zu ihren Gunsten auslegen, iter der Voraussetzung, daß
Kriegerverelne unter ruyen. untere atoionicn mujien ivuujiujuiuiuj “ c y ' . <* ; . ~cy m -2-., , '
selbständig werden, dann würden wir auch die hineingesteckten Mittel , 1'4 Herr Szell auf Informationen des deutschen Reichskanzlers ; diese . J y _ . „ m ... m«.........c. <Y> . QlortnittFinnrt ift nfior hnn hör OfTfn Q+n " filr itnrirfi+irt ni-f
Wieder herausziehen können. Vor Allem mutz für Verkehrswege gesorgt werden; wer unfern Kolonien die Eisenbahnen veralt. versagt ihnen das tägliche Brod. Wenn Eiigland trotz des kost- picligen Krieges die Mombassa-Bahn bauen konnte, werden auch wir unsere Kolonien mit Eisenbahnen ausstatten können. (Bei-
Vermuthuna ist aber von der „Nordd. Mg. Zig." für unrichtig erklärt worden. Ich habe dem nichts hinzuzufügen. Herr v. Szell hat sich über
Die erste Berathung des Etats wird fortgesetzt.
Abg. Dr. Stockmann (Rp.): Es hieße die Reden des Reichskanzlers und des Kriegsministcrs abschwächen, wenn ich auf die letzten Aeußerungen des Abg. Bebel über die Haltung des deutschen Heeres in Frankreich und China noch etwas erwidern wollte. Das Wort Brodwucher. das man gegen den Zolltarif angcwendet hat. ist nichts als ein S ch l a g w o r t. mit dem man auf urtheilslose Kreise Eindruck machen will. Das ist ja zum Theil auch gelungen, glauben doch schon einige Frauen, daß sie später nicht mit ihrem Haushaltungsgeld auskommen können. (Heiterkeit.) Im Falle Spahn stimme ich mit dem Abg. Bachem nicht überein, kein Protestant wird seinem Buch eine protestatio fidei vorausschicken. Die Katholiken machen es sogar dem streng katholischen Prof Xaver Kraus zum Vorwurf, daß er in seinem Buch über Cavour die Mißwirth- chaft im Kirchenstaat getadelt und ihn einen galvanisirten Leichnam genannt hat. Die Angriffe, die der Abg. Südekum gegen die Kriegervereine gerichtet hat, zeigen nur. daß die Sozialdemokraten Angst vor dem Geist der Kriegervereine haben. Jeder, der es gut mit dem Vaterlande meint, müßte die idealen Bestrebungen der Kriegervereine unterstützen. Unsere Kolonien müssen wirthschastlich
die Regierung das nicht zulassen. Selbstverständlich liegt dem Alldeutschen Verband eine solche Agitation durchaus fern. Herr Szell machte bahn aber weiter abfällige Bemerkungen über den Alldeutschen Verband, der bei den maßgebenden deutschen Stellen keinerlei Unterstützung stnde. wie die ungarische Regierung mit voller Bestimmtheit versichern könne. Das sah so aus, als stütze
fall rechts.)
Abg. Werner (Antis.): Das Vorgehen des General Spitz hat in den Kriegervereinen viel böses Blut gemacht. Auch Herr Balfour hätte besser geschwiegen, anstatt so ungehobelte Redewendungen zu brauchen. Die Engländer sollten uns ooch dankbar sein, denn ohne die preußische Hilfe wäre Wellington bei Waterloo besiegt worden. Erfreulich ist es. daß Graf Bülow anders über die Landlvirtbschaft denkt als Graf Caprivi Die Landwirthschaft, als der schwächste Theil. muß unbedingt geschützt werden.
