w Die feierliche Tinführrrrrg des neuen Pfarrers der MarkuSgemeinde, Tcheunemann, fand gestern in der zum Erntedankfest schön geschmückten Stadtkirche durch den Dekan Strack aus Leihgestern statt. Nachdem der Dekan in einer Ansprache auf die Bedeutung dieses TageL für die Gemeinde, wie den neuen Pfarrer hingewiesen, verpflichtete er diesen zur treuen und gewissenhaften Führung seines Amtes, worauf ihn Pfarrer Schlosser mit kurzem Segensgruß zum gemeinsamen Dienst in diesem Gotteshause willkommen hieß. Dann nahm der eigerttliche Erntedankgottesdienst mtt Gesang der Gemeinde und der Ehorschule und Attardienst seinen Anfang. In seiner Predigt legte Pfarrer S ch e u n e m a n n die vierte Bitte des Vaterunsers, „Unser täglich Brot gieb uns heute", auS. Er wies besonders darauf hin, wie „unser" Brot das Brot sei, das wir uns mit unserer Arbett verdient haben und daß der Segen Gottes darin bestehe, daß er unS zur Arbett berufen habe und uns Arbeitskraft und Arbeitsfteudigkett schenke. Auch Pfarrer seien Arbeiter. Er habe geglaubt, sich dem Ruf in die größere Arbett, die in der Stadt seiner warte, nicht entziehen zu dürfen, obwohl ihn seine Natur mehr zur Stille und Zurückgezogenheit und zum innerlichen Ausbau des Lebens hinziehe, weil er gefürchtet habe, es nicht mit gutem Gewissen und ohne Einbuße seiner Arbettsfteudigkeit thun zu können. Die Predigt mit ihren warmen feinen Gedanken, hat, wie wir glauben, ganz den rechten Ton gettoffen, um dem neuen Pfarrer die Herzen der Gemeinde zu gewinnen und es war gewiß aus vollem Herzen gesprochen, als Herr Direktor Rausch, da er in der Stadtkirche im Namen des Kirchenvorstandes der MarkuSgemeinde ihren Pfarrer begrüßte, ihn des vollen Vertrauens versicherte, das der Kirchenvorstand ihm entgegenbringe. Möge ihm denn Gottes Segen im neuen Amte reichlich beschieden sein!
* • Die hiesigen oberen Justizbeamten, Richter und Rechtsanwälte machten am Samstag einen Ausflug nach Marburg, um mit den dortigen Kollegen einen geselligen Nachmittag zu verleben.
• • M ilitärisches. Beim hiesigen Jnf.-Regt. ttaten am 1. Oktober 29 Einjährig-Freiwillige ein; gegen früher ist die Zahl erheblich gestiegen. Die Rekruten rücken am 22. Ott. ein. Beim Regiment ist eine Lehrerkompagnie in Stärke von 60 Mann am 2. Oktober eingestellt worden, von den 120 Einberufenen wurde die Hälfte wieder entlasten.
* * THeater-Verein. Ein Inserat in unserer heutigen Nummer teilt den Mitgliedern des Theatervereins mit, daß die Abonnementskarten bei Herrn Challier abzuholen sind, also ni'cht zugeschickt werden. Gleichzeitig weist es darauf hin, daß die Karten wegen des großen Andranges zur Wiehe-Vorstellung nur bis 2 1.Oktober reserviert bleiben, dann anderweitig verwendet werden wüsten.
** Städtebundtheater Gieße n-Marburg. Aus Marburg wird uns geschrieben: Da es mit dem projektierten Städtebundtheater nicht so schnell geht, wie man anfänglich hier dachte, hat sich hier vorläufig ein aus den angesehensten Kreisen zusammengesetzter The- ater»Verein gebildet, der den Zweck verfolgt, für günstige Theater-Verhältnisse hier zu sorgen. — Wie wir schon mitteilten, wird in der nächsten Gießener Stadt- verordneten-Bersammluug eine Kommission gebildet werden, die mit einer Kommission der Marburger Stadtverordneten (die bereits gebildet ist), die Frage eines Städtebundtheaters zwischen Marburg, Gießen und event. Bad- Raufieim näher erörtern soll.
