Ausgabe 
13.8.1902 Erstes Blatt
 
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Vom S-tnrretrco MarqmeS am Eng^atrd. Die Ab-- tretimg soll gegen AuAzaLllmg einer großen EntschMigrmgs-- [nnune an England erfolgen.

Haag, 12. Ang. Wie verlantet, beabsichllgen Botha, Dewet und Delarey, die von Krüger verwahrten transvaalischien Staatsgelder zn verlangen, nm sie unter die Notleidenden zu verteilen. Sie treffen hier am Dienstag ein.

Charkow, 12. Ang. Sestern abend wnrden in der Hanptallee des hiesigen Etablissements Tivoli während des Zwischenaktes ans den Gonvernenr Fürsten Obo­lenski vier Schüsse abgegeben. Der Gouverneur wurde durch zwei Schüsse am Halse und der chn begleitende Polizeimeister Bessenvw durch einen Schuß am Fuß ver­wendet. Der Thäter wurde verhaftet, doch ist seine Identität bisher nicht festgestellt worden.

Aus AM unii Land.

Gießen, 13. August 1902.

?! Vom Pro v in zial -- Museum. Das Museum bleibt, wie wir hören, während der Ferien geöffnet. Wir weisen darauf hm, daß die überaus wertvollen und in­teressanten Sammlungen im alten Rathaus außer an den Besuchstagen, zu jeder Zeit besichtigt werden können und zwar gegen eine Gebühr von 5 0 Pfg. ä Person. (Sollte das eiserne Gitter unter der Rathaushalle geschlossen sein, so wolle man klingeln.) Das Museum ist in letzter Zett erst wieder durch mehrere Funde aus vorrömischer Zeit be­reichert worden. Neu hmzugekommen ist auch eine hoch­interessante Sammlung von Tabakspfeifen. Das vorhandene älteste Gemälde unserer Stadt, welches ebenfalls im Besitz des Museums sich befindet, ist von Leib dem Aelteren reno­viert worden und zeigt uns in frischen Farben unser Gießen aus der Festungszeit. Im Uebrigen weisen wir darauf hin, daß die Sammlungen neu geordnet wurden und daß jedes einzelne Stück mit deutlicher Schrift zur besseren Orientierung der Besucher kenntlich gemacht ist.

?1 Gemeinden-Vereinigung. Verhandlungen, welche augenblicklich schweben, werden vermutlich dazu führen, daß die israelitische Religionsgesellschaft, die ihr Gotteshaus in der Steinstraße hat, sich mit der andern jüdischen Ge­meinde vereinigt.

** Der Liederabend der Sängervereinigung (Liederkranz und Sängerkranz) am Dienstag abend in Steins Saal, welcher zugleich als erstes Debüt dieser Vereinigung zu bezeichnen ist, nahm einen schönen Verlauf. Unter Franz Bauers energischer und umsichtiger Leitung kamen sowohl die größer angelegten Chöre wie auch die einfachen Volks­lieder zur schönsten Geltung und gaben ehrendes Zeugnis von dem Wollen und Können der Sängerschaar und ihres Dirigenten. Unterstützt wurde das Konzert durch Fräulein Sophie Schultze, einer jungen Sängerin, die über einen wohl geschulten Sopran verfügt und namentlich im neckischen, helleren Genre durch anmutigen Vortrag und deutlicher Texl­aussprache außerordentlich begabt ist. Herr Julius Hahn wirkte als wohlbekannter Pianist mit, sein Part bot ihm Ge­legenheit, seine gewandte Technik in den Solos, als auch sein diskretes Zurücklreten m der Begleitung zu bekunden. Allen Mitwirkenden mürbe reicher und wohlverdienter Beifall der zahlreichen Zuhörerschaft zuteil.

** Das seltene Jagdglück, einen Zwölf-Ender- Kroneuhirsch zu erlegen, halte der Jagdaufseher ttonu dürfer. Der Hirsch kam im Jagdgebiet Kircypers zum Schüß.

** Darrnstä dter Schlvßfreiheitstotterie. Tie Spannung der Spiellustigen, die sich an der Darmstädter SchloßsreiheitSlotterie beteiligen, ist jetzt nach Tarmstadr gerietet, weil dort unter Leitung der Direktion der Hess. Staatslotterie in deren Ziehungssaale durch Notare die Ziehung erster Klasse am Donnerstag den 14. d. Ai. unwider­ruflich stattfindet.