Bairischer Bundesbevollmächtigter Frhr. von Stengel (schwer verständlich)' Der Mg. Richter stellte es so dar. als ob nur die thüringischen Kleinstaaten schwer unter den Matrikularbeiträgen litten. Er sprach auch von der bairischen Ueberschußwirthschast. In Wirklichkeit verhalten sich die Sachen doch ganz anders. Auch Baiern kann- nicht nur so aus dem Vollen schöpfen. Wenn wir die Gelder aus unseren indirekten Steuern — Herr Richter erwähnte besonders unsere Brausteuer — zu Reichszloecken verwenden wollten, würden wichtige Landesbedürfnisse vernachlässigt werden, ober wir müßten au direkten Steuern ober Anleihen schreiten müssen. Die Zuschuß-Anleihe widerspricht keineswegs der Reichsverfassung, auch ist sie nicht ein vollständiges Novum. 1900 haben die Einzelstaaten schon 0 Millionen zugezahlt, für 1901 wird der Bettag noch größer werden, und für 1902 sollen die Einzelstaaten sogar 24 Millionen zuschießen. Wie da Herr Richter sagen kann, das Dichten und Trachten der Einzelstaaten gehe dahin, vom Reiche etwas herauszuschlagen, verstehe ick nicht. Ich kann nur davor warnen, direkte Reichssteuern einzuführen. Gegen diesen Vorschlag werden sich die Einzelstaaten immer wehren, damit ihre Rechte nicht leiden; denn wenn hier erstmal der erste Schritt gemacht ist. werden die Folgen gar nicht zu übersehen sein Den letzten Vorschlag der Regierung zu einer Reichsfinanzreform hat der Reichstag ja abgelehnt. Aber man hätte den „Automaten" nicht einfach abthun sollen. Wo ein Wille gewesen wäre, hätte sich auch ein Weg gefunden.
Mg Stöcker (b. k. Fr.). Die Hauptschuld an der Krisis trägt nicht die Wirthschaftsordnung, wie Herr Bebel meint, sondern die Ueberproduttion. Da die Arbeiter am meisten darunter leiden, ist eine reichsgcsetzliche Versicherung gegen Arbeitslosigkeit nothig. Im Falle Spahn kann ich mich nicht auf die Seite des Abg. Sattler stellen. Es handelt sich nicht um eine zwiefache Wissenschaft, sondern höchstens um einen andern Standpunkt zu der Wissenschaft. Der atheistische Standpuntt weicht noch weit mehr ab, aber von dem sprechen die Liberalen natürlich nicht. An der Ernennung Spahns kann kein billig Denkender Anstoß nehmen. Ich glaube, daß Herr Spahn ein Mann ist, der unparteiisch urtheilt und auch das Gute an der evangelischen Entwicklung anerkennt. Nachdem wir einmal Kolonien erworben haben, müssen wir sie auch ausbauen und danach stteben, sie so zur Blüthe zu bringen, daß wir hinsichtlich der Kolo- nialprodukte vom Ausland unabhängig werden. Bedauerlich ist es nur, daß in West-Afrika die Bevölkerung durch den Branntweingenuß vollständig verdorben wird. Der Branntwein ist schlimmer für die Schwarzen als die Sklaverei. Der Reichskanzler hat durch seine scharfe Abweisung der Rede Chamberlains sich den Dank aller Deutschen verdient. Die ganze gebildete Welt verwirft die Politik Englands. Da diese Polttik auch in unsere Interessensphäre eingreift, müssen wir auch dazu Stellung nehmen. Die Leiden, die unsere deutschen Missionare in Ostafrika erduldet haben, sind grenzenlos. Ganz nutzlos sind alle Anlagen der Missionen verwüstet und zerstört worden. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, haben die Engländer mitgenommen und dann die Häuser angezündet. (Hört, hört!) Da sind dann die Schwarzen gekommen und haben das letzte, was noch zu retten war, den Missionaren gerettet. (Hört, hört!) Solche Fälle muthwilliger Zerstörung schreien doch zum Himmel. Eine Intervention wollen auch wir nicht, aber auf solche Thaten müßte doch ein kalter Wasserstrahl erfolgt sein. Wenn wtt in London wenigstens angefragt hätten, ob denn so etwas gestattet fei, wäre England vor aller Welt gebrandmarkt. Unsere Humanität haben 1870/71 auch unsere Feinde anerkannt, unsere Truppen sind christliche, liebreiche Soldaten gewesen. Aber Krieg ist nicht Liebe, ftrieg ist Tod und Verwüstung. Doch zeigen tausend kleiner Züge, wie sehr sich unsere Soldaten damals der leidenden französischen Bevölkerung angenommen haben. Wie kann Herr Bebel die Deutschen von 1870 mit den Chinesen vergleichen, die den Gefangenen die Augen aus-
Deutscher Reichstag.