Buntes Theater des Wiesbadener Ope- retten-Ensemble. Tas Wiesbadener Operetten - Ensemble, das mit seiner letzten Vorstellung in Steins Garten so großen Beifall sand, wird am Donnerstag, den 16. d- M., einen letzten Serenissimus-Abend mit neuem Programm veranstalten. U a. nennen wir: drei Brettln lieber von HanS Buchwald: a) Tas Kätzchen, b) Die Mieze vom „Goethe"-Bund, c) Mädchenlied. — Der Bette lbua von Maxftadt, Die Musik kommt von Oskar Strauß. Ferner: „haben Sie nicht den kleinen Cohn ge- sehn" von Julius Einödshofer, und „Bruder Sieb er* lich" von Hans Buchwald, Text von Detlev v. Liliencron.
• * Menagerie-Zirkus Charles. Am Samstag eröffnete der hier am Mittwoch Abend bereits eingetroffene Menagerie-Cirkus Charles seine Vorstellungen. Jedes der riesigen Zelte, in denen die Menagerie untergebracht ist, ist 120 Meter lang und 20 Meter breit, sie bieten nicht nur Raum für die Menagerie, bequeme Sitzplätze und Stehplätze für das Publikum, sondern auch einen Riesen-Manege-Käsig, in dem die Hauptnummern des Raubtier-Drestur-Zirkus am (SamStag vorgeführt wurden. Die Menagerie besitzt drei verschiedene Arten Löwen, bengalische Tiger, Jaguar, Panther, Leoparden, Pumas, Silbcrlöwen, Bären, ein Rudel Wölfe, Schakale, Hyänen, Lamas, Zebus, Strauße. Natürlich fehlen auch die lustigen Affen und ein gelehriger Elefant nicht. Letzterer ist ein Ricsentier von nicht weniger als 40 Zentnern Gewicht; er zeigte sich bei den Vorstellungen als Akrobat, Faßläufer, Drehorgelspieler u. A. mehr. Als vorzüglich dressiert müssen eine Gruppe von Wölfen und Hyänen sowie vornehmlich die Löwen der Schaustellung gerühmt werden. Einer der Löwen produzierte sich als gewandter Kunstreiter auf einem Pferde. Ein anderer zeigte sich als Seiltänzer. Wie am Samstag findet auch in jeder ferneren Vorstellung cm Ringkampf zwischen einem Bändiger und einem Löwen statt. Außer diesem Tierbändiger, Signor Lontano, traten noch der schwarze Tierbändiger Salem, der Direktor, Dompteur Charles und die zwei Tierbändigerinnen Miß Cora und Miß Helio auf. Die Vorstellungen verdienen das größte Jntereste und können nur empfohlen werden.
* * Spar- und Leihkasse Gießen. In der letzten Versammlung wurde dcsinitw beschlossen, daß vom 1. Januar 1903 ab der Zinsfuß für Einlagen von 3^ Proz. auf 8*/t Prozent herabgesetzt wird, nachdem auf eine diesbezügliche Bekanntmachung keinerlei Kündigung von Kapttalien erfolgt war. Für eMliehene Kapttalien mar 4*/4 Prozent Zinsen beantragt, sie wurden auf 4l/s Proz. festgesetzt.