** Petroleumtauks auf fiskalischem Ge­lände. Auch eine frühere Vorstellung der Handelskammer Gießen an den Minister v. Thielen, es möge die Staats- bahnverwaltung aus liativnal-mirtschastlichem Interesse den Eisenbahndirektionen Zurückhaltung anempfehlen hinsichtlich der mietweisen Uebertassung siskatlscheu Geländes zu Petro­leum-Tanks ausländischer Gesellschaften, ist jetzt eine Ant­wort des Ministers Budde eingelaufen, in der er die Zu­sicherung giebt, dieser Aiigelegeuheit seine ernste Aufmerb- famkeit widmen zu wollen. (Wir glauben indessen nicht, daß sich der Fiskus zu einer prinzipiellen Ab­lehnung der Gesuche auSlaudifchier Gesellschaften um Ueber- lassung von Terrains verstehen wird. Schon deswegen nicht, weil der Staat die Abwehr der ausländischen Mon» kurrenz den Kommunen, den Privatpersonen und vor allem den Gesetzen Überlassen muß, wenn er nickst will, daß von fremben Staaten Repressalien dafür genommen wer­den sollen. T. Red.)

** Die Farnilienblätter des Gieß. Anz. enthalten in ihrer heuttgen Nummer em Gedenblatt für Nikolaus Lenau (geb. 13. August 1802) von Paul Wittko.

0 Friedberg, 12. Aug. Unsere gestrige Meldung über die Anzeige gegen einen Lehrer in einem größeren Orte des Kreises hat Aussehen erregt. Es wird jetzt versichert, daß nicht der Geistliche jenes Orts den dortigen Lehrer angezeigt hat. Die Anzeige sei ebenso anonym ohne Wissen des Geistlichen erfolgt, der von den erhobenen Be­schuldigungen überhaupt erst Kenntnis erlangt hat, nachdem fettens der Staatsanwalt das Verfahren eingeleitet n>ar. Unrichtig ist es, daß derselbe Pfarrer denselben Lehrer eines Meineids beschuldigt habe. Eine Anzeige erfolgte s. Z. viel­mehr, weil der Lehrer den Pfarrer vor einer Gerichtsver­handlung durch Bedrohungen zu verleiten versuchte, bei seiner Vernehmung einige Sachen zu verschweigen. Was endlich die Bemerkung anlangt, daß gegen den Pfarrer auch mannig­fache Beschuldigungen erhoben werden, so wird eine eventuelle Untersuchung ergeben, in wie weit diese berechtigt sind.

Lauterbach, 11. Aug. Das seltene Fest der Dra­in a u t e n h o ch z e i. t feierten am 11. August die Lehrer i. P. Wolff Eheleute hier. Leonhard Wolfs wurde am 26.Oft. 1815 in Raibach bei Groß-Umstadt geboren und nach Absol­vierung des Lehrerseminars in Friedberg im Dezember 1836 als Schülvikar in Eifa, Kreis Alsfeld, verwandt. Seine am 6. September 1825 in der nahegelegenen Hadtmühle geborene Gattin führte er heute vor 60 Jahren zum Trau­altar.

Mainz, 12. Aug. Der Kaiser und die Kaiserin werden, wie wir bereits meldeten, am 15. d- M. von Düj-