116. Sitzung vorn 13. Januar.
1. Uhr. Das Haus ist sehr schwach besetzt.
Am Bundesrathstisch: Graf Posadowsky, von Goß- l e r , von Köller u. A.
deutung ihrer Absichten zu Schritten treiben, die besser unterbleiben. Es wird und muß eine Versöhnung zwischen den beiden Nationalitäten eintreten, denn an der Ostgrenze ein unzufriedenes Volk zu haben, kann für uns in Zeiten der Gefahr sehr verhängnißvoll werden. (Beifall bei den Polen und im Centtum.)
Minister Studt: Die Ausführungen des Redners über das Recht der Eltern sind dazu angetlian, jede Ordnung und Schul- disziplin zu untergraben. (Unruhe im Centrum.)
Abg. Dr. v. Hehdcbrand (kons.): Wir freuen uns über die Rede des Ministerpräsidenten. Es ist lange her, daß wir eine so deutsche Sprache vom Ministertisch gehört haben, und ich kann versichern, daß meine Freunde einstimmig hinter ihm stehen. (Beifall rechts.) Zurück darf die Regierung auf keinen Fall; das wäre das Verkehrteste, was sie thun könnte. Ich danke dem Grafen Bülow zunächst Namens meiner Freunde für die Erklärung, die er im Reichstage anläßlich der polnischen Interpellation abgegeben hat Es geht nicht an, daß preußische Angelegenheiten im Reichstage behandelt werden. Auch der galizische Landtag hätte besser daran ge- than, vor seiner eigenen Thür zu lehren, anstatt deutsche und preußische Verhältnisse zu ttitistten. (Sehr richtigI rechts.) Der Abg. v. Jazdzewski bat mit keinem Wort anerkannt, daß Preußen au4 eine deutsche Mission hat, daß Ordnung und Disziplin im Staate herrschen müssen, er hat lediglich Klagen und nichts als Klagen vorgebracht. Und er durfte auch mit Rücksicht auf die Polen außerhalb dieses Hauses gar nicht anders reden. Bezüglich der Volksschule unterschreibe ich die Ausführungen des Ministerpräsidenten. In Preußen haben wir vorläusig noch die Staatsschule, und so lange die Schule eine staatliche Einrichtung ist, wird und muß sie deutsch bleiben. Das gebe ich allerdings zu. daß der Religionsunterricht kein Gebiet zur Germanisirung ist, aber der Religi onsunterricht kann sehr wohl unter bestimmten Umständen in deutscher Sprache ertheilt werden. Es kommt nur darauf an, daß das norhige Verständniß für die Lehren der Kirche auch in deutscher Sprache bei den Kindern vorhanden ist. Die Strafen, die den Kindern diktirt sind, sind ihnen wegen Ungehorsam diktirt worden; sie waren nothig im Interesse der Aufrechterhaltung der Disziplin. Dahingestellt lasse ich, ob es richttg ist, die Strafen klassenweise zu verhängen und damit die Kinder zu Märtyrern zu machen und der ganzen Sache ein gewisses Relief zu geben, das von anderer Seite .agitatorisch ausgebeutet -vird. So viel über die Jnterpellatton der Polen. Was die national-liberale Interpellation betrifft, so findet Alles, was die Regierung zur Hebung des Deutschthums vorge- Magen hat, durchaus die Billigung meiner Freunde. Aber sie
