100000 Dollars anweist, wLhrent) der Kongreß bereits 200 000 Dollars für Martinique bewilligte. Der Präsident Roosevelt wies alle Regierungsdepartements an,bei der Hilfeleistung für Martinique energisch mitzuwirken und empfahl die Bewilligung einer halben Million Dollar für Martinique. Anläßlich des furchtbaren Unglücks telegra-- phierte der Zar an den Präsidenten Loubet, des Zarenpaares aufrichtige Teilnahme versichernd. Der K ö n i g v o n England sandte dem Hilfskomitee für die Opfer der Katastrophe 25 000 Frcs. Der schwedische Gesandte übergab dem französischen Kolonialminister namens des Königs von Schweden 5000 Frcs. für die Verunglückten.
Die gegenwärtige Lage aus Martinique giebt zu immer neuen Befürchtungen Anlaß. Die Ausbrüche des Mont Pelöe dauern an, und nach wie vor geht ein heftiger Aschenregen nieder. Nichtsdestoweniger hat der mutige Kommandant des Kreuzers „Suchat" es gewagt, sich am Samstag mit einer Abteilung Marinesoldaten nach der Stadt St. Pierre zu begeben. Die Stadt, so heißt es in seinem Telegramm, bttde einen brennenoen Trümmerhaufen, unter welchem die Opfer begraben seien. Es sei ihm mit Hilfe dies dänischen Kreuzers „Valkyrien" und des „Pouyer-Quertier" gelungen, die gesamte Bevölkerung von Bourg de Pecheur nach Fort de France zu bringen Der Vulkan Pelee sei noch immer in Dhätigkeit.
Ein anderes Telegramm aus St. Lucia schildert den Anblick, der sich den in St. Pierre Eindringenden bot, folgendermaßen: Man fand dreitausend verkohlte, Leichname an der Stätte, too* früher die Kathedrale gestanden hatte. Alle Toten scheinen zuerst erstickt und dann verbrannt zu sein. Einige Leichname sah man noch in betender Stellung. In der ganzen Stadt war von den Bewohnern niemand mehr am Leben. Die Szenen, die sich bei Erkennen der Leichen durch Angehörige abspielten, waren herzzerreißend. Falls nicht eine Massenverbrennung der toten Körper angeordnet wird, droht eine Epidemie auszubrechen.
Der „Daily Mail" geht aus St. Lucia eine ausführlichere Schilderung über die Katastrophe von St. Pierre zu, aus der wir folgendes hervorheben: Am Samstag den 3. Mai brachen um Mitternacht dichteRauchwolken mit hochragenden Flammen aus, begleitet von lauten, rollenden Geräuschen. Eine allgemeine Panik erfolgte. Am nächsten Tage sing ein dichter Aschenregen an auf die Stadt zu fallen. Der Vulkan war unsichtbar und niemand wagte sich weit von der Stadt weg, um den Umfang des schnell zunehmenden Ausbruches festzustellen. Am Montag ergoß sich plötzlich aus dem Mont Pelöe ein S t r o m geschmolzenerLava,20 Fußhoch und e i n e h a l b e Meile breit. Er ergoß sich mit einer Geschwindigkeit von 100 Meilen per Stunde vorwärts. Sich durch das trockene Bett der Riviere Blanche ergießend, gelangte der Lavastrom von der 4000 Fuß hohen Spitze des Berges zum 5 Meilen entfernten Meere in drei Minuten und vernichtete alles aus seinem Wege. Der Druck des Lavastromes war so groß, daß die See meilenweit an der Küste 300 Fuß zurückwich und dann mit einiger Gewalt, ohne viel Schaden zu thun, zurückkehrte. Laute Detonationen erfolgten in kurzen unregelmäßigen Intervallen, und sie waren so laut, daß man sie 300 Meilen weit hörte. Montag nacht war der Krater eine Masse schauerlicher Flammen, die Berge hoch schossen, am Dienstag spie der Vulkan immer noch gewaltige Massen rauchiger Dämpfe und Lava aus, während die rollenden Geräusche und Erdbeben unaufhörlich andauerten. Der Krater und die Spitze des Berges tonnen durch dicke Wolken unsichtbar gemacht; die Stadt wurde von einer ein Viertel Zoll dicken Schicht von Lavastaub überdeckt. Tausende von Personen, die in der Nähe der vulkanischen Region wohnten, suchten Zuflucht in St. Pierre und anderen Orten der Nachbarschaft. Einige wenige begaben sich in Fischerbooten nach St. Lucia oder Dominica. Mittwoch morgen ließ der furchtbare Zustand ein wenig nach, aber um 2.30 Uhr nachmittags begann die schwere Kanonade wiederum.