seldorf kommend, in Koblenz eintrenen, und sich an Bord eines Dampfers der Köln-T-üsseldorfer Tampfschiffahrts- Gesellschaft nach Bingen, Rüdesheim und ev. vis nach Mainz begeben. Die Fahrt bis nach Mainz hängt jedoch vom Wetter ab. DemMainz. Anz." wird dazu aus Biebrich geschrieben: Nächsten Freitag gegen 10 Uhr abends fährt der Kaiser mit einem Schiss der Köln- Düsseldorfer Linie an unserer Stadt vorbei nach Mainz. Der Großherzog von Hessen wird nachmittags schon seinem hohen Gaste auf dem Rhein bis Bingen entgegensahren und von dort aus die Reise mit dem Kaiser gemeinschaftlich aus dem Schiff nach Mainz zurücklegen. Während der Vorbeifahrt an unserer Stadt werden sämtliche Villen am Rhein und auch das Schloß beleuchtet sein. Tie Kai­serin wird noch am Abeiid mtttels Spezialzug von Mainz nach Homburg über Franksurt abreisen, wahrend sich der Kaiser mit dem Groß Herzog, der ihn hier am Rheinuser begrüßen wird, in das Großh. Palais be­geben und dort üveruacksten wird. Um) 8 Uhr abends kommt der Dampfer nut dem Kaiserpaar in Bingen an. Dort wird bereits große Beleuchtung der Ufer uno der benachbarten Höhen und außerdem auf der ganzen Fahrt von Bingen nach Mainz eine Beleuchtung der Villen, der Rheinufer und sämtlicher rechts- und linksrheinisch gelegenen Ort­schaften stctttsiliden. Für Mainz i)t ebenfalls von feiten der Bürgermeisterei eine Beleuchtung des ganzen Rhein­ufers vorgesehen, das Schiff wird lebhaft von Böller­schüssen begrüßt werden. Die Bürgermei)ierei hat sich ferner, wie wir schon meldeten, mit den Hausbesitzern der am Rheinuser entlang gelegenen Häuser in Verbin­dung gesetzt, und haben auaj oiefe ihre Bereitwilligkeit zum Beleuchten ihrer Häuser ausgesprochen; auch wird die Stadt die Straßen uno Plätze in Oer Umgebung des Großherzoglichen Palais beleuchten lassen; dasfelbe werden auch die Hausbesitzer veranstalten. Jo ein offizieller Em­pfang der höchsten Herrschaften bei ihrer An tun st in Mainz ftattfnibet, darüber sind bis jetzt noch teilte Dispositionen getroffen worden. Weiter ist offiziell bekannt, daß der Kaiser nach beendigter Truppenschau von der Binger Brücke kommend, über die Bingerjtratze und große Bieiche sich an der Spitze oer Fahnentompagnien in oas Großh. Palais begeben wiro, wo jämtliche Fahnen eingestellt werden. Die Stadt wird sowohl aus dem nliceplay als auch auf dem DeutschyauSpiatz größere gärtnerische Anlagen zu Ehren des Kaisers und des Landesfürften zur Ausführung bringen lassen. Die Mitteilung, daß zu der in Mainz stattftn- d end en Truppenschau Bataillone Infanterie zusammen- gezogeil mürben, findet heute in einer Meinung aus Berlin ihre Bestätigung. Die Musiker und Spielleute der Jnfaiiterie-Regimenter Nr. 80, Wiesbaden (einschließlich des 3. BataillOiis-^omburg v -d. H.), des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm Nr. 116 und oes 4. Großh. Hess. Infanterie-Regiments Nr. 118 sind wegen der bevorstehen­den Truppenschau zum gemeinschaftlichen Ueben mit den hier garnijomerenöen In,unterw-Musitiapellen gestern be­reits m Mainz eingetrosfen und in oen Baracken am Gau- thor untergebracht worden. lieber die Truppenschau wird uns noch gemeloet: Samstag, den 16. Augup, vormit­tags 8 Uhr begiebt sich der Kaiser auf den Großen Sand zur Truppenschau, weiche mit Exerzieren des Dragoner- Regiments Nr. 23 eröffnet wird. Es folgt dann das Gefecht der 50. Brigade unter General Vie bahn. Hierauf findet Parademar,ch folgender Regimenter statt: 80, 87, 88, 116, 117, 118, des Pionier-Bataillons Nr. 21, der 25. Kavallerie- Brigade und der Feld-Artillerie-Regimenter 9tr. 27 und 68. Die Fahnen werden von einer Kompagnie des In­fanterie-Regiments Nr. 116 nach dem Schloise gebracht, wo nach! der Truppenschau Mtttagstafel frattfinbet Die Abreise des Kaisers ist aus 4 Uhr nachmittags angefetzt.

Worms, 12. Aug. Gestern nachmittag kurz nach fechs Uhr, als der Personeitzug 211 Ludwigshafen-Worms den Bahnübergang 3 an der Frankenthaler Straße passierte, war in dem Augenblick, als der Hülssbahnwärter Geschwind in Vertretung des dort postterten Bahnwärters Mütter die Barriere gerade geschlossen hatte, das 20 Monate alte Enkel­kind des genannten Bahnwärters aus dem Wartehaus hinaus auf das Geleise vor die Maschine gelaufen und von dem Zuge üb erfahren worden. Dem Kinde wurden beide Füßchen über dem Knöchel abgefahren und es verstarb, nachdem es in das städtische Krankenhaus ver­bracht war.