AiHHÄnnterritit geschah nur unter der Voraussetzung, daß die Kinder 5?nüaend deutsch können. und in dieser Voraus, eyung haben toir uns nicht geirrt. Es ist mit der giotzn.- Mäniaung, ja mit dem größten Wohlwollen vorgegangen worden ?stb^^Wrefchener Urtheil ist ausdrücklich Migeitcßt. das das &,ri*t sich überzeugt hat, daß die.Kander vollkommen deniich sprechen konnten. (Hort, hort!) In Posen hatten zuerst. d,e »inder einige Wochen willig am deuftchen Religionsunterricht theil- aenommen; dann kamen einige Weigernnaeu von Kindern
«ch QUf einen Befehl des Vikars beriefen. Das Gericht Bat festgestellt, daß dieser Vikar tbatsächlich auf die Weigerung der Kinder maßgebenden Emflub geübt hat. Es is, nickt richtig. d°b mir die Polen „so schnell als möglich germanipren" wollen ; aber toit müssen uns wehren gegen die systematischen Polomsirungs- beftreüungen der polnischen Agitationen. Die,e Agitationen Baben hinter den Coulissen auch die Vorgänge veranlaßt,
"zu dem Wreschener Prozeß geführt haben. Auf hi«» Kiicbtianngen der Kinder kann der Ausdruck „Mißhandlung" nicht angewandt werden; in keinem Falle ist das ^Ägungsr-cht Übcrickritten worden. Es sollte nber -,ne theatralische Demonstration hervorgerufen werden und dazu wurde daä Märchen von der Massenzüchtigung erfunden. Dagegen finden wir in den polnischen Blättern kein Wort des Tadels dafür, daß man die Kinder gegen die Lehrer, die Lehrer gegen die vorgesetzten Behörden aufgehetzt hat, daß man der Regierung unlautere Motive unterschiebt u. s. tv. Die Regierung hat nur ihre mrlicht gethan und sieht der Entwickelung mit Ruhe entgegen. Ke Lehrer in Dreschen haben — zur Ehre unseres gejammten LebrerstandeS sei es gesagt — trotz aller Schwierigkeiten ihre Aufgabe vollkommen erfüllt. Die Kinder, die sich andauernd wider- wenstig verhalten, werden die Schule weiter zu besuchen haben, bis sie die nötige sittliche Reife haben. Die Regierung erhebt Widerspruch dagegen, daß man diese Kinder als Helden und Märtyrer hinstellt. Die das thun, mögen £ie Folgen tragen; die Regierung kann sich dadurch nicht von dem als richtig erkannten Dege abbringen lassen. Die Polen berufen sich immer auf frühere Aussprüche preußischer Könige, die sie zu ihren Gunsten ausleaen. Aber diese Aussprüche waren gethan unter der Vorausietzung, daß die Polen sich nicht in der Weise absondern würden, wie es, besonders in den letzten Jahren, geschehen ist. Es geht ein Zug der Unbotmäßigkeit und Verleumdung durch die polnischen Agita- tionen; dagegen müssen wir uns wehren. (Beifall.)