Am Donnerstag früh erschien der Quebecer Dampfer „Roraima" im Hafen und ankerte. Der Morgen war verhältnismäßig ruhig. Plötzlich ergoß sich eine Art Wirbelwind von Dampf, kochend heißem Schlamm und Feuer über die ganze Stadt und den Hafen. Mit einem Male war die Stadt in Brand, das Feuer selbst schien zu rennen. Das Kabelschiff „Grappler" soll zuerst getroffen worden sein, aber alle anderen Schiffe kenterten auch sofort, verbrannten und sanken zugleich in der See, die wie >e»in kochender Kessel erschien. Die Geretteten der „Roraima" sagen, eine Springflut sei über ihren Dampfer gegangen, welche die Boote, Sparren und den Schornstein sofort wegriß. Wasser und Schlamm kamen wie vom Himmel herunter, während der Himmel selbst in undurchdringliche Dunkelheit gehüllt war. Als die Ueberleben- den der „Roraima" wieder etwas sehen konnten, bemerkten sie, daß Stadt und Schiffe furchtbar brannten. Die ganze Zerstörung war in weniger als 20 Minuten nach der Eruption erfolgt.
Der erste Ofsizier der „Roraima", der fick unter den Geretteten befindet, erzählt: Der Schiffsagent, der an Bord gekommen sei, habe Befürchtungen in Betreff des Mont Pelöe ausgesprochen, da heißer Sand gefallen sei, indessen war der Vulkan nunmehr ruhig und die Löschung der Fracht begann. Plötzlich hatte man oas Gefühl, als ob man geschüttelt werde. Die Luft erzitterte und aller Augen wandten sich nach dem Mont Pelöe, aus welchem eine himmelhohe Feuersäule emporschoß, dann barst der Berg auseinander und die Flamme schlug vom Himmel auf die Stadt und den Hafen zurück. Darauf stieg unter gewaltigem Tosen eine entsetzliche Flutwelle empor. Heißer Schlamm ergoß sich und der Untergang der Welt schien herbeigekommen. Alle Schiffe stanoen in Flammen. Die Stadt St- Pierre war in Rauch nt nd grauen Staub gehüllt und der Hafen war voller Leichen.
Nach Meldungen aus Dominica vom Sonntag fließt die Lava im Norden von Martinique weiter. Der ganze nördliche Tell der Insel ist verwüstet und seiner Vege- tati on beraubt. Ueber 1000 Flüchtlinge befinden sich in Lecarbet und Cafe Pilope bei St. Pierre. Fortwährend werden noch Teile von Leichen in der Umgebung von St. Pierre gefunden. Soldaten und Gendarmen sammeln dieselben und verbrennen sie auf den öffentlichen Plätzen.
Der Verivalter der Insel Dominica telegraphiert: Die Katastrophe von Martinique stellt sich als n o ch schrecklicher heraus, als die bisherigen Berichte darstelllen. Flüchtlinge melden, daß sich neue Krater nach vielen Richtungen hin öffnen. Die Flüsse sind ausgetreten, weite Landstrecken an der Nordseite der Insel unter Wasser gesetzt. In anderen Bezirken drängt sich die überlebende Bevölke- rxjmg zusammen. Es herrscht fortwährend fast völlige
Dunkelheit. Ich alaube nicht, daß Guadeloupe für die unsägliche Not genügend Hilfe bieten kann.
