaßen vermindert, wie cs seit Jahren bei unseren Verbündeten geschieht.
Auch wir in Deutschland gehen schweren Zeiten rni Reichstage entgegen. Hoffen wir, daß un)er Parlament für alle Zeiten von nur ähnlichen Erscheinungen verschont bleibt. Kämpfe wahrlich hat es genug gekostet, bis die Völker sich ihre Selbstregierung errungen haben,
der Mühen waren zu viele, um das gewonnene Gut nid)t zu hüten.
Ein anschauliches Bild hierfür geben die Bewegungen um Einführung des Wahlrechts in Belgien, die immer weitere Kreise ziehen. Aus allen großen Städten, Brüssel, Lüttich und Antwerpen, wie aus den Bergwerksrevieren, kommen täglich Nachrichten von Tumulten. In Brüssel lvurden dem Könige, der von Biarntz kam, und nrit dem Automobil vom Babnhof ins Scüloß fuhr, von der Menge, in bereit Mitte bie rote Fahne wehte, Demonstrationen dargebracht, in die Hochrufe aus bas allgemeine äLahlrecht hineinklangen. Um weiteres Blutvergießen möglichst zu vermeiden, erwägen die Sozialistenführer bie Nachsuchung einer Audienz beim König. Ain Freitag fand im Ministerium des Innern zwischen dem KabincttSchcf, dem Minister des Innern und dem Oberbürgermeister von Brüssel eine Beratung statt. Der Minister des Innern erklärte dem Oberbürgermeister, daß, falls bis heute (Montag) die Ruhe in Brüssel nicht wieder hergestcllt sei, bie Aufrechterhaltung ber Ordnung ber Militärbehörde übertragen würbe. Ter sozialistische Abg. Dr. Delbaste würbe am Freitag abend durch einen Säbelhieb am Arme bertounbet. In der Steenpoort Straße wurde eine neue Barrikade errichtet. Tie Gaslatcruen wurden ausgelöscht rind aus den anligenden Häusern auf bie heranrückenbe Bürgerwchr Revoiverschüsse abgegeben. Tic Bürgerwchr mußte sich zurückziehcn. Ein Leutnant und ein Artillerist wurden durch Steinwürfe erheblich verletzt. Bei den Unruhen in Ho üben sind zwei Personen getötet und 17 verwundet worben. In Scraing ist die Lage ernster gc-- wordcu. Tic Bergarbeiter Haden einstimmig beschlossen, in den Gencralausstand zu treten. Der sozialistische Stadtverordnete Hattet, welcher als Mitglied der Bürgergarbe keine Munition annehmen wollte, wurde zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt.
Bon diesen tumulluarischen Szenen, die nicht weit vom Bürgerkriege liegen, wendet sich der Blick ein wenig hoffnungsvoller nacy jenem Lande, dessen Scliicksal seit 21/2 Jahren die Gemüter freudig und traurig bewegte. Wurtda schon die Freisprechung Kruitzingers mit einiger Gcnugthuung ausgenommen, so flackerte die Hoffnung bei den in letzter Zeil nicht ganz ungünstigen Nachrichten, die über den Stand der B u r e n s a ch e aus Südafrika tarnen, von neuem auf. Sollte bas, was man nicht mehr für mügf lich zu halten wagte, sich bennoch erfüllen? Am Donnerstag sind Präsident Steijn und bie beiden Mnerale De- w c t und Dclarch unter dem Schutze der Parlamentär- flagge in das von den Engländern besetzte Klerksdorp ein- gezogen. Nun sehen diese den gefürchteten Dcwet doch einmal wirllich Äug' in Äug' vor sich. Mit akeinloser Spannung wirb mau bie Ergebnisse der Verhandlungen in beit nächsten Tagen, erwarten. Möchten sie den Frieden bringen und einem schwer geprüften Volk sein Recht. Auch das Gewissen Europas käme damit zur Ruhe. In London kom-i mentiert man eifrig die schnelle Rückkehr König Eduardsl nach London und die kurze K a b i u c 11 s si tz u n g vom' Samstag, die von nur kurzer Dauer war und wahschcinlich eine neue Anleihe bringen wird, trotz der Friedens-, verhandlngen. Der Friede nist augenblicklich das .Haupt- thcma in sämtlichen englischen Blättern, die meist optimistisch gestimmt sinb. Nach einem Klerksborper Telegramm des „Standard" vom 12. d. M. dauern die Konferenzen der Mitglieder der beiden Freistaaten-Negicrungen noch fort. Tie Konferenz sei vollständig repräsentativ, da alle politischen und militärischen Führer beider Republiken daran tcilnehmen. Steijn trägt einen Verband über dem rechten Auge. Die britischen Behörden behandeln die Delegierten
ßin Iösentyeater in Hießen.