Frankfurt, 12. Aug. Es wurde bereits kurz ge­meldet, daß für Freitag, den 15. August, int Hotel Imperial am Opernplatz für das Gefolge des Kaisers Zimmer bestellt wurden. Unter den angemeldeten Gasten befinden sich u. a. der Hausminister v. Wedel und der Geh. Kabi- nettsrat v. Lucanus. Wie lange die Herren hier bleiben, ist noch nicht bestimmt. Vielleicht wird auch der deutsche Kronprinz, der demnächst nach Homburg kommt, für kurze Zeit Franksurt einen Besuch abftatten. Kaiser Wilhelm, der bekanntlich den Delikulalsenthüllnngen in Homburg und Eronberg, nächsten Dienstag und Mittwoch, beiwohnt, wird im Homburger Schloß absteigen.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Lindenfels i. O. starb unlängst der Justizrat Karl Schenck, der 185052 bei den Starken­burgern in Gießen aktiv und Ehrenmitglied der Bonner Westfalen war. In der Gemarkung Büdesheim hat jetzt die Großh. Hess. Domänenverwaltung ungefähr vierzig Morgen Weinberge angekauft und zwar in den besten und guten Lagen. Der Alsfelder Turnverein beging am 10. August die Feier seines 40jährigen Bestehens.

Vermischtes.

Breslau, 12. Aug. Oberschlesische Blätter melden, daß in Jawosno bei Kattowtttz mit einer furchtbaren Deto­nation zweiDampkessel in die Luft flogen. Einzelne Stücke wurden 10 Meter wett fortgeschleudert. Acht Personen wurden verletzt.

*Lübbeckei. Wests., 12. Aug. Hier brannte die große Zigarre ns abrik von August Blase nieder. Es sind verbrannt 25 000 Kisten oder 2i/2 Millionen Stück Zigarren und mehrere hundert Ballen Tabak. Die Fabrik ift bereits einmal im Jahre 1873 abgebrannt. Der Schaden ist groß, aber durch Versicherung gedeckt.

* Das Recht der unehelichen Kinder soll, wie wir der Wiener HalbmonatsschriftDokumente der Frauen" entnehmen, in Rußland durch ein neues Gesetz, das feit längerer Zeit im Kronrat vorbereitet wird, ge­regelt werden. Die wesentlichen Besttmmungen dieses Ge­setzes sind: Uneheliche Kinder haben nach dem Tode des Vaters den gleichen Anspruch auf die Erbschaft wie die ehelichen. Sie tragen wie diese Oen Namen des Vaters- Der Vater ist verpflichtet, für die Erziehung seiner außer­ehelichen Kinder bis. zum Tage der Großwhriakett, be­

züglich der Mädchen bis zum Tage ihrer Verheiratung zu sorgen. Der zu leistende Beitrag richtet sich nach dem Vermögen des Vaters und demsozialen Stande" (?) der Mutter. Auch der Mutter muß der Verführer die Kosten ihrer Schwangerschaft, Entbindung und ihrer Krankheiten jederzeit vergüten und ihr eine jährliche Rente ausfetzen. Bor der Eheschließung zur Welt gekommene Kinder werden durch diese ohne wetteres legüüniert Schließlich soll auch den natürlichen Kindern nicht mehr, wie bisher, der Ein­tritt in den Staatsdienst verwehrt sein. Wird dies Gesetz Wirklichkeit, so fteltt sich damit das barbarische Rußland an die Spitze aller Kulturnationen.

Universitäts-Nachrichten.