* • Der gestrige Sonntag, der sich, nebenbei be- merkt, durch ganz erträgliches Wetter auszeichnete, brachte den Gießenern zunächst wieder das seit mehrerern Wochen entbehrte Promenaden-Konzert derMüuärkapelle. Taö Nachmittags-Konzert derselben Kapelle fand m Steins Saalbau statt. — Der Zweigverem Gießen des hessi- schen WaisenschutzeS veransialtete in demselben Saale emen gutbesuchten, aus Konzert, Theater und Ball beslehen-
den FamiRenabend. — Dem Abschießen deS Schühen- v er eins, das am heuttgen Montag fortgesetzt wird, folgte ebenfalls ein unterhaltungsreicher Familienabend im Schützen- hauS. — Tie Freiw. Gailsche Feuerwehr feierte am Samstagabend im Cass Leib das 47. Stiftungsfest unter zahlreicher Betettigung. Der Feier, die in Konzert, emem von Mitgliedern flott gespielten Einakter und Tanz bestand, wohnten auch Vertteter des Kreisamts und der Bürgermeisterei, sowie Branddirektor Traber bei. Nach Begrüßung der Erschienenen durch den 1. Hauptmann Linden st ruth sprachen Stadtverordneter Loos im Namen der Stadtverordneten ; Branddirektor Traber überreichte dem Wehrmann Jakob W all b recht das von der Stadt gestiftete Diplom für 15jährige Dienstzett, sowie der Wehr als eigenes Angebinde einen silbernen Fahnennagel; stellv. Hauptmann Faber sprach im Namen der Gießener Freiw. Feuerwehr. Verdienten Beifall fanden die Gesangsvorträge des Gesangvereins „Heiterkeit" unter Leitung des Dirigenten Becker. — Der Kaufmännische Verein beging unter gewohnter starker Beteiligung sein 29. Stiftungsfest in Steins Saalbau. Dem Konzert folgte das von Mitgliedern des Stadttheaters zur Aufführung gebrachte Lustspiel die „Fee Caprice". Der nach weiteren Konzertstücken folgende Ball sand gegen 6 Uhr morgens seinen Abschluß; der übliche Sonntags-Nachmittagsausflug vereinigte zahlreiche Festteilnehmer auf der Textorschen Terrasse. — Der Gesangverein Heiterkeit unternahm eine kleine Sängerfahrt ins „Treppchen" in Heuchelheim; in demselben Lokale hielt auch die Freiw. Gailsche Feuerwehr die Nachfeier ihres Stiftungsfestes. — Der Samstagabend versammelte die „Fünfziger" in der Restauration Alb old zur „Feier mehrerer Geburtstage". Wie uns mitgeteilt wird, trugen zur Verschönerung der Feier nicht nur humoristische Lieder und Vorträge und em Streichquartett, sondern auch mehrere Vertreter auS der Sippe der Hasen bei, die sich wohlgespickt und gebraten den anscheinend durchweg mit gutem Appetit auSgestatteten Fünfzigern präsentierten. Zur Entgegennahme des Berichts über diese Feier fand am Sonntag eine Extrasitzung auf dem Windhof statt.
:: Wies eck, 12. Okt- Gestern abend versammelten sich im „Gambrinus" sämtliche Arbeiter der Firma Wilhelm Meyer, Zigarrenfabrit, hier, etwa 100 Personen, um das Fest der Einweihung der n euen Firma zu begehen. Das Fest verlief in fröhlichster Weise und ließ das gute Einvernehmen zwischen Arbeitgeber- und nehmet aufs Beste erkennen.
(*) Lollar, 13. Okt. Vorgestern Nacht gegen 2 Uhr wurde unsere Feuerwehr alarmiert, da in dem benachbarten Staufenberg Feuer ausgebrochen war. Es brannte eine vor zwei Jahren neuerbaute Scheuer nieder, welche voll- gefüllt war und dem Feuer reichlich Nahrung bot. Der Besitzer der Scheuer soll nicht versichert fein. Die Entstehung des Feuers ist unbekannt.
Londorf, 12. Okt. Für heute nachmittag 3 Uhr war hier in der Göbelschen Wirtschaft eine antisemitische Wahlversammlung einberufen, in welcher Herr Reuther aus Offenbach sprechen sollte. Es waren jedoch nur etwa 15 Mann erschienen, sodaß der Vortrag ausfallen mußte.