Die Mehrzahl der Mannschaft des in Santa Luna eingetroffenen Dampfers „R o d d a m", die bei der Katastropbe von Martinique teils ertrunken ist, teils schwere Brandwunden davontrug, sollen Deutsche sein, die in Hamburg an Bord gegangen waren. ,
Nicht minder s chrecklrch ist die Lage der Bewohner der Insel St. Vincent, wo, wie bererts gemeldet, der Vulkan Souffriöre in Thätrgkeit ist. Die Ausbrüche scheinen immer stärker zu werden und haben bereits zahlreicheOpferan Menschenleben gefordert. Bereits gestern erhielten wir ein Telegramm, demzufolge die Zahl der Toten auf 500 geschätzt wird. In einer späteren Depesche heißt es, es seien bereits mehr als 1000 Personen gelötet und schon 700 Lerchen geborgen. Der Souffriöre sei beständig in heftiger Eruption und bei Kingstown (im südlichen Teile der Insel St. Vincent) fällt beständiger Hagel von glühenden Steinen und Asche, indessen sei bis jetzt dort noch kern ernstliches Unheil geschehen. Auf dem Lande, sechs Meilen im Umkreis des Berges sehe man rauchende, versengte Streifen. Die Quellen seien versregt, die Seen dampften überall, über dem ganzen Archrpel hingen dunkle Aschwolken, das Tageslicht verdunkelnd und sich aus Schiffe und Land senkend.
Aus Stadt und Zand.
Gießen, den 13. Mai 1902.
* * Bereiuigungs-Geometer. Die während der letzten Woche stattgehabte Prüfung als Bereinigungs-Geometer haben bestanden die Großh. Geometer 1. Klasse Beckebach-Osthofen, Hofmann-Darmstadt und Vogt-Worms.
* * Kanalisations-Arbeiten. Am Ufer der Wieseck, direkt an der Brücke über das Flüßchen im Zuge der Bahnhofstraße, werden seit einigen Tagen Bohrungen vorgenommen, wohl um zu ermitteln, wie die Untergrundverhältnisse unter dem Bett der Wieseck sind. Bekanntlich soll an jener Stelle das große Siel für unsere Kanalisation unter dem Flußbett fortgeführt werden.
* » Befitzwechsel. Das früher Bleicher Schmall'sche Grundstück, großer Stcinweg 5, zuletzt der Witwe Pabst gehörig, wurde von dieser für 24 000 Mk. an den Weißbinber- meister Wilh. Seipp veräußert.
* * Rohheit. Ein in hiesiger Stadt herumlungernder Taglöhner von Burkhardsfelden schlug gestern Abend ein hierin Diensten stehendes Mädchen in der Schulstraße ohne jede Veranlassung mit der Faust derart auf die Brust, daß das Mädchen hinfiel und längere Zeit besinnungslos liegen blieb. Der Thäter, der sich entfernen wollte, wurde von zwei anwesenden Soldaten festgehalten und von dem hinzukommenden Schutzmann in Haft gebracht.
* * Gefaßter Einbrecher. Der Einbrecher, der in letzter Zeit die hiesige Gegend unsicher machte, insbesondere den Einbruch bei Wirt Weber in Duten Hofen und bei Wirt Spam er in Romrod beging, wurde ermittelt und in Metz verhaftet. In seinem Besitze befanden sich die aus dem Diebstahl zu Dutenhofen stammende Taschenuhr, sowie 2200 Mk. Bargeld, das von dem Diebstahl in Romrod her- rührt, sowie der ebenfalls dort gestohlene Trauring. Der Einbrecher nennt sich Weber, heißt aber richtig Le votier und ist Ende März aus der Irrenanstalt Marburg, wo er interniert war, entwichen.