Auf Antrag des Abg. von Cynern (nat.-lib.) wird einstimmig die Besprechung der Jiiterpellarion beschlossen
Abg. Fritzen (Ctt.): Nach unserer Auffassung haben die Polen biefelben Rechte und Pflichten, wie die anöeren Bürger. Ihre Gebräuche und Muttersprache müssen ihnen gewahrt werden, dagegen haben andererseits die Polen die Pflicht, treue Staatsbürger zu fein und alle Bestrebungen auf Losreihung von Preugen aufzugeben. (Hört! hört!) Wir bedauern, daß in der letzten Zeit mehrfache Exzesse vorgekommen sind und sprechen der Regierung das Recht zu, gegen alle landesverräthcrischcn Umtriebe nut den schärfsten Mitteln anzukämpfen. (Beifall.) Andererseits bedauern wir die maßlose Agitation gewisser deutscher Vereine aufs Tiefste, zumal diese Agitation zuweilen weniger gegen das Deuftch- thum, als gegen den Katholizismus geht. Wir freuen uns, daß der Reichskanzler hierüber beruhigende Versicherungen gegeben hat; aber die unteren Behörden haben nicht immer in diesem Sinne gehandelt. Es wird über die Stärkung des Polenthums geklagt. Diese liegt zum Theil an der stärkeren Bevölkerungszu- .lahme der Polen. Die kann lein deutscher Verein hindern. (Heiterkeit.) Ferner liegt sic an dem Ansiedelungsgesetz. Die Thätigkoit der Ansiedelungskommission hat den Polen Millionen auf Millionen zugeführt. Auch die Schulpolittk der Regierung hat viel zur wirthschaftlichen Stärkung des Polenthums beigctra- gen. Die Deutschen sollten in größerem Umfange die polnische Sprache erlernen, dann können sie besser mit den Polen konkurriren. Das gilt auch von den Beamten, die den Polen näher treten werden, wenn sie polnisch können. Was die national-liberale Interpellation anlangt, so erkläre ich: wir sind nicht absolut abgeneigt, Mittel zu bewilligen zur Hebung deutscher Kultur und Kunst. Ich habe hohe Achtung vor der polnischen Kultur. Aber die deutsche ist umfassender und reicher, und deshalb haben wir nichts dagegen, daß die deutsche Kultur, unter Berücksichtigung der Konfession, auch unter den Polen verbreitet wird. In gewissen Grenzen sind wir damit prinzipiell durchaus einverstanden.
Die Erklärung, daß eine Züchtigung in Zukunft sich nicht wiederholen solle, hat uns sehr erfreut. In dieser Erklärung liegt eine Desavouirung der ganzen Wreschener Vorgänge. Ich will auf die Einzelheiten nicht eingehen — sie werden ganz verschieden dar- gestellt —, jedenfalls ist es Thatsache, daß die Schule hier auf einen tobten Punkt gekommen ist. Sie verlangte von den Mildern, daß sie sich dem Befehl ihrer Eltern widersetzen sollten. Denken Sie sich doch, daß Ihren Kindern etwas Achnliches passirte. Sie würden dann auch verlangen, daß die Kinder in erster Linie den Eltern gehorchen sollen. (Widerspruch rechts und bei den National-Liberalen. Beifall im Centrum und bei den Polen.) Daß der Vikar sich so zurückgehalten hat, dafür sollten Sie ihm Dank wissen: er verdient den Tadel nicht, mit dem er überhäuft worden ist. Meines Erachtens hätte der Schulinspcktor den Kindern sofort rathen müssen, daß sie dem Befehl der Eltern folgen sollten. (Zustimmung im Centrum.) Ich erkenne an, daß der Mg. Hobrecht die Frage sehr sachlich behandelt hat, aber ich kann ihm darin nicht beipflichten, wenn er sagt: Niemals einen Schritt zurück! Wenn verkehrte Schritte gethan sind, so ist es am besten, sie wieder rückgängig zu machen. (Sehr richtig! im Centtum.) Unrichttg ist cs, zu behaupten, daß der Erzbischof feine Einwilligung zur Ertheilung des Religionsunterrichts in deutscher Sprache gegeben hat. Das ist nicht der Fall. Und lvas wird mit den ganzen Maßnahmen erreicht? Genau das Gegentheil von dem, was die Regierung erreichen will. Wir können doch nicht unsere polnischen Mitbürger durch Miß
die deutschen polittsirenden Studenten aufgehalten. Warum nicht über die ungarischen, die in den Tingeltangeln politisiren? Die Ungarn brüsten sich mit einem angeblichen Ausspruch unseres Kaisers, daß das Bündniß mit Ungarn für uns um so werthvoller sei, je mehr Ungarn ein einheitlicher Nationalstaat werde. Ich halte es für unmöglich, daß ein deutscher Kaiser in dieser Weise Millionen von Deutschen preisgegeben haben sollte Es giebt keine „ungarische" Nation und keine ungarische Sprache, so wenig tote es Österreichische Sprache giebt.