)( Bad-Nauheim, 12. Oft. Bürgermeister SBörner fiat sich ertränkt! Am Samstag vormittag um 10 Uhr sand man im großen Teich die Leiche, die bereits um 11 Uhr geborgen werden konnte. Wörner hatte bei dem Teichhauswirt Gerbet ein Glas Bier getrunken. G- merkte seinem Gaste ein verändertes Wesen an, schöpfte Verdacht und folgte dem Weggehenden bald nach. ’ Er fand Hut, Stock und Ueberzieher des Bürgermeisters am Ufer des großen Teiches nicht weit vom - Teichhaus. Sofort veranlaßte er die Absuchung des Ufers. Was den tüchtigen Beamten zu dieser Verzweislunasthat getrieben hat, Dürfte in Kürze aufgeklärt werden. Wie man hört, soll gegen ihn eine Anklage geschwebt haben, die sich auf einen Ehescheidungspryzetz bezieht. Auch habe seine Verhaftung bevorgejtandcn. Wie im Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht vorn Tode des Bürgermeisters durch die Stadt, überall Bestürzung hervorrusend. Welcher Beliebtheit und Achtung sich der Verstorbene erfreute, dürfte daraus hervorgehen, daß er im vorigen Jahre mit er- drückender Mehrheit zum dritten Male »um Bürgermeister gewhält wurde. Er war ein Anhänger der Landgemeinde- Ordnung. Man hofft, daß unser Badeort jetzt Städteordnung erhält.
(-) Stockhausen (Kreis Lauterbach'), 10. Ott. Geh. Kirchenrat D. ThomasStock trat dieser Tage in den wohlverdienten Ruhestand. Er ist einer der ältesten Geistlichen Hessens und steht nahe der 80 er Jahre. Es war ihm vergönnt, vor einiger Zett sein oOjähriges Dienstjubiläum zu feiern. Auch ist er Ehrendoktor der evangell theologischen Fakultät der Universität Gießen. Lange Jahre war er Dekan des Dekanats Lauterbach und Mitglied der Kreisschulkommission. Er wird nach Gießen übersiedeln.
sd. Darmstadt, 11. Ott. Mtt einem Flobertgewehr erschossen hat am Samstag nachmittag der 13 Jahre alte Richard Keil hier den dreijährigen Knaben Peter Waiker. Der Erschossene war ein Zwilling. Die Mutter trug einen Knaben auf dem Arm, während sie die anderen an der Hand führte, als der Thäter mtt dem aus der elterlichen Wohnung entnommenen Flobert hinzukam mit den Worten: „ich will mal sehen, ob ich Dich treffe", losdrückte. Die Kugel ging dem Kinde in den Hinterkopf und veranlaßte den sofortigen Tod.
sd. D a r m st a d t, 11. Okt. Unter dem Vorsitz des Präsidenten der Mainzer Handelskammer, Geh. Kommerzienrat Michel, fand heute im Dtadtverordnetensaale zu Mainz ein hessischer Handelskammertag statt. Als Ver- Vertreter der Regierung waren Ministerialrat B r au n sowie Ministerialsekretär Malhiß anwesend. Tie Tagesordnung war sehr umfangreich, die Sitzung dauerte von halb 12 bis nach 4 Uhr. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden referierte Handelskammersekretär Dittmar- Mainz über die Ausführung des Handelskammergesetzes. Nach längerer Debatte, an welcher sich auch Ministerialrat Braun beteiligte, stimmte man dem Vorschlag zu, daß das Gesetz ui zwei Abschnitten erscheinen soll, und zwar soll der Abschnitt bezüglich der Wahlberechtigung und der Wählbarkeit am 1. November d. I., der Rest am 1. Januar 1903 in Kraft treten. — Zur Beratung der neuen Geschäftsordnung für den hessischen Handllskanimer- tag wird eine von Mitgliedern der Kammer zu Mainz, Tarmstadt, Offenbach und Gießen beftchenDe Kommi,wn gewählt: Derselben Kommission wird auch Pos. 10 betr. die Fristbemessung für Anträge auf gemeinsame Beratung von Einläufen allgemeiner Bedeutung überwiesen. — Bezüglich