Hedda Gabler.
In unserem Stadtlheater ist für zwei Abende Direktor Gustav Lindemann aus Berlin mit einem Jbsenensemble eingezogen, während unser Direktor Kruse mit seinen Künstlern in L i m b n r g im Saale des Hotels zur Alten Post gastiert, wo er dieser Tage in Brieux' „Roter Rvb c/" den Limburgern und ein paar Gießener Theaterfr<eunben seine teilweise neuen Kräfte vorsührte, darunter auch die als Ersatz für Frl. Hohenfels in Aussicht genommene Künstlerin, ein Frl. Sisulka, bisher Mitglied des oberschlesischen Städtebundtheaters, eine Dame, die als s2)anctta mehr künstlerisckw lieberlegung als blendende äußere Vorzüge, nicht die spröde Herbheit des Frl. Hohenfels, sondern mehr Weichheit und Warmblütigkeit zeigte, allerdings auch eine, gewisse Gleichmäßigkeit in Bewegung und Mienenspiel, weniger Leidenschaftlichkeit und vor allem ein sehr wenig ausgiebiges, farbloses Organ, das, wenn die Dame an diesem Abend nicht an einem Katarrh zu leiden hatte, für unfern TLeatersaal kaum ausreichen dürfte. Dagegen scheint Direktor Kruse für Herrn Schneider einen durchaus geeigneten Ersatz in einem Herrn Paulus gefunden zu haben, ber den s. Zt. bei uns von Bolz aus Frankfurt so meisterlich dargestcllten Untersuchungsrichter Mouzon mit Geist unb tüchtigem Können vollkommen bewälttgte.
Das Lindemannsche Jbsenthcater gab uns am Sonntag eine Aufführung von ,Hedba Gabler", lieber den großen nordischen Dichter, ber in hohem Atter sich vor der! Welt verbirgt, und an dem alle anderen, die heute wirken, irgend wie geheimnisvoll an Drähten von dort oben hangen, sind jüngst zwei neue Schriften erschienen. Die eine stammt von dem Bonner Univ.-Prof. Litzmann unb betitelt sich „Ibsens Dramen", ein geistvolles Buch, bas allen Jbsenverehrern unb Theaterfreunden warm empfohlen sei (Verlag von Lcop. Voß in Hamburg); bie andere hat Dr. Rud. Lothar, der
Herausgeber der „Wage", mit schönem Fleiß verfaßt. Zur „Hedda Gabler" berichtet Lothar:
„Ibsen hat selbst einmal energisch in Abrede gestellt, daß bie Hedda Gabler eine Problcrnbichtung fei; er habe bloß einen Einzclfall barstellen wollen, und die Seltsamkeit dieses Einzelfalles werbe erklärt durch bie Um- stänbe, in Seiten sich die Heldin befindet. Heber einen in dieser Hinsicht bemerkenswerten Ausspruch Ibsens zur Charakteristik Heddas schreibt mir ber Münchener Schauspieler und Regisseur W. Schneider: Ibsen besuchte fast alle Proben zur ersten Aufführung von „Hedda Gabler". Mein verstorbener Freund Heinrich Keppler führte die Regie. Bei einer Stelle, deren Sinn unb Zweck ihm nicht ganz klar geworben, fragte Keppler den Dichter: Was will beim die Kanaille (Hedda) eigentlich?, worauf Ibsen in seiner leisen, ruhigen Art erwiderte: Das ist gar keine Kanaille. Die Frau ist im sechsten Monat schwanger, und ich habe nur schildern wollen, zu welchen Extravaganzen dieser Zustand eine lebhafte, leicht erregte Frau sortreißen kann."