* * Ein Schwindler. Ein angeblicher Baumeister mietete sich gestern in unserer Stadt unter der falschen Vorspiegelung, beim Stadtbauamt hier angestellt zu sein, zwei Zimmer. Er wußte dabei seinen Mietsherrn zu bestimmen, ihm 26 Mk. zur Auslieferung seines angeblich am Bahnhofe befindlichen Koffers zu leihen, in dem sich 500 Mk. befinden sollten. Mit diesem Betrage ist er verschwunden.
* * Gießener Volksbad. Im April wurden 7365 Bäder verabreicht gegen 7244 im März 1902 und 6978 im April 1901 oder 'int Durchschnitt auf den ganzen Badetag 273 Bäder gegen 278 im März 1902 oder 268 im April 1901. Der Besuch im einzelnen hat sich wie folgt verteilt: Schwimmbad 3061 Männer, darunter 750 zu 10 Pfg.,
„ 682 Frauen, „ 149 „ 10 „
Wannenbäder 1. Klasse 235 Männer, 67 Frauen, „ 2. „ 670 „ 473 _ „
Dampf- und Heißluftbäder, sowie Massage zusammen 122 Männer, 21 Frauen. Brausebäder 1864 Männer, 170 Frauen. Die Personenwage wurde von 200 Personen benutzt. Das Bad von 13 Personen besichtigt.
* * Historis cher Verein für dasGroßHerzogtum Hessen. In der in Darmstadt abgehaltenen siebenten und letzten Monatsversammlung sprach Prof. Dr. Lorentzen aus Heidelberg vor sehr zahlreicher Zuhörerschaft über das Thema: „Die Sage vom Rodenstein er". Schon in Urzeiten, so führte Redner aus, war der Wandergeist eine der bekanntesten Sagengestalten in Mitteldeutschland. Die Wandersage hat an sich mit dem Rodenstein nichts zu thun. Sie ist vielmehr an den Schnel- lerts gebunden. Nie wurde der Rodenstein als Sitz des Geistes genannt, sondern immer hieß er Schnellertsherr oder Landgeist. Aber die Erbauer des Schnellerts warpn unbekannt, und die Phantasie drängte duhin, aus dem Geiste eine Person zu machen; so wurde aus dem Geiste ein Ritter, dessen Sitz inan nach dem Rodenstein legte. Die Ausgestaltung der Sage ist das Werk der Romantik, und es ist ja auch klar, daß der Stoff gerade für Romantiker außerprdent- lich anregend war. Interessant war es, wie Redner die verschiedenen Stadien entwickelte, welche die Sage im Laufe von nicht 100 Jahren durchlaufen Hut. Zunächst wurde aus dem Landgeist ein Raubritter, um zuletzt, um 1822, mit der Zeit des wachsenden Nationalbeivußtseins, als Vorbote eines Krieges aufzutreten und nach Herstellung des Friedens wieder in den Schnellerts zurüc^ukehren. Vielfach wurde bis in die 50er Jahre der Rodensteiner als Symbol der deutschen Einhcitsbestrebungen betrachtet. Diese Form wäre vielleicht 1870 zu neuem Leben gekommen, wenn sie nicht in ihrer Entwickelung zerstört worden wäre durch I. V. Scheffel. Scheffel faßt ihn nicht mehr als den patriotischen Herold auf, ,andern als den Ritter, der keine Ruhe findet, weil er versäumt hat, den letzten Schoppen zu trinken. Hiermit wurde auch der letzte Hauch von echter Poesie dem Rodensteiner abgestreift. Nur ein Gedicht Scheffels schlägt die alten Töne an, bei dem jedoch der ernste Charakter dnrch den Nachsatz des „Rum, plum. plum" und eine fidele Komposition verloren gegangen ist: „Es regt sich was im Odenwald." Dem Redner wurde lebhafter Beifall zu Teil. Bei Beratung der Sommerausflüge wurde u jo. der Besuch
von Worms, wozu Herr Geh. Oberbaurat Hofmann eingeladen hat, in Aussicht genommen. Herr Hofmann wird die Wiederherstellungsarbeiten am Westchor des Domes er- läutern.