der Feststellung von Grundsätzen für die Verteilung deS Staat Zuschusses zu den Kosten der Hmidelskarnmer wird nach eingehender Besprechung beschlossen, der Regierung vorzuschlagen, daß sie den bisherigen Modus beibehält und den größeren Handelskammern je 600 Mk., bat kleineren Kammern je 450 Mk. als besonderen Zuschuß bewillige, ebenso solle die Regierung für die Kosten deS Handelskammertages im nächsten Budget einen Beitrag vor- sehen; Ministerialrat Braun wird entsprechende Vorschläge machen. Ueber das kaufmännische Fortbildungsschulwesen und Veranstaltung von Ausbildungskursen für Lehrer an den kaufm. Fortbildungsschulen berichtet Sekretär M e ß m e r - Mainz, eine Kommission wurde dann mit Anstellung vorbereitender Erhebungen beauftragt. Ueber die Zolltarif frage berichtet «schloß- m a ch e r- Offenbach, dessen Resolution angenommen wird, nach welcher die Regierung ersucht wird, gegen die Beschlüsse der ersten Lesung der Zolltarifkommission Stellung zu nehmen. — Ebenso wird eine weitere Resolution angenommen, welche sich gegen die in Aussicht genommene reichsgesetzliche Abkürzung der Arbeitszeit und die Verlängerung der Mittagspausen für die Arbeiterinnen über 16 Jahre richtete; die Errichtung einer Reichsbankhauptstelle in Hessen verursacht eine ca. einstündige, teilweise sehr eingehende und heftige Tebatte, in welcher die Vertreter der Handelskammern von Mainz und Tarmstadt je für sich das Privileg des Sitzes der neuen Einrichtung in Anspruch nehmen. Schließlich wird von diesbezüglichem Vorschlag an Die Regierung über den Sitz abgesehen. — Ein Antrag Stahl-Fried berg betr. die Feststellung der Bedeutung der Handelskammern als Vertretung von Handel und Industrie wird zurückgezogen, nachdem Ministerialrat Braun erklärt hat, daß nach 8 1 des Gesetzes die Handelskammer allein die berufene Stelle als Vertreterin für Handel und Industrie sei. — Ferner wird beschlossen, Die Regierung zu ersuchen, daß sie veranlasse, daß den Handelskammern von feiten der betr. Eisenbahndirektionen alsbald nach Fertigstellung die Entwürfe betr. die Eisenbahnfahrpläne in mehreren Exemplaren zugehe. Tie Regierung soll ferner ersucht werden, in Zukunft den Handelskammern die vertraulichen Nachrichten über Handelsbeziehungen mit dem Auslande v egelmaßig zugehen zu lassen. AIS Vorort wird auf Vorschlag Pareus-Tarmstadt Mainz wiedergewählt und hierauf mir Tankesworten die Versammlung geschlossen. Hieran schloß sich ein gemeinsames, anregend verlaufenes Mittagessen.
ßd. Mainz, 11. Ott. Der heute im großen Saale der „Stadthalle" stattgehabte 7. hessische Katholikentag erfreute sich eines guten Besuches aus allen Landesteilen, besonders war die Geistlichkeit stark vertreten, auch waren sämtliche Zentrumsabgeordnete erschienen. Den Vorsitz fühtte Reichs- und Landlagsabg. Dr. Schmidt. Als erster Redner sprach Prof. May-Benöheim über die kathol. Studienvereine, deren Förderung im Interesse der kath. Glaubensgenossen sehr erwünscht sei, da die kath. Bevölkerung in Beamtenkreisen 2C. lange nicht dem Gesamtoerhältnis entsprechend vertreten sei. Reichs- und Landtags-Abg. Dr. Schmidt referiert über die Aufgaben und die Stellungnahme deS Zentrums und der kath. Bevölkerung bei den bevorstehenden Landtagswahlen und forderte zu eifriger Agitation auf. Interessant war, daß der Redner zu heftigstem Kampfe gegen die Sozialdemokraten aufforderte und bemerkte, daß das von der Regierung gegenüber dem Zentrum manchmal zum Vorschein kommende Wohlwollen keineswegs von Herzen komme, sondern nur so lange anhatte, als sie des Zentrums Stärke fürchte. Domkapitular D. Reich-Mainz verliest ein Antworttelegramm auf eine an den Papst gerichtete Begrüßungsdepesche. — Der letzte Katholikentag vor zwei Jahren war mindestens um die Hälfte besser besucht.