Zum Würzburger Universitäts-Konflikt und seinen Folgen. Ter Bescheid der bayerischen Staatsregierung in der Würzburger Prosessoren-Affäre läßt die Frage offen, ob Kultus- minifter o. Landmann berechtigt war, den bekannten Vorwurf aus­zusprechen, der den Würzburger Senat zu seinem Enthebungsgesuch veranlaßt hat. Ter Bescheid führt die Umstände art, die den Minister dahin brachten, die bekannte Aeußerung zu Ihun, sagt aber nichts darüber, ob der Minister aus der Aktenlage die Be- gründtlng zu seiner Aeußerung hat nehmen können. Wie schon mitgeteilt wurde, sagt der Regierungsbescheid ferner, daß die Re­gierung dem Regenten aus dienstlichen Gründen das Enthebungs­gesuch des Senates nicht unterbreite. Unter diesen dienstlichen Gründen ist bie Erwägung zu verstehen, daß die Uebernahme des Amtes eines Senators eine Pflicht eines Professors sei, und daß es deshalb nicht angängig sei, ein Enthebungsgesuch einzureichen. Tie Meinung, daß Freiherr v. E r a m e r-C l e 11 dasjenige Mitglied der Kammer der Reichsräte sei, welches der Regierung die vom Zeiitrum gestrichenen 100 000 Mark für Kunstankäufe des Staates privatim zur Verfügung gestellt hat, wird als irrig be­zeichnet. TieAugsb. Abendztg." nennt den Grafen Moy als Spender der 100 000 Mark. Emer dritten Versioii zufolge, soll der Erzgießer Ferdinand v. M i l l e r der Freigebige sein. Von anderen Blattern wird auch Prinz Ludwig von Bayern genannt.

Der Internationale Lrieutalisteu-Kougreß voin 4. bis zum 10. September in Hamburg, an dem die Gießener Professoren Bartholomae, Schwalln und Stade teilnehmen werden, wird, wie man uns mitteilt, in folgenden Seklionen tagen: 1) Linguistik, all­gemeine und' indo-germanische Sektion, 2) a. Indien, b. Iran, 3) Hinterindien und Ozeanien, 4) Zentral-Ostasien, 5) allgemeine emitische Sektion, 6) islamitische Sektion, 7) ägyptische und afrikanische Sprachen, 8) Wechselwirkungen zwischen Orient und Oecident. Anmeldungen von Vorträgen sind an den General­sekretär, Tr. F. Sieveking, Hamburg, Börsenbrücke 2, zu richten.

Die jährliche Versammlung der Lociets beige de chirurgie finbet in diesem Jahre am 8., 9. und 10. Sepiember statt. Es kommen ausjchlieglich nachstehende drei Fragen zur Sprache: 1. Tie Behandlung der Appendicitis. Berichterstatter: A. Broca, Paris; A. Galtet, Brüssel; C. Roux, Lausanne und Sonnenburg, Berlin. 2. Tie Behandlung von Glieder-Brüchen. Berichterstatter: A. Depage, Brüßel; Rottschild, Frankfurt und Th. Tufsier, Paris. 3. Die Opercrtionsasepsie in Bezug auf Vor­bereitung der Hände, des Operationsfeldes, des Verbands- und Räthe-Materials. Berichterstatter: Walravens, Brüssel.Die Ge­sellschaft will den Grund legen zu einer Internationalen chirurgischen Gesellschaft.

DerDeutsche Burschenschafter", das Organ der Burschenschafter an den Technischen Hochschulen, veröffentlicht folgendes Preisausschreiben: Sämtliche Leser der genannten Zett- fchrift werden eingeladen, sich an einer Verdeutschung der fremdländischenAusdrückederStudentensprache zu beteiligen. Verlangt wird eine möglichst erschöpfende Zujammen- ftellung der Fremdwörter der Studeiitensprache mit ihrer Ver­deutschung. Sämtliche Arbeiten müssen spätestens bis 1. April 1905 der Schriftleuung desDeutschen Burschenschafters" in Darm­stadt eingesandt werden.

Aus Heidelberg wird geschrieben: Ter Custos an bet Universitätsbibliothek, Dr. R. Sillib ist zum Bibliothekar er­nannt worden. Alan schreibt aus Marburg: Der Professor der Philosophie Fr. S ch o t t k y beabsichtigt, einen an ihn er­gangenen Ruf an die Universität Berlin anzimehrnen.

Dem Professor an der Universität Berlin, Geh.-Rach v. V a h l e n, wurde der Stern zum Kronenorden 2. Kl. verliehen.

Kunst und Wistenschnjl.