Staatssekretär Frhr von Richthoscu; Die Aerzte haben deshalb keinen Paß bekommen, weil niederländische Aerzte schon vorher ttotz eines Passes zum Kriegsschauplatz nicht zugelassen worden waren; es war vorauszusehen, daß es den deutschen Aerzten ebenso gehen würde. Wtt haben daher dem Alldeutschen Verein ger athen, keine Aerzte zu entsenden. Die Stellung der Militärbevollmächtigten verkennt Herr Hasse; diese sind nicht etwa eine Art Richter über die Kriegführung der betheiligten Mächte Es freut mich, daß Herr Hasse unsere Bemühungen für die Ausgewiesenen anerkannt hat. Wir werden in diesen Bemühungen fortsahren, bitten Sie aber, nicht allen Zeitungsnachrichten zu glauben. Nicht alle Beschwerden sind berechtigt und die Rechtsfrage ist oft sehr verwickelt.
Mg. Dr. Hahn (B d L.): Wenn der Präsident Krüger vor einem Jahre empfangen worden wäre, hätte sich im deutschen Volke nicht eine so große Erregung geltend gemacht und eine so nachdrückliche Zurückweisung Chamberlains seitens des Reichskanzlers wäre nicht nothig gewesen. Die Bemerkung des Reichskanzlers über den Dreibund hat im Lande
Unbehagen erregt. Hoffentlich geht es bet den näch
sten Handelsverträgen nicht wieder so wie in der Aera Caprivi, daß wir um der ausländischen Freundschaft willen uns selbst schädigen. Die neuesten Liebenswürdigkeiten, die man Amerika erweist, dürfen keineswegs uns veranlassen, Amerika günstige Handelsbedingungen zuzubilligen. Wenn wir früher eine andere Wirthschaftspolitik eingeschlagen hätten, würden die Sozialdemokraten nie so angewachsen fein. Die jetzige Krise hat der Bund der Landwirthe lange schon vorausgesagt; unseren Freunden sind dadurch große Verluste erspart worden. Leider ist unsere Warnung an der Regierung spurlos borübergegangen. Denn die Regierung nimmt viel zu viel Rücksicht auf die haute finance. Den Arbeitern kann nur dauernde Arbeit auf dem Lande Vortheil bringen, werHandelsbeziehungen eingeht, die auf die Dauer nicht aufrecht erhalten werden können, versündigt sich an den Arbeitern. Bei der Schaffung neuer Mittel muß man zunächst die Steuerschraube für die Surrogat-Industrie anspannen. Die Gescllschast gleicht einer Insel, deren festester Fels die Landwirthschaft ist, gegen den die Wogen der Sozialdemokratte vergebens branden. Deshalb muß man beim Zolltarif Alles thun, um diesen Fels zu schützen,
Abg. Dr. Arendt (Reichsp.). Der Etat zwingt uns zur Sparsamkeit, die wollen meine Freunde auch üben, nur nicht da, wo es sich um die Wehrkraft des Landes und die Wahrung der nationalen Ehre handelt. Die ostafrikanische Bahn muß gebaut werden, die Behauptung des Abg. Richter, daß die ganze Gegend bis Korogwe sumpfig ist, ist unrichtig. Es handelt sich nur um das versumpfte Ufer eines Flusses. Wenn kein Sumpf dort wäre, würde Herr Richter sagen: „Aber wie kann man nur durch eine steppenlose Wüste bauen!" (Heiterkeit.) Die Sozialdemokraten sind jetzt gegen die Schutzzollpolitik. Aber in ihrem Zukunftsstaat kann doch von Freihandel und Handelsverttägen gar nicht die Rede fein, denn da nähern sie sich doch dem Grafen Kanitz, da sie die ganze Produktion und den ganzen Handel verstaatlichen wollen. Ihr ganzes System steht also im diametralen Gegensatz zum Freihandel und zu Handelsverträgen. Auch beim Reichsbankgefetz haben die Sozialdemokraten ihre Prinzipien verleugnet und gegen die Verstaatlichung gestimmt. An dem niedrigen Börsensteuer-Erträgniß ist nur die Krisis, aber nicht bet hohe Stempel schuld. Daß der Schatzsettetär der letzteren Ansicht huldigt, nimmt mich Wunder, das ist eine Verwechslung von propter hoc