Frankfurt a. M., 12. Okt. Der auf dem Großen Feldberge vom TaunuSklub erbaute Turm wurde heute mittag feierlich eingeweiht. Dem Festakte wohnten die Landräte der benachbarten Kreise, die Vorsitzenden sämtlicher Zweigvereine des Taunusklubs und eine nach Tausenden zählende Menge bei. Oberbürgermeister Adickes-Frank- furt a. M. sprach als Vorsitzender des Gesamtausschusses Allen den wärmsten Dank aus, die zum Gelingen deS Werkes beigetragen haben. Das Hoch auf den Kaiser brachte Landtagsabg. Göschen-Frankfurt a. M. aus.
Vermischtes.
♦ Karlsruhe, 10. Okt- Heute nachmittag fand die Beerdigung des im Duell gefalle neu Studenten der Rechte Karl Reiß unter zahlreicher studentischer Beteiligung aus Freiburg und von hier statt. Ta die katholische Ktrche dem Duellanten die kirchliche Beerdigung versagt, war der Geistliche als Privatmann erschienen. In einer kurzen Ansprache hob er hervor, der Verstorbene sei ein Opfer einer verkehrten öffentlichen Meinung, eines falschen Ehrbegriffes und eines sündhaften Vorurteils geworden. Auch die Vertreter der Korps der Karlsruher Technischen Hochschule wohnten der Beerdigung bei, und ein Vertreter des Korps Franeonia, durch dessen Mitglied Ruff der Verstorbene gefallen ist, legte einen Kranz nieder.
* Heidelberg, 12. Okt- (Ein Kommis im Kolonialwarengeschäft von Metzger hierselbst gab gestern abend auf seinen Principal zwei Schüsse ab, ohne indes zu treffen. Ter Kommis erschoß sich sodann selbst.
* Eisenbahnunfälle. Ter Eilzug 115 Würzburg- Hof stieß am 11. d. M. abends bei Gaedheim (Bayern) mit einem Güterzug zusammen. Zwölf Personen wurden verletzt. Zwischen Metz und Diedenhofen stießen zwei Güterzüge zusammen. 10 Wagen entgleisten und wurden zertrümmert. Zwischen Fersay und Estr6e- Blanche in Frankreich wurde, wie man annimmt, von aus ständigen Grubenarbeitern der Versuch gemacht, einen Zug dadurch zur Entgleisung zu bringen, daß ein großer Steinblock auf die Schienen gewälzt wurde. Tie Maschine ist indes nicht verunglückt. — Ein von Mailand kommender Expreßzug stteß bei der Einfahrt in den Bahnhof Veraltt auf eine Lokomotive. Vier Leute vom Zugpersonal wurden verletzt.
* Der Gehalt der Zigarren und Zigaretten an Keimen ist in der letzten Zett wiederholt zum Gegenstand eingehender Untersuchungen gemacht worden, und ängstliche Gemüter, die überall Bazillen wittern, haben es häufig vorgezogen, sich das edle Kraut abzugewöhnen aus Furcht, ein paar von diesen tückischen Kleinlebewesen in den Körper hineingelangen zu lassen. Daß diese Besorgnis unter gewissen Voraussetzungen nicht ganz von Der Hand zu weisen ist, zeigen die Untersuchungen eines italienischen Forschers, Dr. Luigi Peserico. Die Stummel der