Kastel, 11. Aug. Der aus allen Teilen Deutschlands zahl­reich besuchie Kongreß der Deutschen geologischen Ge- s e l l s ch a s I wurde heilte vormittag durch den Geschästsführer Geh. Bergrat Prof. Beyschlag-Berlm eröffnet. Der Bürgermeister Joch- inus begrüßte im Rainen der Stadt Kassel die Versammlung. Darauf wurde zum Vorsitzenden der Unioersilätsproseffor Geh. Oberbergrat Credner-Lelpzig gewählt.

Zum heutigen 100. Geburtstage Lenaus hat die Wiener Halbmonatschrist ,91 e u e Bahne n" (herausgegeben von Staus v. d. March und K. M. Klob) ein Lenau-Hest erscheinen lassen, das durchweg dem Gedächtnisse des größten österreichischen Lyrikers gewidmet ist. Eingeleitet wirb bie Ehrmig burch em Ge- bichtZur Jahrhundertfeier" v. Maurice v. Stern. Tem kurzen lebensgeschichtlichen Abriß (von Rolanb Hammer) folgt ein Brief Sophie v. Löwenthals an Lenau. Daran schließt sich K^M. Klobs ArtikelMein Liebling" worin Lenau als Dichter bet Schwermut gefeiert wirb. Hieraus bespricht R. Charmatz Lenaus Verhältnis zu seiner Zeit nnb Ernst Ely Lenau als Kulturlämpser unter An­führung zahlreicher Belegstellen. Freiherr Gleichen-Rußwurm (ein Urenkel Schillers bekanntlich) untersucht bie Stellung Lenaus zu unserer Zeit. Es folgt nun eine Reihe von Besprechungen über neue Lenau-Ausgaben. Tie letzten Setten bes Heftes enthalten ein Gedicht von Wilhelm Holzarner:Ans das Sterben des Dichters" und einen Epilog zum 13. August" aus der Feder Staufs v. d. March. Das Ganze schließt mit dem letzten Gesänge der ./Albigenser". Tas Heft ist mit Abbildungen Lenaus sowie von dessen Grabmal geschmückt. Preis des Heftes 30 Pf.

Wie aus Stuttgart gemeldet wird, soll dieIllustrierte Welt" vom neuen Jahrgang ab mit demBuch für Alle" verschmolzen werden.

Ein Prinz im Orchester. Wie w i r von privater Sette aus München erfahren, hat Prinz Ludwig Ferdinand von Bayern, der nicht nur ein vielgesuchter Arzt, sondern auch Musiker und Kunstmäcen ist, als erster Violinist bei der Aufführung derAleistersinger" im Orchester des Prinzregenten-Theaters mit- gewirkt. Rach der Vorstellung überreichte der Prinz dem Inten­danten von Possart auf der Bühne einen Riesenlorbeerkranz der Widmung:Dem genialen Schöpfer des Prinzregenten- Theaters und der Münchener Wagner-Festspiele".

Gerichtssaal.

Gießen, 9. Aug. Gewerbegericht. Ten Vorsitz führt Stadtverordneter Keller. Die Sufanne Ferber hier als gesetz­liche Vertreterin ihrer Tochter Katharine klagt gegen den Re­staurateur Hell hier auf Zahlung von 6 Mk. Restlohn, welche der Tochter von ihrem Lohn als Spülmädchen abgehalten worden seien. Die Klage fand durch Vergleich ihre Erledigung. Der Kellner Friedrich D ü h r k o p p hier verlangt von dem Restaurateur Peter Herr hier für 3 Monate ein Salair von 45 Mk. Der Beklagte beantragte kostenfällige Klagabweijung,^weil Salair nicht vereinbart gewesen und er keinem seiner Kellner Salair zahle, lieber die Be­hauptung des Klägers, daß ihm Anspruch auf Salair zustehe, auch wenn solches nicht vereinbart gewesen, hat das Gericht Beweis­beschluß erlaßen und sollen in Erledigung desselben Sachverständige vernommen werden.

M. Gießen, 12. Aug. Ferien st rafkammer. Den Vorsitz fuhrt Landgerichtsrat Müller, die 2lnkl«^ebehörde vertrat Staats­anwalt Hoos. Der Maurer Ludwig Schön von Großen-Bllseck war voni Schöffengericht Vilbel wegen Widerstands gegen bie Staatsgewalt zu einer Geldstrafe von 20 Mk. verutteilt worden»