und post hoc. Die Drohung mit der Obstruktion beim Zolltarif schreckt mich nicht. Die Verantwortung für eine erfolgreiche Obstruktion trägt die Regierung. Sobald diese die Handelsverträge kündigt, ist der Obstruktion Der Boden entzogen. Der Zolltarif ist kein Hungertarif, sondern ein Tarif gegen den Hunger, da er Tausenden Arbeit schaffen soll. Der Schatzsettetär hätte von Bier- und Tabaksteuer gar nicht reden sollen. So unerfreulich die Rede des Schatzsekretärs war, um so erfreulicher war die Red-' des Reichskanzlers gegen Herrn Chamberlain. i
(fachen und die leeren Augenhöhlen mit ungelöstem Kalk aitSt füllten In allen Parlamenten der Welt giebt es keinen Mann, der io die -.Tdirung *oor dem eigenen Vaterland herabfetzt, wie es die Sozialdernotraten hier gethan haben. Die Leute sind eben durch die 'o:-.aldemottatische Presse um das Nachdenken gebracht. Bei allem c .cnb in es doch das größte in Deutschland, daß wir hier so eine Partei haben. (Beifall rechts.)
Staatssekretär Frhr. von Nichthofen: Der Vorwurf, daß wtt uns unsere deutschen Missionare nicht angenommen haben, ist uns richtig. Wir find andauernd und nicht ohne Erfolg in London vorstellig geworden und haben erreicht, daß eine Anzahl gefangener M'.söcnare wieder in Freiheit gesetzt wurde. Außerdem ist in vielen Fallen Schadenersatz gewährt und den Missionaren ein Schutz zugesagt worden Ein Hinderniß war allerdings vielfach der Umstand, daß viele Missionare ihre deiusche Staatsangehörigkeit aufgegeben oder die der Boeren erworben haben.
Abg Hone (nat.-lib): Der Abg. von Liebermann hat den Reichskanzler veranlaßt, eine zweite Rede zu halten, die im Ausland den Glauben erwecken konnte, als sollte dadurch der Eindruck der ersten Rede verwischt werden. Meine alldeutschen Freunde, die der allerschärfsten Tonart huldigen, sind durch die Rede des Reichskanzlers sehr erfreut und bedauern nur, daß sie drei Monate zu spät kam. Ich bin auch sehr erfreut, daß der Reichskanzler anerkannt hat, daß die Protestbewegung berechtigt und nicht gemacht war. Leider hat die offiziöse Presse wochenlang das Gegentheil behauptet. Ich bedauere lebhaft, daß man den Versuch gemacht, den Vh iegerbereinen in die Arme zu fallen Im gegenwärtigen Augenblick halte ich es nicht für richtig, das Verhalten der Engländer in §ödifrika näher zu beicudjtcn. Die Engländer haben alle Puntte des Haager Aolönnnein- '-ht. Die entsetzlichsten Dinge sind uns aus Südafrika gemeldet Inorden. lunnen wir diese Me^H
düngen nicht fontrolircn. aber bisher hat sich noch immer gezeigt, daß die englischen Behauptungen unrichtig sind. Bedauerlich ist, daß die anderen Mächie ihre Militärbevollmächtigten abberufen und dadurch sich der Möglichkeit beraubt haben, sich über die Kriegführung der Engländer zu informiren. Das Verhaften der Engländer hat in allen Ländern des Festlandes das Empfinden für Recht und Gerechtigkeit und das monarchische Gefühl erschüttert. Das ist in einem Buche ausführlich dargestellt, das sich betitelt: „Die Sozial- demottatie, die glückliche Erbin des südafrikanischen Krieges." (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ich habe vor einiger Zeit daS Auswärtige Amt um einen Paß für deutsche Aerzte.gebeten, die wir nach den Konzentrationslagern senden wollten. Das wurde abgelehnt, weil der Paß höchstwahrscheinlich doch nichts nützen würde. Dankbar zu begrüßen ist es, daß endlich den aus Südafrika ausgewiesenen Deutschen eine Entschädigung zugesprochen worden ist. Verschiedene Symptome sprechen glücklicher Weise dafür, daß wtt England gegenüber zurückhaltender geworden sind.