Tas ist also die Lösung des sonst psychologisch kaum zu verstehenden Handelns dieser Frau! Schon in seinem „Peer Gynt" (bergt die große Ausgabe von „Henrik Ibsens sämtlichen Werken in deutscher Sprache", herausgegeben von Georg Brandes, Jul. Elias und Paul Schlenthcr, Bd. IV, S. 259) hat Ibsen in der „Grüngellcideten" eine ähnlich leidende Gestatt geschaffen. In ber ,Ä>cbba" wie im „Peer Gynt" zeigt sich also Ibsen als Satiriker, dessen innerem Blick die Decadence der Gesellschaft vorschwebt, unter beten Personen nicht eine, mit alleiniger Ausnahme von Tante Juliane, mit genügendem Scharfsinn ausstaffiert ist, der es ermöglichte, .Heddas Zustand zu erkennen unb zwänge, ihren unsinnigen Ideen entgegenmtreten. Aber die M sicht dieser Satire tritt in der Darstellung des Dichters wahrlich nicht klar hervor, zumal an S?ebba alle5 krankhaft erscheint, in ihrem öanbeüt nicht cm einziger gesunder Zug liegt, der wenigstens vom Walten eines sonst einigermaßen klaren
Verslaubcs spräche. Hätte Ibsen die Hedda als Typus des moralisch halt- unb charakterlosen Weibes der höheren Sphären gelten lassen wollen, so hätte m. E. bas Schauspiel einen unverhältnismäßig höheren Wert. Daß es bennoch zu fesseln und durch die Tragik seiner sonstigen Handlung geradezu zu erschüttern vermag, legt Zeugnis ab von bet eminenten Kunst des Poeten.
Das Linbcmann'sche Ensemble kam, warb gesehen unb sieche. Das gewählte Publikum, bas den Saal leider nur halb füllte, stellte ber Künstler-Gesellschaft durch lebhaften echten Beifall nach jedem Akte bas Zeugnis aus, baß sie bei uns gleich am ersten Abenb einen vollen Erfolg errungen hat. Direktor Lin bemann hatte bie Aufführung in Szene gesetzt unb zeigte sich als bas Muster eines modernen Regisseurs. Er hatte uns nicht zu viel von sich unb seiner Gefolgschaft vorhergesagt: bas Werk beS Dichters ist ihm alles. Um es klar herauSzudringen, setzt er offensichtlich sein und ber Seinen ganzes Können ein. Die gemeinhin übliche unb z. B. in Frankfurt meist ganz besonbers auffallende Rücksicht darauf, baß ber einzelne Darsteller sich möglichst günstig präsentiert, ist hier durchaus nicht bemerkbar; Eapricen sind nicht wahrzunehmen, jeder thut an seinem Platze seine Pflicht, fügt sich in den Rahmen des Bildes, das der Jn- szeneur getreu nach ber Dichtung auf bie Bühne stellt. So entsteht ein Zusammenspiel, das muftcrgiltig genannt werden kann unb dessen LebenSwahrheit verblüfft. Alle sind sichtlich bestrebt, nur Teile eines Ganzen zu fein. Diese vornehme Art ber Schauspielkunst, wie Direktor Linbemann sie mit seinem Ensemble pflegt, verdient wärmste Anerkennlmg. Jede Mache, jede Affektiertheit, jedes Haschen nach Effekten war gestern vermieden. Die Menschen auf der Bühne gingen und standen, redeten unb blickten, vergnügten unb langweilten sich, als erlebten sie baS Stück. Unb in dieser Ungezwungenheit zeigte sich die höchste Regiekunst, die leise und