t. Rödgen, 10. Mai. Eine Frau von hier stellte emerr Behälter mit kochendem Wasser in das Zimmer und entfernte sich einen Augenblick, ihr anderthalbjähriges Kind allein in dem Zimmer zurücklassend. Als sie wieder zurückkam, befand sich das Kind, jämmerlich schreiend, mit dem Kopfe in dem Behälter. Der sofort herbeigerufene Arzt legte einen Notoerband an, worauf das arme Geschöpfchen in die Klinik nach Gießen gebracht wurde. Es ist den erlittenen Brandwunden erlegen.
o. Weckesheim b. Friedberg, 12. Mai. In unserem kleinen Dörfchen wurden dieser Tage durch den Gesangverein „Frohsinn" 48.40 Mk. für die Frauen und Kinder der Buren in den Konzentrationslagern gesammelt.
w. Ober-Mockstadt, 10. Mai. Bei der gestrigen Bürg er* meist erwähl wurde der seitherige Bürgermeister Mickel einstimmig wiedergewählt. — Heute fand im „Gasthaus §ue Krone" Generalversammlung des Vorschuß- und Kreditvereins statt. Es wurde beschlossen, wie im Vorjahr eine Dividende von 8 pCt. zu verteilen. Der Gesamtreingewinn betrug in 1901 9914.83 Mk. Die Einnahmen in diesem Jahre betrugen 826 483.94 Mk., die Aktiva 1 306 684.27 Mk. Die Mitgliederzahl belief sich auf 328. — Auch in hiesiger Gegend hat der Frost vielen Schaden gethan. Die Aussichten auf eine gute Futterernte sind sehr gesunken. Auch die Obstblüten haben stellenweise gelitten.
o. Hartmannshain, 11. Mai. Gestern gingen die Pferde des Gasthofbesitzers Sch malb ach hier, mit denen der Knecht auf dem Acker beschäftigt war, durch und rannten gegen ein daherkommendes Fuhrwerk. Die Deichsel drang in das Kummet des einen Pferdes und schützte es somit vor ernsten Verwundungen. Der Knecht dagegen, der die Pferde aufhalten wollte, nahm Schaden und mußte sich in ärztliche Pflege begeben.
Friedberg, 12. Mai. Der Direktor des hiesigen Predigerseminars, Professor Dr. Weiffenbach, feiert am 25. Mai seinen 60. Geburtstag. Zu dieser Feier sind ihm von den verschiedensten Seiten Ehrungen zuge-dacht. Die Mitglieder der evangelischen Konferenz für das Großherzogtum Hessen, deren Vorsitzender Weiffenbach ist, werden ihrem verdienstvollen Präsidenten an seinem Ehrentage eine besondere Ueberraschung bereiten. Gelegentlich der diesjährigen Konferenz, deren Termin noch aussteht, wird überdies eine gemütliche Nachfeier veranstaltet werden.
Offenbach, 10. Mai. Der Kreistag genehmigte in seiner vorgestrigen Sitzung die Errichtung einer Kreis-Wanderbibliothek. In mehreren Gemeinden des Kreises wurden schon früher Volksbibliotheken gegründet, welche bereits reichen Segen stifteten und meist von allen Konfessionen fleißig benützt werden. Die neu errichtete Wander-Bibliothek will nun diese ersprießliche Einrichtung auf den ganzen Verwaltungsbezirk aus Mitteln der Kreiskaffe ausdehnen.