Die größte Bedeutung haben in der Rede des Reichskanzlers vom 8. Januar nicht die Ausführungen über Chamberlain, sondern die Charakterisirung des Dreibundes Der Werth, den der Drei- , bunb für die beiden anderen Staaten hat, wird namentlich von den Magyaren nicht genügend gewürdigt. Herr Szell hat im November 1901 so gethan. als sei es eine Gnade, daß ' Ungarn sich bereit finde, dem Dreibund anzugehören Derselbe um ! garische Ministerpräsident ist aber noch weiter gegangen. Er machte ' zunächst als Antwort auf die Rede eines Abgeordneten eine Bemerkung über den Alldeutschen Verband • Falls dieser Verband gegen den ungarischen Staat agitiren wolle, so werde
mögen fhun, fraS Sie wollen: wenn die landwirthichaftlichen Er-, wcrbsverhältnisse so bleiben, wie sie sind, wenn nicht wieder Zeiten kommen, wo cs der Landwirthschas: gut geh:, dann w:rd es den Deutschen dort im Oüen nid:: roobl fein. BettaU redits.) Will die Regierung ihr Ziel verfolgen, so werden wir sie gernjimcr-- stützen und dafür sorgen, daß das deutsche Wesen keinen Schaden leidet. IBeiiall rechts, Zischen bei den Polen. >
Abg. Stnchcl (Pole) : Erst heute ist es herausgekommen^wes- • halb Sie uns verfolgen. Sie betraditen uns als den. Dorn in Ihrem nationalen Fleisch. Tic Polen werden von Ihnen als Staatsbürger zweiter Klasse vehandelt. trotzdem iie alle ihnen verfassungsmäßig obliegenden Pflichten erfüllen. Der schone Satz: „Muttersvrackc, Mutterlaut, wie so wonnesam, so traut. soll er ertra nur für die deutsche Sprache gelten < — Beim Religionsunterricht handelt cs sich nicht um ein geistloses Einrauken bestimmter Normen, sondern um die Erläuterung ewiger Wahrheiten, für deren Aufnahme Herz und GemütH nur dann fähig fein kann, wenn sie ihm in den vertrauten Klängen der Multersvrache geboten werden. Es herrscht bei uns die feste Uebcrzeugung daß der zum Volke sprechende Heiland selber dieser Auffasiung gewesen ist. Beschworen Sic nicht durch Ihre Maßnahmen eine Zeit der Religionslosigkeit herauf. Die Art, wie in Wreschen die polnischen .Kinder behandelt wurden, ist ogar von einem Theil der deutschen Presse nicht bedingungslos gebilligt worden, ich nenne Ihnen nur die „Nationalzeitung", die „Preußischen Jahrbücher". Der junge Geistliche, der von Ihnen o stark angegriffen wird, weil er die polnischen Kinder nicht zum; Ungehorsam gegen ihre Eltern aufstacheln wollte, muß ich in Schutz nehmen. Dieser Mann hat sich nichts zu Schulden lommen lassen, und es ist eine ungerechte Zumuthung, die Sie ihm stellen. Die Maßnahmen der Regierung gegen uns sind nur geeignet, das Selbst- bewußtsein der Polen zu stärken. Wir Polen vertrauen auf Gott und sonst Niemand, und wir sind jidjcr, daß unsere gerechte Sackie den Sieg davoniragen wird.. (Beifall bei den Polen.)
Hierauf v e r t a g t sich das Haus.
Nädffte Sitzung: D i e n s t a g 1 Uhr: F o r t s e tz u n g der heutigen Berathung.
Schluß 4 y4 Uhr.