Offenbach, 12. Mai. Gestern geriet der Arbeiter Euler mit seinem Sohne, der den China-Feldzug mitgemacht, in Streit, der so heftig wurde, daß der Vater dem Sohne fünf Messerstiche versetzte, sodaß seine Aufnahme ins Hospital notwendig wurde. Die dazwischentretende Mutter erhielt einen Stich in die Hand. Der Vater wurde in Untersuchungshaft genommen.
fc. Mainz, 12. Mai. Der Kaiser wird während seines Wiesbadener Aufenthaltes unsere Stadt besuchen und die im Bau begriffenen neuen Kasernen, sowie die vollendete neue Militär-Bäckerei in der Neustadt besichtigen.
Wiesbaden, 12.Mai. Frau von Cohn-Oppenheim hat, wie verlautet, dem Kaiser eine sehr hohe Summe, angeblich eine Million Mark, für Zwecke der Kunst zur freien Verfügung gestellt.
ok. Kassel, 12. Mai. Es steht jetzt fest, daß der Truppenübungsplatz für das 11. Armeekorps mit dem für das 18. Armeekorps vereinigt werden und in das Gelände von Wermertshausen (Kreis Marburg) und Rud- dingshausen (Oberhessen) gelegt wird. DieserUebungsplatz wird der größte im deutschen Reich.________________________
Vermischtes.
* Halle a. S., 12. Mai. Die von der hiesigen Staatsanwaltschaft eingeleitete Untersuchung über die Ursachen des Eisenbahnunglücks bei Zschortau ist wieder einge- stellt worden.
* Breslau, 12. Mai. In der ruffischen Grenzstadt Salocznetz (Boleslawetz? Red.) brannten etwa 300 Besitzungen völlig nieder. Eine Dienstmagd und X5 Kinder sind verbrannt. Viel Vieh und Vorräte sind vernichtet. Gegen 4000 Menschen sind obdachlos. Bei den Rettungsarbeiten erliten zahlreiche Personen Brandwunden.
* Erlangen, 12. Mai. In Herzogenaurach wurde am Samstag ein 20jähr. Handwerksbursche verhaftet, der im nahen Welkenbach zwei Wirtskinder mit Beilhieben ermordete und ein drittes Kind schwer verletzt hatte, als sic ihn beim Stehlen überraschten.
* Paris, 12. Mai. Die Insassen des dem brasilianischen Deputirten Severo gehörigen verunglückten lenkbaren Luftschiffes „Pax" waren Severo selbst und der Erbauer des Ballons, Ingenieur Lachambre. Eine beträchtliche Volksmenge hatte dem Aufstieg im Parke von Vaugirard beigewohnt und folgte den Bewegungen des Ballons. Anfangs ging alles gut, nur schien die Landung einiges zu wünschen übrig zu lassen, da der hintere Propeller sich nur mit Schwierigkeit bewegte, wodurch der Ballon öfter sttll stand Als derselbe sich in einer Höhe von 450 Meter über der Avenue Maine befand, erhob sich ein leichter Wind. Infolgedessen drehte der Ballon sich um sich selbst im Kreise herum. Plötzlich schlug aus der Mitte desselben eine Flamme heraus. Eine furchtbare Explosion erfolgte. Der brennende Ballon siel mit ungeheurer Schnelligkeit zur Erde, wobei er ein Haus und mehrere Bäume der Avenue Maine streifte. Man beeilte sich, den beiden Luftschiffern zu Hilfe zu eilen. Die beiden hatten jedoch bei dem Sturze entsetzliche Verletzungen und Brandwunden erlitten. Nach Ansicht der Arbeiter, welche bei der Herstellung des Ballons beschäftigt waren, soll der Unfall auf die Explosion des Petroleumreservoirs zurückzuführen sein. Andere meinen, daß das Wasserstoffgas aus dem Ballon entwichen sei. Eingehende Untersuchung ist im Gange.


